Casseler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
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Nummer 245.
Fernsprecher 951 und 952.
Sonntag, 22. September 1912.
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2. Jahrgang.
Zugeknöpft bis oben...!
Der Kanzler an die „Nachgeordneten".
Vor einigen Tagen durste man sich an einem interessanten Rätselspiel über die (zweifellos sehr wichtige) Frage ergötzen, ob der Herr Reichskanzler in der Berliner Wil- helmstraße beim Amte des Regierens weile, oder ob er noch im schmalen Herbstschatten der Pappeln von Hohenfinow den Spuren Kants und Spinozas folge. Die Klärung der bestehenden Zweifel war umso dringlicher, als Herr Matthias Erzberger, der Götzenstürmer vom Lande Biberach, bekanntlich eine „kleine Anfrage" an den Lenker deutschen Reichgeschicks gerichtet hat, die es wünschenswert erscheinen lassen konnte, dem Chef des homogenen Kabinetts im Allerheiligsten der Wilhelmstraße präsentiert zu werden. Heut wissen wir, daß bängliche Sorge uns den Hellen Septembertag nicht zu trüben brauchte: Herr von Bethmann Hollweg hat der nationalen Zeitgenossenschaft ein Lebenszeichen gegönnt und uns damit ein klassisches Dokument modernster Staatspolitik beschert. Der Kanzler erachtet es als erforderlich, in einem abermaligen „Rund-Erlaß" den „Nachgeordneten Stellen" aufs neue das Pflichtgebot einzuschärfen, „int Verkehr mit nichtamtlichen Personen büe größte Zurückhaltung zu beobachten". Der Erlaß an sich rst's nicht, der das Interesse der Oeffentlichkeit weckt, denn es ist dem Reichskanzler und Ministerpräsidenten natürlich un- i benommen, soviel Erlasse und Randverfügun- | gen ins Land hinauszuschicken, wie ihm beliebt. Auch Vie Form der Kundmachung kann kaum befremden, wenn man berücksichtigt, daß in Runderlaffen manchmal Dinge behandelt werden, die mit dem Rein-Persönlichen weit mehr zu tun haben, als mit dem eigentlichen amtlich-technischen Gebiet der Verwaltung. „Rund-Erlasse" sind vielleicht ein Zeichen allzu emsigen Regierens, aber sie pflegen nicht unschädlich zu sein, und das darf immerhin als mildernder Umstand gelten.
Mit dem (nun in neuer Auflage erschienenen) Erlaß über die pflichtgemäße Zugeknöpftheit der „Nachgeordneten Stellen" hat es indessen eine besondre Bewandtnis: Als Kolonialstaatssekretär von Lindequist seinerzeit zwischen Morgen und Abend auS dem Amte schied, erhob sich im offiziösen Blätterwäldchen ein Orkan der Entrüstung über die angebliche „Preisgabe von wichtigen Staatsgeheimnissen", die den deutsch-ftanzösischenMarotto- handel betreffen sollten, und von denen man im Druck halbamtlicher Lettern laS, daß sie „durch unentschuldbare Pflichtverletzung von Beamten des Reichs-Kolonialamts" dem Ohr findiger Wilhelmstraßen-Reporter erreichbar geworden seien. Die Folge war bekannt- lich eine laut angekündigte „Disziplinar-Untec- suchung wider Unbekannt", die den Zweck verfolgte, den eigentlich Schuldigen aus der langen Reihe der vom Verdacht Gestreiften zu ermitteln. Es waltete aber kein glücklicher Stern über diesem (von ernsten Leuten scharf verurteilten) Unternehmen, denn der fteißend« Berg der Entrüstung gebar nicht mal ein Mäuslein, sondern nur einen toten Attenberg, den der Herr Kanzler dann einige Wochen später feierlich in der Lade bestatten ließ, nicht ohne gleichzeittg den prächtigen Anlaß zur Schaffung eines neuen Erlasses an die im Reich des Attenstaubs Atmenden genutzt zu haben. Damals (in den jungen Hornung- Tagen) entstand das Schweigegebot an die „Nachgeordneten" im Verkehr mtt unbeamteten und unbewürdeten Sterblichen, und nun, nach sieben Monden, ist dieser Ukas Allen, die es angeht, durch einen neuen Att der Kanzlersorge in Erinnerung und Gewissen frisch ein- geprägt worden.
Warum das Alles? Herr von Bethmann Hollweg liebt die Oefferttlichkett nicht; sie erscheint ihm überflüssig und mitunter wohl auch störend, und sein Erlaß bezweckt jedenfalls, zwischen der Oeffentlichkeit und dem Bereich der Atten-Majestät einen Wall aus Kanzlei- Papier aufzufchichten. Schön; ein jedes Vöglein singt, wie ihm das Schnäblein wuchs, und ein Minister dekretiert, was ihm beliebt. Wenn aber der Kanzler die Presse schon als Sünder beargwöhnt (gegen die Presse ist nämlich offenbar die Spitze der Verfügung gerichtet), dann hätte er wenigstens da den Hebel ansetzen sollen, wo es nottut: Am Pressedienst des Auswärtigen Amts! Dieser sogenannte „Pressedienst" ist vielleicht alles mögliche; nur ist er für die Presse keine geeignete Informationsquelle, und da das amtliche Brönnlein versagt, suchen die nach Neuigketten Durstenden eben nach andern Quellen. Und der Unfug blüht und gedeiht! Im Auswärtigen Amt in der Berliner Wil- helmstrabe g^ibt's eine soarnannte Presse-
Abteilung, die dem mannigfach bewährten Geheimrat H a m m a n n untersteht, und zu deren Aufgaben es auch gehött, die Presse und ihre Vertreter mit zweckdienlichen und dem politischen Geschäft nützlichen Informationen zu versorgen. Es geht indessen mit diesen „Informationen", wie mit den rühmlichst bekannten offiziellen „Polizeiberichten": Sie enthalten das Unwichtigste und Nebensächlichste in geradezu aufdringlicher Fülle, während sie über das wirklich Wichtige beharrlich schweigen. Jsts verwunderlich, daß unter diesen Umständen jeder Halbwegs orientierte Zeitungsmann der offiziellen Presse-Abteilung des Auswärtigen Amts in weitem Bogen aus dem Wege geht, weil er sicher weiß, daß sie ihm absolut nichts Wichtiges zu sagen hat?
Der Wettbewerb im Nachrichtendienst macht es notwendig, die in der Schwerfälligkeit und Dürstigkett des amtlichen Informationsdienstes sich offenbarende Schwierigkeit zu überwinden, und so sucht man „Beziehun- g e n", von denen erhofft werden darf, daß sie für den polittfchen Nachrichtendienst nutzbar zu machen sind. Ob das nützlich oder schädlich gewesen ist (und noch ist), soll hier nicht untersucht werden; sicher ist indessen, daß heute ein reichshauptstädtischer Journalist ohne diese „Beziehungen" einfach undenkbar scheint: Man bemißt seinen Wert lediglich nach der Zahl und der Qualität seiner Verbindungen! Es mag sein, daß diesem Zustand (vom staatspolitischen Standpuntt aus betrachtet) ernste Bedenken anhaften und es soll auch nicht bestritten werden, daß dem Kanzler die Aufgabe zufällt, etwa vorhandnen Mißständen entgegenzutreten. Aber da wir bisher weder die enge Verbindung zwischen Presse und Staatspolitik (wie in Frankreich), noch das stramm disziplinierte Zusammenarbeiten zwischen Regierung und Presse (wie in England) erstreben konnten, so ist für die deutsche Presse der wenig angenehme und auch nicht sonderlich würdige Umweg der Inanspruchnahme gefälliger „Gewährsmänner" leider ein notwendiges Hebel geblieben, und wenn Herr von Bethmann Hollweg nun die Pflicht erkennt, der Flut peinlicher Möglichkeiten einen Damm entgegenzustemmen, dann wäre es flug und nützlich gewesen, das Aerger- nis gleich bei der Wurzel zu fassen, und sich nicht damit zu begnügen, ein paar Blüten des Unkrauts zu zerpflücken. Er sollte Herrn H a m- mann erziehen und der Presse den Frieden rechtschaffner Arbeit gönnen. Oder mangelt s etwa unter der Sonne Bethmannschen Geistes noch an „Zugeknöpftheit" im deutschen Land . . .? p g
Der Kreuzzug gegen die Teueruug.
Fleisch aus Dänemark: Die Rettung!
Dom Reich und dem Lande Preußen geht nun sogar das kleine Herzogtum Gotha tat Kampf gegen die Teuerung mit rühmlichem Beispiel voran: In der gestrigen Stadtverordnetenversammlung in Gotha teilte Oberbürger, meister Liebettau mit, daß die Staats re- gierung sich bereit etilärt habe, den Ein. fuhrzoll und die Fracht aus die Staatskasse zu übernehmen, falls die Stadtverwaltung ausländische Fleffch ober Gefrierfleisch zur Abgabe an minderbemittelte Kreise beziehen wolle. Inzwischen macht der Vtzvg ausländischen Fleisches (vorwiegend dä- nischen) Fleisches erfreuliche Fortschritte:
Ein Versuch in KSln.
(Telegramm unsers Korrespondenten.) Köln, 21. September.
Bei der gestrigen ersten Abgabe dänischen R i n d f l e i s ch e s an die Kölner Metzger war der Schlachtviehhof mit ausländischem und deutschem Fleisch überfüllt. Privatunternehmer hatten gleichfalls Fleisch aus Dänemark bezogen und zumteil noch billig ere Verkaufspreise erzielt als der Kölner Magistrat. Die Stadt Köln zahlt im Einkauf 73 Pfennig pro Pfund und gibt das Fletsch für 70 Pfennig an die Metzger, die den Wiederverkauf übernehmen, ab. In bett Kreisen der Fleischer wird das dänische Fleisch nur als gute Mittel. Ware angesehen, nicht aber als erstklassige Qualität. In der Auslandhalle des Viehhoses herrschte gestern sehr starker Verkehr, während die Fleischer in der gleichfalls sehr gut be- 'chickten Halle für hiesiges Fleisch unter dem Druck der neuen Verhältnisse zu billigeren Preisen abgeben mußten. Die Preise sollen zum Teil billiger gewesen sein, als die, die die Fleischermeister selbst gezahlt hatten, sodaß viele Fleischermeister Verluste erlitten haben.
Die Konsumvereine rüsten!
Ein weiteres Privat-Telegramm berichtet uns aus Elberfeld: Der Konumverein der Eisenbahnbeamten und -Arbeiter in Elberfeld, der mehrere Tausend Mit
glieder zählt, beschloß, einen Metzgermeister an zwei Tagen in der Woche mit dem Verkauf von Rind-, Kalb-, Schweine- und ?Hammelfleisch in seinem eigenen Laden fest zu etrauen. Der Metzger ist verpflichtet, den Verkauf für eigene Rechnung zu betreiben und gegen Barzahlung zu einem niedrigeren Preise als den ortsüblichen Ladenpreisen zu verkaufen.
Am Borabend des Battankriegs?
Ernste Nachrichten ans den Balkanbevgen.
Trotz der beschwichtigenden Dementis aus Sofia und Belgrad tarnt es kaum noch einem Zweifel unterliegen, daß die Situation am Balkan sich bedenklich zugespitzi hat und jeden Moment mit ernsten Ueberraschungen zu rechnen ist. Die Vorgänge in der Türkei haben in Bulgarien sowohl wie in Serbien die Krieg sbegei st erung hell auflodern lassen und es steht zu befiirchten, daß aus die Dauer die Autorität der Regierungen nicht ausreichen wird, dem Drängen der Kriegspartei erfolgreich Widerstand zu leisten. Die neuesten Nachrichten über die Entwicklung der Dinge lassen jedenfalls erkennen, daß die Gefahr eines Balkankriegs in allernächster Nähe lauert.
Serbische Kriegsrüstungen?
(Privat-Telegram m.)
Belgrad, 21. September.
Die politische Sage veranlaßt serbische Kreise, die durch das Verhalten der Regierung über, zeugt sind, daß äußerst wichtige Ereignisse als bevorstehend bezeichnet werden müssen, die erforderlichen Maßnahmen zu treffen. Bei den Geschäftsleuten äußert sich dies in Aufhebung von Abschlüssen und größer Zurückhaltung auf der Börse, Entziehung von sonst üblichen Krediten und beschleunigterer Einziehung von Ausständen. Dieses Verhalten, das auf daö Durchsickern mancher streng geheimen Maßregelnder Regierung zurückgefühtt werden mutz, findet naturgemäß allmählich weitere Ausdehnung auf Rechnung der allgemeinen Bolksstimmung. Man glaubt, die Zustände in der Türkei würden schließlich die Regierungen von Serbien und Bulgarien gegen den Willen ihrer Könige zwingen, der Volksstimmung zu gehorchen, den Stammesbrüdern zu HUfe zu eilen und nach der Türkei einzudringen. Gerade die große Zurückhaltung in der serbischen Presse über die Sage und die sonstige Ruhe der Bürgerschaft dürften Anzeichen fein, datz man klar den Ernst der Sage kennt.
Flammenzeichen der Revolution!
(Privat-Telegramm.)
Konstantinopel, 21. September.
Trotz der eifrigen Friedensversicherungen der bulgarischen Regierung ist die Pforte bemüht, ein möglichst starkes Truppenkontingent an der türkisch-blugarischen Grenze anzusammeln. Tiefer Tage sind von Saloniki wieder acht Regimenter und sechs Batterien nach dott entsandt. Das armenische Blatt „Snssarzag" bringt die Nachricht, in Akchi Tsche- lebi (Vilajet Adrianopel) sei in der dorttgen Moschee gestern eine Bombe explodiert. Fünfzig Personen sollen getötet, zwanzig verletzt sein. An offiziellen Stellen ist von dem Vorfall allerdings noch nichts bekannt. In Verisowttsch erschoß gestern ein Albanese einen Regierungsbeamten auf offener Straße. Der Täter «ttfloh, ohne verfolgt zu werden. Remed Pafcha unternimmt mit einem Bataillon und zwei Mafchinengewehren eine Strasexpe- dition nach Sumo, weil die Albanesen in der Gostiwarer Gegend große Verwüstungen aus- wführt haben. Auch auf Samos find neue, chwere Unruhen ausgebrochen. Große Menschenmengen durchziehen die Sttaßen und man befürchtet, daß hlutige Kämpfe unvermeidlich fein werden.
Elfhnndert Türken gefallen?
Ein Privat-Telegramm meldet uns aus Rom: Der italienische Befehlshaber in Tttpolrs berichtet, daß die italienischen Truppen am Donnerstag 1134 Leichen türki- wer Soldaten beerdigt haben die bei dem jüngsten Kampfe um Senta gefallen wa- ren. Der Verlust der Türken an Toten und Verwundeten soll nach den Mitteilungen der talienischen Kriegskorrefpondenten weit über unftaufenb Mann betragen. Türkischer- ertä werden diese Angaben bestritten.
Londoner Reise-Abentever.
Ssasanows Empfang an der Themse.
Aus London meldet uns ein Privat- Telegramm: Der russische Minister des Aeutzcrn, Ssasanow, der gestern abend %8 Ühr hier eintraf, hatte kaum seinen Wagen verlassen, als ein Unbekannter ein Plakat enffal- tete, auf dem zu lefen war: Rußland muß Per
sien räumen, wenn es die Freundfchaft Englands wünscht. Gleichzeittg stieß der Mann den Ruf aus: Nieder mit Rußland, wir find Freunde Persiens! Zwei Polizisten verhafteten den Unbekannten und führten ihn in ein Wacht, lokal. Hier gab diefer die Erklärung ab, es fei feine Pflicht und fein Recht gewefen, in dieser Weife feine Meinung zu äußern. Dio russischen Perfönlichkeiten nahmen kaum Nottz von dlefem Vorfall.
WiltzelmfiMen Rätsel.
Simon Copper: Nur ein Scherz.. ♦ ?
Wir. berichteten dieser Tage über den Ein- fall von Leuten des südwestafrikanischen Re- bells Simon Copper auf ^deutsches Schutz, gebiet und registrierten im Anschluß daran die offiziöse Darstellung des Vorfalls, die sichtlich bemüht war, das Ganze als harmlos und unbedenklich erscheinen zu lassen. Daß der Einfall der Copper-Leute bereits am zweiten September geschah und erst am a ch t z e h n t e n September darüber vom Berliner Kolontalamt eine Mitteilung aus gegeben w urde, war jedenfalls sehr charakteristisch, umsomehr, als die reichlich verspätete offiziöse Mitteilung erst er. folgte, nachdem in einer p rivaten Meldung der Sachverhalt nach Deutschland berichtet worden war. Diese Art offiziöser „Informa, tion" erfährt jetzt die gebührende Kennzeichnung:
Hinter den Kulissen.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 21. September.
Frt der offiziösen Darstellung über die Dor. gänge nt Deutsch-SÜdwestasrika bringt soeben die „ Kolonial-Ko rrespondenz " folgende Mitteilungen: Wir haben uns vor Veröffentlichung der bedeutsamen Meldung über die gegenwärtigen Unruhen an der Ostgrenze von Deutsch- Südwestaftika mit dem Reichskolonial» amt in Verbindung gesetzt und um nähere Anfflärung ersucht. Herr Geheimer Oberregie. rungSrat Ger st meyer versicherte noch vor. heriger Rücksprache mit dem Kommando der Schutztruppe, im Reichskolonialamt sei nicht daS Allergeringste über den Einfall der Copperlente bekannt. Auf unsere Entgegnung, die Meldung stamme aus einer Quelle, die zum Gouvernement in enger Bezishng stehe und da. her als zuverlässig anzusehen sei, ertlärte derselbe wörtlich: „Sie tun uns einen Gefallen, wenn Sie die Meldung nicht bringen. Wenn Sie dieselbe ttotzdem bringen, müßten wir mit einem glatten Dementi antworten." Mr sind einigermaßen erstaunt, daß das „glatte" Dementi sich im wesentlichen als eine abschwächende Bestätigung unserer Meldung dar- stellt. Jedenfalls ist die Entsendung von zwei Kompagnien zum Schutze der bedrohten Gegenden bisher nicht in Abrede gestellt. Im übrigen Wundern wir uns über die Harmlosigkeit, mit der der amtliche Bericht das Niederbrennen von Eingeborenenwerften und die räuberische Wegnahme von Vieh als „Jagdzwecke" ansteht, und wir bedauern lebhafte daß das Reichskolonialamt in Abwesenheit der leitenden Spitze versucht hat, eine derartig wichtige Meldung der beut, scheu Press« vorzuenthalten. Wir möchten wünschen, datz von amtlicher Stelle der gegenwärtige Aufenthalt Simon Coppers möglichst bald fest gestellt würde und daß die Verfolgung seiner Räuberbanden . durch unsere Schutztruppe nicht abermals erfolglos ... im Sande verläuft. „
ein machspiel im Reichstag?
Wie uns weiter aus Berlin berichtet wird, dürfte die „Simon Copper-Affäre" noch ent Nachspiel tat Reichstag erleben. Von liberaler Seite wird beabsichtigt, an den Reichskanzler die Anftage zu richten, was seitens der Reichsregierung geschehen sei, um die Auftecht- erhaltung der Ruhe und Ordnung in Deutsch« Südwest zu sichern. Bei dieser Gelegenheit dürfte dann auch das Verhalten des Kolonialamts gegenüber den jüngsten Unruhe-Mel- düngen Gegenstand eingehender Erörterungen fein.
Kirchen Fubiläum in Schlitz. Elfhundert Jahre Schlitzer Kircheugefchich. tt; die gestrige Jubiläums-Feier in Schlitz.
(Von unferm Korrespondenten.)
Schlitz, 21. September.
Das alt- S ch l i tz, in den ältesten Urkunden Slitese auch S^idese genannt, gehört« vordem zu dem Bnchmland (Buchonia), das als Waldname (Buchenwald) außer dem Fuldischen unter anderen auch ein Stück des Hessengaues begriff. Gestern prangte das Städtchen in reichem Flaggenschmuck, galt es doch, eine seltene Seiet toürbic- »u beaehen. dl« Elfbundart.