Einzelbild herunterladen
 

Oler Meste Mrichtm

Casseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

2. Zahraarrg

Nummer 257

Sonntag, 6. Oktober 1912

Fernsprecher 951 und 952.

Fernsprecher 951 und 952.

gebührt...!

F. H.

Reue Teuerungs-Konferenzen!

Ministerium, Städtetag nnd Bundesrat.

Eix Privat . Telegramm meldet uns aus B e rl i n: Heute mittag ein halb zwölf Uhr trat im Landwirtschafts-Ministerium eine Kons ct< n z zusammen, die vom Ministerium einberufen worden war, um mit dem Vorstand

DU taflet« Neuester «a<t>tt4ten <rfd) einen Wochen Ul» fe4«mal und zwar abend«. Der 0beanementenret# betragt monatlich 66 Mz. bei freiet guftellung In« Hau« SSefledungen «erden tekerteil een de» ®«fd)4ft»flea« »der den Boten entgegengenommen. Drückerei, Verlag ent -Äebotnen; SchlochchofNraße 18/30 Oprechstunden der RedaMon nut oon I bi« 8 Uhr nachmittag» Sprechflimde« der Kuttunft. Stelle: Jeden Mittwoch und grettog oon M* » Ubt abend« Berliner Vertretung: SW, Jriedrichsir 16, Deleohon: Ami Moritzpla» 67«

der Not steigre, unter dem das gesamte Fa­milienleben schwer leide. Es kann keinem Zweifel unterliegen, datz sich das ganze Unter­beamtentum zurzeit in einer gefährlichen wirtschaftlichen Krise befindet und es ist unbestreitbar, daß die Schuld daran allein Staat und Reich trifft.

Die Unterbeamten waren stets (und sind es noch) die Stiefkinder staatlicher Fürsorge. Staat und Reich nehmen den Ruhm für sich in Anfpruch, durch Gehalt-Aufbeflerungen und Befoldung-Reformen die Wirtschaftlage der ihnen Dienenden gehoben zu haben; die Wir- k u n g e n dieser Wohltat sind indessen nicht bis nach unten gedrungen, im Gegenteil: Die Ge­haltaufbesserung hat den Unterbeamten nicht nur keine Erhöhung der Lebenshaltung er­möglicht, sondem sie sind auf der fozialen Stu- fenlefter immer weiter hinabgeglitten. Und Herr Krätke hat fogar ein Uebriges ge­tan und »im Interesse fiskalischer Sparsam- keit" viele Tausende von Stellen im Bereich der Postverwaltung für billige weibliche Ar­beitskräfte referviert! Jst's verwunderlich, wenn der Unterbeamte, der bei kärglichem Ge­halt und anstrengendem Dienst Staat nnd Reich die beste Kraft feiner Mannesjahre in treuer Pflichterfüllung opfert, es als mangelnde Gerechtigkeit und als ungerechtfertigte Härte empfindet, daß die Regierung ihn fchutzlos fei­nem Schicksal überläßt, ihn der Teuerung und der Not preisgibt und den Familienvater vor die schmerzliche Alternative stellt: Entweder Frau und Kind zum Miterwerb des Le­bensunterhalts zu zwingen und sie dadurch Haus nnd Schule zu entfremden, oder ... mit den Seinen zu darben? Eine Teuerungs- Zulage ist das Mindestmaß Dessen, das Staat und Reich ihren Nnterbeamten fchulden, nachdem grade dem Unterbeamtentum gegen­über Schuld auf Schuld gehäuft worden ist. Der Staat fordert von den ibm Verpflichte­ten viel: Gebe er ihnen nun auch, was ihnen

IieSiplomatm konferiere«!

Freiherr von Schoen nnd Ssafanow.

Der russische Minister des Aeußern, Ssa- sanow, der in London und Paris mit den maßgebenden politischen Kreisen sich sehr ein­gehend über die aktuellen Fragen der internati. analen Politik und jedenfalls besonders er­schöpfend über das Balkan- Problem unter, halten hat, wird in den nächsten Tagen nun auch in Berlin feine Aufwartung machen und man mißt in Berliner politischen Kreisen diesem Besuch des Ministers große Bedeutung bei. Daß Herr Ssafanow zuletzt nach Berlin kommt, hat zwar nicht sonderlich angenehm be­rührt, ergab sich aber aus den augeiMicklichen Verhältnissen als eine gewisse Notwendigkeit. Vor seiner Fahrt nach Berlin hat Herr Ssasa. now in Paris noch dem deutschen Botschafter von Schoen einen Besuch abgestattet. Wir erhalten darüber folgenden Bericht:

Besuch in Balkan,Geschäften?

(Privat-Telegram m.)

Paris, 5. Oktober.

Der deutsch« Botschafter, Freiherr von Schoen, hatte gestern nachmittag eine länger« Unterredung mit dem hier weilenden russischen Minister Ssafanow, die jedenfalls di« Balkan-Kris« betraf. Minister Ssasauow weilte über zwei Stunden im deutschen Bot- schafts-Hotel, und wie hier verlautet, hat die Unterredung der beiden Diplomaten alle di« Fragen berührt, die zurzeit im Jnierrssen-Be. reich des Balkan-Problems aktuell sind, vor­nehmlich natürlich di« Frage der V e r h ü. tung eines Balkankrieges durch eine gemeinsame und einmütige Mion der Groß­mächte. Freiherr von Schoen war von Berlin aus autorisiert, dem russischen Minister zu er, klären, daß Deutschland bereit fei, alle Be- mühungen tatkräftig zu unterstützen, di« darauf abzielen, kriegerische Verwicklungen am Balkan zu verhüten. Man ist hier auch über, zeugt, daß die Friedensaktion der Großmächte Erfolg haben und daß es gelingen wird, di« augenblickliche Krise am Balkan ohne Inan­spruchnahme einer Wafsenprob« zwischen dtp Türkei und den Balkanstaaten zu beheben.

3nfertten«t>tetfe: Die fed>«gefpaUene Zeile für einheimische Geschäfte 15 Psg., für au», roarttae Inserate » vf.. Reklame,eile für einheimische »«schüft, to Pf, für au«rodrttge Geschäfte 60 Vf. Beilagen für bte Gesamtauflage werden mit » Mark pro Laufend be­rechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Refiden, und »er Umgebung sind die äafleter Neuesten Nachrichten ein vorzügliche» 3nfertton«organ Geschäft»«!«: kölnische Strafte 5. Berliner Vertretung: SW., Jriedrichftrafte 16, Telephon: Amt Mvri«Ua, «7«.

Stiegsffeier in Wien.

Wiener Stimmungen während der Krise; Kriegs-Fieder «ud Kriegs-Furcht überall!

(Von unferm Korrefpondenten.)

Wien, 5. Oktober.

Erregung fiebert durch di« Stadt. Man spürt es in diesen vibrierenden Tagen, wie wett unser Staat nach Osten vorgeschoben ist, und die Etikette .H a l b a f i« n", die uns eine liebe, volle Hand aufgÄleb! hat, wird eine geogra. phische Wahrheit. Schwarze Menschenknäuel stehen vor den Kurszetteln der Börsengeschäft« gedränat. Bertzöf« Hände blättern jede Sei*

vor den Balkanschwierigkeiten nicht erleichtert und nachher nicht erschwert. Die amgenomme. nen Bedingungen dürsten folgende fein: Die Türkei wird erklären, daß sie infolge der Bal- kanlage nicht länger imstande sei, Tripolis zu verteidigen und wird dem Lande Autonomie gewähren. Darauf wird Italien Tripolis für annektiert erklären, was di« Türkei stillschweigend geschehen lassen wird. Di« religiöse Oberhoheit wird eine bei Italien beglaubigte Vertretung des Kalifen in Tripolis innehaben. Die finanzielle Frage hat gar keine Schwierigkeiten bereitet, da Ita­lien der Türkei soviel Geld bewilligt hat. wie diese nur haben wollte.

des preußischen Städtetages und geeigne­ten Sachverständigen über di« weitere Durch­führung der geplanten Regierungsmatz­nah m e n zur Behebung per Fleifchteuerung zu beraten. Dem B u n d e s r a t ist ein Gesetz­entwurf zugegangen, der den 3 o II auf frisches europäisches Fleisch wesentlich herabsetzt. Um jedoch die Fleischeinfuhr nicht aufzuhallen, sollen Stundungen des Zolles oder spätere Rückgewährung der jetzt zuviel gezahlten Be­träge erwogen werden.

Das 88dweft-8ntermezzo.

Immer «och r,,Kein Grund zur Unruhe"!

Die letzte Hiobspost aus Deutsch-Südwest- aftika hat bekanntlich amtlicherseits mehrer« Ergänzungen und Erläuterungen erfahren, bi« offenbar dem Zweck dienten, die in der Oeffentlichkeit auftauchende Beun­ruhigung über den Vorfall zu schwiehtigen. Beruhigt haben alle diese Mitteilungen abe- nicht: im Gegenteil: Sie haben die Affäre im mer rätselhafter gestaltet, und am rätsel Hastesten klingt, was jetzt eben als .ergänzend- Nachricht" über den Vorfall durch das offiziöse Depeschen-Bureau mitgeteilt wird.

Zur Beunruhigung kein Grund?

Wie das Wolff'sche Telegraphenbureau mel­det, sind zu den jüngst gemeldeten Vorgängen in Süd-Westaftika amtlicherfeits folgen­de ergänzende Nachrichten eingegangen: Ende September wurde, ber Reiter Müller auf der Suche nach entlaufenen Pferden in den Dünen östlich von Hunerob erschossen Das Gewehr und di« Patronen waren ibm a b g e n o m m e n. In der Nähe lag ein frisch geschossener Strauß. Der Vorfall hat bis jetz nicht aufgeklärt ton »en können. Nach Aus faßen der Anfang Septim der gefangenen Hot tentotten, daß wahrfchetttüch noch mehr Einge Boren« zur Jagd üb«« unsere Grenz« gezo­gen seien, ist ferner das in Betracht kommend« Gelände durch Pattouillen der Kompagnie Gochas abgestteift worden. Dabei wurden in den letzten Tagen an einzelnen Stellen in der Nähe der Grenze ältere unb neuere Hot­tentotten - Spuren festgestellt, doch liegt nach Ansicht des Gouvernements irgend ein Grund zur Beunruhigung nicht vor.

Noch immer keine Aufklärung!

Befriedigen oder beruhigen kann die offi- ziöseErgänzung" sicher nicht, denn die ganze Darstellung klingt sehr verworren. Di« Haupt­sache ist doch wohl, daß der Reiter Müller er­schossen worden ist und daß ibm das Ge­wehr und die Patronen abgenommen wor­den sind. Die .Jagd" spielt auch hier, wie in früheren Meldungen, eine Rolle. Auf der Jagd schießt man aber gewöhnlich keine Menschen tot. Ausgeklärt sind jedenfalls di« Einfälle in unfere Kolonie noch nicht. Der Opttmismus herrfcht aber ttotzdem im Reichskolonialamt noch immer vor, und .ergänzende Nachrichten" sollen über ernste Sorgen Hinwegtäuschen!

Sie drunten im Tal.

Die Teuerung und die Anterbeamte«.

Als der preußische Minister für Ackerbau mte vorm Jahr, gütig lächelnd, erzählte, die Neuerung fei eine vorübergehende Erschein»» g und werde im Heimftattbereich deutschen Wohlbehagens sichtbare Spuren nicht hinterlassen, ahnte niemand, daß nach zwölf knappen Monde«! derselbe Minister für Ackerbau und fein hoher Chef sich in edlem Wettbewerb um die Milderung des unverändert andauernden, im letzten Jahresviertel sogar beängstigend verschärften Notstands mühen würden. Die herzerfreuende Zuversicht des Herrn von Schorlemer-Lieser M von der Wirk- Nchkeit unbarmherzig korrigiert worden, di« Re- giernng, die vor wenig Wochen erst in ihren Moniteuren scherzte, die Fleifchteuerung fei in ihrem ureigensten Wesen «in .Zeugnis der g«. fanden Entwicklung unsres Wirtschaftsystems". hat sich, stöhnend und mit dem Schicksal grol­lend, zu Maßnahmen entschließen müssen, die mir die harte Not der Zett ihrem Gewissen ab- rhtgen konnte und in des Spätsommers letzten Tagen haben Minister und Geheimräte im Schweiß des Angesichts über dem Magenfrage- Problem gebrütet. Das alles sind untrügliche Zeichen des Ernsts der wirtschaftlichen Kris«, und da «s den Anschein gewinnt, daß di« Pe. riobe dermagern Fahre" noch lange nicht an ihrem Ende an gelangt ist, ergibt sich für die Negierung die Pflicht, Maßnahmen zu tref. fen, diEeignet sind, hindernd und vorbeugend zu totrttn. Der Hammel in Eis oder das- flitoe Beefsieakallein tun's nicht: Di« ganze Mi rtf chaf tp o litik muß der Zeit der Feuerung und ihren besonder» Anforderungen au gepaßt werden!

L Hier und da ermannt sich auch die soziale Mrkenntnis zu nützlicher Tat: Wir hören von Teuerung.Zulagen, die Werke ihren Au->estellten. Banken ihren Beamten gewähren und sehen sogar, wie etnsichttz« Stadtverwal­tungen der allgemeinen Notlage durch Teue­rungs-Zuschüsse an die in ihrem Dienst Befind, lich werftätig Rechnung tragen. Nur der Staat, der größte Arbeitgeber im nationalen Wirtschaft,Verband, läßt auf sich Watten, und wer den Inhalt der Eingabe gelesen hat, den dieser Tage der Verband der Unterbe­amten des Reichs an die Reichsämter und Ministerien gerichtet, fühlt als Staatsbürger und Reichangehöriger tiefe Beschämung ange­sichts der Tatsache, daß Staat uu>d Reich, di« Hüter sozialer Gerechttgkeit. in ihrer eignen Verwaltung dem sozialen Empfinden nur Raum zwischen zwei Ak.endeckeln gönnen, im übrigen aber soziales Verständnis und soziale Werttätigkeit völlig vermissen lassen. Der Ver­band der Unterbeamten bezweckt mit seiner Eingabe die Erlangung einer Teuerung-Zu­lage, und man braucht erst gar keine Wotte dar­über zu verlieren, daß dies« Forderung in einer Zeit wittschastlichen Notstands, wie wir sie eben durchleben, durchaus berechtigt ist. Sie ist m e h r als das: Sie ist ein selbstverständ. liches Pflichtgebot, und es bleibt nur zu beteuern, daß Staat und Reich sich an di« Er­füllung dieser Pflicht erinnern lassen, nach, dem Kommunen und Privatunternehmer längst getan habe», was zu tun die Not der Zeit ge. bot.

Staats- ober Reichsbeamter fein, heißt Selb st Verleugnung üben: Das Ein­kommen ist bis zum letzten Drittel der Bernfs- laufbahn knapp, die Wattezelt umso reichlicher und das Avancement ermüdend langsam. Die Begründung der Eingabe des Unterbeamten« Verbands enthüllt ein Bild von gradezu trost­loser Kümmernis: Nach langjähriger Dienst­leistung im Heer wird der Ünterbeamte (der bann meist schon Familienvater ist) mit einem Anfanggehalt von »och nicht hun­dert Mark monatlich im Staats- oder Reichsdienst angestellt und er erreicht bann, wenn der Himmel ihm ein langes geben und eine gute Conduttenliste bescheert, in späten Greisentagen einmal einen Einkommen- Satz, der ihm das Dasein etwas ftenndlicher zu gestalten vermag. Von der Anstellung aber bis zum Erreichen dieses Ziels ist die wirt­schaftliche Lage des Unterbeamten ein steter und manchmal verzweifelter Kampf mit den Sorgen um Brot und Notdurft, und es ist sicher keine Uebettreibung, wenn in der Ein­gabe des Unterbeamten-Verbands darauf hin­gewiesen wird, daß es schon in normalen Zel­ten der äußersten Wirtschaftlichkeit bedürfe, um mit den vorhandnen geringen Mitteln auszu­kommen: in Zeiten der Teuerung aber (tote sie uns jetzt heimsucht) die Unzulänglichkeit des Einkommens sich zu einem Zustand dauer8»

Kriegsgefahr und Friedenshosfen.

Der Balkan-Wirrwarr dauert fort!

'Aus dem Chaos der stünidlich vom Bal­kan aus durch Europa flutenden Kriegs- und Fttegensnachttchten ist Vorerft nur das Eine klar ersichtlich: Daß der nahe bevorstehende Friede ns schluß zwischen Italien und der Türkei auf die vier kriegbegeiftetten Balkan- Könfaretche stark ernüchternd gewirkt hat. Die Stunde der Entscheidung über Krieg und Frieden ist weiter hinausgeschoben worden und in den Kabinetten der Großmächte hofft man bereits zuversichtlich, daß es diesmal noch gelingen wird, den drohenden Balkan- branb zu dämpfen, ehe bk Flammen lichter­loh emporzüngeln. Die heute vorliegenden Meldungen lauten zumteil zwar noch sehr ktte- genfch, aber man darf wohl annebmen, baß man auch in den Balkanbergen die Suppe nicht so heiß ißt, wie sie gekocht wurde.

Wlen-Dukarest-Sofia.

(Privat-Telegrarn rn.7

Wien, 5. Oktober.

Auswärtige, diplomatische Kreise geben be­kannt. datz Rumänien ebenfalls drei Korps mobilisiert, die jedoch nur zum Schube der LaiweSgrenze und Mr Unterstützung Oester­reich -Ungarns gegebenenfalls funktionieren wer­ten. Oesterreich-Ungarn, das eine ab­wartende Haltung einnimmt, hat feine drei südöstlichen K orpS auf volle KriegS- bereitfchast gestellt und be reitet sich vor, auch zwei weitere Korps in den KttegSzustand zu bringen, um in dem Augenblick eingreisen zu können, in dem der Sandschak von Bulgarien oder Serbien be setzt werden sollte. Meldungen aus Sofia infolge ist dott ttotz der großen Begeistenmg für den Krieg die Hoffnung auf friedliche Entwicklung noch nicht ganz gefchwunden. Im ge- stttgen Ministerrat wurde von höchst einfluß- reicher Seite zur Ruhe gemahnt, um zu beweisen, daß Bulgarien iebe Rücksicht aus die Friedensbe­strebungen der Großmächte nehmen wol­le. Bei der gewünschten Reform für Mazedo­nien (an der unbedingt sestgehalten werden 'oll. und für die man von den Großmächten Garan­tien erroortet), soll das Wort Autonomie, das bei den bishettgen Verhandlungen Anstoß er­regte, fallen: dagegen bleibt die Fächerung ei nes christlichen Statthalters bestehen.

Der Sultan an sein Volk.

(P r i v a t - T e l e g r a m m.>

Konstantinopel, 5. Oktober.

Ein heute früh ^er eingeaangenes Tele­gramm meldet, daß ^«kg arifche Trup- ven bei Kowtscha die türkische Grenze über­schritten haben, Kowtscha liegt nur etwa fünf­undzwanzig Kilometer von der Grenze entfernt auf türkischem Boden. Während der gestttgen Demonstration vor dem Palast äutzette der Sultan:Ich bin glücklich, den Patttotls- mus der Kinder des Baterlandes zu sehen. Das Ottomanentum wird niemals ver­nichtet werden." B or der italienischen Bot­schaft kam es gestern abend zu feindseligen Kundgebungen. Gelegentlich deS gestttgen Empfanges der Minister sagte der Sultan: Ich hoffe, daß Ihr die Würde des Rei­ches verteidigen werbet. Ich habe das Vertrauen, daß unsere Armee ihre Pflicht tun werde." Die Begeisterung der Bevölkerung für den Krieg ist ständig im Wachsen begriffen Die Presse fühtt eine überaus kriegerische Sprache. DerTanin" sagt, man bürfe nicht den Angriff Bulgariens abwarten, sondern müsse Garantien dafür verlangen, daß Bnlga- tteu ruhig bleibe, widttgenfalls die Grenze überschritten werden müsse. Die Rüstungen werden fieberhaft betrieben und bi« Reserven von Stambul rücken unter lautem Jubel ber Bevölkerung in ihre Garnisonen ehe In Re- gierungSkreisen wurde gestern abend erklärt, die Türkei fei bereit, bett Kampf in jedem Augen­blick auszunehmen.

DaS Ende des TripoliS-SpielS?

lieber bk Bedingungen des Tripolis- Stiedens wird unS In einem Privat - elegramm ans Rom berichtet: Italien hat feine GriebenSbebinaung« pit geändert;

Niemand führt ArgeS im Schilde!

Der bulgarische Ministerpräsident Gesch. hoff hat dem Korrespondenten des Rewhork Seralb in Sofia ein Interview gewährt, in dem er unter anderem erklärte, daß weder Bulga­rien noch irgend einer der Balkanstaaten, die die Mobilisierung anordneten, die Absicht habe, fite Gebiete zu erweitern. Sie feien lediglich von der Absicht geleitet, das Schicksal der Christen in den türkischen Provinzen zu verbes­sern, nachdem Europa sich feit Jahren feiner Pflicht entzogen habe und sich auch nicht über- zeugen lasse, daß nur radikale Reformen in Mazedonien eine Aenberung bringen können.

KabinettSkrife in Rumänien 7

Nach einer Meldung aus Bukarest fand gestern in Sinaja ein Ministerrat unter dem Vorsitz des Königs statt, ber sich fowohl mit bet Balkanlage, als mit der Krise in der konservativen Partei beschäftigte. Dem Mini- fterrat wird sehr große Wichtigkeit beigemessen. Nachmittags verbreitete sich das bestimmte Ge­rücht, datz das Kabinett seine Demission eingereicht und der Kabinettschef dem- nlg feinen Vorgänger, den Cbef der konferva- iiven Pattel E a rp , als Nachfolger empfohlen habe. Eine Bestättgung ber Nachricht liegt noch nicht vor.