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COler Neueste Nachrichten

Casseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

ZUrmmer 258.

Dienstag, 8. Oktober 1912

Feimspreche, 951 und 952.

2. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952.

®t« Saffein Neuen«» 9iad>nd>ta> md) einen wöchentlich iechsmal und iroar abends. Der ffibenn«ment8rtet» betrüg! monatlich W bei tretet ßufteHimg in- Hau». Bestellungen werde» ledeneit non »er EelchältSNelle ober den Boten entgegengenommen. Druckerei, Verlag unk Nedaktto». BchlachthoMrabe 28/80 Sprechstunden der Redaktion nur oon 1 bi» 3 Uhr aachmMag« Sprechstunden der «lu»kunft Stelle^ Jeden Mittwoch und Freitag non I M» e U6t abend» Berliner Vertretung SW. Friedrich», 16. Delepbon Ami Moritzpla» 676

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m.

Zwischen Krieg und Frieden.

(Privat-Telegramm.)

Konstantinopel, 7. Oktober.

niens gegenüber den zu erwartenden Ereig­nissen auf dem Balkan bleibt abwartend. De­peschen aus Sofia melden: Acht Bataillone Infanterie, die sich in Sofia in Garnison be­fanden, sind nach Philippopel und nach der Grenze gegangen. Die stramme Haltung der Soldaten rief die Bewunderung aller in Sofia anwesenden Militürkritiker hervor. Die Trup­pen müssen die ganze Strecke zu Fuß zurück- legen, da die Eisenbahnen völlig mit Truppen­transporten in Anspruch genommen sind.

Dm der Spree zur Seine.

Die neueste Phase im Balkan-Wirr­warr: Frankreich ergreift die Initiativ«.

Der franzSfische Botschafter Dumaine überreichte gestern in Wie« den Vorschlag der franzS« fischen Regierung, der die Durch- führnng der gemeinsamen Ak« tion der Mächte, vor allem zur Drei»tuderung des Kriegsausbruchs «na die Erhaltung des Statusquo ans der Balkaninsel bezweckt. Die franzöfische Regierung hat damit abermals in einer Frage von internationaler Bedeutung ent- k schloffen die Initiative ergriffen. Der Brand am Balkan scheint unsre Diplomaten zum Fatalismus zu erziehen: Es ist bereits keine Rede mehr von der Ver­hütung der Krieg-Katastrophe, man spricht nur noch von der Lokalisierung der Sampf-Sphäre, hat sich also damit abgefunden, Laß diesmal der Komödie die Tragödie au i dem Fuße folgen wird. Herr von Kider- len-Waechter, der Leiter unsres auswär­tigen Reichgeschäfts, ist's, der den Diplomaten der am Balkan interessierten Großmächte das . verlockende Ziel gesteckt hat, durch die Lokali- siemng des Kriegs Europa vor der Gefahr des Balkanbrands zu bewahren. Der Mann im

mit indessen nicht allen Eventualitäten vor­gebeugt werden kann, liegt aus der Hand, und es ist sicher auch nur ein schwacher Trost für die Herren Bethmann und Kiderlen, daß sie sich voll schöner Ueberzeugung sagen dürfen: Im Reich der Blinden darf schon der Ein­äugige König sein; mit'andern Worten: Bei dem seit Bismarck's Erilierung chronisch ge- wordnen Mangel an Männern und Talenten muß man auch das weniger Gute nehmen, wo man's findet. Leute von hohem Rang und erprobter Sachkenntnis haben klagend auf die Tatsache hingewiesen, daß das nachbismärckische Deutschland von neunzehnhundertzwölf nur noch einen einzigen wirklichen Diplomaten aufzuweisen hatte: Marschall von Bi­tz e r st e i n, den die Regie im Retchstheater lei­der viel zu lange am Goldnen Hornfern vom Schüsse" hielt.

Daß das diplomatische Geschäft nicht nach dem Schema der Amtstube gehandtzabt werden kann, haben wir in den beiden letzten Jahr­zehnten hinlänglich und peinlich genug erfah­ren, und wer noch daran zweifeln möchte, schaue hinaus über die dreifarbnen Ärenzpfähle und richte seinen Blick (schon um desaktuellen Interesse" willen) nach Frankreich, wo Börsenmakler, Advokaten, Journalisten und Handelsleute die Geschicke des Vaterlands for­men und auch im Völkerhandel die Interessen der Republik mit Geschick und Verständnis ver­treten. Frankreich verfügt zurzeit neben Eng­land über die vorzüglichsten und befähigtsten diplomatischen Talente; seine Auslandpolitik hat ungeachtet der raschen und häufigen Wech­sel im Regierungkörper wertvolle und dau­ernde Erfolge errungen, und die Stellung der Republik im Rat der Völker ist heut (trotz der mancherlei Wirren im Innern) gefestigter als je. Diesen AuMeg zur Höhe politischer Macht verdankt Frankreich in erster Linie der inten­siven, zielbewußten und konsequenten Arbeit seiner Diplomatie, die sich weder aus der Hierarchie der Amtstube, noch aus einer ein­zelnen, sozial bevorzugten Kaste rekrutiert, son­dern ihre starke Kraft aus der Gesamtheit der nationalen Intelligenz schöpft, ohne sich durch vermorschte Traditionen und engherzigen Schematismus in der Nutzbar­machung der Talente behindern zu lassen, und wir sehen eben erst wieder im Diplomatentanz um den Status quo am Balkan, wie uns diegallische Grazie" im Völ­kerhandel um mehrere Nasenlängen schlägt. Herr von Kiderlen erträumt dieLokalisierung des Balkankriegs": Die Pariser Diplomaten- Konferenzen aber werden seinem Traum ver­mutlich ein jähes Erwachen folgen lassen...!

F. H.

Das Kriegsfieber in Belgrad.

Spätestens am Mittwoch: Kriegsbeginn?

(Privat-Telegramm.)

Belgrad, 7. Oktober.

Die KrtegSbegeisterung wächst in Serbien mit jedem Tage mehr. Gestern wohnten König Peter und beide Prinzen dem Gottesdienste bei. Auf dem Rückweg wurden sie von der Volks- menge stürmisch begrüßt. Das Voll ries: Auf zum Krieg! Nieder mit der Türkei! poch künftiges Grohserbien! Begei- tene Menschenmengen fluten beständig durch die Straften der »nuvtstadi. Der bevorstehende

mungen mancher Volkskreise unberechenbar sind, weil sie Suggestionen ausgesetzt sind und der Mache der Chauvinisten unterliegen. Ein Volk darf einemKriegeunterUmstän- den nicht ausweichen, aber es soll ihn auch nicht suchen. So lange das Mißtrauen dauert, müssen die Völker gerüstet sein, aber durch feine Erziehung der öffentlichen Meinung durch die Bekämpfung des Chauvinismus hofft der Verband allmählich auf ein Schwin­den dieses Mißtrauens. Als zweiter Redner sprach unter rauschendem Beifall Baron d'Estournelles de Constant-Paris über das ThemaFriedliche Austragung internatio­naler Streitfragen unter den Nationen".

Die internationale Verständigung.

Friedensengel Rendezvous in Heidelberg.

Der Verband für internationale Verständigung wurde gestern Vormittag in H e i d e l b e r g eröffnet. Um 10 Uhr fand ei­ne Sitzung des Ausschusses und kurz darau die ordentliche Versammlung der Mitglieder statt. Um elf Uhr folgte eine öffentliche Versammlung, in der namens der badi- scheu Regierung Ministerialrat von S ch r o e - der den Kongreß begrüßte. Der Prorektor der Universität, Geheimrat von Lilien- thal, erörterte sehr eingehend die kritische Situation am Balkan, die geeignet fei, den Völkersricden ernstlich zu gefährden.

Politik und öffentliche Meinung.

lPrivat-Telegramm.)

Heidelberg, 7. Oktober.

Auf dem Kongreß für internationale Ver­ständigung hielt gestern Professor Dr. Nip­pold einen vielbemerkten Vortrag über das Thema:Auswärtige Politik und öffentliche Meinung". Der Vortragen­de führte darin aus: verflossene Jahr hat

mit Bezug auf das Verhältnis der öffentlichen Meinung zu den Fragen der auswärtigen Po­litik ganz besonders dringliche Lehren gegeben. Ist die wirkliche öffentliche Meinung da auch immer unverhüllt zutage getreten? Es hat sich gezeigt, daß noch sehr viele, selbst den gebildetsten Ständen Angehörige in ihrem Ur­teil sehr unselbständig und daher allzu leicht beunruhigt und Suggestionen zugänglich sind. So hatten es diejenigen leicht, die künst­lich für ihre Zwecke Stimmungsmache zu trei­ben suchten. Solche Stimmungen werden beim Zeitungslosen, am Stammtisch und im geselli­gen Leben erzeugt. Ihre Quelle sind manch­mal Nachrichten der offiziösen Pressebureaus des Auswärtigen Amtes, des Reichsmarine­amtes, des Wölfischen Telegraphenbureaus, die Korrespondenten großer Blätter, häufig aber auch die Korrespondenten von Organisa­tionen, wie Alldeutscher Verband, Flottenver- ein, Wehrverein und Kolonialverein. Von die­sen Quellen ans finden die Nachrichten ihren Leserkreis bis in die kleinsten Provinzblätter hinaus. Daß diese

Nachrichten häufig tenden-iös sind, ist klar. Eine Sfimmungsmache ist seit dem letzten Jahre ganz systematisch und kontinuierlich betrieben worden. DVrch sie ist die Nervosität des Publikums zum großen Teil hervorgerufen worden. An Chauvinismus Hatzen heute nicht nur die ande­ren Länder, sondern auch wir zu leiden. Er muß in allen Ländern in gleicher Weise be­kämpft werden. Aber auch das französische und englische Volk sind in ihrer Mehrheit durchaus ftiedfich gesinnt, und ihre Regierungen suchen ebenfalls den Frieden zu erhalten. Wenn trotz­dem Kriegsbefürchtungen herrschen, so liegt das eben vor allem daran, daß die Stim-

Die nenesten Balkan-Depeschen. Die Friedensaktion der Großmächte.

(Privat-Telegramm.)

Paris, 7. Oktober.

Die Bemühungen, eine Verständigung der Großmächte herbeizuführen, find be­reits von Erfolg begleitet. Oesterreich hat den französischen Vorschlag günstig ausgenommen und eine Note der Agencia Havas meldet aus Paris: MinisterpräfideM Poincars hat­te am Sonntag morgen eine neue Unterredung mit dem russischen Minister S f a s a n o w. Auf die formulierten Vorschläge bezüglich der bei den Balkanmächten und in Konstantinopel M unternehmenden Schritte hat das Wiener Kabinett um einige unerhebliche Aenderungen ersucht, die nach ihrer Prüfung durch Poincarö und Ssasanow angenommen unb sofort den anderen Mächten mitgeteilt wurden. Der ruffi- che Minister des Aeutzern, Ssasanow, beab- ichtigt, nach einer abermaligen Unterredung mit Poincars heute nachmittag um zwei Uhr mit dem Nord Expreß nach Berlin abzurei- en. Ssasanow erklärte einem Berichterstatter, die Forderung Bulgariens betreffs Mazedo­niens fei übertrieben und undurch­führbar.^ Ebensowenig ist zu hoffen, daß die Türker fich dazu verstehen werde, die maze­donischen Reformen durch -Vertreter der Bal­kanstaaten kontrollieren zu lassen.

Hohe türkische Offiziere erflären, daß die Turke, keine Einmischung der Mächte zugunsten des Friedens wünsche. Die Stunde der Abrechnung ist gekommen. Die türkische Mobilmachung geht anscheinend geordnet, aber notgedrungen langsam vonstatten. Dampfer gehen nach den Dardanellen ab, um die dorti- gcn Divisionen nach Rodosto zur Beförderung nnl der Bahn zu bringen. Konstantinopel ge­winnt das Aussehen eines Stapelplatzes 'ne den ö»?-* »- - Rumä-

Krieg beherrscht das gesamte Leben. Di« ser­bische Staatsbahn hat am Sonnabend den ge­samten Personenverkehr eingestellt. Der Orient- cxpretz und die Schnellzüge aus Wien und Bu. dapest enden hier und gehen dann zurück. Nach Sofia von hier zu kommen, ist nicht mehr mög­lich. Die Züge fahren nur auf großem Umweg durch Ungarn und Rumänien. Obgleich der Krieg offiziell noch nicht begonnen hat, herrscht hier bereits

strengster Kriegszustand.

Ti« serbischen Behörden schikanieren die aus­ländischen Berichterstatter bereits in unerhörter Weise. Von militärischer serbischer Seite ver­lautet, daß allerspätestens am Mitt- w o ch der Beginn der gemeinsamen bulgarisch, serbischen Offensive gegen die Türkei erfolgen wird. Wenigstens 250 000 Mann werden gleich, zeitig die bulgarisch-türkische Grenze überschrei­ten. Man müsse sich auf eine lange Dauer dieses Balkankrieges gefaßt machen, der wegen des bevorstehenden Winters und der Unwirtlichkeit der Berggegenden für alle Heere .mit ungeheuren Strapazen verbunden fein werde. König Peter wird vorläufig Belgrad nicht verlassen. Kronprinz Alexander ist bereits zur serbisch-türkischen Grenz« abgereist, Exkron­prinz Georg folgt Dienstag dorthin. Die all- gemeiue Situation gestaltet sich stündlich kri. fifcher.

Berlin wartet ab!

Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreib! offiziös: Die ruhigere Auffassung, wonach Mobilisierungen auf dem Balkan nicht unmittelbar den Ausbruch des Krieges be- deuten, hat vorläufig recht behalten. Ob eine Aussicht vorhanden ist, daß es gelingen könnte, diesen Krieg ganz zu verhüten, lassen wir dahingestellt. Nachdem aber ernstliche Ver­handlungen der Mächte darüber im Gange sind, den eventuellen Krieg zu lokalisieren, ist Deutschland an der Frage nur sehr indi­rekt interessiert und kann mit Ruhe ge­meinsame Entschließungen der beiden nächsttze- teiligten Mächte, Oösterreich.Ungarn und Ruß­land, ab warten. Ihrem gemeinschaftlichen Vorgehen werden sich die anderen Mächte zwei­fellos anschließen.

Auswärtigen Amt kennt die Balkanberge aus eigner Anschauung; er hat lange genug dort ge- wickt, um zu wissen, welche treibenden Kräfte 1 hinter der plötzlich in der Helden- und Heroen- - Pose sich offenbarenden Regung balkanischer Zaunkönig-Politik wirksam geworden sind, und man wird deshalb heut, wo Herr Alfted von - Kiverlen abermals sich anschickt, der Weltge- die Spuren seines Genius einzuprägen, W« Tage des Unbehagens von Agadir er­st", als ebenfalls der Geist des Schwaben durch die Oede der Wilhelmstraße irrte und schließlich das Kähnchen von Agadir MNs und sittsam wieder die Heimfahrt antrat, *.. Dnne nur eines Schusses Vulver vergeudet si »u haben. Damals galts denPanther" - Sprung um Marokko; heut gilts dieLokali- fierung des Balkanbrands": Man merkt, wie wir in Ideen, Sehnen und Taten beschei­den und genügsam geworden sind!

| Friedrich Raumann hat kürzlich in seiner £ -Hilfe" die Ursachen unsrer Niederlage im Ma­rokkospiel politisch-psychologisch untersucht und

. ist dabei zu Schlüffen gelangt, die zwar von t der parteipolitischen Auffassung des liberalen Tribunen nicht ganz unbeeinflußt geblieben find, dessenungeachtet aber dem Kern der Dinge im wesentlichen nahekommen: Naumann er- - blickt das Uebel in der Rückständigkeit unsrer Diplomatie überhaupt, die in der v längst vergreisten Tradition desgrünen »y Dischs" vollkommen aufgehe, mit dem Leben und der Welt gar keine engem Berührung- t punkte habe und die Weltgeschichte gewisser­maßen noch aus der Perspektive der Allonge­s-Perücke betrack'te. Der Parteipolitiker Rau- ntann verlangt deshalb auch vor allen Dingen eine Befreiung der Diplomafie von der Tradition deralten Schule", eine Verjüngung r Zunft und die Ablösung der Kastenwirt- Ichist durch die Herrschaft des wirklichen Volkwillens. Friedrich Naumann hat nicht unrecht, wenn er unsrer Diplomatie das kluge Verständnis für die Dinge und Forderungen suodernen Lebens abspricht, wenn er ihr ^stBelfiremdhett vorwirst und an ihrem bürokra- ttfden Schema-Betrieb unbarmherzige Kritik ubt; aber er hätte doch noch tiefer graben 'Müssen, um des Uebels Wurzel zu erreichen.

Der Kardinalfehler liegt offenbar weniger in den politisch-n Schwächen unsrer Di- plomafie, als an den Mängeln des Sy­stems im Wertverhältnis zu der Diplomaten- arbeit andrer Nationen, kurz: In den charak- lenstischen Psychologischen Merkmalen x Unsrer Zunft des grünen Tisch's.

Unsre Diplomaten sind in erster Linie Amt- Männer; Beamte, die eine beträchtliche Zahl | schematisch geordneter Prüfungen glimpflich bestanden, ordnungmäßig eineKarriere" - durchliefen, und auf diesem graben und sorg- » Mdj reglementierten Wege allmählich zur Höhe N der Exzellenz emporstiegen. Es ist in der Ber- Uner Wilhelmstraße offnes (iyt* gern beplau- W^eS) Geheimnis, laß unter den Vertretern l 7*s Deutschen Reichs auf wichtigen Ausland- poften ein halbes Dutzend Leute sich befinden, me persönlich außerordentliche Wertschätz­te Ung verdienen, als Diplomaten indessen , Mn der Zensurvier" weit über Gebübr ge- wc iet werden. Man weiß das auch an ver- °«twor.licher Stelle und suck» den Mangel an mplomatischer Qualität beim Chef der Mis­ston durch die Beiordnung eines erprobt-tüch- «grn G e h ü l j en zu paralysieren. Dan iv-

Sie Bandalia-KstostrMe.

Zwei Mann ertrunken; Schiff verloren!

Wie wir bereits in der Sonnabend-Nummer kurz telegraphisch berichteten, fit auf der Unter» elbe, bei Krautsand, der DampferVandalia" der Hamburg - Amerika - Linie mit einem Schwimmdock zusammengestoßen und gesun­ken. Ein zweiter Dampfer derselben Gesell­schaftGuecia" fuhr auf die sinkendeVan- dalia" auf, erlitt erhebliche Beschädigungen und sank gleichfalls bis zum Deck des Vorderschiffes. Zwei Personen haben bei dem Untergang der Vandalia" den Tod gefunden. In Ergänzung der bisherigen Meldungen verzeichnen wir noch folgende eingehende Darstellung des Sachver­halts:

Die Anglücksnacht auf der Elbe.

(Telegraphischer Bericht.)

Hamburg, 7. Ottober.

Die gerettete Mannschaft des Dampfers Vandalia" ist von der Hamburg.Amerika- Linie vorläufig auf den im Ellerholzhafen aufliegenden DanchserMeteor" untergebracht worden. Die Geretteten erzählen: Frei, tag abend verließen der nach Ostasien bestimmte DampferAlesia" und der nach Brasilien be- timmte DampferVandalia" in kurzer Folge, Oon *8 Uhr 30 Minuten bis 8 Uhr 40 Minuten den Hafen. Es herrschte lichter Nebel. Um halb zwölf Uhr sah man auf * erVandalia", daß der vorausfahrende Dampfer oberhalb Kraut- änd nach Steuerbord ausbog. Kurz nach die- em Manöver derAlesia" kamen zwei Schlep­per in Sicht, hinter denen man eine dunkle Masse sah. Auf derVandalia" wurde nun das Steuerruder übergelassen und das Manö­ver derAlesia" nachgemacht. Inzwischen wa­ren die Schlepper an Backbord passiert, die, wie man jetzt sah, ein Schwimmdock schleppten. Es glitt scharf an derVandalia" entlang. Man verspürte einen nicht allzu starken Stoß, aber das Knirschen und Krachen verriet, daß die Seite derVandalia" von dem Dock gefaßt und aufgeriffen worden war. Dann hotte man das

Rauschen des eindringende« Wassers.

Das Hinterschiff sank in wenigen Minuten bis zum Deck ins Wasser. An Bord drängte alles nach dem Vorderschiff, das sich noch etwa eine Viertelstunde über Wasser hielt. Bald nach dem Zusammenstoß kam der in der Nähe be. indlich«, nach London besttmmte kleine Damp. erCelia" heran. Von diesem wurde das Großboot atzgelassen, das in zwei Fahrten die auf derVandalia" rrfiammensedrängtr Be-