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Wseler Neueste Nachrichten

Caffeler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 278.

Fernsprecher 951 «nd 952.

Donnerstag, 31. Oktober 1912.

Fernsprecher 951 und 952.

2. Jahrgang.

X ..... .....

Sie deutsche NationaMhne.

Das Kunsttnekka auf dem Pfingstberg.

Am ftebenundzwanzi-gsten Oktober trat in Berlin im Lessing-Museum das vorberei- jende Komitee für die Verwirklichung des Pro­jekts der Deutschen Nationalbühne (oder, wie es offiziell heißt: Das Allgemeine Deutsche Komitee zur Schaffung der Deutschen Kationalbühne) zu «einer ersten Beratung zu­sammen, die gleichzeitig als konstituierende Versammlung gedacht war, und damit ist ein Plan der WiEchkeit näher gerückt worden, der über ein Menschenalter hindurch unsre größten und deften Geister beschäftigt Hat, ohne indessen bisher di« Hand gefunden zu Haden, die die her Verwirklichung entgegenstehenden Schwie- figDeiten zu bewältigen vermocht hätte. Woran bas lag? Wer weiß es? Werke, deren Inhalt nickt das Bedürfnis eines Alltags zu er. schöpfen vermag, pflegen nicht zwischen Morgen «Nd Abend der Vollendung entgegenzureifen, und vermutlich wird uns auch die nächste Zu. kunft n o ch n i ch t das Idealbild der Deutschen Rationalbühne in stolzer Wirklichkeit vor's Auge führen: Der Gedanke aber besteht; er hat Anklang und Widerhall gefunden, hat in den Besten unter den Bannerträgern unsrer geistigen und künstlerischen Kultur gezündet und di« jahrzehn1«alt« Sehnsucht nach einer wür­digen Zentral« deutscher Kunst in alter Kraft aufleben lassen. Und wäre dies der einzige Gewinn und der alleinige Effekt -der gan­zen Bewegung: Die Berechtigung der Idee und der Wertgehalt des Gedankens würden damit erwiesen fein!

Man hatte den Plan, der zum ersten Mal vor nun dreißig Fahren die Kühn ^Strebenden begeisterte, in der Hast der Entwicklung unsres kLnfSerffchen Lebens fast vergesten, sich mit dem Gedanken abgesurtden, daß di« deuffche Kunst z totb das deutsche Künstlertum für Giganien- pläne in diesen Ri-esenmafsen noch .nicht reift seien und di« Sehnsucht nach demMekka na­tionaler Kunst" still begraben. Vom Fulda, strand her erhielt dann die Bewegung neuen Anstoß: Der Caffeler Schriftsteller Louis Wolff rief als Prediger der Na. tionalbühne-Tat die deutsche Kunst zur Er. mannun-g auf, und da er nicht nur «in be­geisterter Anhänger der von ihm als National­pflicht erkannten Schöpfung-Idee, sondern auch ein guter Lokalpatriot fft, so erachtete er sich als verpflichte^ der zu schaffenden Natio- nalibühue auch gleich die Heimstatt Wzuweisen: Cassel, die Restdenzstadt im alten Heffen- land! Herr Louis Wolff hatte den schönen und verdienstlichen Ehrgeiz, seiner Vaterstadt Cas. sel dasMekka der deutschen Kunst* sichern W wollen, und «S fft recht uudanWar von Chas- eala, daß es den ihm winkenden Ruhm schnöde von sich gewiesen hat. Herr Wolff tat darauf­hin, was di« Rache zu tun gebot: Er berief di« konstituierende Versammlung d«S Allgemeinen Deutschen Komitees, die ursprünglich in der Stadt an der Fulda stattftnden sollte, vom Hessenland zurück und dirigierte st« nach Ber­lin, Lessing - Museum, Berlin C 2, Brüder- Sraße 13, Nikolai-Haus!

Mau muß sagen: Dir Enttäuschung war herb, aber sie braucht darum noch kein böses Omen zu sein, denn was in Cassel zwischen Abmd und Morgm geschieht, kann zur Not auch in Berlin Wirklichkeit werden. Herr Wolf ist gekränkt, daß die Ratsmärmer der Fuldastadt es abgelehnt haben, die in Cassel erwartete» Herren des Allgemeinen Deutschen Komitees offiziell zu begrüßen und ihnen im traulichen Dämmer-Jdhll der Ratstrinkstube ein kleines odassaia-Frühstück zu servieren. Warum? Die Nationalbühne hat mit den Casseler Stadt­vätern, wenn sie sich nicht grade persönlich für dasMekka der dmffchen Kunst' begeistern, nicht das mindeste zu tun, und Herr Louis Wolff sollte eigentlich seinem Genius dankbar fein, daß er die Heerscharm des Geistes und der Kunst vomDämon der Ratstrinkstube" ferngehaltm. Aber wie gesagt: DaS Allge. meine Tmische Komitee ist nach Berlin ins Nikolai-Haus beordert worden! Schließlich ists ja gleichgültig, wo das Komitee sich zum Werke niedergelaffm; hat es nützliche Arbeit ge­leistet, dann soll uns der verweigette Trinl- stuben-Gruß der Ratsherren von Caffel nicht weiter kränken! Männer wie Alsred Kayser, Rudolf St ratz, Maximilian Harden und sichre Prominente habeU sich vorbehaltlos als überzeugte Freunde der Nationalbühne-Jde: bekannt und Maximilian Harden fand sogar dm (ursprünglichen) Wan, das Kunst-MeKa ins Hessenland zu verpflanzen, entzückend. Möglich, daß der Idealismus auch hier die

Realitäten allzuleicht überhWft, aber schließlich handelt's sich bei der Nationalbühne ja nicht um ein Grünwaren- oder Aufschnitt-Geschäft, andern um di« Verwiklichung einer Idee, die ihrem ureigensten Wesen nach idealistisch ist.

Daß die Verwirklichung möglich, wird von Denen, di« «s angeht, nicht bezweifelt. Eine vor einiger Zett von denCaffeler Neuesten Nachrichten" veranstaltete Rundfrage bei den namhaftesten Vertretern des deutschen Geistes- und Kunstlebens ergab, daß im Prinzip die Befragten fast ausnahmslos den Plan bil­ligten und von seiner Wirklichkeitwerdung sich schätzbare Vorteile für Kunst und Geist im deitffchen Land versprachen. Daß Herr Louis Wolff sich, gerüstet mit dieser sreuudlichm Zen­sur der Führenden und Ueberragenden, ver­pflichtet, sah, das Allgemein« Deuffche Komitee zum Rendezvous zu versammeln, ergab sich aus der Entwicklung der Dinge von selbst als na­türliche Konsequenz, und es würde das Silber- slüßchen der Fulda sicher nicht scham-gettübt haben, wenn auch die Ratsherren von Cassel diesernatürlichen Konsequenz" freundlich Rechnung getragen und oen herbeieilenden Männern der Nationalbühne-Jdee Gruß und Serviette entboten hätten^ Nun ist Berlin C 2 der Ehre teilhaft geworden, im Reich des Asphalts eine erlösende Tat werden M sehen, und, fern demundankbaren" Land der Hessen, hat am siebenundzwanzigsten Oktobertag das Mgemeine Deutsche Komitee zur Schaffung der Deutschen Naffonalbühne im Nikolai-Haus die Herde der Zweifler in die Schranken gefor­dert. Auf dem Pfingstberg bei Potsdam wird, wenn das Glück freundlich fft und der Spender- stnn der Deuffchen nicht zu kümmerlich ent­wickelt, in nicht zu fernen Tagen dasMekka der deuffchen Kunst" weit in die Lande leuch­ten: Es fehlt nichts mehr, als die Paar Silber­linge, dl« sein Werden heffcht. Eine Million und eine viertel: Aber was ist daz für ein Holk von lechzig und einigen Millionen. . .! E M.

Der Dank des Vaterlands.

Petroleum-Monopol r Veteranen-Fürsorge.

Mr beachtetem bisset Tage nach den Mitteilungen reichshaupfftädtffckrr Blätter über ebne fettens des Reichs im Aussicht gemom. men« betriuhtliche Vermehrung der Mit­tel für die Veteranen - Versorgung, für di« in den nächstjährigen Reichsetat wesent­lich höhere Beträge eingestellt werden wür- den, als bisher. Die Nachricht an sich trifft zu, doch ist die Vermehrung der Mittel nicht so beträchtlich, als angenommen wurde. Es wird uns darüber berichtet:

Neunundzwanzlg Millionen Mark!

(Von unserm Korrespondenten.)

Berlin- 30. Oktober.

Es fft zutreffend, daß der nächste Reichsetat «ine Vermehrung der Beihilfen an hilfsbedürftige Kriegsteilnehmer in Vorschlag bringen wird. Diese Erhöhung wird jedoch die von verschiedenen Seiten genannte Summe von vier Millionen Mark nicht erreichen, weil der Rcichsetat in dieser Höhe Mittel nicht zur Verfügung hat. Diese vermehrte Veteranenfürsorge fft aber auch nur als vorläufig« anzusehen, da beabsichtigt fft, falls das Petroleumhandelsmono­polgesetz zustande kommt und dem Reich daraus Einnahmen zufließen, diese wenig­stens zum Teil dieser Sache zuz uw enden. Der Veteranemifonds wurde bekanntlich im vergan­genen Jahre von 23,6 Millionen aus 28,6 Mil­lionen Mark erhöht, indem ihm die Erträge des ZuwachssteuergLsetzes in einet Höhe von fünf Millionen Mark überwiesen wurden.

Sm laufenden Etatsjahr

beträgt der Fonds 29 Millionen Mark. Durch die Erhöhung von fünf Millionen hn Jahre 1911 Wurde es möglich unter Berücksichtigung der Abgänge, 60 000 Veteranen mehr zu un­terstützen. Gegenwärffg kann man die Zahl der Veteranen aus dem Kttege 1870/71 im gan­zen Reiche auf 400000 annehmen. Die zur Unterstützung vorhandenen Mittel werden den Bundesstaaten nach dem Verhältnis der Kopfzahlen derjenigen Kriegsteilnehmer über- wiefen, welche in den einzelnen Staaten am ersten März 1912 als bezugsberechtigt aner­kannt waren. Ein Betrag von 500000 Mark bleibt zunächst in Reserve zur Deckung eines etwaigen nachträglichen Mehrbedarfes in ein­zelnen Bundesstaaten.

Der Kaiser und die Veteranen.

Ein Privat-Telegramm meldet uns aus Berlin: Die vom Kaiser angeregte Statistik über die Zahl der hilfsbedürftigen Veteranen im Reiche dürfte Anfang De­zember völlig abgeschlossen sein, und es ver­lautet in unterrichteten volitischen Kreisen,

daß aufgrund dieser Stattstik dann seitens der Reichsregierung eine völlige Neuordnung der Veteranen-Fürsorge in die Wege geleitet werden wird, die namentlich dem Zweck die­nen soll, eine bessere Versorgung der wirk­lich bedürftigen Veteranen herbeizu- ühren. _____

WenbahmnMck in Berlin.

SechSundvierzig Personen verletzt!

Wie wir bereits heute früh durch Extta- blätter berichtet haben, hat sich in den heutigen Morgenstunden in Berlin ein schwerer Eisenbahn-Unsall auf der Stadtbahn ereignet. Auf der Station Janowitzbrücke fuhr um halb acht Uhr ein Nordringzug auf einen haltenden Vorortzug auf. Sechsundvier, zig Personen wurden verletzt, dar­unter sechs schwer. Die Lokomotive des Nord­ringzuges und zahlreiche Wagen beider Züge wurden erheblich beschädigt. Wir erhalten über die Katastrophe folgenden eingehenden Bericht:

Das Haltesignal überfahren?

(Telegramm unsers Korrespondenten.)

Berlin, 30. Oktober.

Heute früh, kurz nach halb acht Uhr, erfolgte auf dem Bahnhof Janowitzbrücke ein verhäng­nisvoller Zusammenstoß zweier Ei­senbahnzüge. ES fuhr ein Rordringzug auf einen in der Bahnhofshalle haltenden Vor­ortzug nach Friedrichshagen auf und zwar mit solcher Gewalt, daß sich die Maschine des Nord­ringzuges in den letzten Wagen deS Friedrichs­hagener Zuges festbohrte. Bei der Kol­lision gingen zahlreiche Scheiben in Trümmer. Außerdem wurden Türen eingedrückt und Tritt­bretter zersplittert. Aus allen Abteilungen hötte mau Hilferufe. Es meldeten sich insge­samt sechsundvierzig Personen als verletzt, davon waren sechs Personen s ch w e r, die übrigen leichter verletzt. Ein Teil der Verletzten wurde in die Krankenhäuser und in die nächstliegende« Unsallstellen gebracht. Die Feuerwehr war schnell zur Stelle und begann sofott mit den

Rettungs- tmb AufrSumuugsarbeiten. Von der Eisenbahndirektton erschien eine Kom­mission, die sofort eine Untersuchung einleitete. Der Verkehr in östlicher Richtung ruht vollstän­dig, da die verunglückten Züge noch auf der Unfallstelle liegen. Der Verkehr nach Westen und der Fernverkehr find nicht in Mitleiden­schaft gezogen. Vom Schlesischen Bahnhof tra sofort ein Hilfszug mit Sanitätsmaterial ein. Die Ursache deS Zusammenstoßes ist völlig unbekannt. Der Friedrichshagener Zug, der in der Halle hielt, hatte keine AuSfahtt. Wahr­scheinlich hat wohl der Lokomottvführer des Nordringzuges daS Haltesignal über­fahren, wodurch dann der Zusammenstoß er­folgte. ES findet jetzt eine Untersuchung der Blockanlagen statt, ob daS Signal taffächlich auf Halt gestanden hat. Der Lokomotivführer be­streitet daS nämlich und behauptet, das Signal hab«Freie Fahrt" angezeigt.

Der Zusammenstoß der Züge gestaltete fich zu einer gräßlichen K a t a st r o. p h e. Als der Nottiringzug aus den im Bahn­hof haltenden Vorortzug aufstihr, hatten fich zahlreiche Passagiere des NordringzugeS be­reits zum AuSsteigen fertig gemacht und es kam infolgedessen zu einem furchtbare« Wirrwarr, in dem zahlreich« Personen «iedergetreten wurden. Alles drängte in wilder Hast den Wagentüren zu und rS ist in der Haupffache wohl auch nur der herrschen­den Panik zuzuschreiben, daß so viele Personen Verletzungen davongetragen haben. Die mei­sten der Verletzte« haben Quetschungen und Knochenbrüche erlitten; di« sechs Schwerverletzten haben sämtlich innereBer- letzunge« davongetragen und drei von ihnen schweben in Lebensgefahr. De« Nord­ringzug w« dicht besetzt. alS das UngLück ge­schah. e

Eisenbahn-Katastrophe in «merira.

Depeschen auS R e w v o r k melden: Auf dem Bahnhof Streetville in Ontario fand gestern zwischen einem Mffttärzug und einem Personenzug auf der Canadian-Paeffic-Bahn ein Zusammenstoß statt. Zwei SoLaten wurd-n getötet und achtundzw anzig verwundet, darunter mehrere schwer. Im Personenzug wurde niemand verletzt. Wie ver­lautet, ist daS Unglück auf f a l s ch e Weichen­stellung und Fahrlässigkeit des dienst­tuenden Fahttdienstbeamten zurückzufiihren.

Gin neues Mer der Lüste!

Leutnant Mamburger verunglückt.

Ein Privattelegramm meldet uns ans München: Der bahettsche Leutnant Mamburger vom sechzehnten Jnfanterie- Reaimeut tu Nassau, der erst kfisttich zur 8lit-

gerkompagnie nach München kommandiert war, unternahm heute früh auf dem Flugplatz Ober- Wiesenfelde auf einem Otto-Doppeldek- fet einen Fulg und stürzte aus etwa siebzig Meter Höhe ab. Er blieb mit gebroche- nem Rückgrat tot liegen. Der Apparat wurde vollständig zertrümmett. Die Urfach« des Sturzes ist noch nicht bekannt.

Irr BMrkirg am Balkan.

Die Türken am Ende aller Hoffnung?

Die neuesten Depeschen vom Kriegs­schauplatz bestättgen, daß durch di« Be­setzung der verschiedenen Otte um Adriano- p e l der eiserne Ring um die Festung nunmehr völlig geschloffen fft. Man ertoartet, daß in einigen Tagen die Uebergabe erfolgen wird, besonders, wenn die bulgarische Heeres­leitung sich entschließen sollte, zum Sturm zu schreiten, was nicht unmöglich ist, da der Sieg von Kirk-Kiliff« die Begeisterung der Truppen aufs höchste gesteigert hat. Man erwartet, daß die überall vordringend« serbische, griechische und di« bulgarffch« Struma-Armee sich dem­nächst vereinigen werde, um endgülttg die Türken in Mazedonien von der Haupfftadt ab- zuschnttden. Türkisch« Offiziere haben die Hoff­nung auf türkische Siege aufgegeben. Ueber die Ereignisse des gestrigen Tages liegen uns folgende Meldungen vor:

Die Türken im Kampfe.

(Telegramm unsers Korrespondenten.)

Konstantinopel, 30. Oktober.

Rach einem Telegramm des Generalissimus steht die Ostarmee seit gestern mittag im Kampf mit den Feinden. Sie zeigt nach diesem amtlichen Bettcht großen Mut und Widerstandskraft, was beweist, daß ein ausgezeichneter Geist die Truppen beseelt. Meldungen über daS Ergebnis der Kämpfe, die die Entscheidung herbeiführen sollen, liegen noch nicht vor. DerIkdam erhielt nachmit­tags die Meldung aus Adrianopel, daß auch bei Marasch wieder gekämpft werde. Der Kampf scheine eine für die Türken günstige Wendung nehmen zu wollen. Gestern abend um sechs Uhr fand die feierliche Investierung des neuen Großwesirs Kiamil Pa- s ch a statt. Eine lokale Korrespondenz meldet, daß nach an das Kttegsministerium gelangten offiziellen Nachttchten die türkische Armee einen allgemeinen Angriff auf der gan- zen Linie südlich von Kirk-Kiliffe und Ma- rasch begonnen habe und daß die Bulgaren fich zurückziehen. Eine offizielle Bestäti­gung dieser Meldung liegt allerdings noch nicht vor.

Eine Intervention der Mächte?

(Telegramm unseres Korrespondenten.)

Bukarest, 30. Oktober.' >

Rach hi« eingetroffenen Meldungen ist die Lag« der Türken eine verzweifelte. Die Pforte soll di« Intervention bet Mächte angerufen ha. 6en und die Mächte sollen sich enffchloffen ha­ben, diesem Anruf Folge zu leisten. Die Mächte wollen Rumänien das Mandat übertragen, ihren Interventionen Nachdruck zu geben. Weiter wird aus Konstantino- p e l hierher gemeldet: Gen«al von Hof. richter. Kommandant der Kavallerie unter Mamuth Mutthar Pascha, ist aus Kirk-Kiliffe in Konstantinopel eingetroffen, um eine vollstän­dig neue Ausrüstung anzuschaffen. Er erzähtte, er habe alles beim Gefecht verloren. DaS Gefechi selbst war furchtbar. Aus anderer Quelle vor- lautet, daß bei der Flucht einige Soldaten die Frauen und Kinder aus dem bereitflehenden Zuge entfernten und selbst einstiegen. Die Frauen und Kircher mutzten dann auf das Dach des Wagens steigen. Als der Zug einen Tunnel durchfuhr, wurden alle vom Dach herab« gefegt unb geköpft, während der Zug ruhig wei- ter fuhr. Mehrer« Soldaten sowie zwei Offi­ziere wurden wegen dieser Schandtat«« stand- rechtlich erschossen.

Unruhen in Saloniki.

(Telegramm unsres Korrespondenten.) , Saloniki, 30. Oktober.

An Saloniki herffcht große Unruhe, da feit zwei Tagen die Verbindung mit Konstan­tinopel abgeschnitte« ist. Die Verpflegung der Truppen ist ungenügend, die Hafenbatterien sind ohne Munition. Aus verschiedenen Ort. schäfte« Neffen Meldungen über Brandstiftun. gen und Massakres ein. In Dedeagtsch wurde eine von den Militärbehörden requirierte Tampfmühle in die Lust gesprengt. Vermut­lich sind Griechen die Täter. 7060 Türken sind in Küprülü von den Serben gefangen geirommen worden. Die Bevölkerung von ilesküb sott fich gegen die Türken aufgelehnt haben. Die Aus­rührer bemächtigten sich der Waffeir. die in de« türkischen Arsenalen untergebracht waren. Ti« Borhut der serbischen und bui^artkLeu firnp-