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-Kummer 18.Fernsprecher SSI «nd SSL Dienstag, 24. Dezember 1912. Fernsprecher SSI «Md SSL 3. Jahrgang.
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König Aikit- will abbanZen!
Depeschen a«S Belgrad melden «ns r Wie hier in politischen Kreise« bekannt wird, trägt sich König Nikita von Montenegro mit der Abficht, dem Thron z« entsage«, da die anti-dynastische Bewegung im Lande sich vornehmlich gegen seine Person richtet. Es besteht der Plan, de» Erbprinzen Danilo znm König von Montenegro anSznrvfe». Auch Oprreftenland-Krönchen und Thrön- chen haben ihre Schicksale, und wenn der Greis der Schwarzen Berge, den des Zaren Gnade zum König von Montenegro beförderte, mm. am Vorabend des WeihnachtKfests und des Balkan-Friedens, die Sehnsucht spürt, von der .steilen Höh', wo Fürsten steh'n" wieder hinabzusteigen ins dunkle Tal des Lebens, so darf man mit diesem Entschluß als dem logischen Endeffekt der ganzen Entwicklung dieses eigen, und einzigartigen Zepterträgers und seines Herrschaft-Reichs vorbehaltlos ein verstau, den fein. Der Stamm Njegusch. der dem winzigen Felsenland der Hammeldiebe seine Fürsten gegeben, ist weder alt noch historisch in der Geschichte der Schwarzen Berge festge- wurzelt; er ist (wie di« Obrenowitsch und Petrowitsch) der Nachwuchs einer auf tieffter Kulturstufe stehenden Schweinehirtenfamilie, wie st« noch heut in den Schluchten des Balkan in unberührter Reiw-Unkultur zu Tausenden anzutreffen sind. Dies« Ursprung-Verwandtschaft zwischen Volk und Fürst, deren rein-demokratische Tendenzen scharf mit dem patriarchalisch-autokratischen Herrschaft-System unter Nikrtas zaren-gnädiger Majestät kontrastieren, h-t Regierend« und Regierte in Wollen und Sehnen stets nahe zusammengehalten und dazu beigetragen, selbst das Königtum (das dem freien Sinn der Montenegriner anfänglich widerstrebte) populär zu machen.
3” der nahen Berührung zwischen Volk und Fürst lag aber auch di« G e fa h r mr die Dynastie, und die Feuerlohe des Balkanbrands hat letzt grell di« Leidenschaften beleuchtet, die in dem winzigen Völkerkesselchen der Schwär- zen Berge kochen. Daß etwas faul war im lunMen Königreich EuropenS, ist allen Kennern des Landes längst kein Geheimnis mehr. Das forsch« Draufgehen des Königs gegen di« Tür- rei wird man sogar zum Teil als eine Folge gewisser Unstimmigkeiten zu bewerten haben, die seit Jahren zwischen dem König und weiten Schichten des Volks bestehen und vor zwei Jahren erst zu einem sensa- tionellen Prozeß vor dem Kriegsgericht zu Kola,m führten. Damals handelte eS sich (wie die Untersuchung ergab) um das Bestehen einer Unteroffizier « Verschwörung, die gegen die Person deS Fürsten Nikita gerichtet war, und in die auch mehrere höhere Offizier« und Angehörige der besten Familie» des Landes verwickelt waren. Die Absicht der Verschwörer war, den König (den damaligen Fürsten Nikolaus) abzusetzen und zum Verlassen des Landes zu zwingen. Erbprinz Danilo sollte zum Fürsten auSge- rusen werden und dem Lande eine neue Verfassung geben. Di« ingesehenen Geschlechter der Kuci und Bratonozici, die über große Geldmittel verfügen, wurden die Führer dieser Bewegung zu Gunsten deS Erbprinzen, dessen Beziehungen zu seinem Vater sich in jener Zeit erheblich verschlechtert hattest. Man erzählte sich damals, Erbprinz Danilo hab« Anhaltspunkt: dafür gewonnen, daß der König ihn zu Gunsten des Prinzen Mirko von der Thronfolge ausschließen wolle, und er habe Beweise dafür, daß sein Bruder Mirko ihn zu beseitigen wünsche: Balkan-Kabalen, wie wir sie im Nachbarlande Serbien gewissermaßen als Tages- Ereignisse erlebt haben.
Der Bruderzwist im Hanse Njegusch hatte gerade in jener Zeit ernste Formen angenommen: Es bildeten sich zwei Parteien, eine für den Erbprinzen Danilo, die andre für den Prinzen Mirko. Die Brigadier« Vukotic und Mijnskovic standen im Lager des Erbprinzen, der jetzige Kriegsminister Martinovi: auf feiten der Anhänger Mirkos. Wie scharf der Konflikt in der Fürstenfamilie sich zugespitzt hatte, zeigte sich, als der König bald darauf mit feinen beiden jünger« Söhnen Mirko und Peter eine Reise ins Innere des Landes vornehmen wollte, um die beiden Prinzen dem Volk vorzustellen. Es kam zu einem lebhaften Auftritt zwischen dem Fürsten und dem Thronfolger. wobei der Erbprinz seinem Vater vorwarf, er trachte danach, ihm den Thron zu enter ßen und den Prinzen Mirko zum Erben zusetzen. Der Auftritt endete damit, daß dex König erklärte. Mtt; solchen Umstände«
die Reise überhaupt nicht antreten zu wollen. Diese Vorgänge erschienen besonders auffällig, als eine Verschwörung zugunsten des ErbprinzenDanilo entdeckt wurde, die im Volk natürlich sofort mit den Geschehnissen in der Königsfamilie in Zusammenhang gebracht wurde. König Nikita wurde durch die Entdeckung des Komplotts aufs Aeußerste erschreckt und ließ keinen Zweifel daran, wen er der Anstiftung der Militärverschwörung verdächtigte. Erbprinz Danilo erklärte, daß er allen diesen Vorgängen und der angeblich zu seinen Gunsten in Szene gesetzten Verschwörung vollkommen fern stehe und zu den durch die Untersuchung bloßgestellten Familien Kuci und Bratonozici keinerlei Beziehungen unterhalte. Er sei durch die Ergebnisse der Untersuchung des Kolafiner Kriegsgerichts selbst überrascht worden und wünsche, daß die Schuldigen streng bestraft würden. Trotz dieser Erklärung ist indessen in Montenegro die lieber« zeugung festgewurzelt, daß eS sich damals um einen Jntriguenkampf Sohn gegen Vater und Bruder gegen Bruder gehandelt hat, dessen Richterfolg lediglich dem Zufall vorzeitiger Entdeckung zu danken war.
Gegen.die Verschwörer wurde bald darauf mit rücksichtloser Strenge vorgegangen: Köpfe fielen und Menschen-Schicksale wurden hinter Kerkermauern begraben. Trotzdem gelang es nicht, dem »Stern" des Hauses Njegusch neuen Glanz zu leihen; die Dynastie thronte auf einem Vulkan von Leidenschaften, und als im letzten Herbst am Balkan das Ungewitter heraufzog, ergriff Nikitas bärtige Majestät mit Freuden di« Gelegenheit, durch Waffenruhm die düstren Familiensünden seines Hauses vergessen zu machen. Aber auch diese letzte Hoffnung hat sich nicht erfüllt: Das kleine Fähnlein der Schwarzen Berge kämpft gegen die Türken- Wucht vor Skutari den Kampf der Verzweiflung und die Unzufriedenheit im Land steigert sich zur Drohung der Revolution. Dazu kommt, daß in den einflußreichsten Kreisen des Landes der Haß gegen die Dynastie systematisch geschürt wird. In erster Linie ist an diesen Machenschaften der ehemalige Adjutant des Königs, Sawa Jvanovic, beteiligt. Er hat im Auftrag des sogenannten montenegrinischen Emigrationskomitees seinerzeit ein Buch geschrieben, in dem er aufsehenerregende Enthüllungen über die Familie Njegusch veröffentlichte. Er beschuldigte darin den Kronprinzen Danilo, seiner bildschönen Frau nachgestellt und ihm selbst eine Kugel in den Leib geschossen zu haben; aber nicht genug damit: Die Brüder des Adjutanten (Marko und Mitar) sollen bei ihrer schönen Schwägerin ein Fläschchen Gift mit einer von hoher Hand geschriebnen Gebrauch-Anweisung gefunden haben. Das Ende war, daß Marko dem Gefängnis, Mitar dem Irrenhaus zugeführt wurde, während der Adjutant selber nur mit Mühe einem Anschlag auf fein Leben entging. All diese Sünden fordern Sübne, und wenn auch Nikita, der Greis, nicht Persönlich für die Frevel seiner Familie verantwortlich gemacht werden kann, so erblickt das Volk doch im König den Repräsentanten der Dynastie, und gegen Nikitas Haupt richtet sich deshalb auch der Haß der Feinde, dem der vom Zarengold besoldete Bannerträger der „Balkan-Freiheit" nun Weichen will: Eine Fürsten -Komödie, die im letzten Aktschluß sich zur Tragödie wandelt ...! F. H.
Streik im Süden und Norden.
Der Saar-Streik dehnt fich weiter aus!
Der Streik an der Saar scheint auch die Bergleut^der angrenzenden bayerischen Grub« St. Ingbert in eine Löhnbowegung hineinzuziehen. Di« Bergleute haben eine neue Arbeitsordnung gegen ihren ausdrücklichen Willen erhalten, die sie für unannehmbar erklären da sie große Härten enthalte. Unter den Arbeitern besteht die Absicht, wen« diese neue Arbeitsordnung nicht verbessert wird, ebenfalls in den Streik zu treten. Es wird uns darüber berichtet:
Streikoefahr in Bayern!
(Privat-Telegramm.) München, 23. Dezember.
Nach behördlichen Nachrichten herrscht unter den Bergleuten auf einigen Gruben Bayerns eilte tiefe Erregung, deren Resultat ein Streik großen Umfangs sein dürfte. In St. Ingbert, wo etwa zweitausend Arbeiter in den Gruben beschäftigt sind, haben die Bergarbeiter gleich den Saarbergleuten erklärt, die neu« Arbeitsordnung nicht annehmen zu wollen und, wenn sie dazu gezwungen werden sollten, in den Streik zu treten. Ta die Bergdirektion erklärt hat, Pie Aröeitsord- nung nicht abandern tu können, fürchtet man,
daß sich auch die Bergleute in den bayerischen Gruden dem Streik der Saarbergleute anschließen werden.
Ausstand auf der Germania-Werst.
Wie uns aus Kiel berichtet wird, legten am Sonnabend von den etwa 8000 auf der Germaniawerft beschäftigten Arbeitern 4000 die Arbeit nieder. Der Grund ist Unzufriedenheit mit den von der Direttion getroffenen verschärften Strafbestimmungen, insbesondere mit der in Aussicht gestellten Ausübung des Auf- sichts- und Polizeidienstes durch Feuerwehrleute der Werft. In einer gestern stangehabten Versammlung beschlossen die Streikenden, vorläufig die Arbeit nicht wieder auszunehmen. Die Vertrauensleute sollen mit der Wcvftdirek- tion verhandeln. •
3er Stimm der Friedens.
Der serbisch-österreichische Konflikt erledigt.
Der Konflikt zwischen Oesterreich und Serbien, der durch die Prohaska-Affäre heraufbeschworen war und wochenlang Europa beunruhigt hat, ist nach langen Verhandlungen nun endlich beigelegt worden. Die serbische Regierung hat sich offiziell enffchnldigt und damit darf ein bedenklicher Streitpunkt, der die internationale Krise außerordentlich verschärfte, äks beseitigt gelten. Heber bi« Beilegung des Konflikts liegt folgende Meldung vor:
Serbien entschuldigt fich!
(Telegraphischer Bericht.)
Belgrad, 23. Dezember.
Ministerpräsident Pasitsch hat in dem Bestreben, abermals kundzntun, daß dir serbische Regierung di« friedlich« Austragung der schwe- benben Fragen ernstlich wünscht, am Sonnabend nachmittag aus eigener Initiative den österreichisch-ungarffchen Gesandten von Ugron ausgesucht und ihm das aufrichtige Bedauern der serbischen Regierung über die Mißgriffe einzelner militärischer Organe in Angelegenheit des Ssterreichisch-unga- rischen Konsuls in Prizrend, ProhaSka, ausgesprochen. Hiermit kann diese Angelegenheit als in befriedigender Weise bei gelegt betrachtet werden.
Frankreich und der Friede-
Di« auswärtige Politik FranfteichS.
Der französische Ministerpräsident Poin- c a r S begann am Sonnabend in de« Kammer sein schon lange erwartetes Exposs über die auswärtige Sage damit, zu erklären, daß die Londoner Unterhandlungen ihn zwängen, sich eine gewisse Reserve aufzuer- legen. Dann gab Poincarö eine Darstellung der Geschichte des Balkankriegs und fuhr fort: Jich habe «z stets für unsere Pflicht gehalten, unseren Alliierten in allen Lagen tr eu zur Seite zu stehen. Mit der Peters- bürget Regierung sind wir feit Januar in ununterbrochenem Meinungsaustausch geblieben. Unsere gegenseitigen Beziehungen haben nichts von ihrer Herzlichkeit verloren. Mit England waren unsere Beziehungen nie intimer als heute. Sir Edward Grey erklärte uns noch vor einigen Tagen spontan, daß alle tendenziösen Gerüchte ohne Unterlage seien und England uns auch heute noch wie früher stets treu zur Seite stehen werde. Zu- rückkommend auf die BaManangslegenheit sagte Poincarö: England und Rußland schlagen vor, ihrem Vermittlungsaneohieten eine Erklärung des Nichtinieressiertseins hinzuzufügen; denen dieser Vorschlag unterbreitet wurde, waren damit einverstanden. Frankreich hat
feine territorialen Wünsche, wir können aber unsere moralischen und materiellen Interessen nicht ganz aus dem Auge verlieren. Oesterreich hat uns die Erflärung gegeben, daß es keine Landerweiterung wolle und auch nicht die politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit Serbiens angreife. Die britische Regierung nahm, nachdem sie unsere Ansicht eingeholt hatte, eine glückliche Initiative. Die Botschafterkonserenz hat zwar keine Vollmacht, Beschlüsse zu fassen, aber sie wird das Band zwischen den Mächten enger knüpfen und dem Frieden dienen. Ich kann Ihnen bereits ein günstiges Resultat Mitteilen: Albanien toirb autonom und unter die Kontrolle der Mächte gestellt werden. Serbien kann also ruhig aüfatmen. Ich habe mit den Balkan- bevollmächtigten Konferenzen gepflogen, und alle waren feft davon überzeugt, daß der Friede zustande kommen wird Sollten die Feindseligkeiten aber wieder ausgenommen werden, dann wird Eurova nicht mehr mit verschränkten Armen zusehen können. Sei dem, wie ihm wolle. Fraickr--^ wird seine Pflicht tun und auch im Orient die Ansprüche aufrecht erhalten, bi« seine nationale Ehre von ihm verlangt.
Die Londoner Konferenzen^
Ein Privat-Telegramm meldet uns aus London: Uebei dir Verhandlungen der StiebeslbeleeUxUtt wird bekamst.
daß die Zulassung der Griechen zu der Konferenz von den Türken an keine weiteren Bedingungen geknüpft wurde. Die Türken verlangen nach wie vor die Erlaubnis, Adrianopel zu verproviantieren. Bor der Aufnahme der Verhandlungen erklärte Venizelos, es sei unerträglich, daß die Delegierten nun schon zehn Tage in London feien und noch nicht die ersten Schritte zu einer sachlichen Verhandlung getan hätten.
Serbien bleibt pessimistisch!
Im Gegensatz zu den aus Konstanftuopek vorliegenden Meldungen berichtet uns ein Privat-Telegramm aus Belgrad: Die aus London über den Gang der Friedens- Verhandlungen hier eintresfendcn Nachrichten haben eine pessimistische Stimmung in weiten Kreisen erzeugt. Wie von verschiedenen Seiten verlautet, beginnt man sich hier ernstlich damit vertraut zu machen, daß es zu einer Wieder ausnam e der Feind- feligteiten gegen die Türkei kommen werde und trifft bereits entsprechende Vorbereitungen, namentlich auch hinsichtlich der militärischen Kriegs-Maßnahmen.
Um Setzen» Stinigdrene. Keine Verfassungsänderung in Bayern!
Die Frage, ob in Bayern demnächst die Königswürde auf den Regenten übertragen werden soll, hat nunmehr ihre Lösung gesunden: Es wird alles beim Alten bleiben. Prinzregent Ludwig selbst hat, wie zu- verlässig verlautet, die Löfung gegeben, indem er dem Ministerpräsidenten Freiherrn von Hert« ling seinen Willen dahin kundgab, daß die An- gelegenbeit nicht weiter verfolgt werden solle. Es werden dazu folgende Einzelheiten bekannt:
Das Gottesgnadentnm bedroht?
(Privat-Telegramm.)
München, 23, Dezember.
Wie aus zuverlässig orientierten Kreisen verlautet, hat nun auch di« Regierung in der Regentfchastsfrage beschlossen, das Projett einer Verfassungs-Aendernng endgültig auf- zu geb en, nachdem sich besonders in der Zentrumspartei Schwierigkeiten ergeben haben, di« die Regierung für unüberwindlich hält. Der Entschluß deS Regenten, der allein weiteren Erörterungen den Boden entzieht, dürfte zurückzuführen fei« auf das Ergebnis, das die Verhandlungen der Frattionen des Landtags und des ReichSratS gehabt haben. Die ausschlaggebende Partei, baS Zentrum, hat sich in ihrer großen Mehrheit gegen eine Aenberung bet ®er. f a ff u n g, bie notwendig wurde unter bet Re. gentschaft, ausgesprochen. Die liberale Frak. tion ist ebenfalls geteilter Meinung, bie ® o • zialbemokraten aber haben erttärt, ge- gen bie Aenberung stimmen zu wollen. In ber Kammer der Reichsräte ist bie überwiegenbe Auffassung bie, baß eine Aenberung beS ben König betreffenden Absatzes der Verfassung eine Durchlöcherung des monarchi- scheu Prinzips deS GotteSgnaden- t tt m S bedeuten würde. Da sonach nicht daraus zu rechnen war, daß die Kammern die Uebertra. gung der KönigSwürde auf den Regenten ein- mütig (waS Voraussetzung war) beschließen würden, wird die Angelegenheit fortan auf fich beruhen bleiben.
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Das Zentrum gegen Hertling r
Unser Münchener Korrespondent depeschiert uns weiter: Es kann nach den heute vorliegendc« Nachrichten keinem Zweifel un- terliegen, daß die geplante Verfassungsände- rung lediglich am Widerstand des Zentrums gescheitert ist. Der Mißerfolg des Ministerprässdenten Freiherrn von Hertting in der Josuitcnfrage hat die immer latent vorhandene Anii-Hertling-Ttrömung im bayeri. scheu Zentrum (die Richtung Heim) gestärkt, und sie gewinnt langsam wieder Oberwasser. Daß die geplante Verfassungsänderung, als deren geistiger Vater der Ministerpräsident von Herfling in Frage kommt, zu Fall gebracht worden ist, wird in unlerriWeten politischen Kreffen als offen« Kriegserklärung der extremen Zentrums-Majorität an Hertting ge. deutet.
Am Mttelsbocher Hof.
Bayerisches Hofleben einst «nd jetzt.
Wenn die öffentliche Meinung Bayerns, und besonders Münchens, jetzt so stark und so einmütig mit dem Verlangen hervortritt, der Sohn und Nachfolger des verblichenen Prinz- regenteti Luitpold möge die königlich« Würde annchmen und als Ludwig de. Dritte den Thron der Wittelsbacher best-i- gen, so ist hierbei ganz gewiß auch per Wunsch im Svi«l. daß München wieder der Schauplatz