Casseler Neueste Nachrichten
Casseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Nummer 289
2. Jahrgang
Mittwoch, 13. November 1912
Fernsprecher 961 und 952.
Fernsprecher 951 und 952.
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Die Regierung hatte dem Amendement wenig Gewicht beigemessen und die Liberalen hatten nicht vcnnut-t, daß die Opposition einen Plötzlichen Angriff geplant hatte.
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morgen nach Berlin abreifen und mit Kai. ser Wilhelm zusammentreffen werde, ist bis zur Stunde unbestätigt. Den gestrigen Wiener Meldungen entgegen trifft der Thronfolger progrsmmätzig am zweiundzwanzigsten No. vembcr in Springe ein.
Sie Teilung der Mei?
Am Vorabend ernster Ereigniffs.
Der Krieg in den Balkanbergen tritt fast den Hintergrund angesichts der Bedeutung
von Rennes sind nur dort möglich, wo die politische und staatsorganisatorische Degeneration bereits wirksam geworden ist: Die Ohnmacht und Tatenlosigkeit der Behörden illustriert deutlich die Schwäche der staatlichen Autorität gegenüber der M .jfet und der Streit der Schulbankangehöriger ist ein klassischer Beweis des Schwindens des Verständnisses für die naturnotwendtge Ordnung der Ding« im Staatsorganismus, und die Folge einer bis zum Aeußersten angespannten, krankhaft ausartenden Sozialbewegung, deren Wellenschlag immer weitere Kreise zieht und deren Odem Haus, Schule und Familie infiziert. Und wenn wirklich die bürgerliche Ordnung nur dann aufrecht erhalten werden kann, wenn der Einzelne in der Gesamtheit der Volkgemeinschafi in seiner politischen und sozialen Bewegung auf seinen engen Kreis beschränkt bleibt und infolgedessen der „Freiheit des Jndiv duums" in politischer Beziehung entbehrt, so mag dieser Zwang immerhin noch erträglicher erscheinen, als de Auswüchse des ungezügelten Mas. sen-Jmpuffes, deren Flüchte jetzt allmählich in Frankreich reifen. Dem Sireikspiel, den Beam- tenkämpsen und den Meutereien im Heer gesellt sich jetzt als tragi-komische Beigabe die Bübchen-Revolutlon von Rennes. Und Frank-
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Die Entvölkerung Frankreichs.
Ein Privat-Telegramm meldet uns aus P a- r i s: Dor letzte französische Ministerrat bat den Finanzminister beauftragt, eine außerparlamentarische Kommission eiuzusctzen mft der Aufgabe, alle nationalen, sozialen und fiskalischen Fragen, die auf die Entvölkerung Frankreichs Bezug haben, zu prüfen und auf Mittel und Abhilfe zu sinnen. Man hofft, auf diesem Wege den immer bedrohlichere Formen aunahmenden Bevölkerungsrückgang in Frankreich entgegenwirken zu können.
Neue Rüstungs-Millionen i
Wie uns ein weiteres Privat-Telegramm aus Paris berichtet, ging gestern der Kammer eine Nachtragsforderung zum Budget für 1912 in Höhe von sicbenundfünf- zig Millionen Francs zu, von denen rund zwanzig Millionen für Heer und Marine bestimmt und mit der Preiserhöhung für Lebensmittel begründet sind. Rund uns Millionen Francs sind für außergewöhnliche Arbeiten in den Kriegshäfen bestimmt, die sofort ausgeführt werden sollen.
Jnserttonspretse: Die sechsgespaltene Zelle für elntjetmif-ue ujeidjifte 15 Psg., für auswärtige Inserate 25 Pf. Reklame,eile für einheimische Gefchüft- 40 Pf, für auswärtige Beschütte 6» Pf. Beilagen für bte Gesamtauflage werben mit 5 Mark pro raufend beregnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Reiiden,, und bet Umgebung sind die Casseler Neuesten Nachrtchten etn vorzügliche« JnserttonSorgan. Geschäftsstelle: iiülntsche Straße 5. Berliner Vertretung: 8W.. Friedrichstraße t6, Televbon: Amt Morihpia« «7«.
und Gefahr der diplomatischen Aktion, die der Wirrwarr im Südosten Europas erforderlich gemacht hat und die möglicherweise zu Komplikationen führen kann, deren Tragweite sich zurzeit nicht absehen läßt. Fest steht jedenfalls, daß Oe st erreich -Ungarn entschlossen ist, allen Ansprüchen des vom Balkanbund und von Rußland unterstützten serbischen Königreichs auf Albanien nachdrücklichst entgegenzutreten, und daß dieser Entschluß alle Möglichkeiten berücksichtigt, be- weifen die heute aus Wien vorliegenden Meldungen:
Oesterreich will den Frieden!
(Privat-Telegramm.)
Wien, 12. November.
Die Reise des Thronfolgers nach Buda, pest erregt fortgesetzt großes Aufsehen. Sie gilt allgemein als deutliches Anzeichen dafür, daß wichtige Entscheidungen bevorstehen. Vielleicht erfolgt schon in den nächsten Tagen eine Aktion Oesterreich-Un. garns. Indessen wird offiziös mit großer Bestimmtheit als Ergebnis des gestrigen Mar. schallrates mitgeteilt, daß der Kaiser und der Thronfolger nichts weniger als kriegerisch gesinnt seien und den Frieden, wenn irgend möglich, erhalten wollen. Es sollen zwar, falls es Serbien zu weiteren Provokationen kämmen lassen sollte, die militärischen Sorbe, reit an gen getroffen werden, und das war der Gegenstand des gestrigen Marschallrates, aber es sei von einer
Mobilisierung Oesterreich-Ungarns noch keine Rede. Die Richtlinie für daS Verhalten Oesterreich-Ungarns (so behauptet man in offiziösen Kreisen) sei durch die Tatsache gegeben, daß nicht nur England und Frankreich, sonder« auch Rußland dem ser. bischen Kabinett deutlich abgcwinkt haben. Nach allem, was die Regierung aus Petersburg hört, sei man dort der Expansion Ser- biens nach der Adria abgeneigt. Im ganzen wird die Situation in informierten Kreisen etwas günstiger aufgefaßt, weil alle Wahr, scheinlichkeit dafür spricht, daß die Spektttatton Serbiens auf eine Meinungsverschiedenheit der Großmächte sich als eine verfehlte erwiesen habe. Ob dieser Optimismus allerdings berechtigt ist, wird sich bald zeigen müssen.
festen Ueberzeugung, „ ..
nächste Frühjahr einen großen europäischen Konflikt bringen wird, und man sieht einem Ringen mit Deutschland in der Zuversicht des Erfolges entgegen. Man
Franz Ferdinand und der Kaiser.
Der Thronfolger bei der Hofjagd.
Ein Privat-Telegramm meldet uus aus Berlin: Tie von einigen Blättern gebrachte Nachricht, daß der österreichische Thronfolger. Erzherzog Franz Ferdinand,
Die Aeberrnmpelnng der Regiernng.
Ein weiteres Londoner Telegramm meldet uns: Das Amendement, das der Regierung sine Niederlage eintrug, war von dem Unionisten Sir Frederic Banbury bearr- ttagt worden. Es setzte fest, daß die unter den Verordnungen der Homerule-Vorlage von dem englischen Schatzamt an bas irische Schatzamt lahrlich zu zahlende Summe den Betrag von 2 500 000 Pfund nicht überste) gen sollte.
Demonstration der wildesten Begeisterung aus. Sie sprangen aus, ergingen sich in tosenden Beifallsrufen und warfen ihre Hüte i n d i e L u f t. Es verging eine Zeit, bis das zahlenmäßige Ergebnis der Absttmmung bekanntgegeben werden konnte. Es ließ die Be- geisternng der Opposition noch einmal zum Ausbruch kommen. Bonar Law, der Führer der Opposition, erhob sich und gab dem Siegesgeschrei der Opposition die Direktiven. Premierminister Asquith, der nicht zugegen war, wurde sofort herbeigerusen. Nach einer Konferenz mit dem Haupteinpeiitscher beantragte er die Vertagung der Debatte. Dies Anzeichen des Dilemmas, in dem sich die Regierung befand, verursachte einen neuen Ausbruch to sender Jubelrufe der Oppositions- iriilgHeber. Sie schrieen, als Asquith das Haus verließ, ihm zu: „Leben Sie Wohl, das Land wartet auf Sie. Sie werden niemals zu. rückkehren!" Der Antrag auf Vertagung wurde angenommen, worauf die Vertagung eintrat.
Kinderstubeimd Revolution!
Auch ein Symptom unsrer Zeit.
Ein Telegramm aus der alten Jsle-Stadt Rennes im Land der Franken brachte gestern wundersame Mär: Die (sichtlich zu den besten Hoffnungen berechtigenden) A. B. C.» Schützen der dortigen Knabenschulen sind in den „A u s st a n b* getreten, haben Schulranzen und Fibel in den Winkel geworfen und heldenhaft erklärt, das Haus der Plage nicht wieder zu betreten, solange der gekränkten Jun- gen-Ehre nicht vollgültige Genügtuung zuteil geworden sei. Revolution etwa, Kamps um Gewissenfreiheit oder Krieg um einen Nachmittag ungebundener und nicht durch Schularbeit vergällter Freiheit? Nichts von alledem: Die Bübchen von Rennes strecken, weil der Schulleiter es abgelehnt hat, seine Zöglinge an einer zugunsten der Schüler der verweltlichten Schule veranstalteten Theatervorstellung teilnehmen zu lassen und weil er sich erdreistet hatte, die darob Zürnenden mit dem auch in der Republik noch beliebten Rohrstöckchen zur Achmng vor der Autorität anzuhalten. Rennes' hoffnungvolle Jugend zog daraufhin in corpore zur Arbeitsbörse und verlangte dort unter begeisterten Hochrufen auf Recht und Freiheit die Auslieferung einer roten Fahne, um, gewappnet mit diesem „Panier der Freiheit" den Kampf wider den Schultyrannen unter Aufbietung aller Kräfte weiterzuführen.
Wer hierzuland die Kunde hört, wird lächeln und verwundert fragen, ob in Frankreichs Wäldern nicht mehr genügend ungebrannte Asche wächst, um widerhaarige Rangen erfolgreich zur Raison zu bringen. Dies- feits der Vogesen wäre der Fall ja auch einfach undenkbar, denn die „Organisation der Jugend" ist bei uns glücklicherweise noch nicht so ausgebaut, als daß kurzhosige Knäbchen es schon wagen dürften, das „Jahrhundert in die Schranken zu fordern". In unserm Nachbarland dagegen ist der Fall nicht selten und wiederholt sind auch, begeistert vom „rassigen Temperament der Jugend" schmunzelnde Auguren für die „Interessen der Werdende«" au die Tribüne gestiegen und haben schwächliche Obrigkeiten dem ungestümen Drängen der Jungenschaar reuig Rechnung getragen. Man steht hier vor einem psychologisch-polttischen Rätsel. Die treibenden Kräfte der „Hosenmatz- polttik" (anders läßt sich die „Bewegung" doch wirklich nicht nennen) sind ebenso unklar, wie die Schlaffheit der Behörden in der Abwehr dieser krankhaften Eruptionen der sozialen Bewegung, deren Ursachen offenbar in der Eigenart der romanischen Volkspsyche und in den Wirrnissen des Parteigetriebs in der Republik ’ zu suchen sind. Daß in andern Ländern süd- lichern Himmelsstrichs der politische Rechtekampf in der Polittsierung der Massen ähnliche Ausschweifungen erzeugt, darf als Beweis dafür dienen.
Andererseits tritt allerdings der politische Moment des Ereignisses scharf in den Vordergrund, und es ist nicht zu verkennen, daß die Schulbankpolittk das charakteristischste Erzeugnis der demokratisierenden und sozialisierenden Massensuggestion ist, die gerade in Frankreich (und in den Ländern romanischer Zunge überhaupt) das polittsche Leben mit jener Schärfe erfüllt, die nur des geringsten Anstoßes bedarf, um sofort aufgährend wirksam zu werden. Die Zügellosigkeit der sozialen Kampfbewegung hat die natürlichen Grenzen bürgerlicher Gesellschaftsordnung mutwillig überschrttten und es kann füglich nicht überraschen, daß in einem Land, in dem stündlich mit dem Verhängnis des Massenstreiks gespielt und die öffentliche Wohlsohrt kaltblütig einer einzigen polittschen Kraftprobe geopfert wird, allmählich auch die I u g e n d der Kleinen und Keinsten in den Strudel hineingerissen wird und sich eifrig bemüht, die Interna der Schulstube zum Ausgangspunkt politischer Mionen zu machen. Und es liegt ferner auch die Annahme nahe, daß die Jugend, die bereits in den Kinderschuhen im sozialen Kampfzug mit marschierte, ihrersetts sicher nicht zu einer Generation des politischen Friedens sich auswachsen, sondern dereinst in den Tageskampf noch schroffere und erbittertere Elemente hineinschicken wird, und daß eines Tags sich diese Ueberflntung des sozialen Kampsselds mit der von der Jugend schon eingesognen Erbitterung verhängnisvoll rächen muß.
' Der Schrei nach der „Individualität" und nach der „Freiheit des Individuums" ist an sich ein berechtigtes ethisches Prinzip; die Enrwick lung der polttischen Verhältnisse in Frankreich indessen zeigte, wie schlimm sich die Ueber. spannnng des Prinzips in ihren Wirkungen äußert. Vorgänge wie die Bübchen-Revolution
Regierungskrise in England!
Asquith von der Opposition geschlagen.
Das Kabinett Asquith 'hat gestern im englischen Unterhaus eine schwere Niederlage erlitten. Es handelt sich um t'inen wohl- vorbereiteten und offenbar geschickt durchgeführten U ebetfall der Opposition, der die Regierungsparteien in vollständiger Ahnungslosigkeit fand und überrumpelte. Es ist noch ftaglich, ob Premierminister Asquih die Konsequenzen ziehen und mit feinem Kabinett zurücktreten wird; vorerst heißt's, die Regierung habe sich entschlossen, vorerst von einem Rücktritt abzusehen, lieber Wie Niederlage des Kabinetts Asquith erhalten wir folgende Meldungen:
Der Sieg der Opposition.
(Privat-Telegramm.)
London, 12. November.
Die Regierung erlitt gestern nachmittag wider alles Erwarten "eine Niederlage im Unterhause. Sir Frederi-k Banbury brachte in der Beratung über die Homerulebill ein Amendement ein, daß der gesamte Beitrag des Reichssiskus zum irischen Parlament fünfzig Millionen Mark jährlich nicht übersteigen soll. Der Generalpostmeifter Herbert Samuel be. kämpfte das Amendement. Die Abstimmung ergab 228 für und 206 gegen das Amendement. Frenetischer Jubel der Opposition be. gleitete die Niederlage des Kabinetts. Laute Jubelruf e ertönten aus dem Abstimmungssaal, in dem die Unionisten ihre Stimmen ab- gaben. Als der Oppositionelle Banbury den Saal betrat und aus den Händen des Clerks die Liste mit der Stimmenzahl empfing, was bedeutet, daß sein Amendement durchgegangen war, brachen die Mitglieder der Oppositton in elne
Dar deutsche Schwert.
Die Kriegsstimmuug in Frankreich.
Em höherer deutscher Offizier, der soeben nach längerem Aufsnchalt tat Frankreich nach Deutschland zurückgekehrt, und der während seines französischen Aufenthalts nicht allein mit Militär, sondern auch mit den besseren Kreisen der Zivilbevölkerung in enge Berührung gekommen ist, spricht sich Über die Kriegsstimmung im französischen Bott in entern sehr beachtenswerten Artikel aus, dem wir folgende intereffantsn Stellen entnehmen: Trotz des großen, in der Türkei untcrgebrach- ten französischen Kapitals, das die Regiernng ebifitoeilen noch zu Vermittlungsversuchen veranlaßt, ist matt nicht allein im französischen Heere, sondern auch in besserem Kreisen 'des französischen Vottes, zum Beispiel der Großin
dustrie, in die ich einen Einblick tun konnte der festen Ueberzeugung, daß späte st ens das ' r einen großen euro-
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Russische Kriegsstimmung.
(Privat-Telegramm.) " Petersburg, 12. November.
Die Stimmung in Rußland wird von Tag zu Tag kriegerischer gestimmt. Die Presse bringt scharfe Artikel gegen Oesterreich-Ungarn, in denen vor» wiegend betont wird, ein Ergebnis wie die Annektion von Bosnien nnd der Herzegowina werde sich nicht ein zweites» mal wiederholen können. Der deutsche Botschafter bringt mit Rücksicht auf die Dalkanlage täglich längere Zeit im Ministerium des Aeußeren zu, wo er mit den maßgebenden Stellen eingehende Besprechungen über die Lage im Orient hat.
Der Plan der Verbündeten.
(Privat-Telegramm.) \
Petersburg, 12. November-
Hier verlautet, daß die Balkanverbün» beten schon vor Beginn des Krieges ihre Gebiete abgegrenzt und sich zur wechselseitigen .Unterstützung geeinigt hätten. Serbien habe zn Gunsten Griechenlands nnd Bulgariens ans einen Zugang zum Adriatischen Meer verzichtet, wofür ihm die beiden Staate» einen Hafen an der Adria zngesichett hätte«. Weiter wird bekannt, die Pforte habe dnrch ihre Botschafter die Großmächte gebeten, Geschwader nach Konstantinopel z« entsenden, «m die Fremden zu schützen.
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Tschataldscha ist erobert!
(Telegramm unfers Korrespondenien.) Sofia, 12. November.
Die bulgarische Hauptarmee hat trotz des in den letzte» Tagen eingetretcuen ungünstigen Wetters mit erstaunlicher Raschheit und Exakl-
tauscht sich bei uns an leitender Stelle ganz gewaltig. wenn man annimmt, in Frankreich sei die Ueberzeugung 6er eigenen UÜberlegenheit noch nicht Allgemeingut der henkenden Kreise getooTfcen. Daß die Ueberzeugung Boden gewinnen konnte, ist zum Teil die Folge des schwankende» Rückgrates unserer lisbebedachtc.n auswärtigen Politik. Für ein Verfahren, wie es ans Psennigfuchserei und Wertschätzung des Reichstages Me verantwortlichen Stellen in Deutschland vertreten zu können glatten, hat man in Frankreich fr in Verständnis und betrachtet es lediglich als
ein Zeichen des Niederganges und der Schwäche. Me Bewertung unseres militärischen Könnens hat heute in Frankreich einen liefert Stand erreicht, 6er über die in der vorjährigen Marokkospannung zutage getretenen Geringschätzung noch weit hiu- ausgeht uNd man ist fest überzeugt, daß schon Frankreich allein dem Deutschen Reiche mehr als gewachsen sei, da dieses seine Ostgrenzen nicht entblößen könne. Die nächst: Folgerung aus dieser Uübcrzeugung ist natürlich, der Gedanke der Notwendigkeit einer wuchtigen, rücksichtslosen französischen Offensive, mit der der Angriff zu beginnen fei und voraussichtlich auch beginnen würde. Des weiteren lebt man in Frankreich aber auch dem festen Glauben, daß das französische Heer dem deutschen ebenso in qualitativer Hinsrcht überlegen fei. Diese Ausfassung stützt sich insbesondere auf die nach französischer Ansicht bessere Schulung der französischen Infanterie, einschließlich der Re- serveformationen, sowie auch die höheren ballistischen Leistungen ihrer Artillerie, wofür man die Gsschshnisse auf der Balkanhalbinsel als Kronzeugen anführt. Die letzten Ereignisse auf der BalkaMalbinsel (so führt der Verfasser weiter ans) haben in Frankreich ein neues, mächtig wirkendes Schlagwort entstehen lassen, dasjenige von der Unterlegenheit der deutschen Kriegslehrer auf 6er türkischen Sette, wobei man jedoch vergißt, daß nicht die theoretischen Kriegslehrer, sondern Me praktische Anwendung durch bett lebendigen Füldherrn das Ausschlaggebende ist. Die Furcht vor dem deutschen Schwert ist in Frankreich radikal dahin ...!
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