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Casseler Neueste NMMtkl

Caffeler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 255,

Fernsprecher 951 und 952.

Freitag, 4. Oktober 1912

2. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

Kriegs-Erklärung?

V

Wohnung er seine t>

in Lemberg erschossen, Nachdem ei ihm wohnende Freundin schwer

6ine Mlsmateu-TragWir.

Selbstmord eines deutschen Konsuls.

Am Montag wurde halbamilich gemeldet, daß für den Gesandtcupostcn in Addis Abeba in Abessynftn der bisherige deutsche Konsul in Lemberg, von Reden, auscrsehcn sei. Am . Mittwoch bat sich nun von Reden in seiner

Der Krieg ist notwendig!

(Privat-Telegramm.) Konstanttnopel, 3. Oktober.

Die Mobilisierung ruft in allen Provinzen egeisterung hervor. DerTanin" be-

Dernburg ist bereit...!

(Telegramm unsers Korrespondenten.^

Berlin, 3. Oktober.

Exzellenz Dernburg hat auf Anfrage er, klärt, er habe vorläufig keinerlei Kenntnis von den angeblichen Absichten, ihm den Botschafter- Posten in London zu übertragen: er wisse nicht einmal, das; darüber in der Preffe Mitteilun­gen erschienen seien. Er zweifle auch daran, daß er als Diplomatgenügen" werde; den­noch werde er bereit sein, im Falle der Ruf als Nachfolger Marschalls an ihn ergehen sollte, das Amt zu übernehmen und seine ganze Kraft in den Dienst des Gedankens der deutsch- englischen Verständigung zu stellen.

gnferttontoretfe: $tt f«t«flefpattene gute für Nntzeuntlche W-schätt- 15 Pf-, für aus- wiirNge gnferat« 25 Pf.. ReNam«,eile für «MheinMch- Seftäfte iO W, für auSinftrttgr Tefchäft» 60 Pf. Beilagen für nie Sefamtauflage werden mit I Marl pro raufend be. r«6net Wegen ihrer dichten Berbrettung in der Rekwen» and der Umgedung sind die Laffeler «Heuerten Nachrichten ein vorzügliches AnsertionSorgan »efchafls^U« Nülntfche Straße 5. Berliner Vertretung SW.. '(rict>rlä)ürafie 1s, aelenlnn: Amt «KoriMIaf, «7.,

6

Vize-Konsul Mac Eagh ermordet!

Depeschen aus N e w y o r k berichten unSk Nach gestern beim Staatsdepartement in Washington eingegangcnen Depeschen ha­ben die mexikanischen Rebellen den amerikani­schen Vizckonsul, Mc. C a g h, in Durango er­mordet. Der Konsul wurde von den Rebellen aus reiner Wohnung gelockt und dann aus dem HimerhaU erschossen. Die Regierung der Union

Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes. Herr von Kiderlen - Waechter, hat sich über die Loge auf dem Balkan wir folgt flcäu ßert: Tie Lage auf dem Balkan Ist, militärisch betrachtet, derart zugespitzt, daß mit der Eröffnung des Krieges stündlich gerechnet werden muß. Der einzige ernst­hafte Gegner der Türkei, das Königreich Bul­garien. ist, soweit Regierung und Volk in Be­tracht kommen, friedlich; das unruhige Element sind nur die Mazedonier. Nun erklären die Balkanstaaten, daß sie nichts weiter als Reior- men für Mazedonien verlangen, und in der Tat würde eine Aufteilung Mazedoniens sofort Hellen Streit zwischen den jetzigen Bundesge- noflen Hervorrufen. Es ist als ausgeschloffen auzusehen. daß die Großmächte territoria- le Aenderungen der jetzigen Besitzver- bältniffe auf dem jetzigen Balkan wünschen oder zulassen. Man darf infolgedessen hoffen, daß die Gewißheit, höchstens Ruhm, aber kei­nen Landerwerb bei einem günstigen Krftgs- ausgang zu ernten, noch in.letzter Minute auf die Balkanstaaten wirken werde. Man darf auch annehmen, daß ein etwaiger Krieg loka­lisiert bleiben wird. Deutschland hat jedensalls an wenigsten Anlaß zur Nervosität denn die starke Erreaupg an der Vött die be­dauerlich bleibt, und ein falsches Bild unserer

wirtschaftlichen Zustände gibt, ist mehr au" börsentechnische Ursachen zurückzu­führen.

Wie uns aus Berlin gemeldet wird, ist ftvischen der Wilhelm st raße und Ro - mrnten her Draht und das Telephon heute und gestern geradezu fieberhaft in Tätigkeit ge­wesen. Ganze Berge von Schriften und Äk- tenstücken sind in dem stillen ostpreußischen Jagdschloß eingetroffen, und der Kaiser hat (wie Depeschen aus Rominten berichten) am Dienstag und Mftiwoch unausgesetzt, b i s in die tiefe Nacht hinein, gearbeitet. Am Sonntag ließ er die Frühpirsche aussallen, da ihm zum Jagdvergnügen kerne Zeit goblie- ben war. Wenn auch bei der gestrigen Früh­stückstafel, zu der unter anderem der Komman­dierende des ersten Armeekorps, von Kluck, ge­laden war, die Wirren auf d er Balkan- Halbinsel nicht besprochen wurden, so steht doch fest, daß ausschließlich die Verhältnisse, die sich so drohend im Orient gestaltet haben, den Kaiser bei feinen Arbeiten beschäftigt haben. Wenn zu der Beerdigung des Marschall von Bibersteins der Staatssekretär -des Aeußeren, von Kiderlen-Waechter, nicht reiste, so waren es ausschließlich die dringenden Arbeiten über die Verhältnisse auf dem Balkan und der un­ausgesetzte Rapport mit dem Kaffer in Romin­ten. Aus zuverlässigster Quelle verlautet, daß man an maßgebendster deuffcher Stelle immer noch fest daran glaubt, daß c5 ge­lingen wird, die so drohend aufgezogenen

Kriegswolke« z« zerteile«.

In diesem Sinne ist man von Berlin aus un­ausgesetzt^ tätig. Es gilt den Militärs als voll­kommen sicher, daß die Türkei mit ihren Geg­nern mit Leichtigkeit fertig wird. Na­mentlich gelten die Serbien als durchaus nicbt kriegsbereit. Es wird, wenn es zum Ernstfall kommen sollte, sich sicherlich zeigen, daß überall alles in Unordnung ist. Auch kann daran fest gehalten werden, daß es der Türkei zurzeit a n Geld nicht fehlt. Die englischen guten Freunde werden schon für genügendesPul­ver" gesorgt haben. Aber wie dem auch sei: In Sofia, Belgrad und Athen wird man (so glaubt man in Berlin an politisch unterrichteter Stelle) doch nicht allen Verstand verloren ha­ben und sich die ernsthaften Folgen eines un­überlegten Schrittes wohl klar machen. Je­de neue Phase der Entwicklung wird dem Kaiser aus dem schnellsten Wege, selbst in der Nacht, nach Rominten gemeldet. Auch zwischen den Kabinetten in Berlin und Wien findet ein überaus reger Depeschen - Wechsel statt und es wird von maßgebender Seite erklär' daß Deutschland und Oesterreich in d:r Be­handlung der Balkanfrage vollständig g e- chsossen operieren werden. Die Regierungen in Berlin und Wien sind sich einig darüber, daß ein Balkankrieg nicht zu einem euro­päischen Krieg werden darf.

Nur keine Unruhe...l

Berlin. 3. Oktober.

Der Posten deZ deuffchen Botschafters t». London ist noch immer verwaist, was in so kritischen Zeit wie der jetzigen inmrer- irajerfrt mißlich ist und leicht Nachteile rm Ge- W haben kann. Allerdings läßt sich nicht ätuHen, daß die Auswahl für ein so bedeut» p mwq und verantwortungsvolles Amt keine keichMst, da man nur eine allererste Kraft nach London entsenden kann, die den bärtigen Di­plomaten in jeder Hinsicht zum mindesten ge. wachsen erscheint. Eine ganze Reihe von Män­nern ist bereits als voraussichtliche- Nachfolger des Freiherrn von Marschall genannt worden. eS handelt sich aber hierbei lediglich um K o m binationen, um ein zweckloses Raffel raten. Neuerdings aber wird in hiesigen, an erkannt maßgebenden politischen Kreisen auf eine Persönlichkeit hingewiesen, die sich nach ihrer ganzen Veranlagung und Befähigung als hervorragend geeignet zeigen würde. Es handelt sich um Exzellenz Dem. bürg, dessen Karriere man für keineswegs ganz abgeschlossen hält. Man glaubt, daß er als Londoner Botschafter der rechte Mann auf dem rechten Platze sein würde. Gewiß ist Herr Dernburg

kein zünftiger Diplomat, aber andere waren es auch nicht und haben doch ihrem Vaterland wichtige Dienste geleistet.

' So war Herr Pichon, der tatkräftige Ge­sandte Frankreichs zurzeit der Pekinger Wirren und nachherige umsichtige Leiter der auswär, tigen Politik Frankreichs, vor Eintritt in die diplomatische Karriere I ou r n a l i st in Paris. Auch Freiherr von Marschall selber ist ja bekanntlich gleichfalls nicht aus der eigent­lichen diplomatischen Laufbahn hervorgegangen und hat doch in Konstantinopel Großes ge­leistet. Dernburg würde in der deuffchen Di­plomatie den modernen Geist repräsentieren, und als Vertreter Deuffchlauds an der Themse würde er zweifellos eine gute Aufnahme finden, denn man schätzt ihn in England uuge mein. So begrüßen bereits die Londoner Daily News die Kunde von seiner eventuellen An Wartschaft mit Freuden. Dernburg sei mehr Geschäftsmann als Diplomat, und kein Mann in Deutschland würde nach Eng land größere Einsicht und freundlicheres In­teresse mitbringeu als er. Als Staatssekretär des Kolonialamtes ist Dernburg auch mit den englischen Behörden in nähere Berührung ge­kommen. er hat auf diese einen nachhaltigen Eindruck gemacht und es verstanden, mir ihnen stets gut auszukommen. Man sieht in ihm auch den smarien, energischen und umsichtigen Kauf­mann, der

genau weiß, was er will.

Des weiteren würde als ein wesentlicher Vor­teil für Deuffchland in Befracht kommen, daß Herr Dernburg, der auch geläufig englisch spricht, ein sehr genauer Kenner des Lan­des, seiner Eigenart und seines öffentlichen und wirtschaftlichen Levens ist, was ihn dop Pelt befähigen würde, die Ereignisse zu verfol­gen und Berichte nach Berlin zu geben, die sich . auf genaueste Kenntnis der Verhältnisse auf­bauen nnbHand und Fuß haben'. Man weiß, bag unsere Diplomaten oft in wichtigen Stel­lt» nach einem Staate entsandt werden, den sie

verletzt hatte. Die Affäre erregt in Lemberger Gesellschaftskreisen ungeheures Aufsehen, da Konsul von Reden eine in der Gesellschaft sehr bekannte und beliebte Persönlichkeit War. Hebet die Ursache und Begleitumstände der Tat wird folgendes bekannt:

Die Liebe des Konsuls« (Privat-Telegram m.) Lemberg, 3. Oktober, lieber das Liebesdrama in der Sitte des Konsuls von Reden kursieren hier die widersprechendsten Gerüchte Konsul von Re­den, der Vertreter des Deutschen Reiches, un­terhielt ein Verhältnis mit einer jungen Dame, hatte sich aber jn der letzten Zeit mit ihr überworfen. Die Dame wohnte im Hause des Herrn von Reden und zwischen beiden kam es gestern zu Zwistigkeiten, in deren Verlauf der Konsul seine Geliebte durch einen Schuß schwer verletzte imfr sich hierauf selbst eine Kugel durch die Brust jagte. Auf die Detonation bin eilten Nach­barn herbei, sprengten die geschlossene Tür und fanden vor dem Fenster liegend den Konsul und feine Freundin. Bei dem Konsul war jede ärztliche Hilfe überflüffig, da der

Tod bereits eingetreten war. Die junge Dame wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht, wo sie kurz nach der Einlieferung starb. Der Name des Mädchens ist Elisabeth P Ursche. Sie stammte aus C h a rl o ttenb u r g , wo ihr Vater, ein Beamter, noch lebt; sie stand im Alter von vierundzwanzig Jahren. Neber die Gründe zu der Tat kursieren die verschieden­sten Gerüchte. Bor wenigen Tagen batte Kon­sul von Reden die Mitteilung von seiner Er­nennung zum Gesandten in Abeffynien erhal ten; man glaubt, daß er sich deshalb von seiner Geliebten trennen wollte, und daß aus die­sem Grunde ein Streit zwischen beiden entstan­den ist. Andererseits wird erzählt, daß die Familie des Konsuls sich hartnäckig einer Ehe mit Elisabeth Pirsche widersetzte, und datz darin der Grund zu der Bluttat zu suchen sei.

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Wdjm.ttoge er«4ftunben »et SuMimft Stelle: Jeden Mittwoch und greitao von . . Udt -dend- Berliner Vertretung- SW, gtiedrichfit 15, Televh°n7«mt Mowlw-» U

Ctn Telegramm meldet uns ans Konstantinopel: Man erwartet für staute die offizielle Kriegserklärung der vier Balkan-MSchte an die Türkei. Daß ei« Krieg noch vermieden werden kann, erscheint nach Lage der Sache ausgeschlossen und die Türkei selbst ist auch ent­schlossen, einem Kriege nun nicht mehr auszuweiche«, da eine kriegerische Auseinandersetzung mit den kleinen Balkanstaateu in politischen Kreisen als unvermeidlich betrachtet wird. Die Rüstungs-Vorbereitungen der Türkei sind nahezu beendet. Ma« hofft allerdings, daß es möglich sei« wird, den Krieg zn lokalisiere« und a«f diese Weise ein Eingreifen der Großmächte überflüssig zu mache«. Heute abend dürfte die endgültige'Entscheidung falle«.

Iemburg: Marschalls Erbe?

Ei« «euerAußenseite^ für London!

Die Londoner Daily Newa haben gestern eine Mitteilung aus Berlin veröffentlicht, die (wie das Blatt sagt)aus einflußreichen deutschen Poliffker-Kreifen stammt", und Heren Inhalt man diesseits des Kanals sicher mit Deftiedigung zur Kenntnis genommen bat Das Londoner Blatt versichert nämlich, daß als aussichtsreichster Anwärter auf die Nach­folgerschaft des verstorbenen Botschafters Frei herru von Marschall der frühere Staatssekretär des Reichs - Kolonialamts, Exzellenz Bernhard Dernburg in Frage komme, dessen Kandidatur in maßgebenden Berliner Kreisen eifrig unterstützt werde. Dernburg soll sich auch bereit erklärt haben, das Amt des deutschen Botschafters in London zu übern eh men. In England ist die Nachricht von der Dernburg'schen Kandidatur als Erbe Mar­schalls allgemein mit Genugtuung begrüßt wor­den, da man an der Themse in dem früheren j Kolonial Staatssekretär nicht nur den ener­gischen Politiker, sondern vor allen Dingen auch den gewiegten Kaufmann schätzt. Wir erhalten zu der Angelegenheit fol- - gende authentische Informationen:

E" Der Kaufmann am grünen Tisch.

r (Von unferm B. 8.. Mita rbeiter.)

an einer solchen Konferenz nickt zu denken I« hiesigen diplomatischen Kreisen ist die Mel düng eingetrosken, daß heute die vier Balkan staaten Bulgarien. Serbien. Montenegro und Griechenland der Türkei ein Ultimatum überreichen werden, in dem für Kreta, Al. bauten, Bltserbien und Mazedo. nie« die Autonomie verlangt wird. Im Ablehnungsfälle soll sofort seitens der vier Mächte der Türkei der Krieg erklärt wer­den. Aus den Provinzen werden Kuudgebun- ue» für den Krieg gemeldet.

zeichnet den Krieg als notwendig und er sucht die Großmächte, sie möchten den Balkan­staaten nicht in den Arm fallen; Hilfe sollten sie ihnen allerdings nicht versprechen. Die türkische Flotte ist gestern von den Dardanellen hier ein getrossen. Sie ist zur Aktion berett und zwar würde ihre Aufgabe darin bestehen, die reckte Flanke der türkischen Armee zu stützen. Ein ofsiziSfes ComuniquS begründet die Mobilisie- rnng mit der Mobilisierung der Balkanstaaten. Alle Patteien beschlossen, zu erklären, daß sie einhellig die Regierung unterstützen wür­den. Die Regierung requirierte alle Schiffe und sonstigen Transportmittel. Hier einqegan- flene Depeschen aus Bnkarest berichten, daß auch Rumänien mobilisieren werde. Der dortige Effektenmarkt ist sehr flau und e? herrscht in Bukarest infolge der Mobilisierung Serbiens und Bulgariens völlige Geschäftslo­sigkeit. zumal Befürchtungen einer neuerlichen Dardanellenfperre anstauchen. Aus Altfer- b i e n liegen sehr beunruhigende Nachrichten vor. ES kam zn blutigen Zusammen st S ß e n, die zahlreiche Opfer forderten.

Hat der Kampf begonnen?

(Privat-Telegram m)

Belgrad, 3. Oktober.

Hier kursieren Gerüchte, denen zufolge es im Branjaer Bezirk zu einem Zusammenstoß rwiscken türstschen und serbischen Truppen ge­kommen fei. Die Türken hätten auf die serbi­sche Grenzwache zu schießen begonnen, die Wa che hätte daraus in daS Dorf sich zurückgezo gen, von wo ihr Bauern zn Hilfe kamen. Das Gefecht hätte drei Stunden gedauett und es seien gegen hundert Türken auf dem Platze geblieben. Aus serbischer Seite tei ein Soldat getötet und mehrere verwundet worden. Bus den Belgrader Eisenbahnstatto­nen wurden gestern fünfzehn Waggons Mu­nition, die aus Frankreich für die Türkei bestimmt waren, beschlagnahmt. Unter dem Kriegsmaterial befanden sich drei Aero- plane. Die Vertreter der Mächte er 'nchten nach beknnntaewordener Mobilisierung die serbische Regierung, ihre Truppen nickt in der Nähe der türkischen Grenze zu konzentrie re«, um die Situation nicht zn verschärfen. Tie Regierung hat dies in entgegenkommender Weife versprochen Die Regierung hat deshalb auch von der Abberufung des ferbi- 'chen Gesandten in Konstantinopel noch Abstand genommen.

Eine europäische Konferenz? (Privat-Telegram m.) Konstantinopel, 3. Oktober.

Von gnt unftrrichtetcr Seite verlautet, daß die Pforte jetzt die Einberufunq einer europäischen Konferenz als beste Lösung betrachtet, umsomehr, als in alleriüng sie» Zeit zwischen dem Dreibund und zwischen Oesterreich-Unnarn und Rußland ein so befrie digendes Berhältnis hergestellt wurde, dost diplomatische -Entaleisunaen, wie sie noch vor wenigen Managen zu befürchten waren, trat er Betracht kommen Selbstverständlich ist an eine direkte Beteiligung deS Balkan Bierbundes

absolut nicht kennen un-d wo sie sich erst müh«, voll einarüeiten müssen, um, wenn sie endlich soweit sind, abermals versetzt zu werden. Bei der ganzen Art Ternburgs könnte man sicher f ein, daß er aus der einen Seite mit offenen Karten spielen würde, daß er andererseits aber es auch verstehen würde, mit solcher E u t- fchiedenheit die deutschen Interessen zu vertreten, daß man an der Themse nicht so leicht es wagen würde, Deutschland beiseite zu schie­ben und als quantit6 negligeable anzusehen. Jn Anbetracht all dieser Vorzüge kann man sich durchaus der AnreBmg anschließen, Freicherrn von Marschall in Exzellenz Dernburg einen würdigen Nachsolger zu geben: Es würde jicherlich Deutschland nicht zum Schaden gereichen. Von diesen Gesichtspunkten geht auch die tatkräftige Unter st ützung aus, die in hiesigen- maßgebenden Kreisen Dernburgö Kandidatur erführt.

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