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Casseler Neueste Nachrichten

Caffeler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 276

Dienstag, 29. Oktober 1912

Fernsprecher 951 und 952.

2» Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952.

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Recht, Gesetz und... 8hre!

Die Hamburger Justiz und die Presse.

ES scheint doch ein »Ausstieg nach oben' metfbtir zu werden: Eine Hamburger Gerichts, stelle hat dieser Tage «inen Redakteur, der stch weigerte, dem untergeordneten und öffent­lich gar nicht erkennbaren Interesse einer ge- richt! ich en Ermittlung stine Berus.Sehre zu opfern, im Wege des ZeugniSzwang.Ver­fahrens zu einhundert Mark Buße verurteilt, di« sichint Nichtbeitreibungsfalle' (das Juristendeutsch hat mit der Aesthetik nichts z« tun) in zehn Tage Kerkerhaft vcrwan. beln. Es geschieht auch anderwärts, daß au diesem, längst nicht mehr ungewöhnlichen Wez den Leuten der Presse im Namen deS Gesetzes mW im Dienst der Gerechtigkeit demonstriert wird, wie töricht ihre Auffassung vom Wesen der GtandeSehre sei und wie bedenklich der alte Kriegszustand zwischen Gesetz und Ehre sich grade im Bereich öffentlicher Meinung ver­schärft habe. Aber der Hamburger Fall (sonst höchstens noch interessant infolge des kommu- naLmhstischen Milieus, in dem er spielt) hat für die Presse «ine besondre Bedeutung: Em früheres Urteil in derselben Sach«, das den Uebeftäter mit zweihundert Silberlingen vuß« belastete, ist durch das neue Erkenntnis aufgehoben und die Bußforderung aus die HAste ermäßigt worden^ weil (wie eS itr der L Begründung heißt) der wider daS Gesetz fre­velnd« Redakteur das von ihm verlangte Zeug- »iSnur mit Rücksicht auf seine Standes, ehre verweigert habe'. Das Gericht erkennt also an, daß di« Rücksichtnahme auf die Statu beseh re den Redakteur zwingen kann, dem Villen des Gesetzes ungehorsam zu sein damit zum Sünder wider den Para- «ravhen der Gerechtigkeit zu werden.

Bit wissen nicht, welch« menschenfreund- «chen Regungen die Hamburger Justiz L«. wogen haben, die Hätte des Gesetzes um genau Hälft« zu mildern und den Schalten d«r DettzLngnisseS von dem Prefle-UebeltSter abzu. wenden, der keine andre Sünde begangen hatte, E die: Auch dem Gesetz gegenüber ein a n - stündiger M«nsch geblieben zu fein! Viel, leicht erwuchs di« Milde auS der ganzen Eigen, art des Falls (dess«n Einzelheiten di« kommu. mupolitischen RegierungS . Allüren in der Freien und Hansestadt Hamburg in einem manchmal recht seltsam anmutenden Licht er. scheinen lassen); vielleicht erschien der Anklage. | behörde das wei'ere Verfahren von vornherein aussichtslos, und matt wollte möglicherweise den letzten, einigermaßen kostspielige« Konse­quenzen, vorbeugen, kurz: Die Justiz hat «ine Preisermäßigung vintveten lassen! Lin Fortschrittalso, den man (wenn man will) als ein Merkmal des A u f st i e g S in der Ent. Wicklung unsrer strafrechtlichen Praxis gelten lassen kann. Wsiterreichende Schlüsse daraus zu ziehen, erscheint indessen verfehlt, denn was den Hamburger Richtern nützlich und ziemend erschien, kann von ihren Kollegen in Königsberg oder Straßburg möglicherweise als Sünde wider den heiligen Geist des Para. EL grapsten verurteilt werden, und das DamoüeS. schw-ert des ZeugniszwangS baumelt nach Wie vor über den Männern der Press«.

Daß das Zeugniszwang-Verfahren gegen Angehörige der Presse eine harte Ungerech« tigk«itist, braucht nicht erst erwiesen zu wer­den. Es ist aber mehr; denn da es in seinen praktischen Wirkungen die Freiheit der Press« illusorisch macht, die öffentliche Meinung unter die Kontrolle des Zufalls stellt und einen gan­zen Berufstand der ständigen Gefahr verhäng» ni-vollster Konflikt-Möglichkeiten preisgibt, untergräbt es den geordneten Bestand wichtiger kultureller Institutionen und ver- l stößt also gegen die sittlichen Auffassungen unsrer Zett in allen seinen Forderungen und Konsequenzen. Es ist geboren aus dem Geist i einer Zeit, der die Presse noch nach der Bedeu­tung der handgedruckten Wochenblättchen-Pro­dukte zu werten pflegte. Inzwischen hat aber das einst Werdende sich zum wettbeherrschen- den, länder- und völkerverbindenden Kultur­faktor entwickelt, und es offenbart sich also in dem Mangel an Verständnis gegenüber den Pflichten und Ausgaben der Presse im Reich | deutscher Gesetzesparagraphen eine Unkul­tur, die zu bemitleiden wäre, wenn man sie nicht betrauern müßte. Dürfen wir nun viel- L leicht die Hamburger Justiz als das Täubchen i) mti dem Oelzweig begrüßen, das Neuland E kündet? Die Regung neuen Geistes ist sehr er- : treulich, und es bleibt nur noch der Wunsch - übrig, daß Hamburg nicht der einzige Ort - bleiben möge, in dessen Themis-Tempel der | Fortschritt siegt! F, H.

Am Nachmttag nahm der Kronprinz am Got­tesdienste in der serbischen Kirche in Uesküb teil. Der offizielle Text über die Einnahme von Uesküb spricht davon, daß die Türken auS Uesküb geflohen seien. Auch türkische Nachrichten bestättgen den Vertust UeskübS. Es heißt in einer offiziellen türkischen Mitteilung: Die türkischen Truppen bet Uesküb haben «ine schwer« Niederlage erlitten; di« Stadt selbst fiel in die Hände der serbischen Truppen." In Bel­grad herrscht« gestern abetw riesiger Ju- b e l über die offiziell bestätigte Einnahme Ues- kübs durch die Serben. Die Belgrader Univer- sttätsjngend feiert« diesen Sieg durch ein gro­ßes Bankett, und dieTribuna" meint, daß nunmehr durch die Annektierung Alk- serbiens die Errichtung eines gro ßser, bischen Reiches um einen bedeutenden Schritt ihrer Verwirklichung näher gerückt sei. Der Rückzug der türkischen Truppen von Uesküb soll in größter Unordnung geschehen sein und es bestätigt sich, daß die Türken Nes- küb ohne Kamps preisgegeben haben, weil sie nach der furchtbaren Niederlagen bei Ku- manow o sich unfähig fühlten, eine fünfte neue Schlacht mit de« serbischen Truppen anszu- nchmen.

Reue Siege der Griechen!

(Privat-Telegramm.)

Kriegsbiltzer vom Staffan.

Kreuz gegen Halbmond; Bilder aus dem fee* bische« Hauptquartier; Schrecke« des Krieg»

Von unferm Spezial-Ko-rrespondenten im Gefolge der serbischen Armee.

Die serbische Hauptkolonn« auf dem Amselfelde, bi« Pristina eingenommen hat. stecht feit dem sechzehnten Oktober in un­unterbrochenem Kampf. Schon beim Uetzer, schreiten der Grenze gab es in ben ersten vier Dagen unaufhörliche Gefechte. Die Kämipfe begaimen (wie jetzt bekannt wird) noch vor der KriegserKärung damit, daß die Al. bauer ein serbisches Grenzdorf und einig«: Block. Häuser angegriffen hatten. Die Grenzgefechte endeten zugunsten der serbischen Truppen, di, im Labiale nach Podujevo vorrückten Die Segnet sind zumeist schlecht bewaffnete'Mba. ner, die aber vortreffliche Schützen sind. Es gibt deshalb Hundert und Aderhun. derte Verwundete in den Spitalern von Nisch. Airs ihren Erzählungen konnte ich entnehmen, daß in den Kämpfen um Prfftina nur we­nige reguläre türkische Truppen engagiert waren, die Gegner waren zumeist die Arnanten des AmsÄfelideS, von den Serben die bösen Arnanten" genannt. Man sagt rhnen ein räuberisches Leben nach und ihre Mauisergswchre sind auch im Freden gefürch. tet. DieLab-Mbaner" (wie die Türken fre nennen) sind geschickt und behend, sie sind seit Jahrhunderten an den steten Kampf gewöhnt. Trotzdem sie attf der ttefften Stufe der Zivili­sationstehen, wissen sie auch mit den ungewohnt komplizierten Waffen umzugehen, di« sie dem Gegner abgenommen haben. Di« Führung haben jetzt tückische Offiziere übernommen, di« jedoch

keine« allz« großen Respekt

Nach der Einnahme von Kirk-KUisse durch die Bulgaren und Kumanovas durch die Serben scheint eine Art notgedrungenen Waffen­stillstands eingetreten zu sein. Eine unge­heure Erschöpfung muß sich der Kriegführen­den bemächtigt haben, denn sie alle, Sieger und Besiegte, haben einen furchtbaren Aderlaß er­fahren. Die Serben geben selbst -zu, augen­blicklich so erschöpft zu sein st sie vorläufig den Vormarsch über Uesküb h n..usschieben müs­sen, und di« Tatsache, daß aus Bulgarien von neuen Erfolgen nichts gemeldet wird, läßt er­kennen, daß auch die Einnahme von Kirk-Kilisse den letzten Blutstropfen gekostet hat und bit Armeen erst zu Atem kommen müssen, um werter vorzudringen aus dem Weg nach Konstantinopel. Ja, auf dem Wege nach Konstantinopel, denn wenn auch die Türkei den Verlust von Kirk-Kilisse als in ihrer strategischen Konzeption gelegen, sozusagen Äs eine Kriegs­list hinstellen möchte, es kann nicht mehr be­zweifelt werden, daß die Türken eine schwer« Einbuße durch diesen Echek bet Kirk-Kilisse erlitten haben. Gewiß: Noch ist Adrianopel n'cht niedevgekämpst, und Adrianopel ist Kirk-Ki­lisse an Widerstandskraft seiner Werke weit überlegen; aber nicht, wenn der Kriegsgott den Bulgaren trotz alledem wie bisher hold ist, dann ist... der Weg nach Konßan- ttnopel frei. . .!

Athen, 28. Oktober.

In Athen ist folgendes Telegramm des Generals Sapundjakis aus Arta ringe, troffen: Unsere Armee hat Sonnabend abend Philippiadha, Luros, Leotherochori, die Brücke über den Pantanaffa, und darauf Strivtna ein­genommen. Die türkischen Truppen befinden sich auf der Flucht und haben große Mengen von Munition, Lebensrnitteln und Kriegsmaterial zurückgelassen. Ein tür. ttfcher Offizier und zwölf türkische Soldaten wurde« gefangen genommen. Ich habe die nöttgen Befehle gegeben, um die Sicherheit der Bewohner de« eroberten Landes ohne Unter­schied der Religion zu gewährleisten. Die Sie. gesnachricht wurde gestern in Athen durch große nationale Kundgebungen gefeiert. Weitere De- peschen auS dem griechischen Hauptquartter be­richten: In Epirus besetzte die griechische Armee Philippiadha, LuroS, Leotherochori und Dtrivinm Die Türken hinterließen beim Rück, zug viel Kriegsmaterial und einige Gefangene, Dem neue« Jnfanterie-Regiment, das in Athen aus kretifchen Milizsoldaten gebildet wurde, übergab Premierminister Beniselos gestern seine griechische Fahne. Er sprach dabei die Ueberzeugung auS, daß die kretische« Sol­daten Griechenlands als Helden für die Frei, hell der unterjochten Brüder kämpfen und ihre Fahne 'mit Ruhm und Ehre bedecke« werden.

Revolution in der Türkei?

(Telegramm unserS Korrespondenten.)

Konstantinopel, 28. Oktober.

Hier sind Gerüchte Im Umlauf, daß infolge der ungünstigen Meldung vom Kriegsschauplatz eine revolutionäre Bewegung im Gange ist. Ma« befürchtet, daß das Eintreffen weiterer Nachrichten von Niederlage« die Re­volution zum offenen Ausbruch bringen kömttc. Unter ben Offizieren soll eine »erarttg erbitterte Stimmung Herr- ch«l, daß ein Erlaß des KriegSministerS die meuternden Offizier« mit den schwersten Stta- en bedrohen mußte. Die aus Adrianopel kommenden Flüchtlinge vermehren «och die Verwirrung. Bei Kirk-Kilisse solle« türki- che Bataillone aufeinander ge- hoffen haben, wodurch eine Panik entstand. Ei« Rediff-Bataillon hat sich der Eilenbahn be» mächtigt und ist nach Baba-Esci geflüchtet. Der Kriegsminister Nazim-Pascha hat fein Haupt­quartier in Corlu aufgeschlagen. ES wurde ihm nahegelegt, die Offensive zu ergreifen. Die allgemeine Verwirrung in der Hauptstadt wird auch durch die Nachricht verstärkt, daß ein Kabinettswechsel bevorstehe. Anstelle Ghazi Mutthar soll Kiamil Pascha das Großwesirat übernehmen. Dem Sultan wird von den Zeitungen dringend nahegelegt, sich persönlich ins Hauptquartier der tückischen Truppen auf den Kriegsschauplatz zu begeben. Wie es heißt, will der Sultan dieser Aufforderung entspreche« ««b nm Mitt­woch Konstantinopel verlasse«.

genießen. Die wilden Stämme der Arnanten kämpfen noch nach alter Art und Weife, mit Ueberraschüngen. Uetzerfällen und endlosen Feuergefechten, die oft nur den Zweck Haiden, Munitton zu verschwenden. In den serbischen Lagerfpitätzern liegt kein einziger verwundeter Arnaut, denn di« Albaner nehmen ihre Ver. wuNdeten im Rückzug mW sich, weil sie über, zeugt sind, daß die Serben sie niebermet- »ein würden Auch unter den serbischen Sol. baten ist di« Beftirchtmrg allgemein, daß sie im Fall« ihrer Gefangenschaft zumindest Nasen und Ohren verlieren würden. Die Fürsorge für die Verwundeten wird den Arnanten durch di« F r a n e n erleichtert, die ihnen fast bis zur Kanrpflinie folgen. Noch am Mittwoch über, fielen Arnanten die serbischen Blockhäuser um Merdave, doch waren dort nur Frauen und .Kinder, die sich zumeist rechtzeitig in die Berge flüchten konnten. Die Arnanten setzten das Dorf in Brand. In der Nähe befindliches serbisches Militär eilte herbei und di« Mbaner zogen sich rasch zurück. Bei dieser Gelegenheit zeigte es sich, daß die Arnanten di« Unverletzbarkett des Roten Kreuzes* anscheinend nicht kennen, denn sie haben aus die unter dem Schutz des Roten Kreuzes stehenden Feldlazarett« geschos. feit, diese Zelte waren sogar ihr allgemeines Ziel. Die

Vor der Katastrophe?

(Telegramm unsers Korrespondenten.)

Zagora, 28. Oktober-

Die regelrechte Belagerung Adrianopels hat bereits begonnen. Offiziell liegen jedoch hierüber «och keine Nachricht«« vor. Die von Konstantinopel aus verbreitete Meldung, daß die Türken Kirk-Kilisse zurücker- obert haben, ist eine reine Ersin- düng. Oestlich der Tundja stehen tückische Truppe« «ur noch unmittelbar vor Adrianopel, und zwar gehören sie zur Besatzmrg, die an Zahl Mr eine eingreifende Operation zu fchwach ist. Bo« Norden unb Westen her ist also Adria­nopel gänzlich umklammert, auch von Süden und Osten dürfte dies augenblicklich geschehen fein, denn die an der Adra gebildete Kolonne hat den Fluß überschritten. Im Be- regalnitzatal werde« die Operattonen kräftig fortgefetzt. Alles deutet aitf eine gemein­same Aktion zwischen der bulgarischen und serbische« Armee hin. Die Türken ziehe« sich unter Hinterlassung von Proviant und Muni, tton südwärts auf Jstip zurück. Bei Adriano- pel habe« nach de« neueste« Meldungen die Türken gestern eine schwere Niederlage erlitte«. Verstärkungen dahin gehe« ab und es scheint, daß ein« Katastrophe bevorsteht. Die Stadt ist von allen Setten eingeschloffen.

Sie Flucht der Türken.

(Telegramm unsers Korrespondenten.)

Zagora, 28. Oktober.

Die türkische Hauptarmee wird hinter dem Ergenesluß vermutet. Die einzige Erklärung für die panikartige Flucht der Türken bei Kirk-Kilisse war die allgemeine Furcht schon auf dem Schlachtfelde abgefchnittckn zu werden. Die Türken Hefte« achtundfünfzig Ka­nonen mit Munitton zurück. BIS willkommene Beut« fielen den Bulgaren ferner Zelte in die Hände. Die Gewehre standen in be« Lagern noch i« den Ständern. Sehnliche Nachrichten von de« serbische« GesechtSzeite« beweise«, daß die alte türttfche Zähigkeit in der Defensive ge. chwunden zu sei« scheint. Hier eingetroffene türkische Gefangene berieten über eine verhäng, nisvolle Demoralifierung des türttfche« Heeres, bie durch die Einnahme von Kirk-Ki- kiffe «och verstärtt worden ist. Die Sttaße zwi­schen Koischana unb Jstip ist besät mit Aus- rüstungS- und Bekleidungsstücken, die die Tür- tat zurückgelaffen haben. Die Türken ließe« ich zu großen Ausschreitungen gegen diejenigen bulgarischen Soldaten hinreißen, deren sie sich bemächtigen konnten. Man fand verstüm- melke Leichen bulgarischer Soldaten, Vene« Nase und Ohren ab geschnitten und die von zahlreichen Mefferstichen durchbohrt waren. Andere waren schrecklich verstümmett.

Die Serben in Aesküb.

(Privat-Telegram m.)

Belgrad, 28. Oktober.

Amtlich wird bekannt gegeben: Der Einzug des Kronprinzen i« Uesküb vollzog sich fei­erlich. Die Konsuln wohnte« dem Eftuua bei.

Kriegsdepeschen

Adrianopel von allen Seiten eingeschlossen; eine neue schwere Niederlage der Türken; die Verbündeten Heere auf dem Wege nach Konstantinopel; die Demoralisation im türkische« Heer!

verwundeten serbischen Soldaten, die nach Nisch gebracht wurden, stammen zu- mefft aus der Kolonne des General Jankovic und haben die Gefechte um Raska, Merdare und Dubnica mitgemach* Aus ihren Erzählun­gen geht hervor, daß auf beiden Seiten die unerschütterlich« Ueberzeugung herrscht, daß es sich ausschließlich um einen Glaubenskrieg: Kreuz gegen Halbmond, handelt. Etwa viertausend Arnanten beun­ruhigte« in den ersten Tagen der Woche di« gegen Pristtna vorrückenden serbischen Regi­menter. ES war unmöglich, den Truppen Nachtruhe zu verschaffen unb umso höher ist die rasche Einnahme von Pttstina einzuschätzen, wo reguläre tückische Truppen standen. Ueber den Verrat, dessen Opfer der serbische Haupt­mann Popovic wurde, erzählt« mir im Lazarett in Nisch ein Verwundeter, der unweit vom La­zarett einen Kaufmannsladen besitzt:Haupt­mann Popovic war infolge der Mobilisierung aus Patts, wo er an der Sorbonne studierte, nach Hause gettlt und erhielt das Kommando unserer Kompagnie. Er beschäftigte sich viel mft der albanesischen Frage und sprach oft da­von, daß man die Albanesen für Serbien gewinnen müsse. Er kannte auch ihre Sprache und ließ sich deshalb auch in unsere Kolonne einreihen, die gegen die Mbaner be­stimmt war. Unsere Kompagnie, die nur fünf­zig Mann stack war, hatte bei Raska den Be­fehl, aus unserer gedeckten Stellung gegen eine Schar Anlauten vorzurücken. Plötzlich sahen wir, wie einige Albaner auf ihren Gewehren weiße Tücher,

das Parlamentärszeichen, befestigten. Hauptmann Popovic ließ sosott das Feuer einstellcn und eilte mit ausgestreckten Armen auf den türkischen Offizier tu der die Albaner kommandiette. In diesem Augenblick sprang ein Albanese mit hoch emporgehobencm Japagan hervor unb zerschmetterte dem armen Hauptmann ben Kopf, her fast von den Schul­tern siel. DaS Entsetzen ließ uns im ersten