CaMerNeueste Nachrichten
Hessische Abendzeitung
Casseler Abendzeitung
2. Jahrgang.
Sonnabend, 12. Oktober 1912
Kammer 262,
Fernsprecher 951 und 952.
Fernsprecher 951 und 952.
chem Tone gehaltene Kollektivnote de r M ä ch t e. In der überreichten Note wird erklärt, daß dir Mächte im Einvernehmen mit der Türkei Besprechungen über die Reformen halten werden. Die Kollektiv note wurde während eines Ministerrats übergeben, der sogleich mit der Beratung der Note begann. Der Ministerrat dauerte bis nach Mitternacht. Mitteilungen über seine Beschlüsse fnti> noch nicht bekannt geworden. Wie auS Budapest verlautet, soll Ministerpräsident LukacS gestern in Wien in einer Sitzung der ungarischen Delegation die vertrauliche Mitteilung gemacht haben, daß, sichern Nachrichten zufolge, Bulgarien bereits den Krieg erklärt haben. Weite« verlautet, eS sei bestimmte Aussicht vorhanden, daß Griechenland vom Balkanbund abspringen und der Türkei kein« Kriegserklärung überreiche« werde.
Berlin, 11. Oktober.
Wie in bestunterrichteten politisch« Kreis«« verlautet, besteht bst der Reichsregierung die Absicht, den Reichstag bereits in allerkürzester Frist einznberufe«. Wie bekannt, schwebten schon seit längerer Zeit ursprünglich von der Fleischteuerung ausgehende Verhandlungen zwischen dem Reichskanzler und den führenden Parlamentariern, di« die Frage einer vorzeitigen Einberufung deS Reichstags zum Gegenstand hatten. Es schien zuerst, als gingen die Erörterungen einem negativen Ergebnis zu. Wie jetzt aber bekannt wird, stehen bie Verhandlungen kurz vor ihrem Abschluß, und es steht zu erwarte«, daß die Oes- fentlichkeit schon in den nächsten Tagen die Nachricht erhält, daß die Regierung sich entschlossen hat, den Reichstag weit vor dem ursprünglichen Termin (dem sechsundzwanzigsten November) «inzuberusen. Diese Nachricht ist vo« mnso größerer Bedeutung, als man sie Wohl mit Recht mit der außerordentlich verdüsterten Situation der gesamten Weltpo- litik in Zusammenhang bringiem dürste. Wie weiter verlautet, dürsten die ersten Sitzungen deS Reichstags mit einem äußerst eingehenden und umfangreichen Exposs des Reichskanzlers über die außenpolitische Lage und die Stellung Deutschlands zu den schwebenden, wichtigen Fragen der Weltpolitik eingeleitet werden. Da die Verhandlungen nur mit einigen wenigen leitenden PaÄamentarischen Persönlichkeiten geführt worden sind, ist bisher darüber in der Oefsentlich- kest nichts bekannt geworden; eS steht aber fest, daß bereits seit vierzehn Tagen diese Verhandlungen schwer« und daß sie heute oder morgen M dem bereits angedeuteten Abschluß führen werden.
DU taffe!« -Jimenas 9ln<6n<6ten erscheinen wochenM» sechsmal and »war abend» »et HbwnwmenterreW beträgt monatttct W Pf» bet tret» Zustellung ta« Hau» Bestellungen werbe» letxrteu »en de, »etchattSstelle oder bat Boten entgegengenommen »ruderet, Bering «Bl Retsofttee. GchlechtdoMratze 28/30 Sprechstunden bei Redaktion nur oon 1 bi« 8 Uhr ea*anttaa* Sprech stunde» bet Auskunft • Stelle Jeden Mittwoch und grtttag oon I 6t« 6 übt abend« Berttner Vertretung SW. gttedrtchstr 18. Telephons Amt Mort«ptob 678
gnfttttonJprtHe: Die fed)8gelpattene geile für einheimische Beschatte 15 Pf», für auf. roärttge Inserate 25 Ps., Reklamezeile für einheimische Geschäfte 40 W, für auswärtige tSeschütte 60 Pf. Beilagen für die Lesamtauslage werden mit 4 Mark pro Tausend be- rechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Residenz und der Umgebung sind die Lasselet Neuellen Nachrichten ein oorzügliche« 3nfertionSorgan Seschüstfirelle: »Slnische BtraSe 5. Berliner Bertretung: SW. strtedrtchftraSe 18, Telephons Amt Moritzplntz 678.
junger Diplomat^m Jahre 1879 und 1889 zu der Kommission gehörte, die die Grenze Montenegros zu bestimmen hatte. Die Mitglieder dieser Kommission hätten sich damals an Ort und Stelle überzeugt, daß die Montenegriner in Albanien wie Brandstifter aufgetreten seien und daß ihr Fürst den Frieden der Welt nur aus eigenen persönlichen Interessen kompromittiert habe. Wenn heute der König von Montenegro wieder die Welt bedrohe, um für sich selbst Vorteile aus einem allgemeinen Brande zu ziehen, so sei es nur bedauerlich, daß das Regime, das er in Montenegro durchgeführt habe, sein Volk verhindere, ihn so zu z ü ch t i g e n, wie er es verdiene. d'Estournelle erklärt zum Schluß, der Balkankrieg sei ein Verbrechen am Frieden Europas und eine steventlick.heraufbeschworene Gefahr für den Frieden der ganzen Welt.
Der Bundesrat an der Arbeit.
Der Bundesrat hat in seiner ersten Sitzung nach den Ferien am gestrigen Donners tag den zuständigen Ausschüssen überwiesen: Den Entwurf eines Gesetzes über daS Verfahren gegen Jugendliche; eine Vorlage, betreffend Äenderung einiger Bestimmungen der Eisenbahnbau - Betriebsordnung; den Entwurf einer Prüfungsordnung für Tierärzte; die Vorlage betreffend die Errichtung eines Schiedsgerichts der Angestelltenverstcherung; den Entwurf der Bestimmungen über die Konkursstatistik und den Entwurf der Bekanntmachung betreffend die Feststellung des Börsenpreises vo» Wertpapieren.
Set „Spion" hott Kassel.
Ferdinand Hotzfeld vo« der Casseler Strafkammer als «icht überführt freigesprochen
Vor der Strafkammer Cassel wurde heute über den Bohrer Fer. dinandHotzfeld,der hier in Cassel am Graben gewohnt hatte, wegen versuchten Verrats militärischer Geheimnisse verhatwelt. Hotzfeld hatte von Cassel aus der sran« zöfischen Botschaft in Berlin Pläne von Zeppelinluftschiffen und Berschlutzstücke der schweren Gebirgsartillerie zum Kauf angeboten. Der Angeklagte befand sich schon seit dem März in Untersuchungshaft. Die Verhandlung wurde unter Ausschluß der Oeftentlichkett geführt. Schließlich wurde der Angeklagte Hotzfew aber als nicht überführt freigesprochen.
Der Casseler Spionagefall des Bohrers Ferdinand Hoßfeld, der seinerzeit großes Aussehen erregte und die Casseler Kriminalpolizei eingehend beschäftigte, wurde heute vorder Strafkammer Cassel verhandelt. Der Andrang des Publikums war nicht so stark, wie dies sowst bei derartigen Prozessen der Fall zu sein pflegt, da der Termin der Hauptver. Handlung geheim gehalten worden war. Di«, Verhandlung wurde hinter verschloss«, nen Türen geführt. Aus der „Armesünder- dank" im Straftammersaal des Justizbaus am Schloßplatz erschien heute früh der Angeklagte. Ferdinand Hoßfeld, von Beruf Bohrer, ist zweiundzwanzig Jahre alt und hat bereits eine ziemlich bewegte Vergangenheit hinter sich. Er machte heute einen verhältnismäßig angenehmen Eindruck. Die lange Untersuchungshaft scheint ihn nicht sonderlich geschadet zu haben. Der Vorsitzende ging nach Eröffnung der Verhandlung zunächst auf die Personalien deS Angeklagten und auf sein Vorleben ein. Danach ist Hoßfeld am dreißigsten April acht- zehnhundertneunzig zu Wildbrechtrode bei Meiningen geboren. Er gehört der lutherischen Kirche an und ist noch nicht verheiratet. Bereits als vierzehnjähriger Junge wurde er vom Amtsgericht Meiningen wegen -Diebstahls mit einem Verweis bestraft. Infolge dieses Verweises wurde er damals durch Beschluß des Magistrats der Stadt Meiningen vom fünf» ze^ften Dezember neunzehnhundertdrei der Zwangserziehung Überwiesen und in dem Rettungshaus „Zum Fischhaus" in Meiningen utttergebracht. Hier ist er dann mehrfach entlaufen. Rach dem Tode seines Vaters wurde er von seinem Stiefvater erzogen, der 1906 nach Cassel übersiedelte. In Cassel nahm Hoßfeld, der am Graben wohnte, an verschiedenen Stellen Arbeit, und ging hierauf in die „Fremde". Nachdem er (wie er heute angab) im Jahr« neunzehn» hundertacht und im folgenden Jahre
im Ausland nmhergewandert
war, kehrte er nach kurzer Arbeitszeit in E i s e- nach und Recklinghausen nach Cassel zurück. Hier kam er auf den Gedanken, sich durch einen unehrlichen Verdienst zu ernähren. Durch Beschluß der Strafkammer vier in Cassel vom neunten September dieses Jahres wurde gegen den Angeklagten das Hauptverfahren eröffnet, da er, wie es im Eröffnungsbeschluß heißt, dringend verdächtig ist, zu Cassel und im Inland« den Versuch gemacht zu haben, militärisch« Geheimnisse zu ver- raten. Der Angeklagte Hoßfeld hat sich mit einem Schreiben vom sechsten März dieses Jahres an die französische Botschaft in Berlin gewandt und ihr Pläne vom Zeppelinluftschiffen und Verschluß- stücke der schweren Gebt rgsartil- Ieite zum Kauf angeboten. Damit hat er sich nwh dem Gesetz der Preisgabe von Sachen schuldig gemacht, deren Geheimhaltung zur öffentlichen Staatssicherheit notwendig ist. Hoßfeld hatte sich nun wegen Verbrechens gegen Paragraph 49a des Reichsstrafaesetzbuches und dez Paragraphen eins des Gesetzes joont drit-
Hoheit als Kanonier.
Ans de« Höhen vo« Podgoritza: Ein Moment-Bildchen ans dem Balkan-Krieg.
Vie rührend: Ms am neunten Oktobertag zper den Höhen von Podgoritza di« feuch- Morgennebel sich talwärts setckten und der Jonne erst« Strahlen schücht«rn durchs Dunst- ^eet lugten, donnerte aus den Fouerschlünden der I! onte ne griner - Legi o n der erste Kanonen- wie der Gruß des Verderbens den im MMDgeWnde verschanzten Türken entgegen; xikiLls jüngster Sproß War's, der das Schlach- M.Aonz«rt einleitete, mit eigner Hand di« Karte $ur Pulverkammer führte und damit vor bat Augen der verwundert blickenden Welt ein Hskdenstück beging, dem Büsche von Lorbeer Wziemen. Ms das prinzliche Kind der Schwarze, Berge dem Türkenheer kanonendonnernd Sampfbeginn gekündet, spielte die Musik im Hauptquartier die Nationalhymne, die kriegbe- geisterten Helden Nikitas entblößten die ge- ßiähmen Häupter und aus rund zwanzigtau- stnd rauhen Männerkehlen klang, erschütternd md überwältigend wie di« Tongeschirr.Kanonade vor Jerichos Mauern, wildes Krieggeheul " Weis herbstliche Blachfeld. Das war, wie uns da» allzeit emsig« und gelegentlich auch gewissenhafte Reuter'sche Bureau erzählt hat, der große, welthistorische, von den Urenkeln noch ^chrfurchrvoll genannt« Moment eines Kampf. beginnS, in dem bi« Schwarzseher am grünen Tisch und die Propheten des Unheils das Verhängnis des Weltfriedens erblicken: Etwas feierlicher, imposanter und erufdhaster würde das Intermezzo s«h entschieden stilvoller ausgenommen haben!
i Die wilden Männer aus den Schwarzen Wrgen haben erkannt, was sie der Reputation ks gestern gewordnen Miniatur.Königreichs von Gottes und des Zaren Gnaden schulden, und obgleich fünsundsiebzig Prozent der von NMtaS bärtiger Majestät väterlich Regierten -sich mit dem lästigen Ballast der Schreib, und Lesekunde nicht zu beschweren pflegen, ist zu den Ohren der in Cetinje Tonangebenden doch offenbar die Kunde von der Heldentat gedrungen, die anno siebzig Napoleons Sohn, der eben dem Kinderfteid entronnene Lulu, im Angesicht der begeistrung-trunknen Großen Armee vollbrachte, als die schmale jknabenhand den ersten Mürailleusen-Schuß in diesem Sichichsalkriege ~ gegen das Heer der Preußen auMitzen ließ.
Der Vater schrieb damals an die im Duillerien- V prunk der ersten Siegesbotschaft harrende | Kaiserin Eugenia, alte Soldaten, die in drei Erdteilen gekämpft, hätten beim Anblick dieses g Heldentums in ftrrzen Höschen geweint, ein- f ander umarmt und sich am Beispiel kindlichen ■ Heroismus erbaut. Das Schicksal hat dann ;; später bekanntlich all die stolzen Hoffnungen, die dies kleine Momembildchen rührseliger - Stimmung-Effekte umrankten, grausam zertre ten, und wenn di« Arrangeure des montenegri- Nischen Kriegspiels die Geschichte des deutsch- | französischen Kriegs bis zu den letzten Kapiteln A durch^buchstabiert haben, hätten sie sich eigentlich sagen.müssen, daß ein« Kamps-Ouvertüre mit prinzlichem Kanonendonner, mit Musik und andren geräuschvollen Zugaben als gu- | les Omen kaum zu schätzen fei.
Im übrigen scheint der Krieg in den Schluch. C len des Balkan nach dem mannigfach bewährten Tripolis-Rezept geführt zu werden, daS den - schätzbaren Vorzug hat, den Diegslorbeer beiden Parteien je nach Bedarf und Belieben zu- | zuweisen. In Tripolis haben nach den De. |- peschen aus römischer Quelle andauernd h Unü unverdrossen die Enkel der Caesaren g«. siegt; in den Berichten aus K o n st a n t i n o - Pel dagegen las man, des Halbmonds Flagge wehe siegreich über der Walstatt: SDlan r konnte also auswählen und nach Belieben das & Panier des Propheten oder das Kreuz von ; Savoyen bejubelst. Diese nützliche Kunst, die - kapriziösen Launen des Schicksals sanft zu mei- -- stern, spüren wir auch jetzt wieder im geschästi. gen Walten der Krieggeschichte: Di« Kämpfe . bei Berane, das Gefecht bei Podgoritza und ; das Scharmützel bei Sandor sollen nach der : einen Darstellung für die Türken, nach der andern für Dtontenegriner und Serben er- solgreiche Krieg taten gewesen sein, und in dem Wirrwarr der Nachrichten, Gerüchte und Legenden ist nur bie eine wirkliche Tatsache er- s kennbar, daß die Kanonen gedonnert und^ die Flinten geknallt haben; wem sie aber Sieg, l. wem Niederlage brachten, bleibt noch zu enträtseln, und die Ungewißheit darüber wird auch dadurch nicht lieblicher, daß Nikitas jüngster Sohn vor Podgoritza sich höchsteigen- händig um das Abprotzen der montenezri- ’’ Nischen Renommier-Donnerbüchse^bemüht hat;
Schwere Anklagen gegen RMta.
Als er noch Fürst war in den Bergen...!
(Privat-Telegram m.)
Paris, 11. Oktober.
Der bekannte Senator und Friedenskämpfer, Barvon d'Estournelle be Constant, richtete an den König von Montenegro ein in den schärfsten Ausdrücken gehaltenes Pro- testschreiben., Er erinnert daran, daß er als
Der Reichstag fall helfen!
Reichstags-Einberufung in Sicht?
Mitten im internationalen Sorgenwirrwarr erinnert man sich plötzlich wieder deS Daseins des Deutschen Reichstags, dessen Sommerschlaf, löblichem Brauch gemäß, sonst immer bis zum Herbstesende dauert. Als-wegen der Teuerung nach dem Parlament des Reichs gerufen wurde, vernahm kein Ohr aus der Wilhelmstratz« ein Echo; nun aber, da der drohende Balkanbrand die Diplomaten aus sanfter Ruhe aufgescheucht hat, soll auch der Reichstag wieder Gelegenheit zur Tat «r- balten, und di« Regierung ist entschlossen, ihn früher, als bisher geplant war, zur Herbftar- boit zusammenzurufen. Wir erhalten folgende Meldung:
Herbstarbeit im Wallothaus!
(Privat-Telegramm.)
Die neuesten Kriegs-Depeschen.
Das PoVgvriha-Gefecht dauert fort!
(Privat-Telegramm.)
Podgoritza, 11. Oktober.
Gestern mittag erstürmten die Montenegriner die wichtigste Befestigung gegenüber Podgoritza, den Berg Detschpitsch, trotz heldenmütigen Widerstandes der Türken. Biele Montenegriner sind gefallen. Aus beiden Seiten sind die Verluste groß. Die Montenegriner haben vier Geschütze erobert und sich unter dem Schutze der Kanonen den weiteren Befestigungen des Desilö stark genähert. Der Oberbefehlshaber, Echprinz Danilo, befindet sich auf dem Schlachtfelde. Die Kanonade dauert fort. Die Dörfer nördlich vo« Bofana stehen in F l a m m e n. Die Flüchtigen retten sich nach Skutari. In dem Grenzgebiet Samrisfi treffen zahlreiche verwundete Bauern ein. Nach Angaben dieser Bauern wurden zahlreiche Frauemund KindervondenMonte- negrinern erschlagen. Der Lloyddamp- ser „Skutari" wurde aus der Fahrt von Bojana nach Cattaro eine Stunde lang von montenegrinischer Arttllerie beschossen. I« Skutari befinden sich zurzeft als Besatzung 17 000 Türken und 7000 mohammedanische Albanesen.
Die Tragödie eines Generals.
(Privat-Te leg ramm.)
Cetinje, 11. Oktober.
Der Kommandant der montenegrinischen Ar- tiCerie, General Bozowitsch, hat sich nach dem Gefecht von Podgoritza erschossen. Der König hatte den General in barschester Weise getadelt, daß er die Artillerie schlecht geführt und zu viel Munition gebraucht habe. Der General nahm sich die königlich« Ungnade so zu Herzen, daß er "-b kurz nach der Unterredung mit dem König erschoß. Griechische Freischärler, angeblich gegen zweitausend Mann stark, versuchten gestern in der Nähe von Diskata die türkische Grenze zu überschreiten. Sie wurden aber von türkischen Grenztruppen mit empfindliche« Verlusten über die Grenze zurückgetriÄe«. U«ber ganz Rumelien, einschließlich deS Sandschak Novibazar, ist der Belagerungszustand verhängt worden. Depeschen auS Belgrad zusolge fand dort gestern nachmittag die Nebergab« der Antwort der serbischen Regierung auf die Rote der Mächte statt. Zu gleicher Zeit überreichte der serbische Gesandte in Konstantinopel der Pforte ein Ultimatum, das die »»He Autonomie Mazedoniens und Altserbiens fordert.
Die neueste Note der Mächte.
(Privat-Telegramm.) Konstantinopel, 11. Oktober.
Der erste Dragomau der österreichischen Botschaft in Konstantinopel überbrachte gestern Abend der Pforte die in freunds chast.lt-
Denn der Ballankrieg ist doch schließlich keine F ilmb ild-Ep is ode I
Unterdessen ist bei der Hohen Pforte am Ge- 'tobe des Bosporus die seit einer Woche in amtlichen Kabinetten Europas angestrengt bebrütete „Kollektiv-Note" der Mächte eingegangen, von der (als besonders wichtig und ür den Gefahr-Moment außerordentlich charakteristisch) erzählt wird, daß sie „in sehr reundschaftlichem Tone gehalten sei". Die Männer am Goldnen Horn werden Das hoffentlich nach seinem Wert zu schätzen wissen und ihrerseits den Großmächten (die sich im BaWanwirrwarr vor aller Welt, verlegen lächelnd, als Ohnmächte produzieren) eben- o freundschaftlich zu wissen tun, daß nun, nachdem bei Podgoritza und Berane die Kanonen gedonnert, das einmal enffachte Krieg- feuerchen durch Diplomaien-Noten nicht mehr ausgeblasen werden kann. Die „Aktion" der Großmächte nimmt sich angesichts der Ereignisse in ben Balkanbergen wie ein verspäteter Scherz aus unb man würde nicht einmal rr- taunt sein, wenn eines TageS aus Cetinje, Belgrad oder Sofia die Kunde käme, die Herren Nikita, Peter und Compagnie hätten ein- mütiglich und mannhaft gegen die lästige Vormundschaft der sie hätschelnden Großmächte protestiert und sich weitere störende Einmischung ins Dalkangeschäft energisch verbeten. Das würde dann die zwerchfell-erschütternde Pointe der Operette fein und die durchaus natürliche Konsequenz einer europäischen Friedensmächte- Politik, über die im Balkan-Dunstkreis bereits die kleinsten Hühnchen lächeln. Welten- brand? Kerne Spur! Ein Oktober. Intermezzo, dessen Ouvertüre mit Musik und Kanonendonner am neunten Oftobertag in der Morgenfrühe auf den Höhen bei Podgoritza spielte...! F. H.