Casseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
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Ferusprecher 951 und 952.
Sonnabend, 21. Dezember 1912
3. Jahrgang.
Fernsprecher 951 und 952.
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Weihnacht-Botschaft!
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Der vergessene Minifterial-Erlatz.
Depeschen aus Athen bringen etne neue
Depeichen aus »ryen ormgen eine neue tiotn Jahre 1896, der diese Frage generell re- Darstellung von der in den letzten Tagen^zwi- gelt, in Halle nickt in . . . Vergessenheit schen-Griechen und Türken stattgehabten see- geraten wäre. Nachdem ihnen in Berlin im schlackt vor den LarÄaneLD. ML düLrtKulttrLmrnMrium Me Srifie Leivlguna jener
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Darstellung hat die türkische Flotte nicht nur keinen Sieg erfochten, sondern das Panzerschiff „Haireddin Barbarossa" hat so schwere Havarien erlitten, daß es außer Dienst gestellt werden mußte. In Uebereinstimmung mit dieser Nachricht veröffentlicht soeben die „Agenco d’Athenes“ über die Seeschlacht vom 16. Dezember auf Grund eines Berichtes eines Kapitäns, der mit seinem Schiff von den Dardanellen dort «ingetroffen ist, folgende Einzelheiten: Der türkische Panzer „Haireddin Barbarossa“ ist fast völlig zerstört. Während des Kampfes brach an Bord des Panzers Feuer aus, jedoch gelang es, dieses zu löschen. Die Zahl der Toten und Verwundeten ist sehr groß. Drei andere türkische Schiffe erlitten ebenfalls schweren Schaden.
Wiener Rathaus-Geschichten
Rücktritt des Bürgermeisters Reumaher.
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Das neue Schwaben-Parlament.
Wie uns aus Stuttgart berichtet wird, entfielen bei den gestern stattgehabten Landtagsproporzwahlen von den siebzehn Kandidaten auf Las Z entrum fünf, die Sozial, demokraten vier, die Fortschrittliche Volkspartei vier, die Konservativen und den Bund der Landwirte drei und auf die N a t i o n a l l i b e r a l e n einer. Der neue Landtag setzt sich demnach aus 26 Mitgliedern des Zentrums, 20 Konservativen und Bund der Landwirte, 19 Mitgliedern der Fortschrittlichen Volkspartei. 17 Sozialdemokraten und 10 Nationalliberalen zusammen.
dnferttonSsretfe: Di« ftch-g-spalten, Sette für einheimische Beschütte 15 Pfg., für au«' wärtige Inserate 25 «gf, Reklamezetle für einheimische Beschütte 4» Pt, für auswärtige Beschälte so Pt. Einfache Beilagen für die Besamtauflage werden mit »Mark pro Tausend berechnet. Wegen ihrer dichten Berbrettung in der Reftdenz und der Umgebung sind die «affeter Neuesten Nachrichten ein vorzügliche« Jnserti»n«organ. «eschäftsstelle! lkölntsche Straße 5. Berliner Bertretnng: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt Moritzplatz 676
Die Londoner Konferenzen.
(Privat-Telegram m.)
London, 20. Dezember.
Die gestrige dritte Sitzung der Friedenskonferenz, die um vier Uhr unter dem Vorsitz des griechischen Premierministers Benizelos im St. James-Palast begann, war noch kürzer, als die vorhergegangenen. Nach Verlesung des Protokolls der beiden ersten Sitzungen erhob sich der stimmführende türkische Delegierte Reschid Pascha zu der Mitteilung, daß der Bote mit den von der Pforte erbetenen neue« Instruktionen von Konstantinopel nach London unterwegs sei. Darauf wurde von weiteren Verhandlungen Abstand genommen und die nächste Sitzung auf Sonnabend nachmittag anberaumt. Nach knappen dreiviertel Stunde« gingen die Delegierten useinander. Die für gestern nachmittag angesetzt gewesene zweite Botschafter - Rsunion ist auf heute verschoben worden. Bor Weihnachten findet
Dte «afiekr Neueste» NachEen erscheinen wöchentlich sechsmal und »war abend«. Der dl» bti tretet Zustellung in« ©au«. Bestellungen ben BoMn «tgegengenommen. Druckerei. Berlag und «edattton: Echlachthosftraße 28/30, Sprechstunden der Redaktion nur von 7 Bi« 8 Uhr Auskunft. Stelle: Jeden Mittwoch und Freltag von « bt« Uhr abend«. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstr. 16, Telephon: Amt Morttzpla? 676.
dann eine weitere Zusammenkunft der schafter nicht mehr statt.
Die Dardanellen-Seeschlacht.
Nicht Sieg, sonder« Niederlage der Türke»!
Budapest, 20. Dezember-
Oesterreich zieht eiligst große Truppenmassen in Bosnien und der Herzegowina, besonders aber an der Lj.grenze Bosniens, zusammen. Aus Nizza und Lyon liegen hier Meldungen vor, denen zufolge die in der dortigen Gegend wohnhaften östereichffchen Re- servisten Gestellungsbefehle erhalten haben, mit der Aufforderung, sich fofort zu ihren Truppenteilen zu begeben. Diese Tat- fachen beweisen, daß man in Oesterreich i m m e r n o ch mit allen Eventualitäten rechnet und die Gefahr kriegerischer Verwicklungen auch heute noch nicht als beseitigt erachtet. Hinsichtlich deS österreichisch-serbischen Konflikts und der Adriahafen- Frage wird bekannt, daß die Friedenskonferenz in London einen Vorschlag Italiens prüfen soll, wonach bei der Grenzfest- stellung zwischen Albanien und Montenegro der Hafen von San Giovanni di Medua unter serbische Herrschaft kommen soll, ohne daß indessen Serbien die Erlaubnis erhält, diesen Hafen zu besetzen.
bei Ablehnung der türkische« Forderungen Abbruch der Verhandlungen erfolgt.
Oesterreich rüstet weiter.
(Privat-Telegram m.)
Halle a. S., 20. Dezember.
Der Streik der Mediziner an der Universität Halle ist trotz des Entscheides des Kultusministeriums zugunsten der Studenten noch immer nicht bekgekegt, und die medizinische Fakultät hat den Studenten noch immer nicht die Erklärung gegeben, die diese fordern. Nach wie vor besuchen die Studenten die Vorlesungen nicht und sie erklären, es sei kaum anzunehmen, daß die Angelegenheit vor Januar beigÄegt werden könne. Von Seiten der Fakultät wird allerdings mitgeteilt, daß bereits in der nächsten Sitzung der Fakultät, die am morgigen Sonnabend statffinden wird, ein definitiver Beschluß gefaßt werden solle, der die Angelegenheit jedenfalls zufrieden- stellend erledigen werde.
Berlin, 20. Dezember.
Veranlaßt durch das Vorgehen der Hallenser StudenteNschasit, haben sich nun auch die Berliner Studenten der klinischen Semester entschlossen, gegen das zunehmende Ausländertum unter den Studierenden Stellung zu nehmen. Zu ihrem Mißvergnügen haben sie die Bemerkung machen müssen, daß die ausländischen Studenten, die die Ferien gewöhnlich hier verbringen, in den meisten Kliniken die besten Sitzplätze belegt haben, wodurch «in großer Teil unserer deutschen Studenten gezwungen ist, oft zweistündige Kollegs stehend anzuhören. Gestern zirkulierte nun in einigen Kliniken ein Aufruf, in dem die Kommilitone« zu energischem Protest aufgefordert werden. Dieser Aufruf liegt zurzeit der medizinischen Fakultät zur Beschlußfassung vor. Man erhofft eine befriedigend« Erledigung.
Heidelberg, 20. Dezember-
In der gestrigen überaus zahlreich besuchten öffentlichen Versammlung der Heidelberger Kliniker wurde im Anschluß an das Referat des Kandidaten der Medizin, Riedel-Halle, über die Bewegung der Halleschen Kliniker die Absendung eines Sympathie- Telegramms an die Halleschen Kollegen sowie nach mehrstündiger Diskussion etne Eingabe an die hiesige medizinsche Fakultät einstimmig beschlossen, in der diese aufgefordert wird, sie möge zur Besserung der Ausländerverhältnisse von den Ausländern sowohl das Physikum als auch ein Examen in der deutschen Sprache als Berechtigung zum Praktizieren sordern, sowie durch Einführung eines von der Fakultät mit den Akademikern zu vereinbarenden enffprechenden numerns clausus die drohende Beeinträchtigung der deutschen Klinikerschaft verhindern.
War steht auf dem Spiel?
Vorweihnachtlicher Pessimismus in London; der Erfolg der Friedens-Konferenz fraglich!
Während im Heimatbereich des Optimismus, in der Berliner Wilhelmstraße, gestern noch die Vorweihnachtglocken die frohe Botschaft durch die Lande läuteten, das Londoner Werk des Friedens gedeihe unterm wärmenden Sonnenstrahl internationaler Aufrichtigkeit sichtbar und erfreulich, bringt heut aus der Themse-Stadt der Draht andre, weniger stohe Kunde: Der Erfolg der Friedens-Konferenz ist ernstlich in Frage gestellt, und offenbar unterm Eindruck dieser Erkenntnis haben auch die zur Botschafter- Reunion Versammelten den Wegbau für des Friedens holden Engel bis nach der Weihnacht Tagen verschoben. Das alles deutet nicht auf den nahen Abschluß der Europa durchschauernden Krise, und die Frage, ob Friede auf Erden sein und ob der Menschheit Ohr endlich wieder einmal andern Laut vernehmen wird, als Waffenlärm und Krieg- gefchrei „im Namen der Kultur und Humanität": Diese Frage bleibt auch an der Schwelle zum neuen Jahr das großeProblem europäischer Politik. Wir wissen heut etwas klarer, was war und was wurde, aber wir wissen noch immer nicht« Genaues von Dem, das werden soll. Die Aenderungen, die sich in der Türkei vollziehen sollen, scheinen nicht so radikal zu werden, wie Manche wohl hofften und erträumten. Die Türkei ist besiegt und wird ein andres Mal aus Europa scheiden. Ferdinand von Koburg, der Bulgaren Zar, ist jedoch nicht so unklug, schon jetzt die ganze Mahlzeit auf einem Stuhl verzehren zu wollen: Er läßt der „historischen Entwicklung" ihre Rechte!
Es gibt zwei alte Freunde, die sich darin zusammengefunden haben, der Türkei den.Besitz X eines europäischen Landstrichs auch fernerhin zu gönnen: England und Frankreich, und beide haben es auch verstanden, ihrem Willen Gel- | tung zu verschaffen. Die slawische Welt steht unter dem berauschenden Eindruck eines Macht- Zuwachses. Diesem Taumel ist mancher zugute zu halten, aber auch der Glücksrausch muß einmal seine Grenze finden, die Welt muß auch von den Enthusiasmierten endlich gesehen werden, wie sie ist, und das Errungne darf nicht dadurch preisgegeben werden, daß die Sieger am Balkan ihre Hände nach Dem ausstrecken, das sie nicht fassen, nicht sesthalten können. In der ganzen Geschichte der Orientfrage gab eS von jeher ein Dogma, daß die ganze türkische Beute nie den slawischen Völkern und Ländern zufallen dürfe. Vor hundert Jahren schon S; war es Karageorg (der Führer dek antirussischen Parteien am Balkan), der ein Patronat Oesterreichs für Serbien anstrebte. Metternichs Absicht aber war es, der Türkei das Dasein in Europa nicht unnütz zu erschweren, und er war auch wenig geneigt, eine Annexion Serbiens durchzuführen. Oesterreich tat im Gegenteil alles, um die Selbständigkeit der Serben zu stärken. Rußland aber hat sich nie ernstlich für Serbien eingesetzt, nie etwas für fein Wohl getan. Durch dieses ganze Jahrhundert erhielt Oesterreich (unter andern auch von Bismarck) den Rat, Serbien zu annektieren, und lange genug hat es gewährt, bis es sich entschloß, Bosnien in seinen Besitz zu bringen. Aber auch dann galt es noch als unumstößlicher Grundsatz, daß Oesterreich ein Groß-Serbien nie dulden dürfe.
Die Slawen haben unter vielen ausgezeichneten Qualitäten die eine nicht: Die Rechte andrer Rassen und Völker anzuerkennen. Es handelt sich in all den Streitfragen nicht um Durazzo, nicht um bloße Hafenrechte, nicht um das Schicksal der Albanesen allein. Man | erinnere sich, daß diealbanesischeFratze zuerst von den Bulgaren angeschnitten wurde. Jetzt vertritt Oesterreich Das, was Albanien stets gewünscht hat: Ein Recht, das von Rußland früher anerkannt wurde! Es ist noch gar nicht lange her, daß RußlandsBoffchaster Novi- kow auf einer österreichischen Karte mit dem Stift die Linien zog, die anzeigen sollten, wo die Interessensphären Oesterreichs und Rußlands am Balkan ihre Grenzen haben. In diese Interessensphären waren Serbien und Albanien - mit einbezogen. Das wahre Wesen des W7 Konflikts liegt darin, daß weder Oestereich, r Noch Deutschland Rußland als Nachbar dulden l will. Man kann einer Macht, die sich so ab- h hängig von Rußland zeigt, wie es Serbien getan hat (und wohl auch tun m u ß), nicht einen Hasen überlassen, der der russischen Marine als Stützpunkt dienen kann, und in Wien und Berlin wehtt man sich gegen die Eintragung einer k-, russischen Hypothek auf den Besitz der Adria- küste. In Rußland selbst wird wohl das Be- D wußtsein erwachen, was man aM Spiel in
Der Konflikt mit der Klinikerschast hätte wahrscheinlich keine so scharfen Formen angenommen. wenn der Ministerialerlaß
Forderungen der Studenten zu er,füllen, wird uns darüber berichtet:
Der Streik dauert fort!
(Privat-Telegramm«.)
Eine Woche Enttäuschung.
(Privat-Telegramm.)
London, 20. Dezember.
Die unbestrittene Tatsache, dass eine volle Woche nach dem Eintreffen der Konferenzmit- glieder den Friedensfchluß noch nicht um einen Schritt näher gebracht hat, erfüllt hiesige politische diplomatisch« Kreise mit geringer Zuversicht in bezug auf den weitern Verlauf der Verhandlungen. Bulgaren und Griechen eckläre«, lieber weiter kämpfen, als auf Adrianopel und Janina verzichten zu wollen. Die türkischen Unterhändler sind zwar sehr viel zurückhaltender, lassen jedoch dnrchblicken, daß die Türkei ebenso entschlossen sei, lieberden Krieg fortzusetzen, als die beiden bisher erfolgreich verteidigten Festungen ohne weitern Schwettstreich falle« zu lassen. Bei al- lebem versichern besonders die Bulgaren, an einem für die Liga günstigen Ausgang der Konferenz nicht zu zweifeln, da die Türken sich ihren Ansprüchen schließlich notgedrungen würden fügen müssen. Sicher ist jedenfalls, daß
Der Sieg der Halloren-
Der Kultusminister gegen die Fakultät!
Der preußische Kultusminister hat im Halle'schen Studenten-Stwik zugunsten der streikenden Studenten entschieden und gestern der Universität Halle ein offizielles Schreiben zugehen lassen mit der Anordnung, die Forderungen der Studenten zu erfüllen. Im gleichen Sinn wurden der Kurator der Universität und der Prodekan der medizinischen Fakultät, die gestern in Berlin weilten, beschieden. Trotzdem ist der Streik noch nicht beendet, denn bisher hat die medizinische Fa- kitltät noch nicht erfiärt, daß sie bereit ist, die
einem Krieg um nichts setzt: Dieses Rußland, das von außen Wohl schwer zu verwunden, im Innern aber umso empfindlicher ist! Es ist eine Monomanie Serbiens, sich an diese Macht zu klammem, während alle seine wickschaft- lichen Interessen einen freundschastlichen Anschluß an Oesterreich-Ungarn erheischen. Oesterreich kann sich davon nicht ausschließen, an der Ordnung des Tückenerbes bestimmend mitzuwirken, und dieser unerschütterliche Vorsatz muß seine Handlungsweise bestimmen, die über ein beträchtlich Teil österreichischen Zukunft- Schicksals entscheidet. Man steht: Zum Optimismus ist an des alten Jahres Ende nur wenig Grund gegeben; und was heut vom Tisch der Friedensmänner im Palast St. James bekannt wird, klingt auch nicht als frohe
Verfügung angeraten worden, kehrten gestern die Herren der medizinischen Fakultät nach Hause zurück, um mit ihrer Fakultät weiter darüber zu beraten. Welchen Verlaus die Din- 2' dock jetzt nehmen werden, bleibt abzüwar- ten. Nachdem aber die Wünsche der Klinizi- sten in den Hauptpunkten als berechtigt anerkannt worden, liegt für diese kein Grund mehr vor, ihren Ausstand weiter sockzusetzen. Voraussichtlich wird die Hallenser Fakultät sich zu demselben Schritt entschließen, den die Berliner medizinische Fakultät hinsichtlich der Ausländer getan hat, und schon in wenigen Tagen, vielleicht noch vor dem Weihnachtsfest, wird wieder Friede und Eintracht in den Hallen Aesculaps herrschen.
Tod nur noch durch den Besitz der Macht zu- ammengehalten wird. Die unmittelbare Ur« ache feiner Demission liegt (wie Dr. Reu- mayer in seinem Rückttitts-Schreiben sagt), in der Unmöglichkeit, angesichts der zufolge der Vorgänge der letzten Zeit geschaffenen Lage di« Bürgermeisterstelle feiner Vaterstadt fortan weiter zu bekleiden. Neumayer ist endlich der ett vielen Monaten seitens seiner Parteigenossen gegen ihn geführten Kampagne unterlegen und hat
die Konsequenzen gezogen.
Bürgermeister Dr. Neumayer wurde bs- kamMch nach dem Tode Luegers zur Führung der Amtsgeschäste von seinen Parteigenossen gewählt, nachdem der damalige Handelsminister Dr. Weißkirchner, den Lueger in einem Testament als berufenen Nachfolge^ bezeichnet hatte, erklärte, er könne die Bürgermeister stelle derzeit nicht übernehmen. Weiß kirchner hatte damals weitausgreifen« de Pläne und strebte nach der MinisterprS-
Wie wir schon gestern telegraphisch berichteten, hat am Donnerstag der Bürgermeister der Stadt Wien. Dr. Neumayer, seine Demission gegeben. Dr. Neumayer ist aus der deutsch-nationalen Packet hervorgegangen und unterschied sich von Dr. Lueger durch eine stärkere Betonung des deutschen Charak- er s der Stadt Wien, wie durch den Versuch, reundschastliche Beziehungen zu Budapest und Ungarn anzuknüpfen Persönlich war er -unbedeutend und durch ein Gehorlerden in feiner Amtstätigkeit mannigfach behindert. Sein Rücktritt legt wieder die Rivalitäten in der Partei bloß, die feit Luegers
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l- frist ligft t 38.
Sie Ersatzwahl in Reich.
Stresemann unterlegen, Cohen gewählt!
Die gestern stattgehabte Reichstag-Ersatz- Wahl im Wahlkreis Reuß ältere Linie hat mit einem Sieg der Sozialdemokraten geendet, und das Mandat ist also der sozialdemokratischen Partei erhalten geblieben. Die Ersatzwahl war bekanntlich erforderlich geworden, weil der bisherige Inhaber des Mandats, der sozialdemokrtische Abgeordnete Förster, vor einiger Zeit verstarb. Der Wahlkreis war von vornherein der sozialdemokratischen Partei sicher. Ucber das Resultat der gestrige« Wahl wird uns berichtet:
Bei der am Donnerstag stattgehabten Reichstag-Ersatzwahl im Wahlkreise Reuß ältere Lime erhielt der sozialdemokratische Kandidat Cohen-Frankfurt am Main 7869, Dr. Stresemann, der Kandidat der Rationalliberalc«, 5273 und Amtsgc- richtsrat 2 attmann von der Wirtschaftlichen Vereinigung 1460 Stimmen. Cohen (Sozialdemokrat) ist somit gewählt. Bei der Hauptwahl im Januar siegte in dem stark industriellen Wahlkreis der verstorbene sozialdemokratische Kandidat Förster mit 8542 Stimmen. Auf den Nationalliberalen B u r ch a r d t entfielen 3804 und auf den Fortschrittler Matheus 3319 Stimmen. Die Beteiligung ist diesmal schwächer gewesen. Obwohl die Sozialdemokraten mit aller Straft gearbeitet haben, sind sie doch in der Stimmenzahl gegen Januar um fast 700 Stimmen zurückgeblieben. Herr Stresemann dürfte die Anhänger der Fortschrittlichen Vollspackei zum größten Teil unterstützt haben.