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CaffelerNeueste Nachrichten

Caffeler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Stummer 4. Fernsprecher 951 und 9Ü2. Sonnabend, 7. Dezember 1912. Fernsprecher 951 und 952. 3. Jahrgang.

gnferttontyreife: Die fedjSgefpaltene Zeile fitr einheimische Geschäft« 15 Psg., für au«' roärttge Inserate 25 $!., Re'lamezetle für einheimische Geschäfte 40 Pf, für au«roärttge Geschäfte SO Pt Einfache Beilagen für die Gefamtauflage werden mit 5 Start vro Tausend be­rechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der iltendeiu und der ttingebung sind die Casseler Neuesten Nachrichten ein vorzügliche« gnfertton»organ Geschäftsstelle, »ülnilche Straße 5. Berliner Vertretung: SW.. Friedrichstraße 16, Telephon: Ami Morttzplatz «76

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Immer noch Gefahr!

Er« Privat-Telegramm meldet ««s aus Wie«: Die Lage wird hier heute wieder sehr pessimistisch beurteilt. Veranlaßt ist diese Stimmung durch eine Rede des Ministerpräsidenten Grafe» Stiirgkh rm Iustizau Sfchutz bei der Beratung des Kviegsgesetzes. Graf Stiirgkh erklärte, die Behauptnng, datz die Lage entspannt sei, fei «»richtig.

Die Krise dauere vielmehr an nnd die Gefahr habe sich nicht vermindert.

ZteiÄien drr Gerechtigkeit.

Fünfundvierzig Jahre hinter Manern!

Wenn im Tempel der Themis der blinden Göttin das ihr ziemende Opfer gereicht wird, fällt meist über einer düstren Menschen- Tragödie der mild-verhüllende Borhana der die Vergangenheit mit deni Schleier der Sühne deckt und die Zukunft eines Menschenlebens durch Kerkerpsortm zu neuen Bahnen drängt. Es ist Beruf und Pflicht strafender Gerechttgkeit, Buße zu fordern, das Bose zu ahnden und durch den Zwang der Sühne gleichzeitig stra­fend und bessernd auf den wider Gesetz und Brauch Frevelnden einzuwirken. Da die Diener der Gerechtigkeit Menschen sind wie wir, dem Irrtum und der Menschen-Schwäche unter­worfen, so darf die von ihnen erkannte Ge- rechttgkeit nicht mit dem Begriff des Rechts verwechselt werden, und die Hebung strafender Gerechttgkeit nach dem Willen und d:m Buch­staben des Gesetzes bat denn auch oft zu (vom staatlichen Rechtswillen sanktionierten) Erkcnnt- rriffen und Urteilen geführt, die mit dem na­türlichen, von keinerlei System-Grundsätzen und Paragrapyen-Interpretationen beeinfluß­ten rein-menschlichen Recht-Empfinden nicht in EinKang zu bringen waren. Ein gro­ßer Sttafrechttehrer unsrer Zeit hat zwar ge­sagt, daß nicht die Menschlichkeit, sondern die harte Gerechttgkeit auf dem Sttrhl des Richters thronen mufft, wenn dem Willen und der Autorität des Gesetzes Geltung und Achtung verschafft werden solle, aber es ist diesem Grundsatz mit dem gleichen Recht der andre entgegenzuhatten, daß die Gerechttgkeit nicht menschlichem Empfinden entfremdet wer­den darf, wenn sie nicht nur strafend, sondern auch bessernd wirken soll.

Ein Beispiel aus den jüngsten Tagen: Vor der Strafkammer eines Berliner Landgerichts stand soeben ein Mann unter der schweren An­klage des Rückfall-Diebstahls, deflen Leben eine einzige Kette von Verbrechen und Sühne bildet. Man sprach am Richterttsch von dem grauen Sünder auf der Anklagebank wie von einemVeteranen des Zuchthauses", und in Mftk- Rchkeit war dieser Mann doch einer von Denen, die, als Opfer einer Tragödie der Ge­rechtigkeit gefallen, nie mehr den Weg zu Ordnung und bürgerlicher Sitte zurückgefun­den. Der siebenundfünfzigjährige Schuhmacher Ouarsdorf, um dessen armseliges Schicksal jetzt abermals der Gerechtigkett Würfel rollten, Hai fünfundvierzig Jahre seines Lebens hinter Gefängnis- und Zuchthausmauern als recht- und gesetzmäßig verurteilter Verbrecher zugebracht, und da er an dem Tag, da er zum erstenmal vor dem Sneastichter erschien, acht Jahr« zählte, waren dem nun Ergrauten seit seiner ersten Heimkehr auS dem Kerker nur vier Jahre der Freihett beschieden, die er damit aus- fültte, abermals und immer wieder neu« Verbrechen auf alte Schuld zu häufen, deren Sühnung chn viereinhalb Jahrzehnt in die Enge der Zelle bannte. Die Richter, denen der alte Verbrecher diesmal gegenübetttand, erkannten in demZuchthaus-Veteranen- nicht nur den unverbesserlichen Sünder, vor dessen Verbrecher-Instinkten die bürgerliche Gesell­schaft geschützt werden müßte: Sie sahen in d«m Manne, der fünsundvierzig Jahre hinter Kerkermauern gebüßt, auch ein Opfer der Gesetzeshärte, die den Achtjährigen schon in den Sumpf des Verderbens hinabge- fioßen, und billigten dem abermals mit schwe­rer Schuld Bemakelten mildernde Umstände zu. Ein Jahr und sechs Monate Gefängnis wer­den den grauen Sünder sicher nicht bessern, aber das Pttnzip strafender Gerechtigkett hat dennoch sinngemäße Anwendung erfahren!

Das indessen fffs nicht, das diesem Ver­brecher-Schicksal das tragische Moment etnfügt: Die Tragik des verlornen Lebens be­ginnt schon bei dem A ch t j ä h r i g e n, den die grausame Hätt« des (damals noch geltenden) Landrechts wegen eines kleinen Diebstahls auf vier Wochen dem Gefängnis überantwortete, und chn damit der Gesellschaft von Verbrechern und Verbrecher-Genoffen preisgab, deren Wr- sensart, Unterhaltung und Ideenwelt die Seele des Knaben vergifteten und den Achttähttgen zum gelehttgen Schüler der Sünde machten. Die Frucht der ersten Strafe entsprach denn auch durchaus der Art ihrer Vollstreckung: Kaum dem Gefängnis entronnen, ereilte den mm zmn Bewußtsein der Sünde erzvguen Vorbestraften abermals das Geschick. Strafe reihte sich an Strafe, bis nun, an der Schwelle des Greisenatters, ein gebrochner Mann Wie­derum vor seinen Richtern stand, der fünfund­vierzig Jahre seines Lebens dem vom Gesetz gewollten Zweck der Besserung in enger Zelle erfolglos opfern mußte. Die Kultur der @c- rcchttzkeit hat inzwischen eine weit«. Strecke der

Im Gegensatz zu den pessimistischen Nach­richten aus Wien liegen beute allerdings aus Berlin, Paris und London Meldungen vor, die wesentlich beruhigender lauten. Es heißt darin, daß kein Grund vorliege, sich wegen der europäischen Lage zu beunruhigen. Man erklärt, daß der Konflitt zwischen Oester­reich und Serbien einer friedlichen- sung entgegengehe, daß Gttechenland wahr­scheinlich heute dem Waffenstillstand beitreten werde und daß alle Großmächte dem englischen Vorschlag einer Konferenz zustimmen würden. Ueber die Auffassung in Wien er­halten wir folgende Meldung:

Die Krise dauert a«!

(Privat-Telegramm.)

Wien, 6. Dezember.

Die Situation ist stagnierend. Da jedoch bald die Friedensverhandlungou beginnen, dürste die Austtagung der öster­reichisch-serbischen Frage nunmehr bald in die Erscheinung treten. Wichtig ist einerseits, daß das Gerücht über eine Demission des rus­sischen Gesandten Hartwig in Belgrad un­begründet ist, andererseits daß Griechen­land ttotz seines bisherigen Nichtanschlusses an den Waffenstillstand aus dem Balkanbund nicht austreten dürste. Es verlautet übrigens, daß der baldige Beitritt Griechen­lands zu dem Waffenstillstand als höchstwahrscheinlich anzusehen sei. Ungeachtet der fortgesetzten Einwirkungen aller Mächte (also auch Rußlands und der Westmächte) auf Serbien, den inttansigenten Standpuntt aufzu­geben, ist bisher kein Stimmungswech­sel eingetreten. In unterttchteten Kreisen wird vettichert, daß von einer dauernden Besetzung Phalona» oder der Insel S a s e n o durch Griechenland nicht die Rede sein könne. Als serbischer Delegierter zu den Friedensverhandlungen ist der Pattser serbische Gesandte Fesnic in Aussicht genommen. Sollte bei den Friedensverhandlungen die Türkei die serbischen Forderungen wegen der Hafenabtre- tung bewilligen, so würde Oesterreich sofort in Belgrad den Verzicht auf diese Be­dingung verlangen. Hiermit wäre die Enstcheidung über Krieg oder Frieden herangerückt. Man weist jedoch auf die gestrige offiziöse serbische Stimme hin, daß sich Serbien dem Urteil Europas widerspruchslos unterwerfen werde.

*

Die Grenzwacht Oesterreichs.

Ein Telegramm «nserS Karr«, spondenten berichtet uns auS Agram: Der neue kommaiwicrc General von Agram, Baron Rhemen, ist gestern vom Kaiser in Audienz empfangen worden. Wie in hiesigen militärischen Kreisen verlautet, soll e n Teil deS Agramer Korps, insbesondere die serbischen und kroattschen Regimenter, im Tausch gegen ruthe- nische Regimenter an die russische Grenze nach Galizien verlegt wer­den. Baron Rhemen ist für den Fall von inner» oder auswärtigen Derwicklungen dazu bestimmt, anstelle deS jetzige« ZivillommiffarS Cuvaj Militärgouverneur von Kro­atien zu werden.

Rußland, der Serbe» Retter?

(Privat-Telegramm.)

Belgrad, 6. Dezember.

In einer Zuschrift deS früheren Justizmtttt sters Arangjelowitsch an ei« Belgrader Blatt heißt es:Wir Serben wittern, daß Rußland auch diesmal nachgeben könnte und datz sich etwa dasselbe diplomattschc Spiel wiederholen wurde, wie 1908 und 1909. Trotzdem ist unsere Hoffnung stärker als unsere Furcht. Die Blicke aller Sla­ven sind jetzt auf R u tz l a n d gerichtet, es mutz sich in der gegenwärtigen Lage entschlösse« zei­gen und ein offenes Wort sprechen. Daß es nicht vorbereitet sei, kann nienrand sagen, denn schließlich: Wann wird cs einmal vorbereitet sein, wenn nicht jetzt? Es war unvorbereitet zur Zeit des japanischen Krieges, zur Zeit der bosnischen Annektton, aber jetzt hat sein Kriegsminister selbst erklärt, daß sich Ruß- land auf sei» Heer verlassen könne!" Eine.« Korrespondenten gegcittiber äußert« sich

gestern der hiesige russische Gesandte Hart­wig wie folgt: Die Ansprüche Serbiens auf Albanien find berechtigt. Serbien führte seinen Krieg mtt der Türkei erfolgreich und kann jeden Teil der eroberten Gebiete ottupieren, der ihm genehm ist.

Erregung in Rumänien.

(Telegramm unsers Korrespondenten.)

Bukarest, 6. Dezember.

Großfürst Nikolaus von Rußland wird am nächsten Dienstag, dem Jahrestage der Ein­nahme von Plewna, in Bukarest eintreffrn, um dem Könige Karol den vom Zaren verliehenen Stab des russischen Feldmarschalls zu überreichen. Die Wahl des Tages wird als besondere Aufmerksamkeit gegenüber Kö­nig Karol betrachtet. Im gestrigen Mini- sterrat wurde der Text der am Montag zu haltenden Thronrede festgesetzt, der mit größ­ter Spannung entgegengesehen wird. Die Thronrede wird einen Passus über die aus­wärtige Politik und über militä­rische Mehraufwendungen enthalten. Die auS Griechenland hierher gelangten und in allen Meetings besprochenen Rachrichic« über Grausamkeiten, die von Griechen an ma­zedonischen Rumänen begangen sein sollen, ha­ben im ganze» Lande große Erregung hervorgerufen. Alle Blätter fordern bk Regie­rung kategorisch auf, sich nicht auf diplomatt- schem Weg Hinhalten zu lassen, sondern ener­gisch vorzugehen und strenge Ber- geltung gegenüber Griechenland zu üben. Die Stimmung im ganzen Lande ist autzrr- ordentlich kriegerisch und wendet sich scharf gegen den Balkanbund.

Rom warnt die Griechen!

(Privat-Telegramm.)

Rom, 6. Dezember.

Die Nachricht von der Beschießung BallonaS durch ein griechisches Kanonen­boot hat in hiesigen offiziösen Kreisen leb­haften Widerspruch hervorgerufen. Der Minister deS Aeußern. San Giuliano, hat sich sofort mit dem griechischen Gesandten in Ver­bindung gesetzt und mit ihm in einer Konfe­renz über diesen Puntt verhandelt. Der Mini­ster erklärte dabei, daß Jtalirnnichtdul- de, datz albanisches Gebiet ange- griffen werde. Die Antwort der griechr- schen Regierung steht noch aus, es wird aber angenommen, datz Griechenland auf den ener­gischen Protest der Großmächte hin die ge­plant« Aktion »egen Albanien aufgeben und sich dem Waffenkttllstandsvertrag der Berbündeten mtt der Türkei a n s ch l i e tz e n wird. Eine heute früh auS Athen hier einaegangene De­pesche meldet: Alle Gerüchte, daß Griechenland auS dem Balkaubimd auszutreten beabsichtige, werden zuständigerseits als völlig unbe gründet bezeichnet. Griechenland denke nicht an einen solchen Schritt und werde an den Friedensverhandlungen teilnehmen.

Die Friedens-Verhandlungen.

(Telegramm unferS Korrespondenten.)

Sofia, 6. Dezember.

Bei den Londoner FrtedenSver- handlungen werden die schwierigsten Fra­gen dk neue türkisch bulgarische Grenze und das Schicksal von Adrianopel betteffen. Man bemüht sich schon jetzt, mtt Griechenland (dessen Verirrter bestimmt a« der Konferenz teilnehmen werden) ein Uebereinkommen be­züglich Süd-Mazedonien zu tteffen. Salo­niki ist für dk Türken jedenfalls verloren, da bk Haftnstadt ihr ganzes Hintrrlanb ver­liert. Es wirb deshalb bk Frage der Inter­nationalisierung von Salonili aufgeworfen werden. Man ist i« bulgarischen Regierungskreisen heute bereft. mtt der Türkei ein möglichst freundschaftliches Ver­hältnis herzustellcn. Der türkische Botschaf­ter in Wien, H i l m i Pascha und der grie chisch« Gesandte, Streit, haben sich gestern wegen der FriedenSverhandlungen in Verbin­dung gesetzt und gemeinsame Vorschläge ge­macht, die man hier indessen noch nicht kennt. Es heißt, datz Griechenland sich heuk den übri­gen Verbündeten anschlirtzen wirb.

Entwicklung durchlaufen: Das Sttafmündig- keit-Gesetz, das im alten Landrecht noch nicht Raum hatte, schützt das Atter unter zwölf Jah­ren vor dem Kerker, die Strafvollstreckung ge­gen Jugendliche (bis zum achtzehnten Lebens­jahr) ist den Forderungen der Menschlichkeit anzupassen versucht worden und die modernen Jugendgerichte tragen dem Bedürfnis nach Rücksichtnahme auf die Eigenarten der jugend­lichen Psvche verständnisvoll Rechnung. Der Fall des Schuhmachers Ouarsdorf, das Schick­sal des hinter Kerkermauern Ergrauten, zeigt uns indessen, wie schwer und verhängnisvoll auch das Gesetz und bk vom Staat geschaffne Gerechtigkeit an einem Menschenleben sündigen können, und die Tragödie dieses Zuchthaus - Veteranen ist ferner der überzeu­gendste Beweis der Tatsache, daß auf dem Weg durch den Kerker Straft und Besserung nur bann erzielt werden können, wenn Menschlichkeit dem Gestrauchelten die Hand zum Wiederaufftteg ins bürgerliche Leben reitat!

F. H.

Rach dem Sturm: Säuseln!

Das Zentrum und der Reichskanzler.

Zu der vorgestrigen Kampfansage deS Zentrums an den Kanzler nimmt so­eben in einemKampf um Recht und Gerechttg- kett" überschriebenen Artikel das Berliner Zen- trumsblattGermania" Stellung, in dem es schreibt: Das Zentrum hat, gegenüber der Be­handlung, die ihm seit Jahren widerfahren ist, indem man ihm Recht und Freiheit, Parität und Toleranz versagte, lange genug Ge­duld geübt, und auch dem Langmütigsten muß einmal die Geduld reißen. Wer schweigend viel zu ertragen gewohnt ist, bei dem hält auch der Zorn am längsten an. Die Erinnerung an den Kulturkampf ist im katholischen Poll« noch lange nicht erloschen, und «S ff ' "*t auch nicht (das müssen wir gegenüber der Warnung" des ReichskanzftrS mit aller Ent­schiedenheit betonen) einen neuen Kulturkampf. Es wird heute bi« Frag« aufgeworfen, ob

die Zentrumsfraktion

deS Reichstages nun Opposition treiben und alles, auch das Budget, ablehnen wer­de. Das wird n i ch t der Fall fein, DaS Zen­trum wird, wie «S das niemals (auch zu Zeiten des schärfsten Kulturkampfts nicht) getan hat, in absoluten Staatsnotwendig, ketten keine Opposition treiben. Der Reichskanzler schien am Mittwoch durch die Erklärung der Zentrumsfraktion einigermaßen überrascht zu sein. Er kann sich aber nicht dar­über wunder« und er wird hoffentlich auch selbst bald einsehen, daß die Zentrumsfraktion bei dieser Lage der Dinge eine solche Erklä­rung abgeben mußte, um gegen diese neuer- liche Eingriffe in die bürgerliche und kirchliche Freihett auf das schärfste und in wirksamer Weise Protest zu erheben. Es gilt für das Zentrum den Kampf um Recht und Gerechttg- kett.

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Will Hertling gehen?

(Privat-Telegramm.)

München, 6. Dezember.

Von sehr gut unterrichteter und verläßlich« Seite wurde gestern bestimmt erklärt, daß der bayrische Ministerpräsident, Freiherr von Hertltng, bei sein« Audienz beim Prinz- regenten am Dienstag um seine E n t l a s. sung nachgesucht Haber In allen Staatsämtern wurde die Nachricht bestätigt. D« Regent ha­be einen Enffchlutz (fo heißt eS) noch nicht be­kannt gegeben, dürfte aber das Rücktrittsgesuch Hertlings nicht annehmen, vielmehr dem Minifterpräsidente« demnächst einen neuen öf­fentlichen Beweis seines unerschütterlichen und ungeschmälerten Vertrauens geben.

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tzbbe im Hause Wallots.

Die gestrige Reichstag-Sitzung.

Auch im parlamentarischen Leben gibt eg Gezeiten", Wechsel, wie auf dem Weltmeer Flut und Ebb«. Am Mittwoch brausten mtt Donnergewalt bi« Wogen gegen den Strand; gestern wich das Wasser zurück, soll heißen: Das Haus war bisweilen beträchftich leer und auch am Regicrungstiisch zeigten sich Lücken. Und da bk Wasser nicht möbr so tosten, war di« Stimmung zusehends ruchiger. Dafür hat dieser zweite Tag der CtatSdeibatte (ober, wenn man den Momag und Dienstag der Ordnung halber zuzählen will, der vierte) vor dem Mit», woch eines voraus: Es wurde tatsächlich, auch von de« Mitgliedern des hohen Hauks, vom Etat gesprochen. Das geschah vor allem in ei­ner ausgezeichnet disponierten Rede durch den

Abg. Dr. Paasch« (.): Wir bedauern W haft den Angriff der Zentrums. Wie tarnt ei-