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Casseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Nummer 261
2. Jahrgang
Freitag, 11. Oktober 1912
Fernsprecher 951 und 952.
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’bter Handlungen befleckt!
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te. Man könnte sie noch leichter ironisieren, wenn sie nur nicht so sündhaft teuer wäre! Ader während man in allen Staaten jedem noch so drängenden Staatsbedürfnis knickerig die notwendigsten Groschen zurcchnet, werden hier für eine Aktion, deren Unwert für jeden Nichtfachmann prozessual erwiesen ist, die respektabelsten Summen ausgegeben.
Jeder fragwürdige Gentleman, dem die Spielbank in Monaco und die Lebedame in Brüssel nicht mehr die Reisespesen Vorstrecken will, weiß, wo er diese (und mehr noch) letzten Endes findet. Wo? Im Staatsbudget jeder „ungenannt sein wollenden" Großmacht, der er dafür Abschriften gedruckter Handbücher, Ansichtskartellbilder in vergrößertem Maßstabe und bestenfalls die Personalbeschreibung eines Kollegen übergibt, lieber den moralischen Wert des tolerierten Gewerbes der offiziellen Kundschafterei ist ja weiter kein Wort zu verlieren. Aber schließlich muß ja der Staat noch nicht als moralische Anstalt betrachtet werden. Aufreizend wirkt indessen, daß Jahrzehnte herber Erfahrungen an dieser einfältigen Institution nicht haben rütteln, können. Jedes andre Institut würde schon längst gesperrt sein, wenn es nichts als so zweifelhafte, unsichre Resultate zutage fördern würde. Das der Spionage blüht fort: Man beordert wie früher ehrenhafte Oflizter«, sich mit dem unsaubersten Gesindel der Wett abzugeben, verpulvert für den Unterhalt dieser Elemente Unsummen und erntet Dinge, die nützlich sein können oder ... auch nicht. Auch hier bedürfte es nur des MutS, das einmal an sachkundiger Stelle herauszusagen, was sogar an dieser selbst geflüstert werden mag: Dieses Spiel ist (wie das Sprichwort sagt) nicht die Kerzen wert! Der eine Staat spioniert, und der zweite und der dritte, und alle haben davon endlich nur das eine befriedigende Gefühl: Daß derselbe Gauner auch den Nachbar (Pardon: Die „befreundete Großmacht", deren Namen nicht genannt werden soll) betrogen hat. Und darum nun der Lärm, die Sorge und die Blamage. Auch der Fall „Kagelmann und Compagnie", dessen Aktschluß heut Dornt Reichsgericht spielt, wird wieder offenbaren, was längst hätte er. kannt werden müssen: Daß die Spionage eine Kuliurschande ist. die nicht nur die armseligen Taglöhner des Verbrechens, sondern auch ihre „ungenannt sein wollenden" Auftraggeber, die Staaten, in Ehre und Moral
(Privat-Telegramm.) Belgrad, 10. Oktober.
Serben unterbrachen gestern bei den ungarischen Bahnverkehr und
Das Ende des Z. M. DI.
(Privat-Telegram m.) Berlin, 10. Oktober.
schen Körperschaften seien nicht ohne weiteres in das Gericht zu übertragen. Außerdem stehe die Aeußerung des Kaisers, daß er die Verfas. sung in Scherben schlagen wolle, zweifelsfrei fest. In der Urteilsbegründung wird ausgeführt, das Gericht habe angenommen, daß die Behauptungen, die in den Beweisanträgen gestellt sind, als wahr zu unterstellen seien. Wenn aber diese Behauptungen auch als wahr zu unterstellen seien, so ergebe sich daraus doch noch nicht, daß der Statthalter, der Beleidigte, nicht nach seinem pflichtgemäßen Ermessen gehandelt habe. Der Redakteur habe sich als» strafbar gemacht.
nicht eintrttt, ein Brandunglück so gut tote ausgeschlossen ist. Es wird deshalb angenommen, daß möglichem, emfi einer der bei den Arbeiten beschäftigten Laute flchrläfliger- weise mit brennender Zigarre in die Nähe des BallonS gekommen ist und dadurch das Un. Mck verursacht hat.
3nfertton»pr«tfe: ®t< fed)»gefpaU«n« Ze«, für etnhetmtlch« »«schüft« IS Bkg., für au», roärttge Snferat« 25 Pf., Ketlamrjetle für «tnbetmtfd)« »«schäft- to Pf. für auswärtig« »efdiäft« «0 Pf. Beilagen für bte ®e|etntautlage werden Mil S Start pro Tausend berechnet. Wegen chrri dichten Verbreitung in der Residenz und der Umgebung sind bte Saftetet Neueflen Nachrichten ein oorjügUcfjeS Jnferttonsorgan ««Ichüstssv-ll,: «Slntsche Straß« 5. Berliner Vertretung: SW. Friedrichstraße 16. Televbon: Amt MoritzviaS 676.
Luftschiff-Katastrophe in Tegel.
„Z. M. ID" verbrannt und zerstört I
Die deutsche Lustschiffahrt ist abermals von einer schweren Katastrophe betroffen worden, der zwar glücklicherweise Menschenleben nicht zum Opfer gefallen sind, die aber eines unsrer neuesten und bestausgerüstetsten Luftschiffe völlig vernichtet hat. Es handelt sich um den in der Tegeler Luftschisfballe untergebrachten Luftkreuzer „Z. M. III", der heute früh, als er eine Uebungsfahrt antreten sollte, einem Brandunglück -zum Opfer gefallen ist. Wir erhalten über die Katastrophe folgende Mitteilungen:
Du Sattele« Neueste» Nachrichte» erscheine» wachenUich sechsmal und zwar abends Der Htweenwntlpret# betrügt monatlich SO 8fg btt freier Zustellung in* Haus Bestellungen werde» tebeneU oon bei »eschüftsstello ober den Beten entgegengenommen. Druckerei, Verlag uns Redaktion: Vchlachttzofftraß« 28/36 Sprechstunden der Redaktion nur non 1 bis 3 Utzt nachmittags, Sprech stunde» der Auskunst • Stelle: Jeden Mittwoch und ftrettag von • 6t* » übt abend» Berliner Vertretung: SW. Nriedrichftr 16, Telephon: Amt Morigplad 676
Überschritten die türkische Grenze beim Sandor, wobei ein schweres Gefecht zwischen erbischen und türkischen Truppen stattfand, dessen Ausgang noch nicht bekannt ist. Dem Prinzen Georg, dem früheren Kronprin. zen, hat man den Eintritt in die serbische Armee verweigert, angeblich wegen fetne»
nungsgedankens im Anschluß an die Notablen vorgenommen worden seien, bis zur Gip- felung in der Verleihung der neuen Verfassung, haben ihr kennzeichnendes Urteil in den War, ten des Kaisers gefunden, der dazu gekommen sei, bei seiner letzten Anwesenheit in Straßburg die Folgerungen zu ziehen aus dem, was er als Folge dieser Politik gesehen habe, und der das harte Wort gebrauchen mußte, daß er, wenn es so weiter gehe, die jetzt erst verliehene Verfassung in Scherben schlagen müsse. Diese Aeußerung des Rechtsanwalts Claß führte einen Zwischenfall herbei. Der Erste Staatsanwalt Dr. E g e r er» hob sich zu folgendem Einspruch: Ich bitte um Entschuldigung, ich kann es unttr keinen Umständen für zulässig erachten, daß hier eine Aeußerung des Kaisers herangezogen wird, von der nicht feststeht, daß sie gefallen ist. Es ist nicht angängig, daß derartige Behauptungen von Worten des Kaisers im Gerichtssaal als feststehende Tatsachen hingestellt werden.
Staatsanwalt und Rechtsanwalt.
Rechtsanwatt Claß erklärte gegenüber dieser Unterbrechung, daß er den Grundsatz des Ersten Staatsanwalts nicht als richtig anerkennen könne. Gepflogenheiten von partamentari.
Kagelmann nndssomvagnie.
Laser neuester Spionage-Prozeß.
Bor dem purpur-verbrämten Straffenat des Reichsgerichts in Leipzig beginnt heut (der S achtzehnte in sechs Monaten) der Spio. nageprozeß gegen den Chauffeur und ehematt- gen Marine-Steuermann Friedrich Kagel- mann, den die Anklage des versuchten Der- ratS militärischer Geheimnisse und vor fremdem Aug« streng zu behütender Vater. . ländischer LandeSverteidigungs - Maßnahmen zeiht. Der Spionage-Prozeß ist bei uns zum Dutzend-Ereignis geworden. Das höchste Ge. richt im Reich ächzt unter der Hochflut der Verräter-Anklagen. und man könnte fast wähnen, daß in den beiden letzten Jahren die Spionage sich zur höchsten Betriebsamkeit entwickelt habe, da die Zahl ihrer Opfer sich so riesig häuft. Es ist noch nicht lang her, daß di« Herren French und Brandon vorm Strafsenat des Reichsze. ; richts standen; später schluchzte vorm selben Gericht Madam« Thirion, die „Eva von Wesel" (wie lose Zungen di« personifizierte Harm- lofigleit der kleinen pikanten Französin nanu, ten); zwischendurch gab's noch einige alltäglich anmutende Fälle, dann spielten vor den gleichen Schranken der obersten Tribunals di« tragische Groteske „Schultz und Compagnie" und das Menschendrama der unglücklichen Buchhalterin Effa Mitzner, und heut wird die Gerech. tigleit über den Verräter Kagelmann ihr Urteil | st>rschen.DieJnszcuierung ist fast immer dieselbe:
Ein begabter Mensch, dessen Versiertheit in der' ^stanzen und halben Welt Interest« weckt. Ist ehrlicher, aber armer" Eltern Kind, so rt dieser melodramatische Zug die B«wun- für den Mann, der auch sonst äußerst ch wird.
Verhandlung vorm höchsten Tribunal r . im fein. Und trotzdem wird in An- k deurungcn gesprochen, die nur dem spitzsindig- ■ st en Zuhörer verständlich sind. Jeder geogra- E phstche Begriff wird sanft umschrieben, jeder I Eigenname maskiert. Wer der modernen Seuche t der Detektivromane noch so weit aus dem Weg M. geht, wird doch von dieser Regie ergriffen und l folgt gespannt dem Prozeßbericht. Hat der Leser noch Sinn für Humor, so kann er sich auch l an dem sachlichen Untergrund des Prozesses delektieren, zu dem aus Amsterdam, Stockholm M. und sashionablern Orten der Tatbestand zu- - strömt. Alles dies trifft auch auf den weiland : Marine-Steuermann Friedrich Kagelmann zu- ' Er ist ein Typus, wie wir ihn schon öfters ge sehen haben und noch mehrere Ma!« sehen tocr- | den. Der Angeklagte mit der Miene des mannigfach erprobten Biedermanns, die And«utun. gen von der wie gewöhnlich an irgendeiner V Grenze benachbarten Großmacht, und auch der t Humor in der Sache: Alles fügt sich dem ge- fc wohnten Bilde ein! Besonders der Humor, t Wir erfahren wieder, daß ein Herr, dem kein 1 menschenkundiger Kaufmann eine wertlose | Musterkollektion anvertrauen möchte, mit i, Staatsgeheimnissen hausieren geht | "Nd . . . Käufer findet. Einmal in diesem - Staate und später in jenem: Hier gibt es keinen r Unterschied der nachdenklichern oder tempera- I menwollen Raste. Der Gentleman, der seine
Fähigkeiten durch die ärgste Felonie, durch rin« k Verräterei beweisen muß, wird dann in den
Staatsdienst ausgenommen, gebührend hoch ho- r "friert und soll mit einemmal dem Dienstherrn M »treu" bleiben.
Ü" Warum grade in so wichtigen Dingen die i Gaunerehre in Rechnung gezogen wird, [ lfr "icht recht klar, aber alle Generalstäbe der f Welt verlangen in der bewußten unsaubern | Manipulation die Biederkeit von Ehrenmän- M "ein, und nichts weniger. Das Ergebnis einer
■ so verschiednen Auffassung tritt in jedem Spio- c nageprozeß zutage. Der Vertrauensmann ist X (man kann nicht weniger tönend sprechen) r »voll und ganz" ein Lump. Da man ihn zum t Verraten abrichtet oder benutzt, so verrät er M eben in jeder Stunde seiner Tätigkeit und nicht nrit Pausen. Er verrät Alle, mit de- "en er zu tun hat, und am eifrigsten den Lohngeber. Er treibt Spionage und Hontet« |- spwnage, und man darf auch vermuten, daß er s beiden Staaten schlechte Ware liefert. Dieses
| anmutige Spiel dauert vielleicht, seitdem die : Menschheit Grenzen abgesteckt hat. aber es ? dauert merkwürdigerweise noch immer und J. sogar in einer Zeit, in der die Grenzgemarkung U (und was sie an militärischen Geheimnissen
| einschließt) leicht zu überfliegen ist. Die L Spionage lebt, indessen alle untauglichen RL k ber des Staatsbetriebs ausgewechselt werden.
l Sie lebt . . . und ist vermutlich heute genau so wertlos, wie damals, als man noch keine - Photographien und chemischen Methoden kann.
Das Regime Wedel vor Gericht.
Das Fazit r Zweihundert Mark Geldstrafe!
Vor der Straflammer des Essener Land- gerichts hatte sich gestern der Redafteur der Rheinisch-Westfälischen Zeitung, D r e tz l e r, wegen Beleidigung des Statthalters Graf en Wedel zu verantworten. Die Be- leidigung wurde in einer Glosse über den Gravenstadener Fall gefunden, in der das Regime Wedel als pflichtvergessen bezeichnet wurde. Nach längerer Beratung wurde der Angeklagte zu zweihundert Mark G e l d st r a f e, eventuell zwanzig Tagen Haft und den üblichen Nebenstrafen verurteilt. Dem Statthalter wurde die Publikationsbefugnis in der Rheinisch-Westfälischen Zeitung und in der Straßburger Post zugesprochen.
Gravenstaden und die Kaiser-Rede.
(T e 1 e g r a p h i s che Meldung.)
Essen a. d. Ruhr-10. Oktober.
In der gestrigen Verhandlung des Beleibt- gungs-Prozeffes gegen die Rheinisch-Westfälische Zeitung wurden die fämtttchen ansgedehn- ten Wahrheitsbeweis-Anträge des beklagten Redatteurs, die ausnahmslos das politische Gebiet und das Regime des Statthalters Grafen Wedel im Reichsland berührten, als wahr und richtig angenommen, eine Beweiserhebung darüber aber abgelehnt. Der Erste Staatsanwalt, Dr. Eger, begann hierauf mit seiner Begründung über die Notwen- digkeit der Bestrafung des Angeklagten. Gegenstand der Urteilsfindung sei ausschließlich die Tatsache, daß in dem inkriminierten Artikel der Ausdruck gebraucht fei „pflichtvergef- senes Regime des Grafen Wedel'. Aus dem Sttafanttag sei gar nichts anderes zu entnehmen, als daß sich Graf Wedel nur durch diesen Ausdruck beleidigt fühl«. Graf Wedel habe ihm gegenüber betont, daß er sich lediglich deshalb veranlaßt gesehen habe, den Strafantrag zu stellen, weil er mit dem Ausdruck „Pflichtvergessenes Regime" persönlich angegriffen worden sei. Sofort nach dem Efften Staatsanwalt nahm der Rechtsanwalt Claß das Wort zu einer einstündigen Rede, in der er die Tätigkeit des Grafen Wedel und der obersten Beamten auf Grund der in den Beweisanträgen angeführten Taffachen auf das schärfste beleuchtete. Er wandte sich zunächst gegen die persönliche Spitze, die die anflagende Behörde dem Ausdruck „pflichtvergessenes Regime" gegeben hatte und betonte nachdrücklich nach allgemeinem Sprachgebrauch sein« Auffassung von der Bedeutung des Wortes Regime als einer Mehrheit von hohen verantwortlichen Personen und der
Gesamtheit von politischen Maßnahmen in einem bestimmten Zeiträume dieses Regimes, das die Rheinisch-Westfälische Zeitung als pflichtvergessen bezeichnet habe. Unter dem Ausdruck „Regime des Gräfin Wedel" versteht man polittsch das System der Versöh-
das er versucht habe, die Methode, dieses System, zu betreiben im Anschluß an bi« sogenannten reichsländischen Notablen, obwohl diese Notablen verschworene Gegner und Feind« des Deutschen Reiches sind. Die Maßnahmen, die unter dem Einflüsse dieses durchaus verderblichen Versöh-
Heute früh um sieben Uhr ist daS Luftschiff „Z. M. 3" in der Tegeler Lustschiffhalle bei einer R a ch f ü 11 u n g durch eine noch nicht ermittelte Ursache in Brand gerat en und vollständig zerstört worden. DaS Luft schiff sollte zu einer Uebungsfahrt aufsteigen. Plötzlich fing die Hülle ohne daß eine Explosion vorangegangen war, Feuer. Das Feuer griff so schnell um sich, daß sogar das Dach der Luftschifferhalle mit ergriffen wurde. Dfi Charlottenburger und Reinickendorfir Feuerwehren wurden eiligst zu den Löscharbeiten herbeigerufen, außerdem wurden die gesamten verfügbaren Mannschaften der zwei Lustschif- ferbataillone zur Hilfeleistung herangezogen, und es gelang auch den vereinten Bemühungen der Feuerwehren und des Militärs, eine weitere Ausdehnung des Brandes zu verhüten. Tas Luftschiff selbst tonnte allerdings nicht mehr gerettet werden; es verbrannte bis aus das Gestänge. Menschenleben sind beidem Unglück nicht zu Schaden gekommen. Wie der Brand entstehen konnte, ist noch völlig unaufgeklärt, mtb es gehen dar- über allerlei unkonttollierbare Gerüchte um.
Di« Ursache der Katastrophe.
Ein weiteres Privat - Telegramm meldet uns: Nach Mitteilungen von sachverständiger Seite kann der Unfall des „Z. M. III" •tut durch Fahrlässigkeit oder durch Zn- lantmentoirfcn von Zufalls-Umständen herbei- gefiihrt worden fern, da beim ordnungsmäßi- gen NachfLllen von Gas, wenn «ine Explosion
Set Krieg am Balkan.
Rach den ersten Zusammenstößen.
Unter den vielen Meldungen über die Erregung in den Balkanläudern, unter den Gefühlsausbrüchen und Beteuerungen, die der Chronist wohl oder Übel wenigstens zum Teil registrieren muß, sind die Nachrichten über neue Ereignisse dünn gesät. Es soll Zusammenstöße Äen angreifenden Montenegrinern und ver-
. mden Türken bei Berane im Sandschak Novibazar gegeben haben. Das könnte bedeuten, daß der Sandschak, das gerade für Oester. reich-Ungarn wichtigste Gebiet, den ersten Kriegsschauplatz abgeben soll. Doch lauten selbst diese kümmerlichen Mitteilungen über die Kämpfe bei Berane so zaghaft, daß nicht viel mit ihnen anzusangen ist. "Inzwischen wird bekannt, daß gestern auch bei Podgoritza Kämpfe zwischen Türken und Montenearinern stattge« funden haben.
Das Gefecht bei Podgariha.
(Privat-Telegramm.)
Cetinje- 10. Oktober.
Heber das gestrige Gefecht bei P o d g a - ritza liegt hier folgender Bericht vor: Um acht Uhr gestern früh feuerte der jüngste Sohn des Königs das erste GefchÜtz auf di« türkischen Stellungen ab. Die Musik im Hauptquartier spielte die montencgrinif*e Nationalhymne. Rach zwanzig Minuten vertrieb montenegrinische Artillerie die Türken aus ihrer Stellung auf dem Berge Planinitza. Nachdem der Berg mittags von den Türken geräumt war, rückten die Montenegriner langsam gegen die befestigte Stellung der Türken auf dem Berge Detchitsch vor. Um zwei Uhr nachmittags landeten türkische Truppen am Ufer des Skutari- Sees unweit der montenegrinischen Grenze. Es entwickelte sich ein Kampf, der aus der ganzen Front bis gegen Abend dauerte, ohne daß eine Enffcheidung herbeigeführt worden wäre. Der Kampf soll heute fortgesetzt werden, nachdem sowohl die Türken wie die Montenegriner Verstärkungen erhalten haben. Dfi V»-- tenegriner hatten bei den gestrigen Kämvfin zehn Tote und etwa fünfundzwanzig Verwundete; die türftschen Verluste sind nicht bekannt.
Der Valkankrieg unvermeidlich?
(Privat-Telegramm.)
Konstantinopel, 10. Oktober.
Der Botschafter einer Großmacht erklärte gestern den Krieg als unvermeidlich. Der Schritt der Mächfi sei völlig aussichtslos. Ein griechisches Blatt will wissen, daß Bulga- riett, Serbien und Griechenland genau so, wie eS von Montenegro geschehen, ihre Kriegserklärung ohne vorheriges Ultimatum überreichen werden. Fast allgemein erwartet man aber die Entscheidung für heute. Die Krfigs- korrespondenten der türkischen Blätter reiften gestern abend nach der bulgarischen Grenze ab. Der Albanesenchef Basrt-Bay erklärte, daß über dreißigtaufend Albanesen zum Krieg gegen Montenegro und Serbien bereit seien. Hier eingegangene Depeschen aus Bukarest berichfin: Nachdem im Laufe des gestrigen Abends bekannt geworden war, daß Bulga- rien sich entschlossen habe, der Pforte bett Krieg zu erklären, wurden die großen Königsmanö- ver sofort abgebrochen und die allgemei- ne Mobilmachung der rumänifchen Armee angeordnet. Von der Grenze wird berichtet, daß sich dfi christliche Bevölkerung von Rowa Wares im Sandschak Novibazar erhebt, die Behörden werden vertrieben, und dfi Freiheit vom türftschen Joch wird • proklamiert.
Türkisch-serbische Kampfe bei Sandor!