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Cafleler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

gnferttönepretfe: S>le fed)6geft>atteru geile für einheimische SelchLfte 15 Pfz., für LUS. roärttge Inserate 25 Pf., Rekiamezeile für einheimische SeschLste 40 Pf, für auswärtige Leschäste 60 Pf. Beilagen für die Befamtauflage werden mit 5 Mark vro Säulen» be­rechnet. Wegen ihrer dichten Berbreitung in der Reliden, und der Umgebung rtn» die La fielet Neuesten Nachrichten ein vorzüglicher JnsertionSorgan LeschüstSst'elle: Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW.. Friedrichstraße 16. Televhon: Amt Moritzplatz 676.

Nummer 244. Fernsprecher 951 und 952. Sonnabend, 21. September 1912. Fernsprecher 951 und 952. 2. Jahrgang.

Di« Neuen« 9lad)rtd)ten erscheinen wöchentlich sechsmal and zwar abend-. Der Mbennem«it«pret» beträgt monatlich SO Pfg. bet freier Zustellung in- HuuS Bestellungen wert»« seder-eU «an oti Detchaft-stelle oder den Boten entgegengenommen. Druckerei. Berlag unk Äeboftton; SchtachthoMraß« 28/30 Sprechstunden der RedaMon nur von 1 diS 3 Uhr aachmittag- Sprechstunden bei Auskunft Stelle: Jeden Mittwoch und Freitag von btt * 06t adend- Berliner Vertretung SW. Friedrich st r. Telephon. Amt Morivv'atz 676

MomentbildÄen vom Tage.

Hamburg-Münchener Intermezzo.

Die .Beziehungen" stnd im politischen Leben Dos, was man in der Sphäre des All­tags .Stimmung" zu nennen Pflegt. Wir hören von ihnen gewöhnlich in Thronreden oder offiziösen StWbungen, wenn es gilt, ein störend Wölkchen am Horizont zu scheuchen, oder die Erinnerung an irgend ein peinliches Intermezzo mit Sanftmut freundlich zu der. Lrämen. Es offenbart sich, dann, daß die Be­ziehungen zwischen den befreundeten (oder auch nicht befreundeten) Nationen diedenkbar besten" sind, daßüber alle schwebenden Fragen vollste Uebereinstimmung in Hoffnungen und Absichten besteht" und daß nicht der Hauch eines Schattens den Glanz der Mittagfonne fröhlicher Zuversicht trübt. Oder auch: Wir hören, daß die Beziehungenkorrekt und ange. nehm" sind, daß man gegenseitig die Lauter­keit des Empfindens schätzt und daß (wieder einmal)neue Garantien des Friedens" ent­deckt worden sind. Das alles ist unfern Ohr vertraut und geläufig, vermag längst nicht mehr zu überraschen und wird vomgeehrten Leser" nur noch im Borübergehen flüchtig wahrge- nommen. Unsre Zett ist so reich an schöu-ver. schnörkelten Superlativen, daß sich die Phrase von denBeziehungen" inmitten des Blüten- kranzer politischer und unpolitischer Floskeln fast ärmlich ausnimmt und weder Auge noch p6r erctzücken vermag. Die Langeweile der Offiziösen Schreibstube hat sie früh zum Welken Web rächt.

r Sie lebt indessen noch immer, und es ist das Verdienst der Bajuvaren und Wafferkanten- Mänmer, ihren Ruhm wieder zu Ehren gebracht zu haben. Wie es kam? Zufällig, einfach und schmerzlos! Als die Freie und Hansestadt Hornburg an Doktor Burchordts Bohre um den bewährten Bürgermeister der Hammonia- Republik trauerte und im Hause des Senats die Teilnahme des Vaterlands in Gestalt vielge. staltiger Beileid-Deposchen ihre Aufwartung machte, wurde es mißbilligend vermerkt, daß aus München die offizielle Kondolenz- Depesche länger auf sich warten ließ, als zie­mend erschien. Man weiß: Herr von Hertling, der vom Bonner Profefforenstuhl zum kurulischen Sessel emporgestiegen, trägt schwer an der Bürde des Regierungsamts; die Zähmung des bajuvorischen Leuen macht erheblichere Mühe, als die Weisheit der Wilhelmstraße sich trän- men läßt, und da der Herr Ministerpräsident neuerlich auch dazu übergegangen ist, dem zwan­zigsten Jahchundert Konzessionen zu machen und liberale Zeitungs-Korrespondenten zu einem traulichen Plauderstündchen zu empfan­gen, so mogs entschuldbar scheinen, wenn tat­sächlich im Drang der Geschäfte und in der Hast allzu-emstgen Regierens die drahtliche Beileid-Kundgebung an die an der Wasserkante Trauernden etwas verspätet worden ist. Schließlich gilt ja auch bei der Anteilnahme nicht der Grundsatz, daß am aufrichtigsten Der trauert, dem rasch und behend die Zähren über die Wangen rinnen.

Dennoch wurde das Faktum übel vermerkt, und die Leute, die im Gestrüpp unsrer 6 ff ent, lichen Meinung das Farrnkrout wachsen hören, erhoben bereits warnend den Finger: Die Bei- leid-Depesche vom Jsarstrand sei kühl und ge. schäftmäßig, ermangle der Herzlichkeit in Form und Ausdruck und berge offenbar (bewußt und absichtlich) die Antwort Bayerns auf den im Bundesrot geltend gemachten Widerstand Harn, burgs gegen die von München aus betriebne Aushebung des Jesuiten-G esetzes. Das Geranne im Blätterwald verstärkte sich nord­wärts des Mains zum mißbilligenden Murren; man sprach vonmangelnder Pietät", von der Politik der Verärgerung" und von andren Makeln Hertling'scher Ethik und war grade da­bei, dem an der Isar regierenden einstigen Philosophie-Professor ein Privatissimum über den Verkehr zwischen Bundesstaaten zu lesen, als der offiziöse Dementier-Apparat knarrend und ächzend sich in Bewegung setzte. Aus dem Bayerland erfuhr man, daß nie ein Arg Hett- lings Seele belastet, und soeben versichert auch der Senat Hommonias, daß alles Kulissenge­plauder überdie zwischen Homburg und München bestehende Spannung" eitel Fabel sei und zwischen dem Königreich im Süden und der Republik im Norden des Reichsnach wie vor die herzlichsten Beziehungen beständen". DieBeziehungen" müssen also auch h i e r die Sorgenschatten bannen!

Es kann uns imgrunde ziemlich kühl lassen, ob Herr Hertling in München die Männer an der Wasserkante liebt und ob umgekehrt der

Hohe Rot in Hamburg für den Ministerpräsi­denten im Lande Bayern besondre Sympathien hegt; charakteristisch und für unsre politische Kultur bezeichnend ist nur die Wirkung, die dieses zwischen München und Hamburg ausge­rührte Stürmchen im Wasserglas zu erzeugen vermochte: Oefsenklichkeit, Politik und Volk- empsinden erhitzen sich über eine mikroskopisch- winzige Kleinlichkeit wie über ein Problem von nationalem Wertgeholt; das Echo des Kampfs der Geister dröhnt vielhundertfach von der Etsch bis zum Belt und es bedarf (wie bei einer Aktion, die ou's Schicksal von Völkern und Na­tionen rührt) der umständlich-feierlichen Ver­sicherung, daßdie Beziehungen nach wie vor die herzlichsten sind", um den Sturm zu schwich- tigen und die erhitzten Gemüter der Wohltat der Gefrierpunkt-Nähe zuzuführen. Das alles ist sicher nicht erfteulich; es kennzeichnet unsre politische Schwäche und die Klein­lichkeit unsrer Ereignis-Wertung und er­innert uns mit überzeugender Anschaulichkeit daran, daß wir immer noch nicht gelernt haben, im politischen Leben die Distanz zwi­schen Einbildung uitd Wirklichkeit, zwischen Bagatelle und Problem, zwischen Alltag-Lärm und Jdeen-Kompf richtig abzuschätzen. Nun; da wir hören, daß dieBeziehungen" aus der Hochflut schäumender Erregung errettet sind, gönnen wir uns vielleicht Zeit zu flücht'gem Rückblick und werden dann erkennen, wie un­gemein scherzhaft sich zuweilen Das ous- nimmt, das wirpolitische Togesgeschichte" zu nennen pflegen ...! F. H.

Der Borchardt-Leinert Prozeß.

Verhandlungstermin: 23. Septemberk

Der Strafprozeß gegen die sozialdemokrati­schen Landtagsabgeordneten Borchardt und Le inert wegen der bekannten Vorgänge im Abgeordnetenhause am neunten Mai wird am kommenden Montag vor der ersten Strafkam­mer des Berliner Landgerichts I zur Verhand­lung kommen, nachdem kurz vor dem Schluß der Parlamentstagung der Prozeß bekanntlich wegen der Erkrankung des Abgeordneten Borchardt hatte verlegt werden müssen. Der Prozeß, zu dem nur wenige Zeugen geladen sind, dürfte in einer Vormittagsverhandlung beendet werden können.

Hausfriedensbruch und Widerstand?

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 20. September.

Bei dem am nächsten Montag vor dem Landgericht I zur Verhandlung kommenden Prozeß gegen die sozialdemokratischen Abge­ordneten Borchardt und Seiner! handelt es sich bekanntlich um die Szenen bei der ge­waltsamen, auf Anordnung des verstorbenen Präsidenten Freiherrn von Erffa vorgenomme­nen Entfernung des Abgeordneten Bor­chardt aus dem Sitzungssaal. Die Auflage ist auf Grund der Paragraphen 123 und 113 des Strafgesetzbuches erhoben. Abgeordneter Bor- chardt wird beschuldigt, In abgeschlossenen Räumen, welche zum öffentlichen Dienst be­stimmt sind, ohne Befugnis verweilt zu haben, in solche Räume widerrechtlich einge- drungen zu sein und dem Polizeileutnant Kolb und den diesem unterstellten Schutzleuten Wi­derstand geleistet zu haben. Dem Abgeord­neten Seiner! wird nur Widerstandsleistung vorgeworfen. Die Anklage stütz! sich im we­sentlichen auf das amtliche Stenogramm über die betteffende Sitzung. Die Angeklagten wer­den von Rechtsanwalt Dr. Heinemann und den Reichstagsabgeordneten Heine und H a a f e verteidigt werden. Die Auflage ist vom Oberstaatsanwalt Dr. Preuß verant­wortlich gezeichnet worden, der sie kurz vor seinem Scheiden von Berlin dem Vernehmen nach auch selbst in der Hauptverhandlung ver­treten wird.

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Streikkämpfe in Straßburg!

Wie uns ein Telegramm aus Straß­burg i. E. berichtet, fanden dort gestern abend anläßlich des Streiks in der elsässischen Tabak- manufattur große Zusammenrottun­gen von Streikenden statt. Da der Auf­forderung, auseinanderzugeben, nicht Folge geleistet wurde, mußte schließlich gegen die ver­sammelte Menge vorgegangen werden. Zahl­reiche Personen wurden verhaftet, dreizehn erlitten bei den Zusammenstößen mtt der Poli­zei zumieil schwere Verletzungen.

Das neueste Wett-Wunder.

Die Eröffnung des Panama Kanals.

Ein Privat-Telegramm meldet uns aus Washington: Die Eröffnung des Panama-Kanals wird im Dezember nächsten Jahres erfolgen. An alle Flotten der

Welt werden Einladungen ergehen, Schiffe zu entsenden, die sie bei der Eröffnungsfeier im Januar 1914 vertreten. Oberst Goethals, der Erbauer des Kanals, erklärte, daß die Erbau- ungskosten des Kanals weit weniger betragen, als man vorgesehen hatte. Die Ersparnis soll rund hundert Millionen Dollars be­tragen.

Um Antwort wird gebeten!

Einekleine Anfrage" an den Kanzler.

Die jüngsten Ereignisse auf dem Schachbrett der internationalen Politik haben zu einer Reichstagsanfrage an den Kanzler geführt, die den Regierende in Pa­ris und London gewiß nicht angenehm ist. Es kommt nicht darauf an, daß diese Anfrage (da der Reichstag nicht tagt) vorläufig nicht beant­wortet werden tarnt, vielmehr ist die einfache Tatsache, daß sie beim Bureau des Reichstags e i u g e r e i ch t wurde, schon von einer gewissen politischen Bedeutung. Der Urheber dieser kleinen Anfrage" ist Herr Matthias Erzber- ger, derWeltpolitiker" des Zentrums, und seine Anfrage hakt an eine Aeußerung des frü­heren französischen Admirals Germinet ein, der im Zusammenhang mit der Frage der Zusammenziehung der französischen Flotte im Mittelmeer vom AermelLmal als von einem englischen und französischem Ge­wässer" sprach.

Matthias Erzberger fragt.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 20. September.

Der Zentrumsabgeordnete Matthias Erz- berger hat beim Bureau des Reichstags ge­stern eine Heine Anfrage eingereicht, die folgen­dermaßen lautet: Ist dem Herrn Reichskanzler bekannt, daß der ehemalige Befehlshaber des französischen Mittelmeergeschwaders, Vize­admiral Germinet, es als eine persönliche Ueberzeugung ausgesprochen hat, daß England und Frankreich den Aermelkanal mtt Recht als englisches und franzö­sisches Gewässer ansehen und im Falle einer Kriegserklärung sofort den neutralen Mächten daS Verbot der Schiffahrt durch den Aermelkanal bekannt geben:Auf diese Weife wird man genau wissen, mit wem man es zu tun hat. Es ist dies eine elementare Bertei- digchngsmaßnahme und ein unzweifelhaftes Recht der Kriegführenden"? Hat der Herr Reichskanzler Anhaltspunkte, inwiewett diese das Völkerrecht schwer verletzende persönliche Ueberzeugung des französischen Ad. mirals von den Negierungen in London und Paris geteilt wird? Welche Vorbeu­gung s - und Abwehrmaßnahmen ge- dentt der Herr Reichskanzler in Gemeinschaft mit den in erster Linie interessierten neutra­len Mächten gegen solche Absichten alsbald zu ergreifen?

Machtvoll«! blutigster Art?

Zu seiner an den Reichskanzler gerichteten Meinen Anfrage" gibt Abgeordneter Erz. b e r g e r in derGermania" uachfolgendcu K o m m entar :Die Begründung meiner Anfrage liegt in den Worten des französischen Admirals, der sich über das Völkerrecht einfach hlnwegsetzt, der nicht nur dem eigenen Ver­bündeten (Rußland), sondern namentlich den "«nett neutralen Mächten (Belgien, Holland, Dänemark, Schweden und Norwegen) uner­meßlichen Schaden zufügen will. Man kann nicht mit dem Einwand kommen, daß es sich um eine unverantwortliche Auslassung ei­nes Offiziers handelt. Diese Offenheit mag man in Paris und London beflagen, wir Deut­schen können sie nur begrüßen und uns danach einrtchten: Mit den andern bedrohten Staa­ten oder allein. Zn letzterem sind wir durch eme starke Luftflotte imstande, diese kann den Kanal in kürzester Zeit säubern. Wenn solche Machtpolitik blutigster Art gegen uns proflamieri wird, kommt man mit Rosenöl und Kölnischem Wasser nicht weiter. Gewiß ist die Heine Anfrage leichter gestellt als eine kurze Antwort erteilt, darum sei auf diese verzichtet, sofern das Erforderliche als­bald in die Wege geleitet wird. . .!" Man darf nun gespannt darauf sein, welches Echo in Pa­ris und London ErzdcrgerS Vorstoß gegen dieMachtpolitik blutigster Art" wecken wird. Der Kanzler hat noch einige Monate Zeit, bevor er auf diekleine Anfrage" die Antwort zu geben ha!.

Frankreich trab Spanien tut Bunde?

(Privat-Telegramm.)

Madrid, 20. September.

Nach amtlicher Mitteilung ist Mitte Ottobcr gelegentlich der Vollendung des Pyrenäentun­nels eine Zusammenkunft zwifchen dem König von Spanien und dem Präsi­denten Fallieres geplant, der angesichts des bevorstehenden Abschlusses der französisch­panischen Maroflo - Verhandlungen große

Bedeutung beigemessen wirb, namentlich auch im Hinblick auf die immer bestimmter auf. tauchenden Gerüchte über einen bevorstehenden Bündnisabschlutz zwischen Frankreich und Spanien.

Rach dem 6totm: Kamps!

Die Magyaren duellieren sich.

Wie uns ein Privat-Telegramm aus Budapest meldet, ist der gestrige Abend völlig ruhig verlaufen und die'Gcfahr weite­rer Straßenkrawalle ist geschwunden. Für den Fall, daß die ungarische Opposition in der un­garischen Delegation in Wien erscheinen sollte, sind bereits die nötigen Maßregeln getroffen worden. Zu diesem Zwecke werden sich unga­rische Polizisten in Zivilkleidern nach Wien be­geben; sie werden bort dem Präsidenten der ungarischen Delegatton zur Verfügung gestellt werden. Für die Ruhe auf den Straßen sollen Wiener Polizisten Vorsorge treffen. Inzwischen machen sich die ersten Nackwehen der Parla­mentsskandale bemerkbar: Die üblichen Duelle!

Mit Pistole und Säbel.

(Privat-Telegramm.) <

Budapest, 20. September.

Von den zahlreichen Ehrenaffären, die au8 den vorgestrigen Schlägereien im Abgeordne­tenhause entstanden sind, wurden gestern bereits zwei auf ritterlichem Wege ausgetragen. Um drei Uhr nachmittags standen sich der Abge­ordnete der VolkSpattei, Szmrecsanyi, und der Abgeordnete der Regierungspartei, Geza K u b i n y, als Gegner bei einem Säbelduell gegenüber. Der Kampf endete mit der Ver­wundung des regierungsfreundlichen Abgeord- neten Kubinh an der rechten Schläfe und am rechten Handgelenk. Eine Stunde später hatte ein Sekundant dieses Zweikampfes, der oppo­sitionelle Abgeordntte Zlinsky ein Pistolen­duell mtt dem früheren Ober-Stadthauptmann von Budapest, dem Abgeordneten Rudnay. Es sand zweimaliger Kugelwechsel auf fünf­undzwanzig Schritte Entfernung statt. Die Waffe Zlinskys versagte zweimal, Rudnay schoß zweimal, ohne zu treffen. Die Gegner fchieden unversöhnt. Heute sollen drei weitere Waffengänge ausgetragen werden.

Mer Millionen verschwunden?

Ein weiteres Privattelegramm be- richtet uns aus Budapest: Der opposttto- nelle Abgeordnete und frühere Staatssekretär Zoltan Desi erhebt gegen den ungarischen MinisterprSsidenten von Lukas schwere Anschuldigungen. Er behauptet, daß von Lukas vier Millionen Staats­gelder zu Wahlzwecken unterschlagen habe und will bereits in den nächsten Tagen den attenmäßigen Be w eis für seine Behaup­tungen führen. Desi fpricht die Ueberzeugung auS, daß viele Abgeordnete der RegierungS- pattei, wenn sie von der Hettunst der Gelder hören Werden, diese entweder zurückerstatten, oder auf ihr Mandat verzichten werden. Die Mitteilungen Tests erregen in politischen Krei­sen ungeheures Buffehen; der Ministerpräsident hat sich noch nicht dazu geäußert. Die Presse fordett Desi auf, für seine ungeheuerlichen An­schuldigungen unverzüglich die Beweise zu erbringen.

Scheidemann und Bebel.

DieGeneralabrechnung" in Chemnitz.

(Bericht unsers Korrespondenten.)

Chemnitz, 20. September.

In der gestrigen Sitzung des S o z i a l d e - mokratischen Parteitags wurde die Aussprache über den Bericht betreffend die Reichstagswahlen fortgesetzt. Der erste Redner, Pieck- Charlottenburg, meinte daß die Hoffnungen, die man auf das Sttchwahlabkom- men mit den Freisinnigen gesetzt habe, sich nicht erfüllt hätten. Die Geheimhaltung des Ab­kommens ist dem Patteivorstand nicht zum Vor­wurf zu machen, wohl aber die Dämpfung ber fojialbemofratifäien Stimmen in sechzehn Wahlkreisen. Es soll dem Vorstand kein Miß­trauensvotum erteilt werden, aber der Parteitag muß zum Ausdruck bringen, daß künftig Wahl­abkommen auf einer derartigen Grundlage ausgeschlossen fein sollen. Genosse Pappen- 6 e im versucht an der Hand der Vorgänge im Wahlkreis E s ch w e g e (den er auf dem Pattei­tage vertritt) den Nachweis, daß das Abkom­men mit den Freisinnigen, abgefeheu von theo­retischen Erwägungen, auch praktisch ohne Wert sei. Bei der Stichwahl in Eschwege hätten 4000 Freisinnige für den Antisemiten ge­stimmt. Trotzdem noch vierundzwanzig dele­gierte auf der Rednerliste stehen, wird ein Schluß antrag angenommen. Scheide- mann führt in seinem Schlußwort aus, es seien ihm von dem Genossen Rordhausen Worte in den Mund gelegt worden, die er garnicht gebraucht habe, es habe ihm fern gelegen, Witze-