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Casseler Abendzeitung

2. Jahrgang.

Sonnabend, 28. September 1912

Fernsprecher 951 und 952.

Nummer 250.

Fernsprecher 951 und 952.

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» Hessische Abendzeitung

Sm Walde zu Rammten.

Bernstorff, Lichnowsky oder Hatzfeld?

Vor und hinter den Kulissen flüstert's, wis- dert's und ruunt's: Wer soll den Biberstei- n e r uns ersetzen, wer den Verlust dieser starken Persönlichkeit-Wucht uns vergessen machen? Wir Haden keinen Vorrat an ganzen Männern, keine Galerie charakteristischer Staatsmann- Köpfe und nach den elf Jahren Londoner Met­ternich-Trübsal fragt ehrliche Sorg« beküm­mert, welches Heil uns diesmal aus Rominten kommen soll. Dort, im herbstlichen Jagdrevier, weilt der Kaiser; von dort flog die Kondolenz- Depesche gen Badenweiler (herzlich zwar und erwärmend in Form und Inhalt, aber doch als etwas spärliche Kundgabe empfunden angesichts des Verlusts, den die Nation, das Reich und das internationale Friedenswerk betroffen), und in Rominten soll auch, vielleicht zwischen zwei Jagden, die Entscheidung dar­über fallen, w e r als Marschall von Bibersteins Erde zur Themse geht. Man will die Hast all-urascher Wahl, klug geworden durch man­cherlei schmerzliche Enttäuschung, meiden, mit sorglichem Bedacht Umschau halten unter den übers Durchschnitt-Maß hinausragenden Köp­fen und der Nation das peinliche Empfinden ersparen, als sei die Kürung eines Reich-Ver­treters auf wichtigem Posten das Augenblick- Werk eines Zufalls oder Stimmung-Moments. Wenn der September-Mond zur Neige geht, gürtet Herr von Bethmann seine Lenden, um in den Wäldern von Rominten dem Kaiser Vor­trag zu halten, und wenn er dann heimkehrt vom wilden Haag zur nebelgrauen Wilhelm- straße, dürfen wir der Hoffnung leben, daß der neue Mann, Marschalls Erbe und Nachfolger, .entdeckt" sein wird.

Die Preisrätfel-Frauen der Politik haben in den jüngsten Tagen eine beunruhigend-em- ft-ge Tätigkeit entwickelt; die Kandidatenliste für den Londoner Botschasterstuhl verspricht uns allerlei erfreuliche (oder auch unerfreuliche) Ueberraschungen und wir sehen auf einmal, wie eine stattliche Korona würdiger Männer der Anwartschaft auf des toten Bibersteiners Erbe geziehen wird. Da ist zunächst (wie man hört: Als Favorit) der Herr Johann- Heinrich, Gras von Bernstorfs, dem vor nicht allzulanger Zeit die Miflion übertragen ward, beim Weißen Haus in Washington Wil­liam Tafts dünnflüssige Sympathie fürs Ger­manen-Reich zu konservieren undSpeckys" muntre Tennisplatz-Politik mit Schneid und Grazie zum Scherzspiel-Ziel zu führen. Ein Diplomat? Am zwanzigsten Juni neunzchn- hundertzehn ward dem Vertreter des Reichs in Washington von der offiziösen Zensur feier- liehst attestiert, daß erder erste Botschafter sei, dem innerhalb kurzer Zeit so viele a m e. rtkan ifche Auszeichnungen zuteil 'geworden". Otto von Bismarck hatte die seit, same Gewohnheit, grade diejenigen Di­plomaten als die unfähigsten zu schelten, die vom Ausland her das lauteste Lob hörten. Aber der eiserne Kanzler war ja auch nur ein Stümper gegenüber den Giganten, die h e u t am Reichsgeschäft Handwerkeln, und wenn man die staatsmännischen Qualitäten eines Botschafters nach der Zahl seiner Ehrendoktor-Hüte und dem Emsigkeitstrieb seiner Zunge zu bewerten hat, dann wird kein Billig-Denkender dem Herrn Hansheinrich von Bernstorfs das Lor- beer-Reischen offiziös beurkundeten Diploma- ten-Ruhms mißgönnen dürfen.

Daß er im Zolltarif-Handel, bei der Vorbe­reitung des deutsch-amerikanischen Zoll-Abkom­mens und in der Behandlung der Schiedsge­richt-Frage völlig versagt, kann seinen Ruhm nicÄ dunkeln; er bleibt in der Wertung der uns Regierendender erste Botschafter", der zwischen Abend und Morgen in Dollarika die Yankee-Begeisterung zu lauten Schmeichel-Hym­nen zu entflammen verstand. Genügt's nicht, um dem nach Europäer-Erde sich Sehnenden den Befähigung-Nachweis für das Londoner Marschall-Werk zu sichern? Persönlich: Ein charmanter Causeur, von dem eilfertige Ge­schwätzigkeit einmal erzählte, er pflegeseine Politik" mit Vorliebe im Rauchzimmer und im Salon zu machen. Im übrigen gesegnet mit den Millionen eines reichen Schwiegerva­ters. vordem Artillerie-Leutnant unterm Dmck enger Verhältnisse und erst nach der Heirat mit Fräulein Johanna Luckemever aus Bremen für die Höhen-Region staatsmännischer Kunst als Zukunft-Star entdeckt. Wenn Adolf Hermann vcn Marschall von einem Diplomaten dieses Schlags beerbt werden darf, müßte uns die Hoffnung reuen, die in den Lenztagen des letz­ten Jahrs diesseits des Kanals die Herzen schwellte, als man im Bibersteiner einen Mann zur Themse gehen sah, von dem erwartet wer- den durste, daß er die Dürftigkeit deutscher

Auslandpolitik auf der wichttgsten Station des politischen Weltintcresses zu Inhalt, Wert und Tat wandeln werde. Marschalls Erbe heischt Marschall'sche Qualitäten, und Bernstorfs und Marschall haben nur das Eine gemein, daß sie als Außenseiter der Staatskunst dienstbar wurden: Bernstorff als Leutnant, Marschall als Staatsanwalt. Im übrigen aber: Zwei Welten!

An zweiter Stelle nennt die Wilhelmstra- ßen-Fama den Fürsten Lichnowsky als kommenden Mann". Ein Name, der schon angenehmer im Ohr klingt. Lichnowsky gilt in eingeweihten Kreisen bereits seit Jahren als Anwärter quf irgendein verantwortliches Amt und seine Wiederverwendung im diplomaftschen Dienst des Reichs könnte für die Nation nur ein Gewinn sein. Als Mitglied des preußischen Herrenhauses ist Fürst Lichnowsky mehrfach auch parlamentarisch hervorgetreten und seine temperamentvolle Anteilnahme am Kampf um die Wahlreform im Oberhaus zeigte ihn als kenntnisreichen Politiker, gewandten Debatte! und klugen Taktiker, der sicher auch auf Gipfeln der Verantwortlichkeit seinen Mann stellen würde. Dazu Millionär, Träger eines alten Namens und im Reich des grünen Tischs da­heim: Alles Dinge, die in unsrer Zeit der Re­präsentations-Effekte sichtlich an Wertschätzung gewonnen haben. Als Dritten präsenttert man den Für st en Hatzfeld - Wildenbruch für den Londoner Botschasterstuhl. Der Herr war bis vor Kurzem Generalkonsul in Kairo und es heißt, er habe dort Gelegenheit gehabt, sich mtt den Eigenarten englischer Politik vertraut zu machen. Wenn das zutrifst, darf man's viel­leicht ein Verdienst nennen, aber als Anwart­schaft auf Marschalls Erbe sollte man diese Winzigkett doch lieber nicht nennen: Oder be- darss nur dieser Leistung, um den Nachweis staatsmännischen Talents zu erbringen? Man steht: Wir sind bescheiden geworden und haben uns damit abgefunden, die Menschen-Größe nach Millimetern zu messen! Dessenungeachtet: In einer Zett Höch st er Spannung in der Welcholitik gehört auf den wichtigsten Posten deutscher Ausland-Diplomatie ein Mann, des­sen Tatkraft über die schwerfällige Mühsal dip- lomattsierender Handwerkelei hinausreicht. Wird man im Walde zu Rominten diesen weißen Raben erspähen ...? F. H.

Die Kölner Maffen-Bergiftungen.

Tine amtliche Erklärung des Magistrats.

In der gesttigen Sitzung der Kölner Staidtverordneten-Verfammlung wurden die Massen-Fleischvergrftungen in Köln eingehend erörtert. Seitens des Magistrats wurde dazu eine längere amtliche Erklä­rung abg-ogeben und sestgeftellt, daß bis heute hundertein Erkrankungen zu ver­zeichnen sind, wovon einuniddreißig erst im Laufe des Tages bekannt wurden. Die eigent­liche Ursache der Massenerkrankungen ist noch vollkommen ungeklärt. Wir erhalten darüber folgend« Meldung:

Sieber hundert Erkrankungen!

(Privat-Telegramm.)

Köln- 27. September.

Wie in der Erklärung des Magistrats dar­gelegt wird, führen 90 von den 101 Erkrankten di« Erkrankung auf den Genuß von Hack­fleisch zurück. In elf Fällen wird Brat­wurst oder L e b e r w u r st als Ursache ange­geben. Nur in vier Fällen soll die Erkrankung auf den Genuß von Hackfleisch zurückge^führt werden, das am Dienstag gekauft wurde, während alle, übrigen vom Freitag und Sams­tag voriger Woche datieren. Als Verkaufsstellen des Fleisches sind vier Metzgereien bekannt ge­worden, davon kommt ein Metzger in 74, ein zweiter in 21, und die beiden anderen kommen in zwei bis drei Fällen in Frage. Trotz aller Bemühungen ist es bisher nicht gelungen, einen Zusammenhang der sämtlichen Fälle nachznweffen. Die Erkrankungen sind in der Mehrzahl leichter verlaufen. Aber auch eine Anzahl Personen ist in ernster Weise er­krankt. Bisher wird der Todesfall eines elf­jährigen Knaben beklagt, der am Samstag abend Hackfleisch genossen hat. Es besteht der dringende Verdacht, daß das zunächst einwand­freie Fleisch bei der Abgabe nicht mehr frisch u«d gesund war. Ob und strwie- weit den Verkäufern ein« Schuld beigemessen werden kann, ist noch nicht bekannt. Däni­sches Fleisch kommt bei den hier in Köln be­obachteten Fleischvergiftungen nicht in Frage.

Mafleuvergiftuugen im Krarrkeuhaus.

Ein Privat-Telegramm meldet un8 aus Wien: In den letzten Tagen waren hier Gerüchte verbreitet, wonach im Wiener All.

gemeinen Krankenhaus mehrere Fleisch - Vergiftungen vorgekommen eien. Es hieß, daß vom Personal des Kran­kenhauses etwa vierzig Aerzte erkrankt sein oUtcn. Dieses Gerücht wurde am Mittwoch amtlich dementiert. Wie nun aber aus authen- thischer Quelle verlautet, ist gestern im Wiener Allgemeinen Krankenhaus eine städtische Kom­mission erschienen, die die Lebensmittelvorräte einer Untersuchung unterzogen habe. Es sollen etwa hundert Kilogramm Fleisch im Eiskeller beschlagnahmt worden fein, ebenso große Mengen von Rosinen, auf denen vielfach rittet herumkrochen. Unter der Aerzteschast herrscht große Erregung. Auch zahlreiche Krankenschwestern sind be­denklich erkrankt.

Das Kriegsgeschrei am Balkan.

Bulgarisch-türkischer Krieg in Sicht?

Daß die Situation am Balkan ernste Ge- ahren in sich birgt, kann niemand heut mehr leugnen. Die Nervosität ist allgemein, und gestern wurde in Wien beim Zusammentritt des Ausschusses für auswärtige Angelegenhei­ten der österreichischen Delegation mitgeteilt, ein Wiener Bankhaus habe aus Bulgarien die Nachrichten erhalten, Bulgarien habe der Türkei den Krieg erklärt. Darauf wandten sich mehrere Delegierte an den Mini- ter des Aeußern, Grafen Berchtold, der die Anfrage in einer sehr eigenartigen Form be­antwortete:

Bulgarien ist schlagberett!

(Privat-Telegramm.)

Wien, 27. September.

Auf die Anfrage mehrerer Delegierter be­züglich des Gerüchts über eine Kriegser- klärung Bulgariens an die Türkei erklärte Minister Graf Berchtold privatim, daß hierüber amtlich nichts bekannt fei, die Situ­ation auf dem Balkan fei aber fo zugespitzt, daß er eS begreiflich finde, dab dieses Gerücht Glauben finde. Der Wiener bulgarische Ge­sandte äußerte sich gegenüber einem Vertreter der Presse folgendermaßen: Wir haben zwar nachmittags vom Ministerium in Sofia De­peschen erhalten, aber über eine Kriegserklä­rung ist darin nichts enthalten. Es ist aber nicht absolut unmöglich, daß die KriegserNärung tatsächlich erfolgt ist und daß die Verständigung davon infolge der Auf­regung in Sofia noch nicht hierher gelangt ist. Tatsache ist, daß Bulgarien gegen die Türkei mobilisiert und daß die Armee schlag- b e r e i t ist. Die nächsten Tage müssen die Ent­scheidung über Krieg und Frieden bringen.

Spannung bis zur Siedehitze.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 27. September.

Auf eine Anfrage bei der hiesigen bulgari­schen Gesandtschaft wird die Auskunft gegeben, daß eine Bestätigung der Nachricht von einer Kriegserklärung noch nicht vorliegt, aber hin­zugefügt, daß die Spannung auf dem Bal­kan bis zur Siedehitze gediehen fei. Aus Petersburg liegen heute hier folgende Meldungen vor: Vor zehn Tagen noch erklärte ein fehr gut unterrichteter Diplomat, er glaube bestimmt, daß die Spannung ohne Zusammen­stoß enden werde. Heute sind indessen die lei­tenden russischen Kreise anderer Ansicht. Rußland will aber trotzdem jeden Krieg vermei­de.' wo er auch ausbrechen möge, weil das Zarenreich sich innerlich nicht gefestigt genug fühlt und weil im Fernen Osten Bewegungen vor sich gehen, die freie Hände erfordern, falls es zurgroßen Teilung" kommen sollte. Au­ßerdem stemmt sich das russische Kapital mit aller Macht gegen einen bulgarischen Krieg wi­der die Türkei.

Auch Serbien wird nervös!

Di« serbische Regierung übermittelte (nach einer Meldung aus Belgrad) der serbischen Nattonalbank aus dem staatlichen Barschatz einen Vorschub von viereinhalb Millionen Di­nars zur Behebung der durch die allgemeine Beunruhigung hervorgerufenen Stockungim Geldverkehr, die sich im gesamten Han­delsbetrieb in bedrohlicher Form bemerkbar macht und eine wirtschaftliche Kata­strophe herbeizuführen droht.

Das Taifun-Drama in Fapau.

Erschütternde Einzelheiten der Katastrophe.

Depeschen aus Tokio zufolge hat der Taifun, der in den letzten Tagen Japan heimsuchte, furchtbare Verheerungen angerichtet. Allein von der Fischerbcvölkerung von Sapporo sind' vierhundert Seut« umge kommen. Drei Torpedoboot« werden vermißt. Rach den Bezitten von Gifu und Aicht, wo Tausende von Familien obdach­

los sind, werden Truppen zu Rettungs und Schutzarbeiten abkommandiert. Dort hat der Sturm am schlimmsten gewütet. Tempel, The­ater, Schulen und öffentliche Gebäude sind hin­weggefegt und ganze Wälder verschwunden, so. daß die Gegend wie ein einziger, riesiger Trümmerhaufen ausfleht.

Artzrtz uitö der Kaiser.

Differenzen zwischen Kaiser und Grotzat» mir al; eine Kabinettsordre des Kaisers.

In auswärtigen Blättern ist soeben ein sen­sationell aufgemachter Artikel erschienen, der davon spricht, daß zwischen dem Staatssekretär des Reichsmarineamts, Herrn von Tirpitz, und dem Kaiser eine Entfremdung ein­getreten sei, die ihre Ursache in bedeutungs­vollen Meinungsverschiedenheiten der beiden Persönlichkeiten habe. Diese sollen hauptsächlich beiderKruppfeierinEssen zum Ausdruck gekommen sein. Dr. Krupp von Bohlen habe dort dem Kaiser neue Geschütze vorgeführt, die eine Geschützweite von fünf« undbrerßig Zentimeter hatten. .Die deutsch« Marine hat erst Geschütze von dreißig Zen­timeter Geschützwette, während ausländische Staaten bereits über diese Geschützweite hinaus- gogangen seien. Herr von Tirpitz habe nun den Kaiser dadurch v e r st i m m t, daß er sich ge­gen die neuen Kruppqeschütze ausgesprochen habe. Wir erhalten dazu folgende öffentliche Informationen:

Kaiser «nd Großadmiral.

(Telegramm unsers Korrespondenten.) Berlin, 27. September.

Daß eine Enffremdung zwischen Kaiser Wil- Helm unb Herrn von Tirpitz existiert, daran ist kein w ahres Wort. Das wird am besten dadurch widerlegt, daß der Kaiser (was in der Oeffentlichkett noch nicht Mannt ist) in diesen Tagen, nach Beendigung der Flottenmanöver eine persönliche Kabinettordre an das Reichsmarineamt gerichtet hat, die sich in Worten wärmster Anerkennung für die Arbeit des Herrn von Tirpitz ergeht, die bei den jetzigen Manövern wieder so vorzüg. liche Resultate gezeitigt habe. Daß es bei der Krupp feier in Essen zu AuSeinandersetzun. gen gekommen ist, ist ebenfalls nicht zutreffend. Richtig ist nur, daß ausländische Staaten schon eine größere Geschützweite eingefühtt haben, als die gegenwärtig in unserer Flotte bestehen­den. Herr von Tirpitz würde aber sicher der erste fein, der die Einführung der neuesten Ge­schütze bei uns befürworten würde, wenn er die Ueberzeugung hätte, daß diese Geschütze den außerordentlichen Anforderungen genügen, die

die Leitung der Reichsmarine

an sie stellen mutz. Was nun die angeblichen (in den Artikeln ebenfalls angedeuteten) Mei- nungsvekschiedenheiten zwischen dem Aus- wärtigen Amt, Admiral von Holtzen- dorff und dem Kaiser auf der einen, so­wie Herrn von Tirpitz auf der anderen Seite über das Bautempo unserer Flotte angeht, so ist dazu zu sagen, datz an zuständiger Stelle nichts davon bekannt ist. Sollten trotz­dem solche Differenzen bestanden haben, so sind sie jedenfalls mit der Minute aus der Welt ge­schafft worden, in der der Reichstag das neue Flottenprogramm des Herrn von Tirpitz ange­nommen hat. Zwischen Herrn von Tirpitz und Admiral von Holtzendorff besteht durchaus Einmütigkeit der Anschauungen, und wenn in der letzten Zeit von Rücktritts­absichten des Admirals von Holtzendorff die Rede war, so können diese nut darauf zu- rückzuführen fein, daß die bedeutenden Anfor- berungen, die an alle Persönlichkeiten der Ma­rine gestellt werden, natürlich sehr aufreibend sind und bei Herrn von Holtzendorff möglicher­weise den Wunsch haben aufleimen lassen, in absehbarer Zeit vom Amte zurüüzu- tteien.

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Der Kanzler bei Marschalls Beisetzung.

Wie die Norddeutsche Allgemeine Zeitung offiziös bekanntgibt, hat der Kaiser den Reichskanzler vyn Bethmann Hollweg beauftragt, ihn bei der heutigen Beisetzung des Botschafters Freiherrn von Marschall zu vertreten. Als Vertreter des Auswärtigen Amts wird sich der Direktor im Auswär­tigen Amt, Wirkliche Geheime Rat Dr. von Körner zur Beisetzung nach Neuershausen be­geben. x

Herr und Frau Toselli.

Enrico Toselli dementiert energisch!

Durch die Presse ging bekanntlich vor eini­gen Wochen die Nachricht, daß die Gräfin M o n t i g n o s o, die ehemalige Kronprin­zessin von Sachsen, sich mit ihrem zweiten (Stat­ten, dem Meister Toselli, nach langem Ha- der wieder auSaesöbnt batte. Toselli. der ae-