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Hessische Abendzeitung
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Rümmer S.
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Fernsprecher 951 und 952.
Freitag, 13. Dezember 1912.
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3. Jahrgang.
Drinz-Regent Luitpold +
Depesche« ans München melden «ns: Der Prinz-Regent von Bayern, Prinz Luitpold, ist heute früh um 4 llhr 50 Minuten gestorben. Der Prinz-Regent war vor einige» Tagen erkrankt und sei« Zustand hatte sich gestern derart verschlimmer«, datz die Aerzte alle Hoffnung aufgaben. Prinz Ludwig von Bayern hat heute als Nachfolger seines Vaters die Regentschaft des Königreichs Bayern übernommen. Prinz Luitpold hat ein Alter von einundneunzig Jahren erreicht. Er war seit gestern nachmittag bewußtlos und wurde in den Abendstunden mit den Sterbe-Sakramente« versehen. Am Sterbelager waren sämtliche in München weilende Mitglieder der Königlichen Familie versammelt. Prinz Luitpold verschied sanft und fast ohne jeden Todeskampf.
M-Heiitschland trauert!
An Luitpold von Bayerns Bahre.
Ein Einundneunzigjähriger, der des Lebens Schicksal in allen seinen Wandlungen sah, ist Luitpold von Wittelsbach, des Königreichs Bayern Verweser, von uns gegangen und an des greisen Fürsten Bahre trauert nicht nur das Bayerland um den in Tagen der Freude und des Leids erprobten Regenten: All-Deutschland fühlt, daß einer seiner deutschesten Söhne aus diesem Leben geschieden, und die Trauerglocken vom Jsarstrand hallen durchs deutsche Land als Künder einer Todesbotschast, die von der Maas bis zur Memel Herzen und Seelen rührt. Luitpold von Bayern, der in den frühen Morgenstunden des zwölften Dezembertags sanft in die Ewigkeit hinüberschlummerte, war uns allen als der Patriarch unter Deutschlands Fürsten vertraut, die Nation verehrte in dem Greis im Amt des Regenten den bewährten Träger des Reich-Gedankens und den treu-deutschen Fürsten, dessen tatkräftiger Hand es gelang, nach den Tagen von Königgrätz und Sedan die Annäherung zwischen Deutschland und Oesterreich vorzubereiten und damit der Frtedensmacht des Dreibunds im Herze» Europas die Wege zu ebnen. Als er in den Junitage» des Schtcksaljahrs 1886, die Bayerns stolzeste Hoffnung jäh ver- «ichteten, die Regentschaft des Königreichs übernahm, versprach er dem Bayerland und dem Reich der Deutschen seine ganze Kraft zu widmen und nicht müde zu werden in der Förderung und Pflege Dessen, das Vaterland und Reich-Gemeinschaft an deutscher Fürstenarbeit fordern.
ilnd er i st nicht müd' geworden. Der Fünf- mrdsechzigjährige, der die sonnigste Hoffnung seines Hauses in einer einzigen Schicksal-Stunde begraben sah, übernahm die Regierung seines Landes in Bayerns schwersten Prüfung- Tagen, trat die Regentschaft an, als er selbst schon an der Schwelle des Greisenalters stand, und hat ein Viertelfahrhundert hindurch mit fester, von der Schwäche des Alters kaum berührter Hand die Geschicke des Königreichs der Wittelsbacher geleitet, immer erfüllt von dem deutschen Fiirsten-Jdeal: Der Einheit des Reichs und der Ehre des deutschen Namens zu dienen. Unter der Regentschaft des greisen Fürsten hat Bayern eine Zett friedlicher Entwicklung, eine Periode starken wirtschaftlichen Aufstiegs und innrer Festigung durchlaufen, und wenn auch in Luttpolds späten Greisentagen die Parteienkämpfe im Wittelsbicher Land stch zu früher kaum gekannter Leidenschaftlichkeit verschärften, so bleibt dem nun heim- gegangnen Regenten doch das Verdienst, stets der Mittler im Streit der Geister, der Versöhner und Friedenförderer gewesen zu sein, dessen Autorität auch die stärkste Leidenschaftlichkeit i« ihren Bann zwang. Luitpold von Bayern «ar, wie er in allen Tagen seines langen Lebens ein echter deutscher Fürst gewesen, ein nicht minder treuer Sohn seiner Kirche: From mrr Kirchenglaube und das Bewußtsein seiner Fürstenpflicht einten sich im Bilde seines Charakters zu einem untrennbaren Ganzen, und die Weltgeschichte wird vielleicht einmal entdecken, daß grade in diesen Zusammenhängen, die sich in der Persönlichkeit Luitpolds von Bayern am schärfften ausprägten, die Erklärung der stark kirchlich beeinflußten Politik Bayerns im ersten Jahrzehnt des zwanzigsten Jahrhunderts zu suchen ist.
Run, da Bayerns greiser Regent von seinem Amt abberufen, macht die Zukunft ihre Rechte geltend, und es drängt sich von selbst die Frage auf, wie Bayerns Schicksal unter der neuen Herrschaft sich gestalten wird. Es ist in jüngster Zett oft davon die Rede gewesen, daß in Bayern die Umwandlung des Regierung- Provisoriums in ein wirkliches Königtum gewünscht werde, und tatsächlich hat es auch (noch zu Lebzetten Luitpolds) nicht an Bemühungen gefehlt, den Träger der Regentschaft von der Notwendigkeit zu überzeugen, die Krone des Bayerlands s i ch t b o. r e r als durch das Regen- tentum in der Reich-Gemeinschaft zu reprä- jenfteren. Luitpold von Bayern, der die Re-
gierung in einem Augenblick schwerster Schicksalschläge übemommen, hat diesen Plänen noch in müden Greisentagen entschiedensten Widerstand entgegengestemmt; er, der sich immer nur als Stellvertreter des in geistiger Rächt versunknen unglücklichen Königs geftihlt, sträubte sich mtt der ganzen Energie seiner starken Persönlichkeit gegen die Möglichkeit, eine Krone zu tragen, die des Schicksals Wille ihm nicht durch Recht und Fügung verlieben, und noch vor Monden, als im Rym- phenburger Schloß abermals die Königftage dringlich erörtert wurde, erklärte der Einund- neunzigiäbrigr kategorisch, daß in seines Lebens Tagen an der von der Vorsehung ge- wollten Fügung deS Schicksals von Menschenhand nichts- geändert werden dürfe. Sein Wunsch ist erfüllt worden; nun aber, da das Schicksal einen neuen Mann zur Herrschaft ruft, wird die Frage abermals aktuell, und es wird sich nun bald entscheiden müssen ob die Krone der Wittelsbacher auch fernerhin vom Trauerflor bedeckt bleiben, oder ob Ludwig der Bayer sie als König von Gottes Gnaden in neuem Glanze ausstrahlen lassen wird ...! F. H.
Prinz Lu»tvoldr letzte Stnnden.
Das Ablebe« des Prinz-Regenten.
(Telegramm unsers Korrespondenten.)
München, 12. Dezember.
Im Laufe des gestrigen Nachmittags mehrten sich die Anzeichen, datz jede menschliche Hilfe für den Prinzregenten ausgeschlossen war und datz die eiserne Natur des Regenten, die dem Tod schon so ost getrotzt hatte, nunmehr erlahmte. In später Abendstunde wurd,
der StistSprobst von H e ch « r an das Krankenlager gerufen, wm dem Regenten im Beisein seiner Tochter Therese die Sterbesakramente zu reichen. Der Regent ruhte dann wieder einige Zett. Gegen zehn Uhr abends traten Fieberrrscheinungen auf, die von einer Lungenentzündung herrührten. Außerdem wurde die Herztätigkeit sehr oft un regelmäßig. Heute morgen um einhalb fünf Uhr trat Herzschwäche ein, mW kurz darauf ist der greise Fürst sanft entschlafen. Im Sterbezimmer waren anwesend sämtliche zur- zett in München weilende Mitglieder des Königlichen Hauses, mit Ausnahme deS Prinzen Ludwig, des nunmehrigen Regentendes Landes. Die sterbliche Hülle des entschlafenen Prinzregenten liegt in seinem Schlafzimmer aufgebahrt. Die Decke ist mtt Blumen bestreut, die Kinder und Schwiegerkinder, Enkel und Urenkel, die an sein Toten bett eisten, dort niedergelegt haben. DaS leicht zur Rechten geneigte Haupt de« Regenten zeigt die Züge eines ruhig und sorglos schlummernden Greises. Um sieben Uhr morgen« wurde im Sterbezimmer eine heilige Messe gelesen, an der die gesamte königliche Fckmille, der Vorstand des MinifterrateS,
Freiherr vo« Hertkttrg, i
Hofchargen, der Chef des geheimen Kabinetts und das militärische Gefolge des Regenten teilnahmen. Nm zehn Uhr begab sich Freiherr von Hertling und Staatsminister von Thielemann, sowie Freiherr von Soden in das Sterbezimmer des Regenten, um sein Ableben urkundlich festzustellen. Trauerfahnen sind auf der Residenz gehißt und künde« schon von weitem das Leid in das das ganze Bay- ernland versetzt wurde. Alle öffentliche« und
viele privaten Gebäude zeigen ebenfalls Trcu- erschmuck. Um acht Uhr früh verkündeten die Glocken der Kirchen das Ableben des Regenten. Die Stadtverordneten und der Magistrat unterbrachen die Sitzungen und vertagten sie auf morgen. ES findet dann eine gemeinsame Trauersitzung statt. Die Theater wurden bis auf weiteres geschlossen. Es ist eine dreimonatliche Trauer des Landes und des Hofes angeordnet worden. Die beiden Häuser des Landtages werden in den nächsten Tagen einberufen, um die Regentenfrage neu zu regeln. Prinz Ludwig wird dann den Eid auf die Verfassung zu leisten haben. Der Tod des Regenten wurde sofort sämtlichen Staatsoberhäupter« deS Deutschen Reiches und der befreundete« Staaten durch den Prinzen Ruprecht mitgeteilt. Es liegen bereits Beileidstelegramme von allen Höfen des In- und Auslandes vor.
Luitpold von Bayern.
Aus dem Leben des Prinzregente«.
Der heute verstorbene Prinzr egenk Luitpold hat ein Alter von beinahe zwe'i- undneuuzig Jahren erreicht. Er wurde geboren am 12. März 1821 in Würzburg als dritter Sohn des Königs Ludwig deS Erste« und der Königin Therese, einer geborenen Prinzessin von Sachsen-Altenburg. Am 15. Avril 1644 vermählte sich der Prinz mit der Prinzessin Auguste von ToSkana, Erzherzogin von Oesterreich; die Prinzessin Luitpold starb jedoch bereits am 26. April 1864. Au» der Ehe gingen vier Kinder hervor, von denen jedoch nur noch drei am Leben find: Prinz Ludwig, geboren am 7. Januar 1845 in München, der nach dem Tode seine» Vaters die Rgentschaft für den geisteskranken König Otto übernehmen wird, Prinz Leopold, geboren am 9. Februar 1846 in München, der General-JnspeLtenr der 4. Armeeinspektion des deutschen Reichsheeres, und die Prinzessin Theres«, die stch durch ihre geographischen Austatze und Reisebeschrei- bungen einen Namen gemacht hat. Der jüngste Sohn des Prinzregenten, Prinz Arnulf von Bayern, ist seinem Vater im Tode voraufgegangen; er starb am 12. November 1907. Der verstorbene Prinzregent beschäftigte stch vorzugsweise mit dem Militärwesen; er bekleidete die Stelle eines Generalseldzeugnteisters und Generalinspetteurs der Armee. Den öffentlichen Angelegenheiten stand er als Mitglied der Reichsraisbammer, al» Vorsitzender de» StaatSratS und als zeitweiliger Stellvertteter König Ludwigs d«S Zweiten schon lange Jahrzehnte nahe. Im Jahre 1870 machte er den deutsch-ftanzöstschen Krieg im Hauptquartier König Wilhelms von Preutzen mtt; spater übernahm er die ersten Vermittlungen zwecks einer Annäherung Preußen-Deutschland» ar Oesterreich. In den Vordergrund der neuesten bayerischen Geschichte trat Prinzregent Luit- pold im Jahre 1886, al» er die Reich svevweser- schaft für den unglückkichen König Otto über- nahm.
Bayerns neuer Regent.
Prinzregent Lndwig vo« Bayer«.
Mit dem Tode des Prinzregenten Luitpold tritt sein ältester Sohn, Prinz Ludwig von Bayern, der bereit» im achtundsechzigsten Lebensjahre steht, die Regentschaft für den geisteskranken König Otto an. Prinz Ludwig, der am siebenten Januar 1845 in München geboren wurde, vermählte sich am 20. Februar 1868 mit bet Erzherzogin Maria Theresia von Oesterreich-Este. Aus dieser Ehe sind zwöH Kinder hervorgegangen; der älteste Oohsl Prinz Ludwigs, Prinz Rupprecht von Bayern, war bekanntlich mit einer Tochter de» verstorbenen Herzogs Karl Theodor, der Prinzessin Maria Gebriele. vermählt; vor wenig Wochen erst Hai man sie zu Grabe getragen. Prinz Ludwig ist seinem militärischen Range nach Generaloberst der Infanterie mit derx Range eines Generatfeldmarschalls. Besondc res LMpesse 6 ringt 6t der Hebung der LsÄk