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baffeler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
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Nummer 259,
Fernsprecher 951 und 952.
Mittwoch, S. Oktober 1912
2. Jahrgang
Fernsprecher 951 und 952.
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Berliner DrenStag,Konferenzen
(Telegramm unseres Korrespondenten.)
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JnlertionSoreile, Die fechSgelpallene geile für einheimische Seschakte 15 Big., für au»* wärttge gnlerate 25 Bl., Reklame,eile für einheimische Seschüfte W Bk. für aulwärttge Geschäfte 60 Bf. Beilagen für die Gesamtaullage werden mit • Mark pro Dausen» berechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in »er Rellden, und »er Umgebung sind »le Lalleler Neuesten Nachrichten ein vorzügliche» JnserNonSorgan Selchäft»schlle: lkölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW.. Friedrichllraße 16, Delevbon: Amt Marltzvla« «76
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auf hingewiesen, daß die notwendige dauernde Entlastung des Fleischmarktes nur von der Einführung von Gefrierfleisch und damit von einer Aufhebung oder Milderung des Paragraphen zwölf des Fleischbeschaugesetzes z» erhoffen sei.
Kassenführerin Girbardt der Aktiengesellschaft Leonhard Voelker saß. Die Beamtin führie 25 000 Rubel zur Auszahlung an die Arbeiter mit sich. Die Räuber schossen aus sie, raubten das bare Geld und ergriffen die Flucht. Zwei von ihnen rennten festgenommen werden. Man fand bei ihnen eine Summe von 3750 Rubel. fDie anderen drei Räuber sind mit dem erbeuteten Selbe spurlos verschwunden. Es gebt das Gerücht, daß die Räuber mit der Polizei Hand in Hand gearbeitet batten.
rächen
bitten
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Der Mdtetag und die Teuerung.
Eine Resolution des Städtetages.
Ein Privattelegramm meldet uns aus Köln: Der Vorstand des Deutschen Städtetages trat gestern im hiesigen Ratbause zu einer Sitzung zusammen, in der die Frage der Teuerung eingehend erörtert wurde. Es gelangte schließlich eine Resolution zur Annahme, in der es heißt: Der Vorstand kann es nicht als die Aufgabe der deutschen Städte ansehen, dauernd in die Preisgestaltung der Nahrungsmittel einzugrei- en und Mängel der Wirtschaftspolitik durch kommunale Maßregeln auszugleichen. Nach den bisher vorliegenden Erfahrungen und Informationen glaubt der Vorstand auch, einen durchschlagenden Erfolg dieser Versuche b e. zweifeln zu müssen. Zum Schluß wich bar»
stärkster Leistung spornt. Der Wettersturz am Balkan, der Zerfetzungsprozeß im Reich der Mitte, das Erwachen der Mongolenwelt und dieLodes,Zuckungen der sterbenden Persermacht: All das sind Dinge, die heut an der Newa weit mehr Sorgfalt heischen, als das tragikomische Kriegsptel in den herbstlichen Bergen des Balkan!
Die edelsten Brusttöne russischer Schwickti- gungkunst könnm nicht darüber hinwegtäu- schtn, daß der weiße Doppelaar der Reußen gierig seine Fänge nach dem Perser-Land des Goldnen Löwen ausreckt, kein Dementi die Uebcrzeugung erschüttern, daß Rußland auch das Chaos im chinesischen Völkerkessel für seine Zwecke zu nutzen sucht und bemüht ist, durch die Aufrichtung einer unabhängigen Mongolei einen Pufferstaat unter russischem Schutz zu schaffen, der dem Ansturm der (in Petersburg iU ihrer ganzen Größe längst erkannten) Gelben Gefahr als starker Damm entgegengestemmt werden kann. Daß Rußland sich für diese Pläne das freundliche Interesse der im Conzern Eduards des Siebenten geeinten Mächte sichert, ist ein Gebot kluger Vorsicht, dessen Erfüllung die Schaffung starker Rückendeckung gewährleistet. Man darf annehmen, daß Herr Ssasanow aus London und Paris die angenehme Gewißheit mit heim zur Newa bringen wird, daß im Schoß der Triple-Entente weder Mißtrauen noch Neid gedeihen/ und daß Frankreich sowohl als England den Transaktionen des Verbündeten im Fernen Osten mit wohlwollendem Interesse ge, genüberstehen. Und wir? Es ist einigermaßen schmerzlich für uns, all diese Dinge sich vorbererten zu sehen, ohne in der Rolle des stummen Statisten auch nur vom bescheidensten Lichtschein der Rampe gestreift, ohne um ein Wort, eine Geste bemüht zu werden. Das heutige Berliner Diplomaten--Rendezvous wird, als Nachklang zu London und Paris', uns viel, leicht die gleiche „angenehme Ueberraschung" bringen, die seinerzeit nach der Potsdamer Kaiser-Entrevue all« Hoffnung-Segel der Wil- helmstraße blähte. Damals hat Enttäuschung uns bald vom Ueberlchwang bekehrt. Wird's
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Berlin, 8. Oktober.
Der russische Minister des Aeußern, Ssasanow, traf in Begleitung seines Kabinetts, chefs, Baron Schilling, mit dem Nordexpreßzug heute morgen um halb acht Uhr auf dem Bahnhof FriedrichSstraße ein. Ter Minister hatte in einem Telegramm die Botschaft ersucht, mit Rücksicht ans die frühe Stunde von einem be. sonderen Empfang abzusehen. Nur ein Beamter war auf dem Bahnhofe, der ihm zahl reiche Depeschen überreichte. Ssasanow fuhr dann sofort in das Hotel Adlon. Im Laufe des Bormittags empfing der Minister den hiesigen russischen Botschafter, sowie die augenblicklich in Berlin weilenden B e r t r e - ter Rußlands in Wien, Darmstadt und Kopenhagen, mit denen er längere Zeit konferierte. Hierauf begab sich Ssasanow mit dem hiesigen Botschafter in das russische Botschasts-PalaiS Unter den Linden. Mittags kehrte er in das Hotel zurück, wo er mehrere Diplomaten empfing, namentlich die hiesigen Bertreter der Balkanstaaten. Die Besprechungen mit dem Staatssekretär von K i - derlen-Waechter und bann mit dem Reichskanzler erfolgen erst im Laufe des heutigen Nachmittags. Man nimmt in hiesigen politischen Kreisen an, daß der Besuch Ssasanows nur bis heute abend dauern wird und daß der Minister bereits mit einem Abendzug dir Heimreise nach Petersburg antritt.
Wlomaten-Rendezvom.
| Sergej Ssasanow beim Kanzler.
Der Nord-Expreß hat heut in der Morgen- einen Gast nach Berlin gebracht, -esst» kurze Aufenthalt Stunden im Bannkreis for Berliner Wilhelmstraße von offiziösen und rudern Propheten feierlich als Entscheidung- Aiovierft im Balkan-Wirrwarr, als Morgen- 1 dämmern einer neuen Aera deutsch-russischer f gmeressen-Gemei»schäft und als Merkzeichen Etlicher „Verinnerlichung der Beziehungen* -5 Mischen den Reichen west- und ostwärts der Weichsel gewürdigt werden: Herr Sergej W Ssasanow, der Minister russischer Aus- land-Politik! Als in den Balkanbergen die er- . sten Wetterzeichen nahenden Unheils merkbar MWurden, trieb Sergej Ssasanow die Sorge zur r - Themse und zur Seine; seinen geheimnisvollen Konferenzen im Schloß zu Balmoral (deren stätsel immer noch der Lösung harrt) folgte hüttig und unmittelbar ein ausgedehnter Mei- „ Mng Auslausch mit den Kollegen am Pariser Quai d’Orsay und nun, da diese Stationen »Wotolert, gönnt Herr Ssasanow auch un- di« s Shre kurzen Besuchs. Der leitende Staats- BWmt deutscher Reichpolitik und der Manager S. unsres auswärtigen Reichgeschäfts werden im U Lauf des Tags mit dem Gast vom Zarenland 7- alle kleinen Sorgen des internationalen politi- Msthen Handels beplaudern, und man darf der J süßen Hoffnung leben, daß Herr Sergej Ssafa- i n»w tot der Lage fein wird, seinen Berliner 1 Kollegen allerlei Erfreuliches ans den Tagen f-1 tu London und Paris zu erzählen.
Der Mann vom Zarenland hat länger in W Paris geweilt, als die Geschäft-Hast es erheisch- F-; te; er hat im Kreis der französischen Kollegen Wbeim Bürger Armand Falliöres vortrefflich Mgefrühstückt und bei dieser Gelegenheit dem Wsiräsidenten der Republik vertraulich ins Ohr ■kefTflftert, daß die Triple-Entente stärker und stUchtiger dem Meer der Ereignisse trotze als se. Gleichzeitig mft seinem Nachfolger im Aus- lvärtigen Amt machte auch Herr Iswolski LÄrber jetzt als Botschafter des Zaren bet der Biegienmg der Republik seine Faden spinnt) Mtm Elysse seine Aufwartung, und er wird er- . ^ stählt, daß dies nicht nur aus Gründen der Ar- Mtigkeft, sondern zu dem sehr realen Zweck ge« 7 schehen sei, Herrn Ssasanow bei seinen Tast- I versuchen im Labyrinth der Seine-Politik ein | kundiger Mentor zu sein. Und noch ein Dritter W wurde von FallisreS, Poincarö und Delcasss M als Gast ton frühherbstlichen Paris mft über- sprudelnder Herzlichkeft begrüßt: Der Graf von r Benkendorff, der an der Themse die Re- £ gierung des Zaren repräsentiert, und von dem i tot der Sphäre des grünen Disch'S erzählt wird, e daß er nicht nur ein Meiste» des eblen Schachst spiels, sondern auch einer der feinsten - Köpfe ? russischer Diplomatie sei, dem es stets besondre |? Freude bereitete, feinen weiland deutschen Kol- ä?. lege» Wolff-Metternich am Schachbrett ebenso | matt zu setzen, wie am Spieltisch staatsmännischer Kunst. Auch der Mann auS Loudon ritte k Vermutlich nicht lediglich zu dem Zweck über ii den Kanal, um des toten Stolypin Schwager auf der Rekonvalesz en+ewfahrt zu beglückwün. [ scheu; im Gegenteil: Die Pariser Presse macht e gar kein Hehl daraus, daß Gras Benkendorff i mft der Weisung nach Paris gekommen ist, an dem Rendezvous Ssa sanow-PoimoarS beratend k trilzunehmen.
M Offiziell sind also als Akteure in den Pa- k. riser Diplomaten-Derhandlungen schon vier t Köpfe genannt, und man würde nicht überrascht E sein dürfen, wenn man heut oder morgen er* | führe, daß auch Herr Delcassö (und mög- licherwrise noch Englands Botschafter beim Elhsöe) an den Konferenzen freundlichen . Anteil genommen. Daß dies Massenaufgebot L diplomatischer Intelligenzen im Dienst der r Triple-Entente erforderlich war, um (wie es | heißt) die Harmlosigkeit des Balkan-Ungewit- I ters zu beplaudern, will nicht recht rinleuchten; i will's um so weniger, als gestern erst am HQuai d’Orsay mft deutlich merkbarem Nachdruck M «klärt wurde, Frankreich sehe seine Aufgabe in r erster Linie in tatkräftiger Verhütung un- fc liebsamer Komplikationen tot Europens brenz- | lichem Südosten und es gehe tot diesen Bemü- i Hungen konform mit den Wünsche« Rußlands, | dessen laut re Friedenpolitik kein Argwohn- I Zweifel streifen dürfe. Aber wäre selbst das G e- s gen teil dieser Kundgabe Wirklichkeit: Der k Balkan-Operette wegen brauchte man nicht ein | halbes Dutzend geruhiger Leute zu echauffie- reu! Was Herrn Ssasanow tot fliegender Hast k »ach London und zur Seine trieb, wiegt ^-schwerer, als dies Montag-Plänchen, des- f fett Verwirklichung in nicht zu ferner Zeit sich | von selbst ergeben muß: Das Orient-Pro- [ blem in seiner ganzen weltbclastenden Schwere ist's, das in diesen Tagen die Hirne der iUö .Pariser Rendezvous Versammelten zu
Sie Balkan-Limette. .
Immer noch keine Entscheidung!
Das feit Jahren befürchtete »Drama am Balkan" scheint sich zur Operette gestalten zu wollen. Die drohende Kriegsgebärde der kleinen Balkanstaaten ist zwar noch nicht ge. schwanden, aber die Großmächte sind entschlossen. den Erobererwahn der vier Verbündeten rücksichtslos zu dämpfen und Komplikationen am Balkan, aus denen sich eine Gefährdung des Weltfriedens ergeben könnte, zu verhüten. Die Einmütigkeit der Mächte verbürgt den Erfolg der Aktion, und wenn auch an den Gr en. 3en zurzeit noch die Kriegsheere in voller Rüstuirg, bereit zum Kampfe, stehen, so darf doch die eigentliche Gefahr des Balkan-Wirrwarrs schon heute als beseitigt gelten. Was sich in den Balkanbergen nun noch an kriegerischen oder Friedens-Taten abspielen wird, hat für unS lediglich das Interesse des uitbetei. ligten Zuschauers, denn es darf als ausge. schlossen gelten, daß aus dem überhitzten Kessel balkanischer Völker-Leidenschaft noch Schwaden auffteigen werden, die dem Frieden Europas gefährlich werden können. Wft verzeichnen nachstehend die heute uns vorliegenden Depeschen über die Situation am Balkan:
Berlin bleibt pessimistisch!
(Privat-Telegram m.)
Berlin- 8. Oktober.
In Berliner diplomattschen Kreisen herrscht, ungeachtet des Entgegenkommens der Türkei, noch immer sehr pessimistische Stimmung. In der europäischen Diplomatie wird die Ueberzeugtzng ausgesprochen, daß Oesterreich-Ungarn ungeachtet seiner Zustimmung zu dem französischen Vorschläge, seine Sonder- interessen auf dem Balkan verfolgen werde, sobald dort der erste Schuß gefallen ist. Diese Meinung kommt insbesondere in russischen Kreisen zum Ausdruck. Die Inter- vention der Großmächte wird, wie versichert wird, unter allen Umständen ersol. gen. Die diplomatischen Vertreter der Mächte werden zuerst in Belgrad, Sofia, Athen und Cetinje den Aufttag der Machte ausführen und dann erst (vielleicht erst in einem Zwischenraum von zwei bis drei Tagen) in Konstantinopel Vorstellungen erheben. Wie in hiesigen unterrichteten Kreisen verlautet, soll in den letzten Tagen ein direkter Depeschenwechsel zwischen Kaiser Franz Josef und dem Zaren stattgesunden haben, der von aus. schlaggebenden Einfluß auf die Gestaltung der politischen Verhältnisse war und auf die Herstellung des vollständigen Einvernehmens der russischen und österreichischen Polittk eine erhebliche Wirkung ausübte.
Die Türkei will reformieren!
(Privat-Telegram m.)
Konstantinopel, 8. Oktober.
Die Pforte hat gestern die Machte benachrichtigt, daß sie die Durchführung von Reformen beschlossen habe und diese so - fort in Angriff nehmen werde. AuS Ouchi wird gemeldet, daß die Redaktion der Friedenspräliminarien im Tripolis-Krieg bereits beendet sei und daß die Bedingungen heute vom türftscheu Ministerrat durchberaten werden. Die Entscheidung des türftscheu Ministerrats soll sofort erfolgen. Vor Ende der Woche ist der Beginn militärischer Operationen am Balkan n i ch t zu erwarten. Die Vorschläge der Mächte wurden gestern vergebens erwartet. ES wird nun angenommen, daß sie am heuttgen Dienstag Eintreffen werden. In der Rote, die von Bulgarien der Türkei überreicht wird, soll noch eine fünfte Forderung, nämlich die Teilnahme Bulgariens an der Regelung der maze. donischen Frage gestellt werden. Auf dieser Basis wird ein Ucbereinkommen für möglich gehalten. Es verlautet übrigens, daß Rußland und Oesterreich-Ungarn bereits gestern in Sofia freundschaftliche Vorstellungen gemacht haben. Gestern ist über Konstantinopel und sämtliche Provinzen der europäischen Türkei der Belagerungszustand verhängt worden. Am Montag abend hat ein K r i e g s. rat stattgefunden, an dem der Grotzwcsir, der Kriegsminister, der Marineminister, der Gene- ralftabschei, die Kommandeure der Ost- und
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Fm Sumpf her Korruption.
Der Skandalprozeß gegen Exzellenz Achatsch.
Wir berichteten dieser Tage über den sensationellen Korruptions-Prozeß gegen den russischen Generalmajor Uchatsch Ogo- rowitsch, der als Verwaltungschef der Transporte der mandschurischen Armee sich unglaublicher Defraudationen und Betrügereien schuldig gemacht hat. Das Petersburger Kriegsgericht sprach den General bekanntlich der Erzwingung von Geldgeschenken schuldig und verurteilte ihn zum Verlust des Adels, der Ränge. Orden und des Militärstandes, aller besonderen Rechte und Vorzüge und zu dreieinhalb Jahren Militärzuchthaus nebstStraf- »ahlung von 175 000 Rubeln zum Besten des Verwundetenausschusses. Ueber den Prozeß werden jetzt aus Petersburg sensationelle Einzelheiten berichtet:
Ein Spiel mit Millionen.
(Telegraphischer Bericht.)
Petersburg, 8. Oktober.
Die in dem Prozeß gegen den General Uchatsch festgestellten Skandale übertreffen alles, was bisher in Rußland auf dem Gebiet des Staatsbetrugs geleistet worden ist. Uchaffch verausgabte über zwölf Millionen Rubel Staatsgeld, kaufte habkrepierie Pferde für die Armee und überführte Millionen Rubel vom Kriegsschauplatz auf sein Konto bei ausländischen Banken. Aber er ließ auch andere verdienen. Er zahlte beispielsweise für den Transport von Salz auf einer Strecke von 60 Werst ... fünfzehn Rubel pro Pud! Und dabei betrug der Einkaufspreis des Salzes bloß einen Rüpel und fünfzig Kopeken pro Pud. Dazu verkehrten Krontransporte auf dieser selben Strecke beinahe ganz ohne Ladung. Von seinen Lieferanten erhielt Uchatsch int voraus ausbedungene Zahlungen und ihnen zahlte er dreifache Preise. Dafür suchte er andere Liefe ranten nach Möglichkeit zu bedrücken und der Futterkrippe fern zu halten; und als einer der Kommifstonsvorsttzenden aus Sparfamkeits- rückstchten Pferde obne Vermittelung der Unternehmer einkaufen wollte, hörte der General einfach auf, ihm die nötigen Vorschußzahlungen zu schicken. Er sandte feiner illegalen Familie Zehntaufende von Rubeln, für große Summen kaufte er französische Staatsrente, in Kiew erwarb er für 260 000 Rubel ein Haus, im Kiewchen Gouvernement ein Gut. Im ganzen soll er sich weit über zwei Millionen Rubel unrechtmäßig angeeignet haben. Vor dem Kriege hatte er nichts, nachher war er Millionär; die Herkunft dieses Vermögens suchte er zu erklären durch Sparsamkeit, fein großes Gehalt
während des Krieges
und durch Privafftunden, die er erteilte! Auch bei seinen Untergebenen kam es vor, daß sic einfach Summen wie 40 000 Rubel veruntreuten, ohne daß er viel dagegen tat oder tun konnte. Als der Prozeß in der vorigen Woche begann, leugnete der Angeklagte alle Schuld Er saß int Schmucke seiner Generalsuniform und aller feiner Orden mit sicherem Gestchts- ausdruck da; im Saal war wenig, aber elegantes Publikum. Acht Tage dauerte die Verhandlung. Die Summe aller Zeugenaussagen war schon in der Voruntersuchung für den Generalmajor erdrückend. Der General aber behauptet, von feinen weitgehenden Rechten nicht einmal Gebrauch gemacht zu haben. Es bewegte sich neben dem Heere eine tausend- köpfige Menge von Lieferanten. Aber der Hauptlieferant des Generals, Tifontai, war auf dem Kriegsschauplatz der Krösus des gan- zenOstens und der Angeklagte hing (wie er behauptet) mehr von jenem ab, als Tifoutai von ihm. Dieser konnte jebe Lieferung unmittelbar von Knropatkin bekommen. Nicht umsonst hatten die Japaner einen Preis von hunderttausend Rubel auf den Kopf Tifontais ausgesetzt. Ein Zeuge, Unternehmer Sze- prudinski, gab an: Eines Tages berief ihn der General zu sich und verlangte von ihm 5000 Rubel. Seitdem kostete ihm jeder B e - s u ch beim General 5000 bis 10 000 Rubel. Im Auftrage des Generals schickte er dessen illegitimer Frau, Korschunowa, 30 000 Rubel. Die Zeugin Korschunowa bestätigt den Empfang dieses erpreßten Geldes.
Neue russische Räuber-Geschichten.
Ein Privat-Telegramm meldet uns aus Warschau: Wie aus Lodz berichtet wird, überfielen dort gestern fünf bewaffnete Banditen eine Einspänner-Droschke, in der die