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C Mer Neueste Mrichtm
Hessische Abendzeitung
Caffeler Abendzeitung
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2. Jahrgang
Donnerstag, 26. September 1912
Fernsprecher 951 und 952.
Nummer 248
Fernsprecher 951 und 952.
F. H.
länger ist!
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einzelne Personen, die sich auf treibende Gegenstände gerettet hatten, ans Land zu bringen. Die Stadt Wandfchou ist gänzlich vom Wasser weggespült worden und sämtliche Einwohner sind umgekommen.
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2732 1347
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gnferttontotdfe: DU fe<68ge|pattcnt LUte für «whNmtsch« ««Mitte 15 W. Mr au«, roärttg« Qnferat« 25 W, ReNamezetle für Nnhatmtsch« tiefdjdfti 40 PI, für auswärtig« T«schäft« 89 Ps. Beilagen für die eefamtauftog« werde» mit 5 Mark pro Damen» berechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Residen, und der Umgebung sind dte Lasseler Neuesten Nachrichten ein oorzügliche« JnserUonSorgan. OeföWmUe: Kölnische Strafte 5. Berliner Vertretung: SW., ffrtedrichstraft« 1«. Delevh»»! Amt Moritzplay 676.
Truppen ftattgefunden habe. Die türkischer Soldaten eröffneten beim Erscheinen beS Dampfers ^Rumelien" auf diesen ein leb- Haftes Feuer, das große Panik unter den Passagieren hervorrief. Der griechische Konsul der Insel Samos, der an Bord gestiegen war, um seine Kollegen aus Alexandrien zu begrü- ßen, entging nur 'wie durch ein Wunder dem Tode. Als er im Begriffe war, zu landen, wurde das Schiff mit einem wahren Kugelregen überschüttet. Dieser Angriff auf den griechischen Dampfer und die Konsuln hat in Athev lebhafte Aufregung hervorgerusen.
Die Großstädte und ihre Millionäre.
Die in den „Mitteilungen aus der Verwaltung der direkten Steuern" enthaltenen Nachweisungen des Sollauskonnnens an Ergän- zungsstcuern für das Jahr 1911 geben hinsichtlich der Verteilung der Steuerpflichtigen mit einem Vermögen von überSOOOOO Mar? auf die Großstädte folgendes Bild: Obenan steht Berlin, das 2689 Einwohner mit über 500000 Mark Vermögen zählt. Es folgen Charlottenburq mit 1583 und Frankfurt a. M. mit 1430 Halb- und Ganzmillionären. In allen übrigen Großstädten wohnen weniger als 1000 solcher Steuerpflichtigen. Köln bat deren 814. Wiesbaden 673, Düsseldorf «01. Breslau 5.31. Hannover 422, Aachen 276. Schöneberg 273, Magdeburg 272. Elberfeld 243, Halle 230, Cassel 218. Barmen 2W aufzuweisen. Die übrigen preußischen Großstädte bleiben u n t e r der Millionär-Ziffer von Zweihundert.
Lu iantiet Neuester 9la<Smten erscheinen wvchenMch sechsmal and »war abends. Der abennenent«rr«t# beträgt monatlich 60 Psg, bei tretet Zustellung in« Hau«. Bestellungen werden teberjeU oon der Geschäftsstelle »der den Voten entgegengenommen. Druckerei, Verlag and RedaNioa: SchlLchthosstraft« 28/80 Sprechstunden der Redaktion nur oon 1 Mit Uhr nachmittag» Sprech stunden der Auskunft ■ Stellet Jeden Mittwoch und Freitag von s bi» 6 Uhr abend» Berliner Vertretung! SW. Friedrlchftr. 16, Telephon: Amt Morttwlad 676.
(Privat - Telegramm.)
Athen, 25. September.
Der Kapitän des einer griechischen Firma gehörenden Dampfers „Ruinelien" in Athen ist gestern, aus Samos kommend, in Athen eingetroffen. Er verständigte sofort die Regierung, daß gestern nachmittag, als er stch anfchicktc, Bathi anzulaufen, ein heftiges Gefecht' zwischen den italienischen Vorposten und de« türkischen
Stabt
Berlin ®6artotten6urg Frankfurt a. M WieSdaden Düsseldorf BreSlau Hannover Aachen Schöneberg Magdeburg Elberfeld
Halle «affet
1 8 r - 112 95 68
Blutige Kämpfe auf Samos.
Ei« Gefecht zwischen Türke« u«b Italienern.
Set Wahn ist dm...!
14600 Ehescheidungen in einem Jahrs
Ein Blick in den Spiegel t *r Statistik ist zuweilen nützlicher als ein ganzer Vortrags- Chklus über die Sozial-Probleme unsrer Zeit. Jüngst erst haben wir aus den Tabellen der Bevölkerungs-Stattstik erfahren, daß die Ge- burtettziffer in Deutschland fett zwei Jahren im Rückgang begriffen ist, und um Deutschlands Zukunft besorgte Seelen sahen sich veranlaßt, diese Tatsache dem Volk als dringliche Gewissen-Mahnung ins Ohr zu rufen. Indessen: Es gibt noch e r n st e r e Sorgen, die ebenfalls im Bild der Statistik erkennbar werden, und die wichttgste (und für unsre Zett charakteristischste) ist jedenfalls die enorme Zunahme der E h e - fcheidung-Prozesse. Die Stattstik verzeichnet aus den beiden letzten Jahren ein geradezu beängstigendes Anschwellcn der Ehe- scheidungs-Klagen, und eine Zusammenstellung der Ehescheidungen allein in Preußen aus den letzten zehn Jahren ergibt die Tatsache, daß in dieser Zeitspanne sich die gerichtlichen Ehescheidungen mehr alsverdoppelt haben. während anderseits die Anttäge und Prozesse zur Wiederherstellung der ehelichen Gemeinschaft Jahr um Jahr in der Gesamtzifter zurückgehen. Als vor zwölf Jahren das Bürgerliche Gesetzbuch in Kraft trat, zählte man in Preußen 6495 Ehescheidungsprozesse; im Jahre 1911 aber waren es 14600 Ehescheidungs-Klagen: Und das, trotzdem das Bürgerliche Gesetzbuch die Ehescheidung erschwett und ihre gesetzlichen Voraussetzungen wesentlich verschärft hat.
Man könnte vielleicht im ersten Augenblick geneigt sein, auch für diese eigenartige Erscheinung im modernen Gesellschafts-Leben soziale und wirtschaftliche Ursachen oder Schäden verantwortlich zu machen, die in allen Bevölkerungsklaffen den Bestand der Ehe gefährden und das sttll-zufriedne Glück des Familienlebens beeinträchtigen. Die Stattstik beeist jedoch nach, daß der unsrer Zeit so rasch gelänftg gewordne Erklärungsversuch sozialer Schäden mit wirtschaftlichen Ursachen auf die Zunahme der Ehescheidungen nicht anwendbar ist, denn in den weitaus meisten der vor Gericht verhandelten Ehcscheidungsprozesse waren Ehebruch und bcwiesne Untreue die Motive des Scheidungs-Antrags. In den verhandelten Prozessen wurden Mann und Frau prozentual fast gleichmäßig als schuldiger Teil erkannt und besonders zahlreich waren die Fälle, in denen beide Ehegatten sich als schuldig erwiesen und vor Gericht auch offen und ohne Scheu ihre Sünde bekannten. Als Mottv der Untreue wurden von den als schuldig erkannten Frauen Erlangung von Mitteln zur Befriedigung der Putzsucht, Eitelkeit, Lange- • weile und Vernachlässigung seitens des Mannes angegeben; von den Männern bekannten die Meisten, daß Abneigung gegen die Gattin oder Verschwendungssucht der Frau sie der Ehe entftemdet habe. Man sieht hier also ein Bild verhängnisvollster Menschen-Jrrung und Menschen-Schuld, und das trauliche Wort vom -Glück am eignen Herd" verblaßt fast vor diesem Gemälde des Unglücks im Hoffnung- und Sebnsuchtlkereich der Ehe.
Unsre Zeit mit ihrer Erwerb-Hast, ihrer ausgeprägt materialistischen Daseinsauffassung und ihrem bis zur Erbitterung verschärften sozialen Wettbewerb ist sicherlich nicht geeignet, die Ethik des modernen Gesellschafts-Lebens zu idealisieren; im Gegenteil: Ihre Lebens-Tendenzen gravitieren nach unten; ihr Idealismus kennt längst nicht mehr das süße Glück verträumter Herzens-Romanttk und ihre Sehnsucht hat. alle Bande frommer Scheu, die Vätersitte klug gewoben. sttinnend überwunden Es konnte nicht ausbleiben, daß von dieser Wandlung in Wett- und Lebensauffassung auch die Ehe in Mitleidenschaft gezogen wurde, denn auf ihr ruht ja zum großen Teil das ganze Gebäude der sozialen Gesellschafts-Ordnung. Nennen witts nun „Entheiligung der Ehe", „Verflachung des Eheglücks" oder „Gefährdung des Ehefriedens durch die Stürme des Daseinkampfs': Wir sehen jedenfalls die Früchte der Entwicklung in der rapiden Steigenmg der Ehescheidungsprozesse, in der sträflichen Häufung erwiesner Leichtsinn-Schuld und in dem Vorherrschen des Oberflächlichkeit-Mo- mettts tn der sittlichen Wertung der Ehe überhaupt. Die eheliche Untreue ist sicher keine Erfindung des zwanzigsten Jahrhunderts; ebensowenig wie die Putzsucht und Langeweile der Frauen ober die „Abneigung' der Männer; sie waren auch früher vorhanden, stärker vielleicht ober schwächer ausgeprägt: Heut in- beffen wird bas Uebel nicht mehr im stillen Kämmerlein beweint, sondern vorm Schei-
Der offiziöse Nachruf.
Die offiziöse Norddeutsche Allgemeine Zel- tun-g widmet dem Heimgegangenen Botschafter Freiherrn von Marschall einen Nachruf, in dem es unter anderm heißt: Durch den Heimgang des hochbetagten Staatsmannes sieht sich bU deutsche Diplomatie eines ihrer besten Ver. freier in einem Zeitpunkt beraubt, da aus feine weitere Wirksamkeit Vertrauen und Hoffnung gesetzt werden konnten. Ein hal. beS Menschenalter hindurch sind die wichtigsten
Wer wird MsrschM Erbe?
Ein Brief Marschalls an Kiderlen.
Wie uns aus Badenweiler telegraphisch gemeldet wird, gingen im Laufe des gestrigen Tages bei der Familie des so plötzlich verstorbenen Botschafters Freiherrn Marschall von B i b e r st e i n Beflcidsteftgram- me ein von Kaiser Wilhelm, dem Reichskanzler, dem Staatssekretär von Kiderlen-Waechter, dem Kaiser von Oesterreich, dem König von England, dem Kaiser von Rußland und von der Großherzogin Luise von Baden, die sich zurzeit in Stockholm aufhält. Die gesamte ausländische Presse widmet dem Hinscheiden des aroßen Staatsmannes eingehende Artikel und würdigt seine unvergängliche Verdienste um das Deuffche Reich. Im Vordergrund des politischen Interesses steht nun die Frage, wer der Nachfolger werden wird. Wir erhalten darüber folgende zuverlässige Informa- tionen:
Graf Brrnstorff als Anwärter?
(Telegramm unseres Korrespondenten.) Berlin, 25. September.
ES ist nicht ganz richtig, wenn gestern in bett ersten Meldungen vom Tode des Barons Marschall gesagt worden ist, das? sein Ende so u n - erw ortet gekommen sei. Baron von Marschall hat selbst boför gesorgt, baß in Berlin bei ben leitenden Stellen bekannt wurde, wie problematisch sein Zustand war. Als er sich vor acht Tagen ins Bett legen mutzte, schrieb er nach Berlin an Herrn von Kider- len Waechter (mit dem er während des ganzen Sommers und auch in seinen Ur lanbswochen in fast täglichem Schriftwechsel stand), daß es ihn jetzt „gründlich gepackt" habe; diesmal habe er selbst „wirklich ernste Bedenken". Und er gab dann auch feiner Umgebung, als er merkte, daß sich fein Zustand verschlimmere, den Auftrag täglich nach B e rl i n über feine Situation zu berieten. So war man im Auswärtigen Amt immerhin nicht ganz unvorbereitet, wenn man auch gehofft hatte, d«tz die komstarke Natur des Freiherrn von Marschall dem herbstlichen Anfang widerstehen würde. Man hat aber so in der Wilhelmstraße Gelegenheit gehabt, sich über die Frage der
Nachfolgerschaft Marschalls einige Gedanken zu machen. Es mutzten dabei nattirgemätz zunächst diejenigen deutschen Botschafter Revue passieren, die etwa einen Herrn von Marschalls Positton ungefähr „gleichwngigen" Posten einnehmen. Dabei ergibt ft», daß diese Herren fast alle für London ausscheideu Bleibt also nur unser Botschafter in Washington übrig. Gras Bernstor ff. Graf Bernstorfs hat „hohe Ambitionen", er erfreut sich bet besonderen Gunst des Kaisers und hat auch schon seit lan- iierer Zeit die Zusage, daß er, bet seht gern wieder nach Europa möchte, der Erfüllung dieser Wünsche gewiß fein darf, sobald eine Möglichkeit vorhanden ist. D a s i st i e tz t b e t Fall unb es ist vielleicht gar nicht ohne Be. lang, daß Graf Bernstorff gegenwärtig feinen Urlaub in Deutschlanb verbringt. Er kam vor etwa iehn Tagen nach Berlin, wollte nach feinem ursprünglichen Plan am Sonntag toicber bie Rückreise nach Amerika antreten und ist bann nur aus eine besondere Einladung des Herrn von Kiderlen-Waechter noch in Berit n g e b l i e b e n. Er hat in den letzten Ta- gen auch täglich mit Herrn von Kiderlen konferiert und alle Umstände sprechen dafür, daß Gras Bernstorff also gegenwärtig die stärksten Ehaneen hat, Btarschall von Bibersteins Erbe zu werden.
Die Millionen mehren sich!
Die Halb- und Ganz-Millionäre in Preußen.
Wie 'aus den „Mitteilungen der Verwaltung der bircften Steuern' hervorgeht, haben fast alle Großstädte in Preußen von 1908 bis 1911 eine Zunahme solcher Steuerpflichtigen zu verzeichnen, die ein Vermögen von über 500000 Mark besitzen. Rnr in Berlin ist deren Zahl von 2732 auf 2689 und in Duisburg von 119 auf 114 zurückgegangen, Gelsenkirchen hat weder eine Zunahme noch Abnahme zu verzeichnen. Des stärfften Zuwachses können sich Charlottenburg mit einem Mehr von 236, Frankfurt a. M. mit einem Mehr von 132 und Düsseldorf mit einem Mehr von 104 solcher potenter Mitbürger erfreuen Das Wettere ergibt sich aus der nachstehenden Tabelle. Im einzelnen hatten die preußischen Großstädte in den Jahren 1908 und 1911 Steuerpflichtige mit über 500 000 Mark Vermögen:
1911
2689 1SS2 1430
673 601
531 422 276 273
243 230
218
«labt
Barmen Crefeld ®ff«n Stettin Königsberg Dortmund Klei Duisburg Jtltona Pofen Danzig Bochum Gelsenkirchen
dungs-Tribunal lärmend als Sünde gebrand- markt. Der Zweck .heiligt' demgemäß also auch dann die Mittel, wenn es gilt, Heiliges und Geheiligtes zu zertrümmern.
Rein menschlich bettachtet, ist es vielleicht als glückliche Fügung zu schätzen, daß die vierzehnhundertsechzig reuige Paare, bie im letzten Jahr vom Gesetz bie Lösung bet als btücfettb erkannten Bande forberfen, von bet Fortsetzung einer Gemeinschaft befreit wurden, bereit sittliche Voraussetzungen längst geschwunden waren unb bereit Fort bauer brunt jedem ber Beteiligten zur Qual geworden wäre. Ein großer Philanirop hat einmal behauptet, das Gesetz, das die Ehescheidung erschwere, wirke demoralisierend, weil es bie Ehe der Gefahr ber Heuchelei unb bcnt Zwang entsittlichender Duldung aüsliefte unb ihr dadurch allen Idealismus raube. Es läßt sich nicht verkennen, daß dieser Gedanke eine ernste Wahrheit in sich birgt; ebensowenig kann allerdings bestritten werden, daß ber Staat ein berechtigtes Interesse baran hat, bie Ehe in ihrem sittlichen Bestand durch starke Rechtsgarantien zu schützen. Tas Bürgerliche Gesetzbuch trug dieser Forderung Rechnung, indem es bie Ehescheidung rechtlich erschwerte. Die erhoffte Wirkung ist aber nicht nur ausgeblieben, sondern die Ehescheidungen haben grade im ersten Dezennium des neuen bürgerlichen Rechts eine Zunahme erfahren, bie zu ernsten Bedenken Attt j gibt. Uid wenn wir auch in dieser Erscheinung ein „Zeichen ber Zett" zu erblicken haben, dann msiffen wir bet Statistik eigentlich dankbar sein, bie in dürren Zahlenreihen uns daran erinn tt daß auch int zwanzigsten Jahrhundert der Wu n noch kurz, die Reue aber ...
Dreitausend Menschenopfer?
Die Opfer des Taifuns in China.
(Telegramm unseres Korrespondenten.) Köln, 25. September.
Aus Schanghai gehen ber Kölnischen Zeitung Meldungen über bie furchtbaren Verheerungen des Taifuns zu, der (wie wir berichteten) in ber Vorwoche China heimgesucht hat. Nachdem der Telegraph unterbrochen, «st man auf briefliche Meldungen aus der Provinz Tsckiekiang angewiesen. Danach beträgt die Zahl der Toten dreißig- bis vier- zigtausend. Fortgesetzt tteibt das Meer im Süden Tfchekiangs Hunderte von Leichen ans Land; mitunter gelingst es auch.
simotzar Friedenr Wacht.
Die Kriegsgefahr auf dem VaNa«.
Graf Bsrchtold, der österreichisch-unga. rische Minister des Aeußeru, hat nun gestern im (zurzeit in Wien tagenden) Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten der Ungarischen Dele- gotion sein Expose über die tnternatio. na le Lage und die Gefahr eines Balkan- k r i e g e s bekannt gegeben und bei dieser Gc° leg entfett auch den von ihm angeregten Ge- dankmanstansch der Mächte zur Beilegung der Krise in der Türkei eingehend erörtert. Die Ausführungen des Ministers fanden lebhaften Beifall. In ber heutigen Sitzung der Telega, tion wird die Debatte über das Exposs beginnen.
Der Ernst der Situation.
(Telegraphischer Bericht.)
Wien, 25. September.
In seinem gestern vorgetragenen Exposs über die internationale Lage «führte Minister Gras Berchtold anS: Es hieße sich einer bedenklichen Täuschung hingeben, wenn man die Gefahren der gegenwärtigen Bal-^ kanlage als beseitigt ansehen wollte. Die wenig befriedigenden Zustände in den Provin. zen der europäischen Türkei sind nicht ohne bedenkliche Rückwirkungen auf die benachbarten Länder geblieben und haben bie leitenden Persönlichkeiten daselbst vor eine s ch w i e r i g e Aufgabe gestellt. Wir wollen hoffen, daß die staatsmännische Einsicht und das Bewußtsein schwerer Verantwortung der leitenden PersÜblichkeiten dieselben abhalten wird, Jm- puvsen unverantwortlicher Elemente zu folgen. Aus der andern Seite möchten wir die Eiwai- tung aussprechen, daß die Türkei den Ernst ber Situation nicht verkennen unb den Weg finden wird, den Gefahren von Ko-mpli- kationen zuvorzukommen. Dio uns hierüber zugegangeueu Informationen berechtigen zu der Annahme, daß sich die gegenwärtige Regierung befleißigt, die nötigen Garantien für gerechte Lebens-bedingungen der Nationalitäten zu schaffe«. Die legitimen Ansprüche der ver. fchiedenen, das vielsprachige Rumelien bewohnenden Völker mit den Extgentten des Otto- manischen Staatswesens zu versöhnen, darin erblicken wir die Ausgabe der türkischen Staat s- riänner. Die redlichen Bemühungen, eine
Lösung dieses Problems herbeizuführen, werden stets unsere moralische ilnterstützung finden. In der Verfolgung dieser Politik fühlen wir uns gestärkt durch die Ueber. zeugung, daß dieselbe derAuffasfungun. serer Verbündeten entspricht. Seit ich zuletzt die Ehre hatte, von dieser Stelle aus zu sprechen, habe ich, wie Sie wissen, Gelegenheit gohabt, mit den maßgebenden Staatsmännern des Deutschen Reiches in Berlin zu konferieren, und konnte hierbei die neuerliche Bestätigung für die Uebereinstimmung der letzten Ziele der beiden Kabinette finden. Ebenso hat der anläßlich des Besuches Herrn von Beth- mann Holl Wegs in Buchlau mit dem deutschen Reichskanzler gepflogene Meimmgs. austausch die volle Uebereinstimmung der Anschauungen, namentlich in Bezug auf die im nahen Orient zur Richtlinie beider Verbündeten dienenden konservativen Prinzipien ergeben.. Wie Sie aus den vorstehenden Darlegungen erkennen werden, ist bie auswärtige Lage trotz der Uebereinstimmung ber Ka- Mpette der Großmächte in ihrem Bestreben, den Frieden zu erhalten, keineswegs beruhigen, der Natur. Ein kontinuierliches Wettcrieuchten am Baflau gibt von einer erhöhten eiet, irischen Spannung der politischen A'mo- sphäre Zeugnis, ohne das Dunkel ungelöster Probleme aufhellen zu können. Die Diplomatie hält Wacht, um drohende Konflikte zu verhüten und bie Gefahren eines Balkan. Brandes im Keime zu ersticken.
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