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C Oler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Casseler Abendzeitung

2. Jahrgang.

Nummer 239

Fernsprecher 951 und 952.

SvrmLag, 15. September 1912

Fernsprecher 951 und 952.

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Sie Flucht vor der Ehe.

Auch ei« Gesellschafts-Problem unsrer Zeit.

Beim letzten Rendezvous der Anthropolo­gen hat der Geheimrat von Luschau bereits aus die schweren Schäden und Gefahren der Ge­burten - Verringerung in Deutsch­land hingewiesen und das Zweikinder-System (in dem er die eigentliche Urusache der Erschei­nung sieht) dasKultur-Brandmal unsrer Zeit" genannt. Luschau's Anklagen wider die sozialen Tendenzen des modernen Familienle­bens haben lauten Beifall und fast noch schär­fern Widerspruch geweckt: Man hat die Er­haltung der bisherigen starken Bevolkerung- zunahme in Deutschland als Grundgebot 'des nationalen Interesses proklamiert, und hat auf der Seite der Gegner darauf hingewiesen, daß der Gebnrten-Rückgang einzig und allein die Folgeerscheinung des verschärften Kampfs ums Daseins fei, der dem Familienväter eine viel größere wirtschaftliche Verantwortung auf­bürde. als es noch vor zwei oder drei Jahr­zehnten unter glücklichern Erwerbs- und Da­seinsbedingungen der Fall gewesen. Es ist nutzlos, in diesen Kampf um Grundsätze und Theorien einzugreifen, denn die Wahrheit liegt (wie bei allen leidenschaftlich «orteten und um« strittnen Fragen der Art) in der Mitte, und man darf das Tatsächliche aus den Argumen­tationen der Freunde und Gegner Luschau's vielleicht in die Formel zusammenfaffen, daß die Erhaltung der nationalen Bevölkerung- Vermehrung zwar im vaterländischen Interesse dringend wünschenswert erscheint, auf der an­dern Seite aber ein gewisser Ausgleich zwi­schen Bevölkerung - Zunahme und sozialer Entwicklung-Gestaltung unerläßlich ist.

Anschließend an die eifernde Bußpredigt Luschau's wird soeben in einer zuweilen aus Ministerial-Kanzleien gespeisten politischen Kor­respondenz eine Frage angeschnitten, die dem Jdeenkreis des zwanzigsten Jahrhunderts eigentlich noch viel näher liegt, als die Sorge um die Verhütung des Geburten-Rückganqs: Das Problem der modernen Ehe! Man liest dort, daß die Ehe im Kultur-Säku- lum allmählich alle die idealen Werte einge- düßt habe, die chr früher Leben und Inhalt liehen, und daß (ursächlich damit zusammen­hängend) die Flucht vor der Ehe immer weitere Kreise des Volks ergreife. Hand in Hand damit schreite die Entsittlichung der bürgerlichen Gesellschaft und die Entwer­tung der Frau als Trägerin nationaler Kulur-Ideale in beängstigender Hast ständig weiter fort, und man sehe das Ende dieser Entwicklung unnatürlicher und volkfeindlicher Gesellschafts-Tendenzen im düstern Schein der modernen Sozial-Tragödien verhängnisvoll sich widerspiegeln. Der junge Mann von heute dokumentiere denEintritt ins Leben" mit der Eroberung einesVerhältnisses"; er werde auf diese Weise zur Verachtung der auf sitt­licher Grundlage beruhenden bürgerlichen Ehe erzogen und sehe in der ehelichen Verbindung (wenn er sie nicht überhaupt fliehe) am Ende einer wild durchbrausten Jugend ledig­lich ein Geschäft, das letzten Endes dem Zweck der Versorgung diene. Tie Ehescheu der männlichen Jugend zwinge auch das Wech in den Bannkreis dieser gefährlichen Auffas­sung, und in der Seele der modernen Frau erstürben» (unbewußt vielleicht) alle jene In­stinkte, die unsre Väter als des Weibes idealste Tugenden verehrten.

Wir sehen hier ein Gemälde Grau in Grau, dessen einzelne Linien vielleicht dsistrrr an­muten, als die Wirklichkeit es erfordert, das aber, als Ganzes betrachtet, tatsächlich als zutreffende Illustration der modernen Gesell- schasts-Moral gelten darf. Die alten Begriffe von Ehe- und Familienglück, die unsre Klassi­ker in begeisternden Hymnen besungen, haben sich unter den Einwirkungen der materialistisch- mammomstischen Lebensauffassung und unterm Druck der sozialen Entwicklung von Grund aus gewandelt; die treibende Krcflt des Lebens und Webens unsrer Zeit: Die Sucht nach Ge­nu ß und B e s i tz, macht auch in Ehe und Fa­milie ihren Einfluß geltend und die Romantik idealer Liebe, die aus der Zeit, da derGroß­vater die Großmutter nahm", wie ein süßes Märchenbild zu uns nüchternen Kindern einer feelenärmern Zeit herübergrüßt, hat sich hin­ter den Holzpapier-Wall der Roman-Industrie flüchten müssen. Es ist sicher nicht unberechtigt, in allen diesen Erscheinungen Merkmale zuneh­mender Entsittlichung der modernen Ge­sellschaft zu beklagen und unsre Kultur der Mitschuld an dieser Degeneration zu zeihen; wenn wir indessen näher zufthen, finden wir auch unter der Oberfläche dieser gesell- fchafts - sozialen Krarckheit - Erscheinungen den Bazillus sozial-wirtschaftlicher Miß­

bildung. der das Uebel verursacht und ge­weckt hat. Die ruhige, selbstgenügsame Be­haglichkeit der Zeit unsrer Väter ist ins Gegen­teil, in den wildesten Kampf nm Dasein und Erwerb verkehrt, und es ist imgrunde gar nicht einmal verwunderlich, daß auch Ehe und Fa­milie in diesen Strudel mit hineingeriffen worden sind.

Ein flüchtiger Blick auf den Prozeß gegen das Lebekind Wolff - Metternich zeigt uns grade auf diesem Gebiet charakteristi­schere Merkmale als ein Dutzend Folianten mo­dernster Sozial- und Gesellfchafts-Kritik. Im Bilde dieser Gesellschafts-Tragödie figuriert das Weib immer nur als Mittel zum Zweck, als Ware oder Jagd-Trophäe, und wir sehen in dem dekadenten Sproß eines uralten Hau­ses den Typus jenes Männeftums, das, an der Brandung des Lebens angelangt, in der (rei­chen) Ehe die einzige noch denkbare Rettung vor der Katastrophe erstrebt. Das ganze Ge­sellschafts-Milieu, das der Metternich-Prozeß in grellen Schlaglichtern beleuchtete, war ein kleiner Ausschnitt sozialer Wirklichkeit, und wenn man die darin erkennbar gewordnen sittlichen Schäden auch nicht ohne weiteres ver­allgemeinern darf, so verdient doch daran erin­nert zu werden, daß das Stückchon $terIin«W, das sich uns damals, aller Hüllen bar, in seinen Talmi-Idealen präsentierte, nicht etwa eine Fläche Sumpfland auf dem sonnigen Hochpla­teau modernen Gesellschafts-Glanzes darstellt, sondern ein Fleckchen Erde mitten unterm wär­menden Strahl hellster Kultursonne! Wir fin­den die Metternichs und die ihnen Zugehöri­gen heut in allen Schichten des Volks, rit­terlicher vielleicht oder brutaler, aber ausnahms­los beseelt und getrieben von dem gleichen Jn- stintt: Der Jagd nach dem Glück! Ehr und Fa­milie versinken neben diesem obersten Lebens­zweck in dunklen Niederungen, und das End­produkt der Entwicklung ist (naturgemäß) die allgemeine Entsittlichung der Gesellschaft". Der Ansgangpmckt dieser Gefellschafts - Degenera­tion ist indessen nicht etwa in den Tälern des sozialen Lebens zu suchen: Strömungen der Art pflegen von den Höhen niederzu- gehen, und was vor einem Jahrhundert viel­leicht noch als Privfleg der aus den Gipfeln Thronenden respekwoll geduldet ward, be­trauern wir heut als dieKatastrophe unsrer Zeit"! F. H.

Mn Abend bei Ion Fuan.

Wilster Skandal im Deutschen Theater.

Berlin hat wieder einmalfeinen" The­ater. Skandal, der diesmal allerdings kein Kampf zwischen Theatebdireftion und Kri- tikkern betrifft, sondern durch die Ausführung eines Stückes hervorgerufen worden ift, in dem das Theaterpublikum eine Prostituie. rung der Bühne glaubte erblicken zu müs­sen und das demgemäß fo entschieden ab ge­lehnt wurde, >daß die Vorstellung mit einem allgemeinen Skandal endete. Wir er­halten über den Vorfall folgende Mitteilungen:

Karl Sternheims Debüt.

(Privat-Telegram m.)

Berlin, 14. September.

Am Deuts chen Theater gab es gestern abend bei der Erstaufführung desDon Juan" von Karl Sternheim am Schluffe der Vorstellung einen wüsten Theater­skandal. Es handelt sich um ein, wenn auch teilweise talenwolleS, so doch im allgemeinen wirres und unreifes Ansängerwerk, das trotz vieler Streichungen und Veränderungen ver­sagen mutzte. Tragische Stellen wurden schlietzlich mit großem Gelächter aus­genommen, sodatz der Vorhang vorzeitig Her­abgelaffen werden mutzte. Als der Dichter aber trotzdem vor der Rampe erschien, gab es ein wüstes Zischen, Lärmen und Pfeifen auf Schlüsseln. In den Gängen kam eS mit An­hängern des Dichters beinahe zu Lhrfeigen- szenen, kurz, es war ein Skandal, wie er in ei­nem Berliner Theater schon lange nicht mehr dagewefen ist. Es blieb schlietzlich nichts an­dres übrig, als die Hilfe der P o 1 i z e i in An­spruch zu nehmen, die mft vieler Mühe die Ruhe wieder herstellte. Das Nachspiel der Affäre wird jedenfalls in einem Prozetz wegen Hausfriedensbruchs, tätlichen Angriffs und Beleidigung gegen die Schuldigen bestehen, da Theaterleitung und DnPer bereits Straf- antrag gestellt haben.

Eine Tragödie in der Komödie.

Wie uns ein weiteres Privat-Tele. gramm aus Berlin meldet, hat sich bei der gestrigen Aufführung desDon Juan" im Deutschen Theater auch ein bedauerlicher Uw. glückssall zugetvagem Rach Schluß des vierten Aktes riß der Schauspieler M o i s f i, der dm Don J>tem gab, em auf der Bühne

stehendes Zelt um, das den Darsteller des Rd- pio, den Schauspieler Victor Arnold, unter sich begrub. Arnold mußte von der Bühne ge­tragen^ werden.

Nach dem Kaiser-Manöver.

Der Kaiser wieder in Berlin.

Wie uns aus Oschatz berichtet wird, ver­ließ der Kaiser gestern nachmittag nach Be­endigung der Kaisermanöver das Manöver-Ge­lände im Sonderzug, um sich nach Berlin zu begeben. Am Bahnhof waren zur Verabschie­dung der König von Sachsen, Prinz Ludwig von Bayern und zahlreiche an­dere Manövergäste, unter ihnen Graf Zep­pelin, erschienen. Der Kaiser war bereits zwanzig Minuten vor Abgang des Zuges auf dem Bahnhof anwesend, blieb aber im Son- derzug. Die Ankunft in Berlin erfolgte nach­mittags kurz nach vier Uhr. Der Kaiser wurde auf dem Bahnhof von der Kaiserin, der Prin­zessin Viktoria Luise und dem Prinzen Adal­bert empfangen.

Das große Herbst-Revirement.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 14. September.

3um Schluß der Kaisermanöver sind zahl­reiche militärische Veränderungen erfolgt: Der Kommandierende General des III. Armeekorps, General von Bülow, ist zum GeneraliNspekieur der III. Armeeinspektion und der Kommandierende General des XVIII. Ar­meekorps, General von Eichhorn, zum Generalinspekteur der VII. Armeeinspektion er­nannt worden. Kommandierender General des zum ersten Oktober neuzubildenden XX. Armee­korps wird General der Artillerie S ch o l tz, und Kommandierender General des XXI. Ar­meekorps General der Infanterie von Be­low. General der Infanterie von Hoeps- nei, Inspekteur der Landwehrinspektion Ber­lin, wird mit Ende September dieser Stellung enthoben. Ferner sind zu Generalen befördert: Freiherr von LYncker, Generalinspeftenr des Militär-Verkehrswesens, von Oven, Gouverneur von Metz, von Below, Kom­mandeur der ersten Garde-Division, der Für st von Hohenzollern, von Schenck, Kommandeur der vierzehnten Division, unter Belassung in dem Verhältnis als Generaladju­tant, von Jacobi, Präses der General- ordenskommission, und v o n W a ch s, Direktor des Zentral-Departements im Kriegsmini­sterium. Weitere Beförderungen: Prinz Eitel Friedrich von Preußen, Major und Kom­mandeur der Leib-Eskadron des Leib-Garde- Hnsaren-Negiments, wird unter Stellung ä la suite dieses Regiments als Kommandeur des ersten Bataillons in das erste Garde-Regiment zu Fuß versetzt; von Lochow, Kommandeur der zweiten Garde-Division, zum Kommandie­renden General des II. Armeekorps, Freiherr von Süßkind, Kommandeur der fünften Division, zum Inspekteur der Landwehr-Inspek­tion Berlin. Zum Oberstleutnant wurde beför­dert: Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen ä, la suite des ersten Garde-Regiments M Fuß.

FranzWsche ManZver-Sensalion!

Ein Privat-Telegramm berichtet uns aus P a r i s: Die großen H e r b st m a n ö v e r der französischen Armee haben ein jähes Ende gefunden. Nach der gestern erfolgten Gefan­gennahme des Führers der roten Armee, des Generals Marron durch die erste Kavallerie- division in der Nähe von Leverger wurde so­fort Befehl erteilt, die französifchen Manöver abzubrechen. In Paris ist man über die­sen Ausgang der Manöver sehr erstaunt. Man hat zwar den General Marion niemals für ein großes militärisches und strategi'ck»es Talent gehalten, an einen solchen Ausgang hatte man aber doch nicht geglaubt. Ebenso war seit längerer Zeit bekannt, daß zwischen dem Füh­rer der roten Partei, General Marion, und dem Führer der blauen Armee, General Gal - lieni, starke Rivalität herrschte, doch glaubt man nicht, daß General Gallieni aus Rache so gehandelt bat. Während der Manö­ver haben sich übrigens zahlreiche Un­fälle ereignet. Der LenkballonAdjutant Reau wurde gebrauchsunfähig. Der Groß- sürstNikoiaus von Rußland, der den Ma­növer» beiwohnte, stürzte vom Pferde. Sein Pferd machte beim Abschießen eines Geschützes plötzlich einen starken Sprung seitwärts und warf seinen Reiter ab.

SberöStgermeifter Kirschner f.

Nur ein paar Tage der Ruhe.

Wie uns ein Privat Telegramm aus Berlin meldet, ist der frühere Oberbür- -zermeister der Reichs Hauptstadt, Dr. Marti» Kirschner, der erst ansang September aus dem Amte geschieden war, gestern abend auf seiner Besitzung Ehrwald bei Parteickirche» an den Folgen einer .Herzschwäche nach kurzem Krankenlager gestorben. Kirschners Zu­

stand hatte sich in den letzte» Tagest so ver­schlimmert, daß seine Familie telegraphisch an das Krankenbett gerufen wurde. Oberbürger meister Kirschner hat ein Alter von etwa sieb­zig Jahren erreicht- Ueber seine» amtliche» Werdegang haben wir anläßlich des Wechsels im Berliner Oberbürgermeisteramt berichtet;

M den Steifet geeWtrt!

Ein Drama bei der Totenfeier.

In Tokio fand gestern unter großem Ge­pränge die Totenfeier für den verstorbenen Mikado Mutsuhito statt, der im Auf­trag des Deutschen Kaisers auch Prinz Heinrich von Preußen beiwohnte. Dez Tiauergotiesidienst in der größten Halle des $ serlichen Palastes nahm einen imposanten Ver­lauf. Die sterblichen Ueberreste des Kaisers sind heute früh um sieben Uhr von Moyama unter dem Salut der im Hafen liegenden Kriegs­schiffe zur Beisetzung nach Kioto überführt worden. Bei den gestrigen Trauerfeierlichkeiien hat sich übrigens dne erschütternde Tragö­die ereignet: General N ogi, der Held von Port Arthur, hat aus Gram über den Tod des Kaisers mit feiner Gattin Selbstmord verübt! Wir erhalten folgende Meldung,:

Der Held von Port Artur -f».

(Privat-Telegramm.)

Tokio, 14. September.

General Rogi und feine Gattin haben bei dem gestrigen Beginn der Begräbnisfeierlich, feiten für den Mikado ihre Trauer nach echt attjapanischer Weise für den verstorbenen Sou, verä» zum Ausdruck gebracht. Als die Zerr, monie ihre» Anfang nah'.», traten der greife Feldherr und Sieger in viele» Schlachte» und feine betagte Gattin vor de» Sarg deS Mikado und verübte» Harakiri, Das Entsetze» des Trauergefolges war gre». zenlos, doch wagte sich niemand zu regen, um dem greisen Paare bei seinem Vorhaben Ein. halt zu tun Rogi schnitt sich mit einem kurzen Schwert dieKehledurch Seine Frau er< d o 1 ch t e sich in dem Augenblick, als Kanone», schüsse de» Ausbruch des Trauerzuges aus dem Palast ankündigten. Rach einer andere» Mel­dung verübten Rogi und feine Gattin die Tai in ihrer Wohnung, nachdem sie einen Abschieds, trnnk aus de» Taffe» genoffen hatten, die ihnen der verstorbene Kaiser geschentt hafte.

Graf Maresuki Rogi

hat ein Alter von nur dveiundsechztzg Jahren erreicht. Er entstammte einem alten Samurai, geschlechte und hatte sich bereits während der Satsuma-Revolution durch hervorragende Lei. ftungen hervorgetan, indem er als Befehls. Haber des vierzehnten Regiments die Rebellen in einer Reihe von blutigen Schlachten ge­schlagen hatte, wobei er selbst schwer verwundet wurde. Im russisch-japanischen Feldzug be­fehligte er das dritte Armeekorps, das Port A r t h n r zu Fall brachte und auch die Schlacht bei Mulden durch einen glückliche» Flantenan. griff, wodurch der russische linke Flügel zum Wanken gebracht wurde, zu einem günstigen Ende für Japan führte. Für seine Verdien,':! wurde er im Jahre 1895 zum Baron und tot Jahre 1906 zum Grafen ernannt. Rogi wurde vom Deutschen Kaiser »ach der Einnahme von Poft Arthur der Orden Pour le mente verliehen:

Sie Sensattml von Dresden. Landgerichtsrat Dr. Snell vor den Richtern; der erste Tag des Senfations - Prozesses.

(Bericht unsers Korrespondenten.)

Unter großem Andrange des Publi- kurns begann gestern vor der Ferienftraf- kannner des Dresdencr Landgeftchts der Prozetz gegen de» Landgerichts­rat Dr. Walter Snell, der unter der Anllage steht, sich in zahlreichen Fäl­len des Betruges schuldig gemacht zu haben. Dr. Snell, der aus sehr guter Fa- mitte stammt, und jetzt einundvierzig Jahre alt ist, hatte nach bestandenem '«- ristischem Examen die diplomati­sche Karriere eingeschlagen und war eine Zeittang deuftcher Vizekonsul in Chieago. Durch das Verhältnis zu einer angeblich vermögenden Amerikane, rin u,rd einige» Theate rdameu ge. riet er schließlich in finanzielle Be­drängnis, die ihn zu den unter An­klage stehenden Straftaten verleiteten. Der Prozeß gegen den Landgerichisrat Dr. Snell begann gestern unter außerordentlich starkem And ränge ses Publikums. Ten Vorsitz im Gerichtshof führt Landgericbtsdirektor Bock. Witz, die Vcrteidigmtg haben übernommen In. stizrat Dr. voldi und Rechisatlwaft Loeser. De» Be: Handlungen wohnt auch der sSMische GeneralstaaÄLwvaft Siai Btotoum tun Eck.