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Casseler Neueste Nachrichten

Casseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Rümmer 243.

2. Jahrgang

. Freitag, 20. September 1912

Fernsprecher 951 und 952.

Fernsprecher 951 und 952.

noch (wie ein Lichtschein) die Hoffnung auf die ,reiche Witwe aus Amerika", deren Dollar- Millionen einst allen Jammer enden sollen. Aber auch diese Hoffnung enipuippt sich als Enttäuschung: DaS Liebesabenteuer mit der lustigen Witwe aus dem Land der unbegrenz­ten Möglichkeiten belastet das Schuldenkonto des nach dem letzten Rettung-Strohhalm lan­genden Rats mit weitern dreißigtansend Sil­berlingen, und das Ende ist (wie üblich) Gläu. biger-Groll, Detrngsanzeige, Strafprozeß und Urteilspruch.

Das alles unterscheidet sich von einer All­tag-Tragödie vielleicht nm durch die Eigenart des Milieus, in "dem die .Affäre" spielt, durch die Namen der handelnde» Personen und die Begleitumstände des Falles. Bei näherem Zusehen erkennt man indessen in der Sünde des dem Gefängnis überantworteten Landze- richtsrat die Tragödie des unbemit­telten Juristen. Wäre der Student Snell ein schlechter Jurist gewesen, hatte er die Würde des Referendars erst bei wiederholtem Ansturm erstritten, dann würde ihn das Schiekfal ver­mutlich selbsttätig von der Fortsetzung eines Weges abgehalten haben, der vielleicht zum Ziel, vielleicht aber auch zum Ver­hängnis führen konnte. Für den glänzend be­urteilten jungen Juristen war die erfolgreiche Zurücklegung des Berufswegs Ehrensache: Di« wirtschaftlichen Opfer der Votbereitungszeit mußte der Effekt später» Arbeitersolgs reichlich wettmachen! Eine Katastrophe war hier zwar nicht unabwendbar, aber sie war mög. ltch, und der Landgerichtsrat Snell ist ihr er­legen. Gewiß: Ein Richter, ein Mann in Amt und Würden, der-als Priester der Gerechtigkeit über Sünde und Buße entscheidet, da^ nicht leichtsinnig sein, darf nicht sorglos Schulden auf Schulden häufen und sein Gewissen mit der Hoffnung auf die lustige Witwe aus Ame­rika schwichtigen. Aber darf (auch eine mo- ralisch« Frage!) auf der andern Seite der Staat als Hort der Gerechtigkeit eine ihni dienende Intelligenz bis zur Tiefe gemeinen Betrugs sinken lassen, von der -der öffentliche Ankläger bekennen mußte, sie sei juristisch als Talent zu werten? Di« »Tragödie des Ju. risten" ist wirtschaftlicher Natur und der Fall des Landgerichtsrats Walter Snell zeigt, wo der Sünde Trieb« wurzeln .. .!

F. H.

Hiobspost aus Deutsch-SLdwest!

Simon Köpper auf dem Kriegöpfad?

Aus Deutsch-Südwest-Afrika kommt (wieder einmal) schlimme Kunde. Eine in Berlin her­ausgegebene koloniale Korrespondenz veröf­fentlicht folgende Depesche aus Windhuk vom siebzehnten September: »Simon Köpper hat mit zahlreichen in der Kalahari gesammel­ten bewaffneten Banden die Ostgrenze von Deutsch-Südwestafrika überschritten. Sei­ne Leute brandschatzen die Gegend und fügen dem Viehstand der dortigen Farmer großen Schaden zu ..." Unsre offiziös« Berichterstat­tung hat offenbar bisher von diesen Dingen keine Ahnung gehabt und ist wahrscheinlich erst durch die Meldung aus Windhuk veranlaßt worden, der Sache einige Aufmerksamkeit zu widmen. Soeben wird nämlich eine offiziöse Darstellung des Falles verbreitet:

Aus Südwest nichts Neues?

In der offiziösen Darstellung heißt es: Nach einem amtlichen Telegramm aus Südwest­afrika ist am zweiten September von dem in Arahoab stationierten Zuge Kirchheim der Schutztruppe südlich von Go bei Tamas eine zu Jagdzwecken über di« deutsche Grenze herü­bergekommene Eingeborenenbande gefangen tenommen worden, nachdem sie eine deut- che Buschmannswerst bei Gaus am kleinen Nosobfluß überfallen hatte. Die Bande bestand aus acht Kopperleuten, zwei Bakalahui- leuten, einem Betschuanen und einem Kaffern- bastard. Bei der Gefangennahme wurde ein Koppermann erschossen. Die Gefangenen, de­nen zwei deutsche und sieben engli- che Gewehre abgenommen wurden, wur­den in das Bezirksamtsgefängnis in Gideon abgeführt. Wegen der Beteiligung von Kop­perleuten ist das Gouvernement mit dem be­nachbarten High Kommissionär in Verbindung getreten. Dieser drahtete, daß sich, soweit ihm bekannt sei, bei Simon Köpper nichts verändert habe. Er wird durch die Polizei nähere Feststellungen vornehmen lassen. Ir­gend ein Grund zur Beunmhtgung liegt nach dem amtlichen Berichte nicht vor.

Nach sechzehn Tage«.

Nach der offiziösen Darstellung hat sich also der Vorfall schon vor sechzehn Tage» ab­gespielt und es wird noch ustbeLreiflicher. daß

Iie Themis md ihr Priester.

Her Fall Snell: Eine Juristen Tragödie!

Ein Privat-Telegramm meldet uns aus Dresden: Der gestern von der hie. sigen Straflammer verurteilte Landge­richtsrat Dr. Snell hat seine Verteidi­ger beauftragt, gegen das Urteil der Strastammer Revision beim Reichs­gericht anzumelden. Snell bestreitet, daß in seinen Handlungen die Tatbestands- merkmale des Betruges enthalten seien. Degen Betrugs und Vetrugversuchs haben gestern die Richter von Dresden einen der Ihrige», den früher» Landgerichisrat Dr. Walter Snell, auf anderthalb Jahre dem Gefängnis überantwortet und ihm außerdem das Recht aberkannt, in den nächsten drei Jah­ren ein öffentliches Amt zu bekleiden: Das ist das Resultat der vier Tage währenden Ver­handlung gegen den »Richter auf der Anklage­bank", dessen Lebens- und Sündengeschichte sich von der typischen Historie moderner Betrugs­affären fast nur durch di« bunte Vielgestaltiz- keit und die Höhe der aufs Spiel ums Glück verwandten Summen unterscheidet. Dar öffent­liche Ankläger (der sorgfältig wägende und ernst nach den Bewe ggrsinden der Sünde forschende Kriminal-Psychologe Erich Wulf­sen) nannte in seinem Plaidoher den Mann auf der Anklagebank, der früher selbst als Priester der Gerechtigkeit talargeschmückt am t Richtertisch gesessen, einen »ungemein begab- |st<n Juristen, der alle Examina spielend über- WWMunden, aber schon in Jugendtagen e-inen star- Hr Hang zum Leichtsinn offenbart «be". Wulfsen hat es vermiede», in der Be- gLndung seiner Sühne-Forderung das ganze pshch alogische Gemälde der Affäre aufzurollen: Dir elf Betrugs fälle, die d a s Gericht, als er» diesen angenommen, lagen durchaus klar, und «s^ erübrigt sich also vielleicht, den Spuren der Sünden prozessual dis zum Ausgangs, punkt nachzngeheii. Psychologisch aber bietet der »Fall Snell" so viele charakteristisch« Moment«, daß sichs verlohnt, ihn auch außerhalb des engen Rahmens des An. klage,barrk-Jnreresses näher zu untersuchen.

Daß der Doctor Juris Walter Snell schon als Referendar außerordentliche juristische Be­fähigung offenbarte, daß er seinen Assessor mit Auszeichnungbaute" und, als er seine Kraft für den diplomatischen Dienst anbot, mit offnen Armen aufgenommen wurde, hat den mit schätzenswerten Talenten gerüsteten Mann nicht vor der Misere wirtschaftlicher N o t zu schützen vermocht. Schon der (aus gnt- bürgerlichem Haus« stammende, mit Glücks­gütern aber nicht allzureich bedachte) Student mußt« Schulden kontrahieren; der Referendar, der dem Staat feine Krast imVorbereitungs­dienst" ohne Anspruch auf Entschädigung zu widmen hat, setzte die als Student begonnene Uebung fort, und was der Referendar im Schuldenmachen zu tun noch übrig gelassen, be. sorgte der (immer noch unbesoldete) Assessor in ausgiebigstem Maße: Schulden häuften sich auf Schulden, di« Zahl der Gläubiger mehrte sich, mit beängstigender Schnelle und als der junge Mann, der sieben Jahre hindurch nach glänzend bestandenem Referendar-Examen ohne Anspruch auf einen einzigen Heller Ge­halt (bajür aber belastet mit einer Ueberfülle repräsentativer Verpflichtungen", die an die finanzielle Leistungfähigkeit beträchtliche An­forderungen stellen) dem Staat gedient, endlich . Amt und Brot in erreichbarer Nähe sah, lastete auf seiner Zukunst di« schwere Sorge einer Schuldenhäusuntz von zwanzigtausend Diark. Blieb noch: Rettung durch reiche Heirat!

Dem ins Richteramt Emporgefttegnen er­schließen sich neue Goldesquellen: Alte Schulden werden gedeckt, ungestüm drängende Gläubiger befriedigt und beschwichtigt, der vorgesetzten Dienstbehörde das Versprechen ernstester Ein. schränkung gegeben. Man kennt den Gang der Dinge und die natürliche Entwicklung des Ver, Hängnis-Pdozesses: Die Tilgung alter Ver­pflichtungen macht die Aufnahme neuer La­sten erforderlich; der von Gläubigem ge. drängt«, von der Dienstbehörde mit Vorwürfen und Vorstellungen überhäufte Schuldner sucht Hilfe, wo er sie findet, tritt mit zweifelhaften Elementen in geschäftliche Verbindung, betraut Vermittler mit der Besorgung kleiner Darlehen gegen Wucherzinsen und vereinbart mit den Ungestümste» der Gläubiger winzige Ratenzah­lungen zur Deckung der Schuld, die in dem Viertageprozeß der Vorsitzende des Spruch. Kollegiums alsungewöhnlich und eines Rich­ters nicht würdig" bezeichnet«. Neben all die- fen Sorgen und HeimsuchupMN läuft immer

der offiziöse Draht erstdannzu arbeiten an­fängt, wenn bie Meldung von anderer Seite in di« Oeffentlichkeit gebracht worden ist. Offi­ziöse Beschwichtigungen haben allerdings gra­de in kolonialen Fragen so ost enttäuscht, daß man ihnen nur noch mit begründetem Miß­trauen zu begegnen vermag.

An Abend in Budapest.

Nach dem Sturm im Ungarn-Parlament.

Die wüste» Szene» im ungarischen Abge­ordnetenhaus haben am Mittwoch mit dem tatsächlichen Sieg des Grafen Tis- z a und der Regierung ihr vorläufiges Ende gefunden, da das Parlament nach der Vornah- m« der Delegattonswahlen vertagt wurde. Vierundvierzig Abgeordnete, die sich an de» Ausschreitungen beteiligt hatten, wurden vom Jmmunitätsausschuß zur Ausschlie­ßung auf dreißig Sitzungstage und vier zur Abbitteleistung vemrteilt. Wie zu er­warte» war, hat der Parlamentsskandal auch in der Oeffentlichkeit die Leidenschaften ent­facht, denn gestern abend kam es in Budapest zu regelrechten Straßenkämpfen, bei denen zahlreiche Personen schwer verletzt wurden.

Die Opfer der Sttaßenkämpfe.

28 Schwerverletzte, 80 Verhaftete!

(Privat-Telegramm.)

Budapest, 19. September.

Budapest glich gestern abend einer Stadt im Belagerungs-Zn st and. Fünftausend Mann Militär, dreihundert Gendarmen und zweitausend Polizisten waren aufgeboten wor­den, nm bie Ruhe aufrecht zu erhalten. Der Straßenbahnverkchr wurde nm acht Uhr abends eingestellt. Die sozialdemokratischen Demo» stranten befolgten eine eigene Taktik. Sie er­schienen immer nur in kleinen Abteilungen. Eine größere Menge erschien um acht Uhr abends auf der R a k o e z y st r a st e und warf die Bänke der Elisabetanlag« auf daS MeiS. Plötzlich fiel ein R e v o lver fch u st , ohne jedoch zu treffen. Die Polizei ging jetzt mit der Waffe gegen die Menge vor. Ein Tischlermeister und ein Gendarm wurden schwer verletzt und von der Rettungsge- sellschast verbunden. Tie Demonstranten zer­trümmerten die Gaslatevnen, sodast die Seiten­straßen in Finsternis lagen. Auch viele Fenster­scheiben wurden eingeworftn. Die Zahl der Schwerverletzten beträgt achtund- zwanzig. Alle Schwerverletzten gehöre» den intelligenteren Kreisen an. Im Ganzen wurden achtzig Personen ver­haftet. Um elf Uhr trat Ruhe ein.

Bilder von der Walstatt, Dor den Klub der Unabhängigen. (Privat-Telegramm.)

Budapest, 19. September.

Bor dem Klub der Unabhängigkeitspartei kam eg gegen dreiviertel neun Uhr abends zu stürmischen Ovationen für die Mit­glieder der Oppositton. Die Menge äußerte ihre Begeisterung in patriotischen Liedern. Auch hier attackierte die Polizei, wobei sie aber nicht bloß von den Demonstranten auf der ^raße, sondern auch aus de» benachbarten Häusern mit Stein en beworfen wurde. Trotz aller dieser Borgänge promenierte eine Menge Zuschauer, sich neugierig den Krawäll ansehend. Gege» halb zehn Uhr wurde die Lage an der Ecke der Rakoczystraße und des Rings be. denklich, da aus den dort von allen Seiten ein- mündenden Straßen große Menschenmenge» zusammenströmsen, die laut rufend demonstrier­ten. Di« Polizei versuchte zuerst, die Menge abzudrängen. Als aber aus der Mitte der auf einige tausend Personen angewachsenen Masse gegen die Polizei mehrere Revolver- f ch Ü s s e fielen, attackierte diese im Verein mit der Gendarmerie wiederum die Menge, wobei über zwanzig Personen schwere Ver­letzungen durch Säbelhiebe davontrugen.

*

Todesdrohungen gegen Roosevelt?

Ei» Privattelegramm berichtet uns aus Newyork: Nach Meldungen aus Los Angelos beschlagnahmte die Polizei dort eine große Anzahl yriefe, bie Todesdrohun­gen gegen Roosevelt enthielten. Man hat umfassend« Maßnahmen zum Schutze des Bedrohten getroffen. Drei mit bewaffneten De- teftiven besetzte Automobile sind dem Ex-Prä­sidenten zur Verfügung gestellt worden, um ihn sicher nach Oyster-Bay zurückzubringen.

Vorschlag herangetteten, im Frühjahr des nächsten Jahres eine Zusammenkunft der drei Herrscher des Dreibundes herbeizuführen. Die Entrevue soll im abria» tischen Meer stattfinden. Wie verlautet, haben Kaiser Franz Josef sowie Kaiser Wil­helm bereits ihre Einwilligung gegeben, wäh­rend die Zusage König Viktor Emanuels noch aussteht; doch hofft Graf Berchtold, auch diese bald erlangt zu haben.

Kampf der Leuernng! \ Kommunale «. bundesstaatliche Vorschläge.

Die Großberliner Teuerungskonferenz, die (wie wir bereits gemeldet haben) gestern unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Wermuth im Berliner Rathaus ftattfanb, hat nach länge­rer Beratung beschlossen, eine gemeinsame Eingabe der Städte und Gemeinden an de» Bundesrat mit dem Antrag zu richten, die allgemeine Einführung von Gefrier- fleisch zu genehmigen und die Regierung zu ersuchen, die erforderlichen Vorbereitungen zu schaffen, um die Einführung möglich zu machen. Die Gemeinden Großberlins erklärten sich da­für bereit, die für die Förderung des Umsatzes von Gefrierfleisch erforderlichen Maßnahmen zu treffen. Feuer beschloß die Konferenz in Erwägungen darüber einzutreten, ob die Or- rranifation den Seefischverkauf für Groß- berlin gemeinschaftlich betreiben kann.

Die Teuerung im Reich.

(Privat-Tel eg ramme.)

Stuttgart, 19. September.

Gestern fand hier eine von der württember- aischen Negierung einberufene Konferenz statt, in der Uebereinstimmnng dahin erzielt wurde, daß eine Herabsetzung der Futtermittelzölle nicht angestrebt werden solle, dagegen müßte bieFleischeinfuhrausdemAuSland erleichtert werden. Zu diesem Zwecke soll der stoll auf frisches Fleisch herabgesetzt und Attikel XU des Fleischbeschaugesetzes in der bekannten Richtung geändert werden. Vor allem soll die Einfubr von Gefrierfleisch auS Argen­tinien gestattet werden.

Mainz, 19. September.

Die städtischen Beamte» haben an die Stadtverwaliimg ein Gesuch um Gehalt, erhöhung gerichtet. Die Eingabe wird mit der feit 1908 eingetretenen sprunghaften Preis­erhöhung aller Lebensmittel begründet. Di« GehaltSregulierung von 1908 habe einen Aus­gleich im Hinblick auf daS fortwährende Stei­gen der Preise auf bie Dauer nicht herbeifüh­ren können und müsse deshalb heute als unzu­reichend bezeichnet werden.

Köln, 19. September.

Das von der Stadt Köln in Dänemark be« stellte Rindfleisch ist in zwei Waggons hier eingetroffen. ES sind 72 halbe Stück Stück Großvieh, die unter bie Metzger, die den Vertrieb übernommen haben, verlost werden. DaS Fleisch ist er st k l a s s i g und wirb verkauft zum Preise von 70 bis 90 Pfennig, Filet oh»« Beigabe zu 1,20 Mark. Heute beginnt der Ver­kauf. Es liegen bereits so zahlreiche Beftellun. gen vor, baß telegraphisch weitere Wag­gon s in Dänemark in Auftrag gegeben wer. den mußten.

Posen, 19. September.

Wie zuverlässig verlautet, hat der preuß!« schc Minister für Landwirtschaft den Regie- rungsprästdenten in Posen ermächtigt, die Ge­nehmigung zur Einfuhr von Schlacht- viehaus Oesterreich-Ungar» zur so­fortige» Abschlachtung in öffentlichen Schlacht. Häusern bis auf Widerruf zu erteilen. Seitens des Regierungspräsidenten ist die Genehmi­gung zwar noch nicht erteilt, doch ist es als sicher anzunehmen, daß bereits in den nächsten Tagen eine dahingehende Verfügung erlassen werden wird. Die Einfuhr von Schlachtvieh aus Oesterreich soll in großem Umfang organi­siert werden.

*

Der Kanzler schweigt noch immer!

Ein Privat - Telegramm meldet u»8 aus Berlin: Es bestätigt sich, daß die Reichs­regierung vorläufig von der Ergreifung von Maßregeln zur Bekämpfung der Teuerung ob. sehen will. Im Laufe dcS Monats Oktober soll ein« abermalige Konferenz stattfinde» und erst diese Konferenz soll dann übererfor. derlich erscheinende Maßnahmen" endgiltig Beschluß fassen.

Kn Rendezvous auf der Adria?

Zusammenkunft der Dreibund-Monarchen.

Ein Privat-Telegramm berichtet uns aus Rom: Wie dasGiornale dltalia" zu melden weiß, ist Graf Berchtold an die deut­sche sowie die italienische Regierung mtt dem

Aillebe» in sshemnitz.

Rechenschaftsberichte und Wahlpolitik.

In der Mittwoch-Sitzung des sozialdemo- krattschen Parteitages in Chemnitz erstattete Abgeordneter SÄeidemann den Berickt über die Reichs 1 aaSw ahlen. Scheide-