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Hessische Abendzeitung
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Stummer 300*
Fernsprecher 951 und 952.
Mittwoch, 27. November 1912.
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2. Jahrgang.
Sie Stimme vorn Slhrnp.
Reichspolitik, Kanzler und Volk.
Im Wallothaus am Berliner Königsplatz find heute die Vertreter des deutschen Volks zum Winterwerk zusammengetreten, und am Vorabend der Wiedereröffnung des Parlaments hat die Norddeutsche Allgemeine Zeitung, durch deren Spalten der Odem der Wil- Helmstraße weht, eine Kundgabe zur internationalen Lage gebracht, an deren Stilkunst und Tendenz-Stimmung man des Kanzlers eignes Werk erkennt. Herr von Beth- mann Hollweg ist bekanntlich der Erfinder des Worts von der „Verwilderung der öffentlichen Meinung", das er zu einer Zeit von der Höhe des offiziösen Olymps herab in die deutsche Welt schmetterte, als der Volk-Erregung Wogen am wildesten schäumten. Und heut wie damals atmet auch die n e u e st e Kundgabe des leitenden Staatsmanns den Geist zürnender Welt- freMdheit, grämlicher Verdrießlichkeit und finstern Zensorengrolls: Herr von Bethmann Hollweg (der gestern abend auf dem Holzpapier des Kanzlerblatts dem deutschen Volk das erste Lebenszeichen wacher Regierungsorge seit Beginn des Hexentanzes am Balkan gönnt«) schilt... eine in Berlin erscheinende Korrespondenz, weil sie „durch unlautre Nachrichten die Oeffentlichkett in einem Augenblick beunruhigt habe, in dem die Regierungen aller Großmächte ernsthaft bemüht seien, für die immerhin noch schwierigen Fragen (des europäischen Konflikts!) eine friedliche Lösung zu finden !" So geschehen am Mnsiundzwanzigsten Tag im November; vierzehnTagefast nach den ersten Alarm-Meldungen über Kriegrüstungen an Oesterreichs und Rußlands Grenzen!
Di« Welt hat aus Wien, aus Petersburg, aus Paris und London in diesen Tagen beruhigende, klärende und schwichtigende Worte vernommen; selbst aus den B/ilkanbergen kam die Kunde zum Westen, daß die Regierungen der im Balkanbund geeinten Reich« ernstlich bemüht seien, das Entstehen europäischer Komplikationen aus Anlaß der Liquidation der Türken-Herrschast am Balkan zu verhüten. Nur Berlin ist (bis gestern) stumm geblieben! Vor dem Kanzlerhaus in der Wilhelmstraße und dem nachbarlichen Tuskulum unsres auswärtigen Reichgeschäfts brachen sich die Wogen der durchs Volk zitternden Erregung wie matter Wellenschaum; die Norddeutsche Allgemeine Zeitung erzählte uns mit feierlicher Umständlichkeit, daß Franz Ferdinand, des greisen Kaisers impulsiver Neffe, zum „gewohnten" Besuch in Berlin eingetroffen sei und Deutschland den verehrten Gast in alter und ausrichtiger Freundschaft herzlichst willkommen heiße; ein paar Tag« darauf, als BÜaflus Schemua nach eiliger Nachtfahrt beim Kollegen Moltke im Generalstabhaus abstieg, stammelten unsre offiziösen Geisterbeschwörer unwirsche Verlegenheitmärchen über die „alljährlich wiedxrkeh- renden" Plauderstunden der beiden Krieg-Organisatoren, und im Nachhall dieser Spätherbst- Sensationen vernahmen wir dann noch aus dem im Kurialstil verschnörkelten Hofbericht, daß die Novemberjagd im Saupark zu Springe löblich und waidgerecht geendet. Das ist di« Summa deutsch-offiziöser Regungen in einer Zeit, die vom äußersten Osten bis zum fernsten Westen ganz Europa in banger Sorge sieht, durchzittert von der Furcht vor einem Unheil, deff«n Wirkung-Möglichkeiten kein Auge überschauen kann. Der Kanzler aber schilt auf die öffentliche Meinung, die den plätschernden Wellenschlag des Friedenswerks am Grünen Tisch mit ernstem Mahnruf frevelnd überhallt!
Seit Wochen, feit dem Balkan-Coup der Weltgeschichte, ist das deutsche Volk ohne die winzigste Kenntnis derjenigen Regungen, Absichten und Ziele, die sein Schicksal bestimmen; tastet die Oeffentlichkeit in einem unentwirrbaren Knäuel von Kombinationen, Informationen und Legenden ratlos nach einem sichern Halt im Sichtbereich wirklicher Tatsachen; wird die Presse von tausend Flüsterungen beeinflußt, die in Krieg- und Krisenzeiten umso williger Gehör ffizpen, j« unempfänglicher die zur Schicksal-Leitung Berufnen sich für die in den Massen des Volks drängende Sorg« offenbaren. Wen trifft nun die Schuld, wenn in der Oeffentlichkeit Unruhe und Nervosität sich regen, die durch den tatsächlichen Stand der Dinge nicht bedingt werden: Die Prefle oder die Regierung? In den Parlamenten der österreichischen Rachbar-Monarchie hat btr Minister des Aeußern den Vertretern des Volks erschöpfend Rede und Antwort über Ursachen, Ziel« und Möglichketten der Regierungspolitik gestanden, in England pflegt der Barometerstand öffentlicher Meinung von der Ministerbank im Parlament bestimmt zu werden, und auch bei uns war's ja früher üblich, daß in kritischen
F. EL
aufdrückt...?
niens. Im Interesse der Ruhe werde aber Oesterreich den Korridor ablehneu. Es hätte abex nichts für eine« albanischen Handelshafen einzuwenden, der Serbien vollständig zur Ber- ügung gestellt werde und mit der serbischen Grenze durch eine serbische Bahn verbunden werden könne.
Die Gefahr ist unvermindert!
(Privat-Telegramm.)
Wie«, 26. November-
Entgegen den fortgesetzt von Berlin aus verbreiteten friedlichen Meldungen konstatiert das Neue Wiener Tageblatt, daß der Ernst der Situation sich weiter stei- gere und daß von keiner Seite sich auch der mindeste AnhaltSpuntt zeige, daß eine Ent- pannung in Sicht sei. Das nichtoffizielle Rußland werde immer ungebärdiger und in Serbien wachse immer mehr der Offiziersgeist, der die ruhige, sachliche und nüchterne Beurteilung zurückdränge und den größten Teil der Presse zum lautesten Ausdruck mit den wüstesten Ausfällen gegen Oesterreich-Ungarn dränge. Wenn trotzdem Oesterreich- Ungarn im Vollbwußtsein seiner Stärke all den gefährlichen Erscheinungen gegenüber noch immer Kaltblütigkeit beobachte, so geschehe dies im Bewußtsein, daß sein« Verbündeten zu ihm stehen, was initiier kommen möge. Ernste, sehr ernste Tage (so schreibt das Blatt) sind gekommen. Wie die „Reichspost" von informierter Stelle hört, wird die international« Lage im allgemeinen als stationär angesehen, das heißt unverändert ernst und kritisch.
Eine Stimme aus Petersburg.
(Privat-Telegramm.)
Petersburg, 26. November-
In hiesigen politischen Kreisen herrscht die Auffassung vor, daß die politische Lage keinerlei Anlaß zu beunruhigenden Kommentaren gebe. In der Stellungnahme Rußlands zu den verschiedenen politischen Fragen am Balkan sowohl, wie zu den serbischen Wünschen in Sachen eines Ausganges zum Adriatischen Meer habe sich keim Umschwung vollzogen, der daS diplomatische Bild verändere. Die russische Diplomatie sei nach wie vor nicht geneigt, unberechtigte Forderungen Serbiens zu unterstützen und habe noch bis zur Stunde immer wieder m ä tz i g e n d aus die chauvinistischen Heißsporne in Belgrad zu wirken gesucht. Die Situation wird deshalb auch an den maßgebenden Stellen für den Augenblick weniger bedrohlich beurteilt, als bisher, obschon eine kriegerische Zuspitzung »och immer möglich sei. Die kleine Befferung sei darauf zurückzuführen, daß Serbien die Lösung der albanischen Frage im Sinne der Fordemn- gen Oesterreich-Ungarns und Italien« anzuer- kennen bereit ist.
Deutschland ist bereit...!
Die europäische Krise und Deutschlands Meinungsverschiedenheiten zwischen de« Großen Generalstab und dem Auswärtiger Amt; die Zusammenhänge zwischen Wag. gon-Mangel und Mobilifier ungs - Plänen.
Das Gesicht der Stunde ist immer noch er» st. Kaum daß noch «in offiziöser Schleier die Wahrheit zu verbergen sucht. Und unangebracht wäre eS darum, wenn man sich in den weiteren Kreisen der Nation optimistischen Täuschungen hingeben wollte, die jetzt sogar die kettenden Kreise überwunden Haden. Man muß jetzt mit allen Konsequenzen rechnen: Dieser Pessimismus ziemt einer gro- ;en Nation Mehr alS der billige Trost, der ewig hoff,t daß es niemals ernst wird. Welch« Verwickelungen sich auch ergeben mögen: Deutschland ist bereit! Wir Haden nichts zu fürchten als die Notwendigkeit der Probe ur den Ernsffall. Und dafür ist vorgesorgt, Aufgrund authentischer Informativ, nen wird uns dazu aus Berlin geschrieben:
Bor und hinter den Kulisien.
(Informationen unser- R. S.-MiiardeitOrS.) Berlin, 26. November.
Das Schicksal Deutschlands bei einer krie- gerischen Verwicklung liegt beim Großen Generalstab und nicht beim Auswärtige» Amt. Und gerade tn den jüngste« Wochen hat der Große Generalftab den Beweis geliefert, daß ex es an Wachsamkeit mit dem Auswärtigen Amt wohl aufzunehmen weiß. In berliner militärische» Kreisen erzählt man sich seit einigen Wochen ein Geschichtchen, das gestern auch den Weg in ein Berliner Blatt gefunden hat und für dessen Wahrheit auch wir »nS »er. bürgen können. Es war in den ersten Tage« deS Oktober, als ei» Herr aus dem Große«
Augenblicken an Ministettischen „erlösende Worte" gesprochen ourden. Bismarcks „Wir Deufiche fürchten Gott, aber sonst nichts in der Welt" wird noch den Urenkeln wie eine mannhaft-stolze Offenbarung deutscher Kraft im Ohr Hingen, und selbst Bernhard Bülows Büch- mann'scher Zitatenschay barg mitunter Wotte, an denen sich das nationale Empfinden empor- ranken konnte, wie am knorrigen Stamm deutscher Stärke. Werden wir nun, da des Reichstags Hallen sich wieder geöffnet, auch den Zünften Kanzler des Reichs in ernster Stunde aus dem Platze finden, von dem aus er zum Volk, zur Welt zu sprechen hat? Oder werden wir uns damit begnügen müssen, in dem kettenden Staatsmann den Zensor öffentlicher Meinung zu bewundern, dessen Aesthetik dem Buch der Weltgeschichte ihren Stempel
Generalstab ins Auswärtige Amt kam. Er bat darum, einen junge« und äußerst be- gable« Hauptmann des Generalstabes, der de« Stieg persönlich miterleben wollte, auf dem Balka« zu plaziere«. Die Antwott war: „Das wird der Herr nicht erlebe«, auf dem Balkan erlebe» wir keinen Krieg!" Vierzehn Tage später bornierten die Kanonen ...! Solche Meinungsverschieden, heften zwischen Generalstab und Auswärtigem Amt haben ihre Ursachen darin, daß die Informationen der beiden Institutionen verschieden sind. De, Groß« Generalstab bezieht seine Informationen von unseren ausläiwischen M i - litärattachees, das Auswärtige Amt die seinen von seinen
diplomatischen Vertreter« im Ausland. Es kommt dann natürlich leicht vor, daß der Militärattachee einer Botschaft sich' besser zu unterrichte« gewußt hat, als der Bot. schafier selbst. Diesmal waren unsere Militär. attacheeS s o unterrichtet, daß sie die kommende Entwicklung dem Groß«» Generalstab vor- ausberichten konnte«. So glaubt« der General st ab fest an den Krieg, während das Auswärtige Amt diesen Glaube« belächelte. Inzwischen hat nun freilich das Auswärtige Amt Gelegenheit gehabt, feinen Standpunft zu ändern, und wer nicht zu offi- ziöfer Verschleierung der Wahrheit verpflichtet ist. kann mitteilen, daß das Auswärtige Amt seine Auffassung sehr gründlich geäiwert hat. Es billigt ausdrücklich die Maßnahmen, die der Große Generalstab jetzt ergriffe« hat, Einiges läßt sich davon berichte«. So ist e8 zum Beispiel noch nicht dementiert worden, was schon vor einigen Tagen ganz versteckt im Handelsteil eines Berliner Abendblattes gemeldet wurde: Daß der Wagenmangel im Rheinland seine Ursache darin habe, daß ein großer Teil von Wagen im Osten des Reiches für'militärische Eventuali- säten zurückgehalten werde. Die zuftäw>tge<
Nervosität überall!
Ei« Privat-Telegramm meldet «ns aus Wien: Während die Neue Freie Preffe nach der gestrigen Aeußerung der Norddeutsche« Allge. meinen Zeitung eine friedliche Schlichtung des Ssterreichisch-ser- bischen Konfliktes für «rSglich hält, meint die übrige Wiener Preffe. an der Situation habe sich absolut nichts gebessert. Der Kon« sularkonflitt mit Serbien habe sich im Gegenteil verschärft «nd es sei «nerlätzlich, unverzüglich i« dieser Frage Klarheit zu schaffen.
Eine Konferenz in Berlin?
(Privat-Telegramm.)
Paris, 26. November.
Der Korrespondent des Echo de Paris in London glaubt zu toiffen, daß Staatssekretär von Kiderten-Waechter den Wunsch habe, daß, wenn eine internationale Konferenz über die Regelung der Balkanfrage stattfinden sollte, diese i» Berlin tagen möge. Von gut unterrichteter Softe wird mitgeteilt, daß Deutschland die Türkei veranlasse» werde, mit Bulgarien auf folgender Bafis zu verhandeln: Gewährung einer der Lage angepaßten Kriegs- Entschädigung. Diesbezüglich wird bemertt, daß die vereinigten Ballanstaaten kein Interesse daran haben können, die Tütkei zur Aufnahme von Anleihen zn zwingen, die Maßnahmen ihrerseits zur Folge haben könnten, eine von de» Ballanftaaten in dieser Richtung un ternommene Transaktion umso schwieriger zu gestalten. ES ist bekannt, daß die kriegführenden Ballanstaaten sich keineswegs in günstiger finanzieller Lage befinden und daher nach Beendigung des Krieges sicherlich zur Aufnahme neuer Anleihen schreiten müssen. Der Lau der Maritza, Adrianopel mit eingeschloffen, soll die Grenze der europäischen Türkei bilden und die Aufrechterhaltung der Oberst e r r s ch a f t des Sultans über Albanien soll der Türkei ausdrücklich aarantiert werden.
Der Bundesrats-Ausschuß, 1
Wie uns aus Berlin berichtet wird, wird bei BundeSratsausschuß für auswärtige Angelegenheiten am kommenden Donnerstag zu einer Sitzung zusammentreten, um, wie in früheren Jahren, Mitteilungen über die Frage der auswärtigen Politik entgegenzunehmen. Es ist anzunehmen, daß der Reichskanzler in dieser Sitzung eine eingehende Erklärung über die Stellungnahme der Regierung zu den schwebenden Balkanstagen abgeben wird.
Die Stimmung in Wien.
(Privat-Telegramm.)
Wie«, 26. November-
In Kreisen der Entente-Diplomatie verlautete gestern übereinstimmend, Serbien werde in seiner Antwort an Oesterreich di« Autonomie Albanien« anerkennen, jedoch einen einzigen Hafen mit einem Zugang, das heißt einem Gebietsstreifen von der serbische« Grenze aus verlangen. Es steht fest, daß Oesterreich diese Antwort als nicht befriedigend erklären wird. Die Motivie- dafür ist, daß ei» solcher „Korridor auf Stimmten" auf die Dauer nicht zu halte« ist, er gebe einen ewigen, serbisch-albanischen Kon- fliktsstoff und liefere Serbien de» Borwand zur Besetzung weiterer Teil« Alba.
Wie wir gestern schon berichteten, ist man in österreichischen politischen Kreisen überzeugt, daß der Deutsche Kaiser in den Konflikt zwischen Oesterreich und Rußland vermittelnd eiugreiftn werde, und es scheint, daß diese Annahme sich b e st ä t t g t. Der Berliner Korrespondent der Wiener „Zeit" (der über sehr gute Beziehungen zu einflußreichen Kreisen verfügt), hatte in Berlin eine Unterredung mit einem D iplomaten, der an den Jagden in Springe teilgenommen hat und der dem Korrespondenten über die Ergebnisse der Unterredungen zwischen Kaiser und Erzherzog bedeutsame Mitteilungen machte. Wir erhalte» darüber folgende Möldung:
Deutschland und Oesterreich.
(Privat-Telegramm.)
Wie», 26. November.
Der Korrespondent der „Zeit" i» Berlin erhielt von einem Diplomaten, der mit in Springe war, folgende Mitteilungen über die Lage: Ich kann Ihnen keine Staatsgeheimnisse verraten, aber ich darf Ihnen Andeutungen mache». Natürlich habe» wir bei der Jagd nicht vom Weintrinke» und vom Pferderennen gesprochen. Das ist Har. Die Lage ist er»st, aber man braucht nicht trübe in die Zukunft zu schauen. Oesterreich-Ungarn wird zwar in den nächsten Tagen sich wohl gezwungen sehen, noch weitere Mobi. tifierunge« vorzunehmen, weil man in Wien sofort ein ernstes Wort mit Serbien sprechen will. Aber selbst wenn es zum Kriege mit Serbien kommen sollte, bedeutet das noch keinen Weltkrieg. Wenn Oesterreich Bel. grad besetzt, und vielleicht noch einige Vorstöße macht, wird man in Serbien hoffentlich ernüchtert sein. Rußland würde wohl erst eingreifen, wenn es sehe» sollte, daß Oesterreich
Serble« vergewaltige«
will. Das aber wird nicht geschehen. Rußlands militärische Vorkehrungen sind nur Schreckschüsse. Es wird so leicht nicht wagen, Oesterreich anzugreifen, denn das gibt dann einen Weltkrieg, und den entzündet man nicht so leicht. Deutschland hält sich vor- läufig zurück, denn Deutschland steht heute besser mit Rußland als zur Zett per bosnischen Krise. Inzwischen ist die Potsdamer Abmachung erfolgt. Deutschland hält sich auch diplomatisch im Hintergrund, es läßt zunächst Oesterreich seine Sondetintereffen allein ausfechten. Würde Deutschland jetzt eine dro- tienbe Haltung einnehmen, so würde das nur die allgemeine Lage verschlimmern. Der Kaiser hat also auf den Thronfolger in Springe mäßigend eingewirkt, wenn das noch nötig gewesen wäre. Deutschland wird gegebenenfalls auch auf Rußland in diesem Sinne einroirten, aber vorläufig ist dazu noch k e i n A «l a ß vorhanden.