COlerNeueste Nachrichten
Casseler Abendzeitung
Dt« Soff eiet Sleuefien NaÄrtrv'en erscheinen wöchentlich sechsmal IM» zwar aden»«. Der «dennementSprei« beträgt monatlich W Dfg. bet tretet Zustellung in« Hau». Bestellungen werde» lebettett von der »esch<ttt«ftelle ober den Boten entgegengenommen Druckerei. Verlag und «edaktion. Schlachthossiratze 28/80. Sprechstunden der Redaktion nur von 7 bi« 8 Uhr abend» Sprechstunden der SuSkunst - Stelle: Jeden Mittwoch und Freitag von « bi» “ Ubi abend» Berliner Vertretung: SW, SrtebrtdiftT 16, Telepbon: Ami Moritzvla» 676.
Hessische Abendzeitung
3nfertton$pretfe: Die sech»gespaltene Zeile für einheiuitsche Geschäfte 15 Bfg., für au»' wattige Inserate 25 Ps, ReNarnezeile für einheimische Geschäfte »0 Pf, für auswärtige Geschäfte 60 Bf. Einfache Beilagen für die Gesamtauflage werden mtt 5 Mark pro Tausend berechnet. Wegen ihrer dichten Serbrettung in her Reiben, und der Umgebung find die Casseler Neuesten Nachrichten ein vorzügliche« JnsetttonSorgan. Geschäftsstelle: Kölnische Siratze 5. Berliner Vertretung: SW, rrledtichllrahe 16. Telephon: Amt Mort »platz 676
Stummer 302.
Fernsprecher 951 und 953.
Freitag, 2S. November 1912.
Sernfvredter 951 und 952.
2. Jahrgang.
Immer noch Gefahr!
Der
desratserllänmgen deS deutschen Reichskanzlers eine die Absichten deS Dreibundes präzi- ierende für die Oeffentlichkeit bestimmte Rote olgen werde.
Depeschen ans Belgrad melden «ns, daß der rnssische Gesandte itt Belgrad gestern beim Verlassen des Palastes nach einer mehrstündigen Unterredung mit dem König zu den ihn befragenden Journalisten gesagt habe: „Bereiten Sie Ihr Gepäck vor, meine Herren, der König teilt meine Anficht vollständig!" Man schließt daraus, daß die Lage nach wie vor sehr ernst ist und auch weiterhin noch zn sehr begründeten Besorgnissen Anlaß gibt.
Oesterreich bleibt fest!
(Privat-Telegram m.)
Budapest, 28. November.
Pestcr Lloyd veröffentlicht folgende
Belgrad, 19. November.
Heute herrscht hier die Aussicht vor, daß es nicht zum Kriege zwischen Oesterreich und Serbien kommen werde. Man macht sich mit dem Gedanken vertrant, daß Serbien sich in die Errichtung eines unabhängige« Fürstentums Albanien fügen werde, zumal es selbst mit seinen neu erworbenen Gebieten Knlturaufgaben z« erfüllen habe, die Zeit und Geld fordern.
Im Anschluß hieran wird uns aus Wien depeschiert: Aus Durazzo wird das Eintreffen serbischer Bösatzungstruppen bestätigt. Dieser Tatsache gegenüber hält man an maßgebender Stelle in-Wien an der Haltung fest, die man von vornherein für eine solche Eventualität festgesetzt und bekannt gegeben hat. Man betrach et diese Maßnahme Serbiens als eine rein militärische, deren Bchinde- rung ein Mt der Unfreundlichkeit gegenüber dem serbischen Staate wäre, den man ver» meiden will. Trotzdem besteht hier nach wie vor die Auffassung, daß eine Entspannung der Lage noch nicht eingetreten ist.
Belgrad, 28. November.
Nach einem Bericht des Generals Svsko- wiffch (der amtlich noch nicht veröffentlicht wurde) haben zwei serbische Bataillone gestern Durazzo besetzt. Die Besetzung erfolgte ohne Widerstand. Wie verlautet, werden jetzt, mit Ausnahme eines Armeekorps der ersten Linie und des dritten Aufgebots, die in den eroberten Gebieten bleiben, sämtliche verfügbaren Truppenteile nach dem t h r a z i - s ch e n Kriegsschauplätze und andere Telle nach der Rordgrenze abmarschieren. Die «och nicht eingekleweten Reserveoffiziere werden einberufen, woraus zu schließen ist, daß man noch gar nicht mit dem Ende des Krieges rechnet. Das RegierungSorgan Mir warnt die Pforte, durch ungenügende Berhaiwlungen den Abschluß des für die Türkei sehr nöttgen Friedens zu vereiteln und die verbündeten Balkanstaaten zu zwingen, bis zur gänzlichen Niederwerfung der türkischen Armee zu kämpfen. Im letzteren Falle könnte dann nicht nur der europäische Besitz der Türkei, sondern auch ihr asiatisches Gebiet in Frage kommen.
Diktatur in der Türkei!
(Telegramm unsers Korrespondenten.)
Konstantinopel, 28. November-
Dem Sultan wurde gestern abend ein Jrade unterbreitet, daSdieVerfassung aufgrund eines einstimmigen Beschlusses des Ministerrats a u f h e b t. Der Ministerrat hat folgenden Beschluß gefaßt: Vier Jahre haben bewiesen, daß das bisherige VerfaffungSsystem dem Reiche weder angebracht noch nützlich gewesen ist. Deshalb beschließt die Regierung im Interesse des Reiches die Aufhebung dieser Verfassung. Anstelle des Parlaments tritt der durch die Ernennung christlicher Mitglieder verstärkte Staats rat, der jedoch nur beratende Stimme erhält. Die Regierung wird dem Staatsrat nicht verantwortlich sein. Da die Gründe, die zu einer Landung der fremden Seeleute geführt haben, zu einem großen Teile hinfällig geworden find, find die Matrosen Oesterreich-Ungarns, Deutschlands und einiger anderer Mächte gestern wieder ein- gefchifft worden Der Ministerrat ist feit heute früh versammelt. Man erwartet stündlich den Bericht des Generals Nafim Pascha über die gestrige Zusammenkunft der Delegierten wegen der bulgarischen Antwort auf die osmanischen Gegenvorschläge. Beide Teile find bestrebt, eine rascheEntscheidung herbeizuführen.
Sie Friedensglocken der Wilhelmstratze.
Die Mitteilungen, di? in der gestrigen Unterredung der russische Botschafter Sw erb e- jew unfern Mitarbeiter gemacht, lassen also (daran ist nicht zu deuteln!) keinen Zweifel darüber, daß die Rote der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung aus einer allzu optimistisch e n A u s f a s s u n g der Lage geboren ist, die sich n'cht darauf berufen kann, die Meinung der Konsliktwächte für fick zu haben. Das Blatt der Wilhelmstratze bat sich zum Worffüh- rer von Friedensabsichten der streitenden Mächte
Präsidentenwahl und Teuerung.
Reiehstagsfitznng vom 27. November.
Am Bundesratstisch: Reichskanzler von Bethmann-Hollweg, Dr. Delbrück und Kühn. Auf der Tagesordnung steht die Wahl des Präsidenten.
Abgegeben werden 371 Stimmen.
von entfallen 190 Stimmen auf den Abgeordneten Kämpf (Fortschrittliche Bolks- partei), 60 Stimmen auf den Abgeordneten Dietrich (Konservativ). 117 Zettel find unbeschrieben. Der Abgeordnete Dr. Kämpf ist mithin gewählt. Tas Resultat wird vo, der Linken mit lebhaftem Beifall begrüßt.
Intermezzo im Schönbrunner Park I
Ein Privattelegramm meldet uns aus Wien: Die Bevölkerung Wiens gab ge. ftern «inen Beweis der hochgradigen Nervosität, in bet sie sich- befindet. Die Parlgitter des Schönbrunner Schlosses wurden zum erstenmal« bei Einbruch der Dunkel- Heft geschlossen. Die Ankündigung ans den Tafeln hatte niemand gelesen, so daß sich e wa fünfhundert Personen eingesperrt sahen, die den wahren Sachverhalt nicht errieten. Von einer Panik ergriffen glaubten sie, die Maßnahme sei zum Schutz des Kaisers ergriffen worden, well vielleicht schon der K r i e g a u s g e b r o ch e n sei. Es kostete Mühe, das Publikum zu beruhigen.
Eine Botschafter-Konferenz?
(Privat - Telegramm.)
Paris, 28. November.
Der der Regierung nahestehende, vom Ministerium des Aeußern inspirierte Temps b e - stätigt, daß von England die Initiative zur Einberufung einer Botschafter- k o n f e r e n z ausgehen soll, fügt aber einschränkend hinzu, daß die amtliche Bestätigung dieser Nachricht bis zur Stunde noch aussteht. Diese Reserve scheint übrigens sehr begreiflich, weil die drei Vorschläge bezüglich der Wahl des Ortes für die Konferenz zu prfifen sind. In französischen Regierungskreisen wird sehr bedauert, daß das verantwortliche Wirken der Diplo- matie durch gewisse immer kühner werdende Tr ei b e re icn der in Paris interessierten Gegner der gegenwärtigen türkischen Machthaber gestört wird. Tie dem französischen Ministerium des Auswärttgen nahestehenden Abendblätter raten dem Publikum gegenüber, allen Sensationsmeldungen zu mißtrauen, die darauf berechnet sind, die türkisch-bulgarischen Friedens- Verhandlungen zu stören und in gehässiger Absicht Zweifel ander Loyalität des Dreibunds zu erwecken. Man erwartet hier, daß den Bun
gemacht, die bet biefen gar nicht existieren und mit besonderm Nachdruck von Wien aus sowohl wie von russischer Seite bestritten werden. Ist man etwa in der Berliner Wilhelmstraße unheilbar optimismus-krank, ober drängte es Herrn Alfred von Kiderlen-Waechter, durch einen neuen Schwabenstreich die Welt daran zu erinnern, daß int Hause Wilhelmstraße 76/77 Leute woh- neu, die weltbewegende Konfliktgefahren durch schlecht-stilisierte offiziöse Pronunciamentts zu bannen pflegen ...?
Präsident Dr. Kämpf: Ich nehme die Wahl an und bitte, mir die Geschäftsfuhrnng erleichtern zu wollen. Die Interpellation Bassermann (Rat.) und Albrecht (Soz.) über die auswar-
November im Wallothau».
Ein großer Tag: Präfidenten-Neuwahl und Kanzlerrede; die große Teuerungs-Debatte.
Herr Johannes Kaemps, der alte Herr im Weißen Bart, sitzt wieder auf dem P r äst. denken stütz! im Reichstag. Daß er gestern wieder auf den Schild erhoben werden würde, war vorauszufehen, denn wer die Psyche unsrer Parlamente kennt» weiß aus Erfahrung, daß die viel weniger zur Exaltation neigt, als die mehr oder minder unberufnen Ratschläger draußen im Lande. Darin waren wir auch nicht dadurch irre geworden, daß zwei veri- table Reichstagsabgeordnete (Herr Erzberger im „Tag" und Herr Dr. Oertel in der „Deutschen Tageszeitung") gegen die Wiederwahl Kaempss auftraten. Das waren (so lange die Fraktionen den Kasus noch nicht bebrütet hatten) doch nur, lagen wir einmal, politische Ballgespräche. Tatsächlich hat sich denn auch gestern erwiesen, daß das Zentrum, dem eine gewisse Erzschlauheit doch nicht abzmpre- chen sein Wird, kein Verlangen trug, die Wege des allzubetriebsamen Herrn Erzberger (der als Frauen- find Jungfrauenberater sogar nach Wien fahren soll) zu wandeln. Bei der Wahl find gestern h und ertsi eb z ehn weiße Zettel abgegeben worden. In ihnen steckt« neben dem der Polen das Votum der Mitte, die es sehr verständigerweise nicht nach neuen Kämpfen um Quisquilien gelüstete. Unter diesen Umständen war die konservative Son- derkandidaiur des persönlich durchaus Mmpa- thischen Herrn Dietrich ein harmloser Sport. Herr Johannes Kaemps wurde mit hundert- neunzig Stimmen in feinem bisherigen Amte aufs neue bestellt und Herr Paasche hatte recht, wenn er das
eine „große Mehrheit"
nannte. Man soll deshalb nicht gleich Hurra schreien und von der „großen und unzweisel- haften Majorität der Link-rtt reden (d,e ist in Wahrheit nämlich immer noch nicht vorhanden), aber man darf sich in gerechtem Sinne des Ausgangs freuen: Unter allen Umstanden steht Herr Kaemps heute besier da als rm März, wo seine Mehrheit sich auf zw ei sterb, liche Augen stützte. An den Wahlakt, der sich übrigens ganz nüchtern abgespielt hat (gar nicht so dramatisch, wie die in hellen Scharen herbeigeströmten Tribünenb-cimcher WJ« wohl vorgestellt haben mochten) schloß sich iue Besprechung der sozialdemokratischen Fl ei sch- n o t i n t e r v « l l a t i o n. Von der hatte sich die Sozialdemokratte offenbar erheblichen Ge. winnst versprochen; aber auch hier zeigte es ich daß es etwas anderes ist, ein Thema m Volksversammlungen und Meetings abzuhandeln, ein andres, darüber im Parlament zu debattieren. Die Wahrheit ist doch, daß wir uns über die Fleffchteuerung nach?eradem udege- redet haben; daß auch der geschickteste Sprecher nur noch tausendmal gehotte Argumente späteren führen kann. Und so überkam im Lause der gestrigen Aussprachen auch enraglerte Freihändler und Gegner unsrer heutigen Wirtschaftspolitik die Empfindung daß diese ganze Debatte, obwohl sie natürlich Senk und wohl auch noch morgen weitergehen wird zu entbehren war, und daß wir an einer Diskussion über den Entwurf von der vorübergehen, den Zollerleichterung unS hätten germgen las. sen können. Es war im großen ganzen eine matte Debatte und von solcher Mattheit machte auch der Kanzler keine Ausnahme, obwohl seine Mittwoch-Rede rm osftziest.n Reichstagbericht ganze sechs Seiien ftilll. Ro- vember-Sfimmung, düstn und druAnd, übernt Hohen Haus und bei solcher Stimmung plaudert fich's nicht gut . . .! "n
6tlI6tet mir,@tafSetinÖur! Rußland rückt von der Wilhelmstraße «nd von dem Blatt des Kanzlers ad; ei« Interview mtt dem Botschafter Swerbejew; Rutz» land will keine Balkan-Friedens-Konferenz!
Die vielbesprochene (von uns wiederholt erörterte) Publikation der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung, die zuerst von allen offiziösen europäischen Blättern den einheitlichen Willen der Mächte zum Frieden ausfprach, hat eine sehr beruhigende Wirkung ausgeübt und zwar namentlich deshalb, wefl man glau. den konnte, daß diese Publika ion, wenn auch nicht formal, so doch dem Inhalt nach gleichzeitig als ein Communiquö der hauptbeteiligten andern . Mächte gel en sollte. Es stellt sich nun leider heraus, daß eine Von diesem Standpunkt ausgehende Hoffnung aus stiedliche Beilegung des Balkankonflikts stark verfrüht ist. Am deutlichsten beweist das ein Interview, das unser Berliner voliti- scher Mitarbeiter gestern mit dem russischen Botschafter in Berlin, Swerbejew, hatte.
Unterredung mit Exzellenz Swerbejew.
(Telegramm unsers R. Z.-Korrespondenten.) Berlin, 28. November.
Ich hatte soeben eine Unterredung mit dem russischen Botschafter in Berlin, Ex. zellenz Swerbejew, aus der hervorgeht, daß die Note der Norddeuffchen Allgemeinen Zeitung sich über den Friedenswillen der anderen Mächte und insbesondere über den Friedenswillen Rußlands täuscht. Auf die Frage, ob die Mitteilung dex Norddeuffchen Allgemeinen Zeitung vom Montag abend im Einverständnis mtt Rußland erfolgt fei, erklärte der Boffchafter, gar nicht ent. schieden genug betonen zu können, daß die russische Regierung der Publikation der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung, in der die Geneigtheit Rußlands und Oesterreichs zum Krieg geleugnet und die Hinausschiebung des Konflikts ad calendas graecas zwischen den Zellen verkündet war, inhaltlich wie formell absolut fern stehe. Als ich daraufhin die Vermutung aussprach, daß dann doch immerhin das Berliner Auswärtige AmtinbesterAbsichtsich zum Sprachrohr der bei allen Mächten im Augenblick noch herrschenden Friedenswünsche gemacht habe, wenn es auch seine Veröfftntlichung nicht im direkten Einvernehmen mft den streitenden Mächten vornahm, erwiderte der Botschafter sarkastisch: Rußland liebt es nicht, daß frembe Zeitungen sich als sein Svrach rohr fühlen. Wir haben allein
ttttfere offiziösen Zeitungen, und nur was in denen steht, gibt unsere offiziöse Meinung wieder. Ihr Mitarbeiter fuhr dann fort: „Nach den Mobilisierungsmatz- nahmen in Oesterreich und Rußland hat man annehmen müssen, daß beide Mächte enffchlof- fen feien, ihren Standpunkt konsequent zu wahren, selbst wenn dazu eine kriegerische Lösung notwendig werde« sollte. Die Mitteilung der Norddeuffchen Allgemeinen Zeitung ließ aber erhoffen, daß beide Mächte die. fett Standpunkt gemildert hatten. Ist et- nm6- vcrgefallen, was zu dieser Auffassung berechtigt?" Darauf erwiderte der Botschafter: „Rtchtdas geringste dieser Att ist vorgefallen! Wenn e was ähnliches in den Zeitun gen steht, so mutz man bedenken, datz in diesen aufgeregten Tagen vieles in die Zeitungen kommt, was nicht richttg ist. Ein großes Wiener Blatt hat in diesen Tagen ein angeblich „ganz aftuelles Jnterwiev" mit meinem Bor- ginger, dem Grafen Osten-Sacken, veröffentlicht, Graf von Osten-Sacken ist aber schon seit sechs Monaten ... tot!" DaS Gespräch ging sodann zu bet jetzt sehr aktuellen Frage einer internationalen Friebenskonfe- renz über, die statt der Waffen die Konflikte schlichten solle. Ter Boffchafter erklärte, daß auch dieser Anregung die russische Regierung vollkommen fern stehe und das deutsche Auswärttge Amt auch diese Anregung nicht nach vorherigem Einvernehmen mit Rußland veröffentlicht habe.
offiziöse Kundgabe: Es ist absolut a l s ch, daß sich in "bet österreichisch-ungari- chen Politik eine S chw enkung vollziehe. Die ganze falsche Darstellung, ob es sich in der österreichisch-ungarischen Politik eine Wendung vollzogen habe, erhöht bloß die Gefahr, daß man in Serbien an eine Schwäche der Monarchie glaubt «nd dadurch die Hoffnung auf eine Nachgiebigkeit Oesterreich-Ungarns erweckt wird. Das wäre die größte Gefahr für den Frieden. Die offiziöse Mitteilung schließt mit den Worten: „Bei allem guten Willen, an unserer Politik der Mäßigung festzuhalten, werden wir uns von niemandem bett Zeitpunkt vorfchrei- ben lassen, wann wir andere Saiten aufziehen müssen. Tas wird einzig und allein davon abhsingen, ob wir von anderer Seite dazu gezwungen werden; aber wir können nicht dulden, daß eS als eine Aenderung unserer Politk ausgeschrieen wird, wenn wir behaupten, daß wir bei aller Rücksichtnahme ans das österreichische Friedensbedürfnis uns selbstverständlich in erster Lime von unseren eignen Interessen werden leiten lassen...!"
Durazzo von Serbien besetzt.
(Telegramm unsers Korrespondenten.)
In der allgemeinen politischen Situation ist eft gestern eine wesentliche Aenderung nicht einge treten. Man beurteilt die Lage weiterhin durchweg ernst, nimmt aber an, daß eine redliche Lösung des Jnteressenwiderstreites Mischen Oesterreich-Ungarn und Serbien möglich sein werde. In Serbien scheinen die maßgebenden Kreise nämlich allmählich sich zu der Auffassung zu bekehren, daß die Herausbe- schwörung eines kriegerischen Konflikts mit Oesterreich uu er Umständen für Serbien eine Schicksalsfrage bedeuten kann. Wir erhalten folgende Draht-Meldungen:
Wien, 28. November-
Ans bester Quelle verlautet hier, daß die gestrige Audienz des österreichischungarischen Botschafters, Grafen Thurn beim Zaren unter den günstigsten Anzeichen verlaufen ist. Sie bietet in ihrem Verlauf und in ihrem Re- sultat die beste Widerlegung der Gerüchte, daß der Zar von der Politik Sasanows in das Laaer der Kriegspartei abgeschwentt sei.