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Hessische Abendzeitung
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Nummer 265.
Fernsprecher 951 mtb 953.
Mittwoch, 16. Oktober 1912.
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2. Zabrgarrg.
Reichrtagr-Aällldiinn.
Herr Kaempff «nd die Wilhelmstraße; Mitz- verständnisseund Aergernisse; Kerr u. Held.
(Parlamentarische Informationen.)
Berlin, 15. Oktober.
Wir haben in diesen Tagen allerlei Be- ttnruhigendes, Befremdliches und Seltsames vernommen, Dinge, die unserm politischen Fassungvermögen fast fremd geworden und die nun wie Ueberraschungen wirken. Zwei Monde noch und im Haufe Wallots werden sich den in Scharen anrückenden Bote» des Volks weit die Tore öffnen. Man steht den Tag der Premiere im Reichshaus diesmal ohne Bangen nahen; nicht, wie im Vorjahr, mit Sorge und Unbehagen, höchstens beherrscht von dem prickelnden Empfinden, das man Spannung zu nennen pflegt, und es überraschte deshalb auch einigermaßen, als in der letzten Woche einen ,unveran!wortlichen Kops" der sonderbare Einfall erleuchtete, daß die Kräfte der kriegführenden Balkanbataillone stark genug sein könnten, die Morten des Berliner Wallotbaues vor der Zeit zu entriegeln. Run, Majestät Nikita und seine drei Alliierten haben nichts über die vereinigten Großmächte von Europa vermocht. Ihr Arm langt auch nicht so wett, die Tore des deutschen Paria, mentes zu öffnen. Aber er hat (das kann man wohl sagen), bis zum Stuhl des deutschen Roichstagspräsidenten gereicht, er hat ihn berührt, und das Resultat ist, daß dieser Stuhl inzwischen leer geworden ist! Daß das Reichslagsmandat des Herrn Kaempff auf unfichern Füßen stand, das wußte man schon lange. Man konnte aber noch nicht wissen, daß Herr Kaempff gesonnen sein würde, dem Spruch der Wahlprüfungskommission selbst vorzugreisen. Er hat auf mehrfache Anftagen noch vor einer Woche rrflärt, daß von seinem Rücktritt" und von seinem Mandatsverzicht nicht die Rede sein könne und er hat diese Mitteilung noch am letzten Donnerstag auftecht erhalten.
Die Wilhelmstraße schwieg!
Wie gesagt: Noch am letzten Donnerstag sprach Herr Kaempff zu den ihn Behorchenden: «Keine ©^ntr von Rücktritt; warten wir ab, was dem Schicksal gefällt!" Sechsunddreißig Stunden später meldeten die Berliner Morgen- blätter, daß Herr Kaempff sein Mandat nie« dergelegt habe. Was war inzwischen vorgegangen? Zwischen Donnerstag und Sonn, abend war jene Alarmmeldung verbreitet wor. den, der Reichstag solle mit Rücksicht aus die auswärtige Lage sofort ein berufen werden. In diesem Falle hätte eine der ersten Laren des wieder zusammengetretnen Reichstags die. Abstimmung über die Gültigkeit der Wahl Kaempffs sein müssen und über diese Abstimmung kann nach den in ringeweihten Kreisen schon bekannten Ergebnissen der Un- tersuchung der Wahlprüfungskommission kein Zweifel mehr bestehen. Um sich Klarheit zu verschaffen, wie es um die „bevorstehende" Einberufung des Reichstags stehe, setzte sich Herr Kaempff sofort mit den maßgebenden Stellen in Verbindung, er erhielt aber ... keine ausreichenden Auskünfte! Es ergaben sich verschiedene Mißverständnisse, Herr Kaempff mußte wohl des Glaubens sein, daß taffächlich mit der Einberufung des Reichstags zu rechnen war, und so legte er, um einem peinlichen Schritt des wieder zusammentretenden Parlaments vorzubeugen, sofort sein Mandat nieder! Hinterher hat sich dann ergeben, wie überstürzt sein Vorgehen war. Denn niemand hat ernstlich daran gedacht, jetzt dem Reichstag zum Sammeln zu blasen. Aber so kann es gehen, wenn der Herr Reichskanzler für den Herrn Reichstagspräsidenten manchmal persönlich nicht zu sprechen" ist. Und Herr von Bethmann Hollweg war offenbar „nicht zu sprechen", denn sonst hätte er den Prä. stdenten des der Kaisergewalt coordinier- ten parlamentarffchen Regierungs-Miffaftors ohne besondere Umstände darüber unterrichten können, daß in der Wilhelmstraße niemand an Alarm denke!
Kerr contra Held!
Inzwischen zieht eine neue Wolke herauf. Alfred Kerr, der Berliner Literaturkritiker, der sich neuerdings lzu Erheiterung Vieler! auch als politischer Publizist versucht, wobei er infolge guter persönlicher Beziehungen allerdings gelegentlich über brauchbares Material verfügt, hat eine scharfe Attacke gegen einen nationalliberalen Reichstagsabgeordnelen geritten. I« der neuesten Nummer seines Pan veröffentlicht er Gerichtsurteile, die dem natio- «alliberalen Reichstagabgeordneten Held
Wechselreitereien, Täuschungshandlungen, Erpressungsversuche und sogar die Tatsache vorwerfen, daß er sich nicht gescheut habe, seine Stellung als Reichstagsmitglied zu wirtschaftlichen Privatinteressen auszubeuten. Bedenklich ist, daß Herr Held, dem die Angriffe Kerrs vorliegen, auf Anfrage erklärt, er könne sich dazu vorerst nicht äußern und wolle auch nicht gegen Kerr vorgehen. Wenn etwas in der Sache geschehen solle, so werde er abwarten, bis die nationalliberale Reichstagssrak- t i o n etwas tue. Das spricht nicht für Herrn Held und offenbart Züge, die zu dem Idealbild eines deuffchen Reichstagsabgeordneten schwer zu passen scheinen. Wenn sich ein Parlamentsmitglied so grausamen Hohn widerspruchlos gefallen läßt, wie er in diesem Falle von Kerr gegen Held angewandt worden ist, so wird das Parlament selbst untersuchen müssen, ob seine Gemeinschaft mit dem hart Gescholtnen noch nützlich und überhauvt zulässig ist. Herr Bruhn hat seinerzeit zwar dem stärksten Sturm im Blätterwald kaltlächelnd getrotzt, aber Herr Held ist nickt Herr Bmhn und außer ihm hat auck seine Fraktion noch einiges Interesse an der »weißen Weste" der ihr Angehörenden!
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Der Reichskanzler beim Kaiser.
(Telegramm unsers Korrespondenten.)
Berlin, 15. Oktober.
Der Reichskanzler von BethmannHoll- w e g hatte sich am Sonntag zum Bortrag beim Kaiser nach HubertuSstock begeben, der noch einige Zeit nach dem Aufenthatte in Ro- minten sich in der Schorfheide erholen will. Angesichts der zugespitzten internationalen Lage war es an der Zett, daß der Kaiser, der selbstverständlich auf dem Drahtwege ständig auf dem Laufenden gehalten wurde, sich eingehend auch persönlich mit seinem obersten Ratgeber bespricht «nd eventuell erforderlich werdende Maßnahmen erörtert. Es läßt fiifi nicht leugnen, daß die Situatton am Balkan an Schärfe gewonnen hat, und ttotz aller Versicherungen, daß der Krieg lokalisiert bleiben soll, ist es doch nicht ausgeschlossen, daß er noch weiter um sich greifen und schließlich auch die Einfluß-Svhärr des Dreibundes unmittelbar berühren wird. Bon Bedeutung ist jedenfalls eine aus Peters bürg vorliegende Meldung, die besagt, daß dort Mächte am Werk sind, um die Friedenspolitik des Ministers Ssasanow zu durch kreuzen und dem Minister Schwierigkeiten zu bereiten. Die Hinterlcute dringen hinauf bis in die nächste Nähe des Thrones, wobe- die amtliche Polittk von
starken ilnterströmunge« persönlicher Anschauung angegriffen wird Damenpolitik soll dabei ihre Hand im Spiele haben mit dem ausgesprochenen Ziel, eine besonnene, Nare Politik der Regierung zu durchkreuzen. Taffache ist, daß Ssasanow von Feinden umringt ist, die ihm das Festhalten an seiner Friedenspolitik nicht leickt ntachen; auch dadurch wird die internationale Lage erheblich verschärft, und es geschah deshalb sicher nicht von ungefähr, daß Herr von Bethmann Hollweg vor seiner Abreise eine mehrstündige Konferenz mit dem österreichisch-ungarischen Botschafter hatte, der eben erst von seinem Urlaub zu- rückgekchrt war. I« der Hubertusstocker Besprechung dürste vielleicht auch die Wiederbesetzung des Londoner Botsckaster- Postens erörtert werden, über die eine Entscheidung noch immer nicht erfolgt ist, trotzdem die Verwaisung des wichtigsten deuffcken Botschafterpostens im Ausland in kritischer Zeit eine Gefahr darstellt, deren Bedeutung nicht unterschätzt werden darf. Wäre der Kaiser in diesen ernsten, unheildrohenden Tagen in Berlin, dann würden all diese drängenden Fragen vermutlich längst ihre Erledigung gefunden haben. So aber fährt der Kanzler mit gefüllter Aktentasche gen Huberwsftock...!
An Schuß auf Roosevelt!
Roosevelts Abenteuer in Milwaukee.
Theodore Roosevelt, der sick zurzett auf einer Kandidaten- und Propaganda-Reese durch die Vereinigten Staaten befindet, fft gestern in Milwaukee von einem üblen Abenteuer betroffen worden. Wie uns ein Privat- Telegramm aus Newvork berichtet, gab ein Sozialist auf den Expräfidenftn einen Revolverschutz ab, durch den Roosevelt an der Brust verletzt wurde. Trotz der Verwundung begab sich Roosevelt, ohne den Aerzten zu gestatten, die Wunde zu untersu chen, in ein« Versammlung, wo er fast eine Stunde redete. Infolge des großen Blutverlustes mutzte er schließlich seine Rede abbrrchen und tu das Krmckeuchaus gebracht
werden. Die Aerzte stellten fest, daß keine unmittelbare Güfapr bestehe. Es ist bisher noch nicht gelungen, den Sitz der Kugel zu ermitteln. Es soll eine Durchleuchtung mit Röntgenstrahlen vorgenommen werden. Roosevelt konnte das Krankenhaus ohne Beistand wieder verlassen und um Mitternacht nach Chicago abreisen, wo er heute früh etn- gettoffen ist.
Das schnellste Luftschiff der Wett.
Der Marine-Zeppelin r Ein Rekord!
Die Probefahrten unseres ersten -Marine- Zeppelin" haben einen glänzenden Verlauf genommen, und wenn auch über die Eigengeschwindigkeit des Luftschiffes die amtlichen Zahlen im Interesse der Landesverteidigung geheim gehalten werden, so kann man doch nach den bisherigen Fahrtergebnissen feststellen, daß unser erstes Maftnelnftschiff nicht nur eine ungewöhnliche Tauglichkeit gezeigt hat, sondern auch alle anderen bisherigen Luftschiffe an Schnelligkeit und Leistungsfähigkeit übertrifft. Unsere Marine hat damit ein Luftfahrzeug erhalten, wie es in dieser Vollendung und Ausrüstung keine andere Marine besitzt. Wir erhalten darüber folgende Mitteilungen:
Der erste Marine-Zeppelin.
(Von unserm aviatischen Mitarbeiter.) Berlin, 15. Oktober.
Die erste Probe seiner hervorragenden Stabilität hat das neue Marine-Luftschiff bereits am, siebenten Oki ober bei d er Ausfahrt aus der Zeppelinhalle in Friedrichshafen von seinem ersten Ausstiege für die Probe und Ab- nahmesahrten gegeben. An diesem Tage stand der starke Wind senkrecht gegen die Halle. Trotzdem brachte Graf Zeppelin persönlich daS Luftschiff aus der Halle ohne irgend welche Beschädigungen. ES hat also schon damals gezeigt, daß es gegen den senkrecht austretenden Sturm sich halten konnte, während bekanntlich früher gerade in diesem Augenblicke mehrere Katastrophen sich ereigneten. Di« Probefahrten zeigten dann, daß die neue Vergrößerung des Luftschiffes, di« bekanntlich viele Vorteile (vor allem hinsichtlich der Tragfähigkeit der Flugdauer und der Akttonsfähigkett) gebracht hat, keinerlei Nachteile hn Gefolge hat und daß auch die Geschwindigkeit nicht darunter leidet. Soviel kann gesagt werden, daß der ,L I" (wie das neue Luftschifft offiztell bezeichnet worden ist) die Geschwindigkeit von 22,1 Sekunden. Meter des bisher schnellsten DuftkreuzerS der .Hansa"- nicht unerheblich übertroffen hat. Das sind Geschwindigkeiten, die bis vor kurzem kaum von Flugzeugen erreicht wurden und die bei den Luftschiffen vielfach für unmöglich gehalten wurden. Das Marine-Luftschiff wird darum seinem Zwecke so gut dienen können, wie es nach dem heutigen Stande der Technik überhaupt nur möglich ist: Es gibt in der gan- zen Welt kein besseres und schnelleres Luft- sckiff als dieses erste Luftschiff der deutschen Marine. Nächst ihm die schnellsten Luftschiffe sind sämtlich deutsche und die in Zukunft erstehenden schnelleren werden gleichfalls in Deutschland hergestellt werden. Das sind Garantieren, deren Bedeutung im Augenblick gar nicht in der vollen Tragweite bemessen werden kann. Zwar gibt daS Ausland sich gern den Anschein, als halte es heute nickt mehr viel von Luftschiffen und messe allein den Flugzeugen Zukunftswert bei. Tatsache ist aber, daß Eng. land wie Frankreich noch versuchen, uns den -Zeppelin" nachzuahmen und fortlaufend Ver suchs-Lustfchiffe bauen, deren Leistungsfähigkeit allerdings starken Zweifeln unterliegt.
Dee große Süddeutsche Flug.
Ein Privattelegramm meldet uns aus Mannheim: Bei den gestrigen Flügen gelang es auck dem Zivilflieger Schlegel, mit einem Passagier gegen halb sechs Uhr Speyer zu erreicken und dort zu landen. Leutnant I o l v, dessen Flugzeug einen Heinen Motordefekt davongetragen hat, wollte auf dem Luftwege wieder nack Mannheim zurückkehren, doch war er in der Nähe von Speyer, unweit von seinem Abflugorte, zu einer Notlandung gezwungen, wobei das Fahrgestell des Flugzeuges zerbrach. Der Pilot selbst nahm keinen Schaden. Es wird erwogen, am heuttgen Dienstag bei Beginn des Etappenfluges Mannheim-Frankfurt die Route über die Pfalz einzuschlagen, wenn das Wetter gut bleibt.
Die Todesopfer des Krieges.
Heber vierzehnhundert Tote und Verletzte!
Ein Privat-Telegramm meldet uns aus C etinje: Offiziell wird bekannt gegeben, daß während der letzten Kämpft mit den Türken auf beiden Seiten 1442 Mann ver- wavdet oder getötet Worden stftd. W
türkische Soldaten, ein Oberst, mehrere Offiziere und 25 Reserveoffiziere wurden getötet. 92 Türken sind verwundet, 126 gefangen genommen worden. Der gestrige Tag war der ver. lustreichste seit Beginn des Krieges, denn er forderte allein siebzig Prozent der bisherigen Verluste. ,
5er Krieg am Balkan.
Kampfbeginn auf der ganzen Linie!
Die Türken haben durch den gestern in der Morgenfrühe erfolgten Einmarsch in Serbien den Gang der Dinge am Balkan etwas beschleunigt, und wenn bisher auch die offizielle Kriegserklärung der drei Balkanmächte an die Türkei noch nicht erfolgt ist, so darf doch bereits gesagt werden, daß nun der Kampf auf der ganzen Linie begonnen hat. lieber die am gestrigen Tage statt gehabten Kämpfe lauten die heute vorliegenden Meldun. gen so widersprechend, daß «in z u v e r l ä s s i. ges Bild der Ereignisse sick nicht formen läßt und nur die Wiedergabe der einzelnen Mel- düngen möglich ist. Gestern hieß es bekanntlich, die Montenqßriner hätten schwere Nieder, lagen erlitten; heute meldet der Draht die Kapitulation der Feste Tuzi und «in weiteres Vordringen der Montenegriner. Wir verzeichnen folgende Meldungen:
Die Kapitulation von Tuzi.
V (Privat-Telegramm.)
Cetinje, 15. Oktober.
Nachdem die Montenegriner gestern alle Befestigungen eingenommen, hat Tuztkapttu. l i e r t. Den Montenegrinern fiel reiche Beute in dft Hände und zwar neun Geschütze, acht Maschd«ngewehre, vftle tausend Mauserge- wehre, achthundert Zelft und Proviant für eine» Monat. Dft gefangene türkische Garnison wurde «ach Podgoritza transportiert. In Podgorttza ist der österreich-ungarische Militär- AttachS eingetroffen. Die Türken halft« «un- mehr «och das Fort Nanhelm am Skutavk. See besetzt. Sier verlautet, dft Könige Peter von Serbinen mtb Ferdinand von Bul- garten hätftn am Freitag abend eine Zusam- menkunst im bulgarischen Hoszug unweit Pie- rot gehabt. Nach einstündiger Unterredung sei jeder von ihnen in seine Residenz zurückgekehrt. König Peftr begab sich gestern mittels Spezialzuges ans Risch nach der Grenze. Reguläre serbische Truppen haben gesterndft türkische Grenze überschritten. Es kam gegen vier Uhr morgens zu einem heftigen Gefecht. Die Serben drangen anfangs vor und besetzten Sibadsche-Bostandschi, daS sie auch gegenüber wiederholten türkischen Vorstößen behaupteten.
Die Kämpfe bei Ristowatz
(Privat Telegramm.)
Belgrad, 15. Oktober.
Bei Ristowatz an der serbisch-türkischen Grenze kam es gestern zu einem blutigen Gefecht zwischen Serben und Türken. Offizielle Meldungen besagen allerdings, e8 handle sich nur um Scharmützel. Fünf Türken seien tot und einige verwundet. Bon serbischer Seift wird fein Verlust angeführt. Da der Kampf zehn Stunden dauerte, so scheint es sich doch um größere Operatftnen gehandelt zu haben. Andere Meldungen besagen, die Kampf, lftne habe sich auf zwei KUomeftr erstreckt. Aus Branja wird berichtet, die Türken haben auf der ganzen Front von Ristowatz her den Kampf ausgenommen. ES sande« erbitterte Gefechte mit serbischen Truppen statt. In Branja hörte man den ganzen Tag Kanonen- bannet. Es herrscht eine furchtbare Aufregung. Ein Flügel ber serbischen Truppen ist in türkisches Gebftt eingebrungen und hat die türkische« Truppen zurückgeschlage«. In Belgrad verursachte der unerwartete Ausbruch des Krieges große Aufregung. Die Stadt ist jedoch vollständig ruhig. Nach neueren Meldungen aus Ristowatz hatten die Derben in den gestrigen Kämpfen über dreißig Tote und zahlreiche Verwundete. Dft türkischen Verluste sollen weit größer fein.
Rassenkrieg und Bandenkrieg?
(Privat-Telegramm.)
Saloniki, 15. Oktober.
Dft bulgarischen Banden in Mazedonien haben ihre Tättgkeit begonnen; es haben bereits verschiedene Zusammenstöße stattge.funden. Ma« befürchtet, daß der Rassenkrieg in feinet ganzen Furchtbarkeit ausbreche« wird. Das Ziel der bulgarischen Banden ist, die mohammedanischen Bauern derart in Schrecken zu fetzen, daß sie ihre Dörfer verlassen und in die Städte flüchten. Die Bulgaren haben vornehmlich das Gebirge östlich des Stro- mes zum Operationsfeld auSerfetzen. Dft Re-