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CHeler Neueste Nachrichten

Caffeler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Rümmer 304.

Fernsprechrr 951 und 952.

Sonntag, 1. Dezember 1912.

Fernsprecher 951 und 952.

2. Jahrgang.

Die Welt-Krise

Depesche« aus Belgrad berichte« u«S- daß die türkische« Gefangene« Tag und Nacht tn der Festung arbeite«, die ga«z mit Mi«e« ver­sehen wird, die beim Eintreffe« fremder Truppe« die Festung i« die Luft spre «gen sollen. Der größte Teil der Kaufmannschaft, Beamte und Industrielle, find auf Befehl der Regierung nach Risch abgereist. Man schließt daraus, daß die Lage nun äußerst kritisch geworden ist.

Arbett, Bost unb...Krieg!

Ei» ernstes Wort in eens er Zeit, von Professor Dr. Heinrich il.-rkner.

Es find kriiis ch e Zeiten, in denen wir leben. Zeiten, die mit jeder Eventualität rechnen müssen. Probleme der innere Politik, die seit Jahren im Vordergrund des Denkens der Nation gestanden baden, müssen zurücktre­ten gegenüber brennenden Fragen der auswär. tigen Politik, bei deren Lösuna die Einheit des Volkswillens eine ernste Notwendigkeit ist. Man kann leider nicht sagen, daß in Deutschland eine einheitliche Auffassung in die­sen Dingen besteht und weite Schichten des Volke- und insbesondere die politischen Ver­treter der Arbeiterstandes stehen einer kraftvol­le« und selbstbewußten auswärtigen Politik, die für uns immer Weltmacht - Politik fein muß, gegnerisch gegenüber. Man mutz dar­über einmal in aller Oeffentlichkeit verhandeln, schon im Interesse der Arbeiterschaft selbst, im Interesse ihrer eignen Wünsche. Denn sie müßte sich klar darüber fein, daß eine große Reihe so­zialer Verbesserungen, die ste sich wünscht, und die auch wir ihr wünschen, eine zielbewußte auswärtige Politik zur notwendigen Vor. aussetzung haben. Erst wenn die auswär­tige Politik eine auf steig ende Entwick­lung des ganzen Wirtschaftslebens sichert, sind soziale Reformen großen Stils möglich. Dieser Zusammenhang wird von de« Arbei­terkreisen noch oft verarmt. Einer ihrer Füh­rer, Wilhelm Liebknecht, hat einmal das Wort gesprochen:Die beste auswärtige Politik fft gar keine!* Eine solche Auffassung ist eine starke G e s a h r für einen Staat. Ganz beson­ders ungünstig sicht in dieser Bezichung das Deutsch« Reich da. Einmal hat keine gro­ße Arbeiterpartei eines andern Landes den Internationalismus- so ernst genommen, wie die deutsche Sozialdemokratie, und dann hat unter den modernen Großstaaten kein an­drer auf dem Gebiete ter äußern Politik noch so schwere und wichtige Ausgaben zu erfüllen wie grade das Deutsche Reichk

Deutsche Zukunft, deutsche Pflichten.

Ein Problem von fundamentaler Bedeu­tung ist die Erweiterung der territoria­len Basis des deutschen Volkes. Unter den industriellen Großstaaten fft diese nirgends so ungünstig wie beim Deuffchcn Reich. England, Nordamerika, Frankreich und Rußland: Sie alle versügen über eine gewaltigen LanL- befttz, der auch für die Entwicklung der Land- wirffchaft noch weiten Spielraum gewährt. Das Deutsche Reich dagegen könnte sich inner, halb seiner gegenwärtigen Grenzen höchstens durch innere Kolonisation im ostelbffchen Ge­biet noch einige Millionen landwirtschaftlicher Bevölkerung schaffen. Die bereits- erworbenen überseeischen Besitzungen bieten dazu wenig Aussicht. So müssen wir auch Kolonial­land erwerben, i« welchem deutsche Bauern gedeihen. Das einzige Mttel, um diesen Er­werb ohne Blutvergießen durchzusühren, be­steht darin, eine so imposant< Macht zu Wasser und zu Lande zu entfalten, datz der Widerstand den Gegnern von vornherein vergeblich und nutzlos erscheint. Daß die deut­sche Seemacht zurzeit (und auch nach Vollen­dung der Flottenvergrößerungspläne) dieser Bedingung nicht entspricht, wird kaum bestrit­ten werden. Will das deutsche Volk also eine den Angelsachsen ebenbürtige Stellung auf dem Erdball auch in ferner Zukunft behaupten, so hat es noch gewaltige Opfer für die Erweiterung seiner bewaffneten Macht zu bringen. Es genügt dabei nicht, daß dem Reichstag mft Mühe und Not die finanziellen Maßnahmen abgerungen werden: Wenn nicht die große Masse des deutschen Vol­kes hinter einer solchen Politik steht, wird sich daS Ausland immer durch die Hoffnung, daß innere Zwietracht daS Reich im Falle der Ak­tion lähmen werde. In seinem Widerstände 6 e- stärken lassen.

Machtpolitik und soziale Reform.

Es steht fest, daß oh ne territoriale Erwei- kerung eine soziale Reform großen Stils gar nicht mSgkich ist. Auch Deutschland braucht einefreie Brücke' über die See. Wenn man Nicht weiter, wie ti in der Vergangenheit ge­schehen ist. durch di« deutsche Auswanderung fremde Mächte stärken will, so muß diese Brücke von altdeutschem Land zu neudeutschem Land führen. Die Vorteile, welche die E«t- kastung des deutschen Arbeitsmarkts bei freier Auswanderung tn deutsche Ackerbaukolonien den Arbeftern bringen muß, können sich diese auf die Dauer unmöglich entgehen lassen. Um ti mit einem bekanwre Worte Iombarts aus-

Die Nachrichten, die von dem vom öster­reichisch-ungarischen Minister des Aeußern zur Untersuchung der Affäre des Konsuls Pro- haska entsandten Konsul Edl aus Prizrend an den Wiener kompetenten Stellen einlausen, lauten (wie uns aus Wien telegraphiert wird) ungeheuerlich. Die offiziöse Darstellung über diese Nachrichten dürfte heute oder mor­gen erfolgen. Wir verzeichnen die folgende, außerordentlich beunruhigende Meldung aus Wien:

Die Barbaren von Prizrend.

(Privat-Telegram m.)

Wie«, 30. November-

Es steht nunmehr fest, daß die von den Ser­ben in Prizrend und namentlich im öster­reichisch-ungarischen Konsulat verübten Aus­schreitungen geradezu haarsträubend sind. Das Konsulat wurde, trotzdem die österreichische Flagge auf dem Gebäude gehißt war, ge­stürmt und geplündert und der Konsul tätlich mißhqndelt. Die österreichische Regierung wird sofort nach Veröffentlichung dieser Barbareien ihre. Forderungen in Form eines Ultimatums an die serbische Regierung stellen. Wie es heißt, werden drakonische Maßnahmen von der serbischen Regierung verlangt werden, und zwar soll zunächst der kommandierende General seines Ranges ver­lustig gehen. Die Truppen, die an den Aus­schreitungen beteiligt waren, sollen degra­diert werden. Weiter wird die österreichische Regierung das Verlangen stellen, daß die österreichische Flagge in Belgrad von einem serbischen Infanterieregiment mit Fahnen und Musik

feierlich salutiert werde. Es ist schwerlich anzunehmen, daß sich Serbien entschließen wird, auf diese strengen, aber durch das Völkerrecht gebotenen Forde- rungen einzugehen. Jnzwffchen werden die militärischen Maßnahmen an der Südostgrenze fortgesetzt. Reisende, die ge­stern aus Belgrad zurückkehrten, erzählten, datz die Eisenbahnbrücke zwffchen Belgraid und Semlin bereits unter militärischer Ueberwachung stehe. Der Eisenbahnzug, der von Belgrad nach Semlin fährt, bleibt auf der Mitte der Brücke stehen, worauf österrei­chische Soldaten den Zug besteigen. Der Bahn­hof in Semlin befindet sich ebenfalls unter mili­tärischer Bewachung; sämtliche Eisenbahnbrük- ken bis Peterwardein stehen unter militä­rischem Schutz. Mit einem Wort: Es sind alle Maßnahmen getroffen, um eventuell den Forderungen Oesterreich-Ungarns mit aller militärischen Gewalt Nachdruck zu ver­leihen.

KvtegsbefLrchtunge« in Serbien!

Ein Privat - Telegramm meldet uns aus Belgrad: Wie von gutunterrichteter Seite verlautet, besteht die serbische Regierung im Hinblick darauf, daß daS Land von Kriegs­truppen säst ganz entblößt ist, einen erheblichen Teil der in Altserbien stehenden Mannschaften des ersten Aufgebotes «ach Serbien zurückzu­werfen. 3um Ersatz soll das dritte Aufgebot für den Garnisondienst in das besetzte Gebiet enffandt werden.

Serbien an der Adria.

(Telegramm unsers Korrespondenten.)

Belgrad, 30. November.

Die Stadt Dibera, die etwa zwanzig Kilometer nördlich Dom Ochridasee nm schwar­zen Drin liegt, ist gestern von den Serben nach hartnäckigen Kämpfen mit den von Monastir her zersprengten und zum Teil «ach Dibera ge­flüchteten türkischen Truppe« eingenom. men worden. Man hofft, durch bi« Einnahme von Dibera alle Hindernisse für da« weitere Vorgehen am Adriatischen Meere befei- ttgt zu habe«. DaS bis jetzt eroberte Gebiet do« 79000 Quadratkilometern wurde in elf Distrikte eingeteilt. Einer dieser Distrikte soll das Küstengebiet mft Durazzo fein. Die dritte serbische Armee kämpft mit den aufständigen Albanern, die sämttich entwaffnet werden fal­len. Belgrader Blätter veröffenttichen heute ei­nen (offenbar amtlich beeinflußten) Bericht, in dem eS heißt, daß gegen den österreichischen Konsul Vrockaskn atterbi»it& schwere 11 n -

zuträglichkeiten vorgefalle« seien, daß sie jedoch ausfchließlich den dortigen katholischen Albanesen zur Last fallen. Die serbische Regie­rung werde deshalb eine strenge Unter- suchung gegen die katholischen Albanesen in Prizrend führen und die entsprechenden Stra­fen verhänge«.

Friedensmahnen der Mächte.

(Privat-Telegramm.)

Konstantinopel, 30. November.

Wie der Ikdam erfährt, haben die türkischen Botschafter in London, Paris und Petersburg der Pforte die Ratschläge deS englischen, französische« und russischen Mini­steriums des Aeußeren ermittelt. ' Diese Rat­schläge besagen, daS Interesse der Pforte ersor- dere einen schnellen Abschluß deS Friedens. Wenn der Krieg fortgesetzt wür­de und unter den Mächten Konflikte entständen, würde dieses nicht zum Vorteil der Türkei auslaufen. Die Mächte der Triple- Entente hätten auch den Balkanländern gera­ten, Frieden zu schließen, ohne auf übertriebe­nen Forderungen zu bestehen, da die Türkei den Frieden nur unter Wahrung ihres mifitft rische« Prestiges und der nationalen Ehre einaehen könne. Man hat zur Stunde keine Nachrichten von Tsch ataldsch a, doch ist aus bett Aeußerungen maßHessbNder Stellen zu entnehmen, daß man ohne Waffenstillstand noch heute zn den Friedensverhand­lungen Übergehen wird. Es verlautet Übri- aens gerüchtweise, daß die Besatzung von Rdrianopel bereits wegen einer U e b e r - gäbe der Stadt verbandele.

Der Balkanfriede in Sicht?

(Telegramm unsers Korrespondenten.)

Konstantinopel, 30. November.

Die Friedens . Verhandlungen nehmen infofefnt einen günstigen Verlauf, als sie auch heute fortgesetzt wetrden. Man verhandelt über einen definitiven Frie­densschluß und hofft, spätestens am Montag eine greifbare Basis zu finden. ES soll daun ein netter Waffenstillstand von ein oder zwei Wochen eintreten unb die Zwischenzeit, in der alle Operationen ruhen, benutzt werden, um die Zustimmung der Möchte zu den Vereinbarungen zu erlangen. Die Operationen vor Tschataldscha sind nach der Feststellung der Demarkierungslinst zum Sfillstand gekom­men, dagegen werden die Operationen am Aegäischen Meer und im Westen fort setzt. Au dem Diner, das der türkische Gene­ralissimus gestern den Delegierten gab, nahmen von bulgarischer Sette der Sobranje-Präsident D a n e w, General Sawow und General­stabschef F i t s ch r w teil. Das Dine« fand im Salonwagen Razim Paschas statt. Die bulga­rischen Delegierten kamen in einem Sonderzug mtt weißer Parlamentärflagge an.

Deutschland und Oesterreich.

(Privat-Telegramm.)

Budapest, 30. November-

DaS hiesige Blatt Esti ürsay veröffentlicht eine Unterredung, die sein Berliner Mttarbei- tet mit dem Staatssekretär von Kiderlen- Waechter hatte. Herr von Kiderlen erklärte, daß die heutige rosige Beurteilung der Lage unbegründet sei, ebenso wie vor einiger Zett die pessimistischen Beurteilungen übertrieben waren. Der Staatssekretär sagte dann weiter: Die Großmächte billigen vorläu­fig das friedliebende geduldige Borgehen Oesterreichs. Die Konferenz sei gegenwärtig noch nicht am Platze und könne überhaupt nur eilten registrierenden Charakter haben. Die auf Albanien ab- zielende Aktion der Balkanstaate« widerspreche nach seiner Ansicht den vorher von den Balkan- staaten sich gesteckten Zielen des Krieges. Die Großmächte begrüßten die Stellungnahme Oesterreichs verständnisvoll und billigend, ferner bezeichnete Herr von Kiderlen die Nachrichten, Deutschland habe der öster­reichische« Aktion gegenüber eine abweichende Stellung eingenommen, als vollkommen erfunden. Deutschland und Oesterreich ax- 6citdÄtt einträcktia zusammen.

zudrücken, auch bie deutschen Arbeiter werden einsehen müssen, baß über dem Kampf um den Futteranteil der Kampf um die Fut» terpkätze nicht vergessen werden darf. Nachdem innerhalb der Sozialdemokratie iw bezug aus andre Fragen Wichtige Wandlungen sich vollzogen haben, braucht man allerdings die Hoffnung noch nicht aufzugeben, daß im Laufe der Zeit auch die auswärtige Politik und speziell die koloniale Expansion eine rea- listffchere Beurteilung finden wird. Die Frage ift nur die, ob sich dieser Wandel rasch ge­nug an bahnen wird. In dem rapiden Tempo, in dem heute die andern Kultareatio- nen sich ausbreiten, wird bei Kngerm Zuwar­ten für Deutschland ein der Aneignung wertes Gebiet kaum mehr übrig bleiben, das nicht be­reits von Angelsachen, Franzosen oder Russen in Anspruch genommen worden ift Deshalb muß dafür Sorge getragen Werden, daß die soziale Versöhnung der heute noch durch scharfe Gegensätze getrennten sozialen Schich- ten unsers Volks Fortschritte macht, damit alle gemeinsame Freude an unserm Staatswesen haben und die großmütige un­beugsame Entschlossenheit aufbringen können, alles für ferne Erhaltung und Größe jederzeit au'szuopfere. Das sind Pflichten, die Pflichten von oben und Pflichten von unten sind, und die Zeit ift ernst genug, daß wir uns daran er­innern!

Sie Reichstag« Woche.

Die goldne Kuppel; Greise im Silberhaar; ,,Oberl die Speisekarte"; ei«Preisrätsel; das lederne Zimmer; Fragen der Rengierigen. (Von unfernt parlamentarischen Mitarbeiter.)

Das steinerne Reichshaus am Berliner- masplatz hat Hochsaison. Die goldne Kuppel glänzt im Sonnenlicht, und die schwe­ren Eichentüren drehen sich unaufhörlich in den Angeln. Fast alle Reicksboten sind zur Stelle. Mit Sack und Pack sind sie angerückt, um noch vor Weihnachten kurze Zett ihres Amts als Volksvertreter zu walten. Keine zwei Dutzend fehlen! Fn den Wandelgängen herrscht reges Leben. Mir Freunde schütteln sich die Hände, alle Feinde ebenfalls, denn man weiß den Anschein* zu wahren. Wer schreitet dort wür­dig den hohen Gang entlang? Wer sind die silberhaarigen Greise, die dort selbstsicher ihres Weges gehen? Es find die Aältesten des Hauses, die den Sreiorenkonvret bilden, und die dem Präsidenten bei der Verteilung der Geschäfte mtt klugem Rat hilfreich zur Seite stehen. Sie haben die Speisekarte für die vor­weihnachtliche Zett bereits ausgestellt. Sie enthält einige Schaustücke: Präsidentenwahl, Fleischnotfrage, auswärtige Lage, Petroleum- Monopol! Die ersten beiden Gänge hat der Reichstag bereits hinter sich Manchem von der rechten Seite liegen sie noch ein bißchen hart im Magre. Mit Petitionen wurde

die neue Tagung

am sechsundzwanzigsten November eingebettet, nachdem der Vizepräsident Dr. Paasche (der eben aus Amerika und Asien den Weg zum Wallotbau zuiückgefunden) sein Begvüßungs- sprüchlein hergesagt hatte. Es gab bei den Bittschriften keine aufregenden Momente. Man ertrug geduldig ein Dutzend wenig belanglose "Reden und übermittelte dann die Materie ver- irauensvoll den Verbündeten Regierungen. Was machen die damit ? O, ste haben einen großen Papierkorb (sagt man)! Präsiden- tenwahl! Wer wirdS? Ein Preisrätsel! Merlei Weissagungen schwirren durch die 'Ln!ft. Und Leute, die nie etwas wissen, gehen hnit geheimnisvoller Miene umher. Man munkelt, man raunt, man flüstert, man zwin. tert mit den Augen. Die Stimmzettel rascheln. Dr. Kaempf fft mit großer Mehrheit ge- wählt! DerKafferschloß-Kreiö" in Berlin "hat Glück. Die Wahl hat noch ein weiteres Gutes. Sie ergibt, daß die geschlossene Linke die unbestrittne Mehrheit im Reichstag hat. Dren den 190 Kaempf-Wählere konnte die Rechte mtt vier zersplitterten Stimmen und 117 weißen Zetteln nur insgesamt 181 Gegner entgegenstellen. Die fehlenden VoMbotre verteilen sich gleichmäßig auf beide Lager. Die Linke hat allerdings inzwffchre einen Wahl­kreis

ohne Schwertschlag

in Frieden erobert: Ekbtng-Marien­burg. Dessen Vertreter Schroeder,Ersatz Oldenhurg-Jamtfchau", fft Hospitant bei de« Nationalliberalen geworden. Nach der Schar der Genossen und der Legion des Zeittrum- steht der bürgerliche Liberalismus an dritter Stelle im Reichstag. Bumm! Eine Inter­pellation ist abgcfchossen worden! Bumm! Noch eine. Scknellsreer. Eine ganze Serie. Die eine ist vom Reichskanzler bereits beantz Wortei worden. Ganz recht: Reichskanzler! Kennen Sie seine beiden Zimmer tat Reichshause? Braunrotes Leder, dunkles Holr.