Hessische Abendzeitung
Casseler Abendzeitung
2. Jahrgang.
Fernsprecher 951 und 952.
Sonnabend, 9. November 1912
Nummer 286.
Fernsprecher 951 und 952.
Das Balkan-Drama
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Tribut!
Die grosse Besorgnis unter den
war.
sich gönnt, ist «in gutbesetzter Lliw, a$Kr bulgarische L-Von Derroa ...-ückgedrangt. mit ein paar Jmimen Etikette Tschatalvscha- Litr^t jetzt gegen die
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ausbieten. Das war, als um die Mittagsstunde das bekauute viertönige Autosignal vor dem Hause Wilhelmstraße 76/77 schrillte: Als der Kaiser nach langer Zeit wieder einmal im Auswärtigen Amt frühstückte. Wohl um mit dem Staatssekretär Einzelheiten des Besuchs des jetzt in Berlin weilenden italienischen Mi. ntsters der auswärtigen Angelegenheiten zu besprechen; vielleicht auch, um irgend eine grade im Vordergrund des Interesses stehende Frage „an der Quelle" zu erörtern. Es ist „Hoch-Saison" in der internationalen Politik; die Diplomatie arbeitet mit Anspannung aller Kruste, und selbst die schlanken jungen Attaches, die sonst so viel Zeit für den Eispalast, für Theaierloge« und für Reitpromenaden durch den Tiergarten haben, sie sind jetzt sämtlich viel weniger sichtbar und alle noch schlanker und noch blasser geworden: November.Stimmung! Die Kriegszeit fordert ihren
Kabinettskrise und Panik.
(Telegramm unserS Korrespondenten.)' Konstantinopel. 8. November.
Der Führer der Unionisten, Adil, der frühere Minister des Innern, und Senator MuffaS Kriazim find vom Sultan empfangen worden. Aus dieser Tatsache schliesst man aus eine bevorstehende Kabinettskrise. Der Grosswefir batte eine Unterredung mit dem österreichischen Botschafter unmittelbar nach der Konferenz, die die Botschafter mit- einander hatten; Auf Einladung des Ministers des Aeußern fand gestern vormittag auf der Pforte eine Versammlung der Bot- schaster statt, in der der Minister eine allgemeine Darstellung der Lage gab. Später erschien auch der Grosswefir, der stch gleichfalls über die Lage aussprach. Es heisst, dass das entworfene Bild nicht sehr optimistisch
KalfakSj gebracht werden, um die Befestigungen des rechten Flügels der Tschataldscha-Pofitio- nen zu bombardieren. Ein bisher unbestätigtes Gerücht will sogar wissen, dass die,bulgarische Armee den Kamps gegen die Tscha- taldscha-Pofitionen bereits auf der ganzen Linie eröffnet habe. Der Artilleriekampf um Adrianopel wird ununterbrochen fortgesetzt.
Die Griechen vor Saloniki.
(Telegramm unseres Korrespondenten.)
Athen, 8. November-
Die seit Tagen schon erwartete offizielle Meldung von der Einnahme Salonikis durch die Griechen ist bis heute früh immer noch nicht eingetrofsen. Einzig bestätigt ist, dass der Vormarsch mazedonischer Truppen über die Brücke des Flusses Axios seit vorgestern Abend fortgesetzt und gestern abend beendet war. Auster dieser Brücke muß die Armee noch andere über den Echedoros passieren, um dann nur noch wenige Stunden von Saloniki entfernt zu sein. An diesem Punkte wird der letzte Widerstand der Türken erwartet, falls sie sich überhaupt noch dazu entschliesse«. In diesem Falle darf man für heute mit dem Ein zug der griechischen Armee in Saloniki rechnen. Das bei Saloniki konzentrierte griechische Heer besteht aus 60 000 Mann und ist mit sechzehn Feldbatterien ausgerüstet. Eine griechische Division hat die Höhen des Berges Hortatzi besetzt. Andere griechische Truppenteile gingen in der Richtung gegen Pyrgi ab, um Saloniki von dem Karaburnu abzuschneidvn. Der Fall Salonikis ist unabwendbar und nur «och eine Frage von Stunden.
Die «euefte« Depeschen aus Belgrad melden, daß Serbien, Bulgarien, Griechenland und Montenegro ihre Parlamente nach Uesküb einberufen habe«. Von den vier Staaten wird die Gründung einer Balkan.Konföderation beabsichtigt, die nun durch die Volksvertretungen die Sanktion erhalten soll. Die Metropole des zuwnfti. gen Vereinigten BalkaN'Bundes soll, wie verlautet, Uesküb sein.
(Telegramm unsers Korrespondenten.) Rodost», 8. November-
Am Mittwoch abend kam es bei Serci M einem heftigen Zusammenstoss zwischen Bulgaren und Türken, wobei die letzte« türkr- 'jicn Reserven verbraucht und durch fen im.»i onettangriff zurückgewor- 618 in daS --<bte türkische Flügel wurde
Eurpäern dauert fort, trotzdem es bisher zu keiner Ausschreitung gekommen ist. Die Europäer-Kolonien find bereit, auf das erste Anzeichen von Unruhen hin in die Botschaftsgebäude und die im Hasen liegenden Schisse gebracht zu werden. Es wird das Eintreffen eines dritten Schiffes der Mächte erwartet.
November-Stimmungen.
Der Balka«krieg und die Wilhelmstraße.
Unter den Linden in Berlin drängen sich die Passanten um ein Schaufenster. Ein Bild leuchtet daraus hervor: Ein Porträt. Ein goldner Rahmen umsäumt feste Konturen und schwere, leuchtende Farben. Man kennt die blau-stählernen Augen dieses Porträts, diesen gewalttgen, wie mit dem Meißel geformten Kopf; ganz Deutschland kennt ihn, die ganze Welt und die Weltgeschichte: Des Reiches erster Kanzler ist es. F ü r st B i s m a r ck, gemalt von Franz von Lenbach, im Schaufenster der Schulte'schen Kunsthandlung. Und Alle machen sie Halt, die hier die Linden passieren: Die schönen Frauen und die Kavaliere, die Ausländer im weiten Ulster, die bunt bemütz- ten Studenten und die Messenger Boys. Drüben auf der andern Seite der Linden ein andres Bild. Der, den es darstellt, hat auch viel zu sagen in diesen Tagen, da wieder die hohe und höchste Politik alle Nerven spannt. Aus dem Laden eines Hofmalers grüßt dies andre Porträt die Flanierenden: Ein Mann im prunkvollen Staatskleid, mit Orden und Sternen besät. Auch seine Augen funkeln blau, aber das Stählerne fehlt. Und der Kopf verschwimmt ins Weiche. Die Farben leuchten nicht. Er ist etwas physiognomielos, dieser Farben-Komplex. Und darum kümmert sich auch keiner, nicht einer der Passanten um dieses Bild. Obwohl mit großen, schweren Lettern der Name Dessen darunter zu lesen ist, den hier der Hofmaler auf die Pallette bannte: „Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Exzellenz Alfred von Ktderlen-Waech- ter" ...! Niemand, niemand umdrängt dieses Schaufenster. Der Strom rauscht daran vorbei und bricht stch höchstens an den schreienden Kinoplakaten und Kabarettkarikaturen, die es umgrenzen.
Wilhelmstraße 76 und 77.
Auch in der Reichshauptstadt arbeitet in diesen Tagen die diplomatische Maschinerie, arbeiten die Diplomaten hastiger als sonst, ohne daß das Weltstadtleben Augen dafür hätte. So wenig wie den Berliner jetzt das Bild des Mannes interesstert, der die Meinung des Reichs in die Wagschalen der politischen Ge- genwartskämpfe zu werfen hat, so wenig be- mertt er etwas von dem regen diplomti- schen Betrieb dieser stürmischen Wochen, dessen Spuren dem Aufmerksamen nicht entgehen können. Man braucht nur von den Linden in die Wilhelmstraße einzubiegen, und schon gibt es mancherlei Interessantes zu sehen. Trotzdem die Wilhelmstraße vielleicht eine der ruhigsten Straßen Berlins ist. Die Gesandtschaften und Reichsämter, die hier residieren, arbeiten in der Regel hinter verschlossenen Portalen. An den Fenstern wehren dichte Gardinen neugierige Blicke, und es sieht immer aus, als ob die Herrschaften auf Reisen wären. Wilhelmstraße 76 und 77 herbergt das Auswärtige Amt. In ruhigem Zeiten ist es bis in die Mittagstunde hinein in süßem Dornröschenschlaf versunken: Die Herren Ge- Heimräte haben es nie so eilig, der Morgenstunde in den goldnen Mund zu sehen. Einen von ihnen, von dem man weiß, daß er sich nur schwer von seinem Frühstückstisch im Berliner Westen trennen kann, und der in der Regel erst gegen ein Uhr im Amt erscheint, haben die jungen Assessoren witzig nach einer auch erst Mittags in Berlin erscheinenden Zeitung die „B. Z." getauft. Heut freilich ist's anders: Das rennt, jagt und hastet tagaus, taget«, chiffriert und dechiffriert, sendet und empfängt Telegramme in riesiger Häufung, und man merkt an allem: Das Räderwerk der hohen Politik steht unter Volldampf aller Energien.
Alfred von Kiderlen-Waechter.
Das Allerlheiligste deutscher AuSlarrd-Politik kst schlich und einfach, ohne jeden Schmuck, ohne allen Komfort. Es gibt da Zimmer und Emp. sangkabinette, die in ihrer Ausstattung hinter jedem nüchternsten Fabrikkontor zurückstehen. Das Meublement stammt vielfach noch aus der Bismarckschen. Zeit und ist inzwischen kaum weniger verschlissen und alt geworden. Aber Herr von K id erlen, der jetzt die Räume des
Das Schicksal der Türkei ist^ ent« schi eben; mögen auch die Türken sich noch vor den Toren Konstantinopels zu neuen Waffentaten auf raffen: Die schweren Niederlagen, die der Krieg ihnen gebracht, werden sie nicht ungeschehen machen können, und es kann heute kein Zweifel darüber mehr bestehen, daß die Türkei gezwungen sein wird, einen Friedens- schluß einzugehen, der ihre Macht in Europa vernichtet, lieber die Möglichkeiten „ einer schweren Demütigung bewahren zu können, lieber die Möglichkeiten und Aussichten einer Fr iedens v ermittlun g der Mächte erhalte« wir folgende Draht-Meldungen:
Berlin. 8. November-
Der Ualienischs Minister des Aeußern, Marchese di Sa» Giuliano, erhielt gestern nachmittag in der hiesige« italienischen Botschaft de« Besuch des Staatssekretärs von Kiderlem-Waech- ter. Die Unterredung der beiden Staatsmänner dauerte über eineStumde.
Paris, 8. November
Im Ministerium des Aeußeren machte sich gestern eine ruhigere Auffas s « n g der Lage geltend. Die englische und die russische Regierung haben bereits ihre Bereitwilligkeit zur Friedensvermittlung angezeigt. Die Einladung an die Balkanstaaten dürste nunmehr sofort erfolgen.
Petersburg, 8. November.
Die hiesigem diplomatischen Vertreter der Balkanstaaten erklärten dem Minister des Aeußeren, laut den Instruktionen ihrer Regierungen ständen diese auf dem Standpunkt, daß der jetzige Moment für einen Friedens, schlrrtz mit der Türkei noch verfrüht und jede Vermittlung nutzlos sei.
Ein weiteres Privat - Telegramm meldet uns aus Petersburg: Aus offizieller Quelle wird mitgeteilt, der Meinungsaustausch unter den Großmächte« habe das Resultat ergeben, daß die Türkei vorläufig keine befriedigende Antwort auf ihr Vermittelungsgesuch erhalten könne, denn die Großmächte seien bann einig, daß die Türkei zur Erlangung eines Waffenstillstandes feste Garantien dafür beschaffe« müßte, daß sie ihre Armee nicht durch kleinasiatische Truppen verstärken werde.
Die letzten Kämpfe.
(Telegramm unsers Korrespondenten.)
Sofia, 8. November.
Die bulgarische Flagge weht seit der Besetzung von Rodosto am Marmarameer. Die gesamte bulgarische Kavallerie ist in der Richtung nach der Tschataldscha-Linie über Kerkesköj bis Kursalu vorgedrungen und unter unaufhörliche« Rückzugsgefechten der türkischen Divisionen rücken zwei bulgarische Armeekorps in dem Raume Tschorlu-Berai gegen die Tschataldscha-Linie nach, die sie viel, leicht schon morgen erreichen werden. Die e r - bitterten Kämpfe, die in de« erste« Ta. gen dieser Woche vo« der türkischen Rachhut in der Stärke von mehrere« Divisionen unter Na. zim Pascha bei Tfchorlu geliefert wurden, ha. den den bulgarischen Vorstoss aufgehalten und eine neuerliche Umgehung der Iau.it ein Armeekorps starke« feindlichen Truppe notwendig gemacht, wobei Nazim Pascha noch eine« letzten verzweifelten Borstotz gegen das bulgarische Zentrum machte, der aber nicht ge. lang. Es gab auf beiden Seiten große Verluste an Toten und Ber. mundeten. Die türkische« Divisionen wur. den zum grössten Teil vernichtet.
Am Vorabend der Schlacht.
Sie Wiesbadener Splelllub-AffSre.
Die Aufhebung eines Spielklubs iti Wiesbaden (über die wir seinerzeit berich« tet haben) hatte gestern vor dem Berliner Landgericht III ein gerichtliches Nachspiel. Der Spielklub in Wiesbaden sollte seine Spielabende während der Rennsaison nach Bade «- Baden verlegt und dort in einer vornehme« Villa abgehalten habe«. Tatsächlich eriftiem in der diesjährigen Saison in Baden-Baden ei« Travel! er sklub, der an jedem Abend eine große Anzahl von Deutschen und Ausländern am Spieltisch vereinte. Zn den Besucher« dieses Klubs gehörte unter ander« auch eine B akonin von Furukjelm aus Paris und ein Herr Ullman« ans Berlin. Ullman«, der größere Summen verloren hatte, kam auf den Verdacht, daß er Falschspielern in die Hände gefallen war und hielt sich durch die Baronin ffi$ betroae«. Er forderte von der
bewohnt, ist ja ein Mann, ber auf aiiB«re TJt^A;;;niation soviel Wert nicht legt. L-o viele Gea v. haben mag: Daß er eine Natur emsigster.
Keiner bestreite«. Er tritt feli<?iKc » wird heraus. Er kommt in kein Theater, M ^mt Konzert, er sitzt immer hinter seinen Men um- Telegrammen. Die einzige Erh^uuL u « sich llönnt, ist tl®,__' (T,Aber
Russische Soldaten am Balkan?
(Telegramm unsers Korrespondenten.)
Bukarest, 8. November-
Aus Braila wird hierher berichtet, dass wieder ein russisches Schiss Braila passierte, das mehrere Hundert bulgarisch e F r e i w i l l i g e für die verbündete« Bal- kanhcere an Bord hatte, die nichts anderes als russische aktive Soldaten mit ihren Offizieren fei« solle«. Seit vierzehn Tage« ist es bereits das fünfunddreitzigste grosse Schiff mit solchen Freiwillige«, das Braila passiert hat. Aus Rustschuck wird gemeldet, datz gestern ein russischer Dampfer ein Frachtschiff zurück- lietz, dessen Ladung als marinierte Fische deklariert war, während die Finanzverwallung durch die nachträgliche Untersuchung einiger loser Fässer fcststellte, datz unter der obere« Schicht von Fischen kleine Fässer verborgen worden waren, die Patronen enthielten. Die Ladung wurde daraufhin vorläufig beschlagnahmt. Tas rumänische Kriegsschiff „Elisabeth" hat gestern Befehl erhalten, zum Schutze der rumänischen Staatsangehörige« nach Konstantinopel abzudampfen. Ferner wird bekannt, datz Rumänien in drei österreichischen mtd deutschen Fabriken fünfzig Milli,nen Patronen beftettt hat.
Sie Spione von Karlsruhe.
Westermann, Grether, Stieffvater.
Die Spionage-Prozesse nehme« kein Ende: Gestern hatte sich das Retchsge. r ich i in Leipzig abermals mit einer Spionage- Affäre zu beschäftigen, deren Schauplatz Karls« ruhe gewesen ist. Es handelt stch zwar nicht um ein Verbrechen wirklicher Spione, sondern offenbar um eine Tat der Unerfahrenheit und des Leichtsinns., deren Folgen für die Beteiligte« allerdings recht verhängnisvoll geworden sind, den« das Reichsgericht hat gegen die Angeklagten auf schwere Zuchthausstrafe« erkannt. Wir erhalten über die Verhandlung folgenden Bericht:
Im Dienste Frankreichs!
(Prtvat-Telegramm.)
Leipzig, 8. November.
Die bereinigten zweiten und dritten Strafsenate des Reichsgerichts verhandelte« gestern gegen di« beiden Stadttagelöhner We. ftermann und Grether aus Karlsrnhe und den Effenhobler Leon Stieffvater, der sich zuletzt in Belsott aufgehalten hatte, wegen versuchter Spionage im Dienste Frankreichs. Westerman« und Grether haben in der deutsche« Armee gedient, Stieff. Vater, dessen Ba-ter Franzose war, hat sich in Basel naturalisiere« lasse«. Der Eröffnungs- beschluß legt den Angeklagten solgendes zur Last: Westerman« habe versucht, sich in de« Besitz eines Karabiners nebst der dazugehörige« Munitton zu bringen. In Gemeinschaft mit Grether und Stieffvater soll er ferner in Karls, ruhe und Durlach unternommen haben, Schriften und Zeichnungen, die geheim zu hatten waren, zu erlangen, und schließlich soll Stieffvater allein in Mülhausen ebenfalls solche geheimzuhaltende Gegenstände in seinen Besitz zu bringen versucht haben, um dies alles dem französische« Nach, richtenbnreau zugängig zu machen, mit dem die Angeklagten sich bereits in Verbindung gesetzt hatten. Ihr Unternehmen ist tl; -n allerdings nicht geglückt, da die Behörde Kenntnis von ihrem Treiben bekam und sie verhafte« ließ. Nachdem der Eröffnungsbefchluß zur Verlesung gebracht, beantragte der Reichsanwalt Ausschluß der Oesfentlichkei t für die ganze Dauer der Verhandlung. Der Gerichtshof schloß daraufhin die Oeffentlichlcit bis zur Verkündung des Urteils. Das Urteil gegen die Angeklagte« wurde in den späten Abendstunden gesprochen. Es lautete folgendermaßen: Westrvmann und Grether werde« wegen Verrats militärischer Geheimnisse zu je drei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt, Stieff. vater zu zwei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust.