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Hessische Abendzeitung
Casseler Abendzeitung
2. Jahrgang
Dienstag, 3. Dezember 1912
Nummer 305
Fernsprecher 951 und 952.
Fernsprecher 951 und 952.
Die Waffen ruhen!
der eroberten Gebiete unter
F. H.
Kanzlerschaft empor. . .!
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zweifeln.
das
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Völlige Waffenruhe am Balkan«
In Ergänzung der Mitteilungen über
Waffenstillstands-Protokoll wird aus Konstantinopel berichtet: Zu Punkt zwei des Waffenstillstandsprotokolls ist noch zu bemerken, daß nicht nur die türkischen und bulgarischen, sondern auch die Truppen der anderen Verbündeten ihre gegenwärtigen Stellungen beibehalten. Der Waffenstillstand gilt also in der vereinbarten Dauer von vierzehn Tagen für den gesamten Kriegsschauplatz am Balkan,
Waffenstillstand am Balkan.
Die Anterzeichuurrg des Protokolls
Wie nach den Meldungen vom Sonnabend erwarten war, haben die Verhandlungen
Schicksal dankbar sein, daß es Aemt von Hert- ling nicht in der August-Schwüle nach Berlin führte, sondern ihn bereits vom kalten Novemberwind umheulen ließ, als er das dünne Asphaltpsiaster der Wilhelmstraße betrat. Temperatur und Politik haben manches miteinander gemein, und wenn man von der schneeig-kalten Winterpremiere draußen in Feld und Flur auf die neueste Phase der Kanzlerpolitik gegenüber der Kurie schließen darf, dann erscheint die Kundgabe des Kanzlers, durchs Ohr des Zentrumsmannes für die aesamte politische Oeffentlichkeit gesprochen, wirklich als eine Art spätherbstlicher Energie-Offenbarung, der man ziemende Wertung nicht versagen kann. Was dem Avis folgen, was der Wille zur Energie an Taten zuwegebringen wird, bleibt allerdings abzuwarten: Nach Allem indeffen, das Staat und Reich bisher an Konzessionen gegenüber dem staatlichen Machtanspruch des religiös-kirchlichen Gedankens (in seiner Anwendung auf die von Staat und Reich geschaffnen Einrichtungen) gewährt, sollte man hoffen dürfen, daß die Regierung nun endlich sich entschließen werde, um keines Haares Breite mehr vom äußersten Grenzstrich ihres Autorität-Anspruchs zurückzuweichen. Nun, da Herr von Bethmann Hollweg (trotz Poehlmann!) sich zur Energie bekennt, wachsen die Tat-Möglichkeiten ins Riesenhafte, und wenn wir nicht enttäuscht werden, sprießt aus der November-Saat vielleicht einmal die späte Frucht Bethmannscher
Die Friedens-Bedingungen.
(Privat-Telegramm.)
Konstantinopel, 2. Dezember-
Halbamtlich wird versichert, die Friedensbedingungen, die die Türkei Vorschläge, seien folgende: Griechenland erhält Epirus, Serbien erhält Altscrbien und Rovibazar, Bulgarien einen Teil von Thrazien bis zu einer Grenzlinie, die von My- dia am Schwarze« Meer und Dedeagaffch am Aegäffchen Meer geht und Adriavopel aus- schlicßt. Mazedonien würde, mit Saloniki als Hauptstadt, autonom werden, ebenso Albanien ohne das an Montenegro abzutretcnde Stück. Beide autonomen Provinzen würden unter die unmittelbare Souveränität der Bal- kanstaaten gestellt werden und diesen würde auch die Türkei angehören, die in dem Frie- densvertraa dem Balkanbund 6eine,
Wie uns ein Privat«Telegramm aus Sofia meldet, rechnet man dort mit dem nahe bevorstehenden Friedensschlutz am Balkan. In den nächsten Tagen wird eine Zusammenkunft der Könige der vier Balkanstaaten und ihrer leitende« Minister statt- finden. Diese Konferenz ist in Aussicht genommen, um alle mit de« Friedensverhandlungen zusammenhängenden Frage«
Konstantinopel, 2. Dezember.
Der türkische Miuisterrrat hat am Sonnabend dem Protokoll über einen Waffenstillstand zugestimmt. Das Protokoll enthält folgendeBedingungen: Der Waffenstillstand wird für vierzehn Tage geschloffen. Die türkische und die bulgarische Armee verbleiben in ihren gegenwärtigen Stellungen. Keine der beide» Parteien darf in den Befestigungsarbeiten fortfahren oder Truptzen- «nd Munitionstransporte vornehme». Die belagerten Plätze Adrianopel und Skntari werden während der vierzehn Tage in der Weise mit Lebensmitteln versorgt, daß die Zufuhr der nötigen Lebensmittel von Tag z« Tag erfolgt. Die türkischen Unterhändler, unter ihnen der Handelsminister und der Minister de« Inner«, begäbe« sich am Sonntag zur Unterzeichnung des Protokolls nach Tschataldscha.
SnferttonSpreite: DU fed;6gefpaltenc geile für einheimUche (Sefdjäfte 15 Piz,, für aui' roärtige Inserate 25 Pk., ReNamezeUe für einheimische Geschäfte 40 für auswärtige Geschäfte 50 Pf. Einfache Beilagen für die «efaiittauflaqe werben mit 5 Marl pro Taufens berechnet. Wegen ihrer dichten Berbreitung in der Residenz und der Umgebung sind die (iaffeler Neuesten Nachrichten ein vorzügliches Jnseriianrorgan. Gefchäst-Üelle- Kölnische Straße 5. ■ rtiner Vertretung- 8iV.. Friedrichstraße IS, Teteobon- Am! Morchpla, 17«
Der als hervorragender Stornier des napo- Ironischen Zeitalters bekannte Wiener Htsioriler Professor August Fournier verössenilicht seit mehreren Monaten in der Deutschen Rundschau Überaus anziehende, auf archivalischen For. schungen beruhende Untersuchungen Über die ®e- heimpolizei auf dem Wiener Kongresse und ihre Tätiglett Die Wiener Geheimpolizei hatte Augen und Ohren damals Überall und sammelte vonZGerüchten, Anekdoten und Mitteilungen, tra5 sie nur auf irgend eine Weise erlangen konnte, den Akten der Wiener Geheimpolizei
Adrianopel verloren?
(Privat-Telegramm.)
Konstantinopel, 2. Dezember- HS» ist das Gerücht verbreitet, wonach die heftige Beschießung von A dr i a n o p e l, die in letztvrdr Stadt eine Brandkatastrophe zur Folge hatte, die Türkei zu dem Entschluß gebracht habe, die Festung dem Feind zu übergeben. Es verlautet, daß den serbischen Truppen, die schon das Adriatische Meer erreicht haben, eine zweite serbische Armee folgen wird, dir «Mer dem Befehl des Generals Jan- kowstsch steht. Nach einer hier e.ingetrofsenen Meldung vor: Die serbische Regierung richtete Danilo von Montenegro vorgestern bei dem Sturm auf die türkischen Stellungen bei Sku- tori schwer verwundet. Der Prinz sei nach der Ambulanz gebracht worden, wo eine Unteoteibsoperockio» vorgenommen werden mußtet Sein Befinden soll zu ernsten Besorg- n-iffen Anlaß geben. Aus Saloniki liegt hier folgende Depesche vor: Rach amtlichen Feststellungen wurden in Saloniki 25000 türkische Soldaten und tausend Offiziere zu Gefangenen gemacht. Es wurden 70 Kanonen, 30 Maschinengewehre, 1200 Pferde.
Oesterreich will den Frieden!
(Privat-Telegramm.)
Wien, 2. Dezember.
In hiesigen maßgebenden Kreisen sestßgt sich immer mehr die Hoffnung, daß die Klärung der Lage ohne Störung des Friedens ersolgen werde. Oesterreich-Ungarn strebe nur daö Minimum desjenigen an, das für die Sicherung seiner vitalen Lebcnsinteres- sen notwendig sei und Europa, das sich von Oesterreichs ernstem Willen zum Frieden zur Genüge überzeugt habe, werde gewiß dem kein Hindernis bereiten, daß Oesterreichs Ansprüche ohne jede Einschränkung erfüllt würden. Inzwischen liegt hier aus Belgrad folgende Medlung vor: Tie serbische Regierung richtete an die Kabinette von Paris, Loudon und Petersburg eine Rote, worin sie die Aufmerksam- kest der drei große» Mächte auf dve Truppen- anhäufungcn Oesterreich-Ungarns cm der serbischen Grenze lenkt. Diese Ansammlungen müßten (so heißt es in der Role) die serbische Regierung mit Besorgnis erfülle». DaK serbische Kabinett halte diese Ansammlungen für durchaus unbegrürwet, weill es ein« korrekte Haltung gegeMber Oesterreich-Ungarn einnehme und seinerseits alles vermeide, was den Xrinh« oekäbrdrn könnte.
Tie iaffeler Renette» Nachnck-ie» «ridtetnen wochenrlich Sechsmal uns zwar abends. Der Abonnemenlsprets beträgt monatlich so Pfg. bet freier Zustellung ins Haus. Bestellungen werden tebeiictt von der Geschäftsstelle ober den Boten entgegengeiiommen Druckerei, Bet lag und Redaktion: Schlachthofstrahe 2S/30. Sprechstunden der Redaktion nut von 7 bis 8 Uhr abenbi Sprechstunden der Auskunft - Stelle: Jeden Mtttwoch und Freitag von «dis * Uhr abends Berliner Vertretung- SW_ Jriedrichstr IS, Telephon Amt Morihplatz 67«.
zu regel«, insbesondere auch, um eine Einigung über dieVerteiluug den vier Staaten herbeizuführen.
Fürstlicher ut Menschlicher Fürsiengeschichte« aus Polizei-Akten; hinter den Kuliffe« des Wiener Kon- greffes; Alexander der Erste von Rutz- land; Majestäten und . . . Menschen.
(Von unserm Mitarbeiter.)
Wie Werde ich energisch...?
Man frage beim Herr» Kanzler an!
Am sechs-midzwanzigsten Novembertag hörten wir, daß der Bundesrat-Au 2 schuß für auswärtige Angelegenheiten (von denn gewöhnlich nur in Märchen die Rede ist) unter Vorsitz des Kanzlers eine Sitzung abgehalten habe, nm durch den Mund des Herrn von Kiderlen- Waechter sich erzählen zu lassen, was seit dem letzten Rendezvous des bundesrätlichen Aus- schuß-CirkÄs im deu scheu Muslandgeschäft sich ereignet. Wir erfuhren ferner, daß auch Herr Georg, Freiherr von Hertling, der Ministerpräsident im Lande Bayern, zur Teilnahme an diesem feierlichen Akt der Reichsgeschick-Be- planderung nach Berlin geeilt sei und vernehmen (im Anschluß daran) mit Befriedigung, daß der Herr vom Baverland abends im Kanzlerhaus an gastlicher Tafel saß, von Herrn von Bethmann Hollweg durch freundlichen Händedruck und trauliche Rede geehrt. „Momentbildchen vom Tage (flüsterten die Kaba- listen), der Wilhelmstraßen - Schmaus bereitet sinnig vor auf das Gericht, das uns der Bundesrat noch zu bescheren gedenkt!" In Wirklichkeit indessen war's anders und die Menü- Propheten haben eine Enttäuschung erfahren: Kaum daß die Schüsseln vom Festbankett im Kanzlerhause kalt geworden, veröffentlichte die Norddeutsche Allgemeine Zeitung den Wortlaut des Bundesrat-Beschlusses über die „authentische Interpretation des Jesuiten- gesetz e s", und auch ein Blinder konnte merken: Herr von HerTing trug eine Niederlage zur Isar heim! Da er vordem in Bonn als Prediger der Philosophie wirkte, wird er sich über des Schicksals und des Bundesrates Laune leichter getröstet haben als die Enttäuschten, die im st eisnackigen Sohn des Hes- smland-? den k.rmptgemuten Siegfried wit- rerten, und die ihn nun, ohne Ruhm und Lorbeer, von der Spree heimwärts zur Isar ziehen sahen.
Nord «üb Süd.
Man darf vielleicht sagen: DeS Kanzlers Erfolg im Kampf mit Hertling war nicht allzuteuer erkauft. Im Bundesrat hat Preußen die Führung und niemand konnte darüber im Zweifel sein, wie die „authentische Interpretation" deS Jesuiten-Gesetzes im stillen Kämmerlein der bundesrätlichen Schicksal-Werkstatt ausfallen werde. Immerhin: Ein Erfolg, und in unsrer, an Taten, ach, so armen Zeit soll man auch das Winzige nach Gebühr schätzen und Herrn von Bethmann das Lorbeer- ReiÄein gönnen, das der Kollege vom Bayer- land ihm aus München liebreich mitgebracht. Erfolg und Sieg machen tatenfroh, und so hören wir denn eben (hören'S mit Ehrfurcht und Erstaunen), daß auch der Kanzler sich anschickt, zur Größe heldenhafter Männertat sich emporzurecken. Ein Blatt, daS (trotz des U-cberzangs llom vierten zum fünften Kanzlertum) zur WA- helmftraße angenehme und wohlgefällig temperierte Beziehungen unterhält, will aus zuverlässigster Quelle erfahren haben, daß Herr Theobald von Bethmann Hollweg am sieben- undzwanzigsten November (also an dem Tage, der dem fröhliche« Herbstbankott im Kanzler- hauS und dem Besuch des Herrn von Hertling in der Wilhelmstraße folgte) einem bekannten Führer des ReichstagSzentrumS erklärt habe: Die päpstliche Enzyklika über di« Gewerkschaften sei das Letzte, das sich die preußische Regierung an Eingriffe« in die Recht« des Staats und in die Selbständigkeit der interkonfessionellen Arbeiterorganisationen habe ' bieten lassen. Sollte es sich ereignen, daß
Dieses Protokoll enthält, wie man sieht, lediglich die formalen Bedingungen des Waffenstillstandes. Die Grundlage, auf der sich die jetzt beginnenden Friedensverhandlungen bewegen werden, ist im großen und ganzen wohl auch schon vereinbart. Authentisches ist aber darüber noch nicht bekannt geworden. Das Konstantinopeler Blatt Ikdam will wissen. Adrianopel und Dedeagatsch würden samt ihrer Umgebung der Türkei verbleiben, Mazedonien würde, mit Saloniki als Hauptstadt, autonom werden. Natürlich kann man diesen türkischen Wunschzettel noch nicht für das Ergebnis der Friedensverhandlungen nehmen. Bis dahin liegt überhaupt immer noch ein gutes Stück Weg vor den Friedensunterhändlern, wenn auch nach dem gegenwättigen Stand der Dinge kein Grund vorliegt, an einem glatten Verlauf der Verhandlungen
Friedrich Wilhelm litt
in Wien unter habitueller, übler Laune. U« ihr zu entqehen, gab «S für ihn zwei Wege, Der eine führte ihn zu den ausgezeichnete« Komikern des Leopoldstädter Theaters, der andere in die aristokrattsch« Gesellschaft, in der, er die schöne Iulie ZichY zu finden wußte.' die er sehr verehrte. Auf einem Ball bei Stak, kelberg wich er zwei Stunden nickt von ihrer Seite, und bei einem Souper bei der Bagratto« gab cs Verwirrung, da er die Gräfin zu Tisch führen, sie aber vor anderen Damen nicht den Vortirtt nehnien wollte. Rosumofski meinte, nach Sachsen sei dem Könige Julie Ajchy das Liebste. Nur durste man dabei nicht an eine innige Beziehung denken ...! Mit sehr geringer Sympathie kam mau von vornherein Friedrich dem Ersten von Württemberg entgegen, weil er einer von den Napoleon ergebensten Rheinbundfürsten gewe- sen war weil er für einen Landestyran- nen galt und weil ihn sein feindseliges Per- ballen gegen seinen Sohn, den Kronprinzen Wilhelm, unbeliebt machte. Schon in Linz hatte sich die Bürgerwehr geweigett, bei seiner Durchfahrt auszurücken, was dann auf keine Sfr
abermals ähnlich Peinliches Wirklichkeit werde, so werde die Regierung keinen Augenblick zaudern, die diplomatischen Beziehungen zur Kurie abzubrechen und die aus der Situation als notwendig und natürlich sich ergebenden Konsequenzen zu ziehen. Wie gesagt: Diese starken und weithallenden Worte wurden (angeblich) gesprochen, als der Stuhl, auf dem die regierende Exzellenz vom Jsav- straud als freundlich bewillkommneter Gast im Kanzlerhaus zu Tisch gesessen, noch nicht ganz kalt geworden war!
Spät, aber... endlich t
Die November-Kühle scheint der Energie kmmer recht förderlich zu sein; sie weckt Lebensgeister und Selbsterhaltungtrieb und stachelt selbst schlummernde Kraft zu später Leistung. Vielleicht dürfen wir auch in dem bundesrätlichen Jnrerpretations-Beschluß und in der weit über den Kreidestrich der Mainlinie hinaus hallenden Kundgabe des Kanzlers eine wohltätige Einwirkung dieses natürlichen Erwek- kuna-Prozesses begrüßen, nnb müssen dann dem
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findet sich eine Fülle von intimen Mitteilungen und Zügen über die hervorragendsten Persönlichkeiten des Wiener Kongresses, in erster Linie über die damals anwesenden Fürstlichkeiten, und das Material ist so reich, daß Fournier aus diesen Geheimpolizeiakten ganze Charakterbilder der, Monarchen des Kongresses entwerfen konnte, die sehr viel Interessantes, zuweilen auch Belustigendes bieten. Wie schnell die glänzende, im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses stehende Erscheinung des Kaisers Alexander des Ersten von Rutz- land enttäuschte, wie vollkommen das Urteil über ihn umschlug, das konnte ein Polizeirapport schon nach fünf Wochen seines Aufenthaltes in Wien in folgenden Worten zusammenfassen: .Man hält ihn für einen Schwindler (fourfte) der sich vor ehrenwerten Leuten den Anschein' deS Philanthropen gibt, aber auch die Kanaille an sich zieht, um alle Welt für sich zu haben. Man glaubt, er sei f a l s ch und o h n e moralischen Fond, obgleich er von Re- legion redet wie ein Heiliger und allen äußeren Schein wahrt." Im Gegensatz zum Zaren hat Friedrich Wilhelm der Dritte von Preußen durch seine zugleich würdige und bescheidene Art sehr viel Sympathie und auf die Dauer den Vorzug vor dem Zaren gewonnen. Nur als man seine Reverenz gegeMber Alexander gewahrte, wie er nicht anders als ihm zur Linken ging und stets einen halben Schritt zu- rückblieb, da wandte sich die Krittk auch gegen ihn: „Sie hießen ihn den linken Schächer, den Sckatten des russischen Kaisers," meldete de, Geheimpolizei ein Vertrauensmann.
t c n würde. Der Waffenstillstand ist zwar formell auf vierzehn Tag- begrenzt, nötigenfalls oll er aber anf zwanzig Tage verlängert werden.
Gefahr im Türken-Heer?
(Privat-Telegramm.)
Konstantinopel, 2. Dezember-
Die letzte» von den türkischen Truppenkörpern bei Tschataldscha hier eingctrosscnen Nachrichten lauten günstiger. Die Epidemie ist im Abnehmen begriffen und die Soldaten totfrfen Schützengräben aus. In der gesamten Armee steht man einem Friedensschluß ablehnend gegenüber, ausgenommen di« älteren Offiziere, die sich genau darüber klar sind, daß ein weiterer Widerstand vollkommen unnütz sei und nur ueuerdirrgs Menschenopfer ordern werde. Immerhin mutz man der im ürkischen Heere herrschenden Stimmung große Beachtung beilegen, da sie vielleicht geeignet ist, schwerwiegende Komplikationen horaufzubeschwören. Sollten die Friedensbedingungen allzu ungünstig für die Türke» ausfallen, so ist damit zu rechnen, daß die Armee den leitenden Kreisen in Konstantinopel beim Abschluß des Friedensvertrags S ch w i e, rtgleiten bereiten wird, die sich nicht so leicht beseitigen lassen dürften. Die jungtür- kischen FMftrr, die noch nicht verhaftet find, 6t- havren auf ihrer Behauptung, auf der Pforte liege ein fertiger Beschluß des Minister ctrtS vor, der die Verfassung als unbrauchbar abermals suspendieren will.
zu erwarten war, Haven die Peryanoiungen zwischen den Bevollmächtigten der Türkei und der Ballanstaaten zum Abschluß eines W a f - fenstillstandes geführt. Nachdem die ersten Vorschläge Bulgariens, die in Konstantinopel überreicht wurden, von der Türkei kurzerhand zurückgewiesen worden waren, ließen die Balkanstaaten gemilderte Bedingungen anbieten. Die Verhandlungen über diese erneuten Vorschläge, die gestern vor acht Tagen begannen, wurden diesmal an der Tscha- taldscha-Linie geführt. Ihr Ergebnis ist nach achttägigen Besprechungen die Festsetzung einer Waffenruhe für vierzehn Tage. Die Unterzeichnung des Verhandlungsprotokolls wird wohl nicht mehr lange auf sich warten lasen. Es liegt darüber folgende Meldung vor: