2. Iahraantz
Fernsprecher 951 und 952.
Donnerstag, 10. Oktober 1912
Fernsprecher 951 und 952.
Nummer 260,
Kriegs-Beginn!
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v o l u 1 i v n". And auch hier ist die Stimmung derart, daß die endgültige Vollendung aller Vorbereitungen ganz automarich zum Kriege führen dürste. Allerdings rechnet in Bulgarien noch eine schwache Minderheit mit der Möglichkeit des Friedens, aber auch sie verlangt statt Versprechungen Garantien für die türkisen Re- fonnen und Teilnahme an dem Komitee der Großmächte, das die Reformen durchführen soll. Die Befürchtung, daß Serbien einen Vorstoß gegen den Sandschak Novibazar unternehmen wird, verdichtet sich. Bei Javor, direkt an der serbischen und der Sandschakgrenze, soll es gestern zwischen türkischen und serbischen Truppen zu einem heftigenKampfe gekommen sein. Einzelheiten darüber sind noch nicht bekannt. König Ferdinand von Bulgarien hat sich zu den Vorposten an der Grenze begeben, nachdem er vorher den General Sa- woff zum Generalissimus seiner Armee ernannt hat.
Snferttonforetfe; Die sechSgespaUen, Relle für etnbetmtfd)« Lelchätte 15 Big., für au», roärttge Snferate 25 Bf., Reklame,eile für elnbetmUche SefchiMe 40 Bf. für aittroürttge Oefrtäfte 60 Pf. Beilagen für bie Gesamtauflage werben mit 6 Mark pro Laufend be> rechnet Wegen ihrer bichten Berbreitung in b« «eflben, und b« Umgebung ünb bie Staffelet Neuesten Nachrichten ein ootzuglicheS JnsertionSotgan SefchLftOMü,: «Slnlfche Straße 5. Berliner Bertretung: SW. Friebrichftratze 16. Telephon: Amt SRortgplab 676.
Europa will feinen Krieg!
Ein Interview mit Minister Ssasanow.
Die gestrige Anwesenheit des russischen Ministers des Aeußern, Ssasonow, in Berlin (über die wir bereits in der gestrigen Nummer eingehend berichteten) gatt einem sehr regen Meinungs-Austausch des Ministers mit den deutschen Staatsmännern und den Berliner Vertretern der an der jüngsten Balkan-Krise interessierten Staaten. Um vier Uhr nachmittags sprach Sasanow beim Staatssekretär von Kiderlen - Waechter vor; zwei Stunden später wurde er vom Reichskanzler empfangen. Der Minister hatte sowohl mit Kiderlen-Waechter wie mit dem Reichskanzler ausgedehnte Unterredungen, über deren Resultat Zuverlässiges allerdings noch nicht bekannt ist.
Ssasanow über den Balkankrieg.
(Privat-Telegram m.)
vom Präsidium zu sprechen schien, war der Mangel an einer geeigneten Per.
Berlin, 9. Oktober.
Der russische Minister des Aeußern, Ssasanow, gewährte gestern abend vor seiner Abreise nach Petersburg einem Vertreter der Presse eine Unterredung, in deren Verlauf er sich über die Gefahr der B a l k a n k r i s e folgendermaßen aussprach: Ich habe mich sehr lange und sehr eingehend ^nit Herrn von Beth- mann Hollweg und Herrn von Kiderlen-Waechter unterhalten und kann mit Befriedigung fcst- stellen, daß wir in der Anschauung über die Notweiwigkeit gemeinsamen Handelns zugunsten des europäischen Friedens einig sind. Das hat mich mit umsomehr Freude erfüllt, als ich aus London und Paris gleiche Ueberzeugung mitnehmen konnte. Wir wollen an dem Stntnsquo auf dem Balkan und anderJntegritätderTürkei (der Minister unterstrich letzteres ganz besonders), unbedingt keine Aenderung vornehmen lassen. Die Instruktionen, die ich unseren diplomatischen Vertretern überall und besonders bei den Ballan-Regierungen gegeben habe, lauten gemessen in diesem Sinne. Ich will in diesem Zusammenhänge ganz besonders hervorheben daß auch Oesterreich - Ungarn (wie ich weiß) an diesen beiden Grundsätzen, ich wiederhole, der
Erhaltung des Status quo auf dem Balkan und der Integrität der Türkei, festhält. Unsere Beziehungen zu Oesterreich sind durchaus befriedigend. Ich habe zwar noch ferne amtliche Kenntnis von dem Ausbruch des Krieges zwischen der Türkei und Montenegro, aber ich selbst mutz in diesem Augenblick den Ausbruch des Krieges schon als wahrscheinlich bezeichnen. Indessen, es kommt vor allem darauf an, wie sich Bulgarien nunmehr verhalten wird. Bevor wir darüber keine Informationen haben, können wir selbstverständlich auch nicht sagen, welche weiteren Schritte wir unternehmen werden. In Bulgarien liegt also der Schwerpunkt der Lage und ich brauche kaum zu betonen, datz wir in unseren Bemühungen, einen türkisch-bulgarischen Zusammenstoß zu verhüten, nicht mir nicht erlahmen, sondern mit erneuter Energie einsetzen werden. Wir haben die Sicherheit (so sagte der Minister zum Schluß), mag auch der Friede auf dem Balkan gestört werden, daß keine europäische Macht sichindenKriedwirdhineinziehen lassen. Das beruhigt mich einigermaßen über die Situation. Wir wollen aber auch hoffen, datz nicht einmal der Krieg zwischen Montenegro und der Türkei weitere Konsequenzen in den Verhältnissen der Türkei zn den anderen Balkanstaaten herbeiführen wird.
Essen statt, an dem auch der russische Minister Ssasanow teilnahm. Kurz vor zwölf Uhr nachts trat dann Ssasanow vom Bahnhof Friedrichstraße aus die Heimreise nach Petersburg an. Ssasanow empfing im Laufe des gestrigen Tages den russischen Botschafter in Wien und den russischen Gesandten in Kopenhagen und konferierte sodann mit dem russischen Botschafter in Berlin und dem russischen Gesandten in Darmstadt. Später empfing.Ssasanow den bulgarischen Gesandten, den griechischen Geschäftsträger und den italienischen Bot« schaster.
Friedensrede und... Kriegsrüftungen!
(Privat-Telegram m.)
Berlin, 9. Oktober.
In hiesigen politischen Kreisen, die Fühlung mit den führenden Politikern in Ruffisch-Polen unterhalten, wird bestättgt, datz die russi.- sche Regierung eine Truppenanhäu- fung grössten Stils an der Westgrenze Russisch-Polens vorzuuehmen im Begriffe ist. Ergänzend wird noch mitgeteilt, datz die russische Regierung auch diesmal ihre Maßnahmen unter der Flagge einer Probemobilisierung vollzieht. Diese Form wird gewählt, weil die Mlitärbehörde mit Massendeserttonen rechnet. Auch die Post-, Telegraphen- und Te- lephoubeamten haben bereits Instruktionen erhalten, in welcher Weise der Betrieb bei der of- fiziellen Bekanntgabe der Mobilisierung zu handhaben ist. Diese umfassenden militärischen Maßnahmen Rußlands richten sich in erster Linie gegenOesterreich-Ungarn, da man von dieser Seite bei etwaigen Verwicklungen eine Revoluttonierung der polnischen Provinzen Rußlands befürchtet. Die Militärver- waltung der polnischen Gouvernements hat an alle Trupponkörper Befehl ergehen lassen, die Mobiliflterung innerhalb zehn Tagen dnrchznfüh ren. Bon dieser Maßregel werden betroffen die Milttärbezirle Warschau und Riga. Gleichzeittg mit der vollzogenen Mobilisation wird der verschärfte Belagerungszustand über die Gebiete dieser Militärbezirke verhängt werden.
Blamage für Europa, die in der ganzen Kulturwelt homerisches Gelächter erwecken müßte!
Bo« der Operette zur Tragödie?
Die Rolle, die die Großmächte im Balkan-Wirrwarr spielen, wäre fast komisch zu nennen, wenn di« Komik der (Situation nicht so tragisch wirkte. Soeben ist, mit unendlicher Mühe, mit Ach und Krach, die „Formel" gefun. den worden, die sich als Eintrachtband um alle Mächte schlingen soll, soeben hat England (wie eine offiziöse Note der Havasagentur nicht ohne Befriedigung aller Welt verkündet) seine lanz- verzögerte Einwilligung zu dem bekannten Vorschlag Poincares gegeben, alle beteiligten Regierungen sind davon verständigt worden, und die Botschafter Frankreichs und Rußlands haben daraufhin die Pforte von den Vereinbarungen Poincarös und Ssasanows verständigt: Da reißt der kleinste aller kleinen Balkanstaaten mit keckem Grift das ganze mühsame Gespinst der Mächte entzwei! Die Kttegerklärung des Herrn der Schwarzen Berge erfolgte» bekanntlich in Konstantinopel zur selben Stünde, als in Sofia die Aktion der Mächte einsetzte: In der Tat eine K o m ö d i e, die in der Welt, und Völkergeschichte ihres Gleichen sucht! Wenn der Name Europa noch einen Sinn hat, der über den geographischen Begrift hinaus- geht, dann haben die Mächte ihp. jetzt zu offenbaren. Schlimmstenfalls könnte Oesterreich-Ungarn die Exekution übertragen werden, die montenegrinische Armee einzusperren oder Montenegro mtt einem haltbaren Stacheldraht- zaun vor dem abermaligen Einbruch verhängnisvollen Größenwahns zu bewahren. Jedenfalls wäre es ein Hohn auf die ganze europäische Kulturprätension, wenn es nicht gelinge sollte, das Kinderspiel mit dem Kriege, das in Cetinje unbesonnener Leichtsinn treibt, zu beenden, ohne Europas Frieden zu gefährden. Oder will das alte,unter schwerer Rüstunglast keuchende Europa durch Max- und Moritz- Streiche staatlicher Zwerggebilde sich ins Krieg getümmek Hetzen lassen. . -an.
Tragödie, oder... eine Komödie?
Ei« Privat-Telegramm meldet n«s ans Konstantinopel: Die Türkei hat die gestern erfolgte Kriegserklärung Montenegros rnhig ausgenommen und steht darin einen Vorläufer der Kriegserklärung auch der anderen Balkanmächte. Bis gestern früh hoffte man auf die Erhaltung des Friedens infolge der Verständigung der Mächte über einen gemeinsame» Schritt. Datz trotzdem Montenegro es wagen d«rste, den Krieg vom Zaune z» brechen, vernichtet alle Hoffnungen auf
das Einschreiten der Mächte. Auch vo« einer Besprechung der Botschafter, die gestern »och stattfand, wird nichts erwartet. Die Armee steht indeffen der Entwicklung der F Dinge zuversichtlich entgegen.
Mr sprachen gestern in uuserm Arttkel über die Entwicklung der Balkan-KÄse von einer »Balkan - Operette", und die Ereignisse des gestrigen Tages haben bereits den Beweis erbracht, daß diese Charakterisierung der Vor- L tzäng e im Süd osten Europas zutreffend war. Während nämlich die verdientermaßen Mächte genannten Staatswesen sich einig geworden r. sind, der Türkei ihren europäischen Besitz zu ga- ; wattieren (vorläufig wenigstens), während so- : gar Oesterreich-Ungarn und Rußland aus hö- i Hern Interessen ihre BaAangelüste dämpfen (vorläufig wenigstens), erklärt Montenegro, |frer Miniaturstaat der Hammeldiebe-Nation, Wr Türkei den Krieg (auch vorläufig wenigstens). Denn ob hinter dieser Helden-Gebärde wirklich auch der Wille zur Tat steht, ist stark zu .. bezweifeln. Vielleicht will Nikitas Majestät -dem italienischen Schwiegersohn einen Gefal- ‘ len tun und den Frisdensschluß ein wenig be- s schleunigen helfen? Vielleicht wollen die ewig in Geldnöten steckende« Balkanstaaten nur ei- ■ Mn kleinen Börsencoup entrkren, lassen an den gutgläubigen Börsen die Kurse purzeln, kaufen : nach Kräften bei der Baisse (mit dem Willen ' zum Dftferenzeinwand im Gemüt) und sagen nachher: »Pardon, es war nicht bös gemeint?" s Vielleicht auch hat der Größenwahn in "den ; Schwarzen Bergen so verheerend gewirkt, daß die vierzigtausend schlochtbewaffneten Miliz- Männer NAitas wirklich glauben, mit dem , Türkenheer von sechshunderttausend feldmäßig gerüsteten Kriegern einen Kriegtanz wagen zu : können, um den liehen Brüdern in Sofia, Bel- | gvad und Athen im Osten Luft zu machen, und I das Türkenheer im ersten Kampf mit dem V Häuflein montenegrinischer Hcldensöhne festzu- : h-flten? Wer weiß es? Fest steht nur das b Eine: Der Krieg soll beginnen!
Die „Waffen der Gerechtigkeit".
In der Kriegerklärung des Duodez- Staats, dessen Bedeutung von jedem preußischen Regierungbezirk in den Schatten gestellt F wird, heißt es: »Da die Türkei die Wünsche L Montenegros, die Streitfragen zu schlichten, - nicht erfüllen will, sieht sich Montenegro ge s zwungen, sich mit den Waffen Gerechtigkeit zu verschaffen. . .!" Man weiß nicht, was dieser neueste Unfug eigentlich soll. Wenn die Mächte fest bleiben, ist die feierliche »Krieg- k erklärung" einfach unsinnig. Mau führt doch schließlich heut nicht mehr Krieg aus Lange- 1 weile, oder weil man nun einmal mobil ge- [ macht hat, wenn selbst heim Sieg nichts zu gewinnen ist. Das Einzige, das hinter einer k ernsthaften Kriegabsicht Montenegros stecken [ könnte, wäre die freventliche Hoffnung auf eine große Verwirrung, auf die Uneinigkeit der Mächte, die es in den Krieg zu verwickeln sucht. Man steckt ein Feuerchen ' an, in der Erwartung, einen großen Brand ?- entstehen zu sehen, wenn die ersten Funken nicht gleich erstickt werden können. Das wäre immerhin eine Spekulatton, die glücken könnte. Deshalb erwächst jetzt dem endlich einmal einigen Europa die Pflicht, diesem kleinen kultur- ! kosen Räuberländchen von rund neuntausend s Quadratkilometern Flächeninhalt und einer ganzen Wertelmillion Einwohner, von denen : kaum ein anständiges Warenhaus leben könnte, ernsthaft klar zu machen, daß in der Weltgeschichte grober Unfug nicht geduldet wird, am allerwenigsten aber von Staatgcbilden, deren Dasein nur einer Laune, oder besser: Einer s schwachen Stunde europäischer Großmachtpoli- trf zu danken ist. Wenn der gestrige Montene- | griner-Scherz den Frieden der Welt gefährden könnte, wäre das nichts andres als eine K a r- rikatur ernsthafter Friedenpolitik und eine
Wer wird Präsident?
Abgeordneter von Paper als Kandidat!
Der Zeitpuntt, an dem der Reichstag wieder zusammentritt, rückt näher und näher heran, und damit tritt auch die Frage der künftigen Zusammensetzung des Präsidiums wieder in den Vordergrund. Es ist allerdings nicht anzunehmen, daß diese Frage in der neuen Session zu ähnlichen unliebsamen Szenen und Auseinandersetzungen führen wird, wie in der vorigen. Die Vorstagen können sämtlich als geklärt angesehen werden, und man darf an- ttehmen, daß auch künftighin die beiden liberalen Patteien das Präsidium stellen werden. Ueber die für die Besetzung des neuen Präsidiums sich ergebenden Möglichkeiten gehen uns folgende Informationen zu:
Nach Kampf... Payer?
(Von unserm parlamentarischen Mitarbeiter.)
Berlin, 9. Oktober.
Die Präsidentenfrage im Reichstag ist im wesentlichen eine Personen frage, ließet dem Haupt des bisherigen Präsidenten Kaempf schwebt bekannttich das Damoklesschwert der Ungültigkeitserklärung seiner Wahl. Man hatte bisher angenommen, daß Herr Kaempf zur Vermeidung einer Nachwahl während der Tagung sein Mandat im Herbst niebeilegen werde, so daß die Neuwahl noch vor dem Wiederzusammentritt des Reichstages vorgenommen werden könne. Das war zweifehlos auch seine ursprüngliche Absicht. Ob sie es noch ist, darf indessen bezweifelt werden. Jedenfalls sprechen verschiedene Umstände gegen eine solche Mandatsniederlegung des Präsidenten. Dazu kommt, datz es keineswegs gewitz ist, ob Kaempf bei einer Nachwahl auch wiedergewählt werden würde. Wenn man dies auch nicht ohne Grund hoffen darf, so vermag doch niemand eine Garantie dafür zu geben. Die Mandatsniederlegung wäre also nicht unter allen Umständen als ein sicheres Mittel zur Beseitigung der Schwierigkeiten bei der Präsi- dentenwahl anzusehen. Berücksichtigt man noch, daß der Abgeordnete Kaempf bereits das siebzigste Lebensjahr überschritten hat, so wäre es wohl verständlich, wenn er es vorziehen sollte, das Prästdentenamt, das weit ost mehr eine Bürde als eine Würde ist. jüngeren Schultem zu übergeben. Was aber bisher vor allem gegen den
Rücktritt des Abgeordnete» Kämpf
Die ersten Kampfe.
(Privat-Telegramm.)
Konstantinopel, 9. Oktober.
Wie dem Kriegsministerium amtlich gemel bet wird, hat Montenegro die Feindselig- k e i t e n mit einem starken Angriff auf die tür- kische Stadt B e t a m i, östlich von der montenegrinischen Grenze gelegen, eröffnet. Die Garnison von Berami leistete heldenmütige Wi verstand. Die Mobilisierung der türkischen Armee wickett sich äußerst schnell ab. Augenblicklich verfügt die Türkei in Mazedonien und der Umgebung von Adrianopel über 250 000 Mann. Die türkische Regierung, die bereits mehrere Male Probemobilisierungen vornahm, stieß auch diesmal bei der Aufstellung ihrer Truppenkörper auf keinerlei Schwierigkeiten. Der griechische Gesarwte Griparis erhielt Auftrag, morgen mit seinem gesamten Gesandtschaftspersonal abzureisen. Man glaubt, datz die Kriegserklärung durch Bulgarien, Serbien und Griechen land noch heMe, bestimmt aber morgen, erfolgen werde.
Krlegsbegeisterrmg in Belgrad!
(Privat-Telegramm.)
Belgrad, 9. Ostober.
Prinz Georg, der frühere Kronprinz, bat den König, datz fein achtzehntes Regiment als erstes die Grenze überschreiten und den Kampf beginnen dürfe. Die hiesigen Skratzenbahnführer und die Droschkenkutscher beschlossen, ein Biettel ihres Monatsgehattes an das Rote Kreuz abzuführen. Ein junges Mädchen schnitt sich die Haare ab, zog sich Männerkleidung an, bewaffnete sich und trat in ein FreiwilligenkorpS ein. Nachrichten aus Semlin, wo die Kriegserklärung Montenegros gestern gegen sieben Uhr abends bekannt wurde, besagen, datz Serbienheute dem Beispiel Montenegros folgen werde. Gestern abend erschienen hier Extrablätter, die die schon am Nachmittag umlaufenden Gerüchte von der Kriegserklärung Montenegros bestätigten. Die Bevölkerung ist in grotzer Aufregung infolge der Ungewissheit, ob auch Serbien de» Krieg erklären werde.
Krieg oder Revolution!
(Privat-Telegram zn.)
• Sofia, 9. Ostober.
Der Aufmarsch der serbischen und bulgarischen Truppen erster Linie scheint vollzogen. In Serbien hört man ganz offen äußern: „Entweder gibt es Krieg oder Re-
Kasseler Neueste MlWtm
Ms Casseler Abendzeitung W Hessische Abendzeitung
Diplomaten-SouPer bei Kiderlen. Mangel an einer geeigneten Per.
Wie uns weiter aus B erli n berichtet wird, s ö n l i ch k e i t, die an Stelle Kaemchss van fand gestern abend um acht Uhr beim Staats- eurustschen Sessel emuchmen könnte. Durch Den sckretär von Kiberlen-WaeMer „eia großes Vernicht des Mgeordnelen von PahFZ