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Caffeler Abendzeitung

2. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952.

Donnerstag, 24. Oktober 1912

Fernsprecher 951 und 952.

Nummer 272

TeueriNM'KauHse in Berlin!

Fleischnot Intermezzo in der Markthalle.

Ein Privat. Telegramm meldet uns aus Berlin: In der Markthalle am Wed­ding kam es heute früh zu großen Kra -

Jn der vergangenen Nacht besetzten die auf L.mnos gelandeten griechischen Trup­pen in Stärke von fiinshundcrt ?)!ann nach einem kurzen Gefecht die Stadt K a st r o s. Auf der Insel wurde die griechische Fahne gehißt.

Die Weltgeschichte ist so oft von kleinen Frauenhänden geleitet und bestimmt worden: Warum sollte die Nüchternheit deutlet Re­gierungarbeit dauerhafter und widerstand- fähiger sein, als die gewaltigen Fundamente weltgeschichtlicher Entwicklung, die mehr als einmal das Blitzen eines schönen Frauenauges in ihren Grundfesten erschüttern ließ? Aber Das ist's nicht,, das uns an diesem Wandel fesselt: Das Kultur-Charakteristikum der modernen Frauenbewegung ist ihre inten­sive Wirksamkeit grade in denjenigen Län­dern, deren schwerblütige Volkheit auch das politische Leben ruhiger, leidenschaftloser und ernster formt als die beweglichere Art südliche­rer oder westlicher Nasse. Der Ernst politischer Frauenideale wird dort nach seinem ideellen Wert gewürdigt, und die Arbeit im Dienst einer kulturstarken Sache nach Gebühr geschätzt. Wann werden wir, die nicht manche Breiten­grade vomLicht des Nordens" trennen, am selben Wegziel stehen? Die Aussichien sind, wenn man ihre Möglichkeiten am Inhalt der parlamentarischen Bekenntnisse vom zweiund- zwanzigsten Oktobertag mißt, nicht allzu freundlich: der Weg zum Ziel führt über die Steppe der Enttäuschung, und eS wird der in­tensivsten Arbeit der deutschen Frauenbewegung und der tatkräftigsten Förderung der ihren Be­strebungen fteundlich gegenüberstehenden Par­teien bedürfen, wenn eS gelingen soll, in nicht zu fernen Tagen auch im deutschen Land daSLicht vom Norden" aufstrahlen zu lassen: Di« von der Erkenntnis deS Rechts geformte, staatsbürgerliche Zukunft der Frau! F. H.

trotz der Drohungen und ihrer genauen Aus­führung hat die englische Frau nicht erreicht, was ihre schwedische, norwegische und finnische Schwester erworben: Sie sieht noch den vollen Kamps vor sich, wo jene schon den Sieg orga­nisiert. Das Frauenwahlrecht ist im Westen unsrer politischen Kultur noch weit davon ent­fernt, Krone, Regierung und Parlament für sich zu haben, und die Debatte über dasRecht der Frau" im Preußenhaus hat bewiesen, daß grade bei uns dem Fortschritt der politischen Frauenbewegung und ihrem Weg zum Ziel sich Hindernisse entgegenstemmen, die weniger durch innere Stärke als durch ihre Schroffheit der Frauensache gefährlich werden. Vielleicht wird auch bet uns einmal der Tag heraufdäm­mern, der einer glücklichem Erkenntnis Raum und Reckst gönnt; vielleicht erinnern wir uns dann der starken Männerworte, die an diesem zweiundzwanzigsten Oktobertag im Hause preu­ßischer Volkpolitik gesprochen wurden, wie eines Märchens aus der Großväterzeit, und das Begräbnis erster Klasse", das neunzehnhun­dertzwölf demIdealismus der Frau" im Par- lammt bereitet ward, erscheint dem rückschauen­den Auge einer glücklichem Zett dann wie die Jrmng einer schwachen Stunde.

schlossen werden mutz.

AlS wenn Fortschritt Revolution und Kampf um Rechte Umsturz wäre! Grade im Norden unsrer Kultur, in Norwegen und in Finnland, besitzen die Frauen längst das Recht, die Geschäfte ihres Landes zu beeinflussen, zu wählen und sich wählen zu lassen. Im Swr- thtng gibt er einFräulein Abgeordnete", im finnischen Landtag sogar mehrere. Und Norwe­gen ist t r o tz d c m noch nicht in einrr.Explosion aller Leidenschaften" zugrunde gegangen, und auch Finnland lebt fein nationales und knltu- relles Leben fort, sowett eS äußrer Dmck ge­stattet. Die Frau hat den Parlamenten deS RordlandS ihre heitre und doch etwas kühle Att, die frauenhaft verflärte Vernünftigkett mttgeteflt, di« fo häufig in der abseits von Vtrindberg blühenden Literatur Schwedens gerühmt wird, und daS Wesen des Parlamen­tarismus kann davon nur gewinnen. Mit dem schwedischen Frauenwahlrecht ist übrigens ein Kampf gekrönt worden, der seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts rege, aber in gemessnen Formen angedauert hat. Seitdem Frederika Bremer in ihren Romanen aus dem Alltag- leben di« denkenden Frauen auf dies Ziel g«wi«sen, hat es die schwedische Frauenwelt nicht mehr auS dem Auge gelassen. Mehr als ein halbes Säkulum lang hat sie sich auf den Sieg vorberettet, hat sie ihre politische und totale Bildung vertieft, ist sie im öffentlichen Leben deS ManneS wahrste und beste Gefähr­tin geworden, und man erachtete es demgemäß als Gebot polittscher Kultur und fozialer Ge- rechttgkett, der Frau auch dort WirkenSmöglich- keit zu geben, wo ihre Arbeit dem P o l k g a n ten nützlich werden konnte: Im Parlament!

Nord und West unterscheiden sich im Ringen am höhere Ziele grundsätzlich: In Norwegen, Schweden und Finnland hat die Frau selbst- verleugnend, aber still um ihr Recht gerungen; in England warb sie mit den Mitteln des Gassenkampfs (mit Prügeleien, Ministerübrr fällen und Attentaten) um ihr Ideal. Die englische Lady, dies Wunderbild einer le­bensvollen Tradition und einer vornehmen Eigennatur, ist fast ganz hinter der Suffra­gette verschwunden, die alle Weiblichkeit ab- lrgt, wenn sie für die Weiblichkeit kämpft. U

Die Serben vor Prischttna!

(Telegramm unsers Korrespondenten.) Nisch, 23. Oktober.

Die Derben haben gestern Buganuofe genommen und seit heute morgen wird um Kumanowo und Egripalanka gekämpft. Den hartnäckigsten Widerstand leisten die Albanesen. Trotzdem gelang eS den Serben, bis Prisch- tlna heranzukommen. Die Albanesen sollen bedeutende »erluste erlitten haben Im Labtal haben sich ungefähr Zweitausend tür- fische Derbe« der serbischen Armee angeschlos­sen. Jffa Boljettnap hat tatsächlich der serbi- schen Armee angeboten, an der Spitze von zweitausend Albanesen gegen die Türken inS Feld z« ziehen. Man traut ihm jedoch aus serbischer «eite nicht recht. Die serbischen Trup­pen zeigen angeblich eine vorzügliche Haltung, dagegen soll die türkische Ar- mee vollständig demoralisiert sein. Die AlbanesenchesS haben bet ihren Truppen kein Ansehen, so datz die Haltung der Albane- en unsicher geworden ist. Eine Kolonne der zweiten serbischen Armee nahm Kratowo ein, eine andere Kolonne Kotschana. Die erste Ar­mee befindet fich noch vor Kumanowo. Die gestern in Belgrad verbreiteten Gerüchte über die Einnahme von Kumanowo find noch unbe- (tätigt.

Der Kampf «m Kirkliffe.

(TelegrMM unserS Korrespondenten.) d Sofia, 23. Oktober.

Die bulgarische Ostarmee hat gestern de« Ort Bajsal-Baraköj sowie Provo- d i a und drei Fortbefestigungen von Adriano- vel eingenommen. Der Kampf um Ktrk- lisfe dauert noch fort. Die Westarmee hat Bangska eingenommen und schreitet jetzt in der Richtung gegen RaSlow und Nevrokop vor. Revrokop soll bereits in b«lgari. schen Händen fein, wie die letzten Meldun- gen besagen. Die türfischen Truppen haben überall Munitton und Lebensmittel in große« Mengen im Dttch gelassen. Die bulgarische Armee vor «drianopel ist bis sieben Kilometer an die Stadt herangekommen. Die Rodope- Armee hat nach Einnahme von Kirtschala durch daS Brdatal die Verbindung mit dem rechten Flügel der bulgarischen Armee gewonnen. Während deS gestrigen Tages kreuzte das türkische Geschwader in der Gegend deS Kap Kaliakra. Gegen mittag feuerte ein türki­sches Torpckwboot auf die unterhalb des Kaps gelegene Küste, ohne Schaden anzurichtcn. Zahlreiche Einwohner haben Warna verlassen und fich in das Landesinnere begeben.

Die Griechen auf Lemnos!

(Privat-Telegramm.)

Athen, 23. Oktober.

Ae Saffeter «leuefte* Nachricht« erscheinen wochentlich sechsmal in» jroar obenb«. Der Adonnem-nUpretS beträgt monatli»,* Pfg. bei freier Zustellung in, Hau«. Befte^ngen werben jeder»-« von der ÄeschäftSstelle ad« den Boten -Mg°gen«-n°mmew Druckers Berlag und NedaUton' Schlachchosftras!« 28/80. Sprechstunden der Redaktion nur von 7 bi» 8 Uhr ^nd« Sp^chfw^end-r«u,stmst. Stelle: Jeden Mittwoch und Freitag von «bis 8 Uhr adendi. Berliner Vertretung: SW Friedrichs» 16, Telephon: Amt Moritzplatz 676.

Begräbnis erster Klasse!

Frauen « Wahlrecht: Preuße». Parlament-

DaS preußische Abgeordneten­haus hat in seiner Dienstagsihung die ihm vorliegenden Petitionen um Gewährung des Wahlrechts an Franen der Regierung als Material überwiesen, was gleichbedentend ist mit einem Begräbnis erster Klaffe"". Für die Berücksichtigung der in den Petitionen ausgesprochenen Wün- sche stimmten nur die Fortschritts­partei und die Sozialdemokraten.

Daß es so, und nicht anders kommen werde, war vorauszusehen, und wer von unfeint poli­tischen Intellekt und vom Wesen parlamen­tarischer Kultur ein niedlich Spiegelbild ge­winnen will, lese nach, was am Dienstag bei der Premiere im Redehaus an der Berliner Prinz Albrecht-Sttatze an klugen, weisen und anbetn Worten gesprochen ward. Das Faztt ist nicht sor.derlich erfreulich: Wir sind (aber­mals)noch nicht reif' für die natürliche Ent­wicklung des polittschen Rechte-Ausgleichs: die Gesellschaft-Ordnung läuft Gefahr, von der Stimmrecht-Frau aus dem Gleichgewicht gerüt­telt zu werden und das Glück deutscher Mensch­heit wird vom Recht-Kampf der Frau wie von düstern Unheilwolken bedroht. Das ist (neun- zehnhundertzwölf I) die Sttmmung im Land der Denker und Dichter. Ein Jahr früher ward im Lande HaakonS, im Königreich nor­wegischer Bauern-Kultur, durch Beschluß des Volk-Parlaments der Frau die Bahn zum Wettbewerb mit demstarken Geschlecht" im öf­fentlichen Leben wett geöffnet, und tags zuvor batte int Nachbarland Schweden in feierlichster Form die Thronrede des Königs vorm Reichs tag den Frauen Schwedens die politische Gleichberechtigung tu nahe Aussicht gestellt: Die Regierung werde in kürzester Zett dem Reichs­tag ein Gesetz vorlegen, das den Frauen das gleiche Wahlrecht, die gleiche Wählbarkett wie den Männern gewähre. Das Ministerium habe fich (wie der König vor dem Reichstag «rNätte) hierzu entschlossen, weil es diese Re­form für gerecht und dem Staate nützlich erachte. Diesseits des Belts wohnen andre Ideale; die Dienstag-Debatt« int Landtag hat bewiesen, datz die deutsche Frau­enbewegung vom Ziel noch wett entfernt ist, und daß bott, wo des Schicksals Würfel rollen, in der polittsch gleichberechttgten Frau eine Gefahr erkannt wird, vor der das Tor ver-

JnserttonSprrise: DU ,-chSgesp-lt-n- Zett. M- .***» 15 J**' JS

roäTttae gerate 25 Pf, Reklame,Sil« für einheimische Geschäft« «Pf. für «lSwärttg« Geschäfte 60 Pf. Beilagen für die Sesamtaustage werden mtt 6 Statt pro Tausend be- rechnet. Wegen ihr« dichten Berbrettung in der Residenz und der U«g»b>mg ünS ^e daffeto Neuesten Nachrichten ein vorzügliches änsirti°nSorgUi ae,chLstz>t-ll-: KLln.schs «trabe 5. Berliner Vertretung: SW., grtedrichftrabe 16, Telephon. Bat Morchpla, »76.

wallen. Dort sollte der Verkauf russischen der Insel wurde die griechische Fahne geyi',l. Fleisches stattfinden. Die Letrefenden Fleischer,! Drei türkische Offiziere und zweiundmerztg die erst zugesagt hatte«, hatten sich aber tot letz-1Monn wurden zu Gefangenen gemacht, ter Stunde a« w e i g er 1, de« FleilchUeckauj tii® geitetcfc Lelearamm meldet; An früher

Zm Kriegs-Lazarett von Luzi.

Der Bericht eines Augenzeugen.

Für das segensreiche Wicken des Roten Kreuzes harrt im Balkankrieg etot beson. ders großes und schwieriges ArbeitsseHd, denn es hat den Anschein, daß die Kriogführcnden trotz aller Bemühungen bisher ihre Orgarttsa- tionen zur Pflege der Verwundeten nicht zu der Vollkommenheit ausbauen konnten, die ein Krieg in so schwierigem Gelände erheischt. Nach den Berichten vom Kriegsschauplatz tot Nordalbanien läßt trotz allen Wien Willens die Krankenpflege vieles zu wünschen übrig Das bestätigt jetzt der Bericht eines italienischen Kriegskorrewondenten, der von Podgoritza mit einem Wagen des Roten Kreuzes nach Tnzi fuhr uNd daS dortig« Kriegslazarett besuchte.

Der Schrecken des Krieges.

(Telegraphischer Bericht.)

Rom, 23. Oktober.

Der Krieg Korrespondent Santini gibt von den Zuständen in Tnzi folgende Schilde­rung: Alle Häuser des Dorfes waren geschlos­sen, Straßen und Plätze füllten monttnegrini- che Truppen und albanefische Mitkämpfer; ein montenegrinischer Offizier leitete die schwierige Arbeit, die Mohammedaner zu entwaffnen. Ich wandte mich sofort dem Hospital zu, das fuh bereits von wettem durch einen entsetzli­chen Gestank ankündigte. Dort traf ich et. neu Arzt, einen Tücken, der ein paar Worte Deutsch sprach. Er srühstückte gerade mit dem Hausverwalter, ein Frühstück, das aus Kognak und Zucker bestand. Der Arzt weigerte sich, irgend welche Arbeit zu leisten, obgleich über hundert regulär« tückisch« Soldaten ver- ttwinib'Ct ibitrloißicit briitgcTtib her ärztlichen BchanrAung bckmrften. HaN> nackt layen M* Unglücklichen umher, wohin man sah, auf den kalten Fliesen des Korridors. Keiner der Aerz. te spricht türfisch und wir dagegen sind zu we­nig, sodaß die HAfe, die wir zu leisten vermö. gen, nur kärglich ist. Der tückische Arzt war erstaunt zu erfahren, daß SSutack bereits von montenegrinischen Truppen bedroht wird, er

zu übernahmen. Da die Mackthallenverwal- tung das Publikum nicht mehr hatte benach­richtigen können, drängten sich Tausende in die HM« und plünderten die Stände der Flei­cher Es kam zu Raufereien zwischen Publi­kum und Schlächtergehilfen, sodaß die Polizei einschretten und die Halle abfverren mutzte.

Sie Kampfe am Meta. Neue Erfolge der Serben und Bulgaren; die Serben vor Prischttna; heftige Kämpfe bei Guffinje; Griechenlandung auf Lemnos.

Die Nachrichten vom Kriegsschauplatz am Balkan lauten nach wie vor völlig wider- sprechend, doch scheint heute wenigstens festzu- stehen, daß die Armeen der verbündeten Bal- kanstaaten weiter vorgerückt sind und daß all« Vorbereitungen für eine große Ent- scheidungsfchlacht getroffen werden Die Nachrichten über einen Sieg der türkischen Gruppen bet Podgoritza sind nach amtticber Versicherung aus Cetinje unbegründet. Die montenegrinische Armee hatte bis jetzt (wie offiziöse Meldungen aus Cetinje besagen) nur E r f o l g e zu verzeichnen. Der Sieg der Mon- tenegriner war selbstverständlich (diesesselbst­verständlich" stammt von den Montenegrinern) mit bedeutenden Verlusten verbunden, deren Zahl der Oefsentlichkeit mitgeteilt wurde. Die Verlustziffern seien erklärlich durch di« Zahl der türkischen Truppen, von denen über sechstausend in Montenegro kriegsgefan­gen fein sollen. Man wird allerdings gut daran tun, die andauerndenSiegesnachrtch- ten" mit gebührender Vorsicht aufzunehmen. Es liegen uns heute folgende wettere Meldun­gen vor:

'sielt den

Kampf um Tnzi

nut für ein lokales Ereignis. Ein Freund, der mich begleitete, eilte sofort zum Fluss«, um mit einem Karren und mit Kannen Wasser her­beizuschleppen, denn Wasser war zunächst das Wichtigste, wenn auch Reis und Brot fehlte Inzwischen öffnete ich die Fenster, die Herme tisch verschlossen waren, und begann ben Raum ein wenig zu säubern. In allen Gängen und Winkeln lagen schmutzige, übelriechende Ver­bandfetzen und blutgettäntte Lappen. Wo man hinsah, fand man zu Haufen solche Lum­pen, hinter der Tür, unter ben Tischen. c ging hinaus, zündete vor dem Hospital ein Holzfeuer an, schleppte alle diese schmutzigen Fetzen und Lappen hinaus und verbrannte sie. Der tückische Arzt sah mtt erstaunt zu, und wenn er mit auch nicht half, so befahl et dock einigen feinet Leute, mit ein wenig beim stehen. Gegen Mittag hatte ich diesen ganzen Schmutz und Unrat verbrannt und zugleich ben Fußboden gesäubert. Mein Freund kehck« mi' dem Wasser und mit einigen Vorräten wieder so datz zumindest heute die Pattenten eine Kleinigkeit zu effen bekommen haben Ich hoff«, datz die Lazarettorganisatton bald vollenbet wird und dann imstande fein wird die Verwundeten besser zu behandeln. Denn der Kampf um Tuzi war furchtbar.

Frauen, Kinder und MSnche.

Auf dem Rückweg von Podgotttza begegnete der Korrespondent einem langen Zuge von Frauen und Kindern, die tückische Ba­jonett« und Gewehre trugen, denn die Beut« war reich. Dann begegnete er einigen FranziSkaner-Patern aus den Ber aen; sie waren bis an die Zähne bewaffnet und trugen den Patronengurt um di« Hüsten Sie erzählten dem Korrespondenten voll Freu­de, daß sie in ber Schlacht mitge­kämpft hatten und sprachen davon, datz nun das tückische Joch in diesen Landen wohl für immer abgefchüttelt sei. Man sah förmlich, wie brr Kampfmut in ihren Augen funkelte ...!

Ei« Komplott gegen Ssasanow?

(Privat-Telegramm.)

Petersburg, 23. Oktober.

Wie hier betontt wird, ist es gestern der Polizei in Moskau gelungen, ein Kom­plott gegen den Ministet des Aeutzetn, S s a- f a ho to , aufzudecken. Auf die Anzeige eines Geheimpolizisten wurde Sonntag nackt in d«r Wohnung eines Panflawisten namens Iwa­now eine Haussuchung »orgenommen, wobei eine geladene Bombe und Manifeste vorgefunden wurden. Aus letzteren geht her­vor, patz Iwanow ben Auftrag erhalten hatte, nach Petersburg zu fahren und sofort nach ber Rückkehr Sfasanows aus Spala das A t t e u - tat ausiuführen. An die Affäre sollen

hochstehende Persönlichkeiten ver­wickelt fein. Man bemüht sich, die ganze An­gelegenheit zu vertuschen.

Hiobspost vom Zarenland.

Die Krankheit des ruffischen Thronfolgers.

(Privat-Telegramm.)

Petersburg, 23. Oktober.

Ein offiziöfes Bulletin über die Krynk- heit deS Thronfolgers hat grotze Er regung tot bet Residenz hervorgerufen. Der Thronfolger klagt über Schmerzen in bet Ge­schwulst. die durch einen Stotz in ber Zwerch fellgegend entstanden ist. Die hiesigen Aerzte kreise beurteilen den Fall sehr ernst, da er sehr leicht zu Komplikattonen führen könne. Der Thronfolger hat übckgens schon einmal an ei ner Geschwulst leichterer Art gelitten. Wie ge­meldet wird, teilen sich in die Pflege des Thron­folgers unermüdlich die Zarin tmb ihr« in Spala zu Besuch weilende Schwester, bk Prin zessin Heinrich von Preutze« Gestern abend wurde bekannt, datz daS Befinden deS Thron­folgers fick ernstlich verschlimmert habe, doch sind diefe Gerüchte bisher unbe­stätigt geblieben.

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