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Hesstsche Abendzeitung
Casseler Abendzeitung
2. Jahrgang.
Fernsprecher 951 und 952.
Freitag, 18. Oktober 1912
Fernsprecher 951 und 952.
Nummer 267
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Kriegsbeginn am Selten!
Die Feindseligkeiten haben begonnen.
LN Xnfitln Neuen« NaLNcht« erleb ein en wochmUl» ledrfmat und jroar abenba Der ebeememmtäpTtt# dekrügi monattto SO Mg. bet freier K-Nellmig In« ©au« Beftellimgen nxrt« Itbenetl non e«i »eldjiftitutle oder den Bot« mtgegengenommen. »ruderet, Oer lag an> «ibattu* 6d)lod)U>offtTab< 28/30 Lpr-chfNmd« der Redaktion nm non I bl« S Uhr tolmtttaa« Vv«chftund« »ei Lu«kmM ■ Stelle: J«d« Mittwoch und Freitag von I 6t| । aMnb« Berlin« Vertretung SW. FriedrichNr 16. Televdon: Amt TlortSbtae 676.
Ein paar Daten: Fürst Lichnowsky, der zunächst Gardehusar war und dann im Jahre 1884 sich der diplomatischen Laufbahn zu- wandte, ist nach der Bukarester UeberHangszeit leben volle Jahre erst als zweiter, dann als erster Botschaftsrat bei unsrer Londoner Mission tätig gewesen. Mit dem englischen
Die Feindseligkeiten an der serbischen und bulgarischen Grenze haben heute früh begonnen. Türkische Truppen rücke« in Eilmärschen zur Grenze ab uud man erwartet für die nächsten Stunden bereits eine entscheidende Schlacht. Die türkischen Truppen find in bester Verfaffung und numerisch den Armeen der
Man darf mit Befriedigung sagen: Ein glücklicher Griff! Karl Max von Lich- noWSky ist unter den Vertretern des politisch tätigen Hochadels einer der sympathischsten und vornehmsten, innerlich freiem Repräsentanten, von dem wir in deutschen Landen manch gutes Wort gehört haben und dessen Name auch in London geschätzt wird, trotzdem er eigentliche Sympathie dem britischen Empfinden nicht ab- zuringen vermocht hat. Ein seiner, markanter Kopf mit ausgeprägt scharfgeschnittnen Zügen, frei von der steifen Grandezza des Land-Magnaten, beweglich und lebhaft, fesselnd in Wort und Geste, temperamentvoll als Mensch und Politiker, klar und bestimmt in Wollen und Handeln, mit einem Wort: Ein Mann von schätzbaren, mannigfach nutzbaren Eigenschaf, ten, der auf der Parlamentstribüne bewiesen hat, daß er für die Fragen des öffentlichen und politischen Lebens Interesse und Verständnis besitzt und der nun, als Marschalls Nachfolger,, nach London geht, ohne von der Last der am Grünen Tisch heimischen Vorurteile beschwert zu sein. Daß man den einstigen Botschaftsrat, der acht Jahre hindurch der Diplomatie fern gewesen, für den wichtigsten Posten des deut, fchen Ausland-Geschästs bestimmte, darf vielleicht als Zeichen nützlicher Erkenntnis und be. ginnenden Umschwungs in der Wertung staats- männffcher Intelligenz gedeutet werden, und man hat Anlaß, dies« Tatsache, wenn sie wirklich besteht, erfreulich zu nennen.
Was von dem neuen Mann erwartet werden darf, läßt sich heut noch nicht absehen. Karl Max Lichnowsky ist kein Diplomat vom Dutzendschlag; als Gesandtschaftssekretär in Buka. rest und Botschaftsrat im Auswärtigen Amt sind Lorbeeren selten zu erhaschen, und in verantwortlichen Stellungen, in denen Initiative
und Entschlossenheit zu offenbaren gewesen wären, hat der Diplomat Lichnowsky sich bis. her nicht versucht. Seit neunzehnhundertvier steht er dem diplomatischen Geschäft fern, hat sich ausschließlich der Bewirtschaftung seiner Güter und der parlamentarischen Tätigkeit gewidmet und tritt also das Londoner Marschall. Erbe an als gänzlich .neuer Mann', von dem sich nicht sagen läßt, welche Hoffnungen seine Qualitäten rechtsettigen. Wer aber den schle- fischen Fürsten im parlamentarischen Kamps- jahr neunzehnhundertzehn im Preußischen Ober, haus auf der Linken (zwischen Oberbürgermeistern und Professoren) in der Gesechtslinie sah, wer seine große Rede zur preußischen Dahlieform hätte und in dem Herrenhausmitglied Lichnowsky den freimütigen, kampf- und tatgewandten Politiker bewunderte, dessen Worten die preußische Peerskammer mit gespanntester Aufmerksamkeit lauschte: Der ist überzeugt, daß Karl Max Lichnowsky auch au verantwortlichem Poften feinen Mann stellen und wertvolle Arbeit leisten Wirti
Die PrSfidenterrfrage im Landtag.
(Pon unserm paÄamentarischen Mitarbeiter.
Berlin, 17. Oktober:
Das preußische Parlament wird als eine seine- ersten Aufgaben die Neuwahl des Prä- identen vorzunehmen haben. Bis sie völligen ist, werden sich die beiden Mzeprästden- ten Dr. Porsch (Zentrum) und Dr. Kraus« (Nationalliberal) in die Leitung der Geschäft« teilen. Ein Termin für die Neuwahl der Präsidenten ist zurzeit noch nicht festgesetzt. Todesfälle und andere Umstände haben einig« Veränderungen im Besitzstand des Abgeordnetenhauses bewirkt, es sind im ganzen dreizehn Ersatzwahlen notwendig geworden, von denen vier noch nicht erledigt sind, darunter die Wahl für den Nachfolger des greisen Fortschrittlers Traeger für den bekanntlich von einigen Serien der'bekannte liberale Pfarrer Traub in Vorschlag gebracht worden ist. Als Kandidat für den Präsidentenposten, der natürlich wieder mit einem konservativen Abgeordneten besetzt wird, werden genannt: Prinz zu L o«. w enste i n. Wertheim-Freudenberg, Kammer, Herr Rabe von Pappenheim, Graf von Schwerin, der Präsident des Deutschen Landwirtschaftsrates und des preußischen Lan- des-Oekonomie-Kollegiums ist, auch besteht di« Mö^ichkeit, daß
Jordan von KrScher, der frühere Präsident wieder den Präsiden- tenstuhl besteigt. Von den wichttgen Aufgaben der bevorstehenden Session ist zunächst die Beratung des Parzellierungsgesetzes zu nennen, das das Problem der Enteignung und die Ostmarkenpolitik wieder in den Vordergrund rücken wird, ferner das W a s s e r- gesetz und das Sparkassengesetz, rmd die Weiterberatung der Einkommen- und Er- gänzungssteueneform. Dazu kommt dann die Etatberatung und die Besprechung von Petitio- nen und Interpellationen. Diese letzteren werden Gelegenheit geben auch »aktuelle* Probleme zur Diskussion zu stellen. So vor allen Dingen die Frage der Fleisch not. Sie wird von den Rattonalliberalen angeschnitten werden, di« durch ihren Fraktionsvorfitzenden Dr. Fried- berg und den Abgeordneten Schiffer-Magde. bürg schon eine Fleischnotinterpellatton eingebracht haben. Diese soll gleich in den ersten Sitzungstagen zur Erledigung kommen. Für die Regierung werden bei dieser Gelegenheit Landwittschaftsminister von Schorleme, und der Minister des Innern, Herr von D a l V Witz, sprechen. Man rechnet in Parlamentäre schen Kreisen mit der Wahrscheinlickckett, daß dii Regierung bei der Fleischnot-Debatt« eine be<
Das Attentat auf Roosevelt.
Roosevelt befindet fich außer Gefahr!
(Privat-Telegramm) Rewhork, 17. Oktober.
Die Aerzte verzichten zunächst auf die Entfernung der Kugel. Rooesevelt tst sehr ungeduldig und möchte heute schon das Hospital verlassen, wovon ihn seine Gattin, die gestern morgen bei ihm eiMraf und bekanntlich viel bei ihm vermag, abbringen dürste. Der Staatsanwalt in Milwaukee rrklätte, der Attentäter Schrank sei, im juttstischen Sinn gesprochen, nicht unzurechnungsfähig. Der Richter Strahl, der in einer Bagatellsache eine Entschei-1 düng gegen Schrank abgegeben hat, erllätt, er habe von diesem später einen D r o h b r i e f erhalten. Schranks Onkel, Flammang, bei dem er früher wohnte, und dessen Erbe er wurde, war mehrere Jahr- in „Kleindeutschland" im Ostviettel Rewhorks sehr bekannte Persönlichkeit. Schrank scheint eine seltsame Doppel-
ttenz gefühtt zu haben. Manchmal arbeitete er monatelang nicht und schien doch immer mit Mitteln versehen, dann nahm er häuft' recht schlecht bezahlte Posten an, um sie stets nach
Die Kampfe um Berane.
(Privat - Telegramm.)
Podgoritza, 17. Oktober.
Bor Bern ne fand am Dienstag abend ein blutiges Gefecht statt. Die Montenegtt- net erstürmten zwei weitere Stellungen und nahmen zwei türkische Kruppgefchütze nttt Mu- nition weg. In der Nacht befestigten sie die Stellungen. Gestern früh begann der Kampf von neuem, wobei eine montenegrinische Abteilung unter General Wukottffch die türkische Stellung durchbrach und die Stadtein- schloß. Nm elf Uhr vormittags wurde beim Feinde noch nicht die weiße Fahne stchtbar. Roch in der Nacht hatten sich irreguläre Truppen und etwa dreitausend Albaner zurückgezogen und in der Stadt blieben nur wenig ! Truppen zurück. Der Einzug der Montenegtt- ner in die Stadt gestattete sich zu einem regel rechten Triumphzug für den General Wukotttsch
Oesterreich bleibt neutral!
(Privat-Telegramm.)
Wien, 17. Oktober.
Wie zuverlässig verlautet, hält Kaiser Franz Josef daran sest, daß zu einem Einschreiten Oesterreichs keinerlei Veranlassung vorliege. Oesterreich wirb jede Aktion vermeiden. Oesterreich notifizierte dies auch Rußland in unzweideutiger Weise. Somit fallen wiederholt aufgetauchte Mobilisterungsge- rüchte in nichts zusammen. Ein einflußreicher Staatsmann erllätte: Wir werden, selbst wenn Montenegro und Serbien es wagen sollte«, uns zu provozieren, nicht den Sandschak okkupieren, schon deshalb nicht, weil wir sonst besorgen müßten, daß Oesterreich die Schuld zugeschobc« werden würde, es hätte dies provoziert. Die wittschaftlichen Battaniniereffen I r.»«-—xü» sind so große und so. wett über den
Premiere im Landtag.
Das „kopflose" Parlament; wer wird Pvä> fident; Teuerung und Frauen-Stimmrecht.
Am kommenden Dienstag tritt, nach langer Pause, das preußische Abgeordneten. Haus wieder zusammen. Die neue «ession ist die letzte vor den nächsten Landtagswahlen. Das gibt ihr ihre besondere Wichtigkeit, da der Eindruck, den ihre gesetzgeberische Arbeit im Lande machen wird, nach alten Erfahrung^ den Ausfall der Wahlen mitbostimmen hilft. Die vorhevgegangene Session hat mit wenig erfreulichen Erscheinungen abgeschlossen, und man sieht deshalb mit umso größerer Span- nung den Ereignissen der neuen Session «tt- gegen, die wohl auch kaum „im Zeichen des Friedens* stehen wird.
kurzer Zett wieder aufzugeben. Die chemische Untersuchung zeigte, daß die Kugel n i ch t v e r- giftet war. Im Laufe des gestrigen Tages gingen bei Roofevelt über dreitausend Beileid-Depeschen aus allen Teilen Amettkas und aus Europa ein.
Sandschak hinausgehende, daß sie niemand ein- engen kann. Oesterreichs Politik wird nie auj den Sandschak hinauslaufen.
Am Vorabend nener Kampfe?
(Privat-Telegramm.)
Saloniki, 17. Oktober
Den türkischen Truppen ist es gelungen, das wettere «erbringen der Montenegriner gegen Skutari aufzuhatten, ebenso derjenigen Trup. pen, die von Tuzi her dem gleichen Ziel zustrcb- teu. Dabei sollen die Türken einen Sieg bei Trabusch errungen haben, wobei die Montenegriner an tausend Tote auf dem Schlachtfeld zu. «rückließen. Diese Zahl scheint übertrieben tzu fein, den« nach andern vom Kricgs- schauplatz eingetroffenen Depeschen haben die Montenegrinor bis jetzt ungefähr sechs, hundert Tote und tausend Verwundete zn verzeichnen. Die Türken befinden sich auf dem Boomarsch. Wie verlautet, ist bereits ein neues Gefecht nördlich von Trabufch im Gange, im dem sich größere Trup. penmasse« gegenüberstehen. Der Kriegs- Minister will am Sonnabend nach Adria. Nopel 06reifen, um das Oberkommando zu übernehmen.
Balkanstaaten wett überlegen.
Konstantinopel, 17. Oktober.
Die „Agenee Ottomane" verSsfentlicht folgende Meldung aus Skutari: Vier türkische Bataillone schlugen gestern bei Vrania achttausend Montenegriner in die Flucht und brachten ihnen schwere Verluste bei. Die Monte» negriner hatten mindestens sechshundert Tote und noch mehr Verwundete. Die türkischen Truppen rücken Wetter vor.
Podgoriha, 17. Oktober.
Die Einnahme der Stadt Berane erfolgte gestern nachmittag. Die einziehenden montenegrinischen Truppen unter dem General Wukotitsch wurden von der Bevölkerung jubelnd begrüßt. Außer vierzehn unbeschädigten Kruppschen Feldkanonen ließe« die Türken viel Munition und anderes Kriegsmaterial, sowie Proviant für zwei Monate zurück. Die Verluste der Türken in den gestrige« Kämpfe« waren sehr groß.
sä, ä“ä“.
rechnet. Wegen Ihrer »Ichtot ««vretmng 1n(ertton«otgan GeschLfUsntü: «Slnlsche
Wesen darf er also immerhin als wohlvertrant gelten, und das Problem der Verbesserung der englischen Beziehungen (das in gewissem Sinne noch heute als die Forderung I Aie Türkei macht nun, nachdem sie durch des Tags gelten darf) hat, wie es scheint, ibn I bcn FrtedensMuß mit Italien die Hände andauernd beschäftigt. Er hat schon vor drei frei bekommen, Ernst mit bet kriegerischen Jahren darüber einen lesenswerten Aufsatz in Kraftprobe am Balten^ Der Morgen Kund- diesem Frühjahr die Zeitschrift Nord und sud ^o^n D y c Q n n b<1 Feindfe- ihre bekannte Rundfrage über die deutich-eng-! H eiten an der bulgarUchen und serbischen tische Ausgleichsifrage veranstaltete, entstammte Grenze gefolgt; Einzelheiten Wer den Beginn einer der besten Artikel der Feder unsres mm- pxz Krieges liegen bis zur Stunde noch nicht mehrigen Botschafters am englischen Hose. Daß vor, doch ist mit der Wahrscheinlichkeit zu ted^ er am Berliner Hof nicht zu denbef - nders neu daß bereits der heutige
Begnadeten gehört, darf vielleicht als ein Vor-1 e nts ch« de n d eK prüfte’
Mg gebucht werden: Sein politischer Freftnur darM ^fErSwnn einen
hat dem schlesischen Fürsten manche Tur «ggg’ ™ Waffenganq herbeizuführen. riegelt, und während der Zeit feiner diploma- Mr verzeichnen folgende Draht-Meldungen: tischen Tätigkeit und nach seinem Abschied von Konstantinopel, 17. Oktober,
der Wilhelmstratze war es eigentlich nut der > vierte Kanzler, Bernhard Fürst von Bül o w, dessen Kreis sich Lichnowsky als einer der wenigen Intimen zuzählte. Auch Das spricht für ihn: Der engere Kreis des Hauses Bülow öff. nete sich trotz aller breitausladenden und nie mit ängstlicher Pedanterie geübten Gastlichkeit doch nur Leuten, die so oder so etwas zu s a. gen hatten. Alles in Allem: Eine Persönlichkeit; und an Persönlichleitwerten haben Wir in unsrer Diplomatie und in unserm politischen Leben überhaupt sicherlich keinen Ueber- ftutz! F- H-
Karl Mar van Lichnowrte.
Der neue Mann i« London: Ein Porträt.
Wie die „Norddeutsche Allge meine Zeitung" mitteilt, ist der Kaiserliche Wirkliche Geheime Rat, Fürst Karl Max von Lichnowsky zumBotschafterinLondon, als Nachfolger des verstorbenen Freiherrn von Marschall, ausersehen.
Weder Bernstorff, noch von der Goltz, noch Dernburg, noch Bassermann ist der Erwählte, der dem Reich Marschall von Bibersteins wertvolle Kraft am Gestade der Themse ersetzen soll, sondern Karl Max, Fürst von Lichnows. ky, Edler Herr von Woschütz, Durchlaucht und MajoratSherr, Kaiserlicher Wirklicher Gehet- mer Rat und erbliches Mitglied des Preußischen Herrenhauses. Ms sein Name unter denjenigen der Kandidaten für London als einer der ersten genannt wurde, begegnete die Kunde starken Zweifeln: Karl Max von Lichnowsky gehört nicht zu den von der Sonne allerhöchster Gnade unmittelbar Bestrahlten; er erfreut fich auch in der Londoner Hofsphäre keiner fon. derlicher Sympathien, und da bei der Auswahl unsrer Diplomaten in neuerer Zeit mehr Wert auf „Beziehungen* als auf staatsmännische Qualitäten gelegt W werden scheint, wagte man Lichnowskys Kandidatur als Marschalls Erbe kaum ernstlich in Betracht zu ziehen. Der Kanzlervortrag beim Kaiser in Hubertusstock hat indessen die bestehenden Bedenken offenbar beseitigt, denn unmittelbar nach der Heimkehr des Kanzlers war die Norddeutsche Allgemeine in der Lage, mitzuteilen, daß die Sorge um den neuen Mann behoben fei: Fürst Lichnows- ky (unter Bernhard Bülow Vortragender Rat rm Auswärtigen Amch werde des Bibersteiners Erbe übernehmen.
Der neue Botschafter.
Der neue Botschafter in London, Fürst Karl Max von Lichnowsky, gehört dem ichle- sischen Uradel an. Er ist ein.Neffe des Fürsten Feltr Lichnowsky, der am achtzehnten September 1848 zusammen mit General von Auerswaid in der Bornheimer Heide bei Frankfurt a. M von aufrührerischem Pöbel in grauenvoller Weise ermordet wurde. Fürst Lichnowsky, der mit einer Gräfin von Arco-Z inne berg verheiratet ist, steht im zweiundsünszigsten Lebensjahre. Zunächst war er Offizier Seit dem Jahre 1884 steht er in der diplomanichen Laufbahn Er war Sekretär an verschiedenen Botschaften und Gesandffchaften. Im Jahre 1904 ließ er sich vor seiner Verheiratung zur Disposition stellen, um die Verwaltung seiner umfangreichen schlesischen Besitzungen ru über- nebmen. Fürst Lichnowsky gehört auf Grund erblichen Rechts auch dem preußischen Her- re n h a u s e an, in dem erwiederholt mit be- deutfamen politischen Reden hervorae- treten ist. Auch hier Hai er sich als konziliante Natur viele Freunde und Verehrer erworben. Fürst Lichnowsky ist am achten März 1860 zu Kreuzenott geboren als Sobn des Fürsten Karl Lichnowsky, preußischen Generals der Kavallerie, dessen Gemahlin eine geborene Prinzessin Croy war. Der neue Botschafter ist ein für Literatur und Kunst lebhaft interessierter Herr und uniechalt auch zu deren Kreisen gesellschaftliche Beziehungen. Hin und Wider betätigt er sich "nbli- z ist i sch durch politische Artikel in Wochen- oder Monatsschriften, in denen er gemäßigt konservative Anschauungen vertritt. In ungefähr der gleichen Richtung betätigt er sich rm ireußischen Herrenhause. Er rechnet sich zur 'reikonservativen Partei, deren linkem Flügel man ihn zuzählen darf.