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COIer Neueste Nachrichten

1918.

Casseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 15

Freitag, 2V. Dezember 1912

Fernsprecher 951 und 952.

3. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952.

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,~ F«uuat «r«r«s darauf. daß letzten Ruhe geleitet, und ganz Bayern begeht er ickon mt s'ft>rt( durch inickleo am SrfittxuAjbtäfeu Taa als einen Tag aitnto?tifltt Trauer

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Bon amtlicher Seite wird der auf Mißverständnisse die in kürzester Zeit beseitigt

genwärtig wegen des Beitritts Grie­chenlands zu den Waffenstillstands-Ver­handlungen verhandelt, doch fordert die Türkei vollkommene Freiheit für Verproviantierung der West-Armee. Wird dies abgelehnt, sollen die Friedensverhandlungen mit Ausschluß Griechenlands geführt werden. Lehnen die Balkanftaatcn dies ab, so ist die Türkei ent- fchloffen, sich an den weiteren Verhandlungen der Friedenskonferenz nicht mehr zu betei­ligen.

vorhanden ist, da die Werkdircktionen beabsichtigten Arbeitseinstellung einen sichtigten Kontraktbruch erblicken.

Eine neue Streik-Erklärung.

ununterbrochen fortgesetzt. Nach einer fast vier­stündigen Red« des Berichterstatters Hübsch­mann wurde ein Antrag auf Schluß der Sitzung abgelehnt. Um zwei Uhr nachts ergriff der Tschechisch-Radikale Stribrny das Wort; «r sprach bis gegen zehn Uhr vor­mittags, worauf ihn ein anderer Redner der Obstruktion ablöste. Die Sitzung dauert fort.

In Sachen der Klinikerbewegung bar gestern mittag zwischen der Vertretung der Klinikerschast und dem Dekan der medizinischen Fakultät eine Aussprache stattgefunden. Der Dekan der Fakultät verwies darauf, daß

Snferttentorttfe: $te fed)8fletoattene gelle für einheimische Geschäfte 15 Pfz.. Nir au«* roärttge Inserate 25 <Bf Reklamezeile für einheimische Geschäfte 40 Pf, für auswärtige Geschäfte «0 Pf. Einfache Beilagen für die Gefamt-rullag« werden mit 6 «giert pro taufen» be­rechnet. Wegen ihrer dichten Berbreitung in der Reüdem und der Umgehung sind die Saffelet Neuesten Nachrichten ein vorzügliche« Jnfertlon«orgun. Geschäft« stelle: kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW., sfrledrlchsirake 16. Telephon: Ami Morltzpla» «76

3« Nacht und Langeweile.

(Privat-Telegramm.)

Wien, 19. Dezember.

Die Sitzung des Ab geordnetenhau- e s, die am Dienstag um elf Uhr vormittags

Wie uns ein weiteres Privat-Tele- gramm aus Saarbrücken berichtet, hat gestern der Alte Bergarbeiter-Ver­band seine Mitglieder im Saarrevier ange­wiesen, für den Fall eines Streikausbruchs sich dem Aasstande anzuschließen. Dadurch erhöht sich die Zahl der an dem Streik beteilig­ten Arbeiter auf mindestens 42000 Bergleute von 50000 im Saarbezirk über­haupt Beschäftigten. Daß vor dem Beginn des Streiks noch eine Einigung zusrandekommt, er» scheint fast ausgeschlossen.

®t» «afleler Neueste» Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abend« Der «domtemenisvrets beträgt monatlich w Pfg. bet freier Zustellung In« bau« Bestellungen werden lederzeU von der AeschältSttelle oder den Bolen entgegengenommen. Druckerei. Berlaa und Redaktion: Schlachtholltrabe »Ru. Sprechstunden der «Hebattton nur von 7 bl« e Uhr eben«« Sprechstunden bet Auskunft. Stelle: Jeden Mittwoch und Kreltag von 6 dl« B Uhr abend« Berliner Vertretung: SW, Srtebrtcbftr 16. Telephon: Amt MoNhplotz 676

Nachtschicht im Wnment

Fretzts sechzehnftünbige Rede.

Die O bst r n k t i o n im Ssterreichiscken Ab- aeordnetenbans nimmt nacktzevade komische Formen an, und es scheint, daß die Mehrheit des Parlaments sich dieser Tatsache auch be­wußt ist, denn in der vergangenen Nacht kam es während der Fortsetzung der Dauerreden der Mitglieder der Obstruktion zu tmnultuarischen Zwischenfällen und es bedurfte aller Energie des Vorsitzenden, um einen neuen Skandal zu verhüten. Herr Freßl hat übrigens seine Drohung wahr gemach^ und bis gestern mittag ununterbrochen (sechzehn Stunden hindurch) gesprochen. Wir erhalten darüber folgenden Bericht:

vertreten habe. Medizinerstrcik zurückgeführt, sein dürfte».

Die Friedens-Konferenz gefährdet?

Ein Privat-Telegramm berichtet unS ans London: Zwischen den türkischen und ariechischen Friedens-Delraiert-n wird ae-

Auch in der vergangenen Nacht hat österreichische Abgeordnetenhaus unter _____

Druck der Obstruktion seine Beratungen

Zwei Minister-Reden.

Ä##t: Die Erneuerung des Dreibundes.

Fn der italienischen Deputiertenkammer stand gestern die Interpellation über die v o r - teitiae unverändert» Erneu »runa

beginnen, falls keine Einigung zustandekommt wozu gegenwärtig freilich sehr wenig Aussicht in der

Vri«z Luitpoldr Beisetzung.

Der Kaiser im Trauergefolge; die heutige« Beisetzungs »Feierlichkeiten in München.

München, die Hauptstadt des Bayern-König­reichs, steht heute im Zeichen der Trauer: Prinzregent Luitpold, der verblichene Verweser des Wittelsbacher Reiches, wird zur

Deutscher Stndenten-Streik?

Nach Halle: Tübingen und Greifswald!

Der Studentenstrrik an der Halle­schen Universität ist nunmehr in das kriti- sche Stadium eingetretrn, denn die Fakul- löt hat gestern den Streikenden ihren Beschluß in der Ausländersrage zugestellr. In drescm Beschluß lehnt die Fakultät die Forderungen der Studenten ab. Tie Mediziner bewahren ebenso wie die Fakultät strengstes Stillschwei- aen über die Mo tive, die zur Ablehnung ber Forderungen geführt haben. Inzwischen scheint der Streik sich weitem auszudehnen. Wir er­halten darüber folgende Meldungen:

Tübingen und Greifswald.

(Privat-Teleg ramme.)

Tsibingen, 19. Dezember.

Jer Streik an der Saar.

Die Maffenküudiguug der Bergleute.

Wie aus Saarbrücken berichtet wird, wurden bei der gestrigen Einfahrt der Berg­leute im Saarrevier vier Inspektionen vo« Ausschußmitgliedern die Kündigung der Berg­leute vorgelegt, die für die ganze Belegschaft gelten sollte. Die Bergdirektionen haben diese Kündigung als ungültig zurückgewiesen. Bei acht Inspektionen sind im Laufe deS Ta­ges keine Kündigungen eingelaufen, die Ein­fahrt erfolgt vielmehr regelmäßig. Auch an­dern Arbeiter-Kommissionen gegenüber erklär­ten die Bertvaltungen, daß sie di« Kündigung als ungültig betrachteten. Es liegt darüber folgende Meldung vor:

Der Streik wird beginnen!

(Privat-Trlegramm.) Saarbrücken, 19. Dezember. Die Massen-Kündigung der zum Streik en schloffenen Arbeiter stößt auf erhebliche Schwit rigkeiten. Gestern nachmittag zwei Uhr har auf vier Inspektionen des Saarreviers der Vorstand der Arbeiterausschüffe die gesamten Belegschaften im Bereiche dieser Inspektionen gekündigt. Die Werkdireftorcn befragten die Vorstände der Arbeiterausschüffe, ob sie im Besitz irgendwelcher Vollmachten der Ar- befter seien, in deren Auftrag sie kündigten, worauf die Vorstände eine verneinende Antwort gaben. Die Werkdirektoren erklär­ten dann, daß sie solche Maflenkündigungen ohne Vollmachten der einzelnen Arbeiter nicht annehmcn könnten und gesetzlich für unzulässig erachteten. Die Kündigung wur­de, da sie ohne Vollmacht erfolgte von keiner Werkdirektion angenommen. Der Streik wird trotzdem am zweiten Januar

Am ©rßncH Tisch in London.

Di« Botschafter-Konferenz: Ein Experiment.

Ci« Privat-Telegramm meldet »ns ans Berlin: Z« hiesigen gutuuterrichteten Kreisen ist man genejgt, anzunehmen, daß die Lon. doner Bespr.echnngen der sechs Botschafter bereitsEnde die­ser Woche abgeschlossen werden könne«, «nd zwar unabhängig vo« den weiteren Ergebnissen der Friedens-Konferenz. Zurzeit be­schäftigt sich die Botschafter-Kon­ferenz mit der albanischen Frage. Nach den Friedensmännern vom Balkan, deren Londoner Rendezvous zurzeit noch sicht­lich von den schmerzhaften Nachwehen des Völ- kevftiegS beeinflußt wird, sind in der Londoner Downing Street nun auch di« Botschafter des Dreibunds und der Triple-En­tente zum Balkan-Rat zusammengetreten, und während über dem Palast Saint James, dessen graue Mauern das Geheimnis der Frie­dens-Konferenz vor aller Welt verschließen, noch die Wolken pessimistisch gestimmter Ungewiß­heit lagern, erhofft Europa von der Botschaf­ter-Reunion noch vorm Heraufdämmern des Heilig-Abends die rettende Tat. Die Botschafter- Reunion ist eine interessante Anpassung diplo­matischer Formen an die Situation in Europa, denn die durch den Balkankrieg geschaffne Situation auf der Erde Europens ist zu einer Konferenz noch nicht reif, im Gegenteil: Eine wirkliche Diplomatenkonferenz wäre wohl im Augenblick bk größte Gefahr für den Frieden Europas. Ihre Beschlüsse wären bindend und am Konferenztisch könnte das Majorttätspriuzip zum Ausbruch des st^versten Konflikts führen; zum' mindesten würde ein Ringen zwischen Tripel-Allianz und Tripel-Entent« jede Möglichkeit einer Einigung ausschließen. Die sogenannte R6union ist «r- was ganz anderes: Sie ist in erster Linie ein Kontrollorgan gegenüber der Friedens­konferenz, ist die europäische Ueberprüfungs- kommiffion gegenüber der Versammlung im Saint James-Palast, wo die Balkan-Delegier­ten sich im engen Kreis auseinanderzusetzrn ha­ben. Sie i st aber gleichzeitig auch ein Organ für die Information der europäischen Staats- kanzleftn, indem die Botschafter in gegenseiti- ger Aussprache ein klareres Bild von den Forderungen oder Bedenken der einzelnen Mächte erhalten, als es durch Noten erzielt werden könnte.

Der Vater des Gedankens

war Sir Edward Grey, dessen charakteristischer Staatsmann-Kopf neben Karl Max Lichnows- kh und Paul Chambons bärtigem Gaskogner- Haupt den interessantesten Typ in der Corona der Meister des Grünen Tischs darstellt. Sir Edwards geschliffne Staatsmann-Kunst hat auch das Programm der R6union formuliert: Die Botschafter, die am Konferenztisch der Downing Street zu unverbindlicher Beratung sich zusammenfanden, haben mit Edward Grey eine Besprechung gehabt und in dieser Bespre­chung ist das Programm der Reunion festgelegt worden Nach diesem Programm sollen die Beschlüsse der Botschastcrreunion nur ad refe* rcndum gefaßt werden, das heißt: Nicht den konferierenden Botschaftern steht irgend­eine Abmachung zu, sondern den Staats­kanzleien, den Ministern des Aeußern der beteiligten sechs.Großmächte, deren Delegierte die Botschafter sind. Es ist demnach nur selbst­verständlich, daß die Verhandlungen geheimge­halten werden, denn es handelt sich sozusagen um mündliche Aktenstücke, die die Staatskanz- leien nicht der Veröffentlichung preisgeben können, bevor sie selbst Beschlüsse gefak>: haben. Zu hoffen bleibt indessen, daß der intime Ge­dankenaustausch zwischen den Botschaftern «inen wohltuenden und beruhigenden Einfluß auf pie öffentliche Meinung Europens ausüben ; «nd dazu beitragen wird, die Sehnsucht nach dem Frieden zu verwirklichen. Tas ist die Hoffnung und der Wunsch der Völker und Nati­onen, die in den letzten Monden den Frieden der Welt von tausendsachen gefahren bedroht sahen, die Zeugen eines schauerlichen Men- lchendramas auf europäischer Erde waren und ^ie Instinktiv sühlen, daß eine Periode der Sorgen und tzlefahren hinter ihnen liegt, in der ein einziger unglückseliger Zusall das Verhäng­nis des Weltenbrands entsachen konnte.

des Dreibundes zur Erörterung. Die Tri­bünen, auch die Diplomaten-Tribüne und der Saal, waren sehr stark besetzt. Auf die Inter­pellation erwiderte der Minister des Aeußern, Marchese di San Giuliano: Meine Ant­wort wird kurz, klar und bestimmt sein. Seit mehr als dreißig Jahren ist der Dreibund für ganz Europa eine Bürgschaft des Friedens und für die Dreibundmäckte selbst eine Bürgschaft der Sicherheit. In den Beziehungen zwischen den Verbündeten erleichtert und festigt er die gegenseitige Nei­gung, ihre Interessen in Einklang zu bringen, in den Beziehungen mit den anderen Mächten erleichtern seine friedlichen, defensiven Ziele das Zustandekommen von Freund- ichaften und Verständigungen. Zu internatio­nalen Fragen hat er stets einen einträchtigen, friedlichen Willen, der in der gleichen Neigung der anderen Großmächte ein Gegenstück fand, und dessen wohltätige Wirkungen jedermann anerkennen muß, mitgebracht und beigesteuert. Die.

Sicherheit dauernden Friedens für die drei Verbündeten und für Europa, die sich zum großen Teile ans diesem Stande der Dinge herleitet, war eine der Hauptursachen der großen und allgemeinen wirtschaft­lichen Fortschritte, die, da sie die In­teressen der ganzen zivilisierten Wett verknüp­fen und verbinden, dadurch ein neues Hin­dernis für solche großen Kriege bilden, die nicht durch die höchste Notwendigkeit des Lebens oder durch die nationale Würde be­stimmt werden. Die lange Dauer des europäi­schen Friedens machte das grandiose Werk leich­ter, das Italien trotz großer äußerer und inne­rer Schwierigkeiten in den letzten dreißig Jah­ren vollenden konnte, ein Werk, das vielleicht unserer patriotischen Ungeduld langsam er­schien, das aber der unbefangenen Würdigung der Nachwelt frucktbar und ruhmreich ersckci- nen wird. Der Minister besprach dann die Er- werbuna von Tripolis und sckloß mit fol­genden Worten: Die feste eumtiiWe Stellung Italiens, deren fundamentale Basis der Dreibund ist, war die notwendige Be­dingung des Unternehmens, das durch seine Beziehungen und den Einfluß ans die größten Interessen Europas und unsere eigenen, sowie auf die schwersten Probleme der gegenwärtigen historischen Periode dieernstcstenSchwie- rigleiten darbot.

Rußland und Europa. Petersburg r Alles für den Frieden! In der russischen R'eichs-Duma gab gestern der Ministerpräsident Kokowzow eine Erklärung der Regierung zur internatio- nalen Lage ab. Ausgehend von dem Gesetz­entwurf über die nationale Verteidigung be- mertte der Ministerpräsident: Die kriegerischen Tugenden und die seltene Einmütigkeit, die die Balkanvölker bewiesen haben, konnten nickt verfehlen, die wärmste Sympathie aller russiscken Herzen zu erregen. Als slawische und orthodoxe Großmacht, di« unzählige Opfer gebracht hat, um ihre Raffen- und Glaubensbrüder zu schützen, kann Rußland demgegenüber nicht gleichgültig bleiben, daß diese Völker Existenzbedingungen erlangen, die im Verhältnis stehen mit den vollbrackten Ta­ten und den vergossenen Strömen Blutes, und die ihnen ihre Lebensintereffen und eine ftiedliche Entwicklung unbedingt sicherstellen und in Zukunft die ^Wahrscheinlichkeit neuer Verwicklungen, die immer für den europäi- scken Frieden gefährlick sind, ausschließen würden. Die Regierung stellt mit Genugtuung sest, ihre von Ansang an eingenommene ruhigeHaltung inmitten der Unrufie und Erregung nickt geändert zu haben. Sie hat keine Veranlassung gegeben,

Die Konflikte z« verschärfen, und stets war der Gedanke, der historischen Pflichten nnd der Würde des Reiches getreu zu bleiben, ihr einziger Leitsatz. Getreu unserem Bündnis und unseren Ententen mit anderen europäischen Großmächten sehen wir für unferen Teil keinen Nutzen darin, die Grup­pierungen der Mächte in Gegensatz zu ein­ander zu bringen. Die Großmächte haben zu triftige Gründe, um nicht zu versuchen, der zu­künftigen Entstehung von Verwickelungen vor­zubeugen, die bis zu einer Bedrohung des europäiscken Friedens sich ans- wachsen könnten. Die russiicke Regierung hofft, daß die solidarischen Bemühungen, von denen die Großmächte beseelt sind, ihnen helfen wer­den, ein Einverständnis über die Lösun­gen zu sinden. die ihre Interessen mit den ge­rechten Ansprüchen der Balkanstaaten versöh­nen. Ter Minister schloß: Durchdrungen von dem aufrichtigen Wunsche, alle Mittel zur E r - Haltung des europäischen Frie­dens anzuwenden, drückt die russische Regre- ruttR die Hoffnung aus, daß mit Gottes Hilfe unsere Bemühungen von Erfolg gekrönt und daß die zukünftigen Ereigmffe die vitalen In­teressen Rußlands nickt berühren werden, bte zu verteidigen wir berufen sind im Namen der Ehre und Würde unseres Landes.

z«n Brett bekannt gegeben habe, daß an der hiesigen Universität nur Studierende mit be- standcnem Physikum klinische Vorlesungen und klinische Praxis besuchen dürfen. Es sei also längst Praxis, was in Halle angcstrebt werde. Die Kliniker haben sich ihre Entscheidung noch Vorbehalten.

Greifswald, 19. Dezember-

Die Mediziner der hiesigen Universität ha- ben gestern beschlossen, ein Sympathie- t e l e g r a m m nach Halle zu senden ferner sich mit der hiesigen medizinischen Fakultät in Verbindung zu setzen, und bei dem Vorsitzen­den der Leipziger Klinikerschaft die Einberu­fung eines außerordentlichen Verbandst a- g«s aller deutschen Klinikerschaften zum vier­ten Januar nach Halle zu beantragen. Es be­steht indessen die Hoffnung, daß bei dem guten Verhältnis zwischen Lehrern und Studenten in Greifswald hier «ine gütliche Beile­gung möglich fein wird.

Der Studentenftreik im Landtag!

Wie unser parlamentarischer Mit« ar beiter erfährt, wird der Halle'sche Stu­dentenstreik bei der ersten Lesung des Etats im Abgeordnetenhaus« Gegenstand einer Debatte werden. Die Regierung soll auf« gefordert werden, die fchwierige Frage des Ausländertums an den preußischen Universi­täten einer erneuten Regelung zu un­terziehen und allen berechtigten Wünschen der deutschen Studentenschaft nachzukommcn. In studentischen Kreisen hat man das Gefühl, daß das Kultusministerium beim Halleschen Me­dizinerstreik diese Interessen nicht gebührend

begann, dauertnochfort. Der tschechisch- radikale Abgeordnete Freßl, der am Diens­tag um acht Uhr abends eilt« Obstruktionsrede gegen das Kriegslcistungsgesetz begonnen hatte, mit der Drohung, er werde viernndzwanzig Stunden ununterbrochen sprechen, hat diese Drohung nickt wirklich ausgesührt, sondern hat seine angebliche TageSrede gestern gegen 1 Uhr nachmittags beendet: Er hat also sechzehn Stunden auf feinem Platz anSge- halten. Freßl sprach zuerst nur mit sehr leiser Stimme, flüsterte seinen Nachbarn einige Worte zu und sparte seine Kraft«, um die Nacht und d«n Vormittag auszuhalten. Er redete über alle möglichen Ding«, nur nicht über das Kriegsletstungsgesetz, und nur selten bediente er sich der deutschen Sprache, hauptsächlich, um auf Zurufe zu antworten. Der Sitzungssaal bot ein recht ödeS Bild während der Nacht. Außer dem Redner und einigen Par­teigenoffen waren nur wenig« Redner im Saal«, um für alle Fälle gerüstet zu sein. Aber auch ein ärztlicher Nachtdienst war aktiviert worden Um ein Uhr früh ver­langte Freßl eine Pans« von fünf Minuten, die ihm bewilligt wurde. Freßl fah ziemlich frisch aus und stärkte sich von Zeit zu Zeit mit einem Eierkognak. Während der Nachtsttzung kam es wiederholt zu stürmi- sch«nSzenen,dadie Gegyer der Tschechen Freßl am Weiterreden hindern wollten. Der Abgeordnete Wedra, der Freßl leidenschaftlich beschimpfte, mußte aus dem Saal gewiesen werden.

Die Sitzung dauert fort!