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Casseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

Jnlertionsvretlei Die lechSgelpacken, geile für einheimische SeschLste 15 Psg, für au«, wärtigr Inserate » M, «eNamezeile für einheimisch« «eschLfte «a Bf, für auSwürtig« Deschüfte «0 Bf. Beilagen für die »esamtauslag« werden mit t Mark pro Dausen» be- rechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Restden, und der Umgebung stad bU Lasteler Neuesten Nachrichten ein oorzugliche« JnsertionSorgan. SeschLflrstdlle: Kölnische 5trabe 5. Berliner Vertretung! SW., ffriedrichstrabe 16, Telephon: «mt MoriMlaS 876.

Nummer 263.

Fernsprecher 951 und 958.

Sonntag, 13. Oktober 1812.

Fernsprecher Ml und 952.

2. Jahrgang.

Statt Giülk: Rm Brot!

Die deutsche Fra« im Erwerbsleben.

Nun. da die Hochflut der Kongreffe und Massen-Rendezvous matzlig abebbt, läßt sich in Rude die Ernte überschauen und man kann darangehen, die leichte Spreu vom goldnen Korn zu scheiden. Mit jedem neuen Fahr steigert sich die Aufmerksamkeit, dir unsre Zeit der totalen Arbeit derFrauenbewegung widmet, und demgemäß haben auch die Frauenkongresse und di« Tagungen der sozial oder politisch kämpfenden Frauen sicht­lich an Bedeutung gewonnen. Die letzten beiden Wochen standen gewiffermaßenim Zeichen der Frauenkongresse" und eine ehrlich vergleichende Wertung der in diesen Versammlungen ge­leisteten Arbeit mit derjenigenmännlicher" Durchfchnitt-Kongreffe führt zu dem Schluß, daß di« Frau sich in ihre Rolle als Mitstreiterin im Lffen lichen Leben überraschend schnell hinein, gefunden hat und heut über eine (sagen wir einmal)parlamentarische Kultur" verfügt, die sich vom fanatisierten Ueberschiwang und von der überhitzten Leidenschaftlichkeit des politi­schen und sozialen Männerkampfs vorteilhaft unterscheidet. Und das ist nicht etwa Tempera, ments» oder Geschlechtssache (die Suffragetten in England lieben ja eine andre Methode), .sondern das Produtt kluger Erkenntnis und das Resultat verständiger Anpassung an Notwendigkeiten, die der Mann als Ein­schränkung freier Krästenutzung wild bekämpft.

Der Arbeit-Methode entspricht der Arbeit- Zweck: Auf den letzten Frauenkongressen hat man sich beispielweise sehr eingehend mit der kaufmännischen und gewerblichen Frauenarbeit beschäftigt, und wenn auch die in der Erörterung dieser sozial so ungemein wichtigen Frage zutage getretnen Auffassungen ° picht ausnahmlos Billigung finden können, so ist doch ohne Zweifel die Fragt an sich we­sentlich geklärt worden, und es steht zu hoffen, daß die Erörterungen des Frauenerwerb-Pro- blems in sozialer Beziehung nicht ohne prakti­schen Nutzen bleiben wird. Im Fahre acht- zehnhundertfünfundneunzig standen rund fünf Millionen Frauen als Erwerbtätige im sozia­len Das«inkampf; neunzehnhundertsieben be­trug ihre Zahl bereits (nach den Ermittlungen der wirtschaftlichen Statistik) über neun Mil­lionen, und zurzeft wird die Riesenarmee der weiblichen Arbeiter sicher die Zahl von zehn Millionen weit übersteigen: Nahezu ein Sechstel der deutschen Gesamtbevölkerung! Die Mehrzahl der erwerbtätigen Frauen er­ringt ihr Brot als Arbeiterinnen in industriel­len und gewerblichen Betrieben; etwa drcihun. deritausend sind in Handelsbetrieben beschäf­tigt. und der Rest verteilt sich auf Land- und Hauswirtschaft. Diese Ziffern beweisen, wie gewaltig die Flutwelle der Frauenarbeit den sozialen Kampfplatz umbrandet und wie clementai die Kräfte gewirkt haben müs­sen, die im Laus der letzten Jahrzehnte die Frau aus dem Banntteis häuslicher Pflichten in das Ringen ums tägliche Brot hinein- peit schien.

Es mag verfehlt fein, die Frauenarbeit rm Erwerbleben schlechthin alssoziale Entartung unsrer Zeit" zu verurteilen und die Forderung aufzustellen, daß der Frau der Eintritt in den sozialen Kampf aus wirtschaftlichen, ethischen und nattonalen Gründen zu verwehren sei. da die Struktur unsres Wirtschaftlebens gegen frü­her sich stark verschoben hat und ein gewalt­sames Zurückdrängen der Frauenarbeit not­wendigerweise Wirkungen haben müßte, die unsre wirtschaftliche Leistungfähigkeit weit mehr beeinträchtigen würden, als auf der an­dern Seite durch den sozialen Aufstieg der Ertverbstände zu bessern Verdienstmöglichketten gewonnen werden könnte. Die Frauenarbeit ist hcut (im Gegensatz zum Erwerbleben frü­herer Jahrzehnte) nicht mehr Ausnahme, sondern Regel, und es erscheint überzeu­gend, daß diese Regel nicht ohne verhängnis­volle Nachwirkungen beseitigt und in ihrer Nutzbarmachung ausgeschaltet werden kann. Etwas anders ift's ind-ffen mit der Frage, wie man die Einwirkungen der Frauenarbeit auf die Gestaltung des sozialen Wirtschaftbilds verständig regulieren und ihren Einfluß so eindämmen kann, daß die Konkurrenz der Frau ntifrt allgemein zum Druck auf die Er- werbmöglichkoiten und zur Entwertung der na­tionalen Arbeitkraft ausartct. Denn hier liegt di« G e f a h r der sozialen Entwicklung, die die Frau gewalttüttg in den Kampf ums Dasein Mt hineingerissen hat

lieber die Wege, die zum Ziel des sozialen Ausgleichs führen können, gehen die Meinun­gen weit auseinander: Wenn aber eine wirt­schaftlich« Wentzeigerung der Frauen­

arbeit neben der Erwerbtätigkeit des Mannes erstrebt werden soll, dann kann dies nur durch den Fortschritt auf dem Gebiet der A r b e i t e rinnen, und sozialen Frauen-Or. ganisation fein, der in der natürlichen Entwicklung seiner Tendenzen allmählig von selbst zur entfchtednern Geltendmachung des wirtschaftlichen Wertgehalts der Frauenarbeit führen und damit die konkurrierende und ent- toertenbe Tendenz weiblicher Erwerb tätigtet» ins Gegenteil umkehren wird. Wir haben den- selben naturnotwendigen Entwicklungprozctz in der allgemeinen Arbeiterbewegung des letz, ten halben Jahrhunderts erlebt und gesehen, daß, parallel mit dem wirtschaftlichen Empor, steigen, die fortschreitende Entwicklung der so­zialen Arbeiter-Organisation eine aussteigende Linie in der Wertung der Erwerbarbeit und eine selbsttätige (wenn auch noch nicht vollkom. mene) Regulierung der Kräftenutzung erzwun­gen hat. Die weibliche Sozialbewegung ist jungem Datum-, und da die Frauenarbeit un- serm Wirtschastleben gewissermaßen als Fremdkörper aufgepfropft wurde, ist's auch na­türlich, daß der Verbindung- und Ausgleich­prozeß Zeit und vermittelnde Uebergäuge erfordert. In die Entwicklung dieses Prozesses mit der Schroffheit des Gesetzes hemmend oder störend et «greifen, hieße junge Saat unterm Druck der winterlichen Schutzdecke ersticken lassen, und man mutz deshalb wünschen, daß in der gesetzlichen Regelung der Frauenarbeit nicht Wohltat und Plage verwechselt werden!

F. H.

Präsident Kaempff verzichtet!

Der Rücktritt des Reichstags-Präsidenten.

Wir erörterten dieser Tage in dem Artikel Wer wird Präsident?" die Frage der P räsi. denten-Neuwahl im Reichstag, und es wurde bei dieser Gelegenheit darauf hinge­wiesen, daß es noch zweifellos erscheine, ob der bisherige Reichstag-Präsident, der fortschritt liche Abgeordnete Kaempff, wirklich (tote sei­nerzeit verlautete) sein Mandat nieder- legen werde. Die darüber bestehenden Zwei, fei hat Herr Kaompf indessen jetzt zerstreut, in­dem er gestern fein Reichstagsmandat rm ersten Berliner Wahlkreis offiziell niedergelegt hat. Damit ist nun gleich­zeitig dieKrise im Reichstag-Präsidium" Tat­sache geworden.

Kaempffs Abschied: Das Echo.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 12. Oktober.

Die Morgenblätter erörtetn die Mandat- Niederlegung des Reichstag - Präsidenten K a e m p f in eingehenden Artikeln und geben fast ausnahmslos dem Bedauern über den Rücktritt Kaempffs Ausdruck. So schreibt die Vossische Zeitung: In schwerer Zeit ist Kaempff in die Bresche getreten. Er hat die Bürde des Amts auf sich genommen, obwohl er damit rechnen mußte, den kurulischen Sessel bald wieder zu verlassen. Er hat ge:an, was im Interesse nicht nur der Partei, sondern der Gesamtheit mit Rücksicht auf die Arbeitsfähig kett der neuen Reichstags erforderlich war. Die liberale Wählerschaft wird mit Stolz Kaempff wieder als ihren Kandida­ten ausrufen und einmütig und freudig alles tun, was in ihrer Kraft steht, um das Mandat ihm wiederzugeben. Die Morgen­post schreibt: Daß die Nachwahl vor dem Zusammentritt des Reichstags stattfindet, darf als ausgeschlosfen gelten. Wird viel­leicht P a h e r, der das Präsidium in Stuttgart niedergelegt hat, Kaempffs Nachfolger, oder sind Fäden gesponnen, die Herrn Paa sch e das Avancement ermöglichen; oder wirckt nun doch Herrn Spahn der definitive Besitz des Sessels, den er nach zwettätiger Jnhaberschast räumen mußte?

Ein Wechsel int Bundesrat.

Wie uns weiter aus Berlin berichtet wttd, beabsichtigt der Bevollmächtigte im Bun­desrat für das Großherzogtum Hessen, Gchet- mer Staatsrat im hessischen Ministerium, Gu­stav Krug von Nidda, am ersten Novem­ber in den Ruhestand zu treten. Es ist noch nicht bestimmt, wer der Nachfolger des Staatrats werden wird. Krug von Nrdda Hai das Großherzogtum Hessen fast ein Jahrzehnt hindurch im Bundesrat vertreten.

Sie neueste kisenbahn-Katastrophe.

Fünfzehn Personen schwer verletzt!

Ein Privat-Telegramm meldet uns aus Wien: Heute früh entgleiste in der Rühe btt Station Meidling der aus Kärnten kommende Schnellzug Rr. 110. Der Loko­motivführer suchte dem drohenden Zusammen.

stoß mit einer Lokomotive, die auf demselben Gleis dem Schnellzug entgegenfuhr, vorzubeu­gen und brachte den Zug durch starkes Bremsen zum Stehen, wodurch er entgleiste. Fünf­zehn Personen wurden schwer verletzt.

Kanonendonner am Balkan!

Der Podgoritza-Kampf dauert fort.

Die letzten Meldungen vom Balkan bestä­tigen die Erfolge der Montene­griner in ihrem Vorgehen gegn die türkischen Grenzbefestigungen bei Skutari. Diese Erfolge haben in Konstantinopel offenbar großen Ein­druck gemacht, und man will in dem Vorgehen Montenegros das Vorhandensein eines umfas­senden strategischen Planes der vier Balkanstaaten erblicken. Das Zögern Bul­gariens, Serbiens und Griechenlands mit der Ueberreichung des Ultimatums wird ebenfalls auf ein taktisches Manöver zurückgeführt, das den Zweck verfolgt, die türkischen Streitkräfte an der montenegrinischen Grenze fe st zuhal­ten. Ueber die Kämpfe bei Podgoritza liegen hertte folgende Meldungen vor:

Auf den Podgoritza-HSHen.

(Privat-Telegramm.)

Podgoritza, 12. Oktober.

Der Spezialkorrespondem des Renterschen Büros meldet vom gestrigen Tage: Am Frei- tag Nachmittag haben die Montenegri­ner die türkische Befestigung Rogame in der Nähe der Stadt Tuzi genommen. Bon dem Schlachtfeld wurden viele Berwundete hierher gebracht. Die Spitäler find überfüllt. Der Kö­nig besuchte im Spital die schwerverwundeten und toten Soldaten. Erkütztesieaufdie Stirn und dankte ihnen im Namen des Va- terlandes. Prinz Mirko trug selbst einen schwerverwundeten Soldaten ins Spital Ueber sechstausend Malifforen haben sich erhoben und kämpfen hinter dem Rücken der türttschen Armee. Einige Hundert von ihnen find in Podgoritza eingezogen, um Waffen zu vertan gen. Serbische Banden in der Stärke von fünftausend Mann sind in den Sandschak einge­rückt. Sie suchen Berbiudung mit den Monte­negrinern. Prinz Georg von Serbien folgt mit serbischen Truppen.

Podgoritza, Berana, Akatva.

(Privat-Telegramm.)

Cctinje, 12. Oktober.

Gestern in der Mittagsstunde wurde von den Montenegrinern bei Podgoritza das Fott S ch i p e a n i k erstürmt. Beide Parteien legten den größten Heldenmut an den Tag. Die Befestigung Rogame wurde ganz zerschossen. Tie Besatzung ist jedoch enffchloffen, fich Wetter zu halten. Die Arttllerie gegen die Festung Branja ist gestern verstärtt worden. Gestern früh fand ein heftiger, drei Stunden dauernder Kampf bei Berana und A k a w a statt zwi­schen Türken und Montenegrinern, die bedeu­tende Verluste hatten. Nachmittags drangen die tückischen Truppen in montenegrinisches Gebiet ein und schloffen Morkawa ein. Die andauernden Bemühungen griechischer Banden, die türkische Grenze in der Nähe von Diskata zu überschreiten, find nach mehre­ren kurzen Gefechten vereitelt worden. Auf der Bahnstrecke Salonifi-Amatowo versuchten Bul­garen, einen Militärzug in die Luft zu sprengen. Die Bahnwache entdeckte recht- zeittg die Vorbereitungen dafür und entfernte die zwei Dhnamttpatronen vom Gleise.

Will Oesterreich eingreife»?

(Privat-Telegramm.)

Wien, 12. Oktober.

Wie aus wohlinformierter Quelle verlautet, trifft Oesterreich-Ungarn Vorbereitun­gen, die darauf schließen kaffen, daß der Ein­marsch österreichischer Truppen in den Sandschak Novibazar in nächster Zett zu er­warten ist. In militärischen Kreisen erwartet man diesen Schritt sofort nach dem Ausbruch des Krieges. Die letzten «eußerungen des Gra­fen Berchtold in den Delegationen feien viel­fach in diesem Sinne ausgelegt worden. Wie es scheint, erwartet man ein gemeinsames Vor­gehen Serbiens und Montenegros gegen den Sandschak und trifft Vorbereitungen zur Verei­telung dieses Planes. Die Nachrichten aus hie­sigen maßgebenden diplomatischen Kreisen lau­ten überall s e h r e r n st und vor allem erscheint es bedenNich, daß Rußland durch seine Mobili- sierungen an der Grenze auch Oesterreich zu kriegerischen Vorbereitungen itotoßt, die die Lage weiter verschärfen,

*

Die russischeProbe- Mobilmachung".

Ein Prioattelegramm aus Krakau berichtet uns: Rach aus Warschau hier einge­gangenen Meldungen ist die sogenannte rus­sisch« .Probemobilisirrung'

to eitere Gouvernements ausgedehnt wor­den. Die Kriegsverwaltung hat die Mobili­sierung der Gouvernements Gradno, Kalisch, Radom und Lublin angeordnet. In Warschau sind mehrere hundett Eisenbahnwaggons zu militärischen Zwecken zurückbehalten Worten,

Am Herd der Krieger.

Bilder vom Balkan-Kriegsschanpf-tz.

(Von unferm Korrespondenten.)

Podgoritza, 9. Oktober.

Der König ist mit seinen Generalen nach Podgoritza ausgebrochen, wo sich von nun an das Hauptquartier befinden wird." So lautete die nach der Kriegserklärung Montene. gros an die Türkei aus Cettnje abgegangene Depesche. Seitdem ist es schon zu blutigen Zu­sammenstößen gekommen und die montenegri­nischen Truppen sind von Podgoritza aus nach verschiedenen Richtungen gegen die türkische Grenze vorgedrungen. Eine Tagesreife ge- braucht man von der montenegrinischen Haupt­stadt (die ein kleines und unscheinbares Fel. s e n n e st darstellt), um nach Podgoritza zu ge­langen, das in der Mutgertänften Zeta^Ebene liegt und dessen Name jetzt ost genug in der europäischen Presse widerhallen wird. Wer das Reich der Schwarzen Berge nach seiner im hohen, öden Karst gelegenen Hauptstadt beur­teilte, wird auf das freudigste berührt fein, wenn er nur eine knappe Stunde von Cetinje ans südlich wandert, und wenn sich dann Plötz-. lich tief unter ihm die lächelnden blauen Fluten des Skutari-Sees ausbreiten, eingesäumt von fruchtbaren Feldern, von Gärten mit Obst und Wein, während den fernen Hintergrund die schneebedeckten, in die Wolken ragenden Bergzüge der Nordalbanischen Alpen bilden. Unten am See ruht ein fesselndes Städtchen, Rijeka, durch dessen einzige Hauptstraße

bet Weg «ach Podgoritza

führt, der sich zunächst durch von der Sonne heißbesttahlte Karstfelder windet, die, wo es nur geht, auf das emsigste von den als träge verschrienen Montenegrinern bebaut werden. Später werden sie abgelöst durch von der Natur reichgesegnete Gefilde, die Getreide, Mais, Ta­bak, Wein und erlesene Früchte hervorbringen. Neigt sich die Sonne zum Untergang, so tau­chen schimmernd weiße Häuschen und einzelne schlanke Minarets am Fuße eines langgestreck- ten Hügels auf, mit den hellen Farben der Ge­bäude vermischt sich das satte Grün von ©arten und Hainen: Podgoritza ift erreicht! Wie­viel lieblicher und ansprechender ist dieser Ein­druck, alS wie der Cetinjes! Die Stadt mit ihren eitoa achttausend Einwohnern ist denn auch viel volkreicher und getoerbtätiger als die kleine Königsresidenz und weist ein überaus interessantes, bunt zusammengewürfeltes VoKsleben auf. Das tritt besonders in die Er­scheinung an den Markttagen, deren Schauplatz die von niedrigen Häuschen eingesäumte breite Hauptstraße bildet; hochgewachsene Montene­griner in stolzer Haltung, den schweren Armee­revolver in der breiten Leibbinde, das winzige goldgestickte Käppi keck auf dem sonnenver­brannten Haupie, Albanesen in langen, weißer^ schwarz eingesäumten Röcke»,

Malissoren, Zigeuner und Türken in Fes und Turban, auch einzelne vermummte, dunkel geNeidete türkische Frauen schieben und drängen sich durcheinander; ein reger Handel und Wandel findet statt, jeder Kauf bedarf nach orientalischer Sitte seiner bestimmten Frist, Käufer und Verkäufer suche» sich zu überlisten. Von de» Baute» sind nur das neue, sehr schlichte Königliche Palais und einige nüchterne Kasernen zu erwähnen. Auch hier bildet (tote im ganzen Orient) das volkstümliche Getriebe den hauptsächlichen Retz. Kreuz und Halbmond stoßen hart zusammen: Hier griechisch-orthodoxe Kirche, mit blanken Kup­peln und langbärtigen, in wallende schwarze Gewandungen gehüllten Priestern;, jenseits der Moratscha aber kleine Moscheen mit spillerigen MinaretS, halbverfallenen Häuschen und übel­riechenden, winzigen Gäßchen. Dort m 1» schon tückisches Gebiet; zieht sich doch die Grenze un­weit der Stadt bin mit Blockhäusern Huben und drüben und mit verwahrlosten tückische« MM. tär-Kastells auf den benachbarten Hügeln. Ha. der und Streit zwffchen den Nationen ist hier ewig und ohne Ende, aber nun ist der ewige Groll in offenen Kampf ^usgebrochen, und selbst für den besten Kenner der Verhalt, niffe ist es schwer vorauszusagen, tote er enden wird. Aber viel Blut wird er abermals kosten. .4 . . P. y. Gn

Berliner Krisen-Stimmung.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 12. Oktober.

Die offiziellen Meldungen aus dem monte- negrinffchen Hauptquartier werden hier mit sichtlicher Skepsis aufgenommen, wenn man auch in sachverständigen Kreisen mit der Mög- lichkeit rechnet, daß die Tücken in der ersten Le« des Krteges. i« bet ih« .Gegner naturge-