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Casteier Neueste rraqriqie«

ti?er"' aebört^ebentaffs KEan-^ schneidigen Tennisspiel. Wie in einem Auf.

farbiJ slÄ? rum dramatischen Moment des Stückes

setzt Lord Jllingwo.rth seine Stellung zum Weibe auseinander: Zu dieser Sphinx ohne Rätsel, die am meisten lügt, wenn sie ihre pro­funden Weisheiten zutage fördert. Nein, die Weiber sind keine Lebensphilosophen.

Dieser Lord, der Dandh par excellence, dem das Leben nur ein Spiel mit gefährlichen Wag- niffen bedeutet, der den Nervenreiz an sich zum Zweck erhebt, verlangt den zwanzigjährigen Sohn einer Frau zurück, die er vor langer Zeit verlassen hat. Die Frau ohne Bedeutung und ihr junger Sohn sind die beiden einzigen ern­sten Figuren der Komödie, deshalb -entbehren sie nicht der Pose. Sie sind innerlich unwahr. In einem letzten Akt, der mit Rührseligsieit reich gespickt ist. sieht der Lord sein Spiel verlo­ren. Da bricht plötzlich hinter dem blendend-pa­radoxen Lebensnihilismus des Weltmannes die häßliche zvnische Fratze durch. Einen Peitschen­hieb versetzte er seiner verachteten Geliebten von einstmals, die ihm mit einem Faustschlag zu dienen weiß.

- Die Mordaffäre Blume. Der als Fahnen- lunker im sechsundvierzigsten Jnsanterieregi- ment dienende Bruder der Frau Dr. Blum« aus Posen hat (tote wir bereits in unfern ge- urrgen Abonddepeschen meldeten) seinen Ab- schted eingereicht; er wird als Einjähriger wei­ter dienen. Der jn die Mordaffäve verwickelt« praktische Arzt wurde vernommen, weil et am Mordtage am Tatorte gewesen sein soll. Hebet »as Ergebnis dieser Vernehmung wird noch strengstes Stillschweigen bewahrt.

~ Der Autounfall der Bourbonenprinzen. Wie aus S ch w a r z a u gemeldet wird, ist in den Abendstunden des 'gestrigen Tages tat Be­finden des (tote wir bereits berichteten) bei ei­ner Autofahrt schwer verletzten Prinzen Re- natus von Bourbon und Parma eine leichte Besserung eingetreten, die umso mehr über­rascht, als gestern nachmittag Hofrat Professor von Heiselsberg das Krankenzimmer mit den Worten verließ:Hier ist jede ärztliche Hilfe vergeblich."

~ Erdbeben in Ungarn In Kecs kernet tn Ungarn erfolgte gestern Nacht, von starkem unterirdischem Getöse begleitet, ein mehrere Sekunden andauentdes leichtes Erdbeben von

Eintracht-Cassel vor dem Spielverband. Der Casseler FußballvereinEintracht" hatte am zweiten Mingstfeikrtag die zweite (I b) Mannschaft der BerlinerUnion" zu ei­nem Wettspiel nach Gaffel verpflichtet, ließ aber durch seine Reklame erkennen, er habe die er. ffe Mannschaft verpflichtet. Als dieCasseler Neuesten Nachrichten" der Richtigkeit gemäß schrieben, die zweite Mannschaft vonUnion" sviele in Casses, verlangteEintracht" sogar eine Berichtigung. Wegen dieser btwußt un­richtigen Reklame batte der Kreisausschuß Hes­sen des Westdeutschen Spielverbandes über ..Eintracht" eine Strafe von zwanzig Mark verhängt. Im Schriftwechsel mit den Mr­bandsbehörden machte sichEintracht" -gleich- reitig einer Releidianng schuldig, die eben­falls durch dm znständiaen Ausschuß mit zwanzig Mark Strafe geahndet wurde. Gegen die erstere Bestrafung legteEintracht" beim Verbandsvorstand Berufung ein. ddt nunmehr in einer Sitzung des Verbandsvorstandes zu Duisburg kostenpflichtig abaewiesen wurde.

Ein Rennen des- Deutschen Rennfahrer Berbondes -in Leipzig. Zum Besten seiner Unterstützunaskasse veranstaltet der Deutsche Rennfahrer-Verband am kommenden Sonntag aus, der Bahn des Sportplatzes Leipzig Radrennen für Sieber und Flieger zu b-iten sich hervorragend- Kräfte aus den Mitalieder-

wohl eine der merkwürdigsten Erscheinungen unter diesen romantischen Verächtern der erfah- rungsmäßigen Realität. Avostel des Welt­schmerzes, Schöpfer einer sozialen Utopie ist er deshalb aber nicht geworden; für beides hat er Welt und Menschen auch viel zu gründlich verachtet. Er, der nur sah, wie sich in diesem lächerlichen Maskentreiben der Menschen das Räderwerk kreischend dreht, das sie wie toll durcheinanderwirbelt. Was war ihm dieses ganze elende Gehudel! Verächtlich nur zuckte es um seine fleptisch-zhnischen Mundwinkel, wenn er daran dachte. Sohnlachend erhob er sich darüber und wurde zum raffiniertesten Ge­nußmenschen der Welt, zum Aestheten der Aestheten, zum Dandv im eminenten Sinne des Wortes. Mochten sich Männer wie John Ruskin oder William Morris als Gewissen ihrer Ration fühlen, mochten sie als Agitatoren breite, demokratische Wirkungen erstreben, was ging es Wilde an! Er schlug sich auf die Seite teuer anderen, bereit Theoretiker er wurde, auf die Seite der Prärafaeliten.

Sind Dante Gabriel Rossetti. Holman, Hunt, Burne-Iones, Millais. Walter Crane

Gründe dieselben Verächter der Wirk­lichkeit wie Oscar Wilde? Aber reicher, viel reicher laufen die Fäden der geistigen Strü» mungen durcheinander, die in Wilde einen El« phantastisch geformten Gipfel aefunden haben. Was war diesem Wilde noch das Le­ben! Das Leben existierte für ihn der Kunst wegen, das Leben selbst mußte Kunst werden. Die Kunst für die Kunst. So dachte der Mann, der in seiner erdichteten Welt fast einem Fe­tischismus anheimgefallen war; der am Schreibtisch Carlyles sitzen wollte, eine Haar­tracht trug, die der Rerobüfte im Louvre nach- geahmi worden war und seine Theoreme auf Briefbogen nach der Art Victor Hugos schrieb Seine Theoreme, das will sagen, seine Philo­sophie der gefährlichen Wagnisse und lauern­den Abgründe, denen der Philister und der große Haufen fern bleiben sollte.

Ein unvergleichlich funkelndes, weithin leuchtendes Spiel in Aphoristik und Evigram- matik ist seine Philosophie.Tanzen wir gleich Troubadouren", so heißt es in dem Lied, das Nietzsche derFröhlichen Wissenschaft" anhängt. TZs gilt für alle Fragezeichenmenschen, die zrraacz eichen hinter eure Leibwortt und Lieb- lmgslchien und gelegentlich hinter euch selbst" 1

tOs Iacaues Dalcroze in Rußland. Jacques Dalcroze-Methode der rhythmischen Gymnastik bat jungst tn Moskau neue und große Er- wlge erzielt. Der Meister war auf Veranlas­sung des Fürsten Wolkawski. eines enthusiasti­schen,Anhängers der Methode, selbst erschienen und sprach im Künstlertbeater vor einem anser- lesen mustkalischen Publikum über feine siiele

Konservatorium fand dann noch eine'Vor- fuhrung statt, die mft rauschenden Beifallsb«- teuaunaen ausgenommen wurde. Es besteht die Hoffnung, daß die neue Methode als Bil- mmasmittel in rufTifcheit Musikschulen zur Ein- nhrung kommen wird. Zwei Lehrerinnen sind schon in Mokkan darin tätig.

Kunst-Auswanderung nach' Dolla r»a. Welchen Umfang die Auswanderung wertvoller europäischer Kunstwerke nach Amerika annimmt, zeigt jetzt wieder an einem neuen Beispiel: An der Ernte, die ein bekannter Newporter Kunsthändler zur Zett mit derMauretania" über den Ozean führt. Im Laufe fernes kurzen europäischen Aufenthaltes onnte der Amerikaner in England einen be- onders schönen Raeburn kaufen, ein Por­trat der Elisabeth Dundas von Gainsbo- r o u g h und das Bildnis des Earl von Ro­chester, ebenfalls von Gainsborough. In Ita­lien erwarb er ein Porträt Michelange­los von Bugiardino, in Brüssel zwei schöne Guardis, in Holland einen Ruysdael Am interessantesten aber ist eine Erw erbung

Sportliche Rundschau.

Wissenschaft und Sport.

Der letzte Verhandlungstag des unter Vor­sitz des bekannten ärztlichen Turnpädagogen Professor Schmidt-Bonn stehenden Sport­kongresses in Oberhof in Thür, brach­te noch sehr interessante Vorträge und Diskusionen. Dr. Krieg-Hamburg sprach über die Beziehungen des weiblichen Geschlechts zu,Turnen und Sport und verlangte Rücksicht auf die physiologische Eigenart des weiblichen Organismus. Hieran schloß sich eine längere Diskussion, au der sich die angesehensten Ver­treter der Spezialwiffenschaft beteiligten.

Der Kampf ums Weiße Haus.

Ein Privat-Telegramm berichtet uns aus New York: Depeschen aus dem Westen des Landes, den augenblicklich der Gouvernettr Wilson bereist und täglich vor einer großen Versammlung Ansprachen hält, in betten er sein Programm barlegt, besagen, baß ber demokra- tische Kandidat von Tag zu Tag mehr Popu­larität und Anhänger gewinnt. Seine Agenten fürchteten anfangs, der Gouvemeur seinicht ideal genug", um die Wähler für seine Person zu begeistern, da er alsDer poli­tische Eiszapfen" bekannt ist. Wilson hat je­doch diese Befiirchtungen durch seine freund­liche Haltung, seine offenen Reden und seine gesunde Beurteilung der politischen Fragen zu Schanden gemacht und viele Stimmberechtigte für sich gewonnen. Jn Ohio (dem Heimats- staate des Präsidenten Taft), wo Wilson eben­falls eine große Agitationsrede hielt, wohnten Taufende von Republikanern der Verfammkung bei und laufchten mit großem Interesse feinen Worten. Mele von ihnen sind in das Lager von Wilson übergegangen und werden für ihn stimmen.

Potttftche Chronik.

Der Kölner ErzbischofSstuhl Wie uns aus Köln berichtet wird, bat das Domkapitel feine Liste für die Wiederbesetzung des Kölner Erz- bifchossstuhls der Regierung bereits einge­reicht. Es soll sich um eine Liste von Männern der gemäßigten Richtung handeln. Et­waige Schwierigkeiten seien daher nicht von der Regierung, sondern eher von feiten des Vatikans zu erwarten.

Drohende Kämpfe in der Holzindustrie. Eine Berliner Vertrauensmännerversammlung aller Branchen des Deutschen Holzarbeiter- Verbandes beschloß nach.lebhafter Debat­te, in Anbetracht der int nächsten Frühjahr dro­henden Kämpfe in der Holzindustrie den wö­chentlichen Beitrag vom ersten Oktober ab von 1 Mark auf 1.25 Mark zu erhöhen.

Unser erstes Marine-Luftschiff. Das erste Marinelustschiff liegt jetzt fertig auf der Zevve- linwerft in Friedrichshafen. Anfangs nächster Woche wird das Lufffchiff gestillt, worauf so- sort die Verfuchsfahrten beginnen. Dann er­folgt die Ueberstihrung nach Johannisthal.

Exkönig Manuel bei Franz Iofef. De­peschen aus Wien melden: Der feit einigen Tagen inkognito hier weilende Exkönig Ma­nuel von Portugal wurde nachmittags von

_ Die Masse der Theaterbesucher, die geneigt ist. Wtlde nach feinen paar Komödien zu beur- tetlen, bekommt ein gründlich schiefes Bild von ihm. Gar Werke wie Lady Windermeres Facher und Eine Frau ohne Bedeu- tunss sind besonders dazu angetan. Fast mehr als durstigi ist dte Handlung, deren Technik stch ruhig an die Vorbilder der ftanzösischen Sit- wndramatiker anlehnt. Dramatiker kann der Aphonft überhaupt nickt fein. Das Geheimnis der Wirkung Wildes als Komödiendickter liegt ganz wo anders Daß er die blutige Geißel des Satirikers schwang, derselben Gesellschaft, die sich lachend tn den Rang- und Parkettsitzen räkelte, den konventionellen Schwindel vor die Fuße warf sich ihre Typen herausholte, um sie mit mephtstopheletschem Ingrimm vor den Hohlspiegel zu zwingen ... das machte seine Wirkung aus, denn man nahm ihn ja niemals ernst. Und weil ihn nur die Wenigsten ganz verstanden.

Aber denen batte er auch genug zu sagen. Und unterhaltend, sehr n n t e t h a l t e n d finb b «fe «Wöbiert Wildes, besonders bann, wenn nichts geschieht Wenn nur gerebet unb nicht gehandelt wirb Wenn ber bis zur Ueber- spitzung feine Rasonnenr seine Bonmots jong­lierend spielen laßt, auf die dümmsten Fragen di« klügsten Antwotten weiß: wenn die übriae Gesellschaft, eigentlich nut Figuren, die Frack Smoking unb parfümierte Robe tragen, sowie mit gesellschastspsychologifchen Sprachbändern ausgerüstet sind, ihr dialektisches Brillanffeuer- werk inszeniert. In berFrau ohne Be­deutung" bauert bas hors doeuvre bis zum Ende bes zweiten Aktes, bis dahin fliegen dft Bonmots hin- unb herüber, wie bie Bälle beim

.^Bctgmannslos. Auf der ZechePluto" bei Gellenkirchen ist bei Reparatura ehesten ein Fördergerüst zusammengebrochen. Von den darauf beschäftigten Arbeitern wurden zwei ge­tötet; mehrere andere sind schwer verletzt wor. den- Wt- verlautet, ist das Fördergerüst nicht ordeniltch unteriucht worden, bevor die Arbei- tat ihren Anfang nahmen, sonst hätte festge- uellt. werden müssen, daß das Arbeiten an bett Gerüst Mit Lebensgefahr für die Arbeiter ver­knüpft war.

Massenvergiftungen durch verdorbenes Fletsch. Die Fleischvergiftungen in Köln neh- men einen großen Umfang an. In einem Viertel des südlichen Stadtteils sind zwanzig Personen unter schweren Vergiftnngserschei- nungen erkrankt. Der elfjährige Sohn einer Familie ist bereits gestorben, die Mutter liegt tm Sterben. Die Erkrankten sollen bei «in und demstlben Metzger gekauft haben.

rr Die Braven vonLothringen". Ober­bergrat Stöcker-Dortmund überreichte ge. stern nachmittag bie vom Kaiser verliehenen AuszetcknungM an die Beamten und Arbeiter der ZecheLothringen", die sich bei dem letzten Un-zluck als Retter hervorgetan haben Im ganzen gelangten verschiedene Rettungsme­daillen am Bande und zehn allgemeine Ehren. Zeichen zur Verteilung. Auch Bergleute be- nachbarter Zechen erhielten goldene und silber. ne Ehrenzeichen.

dem K a i s e r in Schönbrunn in Privataudienz empfangen

Raffenkrieg i« der Union. Rach Depeschen an- Rewyork ist über die Stadt K o l um - bus im notdamerikanischen Staate Georgia der Kriegszustand verhängt worden. Es wurde ein Regiment bet regulären Armee auf« Sboten, um betn R assenkrieg, ber zwi­rn ben weißen uttb schwarzen Bewohnern der Stadt ausgebrochen ist, ein Ende zu berei­ten. Die Unruhen entstanden infolge ber Aus. peitschung eines Negergeistlichen durch Weiße.

Diese Handlung ist ohne Bedeutung, aber darauf kommt es in Wildes Komödien nicht an: Das Bonmot, der Einfall, die Pointe, das brillante Spiel in These und Antithese, das Paradoxon ist viel wichtiger. Die Ausführung des gestrigen Abends traf die Wildesche Eigen­art meist sehr günstig. Vor allem war Herr Alberti als Lord Jllingworth glänzend; das war Geist von Wildes Geist; stahlhatt und doch unendlich fein in den Impondera­bilien der Psychologie des Dichters. Schade nur, daß der Künstler so selten Gelegenheit hatte, während feines Casseler Wirkens als moderner Darsteller im verwegenen Sinn« des Wortes hervorzutreten. Auch Fräulein Gör« 11 n g in ber Titelrolle unb Herr Strial als Geralb Arbuthart hatten sich biefcr Figuren in betten großer Ernst posiert wird, mit außer- orbentlichem Geschick angenommen. Sonst sind noch die Damen Scholz (Ladv Hunstenton), Clever (Lady Pontc frait), Storm «Lady Stutfield), Jähnert (Mrs. Allbony), Mai- farth (Miß Morsley), sowie die Herren Jürgensen (Sir Ponte frait), Zschokke «Mr. Kelvil), Betend (Mr. Daubeney), Bartels (Lord Rüfford) lobend zu erwäh- neu. Die Regie lag in den Händen des Herrn Hettzet.er.

farbige Gedankenspiel, den kühnen Einfall, das Paradoxon die Aphoristik, die Fragmentistik auf den Thron. Der blutige Glossator d-s Le­bens, des Menscklichen-Allzumenfcklichen hatte sich die Idealform der Glosse int Aphoris­mus geschaffen. So blieb er sticht Dichter Et wurde mehr: Ein großer moderner Kritiker. Was wäre er vielleicht geworben wenn er nicht Literat. Artist, Aeffhet bis in die letzte Nervenvibration hätte bleiben wol­len ? Doch was gilt diesesvielleicht"?

Milde im hosthegter.

Eine Fra« ohne Bedeutung."

Oscar Wilde gehörte zu jenen tragischen Menschen, dte sich nur als Zuschauer auf der Weltenbühne fühlen. Sie findet man so manch­mal im Leben! Sie stehen abseits von der gro­ßen Masse, leben im vernichtenden Kampfe zwischen Jntellett und Willen, wobei dieser selten Sieger bleibt; wissen das Leben in ge­radezu köstlicher Weise theoretisch zu betrach­ten, sind Juwele geistsprühender Unterhaltung, sind aber selbst in taufend Zwiespälte verstrickt; denn überall lauern die Hintergründe. Heim­tücken unb Fußangeln des Lebens; so sind sie die schlechtesten Lebenskünftler, wenn man dar­unter Maß, Harmonie und Ausgeglichenheit verstehen darf. Vor dem Leben, wie es in sei­ner robusten Wirklichkeit ist, empfinden sie ein unheimliches, nervöses Grauen; in eine andere Welt flüchten sie aus der schlechtesten aller Wel­ten; denn dieser Pessimismus ist die logische Voraussetzung ihrer optimistischen Romantik gegenüber einer anderen Welt. Romantik ist das Zauberwort; irgendwie Romantiker sind sie alle.

Das Leben ein Traum gilt für sie in be­sonderer Weise. Träumen, reden, immer wie­der reden und träumen, aber niemals handeln, ist.ihre unbewußt-bewußte Lebensnorm. So schärf, so sprühend, so lebendig, so schöpferisch vielleicht der Geist, so sckwack, so flackernd, so rudimentär der Wille! Hier liegt der Schwer­punkt in der Tragik ihres ganzen Menschen­tums. . Hoch gesteigert ist der Jntellett, arm, armjetig ist der Wille, das Vermögen der Be­wegung. Sogar ein Nietzsche hat Stunden gekannt, wo er den letzten Leutnant um seine Aktivität" beneidete. Tenn er wäre gern ein Napoleon gewesen und mußte einsehen, daß er nur ein genialer Schulmeister war (wie der geistvolle Carl Jentsch einmal drastisck sagte). Etwas vom Napoleon der Tat, vom geistigen Imperator, ringt auch in diesen Leuten, die niemals über die zugespitzte Unter­haltung hinauskommen. So läßt sie der tiefe innere Zwiespalt am eigenen Selbst schließlich furchtbar zerschellen...!

Oscar Wilde, dieses mystische Frage­zeichen, das fin de siede am europäischen Hori­zont auftaüchte unb wieder verschwand, ist

kreisen m den Dienst dez Verbandes und der guten Sache gestellt haben. Als Hauptnummer des Programms gilt daS Robl-Erinne. rungs . 100 . Kilometer . Rennen das 'gerade aus der Leipziger Bahn eine besorg bere Berechtigung hat, weil hier der verstor-

Meista-fahrer seine größten Erfolge er­zielte Als Teilnehmer dieses Rennens gelten stupft*' £nwrt ®aIbDto- Schipke und Vander- Hl Bullock bleibt bei Grabitz. F. Bulloch ber Stalljockei bes Königlichen Hauptgestüts Grabitz, sollte nach anderweitigen Meldungen für das nächste Jahr von den Herren von Wein- ber» engagiert worden sein. Wie die Herren von Weinberg Mitteilen, entspricht die Nachricht nicht den Tatsachen. F. Bullock hat im Ge­genteil seinen Kontratt mit dem fiskalischen Stall vor einiger Zeit auf zwei Jahre e rtt eu ert Der Weinbergsche Jockei Fox steht außerdem mit seinem Stall noch in längerem KoEaktverhältnis, das nicht ohne weiteres gelost werden kann.

Neues bom Tme.

(Depeschen ber Casseler Neuesten Nachrichten.)

~ Elisabeth Baffermanns Vermählung, Die schone und künstlerisch hochbegabte älteste Tochter d?s Abgeordneten Basser mann Eliiabeth Bassermann hat stch, wie ous Berlin gemeldet wird, mit dem Rittmeister a. D Waldemar *bo n Roon, vermählt ber ein Enkel des Feldmarschalls Grasen von Roon ist. rfraulein Bassermann, die auch ihr Dok­tor-Examen gemacht hat, gehörte unter bei Kanzlerschaft des Fürsten Bülow zu den iw timstcn Sirenen der Fürstin.

~ Jugend von heute. In der Wiesenstraße Ln srsckoß sich gestern abend bet zwolftahrtge Sohn des Klempners Linke im Bett mft einem Tesching. Der Junge war so- ort tot. Ein Motto für die entsetzliche Tat uegt nicht vor. Da der Junge aber sehr viele ^üdianergeschichten und dergleichen las so durfte bie Tat Wohl damit in Verbindung zu bringen sein.

248 ». Iayrganx.

Interessen des Reiches in Konstantinopel unter wechselnden Verhältnissen und oft recht schwie- ^gen Umständen von ihm mit vorbildlichem Geichick vertteten worden. Sein Andenken wird ehrenvoll fortleben mit ber Nachwirkung einer starken, charaktervollen Persönlichkeit.

Sie Politik hes Tage«.

Frauenproteste gegen die Teuerung.

Wie uns aus Berlin gemeldet wird, be­faßten sich gestern abend drei und zwanzig sozialdemokratische öffentliche Frauenver. sammlungen in Berlin und den nächsten Vororten mit de« Lebensmittelteuerung Die Referate wurden überwiegend von Frauen­rechtlerinnen gehalten. In allen Versammlun­gen wurde einstimmig eine Resolution ange­nommen, in der die Regierung zu energi. scheu Maßnahmen gegen die Teuerung aufgesordert wird, die nicht zuletzt die Schuld an der »erntehrten Säuglingssterblichkeit trage. - ... Weitete Telegramme melden uns: Die Duisburger Metzger protestieren gegen den Bezug und Verkauf von dänischem Fleisch durch die Stadt. Die Stadt Hambom wird gemein­sam mit der Gewerkschaft Deutscher Kaiser hol­ländisches Fleisch zum Verkauf bringen. Jn Görlitz kam gestern das vom Magistrat be. stellte dänische Rindfleisch zum erstenmail zum Verkauf. Es war 10 bis 20 Pfennige billi­ger als das hiesige Fleisch und fand starken Absatz.

Bieling-Friedrichroda sprach über Win­tersport in der Behandlung neurastheni­scher Zustände, der in Verbindung mit ber Klimakur bie besten Resultate ergebe. Jäger- Leipzig verbreitete ffck ausführlich über feine Erfahrungen beim Skilauf. Das Skiherz, das Professor de la Camp beschrieben hat, konnte er nicht beobachten. Friedenthal-Breslau mack- te sehr interessante Mitteilungen über nach­ahmenswerte anthropometrische Methoden durch Photographie unb Stereoskopkamera, in­dem man hiermit den Gegenstand vor zwei Spiegeln nochmals auf der Platte darstellt. Die sehr schwere wissenschaftliche Begründung der Methode wurde ben Versammelten durch eine Druckschrift erleichtert. Hierauf schloß Professor Schmibt ben Kongreß, inbem er feine Freude über ben guten Verlauf aussprach, mit Dankesworten an ben Herzog Carl Ebuard, ber seine Gastfreundschaft noch bnrch ein Tele­gramm bekräftigt habe. Nachzutragen ist noch, daß ber Staatsminister von Sydow im Na­men des Deutsch -Oesterreichischeu Al­pe n v e re i n 3 in längerem Schreiben seiner Svmpathie mit den Bestrebungen des Vereins und seiner freudigen Bereitwilligkeit zu ne« meinfamer Arbeit Ausdruck gegeben hat. a. e.

Kunst und Wissenschaft.

<£= Die kommende Frankfurter llniverfttät. Wie uns ein Privat-Telegramm aus Frankfurt a. M. berichtet, ist der Finanz- nnd Rechtsnusschuß der Stadtverordnetenver­sammlung auf Freitag vormittag zum Ober­bürgermeister geladen, um (wie man wohl an­nehmen darf) den Nachweis entgegen zu neb- men baft bie Nüttel vorhanden find, von deren Beschaffung bie Eröffnung ber Universität tn Frankfurt bekanntlich abhängig gemacht wurde. Der Verwirklichung des Universitäts- Bro, ektes stehm nun Hindernisse nicht mehr entgegen. '

,.£= Das Ende ber Stuttgarter Tierärzt­lichen Hochschule. Wie uns aus Stuttgart gemeldet wird, soll die dortige Tierärzt­lich eH o »f ck u l e einschließlich der stMniken H*. rnttn Oktober g eschlossen werden. Da- m w das offizielle Siegel auf einen Beschluß gedruckt, der für bie Mehrheit des Landtags so­wohl wte für die Regierung (bie nickt bie- fiae Energie zur Rettung dieser wiffenschaft- ftchen Anstalt von Ruf gehabt bat) bef^ämenb A. Der Untergang ist vollständia Auch bie Klmtken, für derenErhaltnng sich offenbar keine Losung mehr gesunden hat, find dem Unter­gang geweiht und damit drobt den Tierbe­fitzern, besonders der Landwirtschaft, auch eine pirefte materielle Schädigung aus der Vernich­tung der Hochschule.

__Donnerstag, 26. September 1912.

bie ihm in Oesterreich gelang: Dort kaufte er in einer alten Kirche einen Sebastian von Greco und einen Heiligen Petrus von Ribera. Vom Grafen Ravenel erwarb er einen pracht­vollen Largilli« re, ein Bildnis der Toch­ter Ludwigs des Vierzehnten.