Hessisch- Abendzeitung
Casseler Abendzeitung
2. Jahrgang.
Mittwoch, 30. Oktober 1912
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Nummer 277.
Kernsprecher 951 und 952.
3nfertton3p«lfe: ®U ftch»««fpaltrn, geHe für etnhetmtfch« SefchLft« 15 Pf», für auS- roärttge Inserate 25 «eliamezetle für einheimisch« «-schüft« « Pf, für an«n>Lrtigs «eschüft, 60 -r.' Beilagen für bU Vesamtauflag« werben nrtt 5 Mart pro Zaufenb berechnet. ® ■ .» ihrer dichten Verbreitung tn der Restben, und btt Umgebung sind die Laffeler -neuesten Nachrichten et» voqügltche« Jnsertionrorgan »efchSstrstelle: Kölnisch« Strast- ». Berliner Vertretung: 8W„ Krtedrichstrabe 16. Telephon: Amt Moritzplatz «76-
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Casseler Neueste Nachrichten
Balkan-Smvresslonen.
Wer war ahnnngslos? Die Diplomaten!
Ein Mitglied der bulgarischen Regierung äußerte sich über die Vorgefchichtedes Dalkankrieges wie folgt: Die europäischen Diplomaten seien so «nznreichend über Vie Balkanverhältnifse unterrichtet gewesen, daß sie Mitte September «och nichts Positives über das schon im letzte« Februar zwischen de« vier Balkanstaaten in Sofia geschloffene Militärbündnis wußten. Der Plan, die Türkei «och in diesem Jahr gleichzeitig anzugreife«, sei damals schon genau formuliert und auch die Gebiets- und Intereffeateilung nach erfolgreichem Krieg bis in alle Einzelheiten hinein festgelegt worden. Die Liquidatio» der europäischen Türken sei damals (ohne die Großmächte!) beschlossen worden. Unter all den Sensationen und Sensaiiön- chen, die in den letzten vier Wochen aus den Balkanbergen ihren Weg durch die Preise Europas sanden, ist das Bekenntnis des Bul- garen-Ministers über die Harmlosigkeit der europäischen Diplomatie das interessanteste und charakteristischste Dokument moderner Groß- macht-Poliiik. Als am Balkan die Zeit der Schneeschmelze begann (in den letzten Tagen des Februar), begründeten Ferdinand, Peter, Georg und Rikita, die Träger der vier Balkan- Kronen, den große« Bruderbund, dcffen Zweck und Spitze sich scharf und drohend gegen das LLrkenreich richtete. Sieben Monde später, nachdem alle Vorbereitungen getroffen, klirrt das. Schwert iu der Scheide, rüstet der Vier- VrHcn-Conzertt zum entscheidenden Schlag wider den Padischah und Nikitas Kriegerhäuflein tiU im Sturmschritt zur Grenz«. Ungläubiges Lächeln in den Diplomatenstuben der Großmächte, scherzender Humor am Grünen Tisch und MM' billiger Spott über die vier Zaunkönig«, die ohne Billigung der das Juwel des status quo eifersüchtig schirmenden europäischen Mächte- S M Konzentrationen aus dem Käfig sich hinausge- Wagt, um auf eigne Rechnung und Gefahr sich als Mehrer des Reichs und getreuer Kämpfer für Kreuz und Glaubensfreiheit zu versuchen. Ein Scherz offenbar: Eben erst hatte Graf L Berchtold sein Balkanprogramm mit feierlicher Umständlichkeit vor Europa aufgerollt; am Goldnen Horn wob Kiamil Pascha, der alte FuchS, Jntrigen-Netze und Kabalen und
ans de« Schluchten des Balkan ries leiser Spott zum Norden und Nordwesten, Nikitas, PeterS und Ferdinands Heere ständen, mit Knütteln bewaffnet, bereit, das Osmanen- Reich tn tausend Trümmer zu zersplittern. Daß dem Kriegbeginn die völlige Jnteres-- sen-Einung der vier Balkan-Königreiche, die Schaffung des Vierbundes und die heimliche Rüstung zum Völkcrkampf vorausgegangen, hat weder in Berlin, noch in Paris, Wien oder London ein zum Staatsgeschäft Berufner geahnt, und da die russische Diplomatie zu schweigen versteht (ohne Rußlands still- fchweigende Zustimmung wäre weder der Bal- kan-Vierbmw noch der Völkerkrieg Ereignis geworden), so sehen wir also jetzt die Wiederholung des Falles, der vor nun bald zehn Jahren beim Ausbruch des Riesenka- 's zwischen Russen und Japanern dir europäische Diplomatte vor aller Welt blotzstellte: Die Staatskunst der Harmlosigkeit und Unwissenheit, die sich von den Ereignissen überrumpeln läßt, ohne ihr Entstehen und Wer- den zu ahnen! Der Götze status quo, dessen Altäre das Schwert der Balkankrieger in Trümmer splittern läßt, war bisher der Trost, der Glaube und die Hoffnung europäischer M, Großmacht-Diplomatie: Nun. da der Kriea den Status quo zum Kinderspott entwürdigt, klammert schwindende Hoffnung sich verzweifelnd an die .Intervention der Mächte*, die auS dem Brand retten soll, was noch zu | retten ist: Fata morgana, weiter nichts! Wo die Kanonen donnern, verwehen die Roten der Diplomatie im Winde ...! F. H.
dürfte sich Herausstellen, daß dieser Sieg, bet aller Bedeutung, doch nicht überschätzt werden darf. Ich habe schon darauf hingewiesen. daß der erste Widerstand der türkischen Truppen an den Grenzen nicht höher gewertet werden kann, als die Defensive einer fertig anfmar schrecken, kampfbereiten Armee. Der Ausmcrrsch des türkischen Heeres ist noch keineS- wogs beendet (wenn auch nicht geleugnet werden kann, daß er sich außerordentlich läng hin. zieht), und die jetzigen Kämpfe haben mrr den Zweck, den Vormarsch der Feinde bis zur völligen Bereitschaft der türkischen Hauptarmeen auszuhalten. Es ist also für die Folge absolut nicht mit einem weiteren erfolglosen Verlauf des türkischen Widerstands zu rechnen, und von einer Hoffnungs. lostgkeit der türkischen Lago kann noch in keiner Weise gesprochen weiden. Selbst wenn Adrianopel fallen sollte (oder vielmehr dann erst recht) ist gar nicht daran zu denken, daß es dem Feinde gelingen könnte, in unaufhalt- samen Siegeszuge bis
vor Konstantinopel vorznrücken.
Die Türkei wird sich, daran darf nicht gezwsi- selt Werden, diesem Vormarsch mit aller Krafl entgegenstollen und selbst, wenn es nötig werden sollte, sich »der Gefahr einer E n t- blößung -der asiatischen Gebiete aussetzen. Ohne die in Asien stehenden Truppen ist das türkische Heer, das jetzt im Kampf steht, an Zahl schwächer als seine vereinigten Gegner. DaS Verhältnis deS mi litärtschcn Werts der Gegner zueinander ist jedoch ein anderes und es läßt sich im Ernst kaum von einer Unterlegenheit der gesamten europäischen Truppenmacht der Türkei reden. Eine Ueberlegenheit in jedem Sinne wäre aber möglich durch die Heranziehung von Verstärkungen aus Asien. Die Annahme, daß die Türkei zu diesem Mittel nicht greifen wird, wenn es nötig ist, hat zurzeit keine Berechtigung. Es muß und wird im Notfall möglich sein, eine beträchtliche Verstärkung aus Asien über die Dardanellen zu setzen und durch sie die europäischen Streitkräfte ganz erheblich zu verstärken. Aber auch ohne diese Maßnahme kann man annehmen, daß es gelingen wird, nach Beendigung des türkischen Aufmarsches dem weiteren Vordringen der Gegner rechtzei tig einen Wall entgegen zu setzen. So leicht ist das Vordringen bei Konstantinopel nicht, wie eS auf Grund der ersten feindlichen Erfolge vielfach dargestellt wild, beim diese Siege sind Erfolge gegen einen noch nicht völlig bereiten und widerstandsfähigen Feind, gegen einen Feind offenbar, der vom Krieg vollkommen überrascht wurde und der nun erst allmählich seine Verteidigungskräfte zu sammeln vermag. * M. v. S.
Run rüstet auch RuMünte«!
(Privat-Telegram m.)
Bukarest, 29. Oktober.
Bei der am Sonntag stattgehabten Vereidigung des neuen Kabinetts hielt K ö n i g K a - toi eine Rede, die in unterrichtete« politischen Kreisen als offizielle Anmeldung der Ansprüche Rumäniens betrachtet wird. Rumänien wird angesichts der Erwartungen territorialer Vergrößerungen Bulgariens fcinerfeitS ebenfalls Ansprüche auf eine Erweiterung feines Gebietes erheben, und um dieser Forderung mehr Nachdruck zu verleihen, werden von der rumänischen Regierung militärische Vorkehrungen getroffen. Zwar wurde über den Verlauf des vorgestrigen Kabinettsrates ein Kommunigus ausgegeben, in dem erklärt wird, daß eine Mobilisierung nicht stattfinden werde, die Mobilisierung ist aber trotzdem eine beschlossene Sache und wird bereits in den nächsten Tagen erfolgen. Biele Reservisten werden eingezogen und geben nach den Garnisonen ab, die an Bulgarien grenze« Buch die Pferdemusterungs-Kommissio« ist in voller Tätigkeit und die tauglich befundenen Pferde werden ihren Besitzern sofort abgenommen. Es wird auch gemeldet, daß der vorgestrige Minißerrat mit Rücksicht auf die auswärtige Lage bedeutende Kredite für das Heer beschlossen bat. AuS Czernowitz wird hierzu gemeldet: Jn ven benachbarten rumänischen Gegenden ist der Bevölkerung durch Trommelschlag verkündet worden, dav die Reservisten sich für die Mobilisierung bereit zu halten haben. An der Tatsache einer vollständigen Mobilmachung der rumänischen Armee kann also nicht mehr gezweifelt werden.
Die Aeghvter für die Türke»!
Die Heutige*Kriegslage.
Es wäre falsch, wenn man auf Grund der Niederlagen von Kirk-Kilisse und Ku- manowo die Aussichten des türkischen V«r-
teiditzungskampfls als hoffnungslos au. sehen wollte. Wenn die übertriebenen Nachrichten über den bulgarischen Sieg (deren deut.
lichsies Beispiel die unwahre Angabe von der Droschen aus Kairo zufolge brach die „Gesimgenuahme der füntzigtauseud Tücken* ägyptische Regierung die Beziehungen mit den ift flggj Pie Tatsache MxücbMührr werven.! Balkauf^LLren ab «ob ließ deren Kon
suln die Pässe zustellen. Sobald di« Möglichkeit eines Angriffs durch bie griechische Flotte beseitigt ist, wird AeMtten, falls die Pfort« es als uowendig bezeichnet, acht, zehntausend Mann Mr Unterstützung der türkischen Armee aus den Kriegsschauplatz entsenden.
Neueste Kriegr-IepesÄen.
Der Sultan auf dem Kriegsschauplatz.
(Telegramm unsers Korrespondenten.) Konstantinopel, 29. Oktober.
Ter Sultan reist in den nächsten Tagen nach Tschorlu ab, um die Truppen zu begrüßen. Der frühere Minister des Innern. Damad Scherif Pascha, reiste gestern dorthin ab, um das Eintreffen des Sultans vorzubcreiien. Nazim Pascha telegraphierte an den Kriegsminister, in der Armee herrsche völlige Ordnung. Die Truppen setzen sich in Marsch, er hoffe, in einigen Tagen einen Sieg der o S - manischen Waffen melde« $u können. Die in Tripolis stehenden Truppen sollen so rasch als möglich auf Transportschiffen nach Rodosto gebracht werden. Auch aus Kleinasien werde« alle verfügbaren Reserven herangezogen, um sie zur entscheidenden Schlacht zu pellen. Aus dem türkischen Hauptquartier sind keine neuen Nachrichten eingetroffen, im Kriegsministerium wird jedoch versichert, daß die tückisch« Armee sich schon in den nächsten Tagen in den von ihr gewählten Positionen zur entscheidende« Schlacht stellen werde. Ein Gerücht besagt, daß die englische Fl otte nach Konstantinopel un I terweps fei, doch wird an amtlicher Stell« diese Nachricht entschieden dementiert. Di« Entscheidungsschlacht wird zweifellos im Ergeo-Tal ftottfinben.
Das Schicksal Adriatwpels.
(Telegramm unserS Korrespondenten.)
Sofia, 29. Oktober.
Große Ueberraschung hat hier der bulgarische Vorstoß gegen die von Adrianopel nach Konstantinopel führend« Eisenbahn bei Baba-Eski hervorgerufen. Di« Bulgaren sanden den Ort nicht nur unbesetzt, sondern auch auf einen Angriff so wenig vorbereitet, daß in dem Augenblick, in dem sie in den Ort emzogen, ein Eisenbahnzug einfuhr, der nach einer Version mit Verwundeten aus Adrianopel kommend, nach einer andern Version mit Munition aus Konstantinopel kommend, von den Bulgaren genommen wurde. Habe« die Bulgaren hier festen Fuß gefaßt, so dürfte sich das Schicksal von Adrianopel in zwei bis drei Tage« entscheide«. Die Stadt wird feit Sonnabend von den Bulgaren befchosseu. Gestern nachmittag verbreitete sich in der Stadt das Gerücht, daß die Bulgaren Dimotiea eingenommen hätten, während es von den Serbe« hieß, daß sie über Küprülü hinaus vorgedrungen feie«. Die Nachricht über die Besetzung von Baba Eski durch die Bulgaren wird amtlich bestä. tigt. Es befindet sich nunmehr di« ganze Eisenbahnlinie Kick-Kiliffe-Baba Eski in den Hände« der Bulgare«.
Der Vormarsch der Serbe«.
(Telegramm unsers Korrespondenten.) Aeskub, 29. Oktober.
Bon den serbischen Truppen wurden in UeS. küb zahlreiche Vorräte und Munition und ein neuer Eisenbrückentt 'n erbeutet. Der Vormarsch der serbischen Truppen auf Ovore Balje wurde gestern fortgesetzt. Tetovo ist von den TürLn geräumt, Gistib und Krüpülü sind ohne Schwertstreich von den Serben besetzt worden. Bisher wurden 123 Geschütze verschiedenen Kalibers erbeutet. Im Sandschak ist nur der Ort Plevlja von den Serbe« noch unbesetzt. Mittowitza wurde bekanntlich vorgestern eingenommen. Der Kadnik-Paß wurde nach ganz kurzem Kampfe besetzt. Dadurch ist die Verbindung mit der Südarmee bergestellt. Das serbische Hauptquartier wurde nach Uesküb verlegt. Nach Berichte« versammeln sich die türkischen Truppen bei SerreS und Demirkapu. Gestern abend ginge« bk serbischen Truppen, ohne Widerstand zu finden, von U«S küb südwestlich über Duste Balje nach Kiseli westlich von Tetevo vor. Bei Kumanowo wurden dk zwei tückischen Korps von UeSküb und Monaftir geschlagen. Rach der Besetzung des Sadnik Passes druch bk Armee des Generals Janowttsch werden bk Arnauten verfolgt, dk bisher das Gebirge besetzt hielten.
Die Katastrophe von Kumanowo.
In Belgrad eingetroffene Telegramme bestätigen die Auffassung. daß die Niederlage der .Tücken Id Kumanowo katastrophalen Cha
rakter trug. In Petowo ergab sich eine tückische Abteilung, ohne den Versuch eines Widerstandes gemacht zu haben. Hundcrtsnnfund- zwanzig tückische Geschütz» wurden erbeutet.
Der status quo am End«?
Aus Wien wird unS depeschiert: Don bet Aufrechterhaltung des status quo auf dein Balkan wird jetzt nicht mehr ge sprochen. Man ist überall überzeugt, daß die Balkanstaa- ten, wenn sie siegen, erhebliche territoriale V c r° arößerungen erlangen werden. Die Konferenz, die hierüber die letzten Entschlüsse fassen soll, dürfte tn P aris stattfinden.
Sie ZeMMationaMhne.
Louis Wolff und Axel Delmar.
Am letzten Sonntag hat in Berlin im Lessing-Museum eine Versammlung des vorbereitenden Komitees für die Schaffung einer Deutschen Naktonalb ühne siafige- fuitden, nm dk Mr Verwirklichung deS Planes erforderlichen Schritte in die Wege zu leiten. Das Nationakbühne-Projeri hat bekanntlich seine besondere Casseler Vorgeschichte und Herr Louis W olsf. der zuerst die Absicht hatte, die Tagung des SonvlkcS in Cassel stattfinden zu lassen, bat sich erst durch den hier sich offenbarenden Mangel an Interesse und EiÄgegenkommen veranlaßt gesehen, die Ver. samnflung nach Berlin zu verlegen. Der Plan an sich scheint nun aus dem Weg zur Verwirk, lichung einett beträchtlichen Schritt vorwärts gekommen zu sein. Wir erhalten darüber fot- gende Mitteilungen:
DaS Mekka der deutschen Kunst.
(Bericht unsers Korrespondenten.)
Berlin, 29. Oktober.
Die am Sonntag im Lcssintz-Museum siatt- gchabte Tagung deS Komitees für die Errich. tung einer Deutschen Rationalbühu« hat «in Zusammengehen der von dem Schrift, steller L ouiS Wolfs in Eassel und dem Direktor der „Deutschen Hetmatsptelr', Axel Del. mar in die Wege geleiteten Bestrebungen erbracht. Di« Pläne WoSM und DelmarS sind vereinigt worden, und eS hat sich für Ver. wirklichung des Rationalbühne-Projektsi ein Komitee gebildet, an dessen Spitze Ober.- bürgermeister VoSberg . Potsdam sicht. Me versichert wurde, ist da» Terrain für das Festspielhaus bereits gesichert. ES «soll sich um einen Platz auf der Anhöhe des PfingskbergeS handÄn, das von der Stadt Potsdam «egen eine minimal« Pacht zur Der- füMNg gestellt wird. Ebenso ist für -die weit«, ren vorbereitenden Schritte ein gewisses Kapi- ta$ vorhanden. Dk Mittel für den Batt des Festspielhauses, Me man aus eineinvier, tel Millionen Mark schätzt, gilaübt man leicht ausibringen zu können, schon tn Rücksicht daraus, daß man den Grundstock zur „Deutschen Nationalbühne* dem Kaiser zu seinem füniunbzwanztgjährigen Regierunysjubiläum zum Geschenk machen will. Daß gerade Pots, dam Mr ein deutsches Festspielhaus gewählt wurde, erregte in der
Versammlung im Leffing-Museum lebhaften Widerspruch. Oberbürgermeister VoS- berg wies darauf hi«, daß er für den Gedanken ausschließlich aus praktischen Gesichtspunkten eingetreten fei. Potsdam habe die schöne Natur für sich und die Nähe Berlins, liebet den finanziellen Fortbestand der Bühne scheint man sich keine Sorgen zu machen, obwohl in der Diskussion betont wurde, daß ein Institut von dieser Bedeutung mit einem ungeheuren laufenden Etat rechnen müßk, der wieder sehr hohe Einfitttspreise notwendig machen würde. Ein wichtiger Punkt kam in der Sonntag-Versammlung leider nicht zur Sprache: Man beschäftigt« sich nämlich gar nicht mtt der Frage, ob denn auch di« moderne deuffche Dichtung in dem geplanten Festspielhaus eine Stätte haben soll. Eine „Rational- bühne", wie sie uns allerdings sehr nötig wäre, müßte ein Spiegel der gesamten deuffche« Dichtung in ihren führenden Werken sein. Ei« Festspielhaus in Potsdam aber, unter dem Protektorat des Kaisers, wird aber mit Rücksicht auf bk bekannte Abneigung > des Kaisers grade gegen die „moderne Rich-: tuns" diesen Zweck kaum zu erfüllen vermöge«.,
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Statt Cassel r Potsdam!
Herr Louis Wolff schreibt uns von bet) Tagung des Nationalbühne Komitees, daß der Potsdamer Magistrat die Bitte ausgespro- wen habe, zu der Versammlung im Lessing- Museum ebenfalls eingeladen zu werden. Auf ergangene Einladung seien dann auch mehrere Magistratsmitgtieder mit dem Oberbürgermeister Vosberg an der Spitze, in der Versammlung erschienen, und Oberbürgermeister Vosberg habe dem Komitee «in passendes Grundstuff M dk Errichtuos Her National-