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Caffeler Abendzeitung

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' Hessische Abendzeitung

Dienstag, 5. November 1912

Nummer 282

Fernsprecher 951 und 952.

Fernsprecher 951 und 952.

2. Jahrgang.

Panik in. Konstantinopel. I Zehntausend« hungernd und obdachlos; die Soldaten als Räuber und Mörder; Kon­stantinopel am Vorabend der Revolution.

Was wir am Sonnabend in uniferm Leitar­tikel: »Das Ende der Türkei« ambcuteten, ist schneller als zu befürchten stand, Wirklichkeit geworden: Die Nachwirkungen -des unglückli­chen Balkankriegs, der die Türkei gänz­lich des militärischen Prestiges beraubt hat, äußern sich in Konstantinopel, der Hauptstadt des Reiches, in einer besorgniswek- kenden Erregung der Bevölkerung, in der Entfesselung aller schlimmen Instinkte und im Anschwellen der revolutionären Stim­mung, deren Anzeichen bereits seit zwei Wo­chen deutlich erkennbar sind. Es kann heute kei­nem Zweifel mehr unterliegen, daß die revo­lutionär« Gefahr in der Türkei selbst fast noch größer ist als di« der Niederlage im Bal- kankrieg und die letzten aus Konstantinopel vorliegenden Meldungen zeigen deuMch, daß mit dem Schlimmsten gerechnet werden muß. Der Krieg bat die ohnehin bestehende innere Zerrissenheit der Türkei bis zum voll­ständigen Schwinden aller Achtung vor Auto­rität. Gesetz und Regierung vertieft, und in Verbindung mit der Panik, die die andauern­den Niederlagen der türkischen Truppen her- ausbeschworen. ergibt sich sine Situation, die die schwersten Gefahren birgt, Gefah­ren, die für das fernere Schicksal der Türkei möglicherweise verhängnisvoller werden kön­nen, als der Unglückskrieg gegen den Balkan- Dieibund.

DerKriegvormEnde?

ein Telegramm unseres Korrespondenten meldet nns ans Kon­stantinopel; Es bestätigt sich, daß die Türkei die Mächte nm ihre Vermittlung zur Anbahnung vonFriedens-Verhandlnngen mit den Balkanstaaten und zur Einstellung der Feindseligkeiten an- gerufen hat. Man hält hier das Ende de« Krieges für nahe be­vorstehend, da die türkische Heeresleitnng alle Hoffnung aufge- geben hat, die erlittenen Niederlagen noch wieder wettmachen zn können. Die Stimmung in der Hanptstadt ist außerordentlich erregt.

Die Türkei gibt sich verloren: Das ist die seit Tagen erwartete und nun in ihrer lakonischen Kürze dennoch überraschende neueste Meldung aus Konstantinopel! Die schweren Niederlagen der türkischen Heere, die selbst durch die Siegesmärchen der türkischen Kriegs­chronisten auf die Dauer nicht beschönigt wer­den konnten, haben der Türkei den baldigen Friedensschluß als einzige Rettungs­möglichkeit gelassen und es scheint, daß man in Konstantinopel entschlossen ist, durch Ver­mittlung der Großmächte tunlichst bald das Ende deS unglücklich verlaufenen Krieges her­beizuführen. Wie dieser Entschluß der Hohen Pforte auf die ohnehin aufs stärkste erregte Volks st immung in Konstantinopel und im türkischen Reich einwirken wird, bleibt ab- zujwarten.

Deutsche Kreuzer für Saloniki!

(Telegraphische Meldungen.)

Berlin, 4. November.

doboote und Unterseeboote gingen in dieser Nacht mit versiegelter Segelorder ab. Die auf Urlaub befindliche Mannschaft ist telegraphisch zurückberufen worden. Auch aus Chatam wird oemeldet, daß alle Offiziere und Mannschaften bet dort stationinerten Kriegsschiffe gleiche Order erhalten haben. Die sie benfeTorpedoflotfiille, bestehend aus zwanzig Einheiten, sowie die Untersee­boot e haben Befehl erhalten, sich zur Aus­fahrt bereit zu halten. Man glaubt zu wis­sen, daß alle diese Schiffe in Kürz« nach der Levante auölauken werden. Endlich be. sagt eine Depesch« aus Plymouth, daß daS Ge­schwader auf der Reede von Devenvort in der Sonntag Nacht Kohlen und Munition einge­nommen hat und heute früh nach dem Mit telländischen Meer und der Levante in See nebnmpft ist. Seitens der Admirali­tät werden alle Gerüchte übet eine Teilmobili-

Fanatismus, Erbitterung, Verbreche«. (Privat-Telegtamm.1

Lonstanza, 4. November.

AuS Konstantinopel sind hier De­peschen eingegangen, die der Zensur entgingen und aus Umwegen eingeschmuggelt wurden. Dl« in diesen Telegrammen geschilderten Zu­stände lassen, wenn die Tatsachen wahr sind, da« Schlimmste für die türkisch« Hauptstadt vermuten, wenn das geschlagene und demorali. fierte Heer nach dem Bosporus zurückfluten wird. Die Regierung tut zwar ihr Möglichstes, um der Katastrophe vorzubeugen, aber man ist in Konstantinopel allgemein der Ansicht, daß sie ihr kaum noch gewachsen sein wird. Schon jetzt schwärmen Kurden, Baschidosuks und anderes zweifelhaftes Gesindel massenhaft über Stinnbnl herein, Tausende von Flüchtlingen tteibe« sich mittellos, hun­gernd in den Straßen umher mW zu Weichet Zett ergießt sich ein Strom von Landbewoh. item über die Stadt, die aus den Dörfern am Bosporus fliehen, weil sie Mord nnd Raub von den eigenen Soldaten fürchten. Dir Stadtbewohner haben ihre Fensterläden geschloffen und ihre Türen ver­barrikadiert. Die Kunde von bett ver­heerenden Niederlagen hat die Mohammedaner auf das Höchste gegen die Europäer ge. reizt, viele Christen wagen es nicht mehr, ihre Häuser zu verlassen. ES heißt, daß fünf; zehntausend Mann von bat bet Kirk-KUiffe ge. schlagenen Truppen sich morbenb unb plündernd der Hauptstadt nähern.

DaS Massaker vom Saloniki.

Weitere in Constanza eingegangene De­peschen enthalten Andeutungen von einem Massakre in Saloniki, dem viele Hunderte von Juden zum Opfer gefal­len fein fallen. Tie Mobammebaner waren wütend über die von bat Schlachtfelbern kom­mende Kunde, baß es stets bie Juden und die Christen waren, die zuerst bie Flinte ins Korn warfen, worauf bann bas übrige Heer von bet Panik angesteckt würbe. Diese Wut führte vor einigen Tagen zu einem Massakre von In- den, über bas felbft in Konstantinopel noch we- nig bekannt zu fein fdjehti Englische ZeitungS- Korrespondenten teilen mit, daß unter den Opfern auch verschiedene Mitglieder der Salo- nikier Freimaurerloge gewesen wären, bie ein starker Faktor in bet Umsturzbewegung waren. Dieselben Korrefponbenten berichten, baß Stambul schon jetzt häufig von plün- vernden Reservisten, bie außerhalb der Stadt lagern, heimgesucht werde. Auch von Tschorlu sind zweitausend Mann meutern­der Truppen eingettoffen, bie sich weiger­ten, nach bet Front zu marschieren, wett man ihnen nichts zu essen gebe TaS Schlimmste fei, baß her Transportdienst bet Armee gänzlich vertagt habe. Offiziere betteln die Lokomotivführer um Brot an, wett sie schon seit Tagen keinen Bissen genoffat haben.

Am Vornbend der Katastrophe V

Depeschen vom Kriegsschauplatz, bie in Con­stanza eingingen, mekben, bie Rot im tür­kis chen Heer sei deratt groß, baß hungernbe Soldaten ihren Vorgesetzten bas Bajonett auf bie Brust gefetzt haben, um sie zu zw innen. ihnen zu essen tu «eben. General

Wie das Wolsssche Bureau erfährt, erhielte« die zurzeit sich im Mittelmeer befindliche« drei Krevzer »Hertha«, Vineta" «nd »Geher" de« Befehl, fich zum Schutz von Lebe« «nd Eigen­tum der Deutschen in die türkischen Gewässer zu begebe». Außerdem ift die Entsendung zweier weiterer Kreuzer aus «UI beabsichtigt.

Kiel, 4. November.

Der Panzeakre«, erGoebe«"«ud der kleine KreuzetBreSlau", die gegenwärtig mit llebernahme von Provi­ant und Munition beschäftigt find, werden (wie verlautet) bereit gemacht, um biuue« vierundzwanzig Stun­de« in See zu gehen. Auch diese bet- de« Kre«zer haben Fahrtordre «ach »en türkischen Gewässern erhalten.

Daß die Verwicklungen am Balkan mit der Beendigung des gegenwärtigen Krieges übri. gens noch nicht restlos behoben fwn werden, beweist folgende, aus Petersburg uns zu- gehende Privat-Meldung: In hiesigen unterrichteten politischen Kreisen wirb von neuem ernsthaft mit der Möglichkeit einer russischen Kr-iegserklärung gerechnet. ES verlautet, di« Pforte habe Nach­richt von gewissen Vorbereitungen Rußlands erhalten. Ferner wird versichert, der russische Botschafter werde in den ersten Tagen der nächsten Woche bereits Konstantinopel verkafsen, und es sei mit der Wahrscheiii- lichkeii ernster Komplikationen in der Balkanfrage zu rechnen.

Konstantinopel in Furcht!

(Privat-Telegramm.) Konstantinopel, 4. November- Die Situation in der ttirftschen Hauptstadt ist sehr ernst und gefahrdrohend geworden. DaS läßt fich schon daraus erkennen, daß bie Ortschaften übet Schutzmastrcgeln berate« unb baß eine Reihe ftembet Kriegsschiffe in der Nähe bet Dardanellen liegen Di« in btt Türkei lebenden Griechen haben die größte Furcht. So würben in ben letzten Tagen bte Läden bet Waffenhändler nachgerabe gestürmt unb eine wahre Hausse herrscht in BtowningS. Man geht rbenbs nur auf bie Straße, wenn man bazu gezwungen ist, trotz bet vielen von bet Be- höwe bereits getroffenen Botsichtsmaßoegeln. Man befürchtet, daß die gesamte Armee hier, her zurückfluten und plündernd und mordend die Stadt durchziehe« werde. Seit gestern find wieder mehrere tausiend Verwundete hier eingei rossen. Fünfhun- bett Mann würbe« auf dem nackten Bode« in einer Kaserne niebergelcgt, wo fit ohne Arzt, ohne Brot, ja ohne Wasser liegen blieben, Schließlich konnte für biefe fünfhundert Mann ein Arzt aufgetviebrn werden. Tiefer weinte vor Empörung, als er von stinrm Befuche dort erzählte.

Englands Flotte unter-Dampf!

(Privat-Telegramm.)

Portsmouth, 4. November- Teil drei Tagen herrscht im hiesigen Arse- nal «ine außergewöhnlich lebhafte Tätigkeit, Die oberen Beamten des Arsenals sind telegra- vhisch auf ihi^ Poften berufen werbe«. Torve.

fiernng bet englischen Flotte zwat beme«° fiert, buch betrachtet man bieses Dementi le- diglich als Beruhigungsversuch. ba tatsäch­lich bie Mobilisierung eines Teils ba: Nette etfoIgt ift.

Merzigtausend Tote?

(Privat-Telegramm.)

Konstantinopel, 4. November.

Verläßliche Informationen von bet Regie rung nahestehenden Kreisen bestätigen, daß die Schlacht bei Lüle-ButgaS sich zu einem furchtbaren Schlag für bie Türkei ge­staltet hat. Die Bulgaren, in beten Reihen zahlreiche siebzehnjährige Rekruten waren, griffen mit großem Ungestüm an, so- baß fich bie Türken nach schweren Verlusten (man spricht von vierzigtausenb Sa- f en unb Berwunbetenbei einer Gesamt- stärke von neunzigfausaw Mann ans türfischer Seife) znrückziehe« mußten. Auch bte Verluste ba Bulgaren sollen sehr groß sein. Wie verlautet, ist baS fürfifch« Hauptquartter bereits nach Habanköj valegt worben. Da Rückzug ba Türken auf bie Tfchafalbfcha-Linie ist bie Folge beS außerordentlich mörberifchtn Kampfes füblich von Lüle-BurgaS. Di« türki­schen Truppen leisteten heldenmütigen Wibet- stand und machten die größten Anstrengungen, fich wieder zu ordne«, um ihre Haupfffabf zu retten, doch artete bet Rückzug schließlich ht Milbe Flucht aus, unb bie Bulgaren, bie bie Verfolgung bet Fliehenden mit großer Energie aufnahmen, machten viele Taufend z« Gefangenen. Heute wirb fürkifcherfeitS amtlich bestätigt, baß bie Armee fich genötigt gesehen habe, sich auf bie Tschaltabscha- Llnie zurückzuziehen. Auch R o b o st o Ist von den Türken geräumt worben.

Reue Balkan-Gefahre»!

(Telegramm unsers Korrespondenten.)

Paris, 4. November.

Ein einer hiesigen Botschaft angeh-renber Diplomat äußerte sich über bie gegenwärtige Sage wie folgt: Die Lage fei sehr ernst, ba man befürchte, baß bie Battanstaaten übertriebene Fotbetungen stellen würben. AnbeterfeifS bringe bie Haltung Oesterreichs Sorge. Man erwarte von bet heute in Budapest zufammenftefenben Delegation Aufklärung. E n g l a it b lasse durchblicken, baß es fernerhin kein Interesse mehr baratt habe, ein Verbtängen bet Türkei aus Europa zu ver­hindern. Unter biefen Umständen werbe Oester­reich mit ben Balkanstaatrn, besonders mit Serbien, sich selbst verständigen. Diesbezüg­liche Schritte seien auch bereits von andern Großmächten unternommen worben. Die letzten Nachrichten, bie auS Konstantinopel hierher ge­langten, melben, baß die beiden Kriegführenden die Idee einer europäischen Interven­tion, ober auch nur einer Vermittlung, zn- Sw eisen, unb aus Pttcrsburg wirb be­richtet, baß bie Vertreter bet Balkanstaaten ben russischen Minister bes Aeußern, Ssasanow, in­formiert hätten, sie würben jede Intervention bet Mächte ab lehnen. Unter biefett Um- stäuben erscheint es seht s t a g l i ch, ob es ben vereinten Bemühungen bet Mächte gelingen wirb, ben Battanktieg durch eine Intervention in beenden.

Mukhfa Pascha hat eine große Zahl von Sol­daten, bie bet Hunger widerspenstig gemacht hat, unb bie nicht in bie Front wollten, mit eigener Hand erschossen. Eine sütch- tetliche Katastrophe steht bevor, wenn biefe ausgehungerten, demoralisierten, fanati­schen ober halb wahnsinnigen Hunberftausenbe, vor ben siegreichen Bulgaren fliehenb, bie Hanptstadt erreichen werben. Die Lage bet bärtigen Europäer Ist autzerorbenflich g e - fahrvoll, ihre einzige Rettung scheint baS rechtzeitige Erscheinen einer genügenben An­zahl von Kriegsschiffen bet Mächte zu fein. Die Boffchaffet tmb Gefanbfcn bet Mächte haben angesichts bet brohenben Gefahr beschlossen, bei ihren Regierungen Schritte zu unternehmen, bamit nötigenfalls Maßnahmen zum Schutze bet Ftembenkolonien getroffen werben. Daß biefer Schutz bringenb erforbetllch ist, haben bie Vorgänge bet letzten Tage beuflich bewiefen. Seif Jahrzehnten sinb bie Fremben in Konstantinopel nicht von einer so großen Gefahr bebtohf gewesen, als getabe jetzt.

Katastrophen der Sonntags.

Ein Warenhausbrand in Bonbon; zahl­reiche Verkäuferinnen tot und verletzt!

Gestern in den ersten Morgenstunden hat sich in London eine schreckliche Brand-Ku« tastrophe ereignet: In dem großen Waren. Äzin von John Barker in Kensington nd Feuer, dessen man erst nach fünf Stun. den Herr werden konnte. In dem Magazin haben zahlreiche Angestellte ihre Schlafräume. Wie jetzt festgeftellt wurde, haben zahlreiche weibliche Angestellte, die ans den Fenstern ge. siprungen waren, den Tod gefunden, elf Per« sonen wurden schwer verletzt, darunter «in Feuerwehrmann. Mr erhalten übet die Ka- thasirophe folgenden Bericht:

Großfeuer im Warenhaus.

(Privat-Telegramm.)

London, 4. November.

In der Nach« zum Sonntag zerstört« «in« Feuersbrunst einen Teil des groß«« Waren. Hauses von John Barker in Kensington im Londoner Westen, wobei eine Anzahl jnn. ger Mädchen, die In dem Geschäft angeftellf waren, auf entsetzliche Weif« nmr Leben kamen. Die Verkäuferinnen Miefen im sechsten Stockwerk. DaS Feuer btach gegen zwei Uhr morgen- in der Küche der Be. dienung auS und muß sich mit rasender Schnel­ligkeit ausgebreitet haben. MS di« Feuerwehr eintraf, schlugen di« Flammen bereits aus allen Fenstern, und die eifernen Fensterleitern waren schon unbenutzbar. Di« Mädchen rann­ten, verzweifelnd schreiend, in ihren Nachtge. wändern auf dem brennenden Dache umher. Herzzerreißende Szenen fpislten sich ab. Die Feuerwehr bemüht« sich vergebens, di« Mäd. chen zu erreichen. Ein Feuerwehrmann erlitt hierbei

lebensgefährliche Brandwunden.

Schließlich mußten di« Mädchen den T o d e 9, fbrung in die Tiefe wagen, wo Feuer- wehrleut« Netze ausgeistunmt hatten. Hierbei verfehlten drei Mädchen die Netze und fielen sechzig Fuß tief auf daS Pflaster nieder. Alle drei starben bald darauf im Krankenhaus an ihren entsetzlichen Verletzun­gen. Elf andere Mädchen liegen lebenSgefälhr. lich verletzt darnieder. ES stecht auch fest, daß noch eine größer« Anzahl Mädchen v«r. brannten. Vier verkohlte Leichen wurde« bereits gefunden. Die Zahl -der, Vermißten be. trägt dreizehn. Das Gebäude brannte zum Teil vollständig nieder; erst nach Tagesanbruch wurde man der Feuersbrunst Herr. Die ge­naue Zahl der Opfer steht noch nicht f«ft, da mehrere Verkäuferinnen, die im sechsten Stock­werk des Gebäudes fchliefen, noch vermißt werden. Wahrscheinlich sind sie ebenfalls um. gekommen.

Straßevbahn-UnglSck in Posen.

(Privat-Trlegramm.)

Posen, 4. November-

Ein Anhängcwaacn eines elektrische« Straßenbahnzuges. bet wegen schiech, fett Funktionierens einet Bremse aufiet Betrieb gesetzt werben sollte, entriß fich gestern votmft« tag um halb elf Uhr beim Loskuppel« an einet abschüssigen Stelle bet Berliner Straße ben Händen bet Haltenden unb alift nur mit einem Schaffner besetzt, immer schneller unb schnelle« bie Berliner und bie Neue Straße hinab, bis et auf bem Alten Markt aus dem Gleise sprang «nb in ein großes Sckanfenftet hineinrafte, bas vollstänbig zetttümmett wurde. Ter Vorderperron bes Waaens wurde schwer beschädigt und mehrere Personen