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Casseler Neueste Nachrichten

> Hessische Abendzeitung

Casseler Abendzeitung

2. Jahrgang.

Fernsprecher 951 mtd 952.

Nummer 266.

Donnerstag, 17. Oktober 1912

Fernsprecher 951 und 852.

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pany aus Deutschland zu verdrängen. Der Kampf gegen das deutsche Petroleum-Monopol werd« erfordertichenfalls mit allen zu Gebote stehenden Mitteln geführt werden, den« es handle sich dabei für die Standard Oil Company um einen Akt der Selbsterhaltung, der vielleicht viel« Millionen an Opfern fordern wevde.

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Sar Milwaukee-Abenteuer.

Theodore Roosevelt r Der neue Märtyrer.

Es gibt Leute, denen selbst ein Bullenstoß oder die Begegnung mit einem wütenden Eber zum Vorteil gereicht, und zu diesen sichtbarlich Begnadeten gehört auch Herr Theodore Roosevelt, weiland Präsident der Ver­einigten Staaten von Nordamerika uub zurzeit Wander-Redner für die eigne Kandidatur als abermaliger Anwärter auf die Herrschaft im Weißen Haus in Washington. Milten im Ge­tümmel der Wahlkampf-Bewegung, auf der Propagandafahrt durch die weiten Gaue der Union, hat ihn das Schicksal heimgesucht: Aber nicht grausam, nicht zerstörend oder zermal­mend, sondern nur streichelnd, kosend gewiffer- matzen, und in den Schmerz, den das Blei des wahnwitzigen Attentäters dem wettergehärte­ten Körpers des ehemaligen Rauhreiters zuge- fügt, mischt sich wie Sieg-Empfinden der Triumph des Märtyrers, der mufig sein Leben für die mit Inbrunst verfochtne heilige Sache in die Schanze schlägt. Der Mann, der am Montag abend in den dunklen Straßen von Milwaukee das Schießeisen gegen Theddy Roosevelt erhob, ist nach ärztlichem Zeugnis ein Wahnsinniger; ist für sein Verbrechen also nicht verantwortlich zu machen, und wird hin­ter den Gitterstäben des Irrenhauses vor neuen Exzessen seines kranken Hirns bewahrt bleiben. Die Kugel des Attentäters hat Roosevelt zwar nur leicht gestreift, aber sie hat imgaitb der unbegrenzten Möglichkeiten" einen Enthusias­mus entfacht, der Theddys Ruhm bis zu de» höchsten Gipfeln der I)ankee-Ekstase emporträgt und seine

politischen Chance« als Kandidat für's Weiße Haus millionenfach steigert. Ame- rckg ist nun einmal das Land der Reklame und der Sensationen; das Außergewöhnliche reizt, der Bluff triumphiert und dieMache" be­herrscht das gesamte öffentliche Leben. Roose­velts polittsches Renommee war in den letzten Monden stark verblichen; das Dutzend europäi- fc^r Ehrendottorhüte hat ihn nicht vor der peinlichen Enttäuschung bewahrt, im Dollar- Reich den gestürzten Großen zugesellt zu werden, und seine Aussichten, zum Jahres­abend abermals als Erwählter der Union ins Weiße Haus einzuziehen, waren derweil bis auf den Geftierpunft dürfttgster Hoffnung gesunken. Run tritt John Schrank, der Gei­steskranke, aus dunkler Rächt mtt dem Revol- ver hervor, läßt gegen den verzwrffelt um setne Popularität Kämpfenden einen Schuß aufblitzen und ... ganz Amerika nennt nur noch einen Helden, einen Mättyrer, einen Triumphator: Theodore Roosevelt. Uebers Erdrund trägt der Draht geschäftig alle Einzelheittn derKatastrophe", alle Moment- Effette des Milwaukee-Intermezzos, und die Aankee-Presse kündet in Riesenlettern aller Welt Theddys Abenteuer, Theddys Heldenmut und Theddys Größe: Der Weg zum Weißen Haus öffnet sich wie eine weite, lockende Lor- beer-Mee vor dem neuen Märtyrer, und wer weiß, ob John Schranks nächtlicher Revolver­schuß nicht das dröhnende Signal zu einem Umschwung in der amerikanischen Wahlbe­wegung gewesen ist? Zu einer Schwenkung, de­ren Weg zur Ohster-Bay. zum Landsitz Thed- dy Roosevelts, führt ...! F. H.

Kostewitsch und Mols«.

Wer MeAffffre" ein Mißgriff?

Vor knapp zwei Monaten brachte die inter­nationale Presse spaltenlange Artikel über die beiden russischen Spione Oberleutnant Ni­kolski und Hauptmann Kostewitsch, und ein Teil der deutschen Presse konnte sich damals nicht genug entrüsten über die russischen Offi­ziere, die angeblich durch einen gefährlichen Spionageversuch die Sicherheit des Deutschen Reiches gefährdet hatten. Es wurde umso eif­riger gegen die Spione polemisiert, als bekannt wurde, da der russische Botschafter wegen der Entlassung Kostewitsch' beim Reichskanzler rn- terveniert habe. Bekanntlich erfolgte dann auch bald darauf die Haftentlassung der. beiden Spione. Die Affäre scheint indessen gänzlich im Sande verlaufen zu sollen. Wir er­halten nämlich folgende Meldung:

Hinter den Kulissen der Affäre.

(Privat-Telegramm.)

Leipzig, 16. Oktober.

Es erregte seinerzeit bekanntlich einiges Aufsehen, als mitten in dem Preffesturm ge­gen Kostewitsch und Nikolski bekannt wurde, daß der Hauptmann Kostewitsch gegen Stellung einer Kautton fteigelaflen werden sollte. Die Meldung wurde sogar dementiert, was aber nicht hinderte, daß wenige Tage darauf Kostewftsch gegen eine Kautton von 30 000 und Nikolski gegen eine solche von 5000 Mark tatsächlich entlassen wurden. Koste­witsch hatte sich bekanntlich auf einer Stu­die n r eis e, die er im Auftrage der russischen Regierung zwecks Besichtigung und Ankauf geeigneter Militärattikel (Krankenbahren, Aero­plane und Munition) unternommen hatte, an den Oberleutnant Nikolski gewandt, der als russischer Korrespondent bei der Düsseldorfer Geschützfabrik anaestellt war. Die beiden Rus­sen sollten dann den Versuch eines Verrats militärischer Geheimnisse gemacht haben. Der Verdacht stützte sich auf «inen Briefwechsel der beiden Offiziere. Damals hat man die Verdächtigen sicher nicht leichten Herzens ziehen lassen. Wie eindrucksvoll aber

die Stimmung in Deutschland

'im Ausland, besonders aber in Frankreich, gewtrtt hatte, ging aus der Tatsache hervor, daß der Korrespondent der französischen Zei­tung Temps der Frau Kostewitsch eine be­liebig« Summe zur Stellung der Kautton zur Verfügung stellte. Dies hat er sicher nicht aus Freundschaft zu dem ihm unbekannten Ko­stewitsch getan, sondern einfach, um die durch das Geld zu gewinnende Freundschaft weidlich gegen Deutschland ausnutzen zu können. Nun kommt die MitteUung, daß der Oberleutnant Nikolski ganz außer Ver­folgung gesetzt worden ist. Er erhält still­schweigend seine fünftausend Mark zurück und wird stolz lächelnd.auf die ängstlichen Deut­schen herabblicken. Und Kostewitsch? Wenn nicht alle Anzeichen trügen, wird auch er nicht als eigentlicher Feind unsers Vaterlandes entlarvt werden können. . Zwar ist er noch nicht außer Verfolgung gesetzt worden, und wird es auch nicht werden, aber aus dem Prozesse wird man kaum etwas Nenuenswer- tes herausspringen, denn das Belastungsmate­rial ist fast ausnahmslos in nichts zerronnen, und die Anklage gegen ihn wird kaum yuf- rechterhalten werden können.

Kostewitsch kommt nach Leipzig!

Ja Anschluß an vorstehende Meldungen wird uns aus Petersburg bettchlet: Es unterliegt hier keinem Zweifel, daß Haupt­mann Kostewitsch gänzlich unschuldig ist und in dem zu erwartenden Prozeß freigespro. chen werden wird. Kostewitsch ist von seiner vorgesetzten obersten Dienstbehörde, dem rus­sischen Kriegsministerium, angewiesen worden, sich zur Verhandlung des Prozesses p e r s ö n - l i ch nach Leipzig zu begeben, damit alles ver. mieden werde, was etwa zu der Annahme süh- ren könnt«, als habe Rußland den Prozeß zu fürchten.

Neuer Wirrwarr im Reichstag?

Der Kampf um de« Präfidentenstnhl.

Wie uns aus Berlin depeschiett wird, befürchtet man bei i : bevorstehenden Präsi­dentenwahl im Reichstag eine Wie­derholung der unerquicklichen Vorgänge, die sich bei der ersten Wahl ereigneten. Alles wird bei der neuen Präsidentenwahl auf die Haltung der Sozialdemokraten und

Die Milliardäre protestieren!

Die Petroleum-Männer gegen das Reich.

Ein Privat-Telegramm meldet uns aus New York: Die Standard Oil Company teilt der Presse mit, daß sie erttschlossen sei, die Bildung eines deutschen Petrolcum- MonopolS mit Hilfe der Vereinigten Staaten zu bekämpfen, falls das Monopol daraus hinzielcn sollte, die Standard Oil Corn»

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ZriKolWiete: Mdmkrieg!

Die Unterzeichnung des Friedens von Ouchy-

Depeschen aus Nom berichten uns: Gestern abend um sechs Ahr find in Ouchh zwischen Italien und der Türkei die Friedensver- h a n d l n n g e n über die Beendigung des Tripolis-Krieges unter­zeichnet worden: Tripolis und die CyLenaika werden von der Türkei unabhängig erklätt, wodurch das italienische Gesetz, betreffend die Erstreckung des Souveränttäts- rechts Italiens indirekt die Zu. stimmung der Türkei erhält. Die türkischen Truppen wer­den aus Lhbien zurückgezogen und die Türkei erläßt eine Pro­klamation an die Araber, in Tripolis von weiteren Kämpfen abzusehen. Italien erkennt da­gegen die religiöse Oberhoheit des Sultans in ganz Tripolis an.

Die Türkei hat also das Tripolis- Abenteuer beendet; der Not gehorchend und der Klughctt, nicht dem eignen Triebe! Sie erhält damit Bewegungsfreiheit und bekommt alle Hände frei für den Kampf in den Bal­kanbergen. Noch am Dienstag vormittag schienen die Verhandlungen in Ouchy gefähr­det. Sie wurden mittags resultatlos abgebro­chen, und die Agence Haves meldete, der Stand der Dinge scheine weniger günsttg. Die Unter­händler'traten dann am Nachmittag zu «mer neuen Besprechung zusammen, und um dretz. Uhr nachmittags meldet« di« Agence Haya:' wenn nicht aller Anschein trüge, sei eine güt i stige Auffassung der Lage zurückgekehrt. Ma glaube, der Friedensvertrag werde noch st. i Lauf« des Tages unterzeichnet werden, maU beobachte aber immer noch Zurückhaltung. Bis um sechs Uhr abends sind dann die türkischen und die italienischen Unterhändler einig ge­worden. Die Unterzeichnung der Friedensprä- liminarien in Ouchy bedeutet den tatf ächti- chen Frieden zwischen Italien und der Türkei. Es ist selbstverständlich, daß der Frte- densvettrag, so wie er in Ouchy von den Un­terhändlern vereinbart wurde, von den beiden Regierungen ratifiziert werden wird, denn so­wohl die italienischen wie die türkischen Frie- densunterhändlcr standen in dauerndem Ver­kehr mit ihren Regierungen, ohne deren Zu­stimmung sie kaum Verpflichtungen eingegangen sein dürsten. Di« einzige Sorge der Türken ist nun noch der

Kampf i» den BsNanbergc«, der seit gestern sich wesentlich bedrohlicher gestaltet hat, trotzdem Herr von Kiderlen- Waechter (wie uns ein Privat-Tele- gramm meldet) bei dem gestern abend von den Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft zu Ehren der internationalen Ausstellungskonse­renz veranstalteten Bankett diefeste Ueberzeu- cung* ausgesprochen hat, daß es gelt' gen wer­de ein Ueberspringen des Balkanbrandes auf die anbertt Mächte zu verhüten. Die Türkei hat gestern den entscheidenden Schritt getan und ihre diplomatischen Vertteter aus Sofia, Belgrad und Atben abberufen. Wir er­halten darüber folgende Meldung:

Die Abberufung der Gesandten.

(Privat-Telegramm.)

Konstantinopel, 16. Oktober.

Die Türkei hat sich entschlossen, ei« Ende zu machen. Man erfähtt im Ministerium, daß die Türkei die Beziehimge« zu Griechen­land, Bulgarien und Serbien feit gestern mittag als gelöst betrachtet. Während des Ministerrats, der um elf Ahr vormittags zusammentrat, sei der erste Dragoman aus der griechischen Gesandtschaft erschienen und habe die Erklärung empfangen, daß die Türkei das Ultimatum ablehne. Bald darauf habe ein Dragoman des bulgarischen Gesandten um Beantwortung der Rote ersucht. Ihm fei er­klärt worden, die Türkei werde die Note nichtbeantworten. Ter Ministerrat habe dann den Abbruch der Beziehungen zu den drei Balkanstaaten beschlossen. Dieser Beschluß ist sofott den türttschen Botschaftern im Ausland telegraphiert und auch dem Sultan mitgeteilt worden. Den Schutz der Osmaneu in den Balkanstaten soll Deutsckland be-

Rationalviberalen ankommen. Zen­trum und Konservative werden wieder einen eigenen Kandidaten präsentieren. Wenn die Sozialdemokraten wieder mit der Forde­rung hervortteten, daß der erste Präsi- denten-Posten von ihnen als der stärk­sten Partei zu besetzen fei, dürf­te der alte Wirrwarr in erneuter Auflage da sein. Die Nationalliberalen dürften nach den Erfahrungen der letzten Präsi- dentmwahl schwerlich wieder für einen Sozial­demokraten als Präsidenten stimmen.

(Privat-Telegramm.) Rewyork, 16. Oktober.

Der Mann, der den Schuß auf Roosevelt ab- gefeuert hat, ist ein Geisteskranker und heißt John Schrank. Er steht im Alter von drei­ßig Jahren, stammt aus Rewyork und soll So­zialist fein. Der Attentäter leistete heftigen und hartnäckigen Widerstand bei der Festnahme und wurde bei seiner Beförderung zur Polizei­station von der wütenden Menge fchwer miß­handelt. Nachdem die Verwundung Roosevelts in einer naheliegenden Apotheke verbunden worden war, ließ sich der Expräfident den Atten­täter vorführen und sprach ihn mit folgenden Worten an:Was haben Sie gegen mich? Ken­nen Sie mich persönlich oder sind Sie das Werkzeug einer Partei?" Ter Mann wollte absolut nicht mit der Sprache heraus und erklärte schließlich, daß er einer sozia­listisch .revolutionären Berbin. düng angehöre. In den Taschen des Atten­täters wurden sinnlose Notizen gefunden, die Proteste gegen die dritte Präsidentt^aftskandi- datur Roosevelts enthalten. Schrank war früher Gastwirt in Rewyork, wohnte bis vor Mo­natsfrist in einem billigen Newyorker Logier­haus und war ein stiller Mann ohne Verkehr. Er äußerte niemals Attentatsabsichten und

sprach auch nie über Politik. Er galt wohl immer als überspannter, jedoch harmloser Mensch. Er gestand, daß er Roosevelt schon seit Wochen folge, um ihn bei der ersten Gelegenheit zu töten, da er ihn als dasVer­hängnis Amerikas" Haffe.

Nach dem Attentat.

(Privat-Telegramm.) Rewyork, 16. Oftober.

Roosevelt stand grabe im Automobil, um zu einer Versammlung zu fahren, als der Attentäter Schrank seinen Revolver gegen ihn 116feuerte. Roosevelt fuhr dann weiter. Unterwegs erst wurde das Kugelloch im Ueber- rock entdeckt. Als Roosevelt hinfaßte, war feine Hand blutbefleckt. Die Kugel hatte das Manuskript der Red« durchbohrt. In der Versammlung sprach Roosevelt, stürmisch begrüßt, über eine Stunde. Der Vorsitzende der Versammlung machte bekannt, daß Roose­velt eine Kugel im Leibe habe. Roose­velt sagte:Ich kümmere mich keinen Deut dar­um, ob ich angeschoffen werde. Es ist schon mehr nötig, um einen Elchbullen zu töten. Ich habe jetzt eine Kugel in mir und kann keine lange Rede halten." Bei diesen Worten knöpfte er seine Weste auf und zeigte der Versammlung sein blutbeftecktes Hemd.Ich habe zu viele wichtige Dinge im Kops (fuhr Roosevelt fort) um mich um den eigenen Tod zu kümmern. Keiner führte ein glücklicheres Leben als ich. Der Täter war ein Feigling; er schoß aus mich aus der Dunkelheit, als ich die Menge begrüßte. ES ist sehr natürlich, daß schwache, verderbte Gemüter zu Gewalttätigkeiten aufgereizt wer­den durch die schmutzige Verlogenheit und Be­schimpfung, wie sie seit drei Monaten gegen mich angewendet wird von feiten nicht nur der Blätter, die die Interessen der sozialistischen Kandidaten vertreten, sondern auch von denen, die die Interessen Wilsons und T a s t s ver­treten." Während sechs Aerzte um ihn beschäf. tigt waren, um nrii Hilfe eines Röntgen-Appa­rates nach der Kugel zu suchen, unterhielt sich Roosevelt mit ihnen, namentlich über politische Fragen. Er verließ dann das Hospital ohne Beistand und reiste nach Chicago weiter.

Die Verletzung Roosevelts.

(Privat-Telegramm.) Chicago, 16. Oktober.

Die Verletzung Roosevelts scheint ernster zu sein, als man ursprünglich annahm. Die größte Gefahr liegt iu der Befürch­tung einer Blutvergiftung, da der Revolver, ans dem der Schuß abgegeben wurde» sehr rostig war. Jnfektions- stoffe können auch dadurch in die Wunde ge­langt sein, daß die Kugel erst ein dickes Ma­nuskript und ein Pottefeuille, sowie den Stoff von Rock, Weste und Hemd durchschlug. Der Spezialist Murpsy untersuchte Roosevelt noch auf der Fahrt in feinem Pttvatwagen in den frühen Morgenstunden. Er erklärte, daß fofott eine Operation notwendig sei und ordnete bei der Ankunft in Chicago die Ueberführung Roo­sevelts «ach dem Hospital an, wo die Operation vorgenommen werden faßte. Rach einer zweiten Untersuchung mtt Röntgenstrahlen wurde jedoch die Operation vorläufig verscho­ben. Der behandelnde Arzt ettlätte, daß die Kugel oberhalb der zehnten Rippe drei Zoll tief eingedrungen fei; auch jetzt seien keine An­zeichen vorhanden, daß die Lunge verletzt wurde. Präsident Tast veröffentlichte noch am gestrigen Tage eine Sympathiekund­gebung für Roosevelt und dessen Familie, in der er seinen tiefsten Abscheu über diese Tat des Wahnsinns äußerte. An Roosevelt und seine Gattin sandte er Telegramme, in denen er sein Entsetzen über das Verbrechen und die Hoffnung auf Genesung aussprach. ES geht hier das Gerücht, daß das Attentat von den politischen Gegnern Roosevelts vorbereittt worden sei und daß man den Gei. steskranken Schrank lediglich als daS Werk­zeug dieser Gegner zu bewachten habe. Die Presse veröffentlicht begeistertt Sympa. thiekundgebungen für Roosevelt, der fich wie ein echter Held benommen 6abe".