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Easseler NeM Nachrichtm

Caffeler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 275

Fernsprecher 951 und 952.

Sonntag, 27. Oktober 1912

Fernsprecher 951 und 952,

2» Jahrgang

Der Balkankrieg

der

Sofia im Freudenrausch

(Prtvat-Telegramm.)

Die Opfer von Kirk-Kiliffe.

(Telegramm unsers Korrespondenten-!

Zagora, 26. Oktober.

Eine neue Türken.Niederlage?

(Privat.Telegra nun.)

Sofia, 26. Oktober-

"klein würdig ist. Die Regierung tat hiermit ! auch keine Schritte zur Einberufung des Reichstages. Die Einberufung deS Reichs­tages steht nach der Reichsverfasiung dem Kai­ser zu. Das Urteil darüber, ob es den Jn- tereffen des Reiches angemessen und nützlich, ob eS für unsere auswärtigen Beziehungen er­wünscht oder auch nur förderlich ist, dass die in­ternationale Lage im Reichstage erörtert werde kann nur der R-ichsleitung zustchen die allein imstande ist, sämtliche für einen sok.

. . Sofia, 26. Oktober.

: ;Nachricht von der Einnahme von Kirk-

Kilisse hat das sonst so ruhige bulgarische Bolk in einem wahren Freudenrausch versetzt. Die Strasten waren gestern mit dich­ten Menschenmaffen angefüllt, die sich' jubelnd di« Freudensbotschaft zuriesen:Kirk-Ki- "/l- gefallen!"Großer Sieg!« Wildfremde Menschen umarmten und küß­ten sich auf der Straße, als ob es Ostern wäre, -.as Ziel der großen Menschenmengen, die 4«^ble Sofias zogen, war der kö­

nigliche Konak. Tausende von Menschen stau­ten sich aus dem Platz vor dem Palais und be- grustten lebhaft die Königin Eleonora,

*e klch unter der Königlichen Standarte auf ei­nem der Balkon« zeig,«. Ter griechische G e - sandte Panas, der gerade vorbeifuhr, wurde von der Menge erkannt, die ibm gleich- alls eine lebhafte Ovation bereitete. Er wurde aus dem Wage gehoben und auf ben Schultern bet Menge nach dem Hotel Bulgarin getragen, von dessen Balkon aus er eine flammende A n - spräche an das Volk hielt. Bald daraus formte sich die Menge zu einem großen D e - monstrationSzuge, der, die Fahnen al­ler Balkanstaatrn zeigend, durch die Stadt zog.

Der Vormarsch der Bulgaren.

(Telegramm unsers Korrespondenten.)

Zagora, 26. Oktober.

Nachdem es den Truppen des Generals Li- wano durch bk siegreichen Gefechte am Diens­tag und Mittwoch gelungen war, die türkischen Truppen auf der ganzen West- und Rordfront Adrianopels von der Adra bis zur Straße nach Kirk-Kiliffe in den Forts-Gürtel zurück-

Links vom Kanzler saß am Tag der parla­mentarischen Teuerung-Unterhaltung der Mini- SsU&LgArbau, Kerx tzStz Zchorlemer-

abzuschneiden. Die schwere Artillerie Bulgaren beschießt mit günstigem Erfolg die türkischen Befestigungen an der südwestlichen Seite Adrianopels. Gestern unternahmen die Türken neuerdings einen Ausfall in t:r Richtung nach Arnautküj, der aber ebenfalls wie der vorgestrige mit großen Verlu­sten zurückgeschlagen wurde. Tie völ­lig Einschließung Adrianopels wird nun in den nächsten Tagen auf der Ostfront und im Süden vollkommen sein. Zu diesem Zwecke rückte von Südosten eine starke bulgarische Truppe über Bravadiga vor, um östlich von Musubayli zusammen mit der zweiten Armee auf der Straßenach K o nst an t in o p el vor- zugehen und die Verbindung mit Adrianopcl vollständig abzuschneiden. In dem Kampf bei Junlsche haften die T ü r k e n ungefähr drei hundert Tote. Fünfhundert Türken wur­den gefangen genommen. Die Bulgaren erbeu­teten drei Schnellfeuergeschütze und zwölf Mu­nitionswagen.

9et Kanzler, lies gerührt...!

Die Teuer«« s-,Debatte im Landtag.

Niemand hatte erwartet, daß der Herr Kanzler und Ministerpräsident am Freitag im Paftamenthaus an der Berliner Prinz Al- brechi-Straße mit einer Ladung Mettwurst und etzlichen (aus Argenttnten importierten) Ham­meln tu Eis erscheinen werde, um die Teue­rung und die Fleischnot im Land mit der wuchtigen Tatkraft zu bekämpfen, die wir an diesem fünften Kanzler und Ministerpräsi­denten zu bewundern uns gewöhnt haben. Aber Herr von Bethmann Hollweg hat, trotz­dem die Hoffnung der in gottgewollter Ab­hängigkeit am Fuß des Erkenntnis-Olymps moderner Regierungkunst Harrenden den Null­punkt kaum überschritten, dennoch enttäuscht, und seine Worte vom sünfundzwanzigsten Ok­tobertag werden unfern Enkeln vielleicht ein­mal als Musterbeispiel eines politischen Eier­tanzes von anno neunzehnhundertzwöls und als Beitrag zur politischen Psychologie einer «nt- schlußarmen und vom Klassen-Intereffe be­herrschten Zeit in die Erinnerung zurückgerufen werden. Es war ungemein rührend, als der Herr Kanzler mit umflorter Stimme von dem Mitleid sprach, das angesichts der Not der Armen und Aermsten seine Sette bewege, und es ist betrüblich, daß in dem stenographischen Protokoll der Freitag-Sitzung im Preußen­haus nicht die Zähren erwähnt werden, die beim Hören dieser Worte die Herren Abgeord- neten im feucht schimmernden Auge zerdrückt haben.

zuwerfen, schritt General Liwano gestern weiter zum Vormarsch auf dieser Front und rraf gleichzeitig alle Maßnahmen, um auch die "«Wsfeaga mit Kontzagrigopel

I Der Balkanbrand und wir.

(Privat-Telegram m.)

München, 26. Oktober.

Die gestrigen Erklärungen des Ministerprä­sidenten Freiherrn von Hertling über die I internationale Lage erregen hier großes Auf­sehen. Der Ministerpräsident erklärte unter anbetm:Das Haus wird mit mir in der Anschau­ung übereinstimmen, daß angesichts der Vor­gänge auf dem Balkan für die Regierung die äußerste Zurückhaltung in der Darle­gung der Momente geboten ist, die uns bestim­men, von der Anregung zum Zusammentritt deS Bundesratsausschusses abzusehen. Und ich glaube, es liegt im Interesse des Reichs, nicht minder aber auch im Jntereffe des Ansehens deS bayrischen Landtages, wenn wir hier nicht einer parlamentarischen Instanz vorgreifen, die für di« Besprechung der deutschen auswär­tigen Politik an erster Stelle berufen und zu- fiönbig ist, nämlich dem DeutschenReichs- ! t a g. Zweckbestimmung des Bundesratsaus- fchnffes ist nicht, daß beim Eintritt jeder inter­nationalen Verwickelung die Forderung nach Zusammentritt des Auswärtigen Ausschusses erhoben witt, nicht nur, daß eine durch nichts veranlaßte Beunruhigung der öffentlichen Mei- nung eintreten müßte, wollte der Ausschuß in diesem Augenblick sich versammeln, sondern es würde auch der Anschein entstehen, als gebreche es der auswärtigen Polittk des Deutschen Rei­ches an jener unbeirrbaren Einheitlich, leit und Zielbewußtheit, die eines

großen und mfichttgen Volkes

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Rach einem offiziellen Bericht be- gann die Schlacht von Kumanowo in der Rächt zum Donnerstag und dauerte den ganzen F r e i t a g bis abends an. Die Stärke der tür­kischen Truppen wird auf 25 000 Mann geschätzt.

des völlig bestrichenen Gefechtsfeldes gin­gen die serbischen Infanteristen gegen die dir. "scheu Schanzen mit einem Bajonett-An­griff vor. Es kam wiederholt zu einem Handgemenge. Besonders erfolgreich war das Eingreifen der ferbifchen Artillerie in den *11* die drei zu einer Attacke ausholende tu"lsche Schwadronen vernichtete. Die beider- settlgen Verluste find groß. Die Türken so l- l e n aOOO Mann verloren haben. Der Kronprinz leitete ben Kampf mit seinem Stabe in unmittelbarer Nähe des Gefechtsfelbes. Auch der König erschien mit seinem Generalstabschef auf demGefechtsfelde. Ter Geist ber Truppen tp vorzüglich. Unter anderer Kriegsbeute er­oberten die Serben zwölf türkische Geschütze. ^ie Bedeutung ber Schlacht von Kumanowo ftegt barin, daß Uesküb von ber türkischen awnee nur von einer einzigen Position vertei­digt werben kann.

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Im Hauptguartier hat gestern mittag i« her °^'Edrale von Zagova in Anwesenheit be§ Königs, ber Prinzen und ber Generale ein bie Gefallenen von Kirk Kilisse stattgefunden. Aus den Erzählungen ber gefangenen türkischen Soldaten geht hervor, dap die christlichen Soldaten sich gern erge­benhaben, weil sie angeblich als Kano- nenfutter in die erste Linie geworfen wur- Leutnant Huffein-Bei erzählte, daß ein Bataillon in Kadikoj, zwei Stunden südlich von 7/uf^pha^Pascha lag und von den Bulgaren plötzlich überfallen wurde. Die Bulgaren wa­ren bereits in den ersten Gaffen des Ortes, als die Offiziere, diebeimKaffee faßen,erst merften, daß die Vorposten schon überrannt waren. Dann wurde sechs Stunden lang m i t g-kämpft und nf§ schließlich die Munition ausging und von dem ganzen Bataillon nur noch ein Drittel übrig geblieben war, ergaben sich die Ande­ren. Heber die Eroberung von K i r k - K i - lisse wird uns gemeldet, daß auf türkischer Seite während des größten Teiles des Kamp­fes nur eineinh a lb D i v ist o n en unter Mamuth-Mufthar Pascha im Feuer standen, | während die Verstärkungen, die neunte Divi- ston und drei Kavallerieregimenter, zu spät kamen.

Depeschen aus Konstantinopel melde« uns: Es geht das Gerücht um von der Gefangennahme größerer bulgarischer Truppe«, bei Adrianopel. Gestern abend tobte «m Adrianopel «r^^^^^E-viekamPf, bei dem sich die Ueberlegenheit der tür­kischen Artillerie zeigte. Die Bulgaren erlitten schwere Ber- ® iffce Stellung räumen. Bei Kirtschali beschlag,

nahmten die Bulgaren ein türkisches Munitionsdepot, das über eine Million Patronen, vierzig Kisten mit Granaten, sowie Kohlen- Ge° tteide. und Mehlvorräte enthielt. Die Garnison hat sich ergeben.

jip Habe« an bem Tag. der den wilden Stürmen der Berliner Hausfrauen auf die Markthallenstände am Wedding folgte, aus dem Mund des Kanzlers vernommen, daß die Teue- rung im Land zwar schwer und drückend ist, daß weite Volkschichten darunter empfindlich leiden müssen und daß sogar die Gefahr einer Unter-Ernährung bei wefternr Andauern der Teuerung am Wege lauert; aber es ist uns nach der Offenbarung ziemenden Mitleids mit den Opfern der Heimsuchung auch gesagt toor-

daß die Regierung sich außerstande stcht, die bisher von ihr »zur Bekämpfung der Teuerung* ergriffnen Maßnahmen (deren größ­ter e.ell bekanntlich mit bem dünnen Holz- Wier der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung bereits dem Schicksal des Vergilbens anheimge- Mllen) «och zu erweitern. Diejenigen wcaßnahmen zur Teuerung-Bekämpfung, die

Stilen Teil des Volks als einzige ^^,^°Slickkeit erkannt sind und bfe auch in *er sicherlich bescheidnen Jnterpellation-Begnin-

des nationalliberalen Sprechers gefient ^'"destmaß Dessen genannt wurden, Regierung zu tun gezieme, hat Herr von Bethmann, ohne die Härte feiner Worte iu mildern, unmöglich, undenkbar und undiS- ^bel genannt und damit darf also die Hoff- 3/ begraben gelten, die noch zu wähnen wagte, daß die Regierung unterm Druck der Volkstimmung, und angespornt durch den Ret- tur^-Elfer der Parteien, sich in zwölfter Stunde no* 3U einer Tat ermannen werde.

Ter Kanzler hat am Freitag eine ganze Stunde hindurch das Ohr des Parlaments be- ansprucht und er hat in diesen sechzig Minu- ten nicht ein Wort gesprochen, das als tröst­lich und hoffnungweckend bem Land in Er­innerung bleiben könnte; im Gegenteil: Durch die yhit der Rede glitzerte überall der Ent­schluß, um keines Haares Breite von denbe­wahrten Richtlinien unsrer Wirtschastpolittk1 abzuwrrchen, von derselben Wirfichaftpoli- ttk, deren Väter im Septembermond auf dem Papier der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung dem von der Rot bedrohten Volke zu demon- strieren versuchten, die herrschende Teuerung sei lediglich ein Ersolgbeweis unsres Wirtschaft- Systems, weil der Fleischkonsum sich derart ge- steigert habe, daß das Angebot am heimischen Markt die Nachfrage nicht mehr zu decken ver­möge. Man kann von einem offiziösen Moni­er, ber ben Geist ber Regierenden durch die Gaue trägt, nicht verlangen, daß er die Kund­gaben ministerieller Polittk auf ihren Gehalt an exakt-volkwirtschaftlicher Erkenntnis prüft von einem Minister indessen, bet um ben Lorbeer wirbt, bie Fleisch-Teuerung burch Sta­tistiken und Gemüse-Offerten aus bem Land getrieben zu haben, sollte man erwarten dür­fen, daß er ben Elementarbegriffen der Natio­nalökonomie fein Leid zufüge. Was damals, vor Wochen, in dem Kanzlerblatt der Wilhelm- straße als aller Weisheit letzter Schluß in offi­ziösem Sperrdruck verkündet ward, hat gestern im preußischen Unterhaus von der Regierung- bank aus dieklassische Interpretation1 er­fahren.

Die heute vom Kriegsschauplatz am Balkan vorliegenden Nachrichten lassen erken­nen, daß die Türken sich tatsächlich auf der ganäen Linie im Rückzug befinden. Zwei­felhaft ist allerdings noch immer, ob dieser Ruckzug von strategischen Erwägun- gen bestimmt wird, oder ob er auf die Was. TeSrt?J0e der verbündeten Balkanmächte zuruckzufuhren ist. In militärischen Kreisen be. sicht nach wie vor die Ausfassung, daß die Strategie des türkischen Generalstabs den Rück- zug als Mittel zum Zweck bewachte, um die Balkanheere immer weiter vorzulocken und ihnen im gegebenen Augenblick unter Einsetzung der vollen Truppenmacht eine ent schei- dende Schlacht zu liefern. Diese Entschei­dung wird zweifellos vor Adrianopel stattfin­den, wo sich der Kampf jetzt vorbereitet Wir verzeichne« nachstchend die uns heut» vorlie­gende« Depeschen vom Kriegsschauplatz:

Die Schlacht von Kumanowo.

(Privat-Telegram m.)

Belgrad, 26. Oktober.

Lieser, der ehedem am Rhein regierte und von dem die Propheten der Wilhelmstraße behaup- len, daß er in der Schwüle des Landwirtschaft- Ministeriums nicht ergreifen, sondern ehestens feine beträchtlichen Talente in der Lösung schwierigerer Aufgaben versuchen werde. Herr von Schorlemer, dem Teuerung und Not per- fönlich sicher unbekannte Dinge sind, hat uns gestern erzählt, wie vortrefflich unsre Nach­barn, die Franzosen, sich von Gemüsen und andren vegetabilen Schätzen nähren, wie die gallische Volkheit dabei gedeiht und wie man jenseits der Vogesen bei Salatblättern und baumlangen Rhabarberstauden glücklich und zufrieden ist (vom drohenden Geburten» t Rückgang in Frankreich war gestern nicht die . Rede, denn mit der Volkvermehrunki hat das i Gemüse-Menu natürlich nichts zu tun). Der . Herr Minister für Ackerbau verargt es dem Volk der Preußen, daß esimmer nur nach Fleisch ruft1, und es ist einigermaßen ttösttich für uns, daß er gleichzeitig erklärt hat, er werde fortfahren, die Darbenden und Notlei­denden über die zweckmäßigste Enthaltung vom Fleifchgenuß auszuklären. Wir werden davon zwar nicht satt werden, aber wir dürfen in die­ser erfreulichen Fürsorge doch den Beweis er­kennen, daß dem Herrn Minister vor der jüngst noch versuchten Erklärung ber Teuerung als »Wirkung glücklicher Wirtschaft-Entwicklung1 selbst etwas bänglich geworden ist. Was gestern noch im übrigen geschah, lohnt nicht der Worte: Es war der Versuch, eine wirtschaftliche Kata­strophe mit dem dünnen Fimis kostenloser An­teilnahme zu überdecken; weiter nichts ...I

________ F. H.

Droht bem Balkon Gefahr?

Mirristererkliirringe« im Bay ernparlament.

Der bayrische Ministerpräsident, Freiher von Hertling, beantwortete gestern im bayri­schen Landtag die sozialdemokratische In­terpellation wegen der B a l k a n w i r r e n. Er erklärte, die bayrische Regierung habe keinen Anlaß, den Bundesratsausschuß für auswär­tige Angelegenheiten einzuberufen. Es liege weder im Interesse des Reiches noch im An­sehen des bayrischen Landtages, dem Reichs- tag als der zuständigen Instanz zur Beurtei­lung der Auslandspolittk vorzugreifen. Durch eine Versammlung des Bundesratsausschusses für auswärtige Angelegenheiten in diesem Au­genblick würde eine Beunruhigung der öffentlichen Meinung hervorgerusefl werden.

Gestern abend hier eingetroffene Meldungen berichten einen neuen SiegderBulgare« über die Türken. Dje Bulgaren haben danach gefteim früh die bei Karakli, dreißig Kilometer südlich von Kirk-Kiliffe angesammelten türki- fchen Streftkräste in die Flucht geschla­gen. Auf türkischer Seite seien 1300 Mann gefallen. Der rechte Flügel der Armee Ni­zarn Pafchas sei in voller «uftöstmg begriffen. Adrianopel werde kaum noch länger Widerstand leisten. Die Hauptmacht ber Bulgare« rückt natf; Luleburgas vor und wird versuche«, die Bahnverbindung nach Adrianopel abzuschnei­den. Weitere Depeschen melden: Gestern wurde von einer Abteilung fceS dritten serbischen Ar­meekorps der unweit Nikrowitscha gelegene be­festigte Ort Wuschitrao besetzt. Dadurch ist die Stellung der Derben ftr Prischtina befestigt worden. Die Einnahme von Nikro­witscha wird bestimmt für heute erwartet. Den letzten Nachrichten aus dem montrnegri-I Nischen Haupttager zufolge steht die Ein­nahme von Skutari unmittelbar bevor. ES bestätigt sich, daß gestern früh die höchste Spitze des Tarabosch eingenommen wurde L.' i»n

6arbiaen t«ria s ° .e6,cnfo mente gegeneinander abzuwägen. Ich möchte

den Einwohnern zur Uet^gabe g^t wiL" b^uben^um Ta/"?* r ' um nach einer andere« Richtung

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