CBeler Neueste Nchrilhtkii
Casseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung
Stummer 11. semiprtd)« 951 und 952. Sonntag, 15. Dezember 1912. ^rafprf»« 951 und 952. 3. Jahrgang.
3niertton«Dretfe: $te fedjigefnaltene Beile für emtzetmilche ®eld»<kfte 15 Psg.. her au«' roärttge Inserat- 25 Reklam-i-U- für einheimische »eschätte 40 Bf. für au«n>ürttfle Äefchäfte 60 >$f. Einfache Beilagen für sie Gesamtauflage werden mit 5 Wart pro Taufen» he- rechnet. Wegen ihrer Lichten Berdreitung in der iRetieeiu und der Umgebung lind »le Caffeler Neuesten Nachrichten ein vorzüglicher Insertionsorgan Geschäfts teile Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung SW., Wehrtdrtraüe 18. Televdoni «ml WnriRpla« «76
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Sie Krone von Wittelrboch.
Sayern u. sein Herrscherhaus; Luitpold der Deutsche «. sein Sohn r Ludwig der Bayer.
Ein Privat-Tclegramm berichtet «nS aus München: Wie verlautet, wird das Zentrum im bayrischen Landtag die Initiative zu einer Bersaffungs-Aenderung ergreifen, wonach die Regentschaft des Prin» zen Ludwig aufgehoben und dieser zum Köuig Ludwig dem Drit« teu vo« Bayern ausgerufen werden soll. Die Annahme dieser Der- faffungs. Aenderung ist gesichert.
An seiner schlichien Lodenjoppe, die der Bapernbcrge kalter Odem längst gebleicht, hat man Luitpold von Wittelsbach, des Königreichs Vavcrn nun cntschlasnen Verweser, im Sterbezimmer des Wittelbacher-Palais in der Jsarstadt aufgebahrt: Prunklos und bürgerlich-einfach. wie es der Wunsch des Verewigten gewesen, und selbst die Ucberführung der irdischen Hülle des toten Regenten nach der Allcrheiligcnkirche vollzog sich ohne allen äußern Glanz, ohne pomphaftes Geprä ge und ohne das tausendfach widerhallende Echo höfischen Geräuschs, das im zwan- zigsten Jahrhundert jede Regung der Pürsten- Hoheit zu geleiten pflegt. Und als, am Abend des Sterbetags des greisen Vaters, der selbst schon über des Grrisenaltcrs Schwelle geichritt- ne Sohn als des Bayernlands neuer Re
gent am Münchner Bahnhof von einer nach Zehmau senden zählenden Menge erwartet
wurde, um als Erbe der Wittelsbacher Herrschaft seinen Einzug in BajuvarienS Hauptstadt zu halten, entstieg dem Salonwagen (an dem nicht von jedem Brett die goldne Krone gleißt) ein alter Mann im schmucklosen Bürgerkleid: - lein Imperator iw Glanz schimmernder Wehr, reine Hoheit im Galarock mit Stern und Rand, sondern ein schlichter Greis, den weder Wesen noch Gebärden vom draußen harrenden Bürger unterschieden, rin schmerzerfüllter Sohn, den Pflicht und Herzensdrang zu de« Balers Sterbelager riefen!
Wir haben den Heimgang des alten Man- »es, der über ein Vierteljahrhundert hindurch Bayerns Geschicke gelenkt, und die Herrschaft- Uebcrnabme des neuen Regenten als Zeugen des Ereignisses mit erlebt, und wir empfanden (ganz im Gegensatz zum sonst gewohnten Brauch), daß sich deS Schicksals naturnotwendige Fügung so einfach-menschlich, so schlicht und wirklichkeit-wahr voll- zog wie im Kreis« einer von den Banden der Liebe umschlungnen Familie, und in unsrer Seele regten sich Rührung und menschliche Anteilnahme, als di« Berichte aus des Regenten Sterbezimmer von der toten Hoheit in der Lodenjoppe erzählten, von der Regenten-Schwe. ster, die Tag und Rächt vom Sterbelager des Bruders nicht gewich«n und von den Blumen, die frommer Enkclsinn dem toten Ahn aufs Lager gestreut. Luitpold von Bayern ist auf dem sonnigen Weg des Friedens, den die Liebe mit zM-- leuchtender Blumenzier umrankt, in die Ewigkeit hinübergeschritten. und die Traulichkeit häuslich-bürgerlichen Glücks hat feinen Abschied von dieser Welt verklärt. Das König- Haus der Wittelsbacher wurzelte in seinen hellsten Tagen mit seinen stärksten und kräftigsten Sprossen immer im Volk, nicht neben oder über ihm, und diese nahe Berührung mit völkischem Empfinden und Wesen war allezeit die Krastguell« der Dynastie, deren markantester Repräsentant soeben des Bayern- L- Reichs Herrschaft übernommen.
Wer Ludwig von Bayern auf seinen muster- haft geleiteten Gütern im Starnberger Gau am Werk gesebn, wie er als praktischer Land- tvirt selbst tatkräftig Hand anlegte; wer den greisen Herrn mit der Brille und dem truyig wuchernden Bart in Hemdärmeln vorm Ein- fabrttor der Riesenscheunen sah, sorgsam die ankommenden Erntewagen überwachend, der
Mochte geneigt sein, dem Gottrsgnaden Prin- zip. das die znm Herrschen Berufnen erfüllt eine glücklicher, und menschlich-ibealtie Deutung zu geben, als sie uns von Gipfeln Und Höhen s o n st gepredigt wird,, und wer -wdwlgs emsige Töchter im Hausfrauenkleid °m Küchenherd und in der Gutswirtschaft aufrichtig bewundert hat, wie sie als wackre Kinder eines tatfrohen und wirklichkeit-vertrauten Vaters im engen Bannkreis häuslicher Pflichten die Kräfte nutzten, der erkannte, daß auch Fürstenkinder ihrem Leben andern Inhalt zu geben vermögen, als lediglich von der Wiege bis zum Grabe einen Hoheit-Tftel weltfremd durchs Erdendasein zu tragen. Vielleicht überwog in diesem sonnigen, von Kraft und Rawr belebten Milieu das Unoekün»
stell-Men schliche alle Zwanggebote der Fürsten Tradition, und möglicherweise ist Ludwig von Bayern überhaupt mehr praktischer Lebensarbeiter (aus Neigung) als Volkherrscher (aus Beruf und Geburtrecht); sicher ist jedenfalls das Eine: In der Persönlichkeit des neuen Prinz regenten offenbart sich ein stark ausgeprägter Bürgerfinn, gepaart mit einer Schlichtheit und Natürlichkeit im Leben und Handeln, die nichts von jener Nimbus- Wolke ahnen lassen, mit der auch das zwanzigste Jahrhundert noch die Throne und Thronenden vor dem Menschenauge zu verhüllen pflegt.
Schon in Luitpolds Tagen wob sich im Bayerland vom Palast zur Hütte das unsichtbare, aber feste Band untrennbarer Zusammengehörigkeit und jener idealen E i n- hrit zwischen Fürst und Volk, von der einst im Kaiserfaal zu Worms Eberhardt im Barte sang. Wir sehen, wie ein Volk, das zäh an seine Stammes Eigenart sich klammert, aller parteilichen Leidenschaften ungeachtet, treu und stark zu seinem Fürstenhaus« steht, in dem es nicht die auf Gipfelhöhen mrnschenferner Maje stät thronende Herrschaftgewalt, sondern die aus der Kraft und dem Willen der Volkheit selbst geborne und mitten in i h r wurzelnde Hoheit des nationalen HerrschertumS verehrt u. wir leben einen Regenten an der Spitze dieses Volks, der in des Lebens strenger Wirklichkeit-Schule zum Herrscheramt heranreifte der schlicht und ohne blendenden Prunk zum Regentenstuhl emporstieg, und ohne Hcroldrus und Fanfarenklang dem Volk sagt, was er als Fürstenpslicht und Herrscher-Ideal erkannt! NnS, die wir unter nördlickerm Himmel wohnen und denen die neue Zeit das Ideal alt-wilbclmischer Einfachheit fast entfremdet, erscheint der Abschluß eines bayrischen Fürsten Daseins und der Uebergang zu einem neuen Abschnitt bayrischer Herrschaft Geschichte fast zu »lang- und farblos: wir vermissen in dem Stück Wittelsbacher Familien Geschichte, das sich eben vor unfern Augen abgespielt, vielleicht die .historische Rote", an die die beiden letzten Fabrzelnte deutscher Reichaeschichte unser Auae und Ohr gewöhnt, und vergessen dabei, daß die Kraft des wahren Königtums nicht in äußemiGlanz und in tönendem oder schimmern-' dem Effekt seines M-chtbewußtseins sich offenbart, sondern im Vertrauen der Ration, das die Throne der Herrschenden trägt.. !
F. H.
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zwei Fürsten Telegramme.
Depeschenwechsel zwischen Kaiser u. Regent»
Vom Deutschen Kaiser ist gestern (wie aus München berichtet wird) auf die Mitteilung vom Ableben des Prinzregenten Luitpold durch den Prinzen Ruprecht folgendes Beileidstelegramm beim Prinzregenten tingegangen:
Mit tiefster Trauer erfüllt mich die Nachricht von dem Hinschriden Deines geliebten Großvaters, des allverehrten Prinzregente«, meines treuen Freundes. Ei« bedeutungsvoller Abschnitt deutscher Geschichte geht mit ihm zu Ende und ein langes Leben, auSgefüllt mit einer für Bayern und das Reick« segensreichen Arbeit, ist vollendet. Deinem Bater, Dir und Euren ganze« Hause spreche ich meine wärmste und innigste Teilnahme auS. Deutschland trauert um de« Ta- h'ngeschiedenen, und ich werde immer dieser herrlichen Gestalt in tiefster Dankbarkeit gedenken.
Prinzregent Ludwig beantwortete das Beileids-Telegramm des Kaisers sofott mit einem Dank - Telegramm an den Kaiser, in dem et seine Bunoestreue zu Kaiser und Reich Hervorhebt. Das Telegramm lautet:
Ach bitte Dich, für Deine durch Rupprecht mir übermittelte rührende Teilnahme an unserem großen Schmerze meinen und deS königlichen Hauses herzl«^»ten Dank rMgeaenzi'nhmrn und die meinem geliebten Bater stets bewiesene Freundschaft auf mich zu übertragen. Ich werde f« Bundestreue zu Kaiser und Reich dem erhabenen Beispiel meines erlauchten Vaters folgen.
Wie uns ein Privat - Telegram aus München meldet, ist die feierliche Beisetzung des Prinzregenten Luitvold auf Donnerstag, den neunzehnten Dezember, vormittags elf Uhr in der Gruf der St. Kajttans-Kirche festgesetzt worden.
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Der Prinzregent an die Bayern.
Die Uebeniahme der Regentschaft des Königreichs Bayern durch den Prinzen Ludwig wird durch eine im Bayrischen Staatsanzeiger veröffentlichte Kundgabe oftiziell ange- reiat. Die Bekanntmachung gibt zunächst der
Trauer über das Hinscheiden Seiner Königl. Hoheit des Prinzregenten Luitpold Ausdruck und fähtt dann fort: Das schwere Leiden, das Unserem vielgeliebten Vetter, Seine Majestät König Otto daurend an der Ausübung der Regiening hindert, und wegen dessen im Juni 1886 vom Landtage die Notwendigkeit der gesetzlichen Regentschaft anerkannt worden ist. besteht zu Unserer und des ganzen Volkes Betrübnis unverändett fort. Die Bestimmungen der Verfassungsurkunde legen daher Uns als dem nach der Erbfolgeordnung nächst berufenen Agnaten die schwere Pflicht auf. die bestehende Reichsverwesung fortzusetzen.
Kanonendonner am Sassan.
Friedenskonferenz und Schlachten-Lärm!
Während im St. James-Palast in London dos gastliche England die historischen Hallen für die Tagung der Balkan-Friedens- Konserenz herrichiet, dröhnt vom Türken- 'and neuer Kanonendonner zum Westen: Der Kampf zw scheu Türken und Griechen bat begonnen, und soweit bisher Meldungen über diese Kämpfe vorliegen, haben die Griechen eine schwere Niederlage erlitten und es ist den Türken gelungen, das von den Griechen genommene Janina zurückzuerobern. Wir erhalten darüber folgende Draht-Nachrichten:
Schwere Verluste der Griechen!
(Privat-Telegramm., Konstantinopel, 14. Dezember.
Amtlich wird bekanntgcgeben, daß nach einer dem Ministerium des Innern zugegangenen Depesche die Entsetzung Janinas gelun gen sei. DaS Kommunique hat folgenden Wortlaut: Oestlich und südwestlich von Janina haben die Griechen zwei schwere Niederlagen erlitten und sind völlig geschlagen und zurüügeworfen worden. Sie haben dabei schwere Verluste erlitten. Diele Siege haben Janina von den Belagernden befreit. Die Griechen mußten ihren Marsch nach Vallona aufgeben und fith nach der Grenze zu rückziehen. Bei.der Bisaka-Buckt nächst Tene- dos überraschten zwei türkische Kanonenboote ei« griechisches Torpedoboot, da« ein türkisches Segelschiff eskortierte. Das griechische Torpedo boot ergab sich nach kurzem Kampf und wurde in die Dardanellen gebracht. Unter den 6.n Kampf bei Janina Verwundeten befindet sich auch GeneralRomas.der Führer des griechischen Korps der von Garibalda befehligte« Freiwilligentruppe.
Rur ein ehrenvoller Friede!
(Privat-Telearamm.)
London, 14. Dezember.
Der Führer der türkischen Friedens Delega- tion, Handelsminister Reschid Pascha (der kürzlich unferm Sonftontinopelcr Korrespondenten eine längere Unterrtimng gewährte) hat sich über die Aussichten der Friedens-Konferenz wie folgt ausgesprochen: Wir gehen nach London mit dem ausdrücklichen Wunsche, Frieden zu schließen und dem Bltttvergießen ein Ende zu machen. Aber wir sind entschlossen, diesen Frieden nur unter ehrenhaften Bedingungen zu schließe«. Unsere militärische Stärke wächst mit jedem Tag. Zur Stunde besitzen wir vor Tfchataldscha 170 000 Mann wohlausge rüstcter Truppen. Gegenwärtig besteht ein Waffenstillstand. Die Feindseligkeiten werden aber unverzüglich wieder ausgenommen, wenn einer der beiden Teile dem andere« all zuhatte Friedensbedingungen auferlegen sollte. Die Türkei wird sich der Errichtung eines autonomen Albaniens unter der Oberhoheit deS Sultans nicht widersetzen, dagegen können wir mit Griechenland nicht verhandeln, so lange dieses sich nicht dem Waffenstillstand angeschlossen hat.
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Deutsch-österreichische Demonstration?
Ein weiteres Prtvat-Telegramm meldet uns aus Rom: Zwei deutsche Kriegsschiffe sind nunmehr im Hafen von Pola angekommen, während die gesamte österreichische Flotte sich in den dalmatinischen Gewässern befindet. Diese Tatsache wird hier natürlich überall lebhaft kommentiert. Man sagt, es sei nicht ausgeschlossen-, daß sich die beiden deutschen Kriegsschiffe an einer von Oesterreich geplanten Flottenkundgebung beteiligen würden.
Reue Gefahr in Sicht?
Aus Petersburg wird uns telegraphisch berichtet: Der Kreuzer der Freiwilligen- Flotte „Saratow", der mit mehreren russischen Fliegern an Bord unterwegs nach Bulgarien war, wurde auf Befehl der Regierung durch Funkenspruch nach Odessa zurückberu- fen. was hier durch die Befürchtung weite»
rer Verwicklungen erklärt wird, bie matt mit den bestehenden Gegensätzen zwischen Rußland und Oesterreich in Verbindung bringt.
3it Nacht und Man.
Schreckensfahrt des Dampfers Austria; zwei Tage zwischen Leben u. Tod; Taifun auf See Ein« kurze Depesche aus Triest meldete vor einigen Tagen, daß der österreichische Lloyd- damp'er „Triest" in den ersten Togen deS November im Indischen Ozean einen furchtbaren Orkan zu bestehen hatte. Das Schiff ist nun vorgestern nach Triest zurückgekehrt, und sein Kommandant, Kapitän Cosulich, gab gestern vor dem Seeamt in Triest über die Schreckensfahrt inmitten des furchtbaren Taifuns eine Schilderung, die deutlich erkennen läßt, daß das bedrohte Schiff nur wie durch ein Wunder vor dem Untergang mit Mann und Maus bewahrt geblieben ist.
Dev Schrecken der See.
(Telegraphischer Bericht.)
Triest, 14. Dezember.
Wie Kapitän Cosulich von der „Austria*
vor dem Seeamt erklärte, befand sich das Schiff Ende Oktober auf der Rückfahrt von Singapore unterwegs nach Colombo. Am 29. Oktober begann das Barometer zu sinken und am nächsten Tage fiel es innerhalb der ersten Nachmittags- stunden um volle acht M llimeter. Es hatte sich ein heftiger Gegenwind erhoben, der immer mehr an Stärke zunahm. Die See war weit und breit wie ein kochender Kessel. Das Schiff befand sich in der Zone des Taifuns, und ein Orkan war eben im Anzüge. Die See wurde immer stürmischer. Woge auf Woge wälzte sich über das Schiff und überschwemmte es in seiner ganzen Länge. Das Wasser begann in den Maschinenraum und in die Kohlenkammer zu dringen. Die Türen zum Maschinenraum wurden niedergeris- s en und die Kabinen der Maschinisten unter Wasser gefetzt. Die obere Luke des Maschinenraumes wurde von einer mächtigen Woge weggerissen und nun drang das Wasser auch durch diese Oefsnung mit großem Ungestüm ein. Das Wasser im Maschinenraum stieg immer höher, und der erste Maschinist meldete dem Kommandanten, daß es die Oesen erreicht und das Feuer gelöscht'habe. Gegen acht Uhr begann der Taifun an Gewalt etwas nachgu- lassen, dafür erhob sich aber ein furchtbares Gewitter mit, einem Regen. Die Nacht War stockfinster. Die ganze Besatzung arbeitete unermüdlich, um das Wasser am weiteren Eindringen in den Maschinenraum zu verhindern. Gegen elf Uhr begann das Barometer wieder zu sinken. Der Taifun setzte nun mit noch größerer Gewalt ein. Di« Wogen erhoben sich weit über die Kommandobrücke und
überschwemmte« das ganze Schiff.
Gegen drei Uhr morgens meldete der Steuermann, daß das Steuer gebrochen war, und nun war das Schiff ein Spiel der Wellen. Drei Maschinisten und der Kapitän versuchten unter Lebensgefahr, sich der Bruchstelle zu nähern, um den Schaden zu reparieren. Hierbei wurde der Kapitän Sussa von einer Woge gegen die Schifsswand gesch'rudert, daß er wie leblos liegen blieb. Das Schiff wurde nun von der See hin- und hergeworfen. Die Rettungsboote wurden vom Sturme wegge- rissen, ihre Kräne wurden gebogen als wären sie Strohhalme. Ein großes Boot wurde Weit ins Meer geschleudert. Das Wasser stand im Maschinenraum bereits einen halben Meter hoch, und zudem legte sich das Schiff stark auf di« Seite. Man mußte noch einen Weiteren Teil der Ladung über Bord Werfen. Die Pumpen Waren gebrauchsunfähig. Man bildete eine Kette und begann so mit Eimern das Wasser aus dem Maschinenraum zu ziehen. Die Lage Wurde jedoch immer tritt» scher, und nun Wurden auch die Wenigen männlichen Passagiere von dem Ernst der Situation verständigt. Am Morgen des ersten November konnte der erste Maschinist melden, daß das Wasser zu sinken begann. Außer dem Kapitän waren auch der Kommandant, die übrigen Offiziere und viele Mann der Besatzung verwundet. Da der Sturm auch den Backofen und die Vorratskammer stark beschädigt hatte, mußten alle Besatzung und Passagiere bis zur Ankunft in Triest von Biskuit und Konserven leben.
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Roch eine Katastrophe a«f Seel
Ein Privat - Telegramm berichtet uns aus Christiania: Ein Dreimastschoner von unbekannter Nationalität scheiterte am Donnerstag außerhalb von Freviu im Chri- stianiafford. Bei dem herrschenden Unwetter aelan« «S zunächst nur eine« Reet, an bee