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Hessische Abendzeitung
Caffeler Abendzeitung
2. Jahrgang.'
Fernsprecher 951 und 952.
Freitag, 27. September 1912
Fernsprecher 951 und 952.
Nummer 249
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Vom Hoflager deS Prinzregenten Luit- old von Bayern in Berchtesgaden sind
wird voraussichtlich erst zu Beginn der kommenden Woche sich zum Kaiser nach R o - m i n t e n begeben, um ihm über die Angelegenheit Vortrag zu halten. Eine Entschließung des Kaisers wird daher voraussichtlich noch einige Tage, wenn nicht noch länger, auf sich warten lassen. Unter den Kandidaten, die vor allem in Betracht kommen, 6eftobcit sich, wie auS diplomatischen Kreisen mitgeteilt wird, neben dem Botschafter in Washington, Grasen Bernstorff, der Fürst Lichnowski, daS bekannte HerrenhanSmitglied, und Fürst H atz - e l d - W i l d e n b r u ch, der bis vor einigen Monaten Generalkonsul in Kairo war und sich etzt der Verwaltung seiner Güter widmet.
Aber Harnack geht weiter: Nicht nur der Schein b« Parteilichkeit, sondern mehr noch der des Rechtdruch» lastet nach seiner Ueberzeugung auf der obersten Disztvlinartn- fianz der Kirche. Sie hat den Verteidiger Ja- thor für seine Verieidigung bestraft, ist aber gleic^eitig Beleidigter, Ankläger und Richter gewesen. ,DaS ist gerade unertrüg-j Uri},* frust Harnack erbittert aus) und es will etwa- sagen, wenn t r, gerade ft zu solchem Dort seine Red- schärst. Darum eben wirst HarnaSS Anklage gegen den Oberkirchenrat wie ein Aufruf zur Notwehr, und so will ft sie ersichtlich auch gewertet wissen. Der Fall Traub ist ihm nur Anlatz, sich dez Unwillens zu entladen, der ihn beseelt. Um andre vor dem Schicksal TraubS zu bewahren, der dem Zustand znm Opfer fiel, datz ein« Behörde über ihn Recht sprach, di- Beleidigter, Ankläger und RiSter in einer Person war, und dadurch de« schwärzesten Schein der Pancilichkett und des RechtbruchS auf sich lud, erhebt er die Forderung nach einem disziplinären Ge- r i ch t s h o f für die Landeskirche, alter er läßt auch keinen Zweifel darüber, daß Traubs Schicklal ihm nur als Folge der Zustände der
Landeskirche überhaupt erscheint. Die lassen .angeblich in der Lehre Freiheit, aber sie machen die Ordnungen, ohne die gewiß keine Kirche leben kann, zu den schwersten Lasten". D a s ist Harnack das entscheidende Verhängnis der Landeskirche, und es zu beseitigen scheint ihm eines not: „Nehmt den liturgischen Zwang hinweg, und alles kommt in Ord- nung!" Das heißt mit andern Worten: Oeffnet der Freiheit desG erstes die Bahn und wir werden den Modergeruch der alten Welt nicht mehr erdulden muffen!
Harnacks Anklage, hervorgegangen auS deut tiefen Gerechtigkeit-Empfinden und der ernsten i Wahrheit-Forschung eines unsrer besten evangelischen Geister, hat im ganzen Land ein tausendfaches Echo geweckt, einen Widerhall, wie Harnack ihn vielleicht nicht geahnt hatte. H S t - te er ihn vorausgesehen, dann wäre das Eine oder Andre wohl anders, oder auch gar nicht gesagt worden. Trotzdem ist Harnacks Anklage das Wort, das in dieser Zeit des Kampfs zwischen alter und neuer Welt in der evangelischen Landeskirche fallen mußte. AlleS, was bisher gegen den Oberkirchenrat gesagt worden ist, blieb noch ohne Wirkung: Die lauten Protest« I der kirchlichen Gemeindemitglieder an allen Orten sind kaum in den Regionen, die für das Ohr des Oberkirchenrats bestimmend sind, ge- I hört worden; Naumanns Kritik des Oberkirchenrats haben dessen Mitglieder wohl im Bewußtsein der Wirkunglosigkeit nach oben gelassen zur Kenntnis genommen, und selbst Baumgarten (der den Oberkirchenrat fünffacher I Unwahrhaftigkeit zieh) ist wohl unten, nicht aber oben gehört worden. Harnacks Wort dagegen klingt auch dahin, von wo das Wort fiel, Lahusen habe mit seiner Stellung I zu dem Apostolikum den Nagel auf den Kopf getroffen; es wird auch dem summus eplskopus zu Ohren kommen, und deshalb wird der Oberkirchenrat sich gegen diesen Ankläger jedenfalls verteidigen müssen. Wie er es tun wird? Wer weiß es? Wir. alle aber, die wir in Adolf Harnack einen der Bannerträger deutschen Geisteslebens und den unerfchrockuen Verteidiger reiner Gewissen-Wahrheit verehren: Mr alle hoffen, daß Harnacks Kampfruf wider die alte Welt im Bannkreis der Kirche der Wahrheit und Gerechtigkeit die Siegerpalme werben möge! F. H.
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Prinzregent Luitpold erkrankt!
Erschöpfungszustände «ud Schwächeanfälle.
Der Städtetag und die Teuerung.
Ein Privat-Telegramm meldet uns aus Köln: Der Vorstand deS Deutschen Städtetags tritt am siebzehnten Oktober hier zu einer Sitzung zusammen, auf deren Tagesordnung als wichtigster Punkt die Fleifchteuerung steht. Der Deutsche Städietag hatte bereits vor einiger Zeit eine Teuerungskoamnission eingesetzt, di« nun ihren Bericht erstatten soll. Dieser Bericht gründe: sich auf eine tot großen Stil eingokeitete Rund frag« Über die Preis- und Rahrungsverhält niff« in all«« größeren Städten Deutschlands.
Hamburg gegen Me Grenzsperre!
Wie uns ein Telegramm auS Hamburg berichtet, stimmte di« Hamburger Bürgerschaft in ihrer gestrigen Sitzung saft ein- stimmig einem Antrag der Liberalen zu, der den Senat auffordert, beim Bundesrat dahin vorstellig zu werden, daß die Grenzsperre ausgehoben und die zeitweilige Aufhebung und Ermäßigung der Lebensmittelzölle verfügt wird. Ter Antrag erblickt in der Einfuhr auS- ländi'chen Fleisches daS einzig« Mittel zur Bekämpfung der Teuerung.
Teuernngs-Fnterpellationen in Sachsen.
AuS Dresden geht unS folgender Pri- vatte leg ramm zu; Die nattonakliberale
Sensationen der Lager.
Ein kommender sozialer Riesenkampf?
(Telegramm unseres Korrespondenten.)
Köln, 26. September.
Gestern abend fanden in Köln acht öffentliche Holzarbeiterversammlungen tatt, in denen bekannt gegeben wurde, datz außer in Köln auch in einer ganzerr Reihe anderer großer deutscher Städte die Tarifbewegung in den nächsten Wochen einsetzen werde, da die heutigen Tarifverträge unter allen Umständen zum fünfzehnten November gekündigt werden. Weiter wurde die Mitteilung gemacht, datz das Baugewerbe gleichfalls tot nächsten Frühjahr vor einer Erneuerung der Tarifverträge stehe und daß die Arbeitgeber- Organisation bereits Millionen ang«- ammelt hätten, um eine große AuS- perrung zu inszenieren. Die kommend« Tarifbewegung werde die g r ö tz t« fein, di« bisher stattgefunden habe. Die Arbeit-' scher deS Baugewerbes hätten sich mft denen ,deS Holzgewerbes vereinigt, um gemeinsam einen Vorstoß der Arbetter abzuschlagen. Di« Arbeiter wollen dieser Aktion der Arbeitgeber durch den Tarifkamps zuvorkonrmen.
Der Ausruhr aus Samos.
(Privat-Telegram nt.)
Konstart inopel, 26. September.
Der Kommandant von Smyrna teilt mit, datz das Kabel zwischen ChioS und Samo s unterbrochen sei. Aus heliostattschem Weg« treffen Alarmnachrichten «in, wonach sämtliche Kadel von Ausständigen zerschnitten worden sind. Di« Ausständigen besetzten di« Höhen d«L Hafens Datry und beschossen die Truppen. Auch aus der Stadt wurde das Feuer aus di« Truppen eröffnet, di« Wb« haften Widerstand leisteten. Der Kampf dauert« den ganzen Tag. Di« Truppen, di« zwei Lote hatten, waren siegreich. Gestern machten di« Aufständigen abermals einem Uederfall auf bi« Truppen, denen «S gelang, die Insurgenten wieder in die Flucht zu schlagen. Ein französischer und ein englischer Kreuzer trafen vor Samos ein. Di« Regierung verfügte di« sofortige Entsendung von sechshundert Mann nach Samos. Wie weiter berichtet wird, hat die italienische Flotte den größten Teil der Truppen, die sich auf Rhodos befanden, etoge. schifft und wird in den nächsten Tagen einen V orsto ß gegen ChioS machen. Die Be, satzung von ChioS wird verstärkt.
Der Lalfun im Fernen Osten.
(Telegraphische Meldung.) '
Tokio, 26. September.
Tokio ist infolge der durch den Taifun angerichteten Schäden sett zwei Tagen fast voll- kommen von der Welt ab geschnitten. Uederall sind Verheerungen angerichtet wor- den. doch fehlen noch Einzelheiten. Die Wirkungen des Taifuns sind in ber Mitte der Südküste am schwersten. Der französische Kreuzer .Dupleix" ist in der Nähe von Yokohama auf- gelaufen, konnte aber wieder flott gemacht werden. Bei Shimonoseki ist ein japanischer Post- dampftr gescheitert. Die Zahl der Opfer ist noch unbekannt. Auch die japanischen Kriegsschiffe haben schweren Scha- den erlitten. Ein Linienschiff und ein Schul, schiff haben die Masten eingebüßt. Vier Tor- pedobootSzerstörer und zwei Torpedoboote sind ausgelaufen. In Nagoya hat der Taifun viele Opfer gefordert. Eine Spin, nerei und eia Kloster find eingestürzt. Wie ein Telegramm auS Tsurugi meldet, ist dort «in Torpedoboot gesunken. Di« Mannschaft soll ertrunken sein.
und die fortschrittliche Fraftion der Zweiten ächstschen Kammer werden sogleich nach dem Zusammentritt des Landtags Interpellationen über die Lebensmittelteuerung einbringen, in denen an die Regierung die Anftage gerichtet wird, was sie zu tun gedenke, um der herrschenden Teuerung auf wirksamste Weise «ntgegeuzutteten. Die In- terpellauieu fordern Vorstellunaen SachsenS beim Bundesrat.
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Liebe auf den elften Blick?
Was die Damen bat« sagen.
Ein amerikanischer Psychologe hat vor kurzem (offenbar aus der keineswegs allzu psychologischen Voraussetzung heraus, di« schriftstellernd« Frau sei das Sprachrohr des weiblichen Geschlechts überhaupt) einige amerikanischen Damen von der Feder befragt, wie man es eigentlich mit jener ost genannten .Lieb« auf den elften Blick" iu hatten
(Privat-Telegramm) München, 26. September.
Di« Gerüchte über eine Erkrankung des Prinzregenten finden ihre Nahrung offenbar in dem Umstand, daß die zunehmenden AlterS- erscheinungen deS Regenten, wie der Umgebung am Hoflager so auch her Einwohnerschaft und den Besuchern von Berchtesgaden, nicht verborgen bleiben können. Dem greisen Fürsten fällt sett einiger Zett das Gehen recht schwer. Der Nachtschlaf läßt zu wünschen übrig, während am Tage, häufiger noch als ftüher, Erschöpfungszustände eintreten. Zudem haben die beiden Sterbefälle, die das könizliche Haus letzthin mtt dem Tode deS ju- gendlichen Herzogs Franz Josef und der jungen Infantin Maria Theresia an ein und demselben Tage in Trauer versetzten, den Prinz- regenten tief erschüttert. Wenn also auch nicht geleugnet werden tarnt, daß der Zweiundneunzigjährige der größten Schonung bedarf, so ist nach zuverlässigen Jnforma- ttonen dennoch kein Grund zu bitetten Befürchtungen gegeben. Daß die Aerzte eine akute Gefahr nicht für gegeben erachten, | beweisen die regelmäßigen Ausfahrten, die bet i Regent fast täglich unternimmt.
Die Kandidaten für London.
Bernstorff, Lichnowskh, Hatzfeld!
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 26. September.
Im Vorbergrund des polittschen JntereffeS steht nach wie vor die Frage der Nachfolgerschaft fiit den verstorbenen Freiherrn von Marschall. Selbstverständlich ist eS zur Zeit nur ein Rätselraten. Herr von Bethtnamt
Alte und neue Welt.
Adolf Harnack über den Fall Tranb.
»Es ist das Verhängnis der Kirche, daß! fie der Wirklichkeit gegenüber verständnislos zu bleiben versucht!" Das Wort stammt von einem Wahrheitkämpfer des neunzehnten Jahrhunderts, und seine Berechtigung durch tausend Erfahrungen erwiesen, wird soeben wieder bezeugt durch den Kampf wider Traub, dessen Getöse lärmend und flimnb durch die Gaffen öffentlicher Meinung hallt. Dieser Kampf war I notwendig; er ist vielleicht auch nützlich, denn I alte und neue Welt im Schoß der Kirche ringen um die Grenzlinie ber Wahrheit, und wenn dieser Kampf auch schmerzlich ist: Er wird doch Klärung bringen und die schwüle Lust dez Unbehagens, die über uns allen, schwer und bleiern, lagert, durch den Wetterschlag der Spannung-Entladunz reinigen. Dieser Schlag ist jetzt erfolgt: Geheimrat Professor Adolf Harnack hat (wie wir bereits berichteten) zum Fall Traub das Wort ergriffen und gegen den Richter des Pfarrers von Reinoldi in Dort, mund, den Evangelischen Oberkirchenrat, schwere Anklage erhoben. Eine Schrift, ganz harmlos scheinend, ist es, aus der der Wetterstrahl zuckt. Harnack hat sie bei Hinrichs in Leipzig erscheinen lassen, und daß es eine Broschüre, die einen weiten Weg vom Gedanken zum Wort versinnbildlicht, kein Interview, kein rasch ge- schriebner Tagesaussatz sst, aus der er sie zur Oeffenttichkett spricht: Das gibt der Anklage Harnacks gegen den Oberkirchenrat die erdrük- kende moralische Wucht!
Harnack tritt als Ankläger der Gewalt und als Prediger bet Freiheit und Wahrheit mit dem ganzen sittlichen Ernst seiner starken Persönlichkeit auf. Zum Fall Traub redend, spricht i er über viel, viel mehr, greift zurück bis auf JathoS Amtenssetzung und malt unbarmherzig Zug um Zug ein düstres Bild von den | Zuständen innerhalb der evangelischen Landeskirche Preußens, hie fern Gewissen beschw«. reu. Jathos Amtsentsetzung hat Harnack bekanntlich seinerzeit verteidigt, und man erfährt auch jetzt nicht, ob er seine damalige Stellungnahme sachlich bedauert, oder fie männlich-mutig auch heut noch verteidigt. Um Eines willen aber gibt er das von ihm so lang verteidigte Jrrlehregesetz wenigstens preiS: Alle, die sich mtt ihm abfanden (erflärt et) begrüßten, daß S dem abgesetzten Pfarrer doch wenigstens di« Würde seines Titels ließe. ES ist anders gekommen, und »wir müssen unS als die
Düpierten empfinden'-. habe geschwie., ^'n Bayern in Berchtesgaden sind
toe ter) *9? b e Schwierigkeiten der I. München beunruhigende Nachrichten einge- Lag« nicht zu vergrößern, aber den schweren ^ffen @8 verlautet, daß sich bei dem Prinz. Stoß wohl empfunden, den die Verteidiger der regenten sehr bedenkliche S ch w ä ch« z u - neuen Ordnung unvermutet nachträglich erhal-1 st a n d e zeigen. Der Prinzregent hat in den ten haben.-- Im Zusammenhang damit for-1 letzten Tagen wenig Nahrung zu sich genom- muliert er auch seine erste zielsichre Anklage ge- men, er schläft sehr viel und die Aerzte stellen gen den Oberkirchenrat. Der mußte wissen! eine bedeutende Kräfte abnahme fes. durchdaS^^Ädre°esetz°to* arÄe^VrrT iwetondnnmzigsten Lebensjahre. Ueber dadurch daS Jrrlehregesetz in große Erre. befinden des greisen Füssten wird berichtet: gung versetzt worden find. Rur aus ihr e öuror«miffen?
heraus hat Traub gehandelt, stets feine I Kein Grund zu Besorgnissen r
Person und seinen Namen eingesetzt, und ihn griff man und enssetzte Ihn seiner Amtes, weil er di« Grenzen erlaubter Kritik unvorsichssg übesschritt. Gegen bi« maßlosen Kundgeb un- gen posttiver Fanattker dagegen, deren Agtta- tton und Sprach« fich von derjenigen TraubS In nichts unterscheiden, trotzdem ihre Matzlo- figkeiten oft genug vom Zaun gebrochen find, tritt ber Oberkirchenrat nicht auf: Und hier tritt eine Unterlassung-Dünde zutage, deren schwere stttliche Gefahr niemand verborgen bleiben darf.
Die Regierungs-Mion kommt!
Herr von Bethmann ermannt fich.
Seit Wochen schon sst im Berliner Lokalanzeiger und andern halboffiziösen Blättern von Mlnisterkonferenzen die Red«, auf denen über Maßnahmen gegen die Fleifchteuerung beraten wird. Dabei schien es auch bleiben zu sollen. Man weiß ja, daß dir Frage einer wirksamen Abhilfe nicht leicht zu lösen sst, und man weiß auch, daß die Wege der Bürokratie nicht immer die geradesten find. Aber man hatte in diesem Fall doch beson- bern Grund, die Verschleppung angefichts der bringenden Angelegenheit reichlich stark zu finden, beim Mimsterkonserenzen sind nicht geeignet, über hohe Fleischpreise hinwegzutröfien. Aber sie haben doch zu einem Ergebnis geführt und wenn es auch nicht rasch gegangen ist, so ühlt man sich doch freudig überrascht, daß iberhaupt ein Ergebnis erzielt worden ist. Man höre:
Anter Leitung des Kanzlers!
Die offiziöse „Norddeutsche Allgemeine Zeitung-- hat in ihrer gestrigen Abend Ausga- >e folgende Mitteilung tot üblichen offiziösen Sperrdruck veröffentticht: Auf Veranlassung und unter Leitung be8 Reichskanzlers sind j« den letzten Woche« di« Mittel zur M i l derung der gegenwärtigen Fleisch teuerung und der durch sie herbeigeführten schweren Belastung wefter Volkskreise nach allen Richtungen hin geprüft worden. In seiner gestrigen Sitzung hat sich daS preußische Staatsministerium über die Hauptptmtte ber sofort einzulettenden Regierungsaktion geeinigt. Einzelhetten werden heute noch durch eine von den beteiligten Ressorts zusammengesetzte Kommission gellärt. Darauf wird Preu- tzen sofort mit den andern BundeSregierun. gen in Verbindung treten. Eine Beröffentli- chung des geplanten Schrittes ist in den nächsten Tagen zu erwarten.
Welche PlSne hat der Kanzler?
An der offiziösen Kundgabe sst am «yfteu- lichsten zweifellos die Versicherung, daß «in rasches Tempo «ingeschlagsu weiden soll- Eil« tut in der Tat not! Das Wichtigste bleibt allerdings noch im Dunkeln: Man erfahrt nicht, waS die preußische Regierung im einzelnen zu tun und vorzuschlagen gedenkt, ob «S sich um eine Erleichterung der Einführung von G«- frierfleisch, um Milderung der Futter- Mittelzölle oder um ander« Maßnahmen handelt. Jedenfalls kann man nur wünschen, daß die Aktion so rasch einsetzt, wie angekündigt wird, und daß mit ihr Weg« eingeschlagen werden, auf denen man so rasch und sicher wie möglich zu einer Milderung der Fleischten«- rung gelang:. Lange-genug haf s sicher gedauert, bis die Regierung sich ermannte l