COlerNeuch Nachrichten
Casseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Nummer 12
Dienstag, 17. Dezember 1912
Fernsprecher 951 und 952.
3. Jahrgang
Fernsprecher 951 und 952.
gnfeTtiontoretfe: Di« f«d)«geft>attene 8«H» ,ür «tnh«tmtsch- ®efd)«te 15 Pfg„ für auf,’ leärttge Inserate » «f„ ReNamezeile für etnheimtsche SeschLNe to Pf, für auswärtig« Geschäft««Pf. Einfach«Betlagmfürdt«Gesamtauflage werden mit 5Mark pr»Laufend beredetet Wegen ihrer dichten «erdrNtung in der Reflden, und der Umgebung find die auffeier Neuesten Nachrichten ein vorzügliches Jnsertivnrorgan. «eschäftrftelle: «Llnische Straffe 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 18, Telephon: Ami Morihplad «7i;
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Sie stzhhnr des Goldes.
Har kommende Finanzminister-Rendezvous; osftziss: „Keine Ausgabe ohne Deckung I"
Es war unterdessen wirklich einigermaßen beunruhigend geworden: Wir vernahmen, daß die Exzellenzen von Heeringen und von Tirpitz mit Herrn Kühn, dem argus-äugigen Säckelmeister des Reichs, um die Bewilligung größrer Mittel für den Ausbau der Reichswehr zu Wasser und zu Lande rangen, wurden durch die Kunde erschreckt, daß zwischen Reich- Schatzamt und Krieg-Ministerium Briese voll stacker und energischer Worte hin- und hereilten, und hörten mit steigendem Unbehagen, daß dir Frage der Ä o st e n d e ck u n g für die weit- ausgreifenden Pläne und noch viel erdenferner ragenden Ziele der Herren Minister des Kriegs und der Marine immer noch ein ungelöstes Rätsel fei. Indessen, hieß es, werde man auch darüber „in den nächsten Tagen sich schlüs- sig machen". Die in mäßigen Intervallen dünn und verzagt in die Oeffentlichkeit niederrieselnden offiziösen Kundgaben, Berichtigungen und Lchirichiigungen hatten bereits eine gewisse Nervosität erzeugt, und man atmete deshalb erleichtert auf, als uns nun gestern endlich eröffnet wurde, man möge dir Sargenfalten von den Stirnen scheuchen: Herr Kühn, der argwöh- . »end und unnahbar über den Milliarden der Teichwirtschaft wache, werde ohne Deckung jedes Kupferpfennigs Ausgabe mannhaft be- tämpfen! Ein Trost also; über das Geheimnis der K o st e n d e ck u n g allerdings ist nach wie vor des Rätsels dichtester Schleier gebreitet.
Ein leiser Hoffnungstrahl blinkt schwach nur üurcys Dunkel der Ungewißheit: Wenn das Jahr zur Neige geht, werden in Berlin die Finanzminister der Einzel stauten sich versammeln, um mit dem Kanzler und dem Schatzsekretär des Reichs ernstlichen Rats zu pflegen, und man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß dies Rendezvous in allererster Linie der Lösung des durch die neue« Reichverteidigungs-Pläne dringlich gewordnen Kostendeckung-Problems gilt. Daß Herr von Bethuiann die bundesstaatlichen Finanzmänner nach Berlin beordert hat, um ein- trächtiglich mit ihnen nach dem Stein der Weisen zu forschen, beweist für's erste, daß weder Herr Kühn noch der Kanzler gesonnen ist, die Jahresraten der durch die Heeres- und Flottenvorlage entstandnen Mehrausgaben (sie beziffern sich nach dem Etat auf rund hundertfünfzehn Millwnen Mark für jedes der beiden ersten Jahre) aus den Ueberschüfsrn des Etats zu decken, daß vielmehr di« Absicht besteht, für die Deckung der Hundertfünszehn- Millionen-Ausgabe erst Mittel zu beschaffen, und zwar offensichtlich aus Quellen, die bisher nicht erschlossen sind.
Es gibt immer noch fromme Optimisten, die in ihres Herzens Einfalt-Reinkultur die zarte Hoffnung nähren, Herr von Bethmann Hollweg werde im Moment der Not (wenn ihm die hun- dertfünfzehn Millionen auf den Nägeln brennen) zum Heldentum erwachen, und von der linken Reichstag-Mehrheit die (gern bewilligte) Erlaubnis zum Einstreichen der Erbanfall- S teuer erbitten, die ja schon (weiland) in Herrn Wermuths Sehnen am tiefsten wurzelte. Daß der Kanzler indeffen grade an diese nah am Weg harrende Möglichkeit nicht denkt, geht aus allen Stimmung-Kundgaben der Wil- Helmstraße so deutlich hervor, daß man sich darum schon längst nicht mehr zu sorgen braucht. Es scheint sogar, daß auch Herrn Kühns Helles Ohr der .bessern Erkenntnis" er« flössen worden ist, denn das Frldgeschrei vom Reichschatzamt: .Neue Ausgaben nur bei neuen Steuern!» ist merklich melodramatisch geworden, und die Betonung liegt längst nicht mehr (wie früher) auf dem letztensWort!
Jmgrunde genommen sind wir also heut genau so weit, wie unterm Januarmond, als d'-e ersten Keimchen neuer Hoffnung sproßten. Und nur ein süßer Trost ist in des alten Jahres spätherbstlichen Tagen uns geworden: Herr don Bethmann Hollweg plant eine .wirk- "che" Steuer-Reform im Reich! Daß Wan bei der Kundgabe dieses Monumental, l-wjekts auf das Wörtchen .wirklich" so llwße Bedeutung legt, könnt« im wohlge- l a l l t g e n Sinne dahin gedeutet werden, daß Herr von Bethmann sich mit dem Gedanken rragt, die Unzulänglichkeiten der letzten Fi- uanzresp^m (deren schärfste Kritik ja schon
Wörtchen .wirklich" in der Ankündigung der neuen Finanz-Operation enthielt) durch eine tatsächlich großzügige Steuer-Reform auf breitester Basis zu beseitigen und dem Reich neue Einnahmequellen zu erfchlie- ben. Nach welcher Richtung hin sich die milli- onen-bewegcnden Projekte des Kanzlers er- Ireckyu iü zurzeit noch Geheimnis des Wil-
helmstraßen-Allerheiligsten; es verlautet indessen, daß Herrn Delbrücks Monopol-Plä- ne Gnade vor Herrn von Bethmanns Auge gesimden haben.
Herr Doktor Delbrück schwärmt bekanntlich außer dem Petroleum- auch für Kali-, Spiritus- und Zündholz-Monopole, und er teilt diese Vorliebe im wesentlichen mit Hexrn Kühn, der ebenfalls von der Monopolisierung gewisser Konsum-Produktionszweige einen frühlingzaubernden Millionenregen für den Steinacker der Reich-Finanzwirtschaft erhofft. Vom volkswirtschaftlichen Standpunkt aus mag sich gegen das Monopol-Prinzip ebensoviel Ernstliches einwenden lassen, wie nach der sozialen Seite hin: Finanztechnisch indessen lassen sich seine Vorzüge nicht bestreiten. Es wird uns nun zwar von den Männern offiziöser Wahrhaftigkeit erzählt, das große Steuerreform-Geheimnis des Kanzlers habe mit der Deckung der Wehrverbesserung-Kosten nicht das mindeste zu tun, aber das geschieht offenbar nur, um uns die Freude am Werden eines großen Werkes nicht durch kleinliche Alltag-Sorgen zu verkümmern. In Wirklichkeit wäre jedenfalls nichts natürlicher Und selbstverständlicher, als wenn Herr von Bethmann die Finanzmänner der Bundes-Staaten nach Berlin entboten hätte, nm mit ihnen die Einzelheiten seines Reform-Projekts zu beraten. Was diese .wirkliche" Reform uns dann bringen wird, werden wir ja bald sehen! F. H.
Herr Kühn, der Cerberus.
In einem Rückblick Über die Erörterungen des Reichstages bei der ersten Beratung des Etatsentwurfs tritt die offiziöse Norddeutsche Allgemeine Zeitung den Behauptungen entgegen, daß sämtliche Nettoeinnahmen zur Bestreitung der Ausgaben für die Landes- Verteidigung und die Kolonisn nicht ausreichten, und daß an Stelle eines durch Anleihen zu deckenden Fehlbetrages von 33,4 Millionen (wie er im Etatsentwurf vorgesehen fei) in Wirklichkeit ein solcher von mehr als 300 Millionen Mark vorhanden fei. Das Blatt gibt dann eine Ueberficht der in der Debatte geäußerten Wünsche, bedauert aber, daß es an Vorschlägen zur Gewinnung der dazu erforderlichen Mittel gefehlt habe. Unter dem früheren Schatzsekretär habe der Grundsatz: „Keine neuen Ausgaben ohne Deckung" auf allen Seiten des Reichstags freudig« Anerkennung gefunden. Jetzt habe ein Redner ihn sogar,
ohne Widerspruch zu finden, alsbedenlich und es für wohl möglich bezeichnet, daß man auch einmal in die Lage komme, notwendige Ausgaben zu bewilligen, wenn für den Augenblick die Deckungnicht gleich da sei oder im Etat nicht sichtbar erscheine. Das offiziöse Blatt warnt dringend davor, solchen Ansichten zu folgen, denn sie müßten uns unrettbar wieder in diejenigen Zustände zurückführen, die wir dank der Finanzreform seit kurzem überwunden haben. Dann heißt es in der offiziösen Kundgabe weiter: Zurzeit wird freilich die Deckung aller neuen Ansprüche an die Finanzkrast des Reiches aus der Besitzsteuer erwartet Man darf abet nicht vergessen, daß diese in erster Linie eine Ermäßigung der Zuckersteuer ermöglichen soll, und daß die in diesem Frühjahr aufgemachten Bilanzen auf weitere Ausgaben für den Bedarf des Heeres, wie sie angesichtsderWeltlogenicht vermeidbar fein werden, noch keine Rücksicht genommen haben.
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Ministerkrieg und Etatskrise.
(Von unfcrrn Korrespondenten.) Berlin, 16. Dezember.
Zu den Unstimmigkeiten, die angeblich zwischen dem Kriegsminister und dem Reichsschatzsekretär bestehen, erfahre ich von unterrichteter Seite: Daß gewisse sachliche Differenzen zwischen dem ReichSschatzfekretär Kühn und dem Kriegs- miuister vorhanden sind, wird sich kaum leugnen lassen. Nur wäre es ganz und gar verfehlt anzunehmen, daß diese Unstimmigkeiten sich zu einer Krisis ausznwachfen vermöchten. Aehnliche Differenzen sind bisher fast bei jeder Etatsberatung zwischen den beteiligten Ressorts zu beobachten gewesen, und die Verschiedenheit in der Auffassung hinsichtlich der Erfüllung gewisser Wünsche deS Kriegs- Ministeriums hatte zurzeit, als der jetzige Oberbürgermeister von Berlin noch die Leitung der Reichsfinanzen in Händen hatte, eine derartige Schärfe angenommen, daß es des nach- drücklichen Einschreitens des Reichskanzlers bedurfte, um die Gegensätze auszugleichen. Aehniickie Meinungsverschiedenheiten dürften auch jetzt wieder den Anlaß zu Gerüchten von einer drohenden '£xlM L-geb en haben, obgleich tote «aenrostrüg
bestehenden Differenzen erheblich geringer sind und ohne Schwierigkeiten durch den Reichskanzler werden beigelegt werden könne«.
Sie Kriegsgefahr beseitigt!
Serbien ist zum Nachgeben bereit.
Heute treten dir Delegierten der Balkan- staaten und der Türkei zur ersten Sitzung der Friedenskonferenz in London zusammen, nachdem die Unterhändler des Balkanbundes sich am Freitag über den äußeren Gang der Verhandlungen geeinigt haben. Es ist nicht zu verwundern, daß eine jede der beteiligten Parteien sich angelegen sein läßt, ihre Unnachgiebigkett in gewissen Punkten zu betonen und dadurch auf die Stimmung des Gegners zu drücken, tatsächlich darf indessen heute die eigentliche Gefahr: Der serbisch-österreichische Konflift, als beseitigt gelten, wie aus nachstehender Meldung hervorgeht:
Die Wolken zerteilen sich.
(Privat-Telegram m.)
Wie«, 16. Dezember.
Die Kriegsgefahr darf heute als beseitigt angesehen werden. Serbien ist entschlossen, sowohl in der albanischen wie auch in der Hafenfrage dem Willen Europas sich zu unterwerfen. Dauern intervenierte erfolgreich zwischen Oesterreich und Serbien. Die Neue Frei« Presse erfährt von unterrichteter Belgrader Seite, eine friedliche Lösung der Schwierigkeiten sei unanzweifelbar, da Serbien die Hafenfrage nicht auf eigene Faust lösen wolle. Auch falls Oesterreich ein Ultimatum stellen sollte, werde Serbien eine Antwort erteilen, die die Triple-Entente, insbesondere Rußland, für «forderlich erachten. In Belgrad hat mau (wie politische Persönlichkeiten dem Pariser Korrespondenten des genannten Blattes mitteilteu) bereits die Hoffnung aus- gegeben, die Autonomie Albaniens zu verhindern oder einen Adriahafen zu erlangen.
Achttausend neue Kriegsopfer.
(Privat-Telegramm.) Konstanttnopel, 16. Dezember.
In den Dardanellen herrscht erhöhte Tättg- keit, die sich gegen die Griechen richtet. Es laufen die verschiedenartigsten Gerüchte um; die Kriegszensur verbietet indessen, Nachrichten über die dortigen Ereignisse, die das Heer und die Kriegsflotte angehen, zu verbreiten. Der Minister des Innern ließ halbamtlich bekanntgeben, auf Chios seien die Griechen bis zur Meeresküste zurückgetrieben. Die Berfol- gung hätte nur unter den Kanonen der griechischen Schiffe ausgehört. Die Verluste der Griechen in den letzten Kämpfen bei Jannina wertzcn hier auf achttausend Tote unb mindestens ebensoviel Verwundete angegeben. Für die nächsten Tage werden weitere Kämpfe erwartet. Die Lage der Griechen verschlechtert sich immer mehr, während die Türken unaufhaltsam vorrücken.
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Ein Seegefecht bei Tenedos!
Depeschen aus K o n st a n t i n o p e I melden uns, daß in der Nähe der Insel Tenedos ein griechisch-türkisches Teegefecht ftattgefun- den Hal. Ein türkisches Geschwader stieß auf griechische Kriegsschiffe und es entspann sich ein ziemlich heftiger Kampf, in dessen Verlauf ein griechischer Kreuzer und zwei Torpedoboote gesunken sein sollen, während die Türken einen Kreuzer und einen Torpedojäger verloren hätten.
Kabinettsstnr, in der Türkei?
Nach einer aus Konstanttnopel vorliegenden Meldung soll sich die Lage Kiamil Paschas äußerst schwierig gestaltet haben, nachdem die Militärpartei wieder die Oberhand gewonnen hat. Man erwartet von einem Augenblick zum anderen den Sturz des Großwesiers und die Einsetzung einer Militär-Diktatur. Die Militärpartei sor- bert nachdrücklich die Wiederaufnahme der Feindseligkeiten.
3er Saarftreik beschlossen.
Streikbeginn am zweiten Januar.
(Telegramm unserS Korrespondenten.) Saarbrücken, 16. Dezember.
Die Hoffnung, baß es gelingen werbe, den drohenden Streik im Saar-Revierdurch Vermittlung behördlicher Faktoren zu verhüten, hat sich als trügerisch erwiesen, berat gestern ist in Saarbrücken von der Revier-Konferenz der Bergarbeiter die Proklamierung des Streiks auf allen Gruben des Saar-Bezirks beschlossen worden. Am Mtttwoch soll die Arbeit 6o« den Bergleuten gekündigt werden W* MLlÄLttlMI »**■*$ dH 61$
Streik feinen Anfang nehmen. Diese, Beschluß wurde von 359 Delegierten der Bergarbeiter gefaßt. Der Streik hat feine Ursache in Lohndifferenzen und in einer Ar- b e i t S o r d n u n g, die neu ausgegeben ist und die den Arbeitern nicht zusagt.
WetterlMftrovhen überall.
Schwere Unwetter in Deutschland u. im nörb» lichen Europa; Unwetter und Unglücksfälle.
Der vorgestrige und gestrige Tag, die auch in Cassel und Hessen schwere Stürme brachten, haben im ganzen Reich und im nördlichen Europa überhaupt eilte Wetter - Ka. t a st r o p h e verursacht, die große Schäden im Gefolge hatte. Auch auf See hat der Sturm zahlreiche Unfälle herbeige führt und die anS den nördlichen Hafenstädten vorliegenden Nach, richten lassen erkennen. ,daß der durch den Sturm verursachte Schaden außerordentlich groß ist. Ueber die Sturm-Verheerungen in Cassel selbst unb in der näheren Umgebnna be- richten wir an anderer Stelle; über die Wet- tsr-Katastrophen im Reich liegen ums folgende Drghtmeldungen vor:
Dezemberstürme und Orkan.
(Privat-Telegramme.)
Berlin, 16. Dezember.
Von einem ortanairtigeit Unwetter ist Berlin unb die Umgebung heimgesucht worden. Schon in der Nacht $um Sonntag setzte ein heftiger Sturm ein, der von starken Re- gennieberschlägen begleitet war. Zeitweise fegte der Orkan mit solcher Gewalt dahin, daß große Schäden herbeigeführt wurden. D« Sturm dauerte den ganzen gestrigen Tag bis ite die Rächt mit kurzen Unterbrechungen fort und eS traten vielfach Verkehrsstörungen ein. Auch kamen mehr ober minder schwere Verletzungen von Personen vor.
Kiel, 16. Dezember.
Infolge bet schweren Herbststürme, die auf der See herrschen, ist im Christianfford ein Schoner unbekannter Rationalität gesunken. ES gelang nur einem Boot, an den Schoner heran- zukommen und einen Mann der Besatzung zu retten. Als ein anderes Boot in den Mot- genftunben den Schoner erreichte, waren sechs Mann der Besatzung des Bootes vor Erschöpfung gestorben, nur der Steuermann war noch am Leben.. Bei Langefunv fft der dänische Schoner „Ariel" gescheitert. Die gesamte Mannschaft ist ertrunken, da eine Rettung unmöglich war.
Swinemünde, 16. Dezember-
Der deutsche Euer „Helene", von Hamburg nach Anklam unterwegs, ist heute Morgen vor dem Hasen von Swinemünde gestrandet. Der Koch ist ertrunken. Der Kapitän und der andere Mann der Besatzung konnte gerettet werden. Ferner strandete in bet vergangenen Nacht infolge des Sturmes auf hoher See bet bet Stettiner Reederei Kunstmann gehörige Dampfer „Montania". Die Besatzung von fechSundzwanzig Mann konnte von einem andern Dampfer gerettet werden. Das Schiff selbst gilt als völlig verloren.
Bochum, 16. Dezember-
Ein orkanartiger Sturm brauste in bet letzten Rächt über ganz Westdeuffchland dahin unb richtete allenthalben beträchtlichen Schaben an. Auf der westfälischen Stahlinbustrie bei Bochum wurde durch ben Sturm ein großer eiserner Kamin des Martiuwerkes umgeknickt. Das- obere Dritte! des Schornsteins stürzte herab unb erschlug ben drei und fünfzigjährigen Maurer Franz Müller, einen Jubilar des Werkes. Auch anderwärts im Industrie-Bezirk hat der Sturm große Verheerungen angerichtet und es werden zahlreiche Unglücksfälle gemeldet.
Gotha, 16. Dezember
In ganz Thüringen, besonders im Thürin- get Wald, herrschen seit Samstag Sturm unb Regen von ungewöhnlicher Gewalt. Mehrfach sind erhebliche Schäben zu verzeichnen. In ben Staats- unb Privatsorsten ist vielfach starker Winbbruch verursacht worden. Fast in allen Fernsprechnetzen auf dem Thüringer Walde sind erhebliche Störungen eingetreten. Teilweise ist der Sprechverkehr zwischen dem Ost- unb Westabhang gestört. Mit Rücksicht auf bie drohende Lebensgefahr ist den Holzfällern die Wei- tevarbeit untersagt worben.
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3m Sturm gestrandet!
Ein Privat-Telegramm aus Kopenhagen meldet uns: Seit der Sonnabend- Nacht wütet in ganz Dänemark, besonders tot Küstengebiet, ein furchtbarer Nordwest- orkan, der viele SchiffSunsälle veranlaßte. Der deutsche Schoner „Meta" ist bei Rödwig gestrandet. Es besteht keine Aussicht, ihn zu beratn. Die Mgimjchsft wurde ««Met. «ach