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COlerNeueste Nachrichten

Casseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Stummer 302.

Fernsprecher 951 und 953.

Freitag, 2S. November 1912.

Sernfvredter 951 und 952.

2. Jahrgang.

Immer noch Gefahr!

Der

desratserllänmgen deS deutschen Reichskanz­lers eine die Absichten deS Dreibundes präzi- ierende für die Oeffentlichkeit bestimmte Rote olgen werde.

Depeschen ans Belgrad melden «ns, daß der rnssische Gesandte itt Belgrad gestern beim Verlassen des Palastes nach einer mehr­stündigen Unterredung mit dem König zu den ihn befragenden Journalisten gesagt habe:Bereiten Sie Ihr Gepäck vor, meine Herren, der König teilt meine Anficht vollständig!" Man schließt daraus, daß die Lage nach wie vor sehr ernst ist und auch weiterhin noch zn sehr begründeten Besorgnissen Anlaß gibt.

Oesterreich bleibt fest!

(Privat-Telegram m.)

Budapest, 28. November.

Pestcr Lloyd veröffentlicht folgende

Belgrad, 19. November.

Heute herrscht hier die Aussicht vor, daß es nicht zum Kriege zwischen Oesterreich und Serbien kommen werde. Man macht sich mit dem Gedanken ver­trant, daß Serbien sich in die Errich­tung eines unabhängige« Fürstentums Albanien fügen werde, zumal es selbst mit seinen neu erworbenen Ge­bieten Knlturaufgaben z« erfüllen habe, die Zeit und Geld fordern.

Im Anschluß hieran wird uns aus Wien depeschiert: Aus Durazzo wird das Ein­treffen serbischer Bösatzungstruppen bestätigt. Dieser Tatsache gegenüber hält man an maß­gebender Stelle in-Wien an der Haltung fest, die man von vornherein für eine solche Even­tualität festgesetzt und bekannt gegeben hat. Man betrach et diese Maßnahme Serbiens als eine rein militärische, deren Bchinde- rung ein Mt der Unfreundlichkeit gegenüber dem serbischen Staate wäre, den man ver» meiden will. Trotzdem besteht hier nach wie vor die Auffassung, daß eine Entspannung der Lage noch nicht eingetreten ist.

Belgrad, 28. November.

Nach einem Bericht des Generals Svsko- wiffch (der amtlich noch nicht veröffentlicht wurde) haben zwei serbische Bataillone ge­stern Durazzo besetzt. Die Besetzung erfolgte ohne Widerstand. Wie verlautet, werden jetzt, mit Ausnahme eines Armeekorps der ersten Linie und des dritten Aufgebots, die in den eroberten Gebieten bleiben, sämtliche verfügbaren Truppenteile nach dem t h r a z i - s ch e n Kriegsschauplätze und andere Telle nach der Rordgrenze abmarschieren. Die «och nicht eingekleweten Reserveoffiziere werden einberu­fen, woraus zu schließen ist, daß man noch gar nicht mit dem Ende des Krieges rechnet. Das RegierungSorgan Mir warnt die Pforte, durch ungenügende Berhaiwlungen den Abschluß des für die Türkei sehr nöttgen Friedens zu ver­eiteln und die verbündeten Balkanstaaten zu zwingen, bis zur gänzlichen Nieder­werfung der türkischen Armee zu kämpfen. Im letzteren Falle könnte dann nicht nur der europäische Besitz der Türkei, sondern auch ihr asiatisches Gebiet in Frage kommen.

Diktatur in der Türkei!

(Telegramm unsers Korrespondenten.)

Konstantinopel, 28. November-

Dem Sultan wurde gestern abend ein Jrade unterbreitet, daSdieVerfassung aufgrund eines einstimmigen Beschlusses des Ministerrats a u f h e b t. Der Ministerrat hat folgenden Be­schluß gefaßt: Vier Jahre haben bewiesen, daß das bisherige VerfaffungSsystem dem Reiche weder angebracht noch nützlich gewe­sen ist. Deshalb beschließt die Regierung im Interesse des Reiches die Aufhebung die­ser Verfassung. Anstelle des Parlaments tritt der durch die Ernennung christlicher Mitglieder verstärkte Staats rat, der jedoch nur bera­tende Stimme erhält. Die Regierung wird dem Staatsrat nicht verantwortlich sein. Da die Gründe, die zu einer Landung der fremden Seeleute geführt haben, zu einem gro­ßen Teile hinfällig geworden find, find die Ma­trosen Oesterreich-Ungarns, Deutschlands und einiger anderer Mächte gestern wieder ein- gefchifft worden Der Ministerrat ist feit heute früh versammelt. Man erwartet stündlich den Bericht des Generals Nafim Pascha über die gestrige Zusammenkunft der Delegierten wegen der bulgarischen Antwort auf die osma­nischen Gegenvorschläge. Beide Teile find be­strebt, eine rascheEntscheidung herbeizu­führen.

Sie Friedensglocken der Wilhelmstratze.

Die Mitteilungen, di? in der gestrigen Un­terredung der russische Botschafter Sw erb e- jew unfern Mitarbeiter gemacht, lassen also (daran ist nicht zu deuteln!) keinen Zweifel darüber, daß die Rote der Norddeutschen Allge­meinen Zeitung aus einer allzu optimisti­sch e n A u s f a s s u n g der Lage geboren ist, die sich n'cht darauf berufen kann, die Meinung der Konsliktwächte für fick zu haben. Das Blatt der Wilhelmstratze bat sich zum Worffüh- rer von Friedensabsichten der streitenden Mächte

Präsidentenwahl und Teuerung.

Reiehstagsfitznng vom 27. November.

Am Bundesratstisch: Reichskanzler von Bethmann-Hollweg, Dr. Delbrück und Kühn. Auf der Tagesordnung steht die Wahl des Präsidenten.

Abgegeben werden 371 Stimmen.

von entfallen 190 Stimmen auf den Abge­ordneten Kämpf (Fortschrittliche Bolks- partei), 60 Stimmen auf den Abgeordneten Dietrich (Konservativ). 117 Zettel find unbeschrieben. Der Abgeordnete Dr. Kämpf ist mithin gewählt. Tas Resultat wird vo, der Linken mit lebhaftem Beifall begrüßt.

Intermezzo im Schönbrunner Park I

Ein Privattelegramm meldet uns aus Wien: Die Bevölkerung Wiens gab ge. ftern «inen Beweis der hochgradigen Nervosität, in bet sie sich- befindet. Die Parlgitter des Schönbrunner Schlosses wurden zum erstenmal« bei Einbruch der Dunkel- Heft geschlossen. Die Ankündigung ans den Tafeln hatte niemand gelesen, so daß sich e wa fünfhundert Personen eingesperrt sahen, die den wahren Sachverhalt nicht errieten. Von einer Panik ergriffen glaubten sie, die Maß­nahme sei zum Schutz des Kaisers er­griffen worden, well vielleicht schon der K r i e g a u s g e b r o ch e n sei. Es kostete Mühe, das Publikum zu beruhigen.

Eine Botschafter-Konferenz?

(Privat - Telegramm.)

Paris, 28. November.

Der der Regierung nahestehende, vom Mi­nisterium des Aeußern inspirierte Temps b e - stätigt, daß von England die Initia­tive zur Einberufung einer Botschafter- k o n f e r e n z ausgehen soll, fügt aber einschrän­kend hinzu, daß die amtliche Bestätigung dieser Nachricht bis zur Stunde noch aussteht. Diese Reserve scheint übrigens sehr begreiflich, weil die drei Vorschläge bezüglich der Wahl des Or­tes für die Konferenz zu prfifen sind. In fran­zösischen Regierungskreisen wird sehr bedau­ert, daß das verantwortliche Wirken der Diplo- matie durch gewisse immer kühner werdende Tr ei b e re icn der in Paris interessier­ten Gegner der gegenwärtigen türkischen Machthaber gestört wird. Tie dem französischen Ministerium des Auswärttgen nahestehenden Abendblätter raten dem Publikum gegenüber, allen Sensa­tionsmeldungen zu mißtrauen, die darauf be­rechnet sind, die türkisch-bulgarischen Friedens- Verhandlungen zu stören und in gehässiger Ab­sicht Zweifel ander Loyalität des Dreibunds zu erwecken. Man erwartet hier, daß den Bun

gemacht, die bet biefen gar nicht existie­ren und mit besonderm Nachdruck von Wien aus sowohl wie von russischer Seite bestrit­ten werden. Ist man etwa in der Berliner Wilhelmstraße unheilbar opti­mismus-krank, ober drängte es Herrn Alfred von Kiderlen-Waechter, durch einen neuen Schwabenstreich die Welt daran zu erinnern, daß int Hause Wilhelmstraße 76/77 Leute woh- neu, die weltbewegende Konfliktgefahren durch schlecht-stilisierte offiziöse Pronunciamentts zu bannen pflegen ...?

Präsident Dr. Kämpf: Ich nehme die Wahl an und bitte, mir die Geschäftsfuhrnng erleich­tern zu wollen. Die Interpellation Bassermann (Rat.) und Albrecht (Soz.) über die auswar-

November im Wallothau».

Ein großer Tag: Präfidenten-Neuwahl und Kanzlerrede; die große Teuerungs-Debatte.

Herr Johannes Kaemps, der alte Herr im Weißen Bart, sitzt wieder auf dem P r äst. denken stütz! im Reichstag. Daß er gestern wieder auf den Schild erhoben werden würde, war vorauszufehen, denn wer die Psyche unsrer Parlamente kennt» weiß aus Erfahrung, daß die viel weniger zur Exaltation neigt, als die mehr oder minder unberufnen Ratschläger draußen im Lande. Darin waren wir auch nicht dadurch irre geworden, daß zwei veri- table Reichstagsabgeordnete (Herr Erzberger imTag" und Herr Dr. Oertel in derDeut­schen Tageszeitung") gegen die Wiederwahl Kaempss auftraten. Das waren (so lange die Fraktionen den Kasus noch nicht bebrütet hatten) doch nur, lagen wir einmal, politische Ballgespräche. Tatsächlich hat sich denn auch gestern erwiesen, daß das Zentrum, dem eine gewisse Erzschlauheit doch nicht abzmpre- chen sein Wird, kein Verlangen trug, die Wege des allzubetriebsamen Herrn Erzberger (der als Frauen- find Jungfrauenberater sogar nach Wien fahren soll) zu wandeln. Bei der Wahl find gestern h und ertsi eb z ehn weiße Zettel abgegeben worden. In ihnen steckt« neben dem der Polen das Votum der Mitte, die es sehr verständigerweise nicht nach neuen Kämpfen um Quisquilien gelüstete. Unter diesen Umständen war die konservative Son- derkandidaiur des persönlich durchaus Mmpa- thischen Herrn Dietrich ein harmloser Sport. Herr Johannes Kaemps wurde mit hundert- neunzig Stimmen in feinem bisherigen Amte aufs neue bestellt und Herr Paasche hatte recht, wenn er das

einegroße Mehrheit"

nannte. Man soll deshalb nicht gleich Hurra schreien und von dergroßen und unzweisel- haften Majorität der Link-rtt reden (d,e ist in Wahrheit nämlich immer noch nicht vorhan­den), aber man darf sich in gerechtem Sinne des Ausgangs freuen: Unter allen Umstanden steht Herr Kaemps heute besier da als rm März, wo seine Mehrheit sich auf zw ei sterb, liche Augen stützte. An den Wahlakt, der sich übrigens ganz nüchtern abgespielt hat (gar nicht so dramatisch, wie die in hellen Scharen herbeigeströmten Tribünenb-cimcher WJ« wohl vorgestellt haben mochten) schloß sich iue Besprechung der sozialdemokratischen Fl ei sch- n o t i n t e r v « l l a t i o n. Von der hatte sich die Sozialdemokratte offenbar erheblichen Ge. winnst versprochen; aber auch hier zeigte es ich daß es etwas anderes ist, ein Thema m Volksversammlungen und Meetings abzuhan­deln, ein andres, darüber im Parlament zu de­battieren. Die Wahrheit ist doch, daß wir uns über die Fleffchteuerung nach?eradem udege- redet haben; daß auch der geschickteste Sprecher nur noch tausendmal gehotte Argumente spä­teren führen kann. Und so überkam im Lause der gestrigen Aussprachen auch enraglerte Freihändler und Gegner unsrer heutigen Wirtschaftspolitik die Empfindung daß diese ganze Debatte, obwohl sie natürlich Senk und wohl auch noch morgen weitergehen wird zu entbehren war, und daß wir an einer Diskus­sion über den Entwurf von der vorübergehen, den Zollerleichterung unS hätten germgen las. sen können. Es war im großen ganzen eine matte Debatte und von solcher Mattheit machte auch der Kanzler keine Ausnahme, ob­wohl seine Mittwoch-Rede rm osftziest.n Reichstagbericht ganze sechs Seiien ftilll. Ro- vember-Sfimmung, düstn und druAnd, übernt Hohen Haus und bei solcher Stimmung plaudert fich's nicht gut . . .! "n

6tlI6tet mir,@tafSetinÖur! Rußland rückt von der Wilhelmstraße «nd von dem Blatt des Kanzlers ad; ei« Inter­view mtt dem Botschafter Swerbejew; Rutz» land will keine Balkan-Friedens-Konferenz!

Die vielbesprochene (von uns wiederholt erörterte) Publikation der Norddeutschen All­gemeinen Zeitung, die zuerst von allen offi­ziösen europäischen Blättern den einheitlichen Willen der Mächte zum Frieden ausfprach, hat eine sehr beruhigende Wirkung ausgeübt und zwar namentlich deshalb, wefl man glau. den konnte, daß diese Publika ion, wenn auch nicht formal, so doch dem Inhalt nach gleich­zeitig als ein Communiquö der hauptbe­teiligten andern . Mächte gel en sollte. Es stellt sich nun leider heraus, daß eine Von diesem Standpunkt ausgehende Hoffnung aus stiedliche Beilegung des Balkankonflikts stark verfrüht ist. Am deutlichsten beweist das ein Interview, das unser Berliner voliti- scher Mitarbeiter gestern mit dem russischen Botschafter in Berlin, Swerbejew, hatte.

Unterredung mit Exzellenz Swerbejew.

(Telegramm unsers R. Z.-Korrespondenten.) Berlin, 28. November.

Ich hatte soeben eine Unterredung mit dem russischen Botschafter in Berlin, Ex. zellenz Swerbejew, aus der hervor­geht, daß die Note der Norddeuffchen Allge­meinen Zeitung sich über den Friedenswillen der anderen Mächte und insbesondere über den Friedenswillen Rußlands täuscht. Auf die Frage, ob die Mitteilung dex Norddeuffchen Allgemeinen Zeitung vom Montag abend im Einverständnis mtt Rußland erfolgt fei, erklärte der Boffchafter, gar nicht ent. schieden genug betonen zu können, daß die russische Regierung der Publikation der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung, in der die Geneigtheit Rußlands und Oesterreichs zum Krieg geleugnet und die Hinausschiebung des Konflikts ad calendas graecas zwischen den Zellen verkündet war, inhaltlich wie formell absolut fern stehe. Als ich daraufhin die Vermutung aussprach, daß dann doch immerhin das Berliner Auswärtige AmtinbesterAbsichtsich zum Sprachrohr der bei allen Mächten im Augenblick noch herrschenden Friedenswünsche gemacht habe, wenn es auch seine Veröfftntlichung nicht im direkten Einvernehmen mft den streitenden Mächten vornahm, erwiderte der Botschafter sarkastisch: Rußland liebt es nicht, daß frembe Zeitungen sich als sein Svrach rohr fühlen. Wir haben allein

ttttfere offiziösen Zeitungen, und nur was in denen steht, gibt unsere offiziöse Meinung wieder. Ihr Mitarbeiter fuhr dann fort:Nach den Mobilisierungsmatz- nahmen in Oesterreich und Rußland hat man annehmen müssen, daß beide Mächte enffchlof- fen feien, ihren Standpunkt konsequent zu wahren, selbst wenn dazu eine kriegerische Lösung notwendig werde« sollte. Die Mit­teilung der Norddeuffchen Allgemeinen Zei­tung ließ aber erhoffen, daß beide Mächte die. fett Standpunkt gemildert hatten. Ist et- nm6- vcrgefallen, was zu dieser Auffassung be­rechtigt?" Darauf erwiderte der Botschafter: Rtchtdas geringste dieser Att ist vorge­fallen! Wenn e was ähnliches in den Zeitun gen steht, so mutz man bedenken, datz in diesen aufgeregten Tagen vieles in die Zeitungen kommt, was nicht richttg ist. Ein großes Wie­ner Blatt hat in diesen Tagen ein angeblich ganz aftuelles Jnterwiev" mit meinem Bor- ginger, dem Grafen Osten-Sacken, veröffent­licht, Graf von Osten-Sacken ist aber schon seit sechs Monaten ... tot!" DaS Gespräch ging sodann zu bet jetzt sehr aktuellen Frage einer internationalen Friebenskonfe- renz über, die statt der Waffen die Konflikte schlichten solle. Ter Boffchafter erklärte, daß auch dieser Anregung die russische Regierung vollkommen fern stehe und das deutsche Auswärttge Amt auch diese Anregung nicht nach vorherigem Einvernehmen mit Rußland veröffentlicht habe.

offiziöse Kundgabe: Es ist absolut a l s ch, daß sich in "bet österreichisch-ungari- chen Politik eine S chw enkung vollziehe. Die ganze falsche Darstellung, ob es sich in der österreichisch-ungarischen Politik eine Wen­dung vollzogen habe, erhöht bloß die Gefahr, daß man in Serbien an eine Schwäche der Monarchie glaubt «nd dadurch die Hoffnung auf eine Nachgiebigkeit Oester­reich-Ungarns erweckt wird. Das wäre die größte Gefahr für den Frieden. Die offiziöse Mitteilung schließt mit den Worten: Bei allem guten Willen, an unserer Politik der Mäßigung festzuhalten, werden wir uns von niemandem bett Zeitpunkt vorfchrei- ben lassen, wann wir andere Saiten aufziehen müssen. Tas wird einzig und allein davon abhsingen, ob wir von anderer Seite dazu gezwungen werden; aber wir können nicht dulden, daß eS als eine Aenderung unse­rer Politk ausgeschrieen wird, wenn wir be­haupten, daß wir bei aller Rücksichtnahme ans das österreichische Friedensbedürfnis uns selbst­verständlich in erster Lime von unseren eig­nen Interessen werden leiten lassen...!"

Durazzo von Serbien besetzt.

(Telegramm unsers Korrespondenten.)

In der allgemeinen politischen Situation ist eft gestern eine wesentliche Aenderung nicht einge treten. Man beurteilt die Lage weiterhin durchweg ernst, nimmt aber an, daß eine redliche Lösung des Jnteressenwiderstreites Mischen Oesterreich-Ungarn und Serbien möglich sein werde. In Serbien scheinen die maßgebenden Kreise nämlich allmählich sich zu der Auffassung zu bekehren, daß die Herausbe- schwörung eines kriegerischen Konflikts mit Oesterreich uu er Umständen für Serbien eine Schicksalsfrage bedeuten kann. Wir er­halten folgende Draht-Meldungen:

Wien, 28. November-

Ans bester Quelle verlautet hier, daß die gestrige Audienz des österreichisch­ungarischen Botschafters, Grafen Thurn beim Zaren unter den günstigsten Anzeichen verlaufen ist. Sie bietet in ihrem Verlauf und in ihrem Re- sultat die beste Widerlegung der Ge­rüchte, daß der Zar von der Politik Sasanows in das Laaer der Kriegs­partei abgeschwentt sei.