Mchard Wagner.
Ein unbekannter Brief.
Der Breslauer Literarhistoriker Max Koch, der als einer unserer besten Wazner- kenner und Wagnerforscher rühmlichst bekannt ist, veröffentlicht soeben den zweiten Teil seiner schönen Biographie Richard Wagners, die bei Ernst Hoffmann & Eo. in Berlin erscheint. In dieser Lebensgeschichte des Meisters wird nicht allein das schon veröffentlichte Material mit sicherer Hand verarbeitet und zusammengefaßt, sondern überall eröffnen sich auch neue Ausblicke, stößt man auf neue, intereffante Mitteilungen von Wert. So enthält der treffliche Band unter anderem auch einen noch unveröffentlichten Brief Wagners, den er am 19. September 1843 (also in feiner Dresdener Ka- pellmeifterzeit) an den Kapellsänger K. Philipp Lattner in Altötting gerichtet hat. Der Brief, der dem Koch'schen Werke in sauberem Faksimiledruck beiz eg eben ist, lautet folgendermaßen:
„Sehr geehrter Herr! Ich war diesen Sommer längere Zeit zu meiner Erholung von Dresden abwesend, und komme daher erst setzt dazu, Ihnen sür Ihr gütiges Anerbieten vom (sic!) 26. Juli d. I. meinen Dank abzustatten. Wenn ich dasselbe für meine Person nicht annehmen kann, da ich zunächst ein Sujet bereit habe, welches ich für Dresden komponier«, und außerdem ein zweites fertig ist, welches zur Komposition für Men bestimmt ist, so habe ich Ihnen nichtsdestoweniger für das mir gegebene Vertrauen verbindlichst zu danken. Zugleich aber kann fth Ihnen einen gewiß ausgezeichneten Tonsetzer nennen, dem, wie er mir ver- traut, sehr viel an einem guten Operntext liegt. Dieser ist Herr I. Kittl, Direktor des Konservatoriums für Prag, durch seinen Ruf Ihnen gewiß bereits hinlänglich bekannt. Er hat mir aufgetragen, mich an Sie mit der Biite zu wen. den, ihm den in Rede stehenden Operntext zur gefälligen Durchsicht nack Prag schicken zu wollen, Entspricht er den Wünschen Herrn Kittls.
so wird er sich mit Ihnen ganz Ihren Wünschen gemäß einigen und sicher mit dem besten Erfolg denselben komponieren.
Wollten Sie also die Güte haben, der hier- mit ausgesprochenen Bitte meines Freundes zu willfahren, so würden Sie zugleich auch mich verbinden, und jedenfalls Ihren Text auch in dis besten Hände übergeben. Mit besonderer Hochachtung habe ich die Ehre zu sein Ew. Wohlgeboren ergebenster RichardWagner.
-er. Casseler Sängerinnen. Im Anschluß an die drei jüngsten erfolgreichen Gastspiele von Fräulein Mayer-Olbrich, Koloratursän- -zerin am Dortmunder Stadttheater, an unserer Hofbühne, werden wir gebeten, mitzu- teilen, daß Fräulein Mayer - Olbrich, ein Casseler Kind, ihr gesangliche Ausbildung unter Anleitung von Frau Franziska Biazzi, hier, genossen hat. Auch Fräulein Elisabeth Bartram, die im vergangenen Frühling ganz Cassel mit einem Gastspiel als Feldmarschallin im Sirautzschen „Rosenkavalier- entzückte, ist eine Schülerin von Frau Biazzi.
t£h Zum Regierungsiubiläum des Kaisers. Das nächstjährige Regierungsiubiläum des Kaisers wird sicherlich manchen deutschen Dichter oder Komponisten zu gedichteten und komponierten Huldigungen begeistern. Ein Werk dieser Art liegt bereits der Oeffentlichkeit vor. Es ist eine Kaiser - Hymne, deren Text von dem Casselaner Hans Dörr verfaßt ist; die Komposition stammt von Karl Heuser. Das Werkchen, das besonders in den Kreisen der Schuldirektoren schon freundliche Beachtung 'gesunden, ist im Selbstverlag des Dichters erschienen.
au, Die Frankfurter Universitäts-Frage. Bekanntlich ist es dem Frankfurter Oberbürgermeister A d i ck e s gelungen, den für die Gründung der Frankfurter Universität als notwendig ausgewiefenen Kapitalbedarf mit 7212000 Mark durch Beschaffung weiterer Stiftungsgelder sicher zu stellen. Der Kabincttsorder vom dreiundzwanzigsten Mai gemäß, worin der Kaiser den Minister von Trott zu Solz beauftragt, den Entwurf einer Univcrsitäts- satzung vorruleren, sobald der Nachweis der
erforderlichen Mittel in vollem Umfange erbracht ist, hat der Magistrat schon vor einigen Wochen dem Kultusministerium den Finanz, plan der Universität vorqelegt. Hat der Kultusminister auf Grund seiner Prüfung des Finanzvlans die Ueberzeugung gewonnen, daß der .Nachweis der erforderlichen Mittel in vollem Umfange erbracht ist,- so wird er dem Kaiser den Entwurf einer Universitätssatzung vorlegen, worauf der Monarch die Stistun"s- urkunde unterzeichnet. Entsprechend dem Stadtverordnetenbeschluß vom zweiundzwanzigsten April hat der Magistrat nach erfolgter ministerieller Genehmigung des Finanzplanes diesen dem Finanzausschuß der Stadtverordnetenversammlung zu unterbreiten. Sind diese Formalitäten erledigt, dann kann die Eröffnung der Universität zum ersten April 1914 erfolgen.
Ein Defizit der Großen Dresdner. Wie uns aus Dresden berichtet wird, wird die große Kunstausstellung in Dresden, im Gegensatz zu der vorjährigen Hygiene-Ausstellung mit einem beträchtlichen Fehlbetrag abschließen. Dieser Fehlbetrag ist nicht nur auf die schlechte Witterung dieses Sommers, sondern auch auf gewisse moralisierende Tendenzen zurückzuführen, die bei der Eröffnung der Ausstellung in der deutschen Presse allgemein kritisiert wurden, mußte doch sogar Max Klinger darunter leiden.
.TL Das künftige Altonaer Opernhaus. Dieser Tage hielten di« Altonaer städtischen Kollegien eine geheime Sitzung ab, in der über den Plan des Baues eines Opernhauses beraten wurde. Wie verlautet, iftzden Mitglied«''« ein abgeänderter Antrag zugegangen, daß des Attienkapttal statt 250000 Mark 400 000 Mark betragen soll. Außerdem soll die Stadt Altona im Aufsichtsrat Sitz und Stimme haben. Das Haus soll nur zur Aufführung von Opern benutzt werden. Nack viereinbalb- stündiger Beratung beschlossen die städtischen Kollegien, die Angelegenheit zur weiteren Verhandlung einer Kommission zu überweisen.
.n. Goethe-Reminiszenzen in den Alpen. Eine interessante, tuir von wenigen Touristen
Nr. 837. — L Jahrgang.
Casseler Neueste Nachrichte«
Beiersdorf in einen Deich und ertrank. Die Leiche konnte geborgen werden.
Der heutige Manövertag.
(Privat-Telegramm)
Oschatz, 12. September.
Um neun Uhr vormittags erschien der Zeppelin-Ballon über dem Manövergelände. Zu derselben Zeit war der K a i s e r auf den Höhen von Liebschütz, mehrere Kilometer nördlich von Oschatz angekommen und beobachtete von dott aus die Bewegungen von „Blau-, Um 11 Uhr 15 Minuten hatte die sechste Division mit der Arttllette und Infanterie Oschatz erreicht. Die Flieger, die heute morgen aufgestiegen waren, waren im Manövergelände nicht zu sehen, die Orierttierung am frühen Morgen war infolge des Bodennebels sehr erschwert.
Napoleons Liebeslebe«.
Wieviel Körbe er sich hotte.
Die Zahl der Bewerbungen, die dem Prinz- Präsidenten und späteren Kaiser Napoleon III. einen „Korb- nach dem andern eintrugen, wird meist noch unterschätzt. In Wirklichkeit hat er fast bei allen Höfen Umschau nach einer Verbindung halten lassen und ist dabei nicht vom Glück be-zünstigt gewesen. Seine erste Liebe, die Tochter der Exkönigin von Westfalen, Mathilde de Montfort, heiratet« den Millionär Demidoff, und als Napoleon zum zweitenmal um sie anhielt, als sie sich Hatte scheiden lassen, löste die Kirche die Ehe nicht. Der Prinz-Präsident sah sich nun genötigt, sich anderwärts nach einer Lebensgefährtin umzusehen. Er klopfte vergebens bei einer Verwandten des russischen Kaiserhauses an, der Fürstin Leuchtenberg und erhielt ebenso von einer spanischen Prinzessin, der Schwester des Königs von Spanien, sowie von einer portugiesischen Herzogin einen Korb. Letztere war die HerzoginvonBragan- za. So verlockend, Herrscherin von Frankreich zu werden, es auch sein mußte, die Fürstentöchter hatten doch nur wenig Lust, ihr Schicksal in die Hände des Abenteurers zu legen.
Wohlwollende Geister lenften sein« Aufmerksamkeit auf die arme, aber außerordentlich schöne Karola von Wasa, die nachmals den Prinzen Albert von Sachsen heiratete, dann Königin wurde und vor nicht langer Zeit starb. Ei« Abgesandter unternahm di« einleitenden Schritte und ihre Familie erbat sich Bedenkzeit. Allein die Prinzessin, aus di« Napoleons Bild einen sehr unsympathischen Eindruck machte, widersetzte sich unter Tränen der geplanten Heirat. Außer sich über die Schlag auf Schlag erhaltenen Körbe schwor Napoleon, die Tochter eines Herrscherhauses heimzuführen, und wenn er sie mit dem Schwerte in der Hand holen sollte — zugleich aber fuhr er ge- duldig fort, weiter anzufragen. Er gab sich voll Zuversicht der Erwartung hin, eine kleine Prinzessin von Hohenzollern, die Prinzessin Stephanie von Hohenzollern-Sigmaringen, die spätere Königin von Portugal, würde seelen- vergnngt über solch einen glänzenden Antrag sein, aber auch sie wies den mächttgen Freier ab. Durch seinen Freund, Lord Malmesbury, ließ er die Königin Viktoria ersuchen, eine Verbindung zwischen ihm und ihrer Verwandten, Prinzessin Adelaide, zustande zu bringen. Doch wenn sie dem Plane gegenüber auch nicht absolut feindlich verhielten, erhoben doch die Königin und der Prinz - Gemahl Einwendungen.
Di« Unterhandlungen waren noch nicht definitiv abgebrochen, als di« Welt von der folgenden Notiz im halboffiziösen Pariser Blatte „Patri«- (19. Januar 18553) überrascht wurde: „Sicherem Vernehmen nach ist eine glückliche Begebenheit, bestimstft, die Regierung feiner Majestät zu befestigen und die Zukunft der Dynastie zu sichern, nahe bevorstehend. Es heißt, daß sich der Kaiser mit Fräulein de Montijo von Deba vermählen werde. Die Herzogin gehört einer der vornehmsten Familien Spaniens
an und ist die Schwester der Herzogin von Aba. Sie ragt ebensosehr durch geistige Begabung als durch vollendete Schönheit und Anmut hervor.-
Die Politik der Zag«.
Neues vom Balkan.
Wie in Paris eingetroffene Meldungen aus Sofia besagen, ist man In dortigen zuständigen Kreisen überzeugt, daß die Befürch» tungen ftiegerischer Verwicklungen mit der Türkei vor der Hand nicht eintreffen werden- Nicht nur der König und die Mehrzahl der Mitglieder des Kabinetts sind augenblicklich gegen einen Krieg, sondern auch di« Witterungsverhältnisse sind zurzeit in den an der Grenze gelegenen Landesteilen so ungünstige, daß an eine kriegerische Operation nicht gedacht werden kann. Zudem steht auch der Winter vor der Tür. Dagegen hegt man ernste Befürchtungen vor dem kommenden Frühjahr und glaubt, daß dann vielleicht ein Krieg ausbrechen könne. Griechenland und Bulgarien sind vollkommen einig und werden gemeinsam gegen di« Türkei vorgehen. Auch Serbien und Montenegro würden sich gegebenenfalls anschließen. — Ein uns aus Petersburg zugegangenes Privat - Telegramm besagt, daß der dortige bulgarische Gesandte Papri- k o w einem Besucher erklärte, er habe authentische Nachrichten, wonach die Krise ihre Schärfe verloren und di« Kriegsgefahr gebrochen fei. Die Beruhigung sei demnächst zu erwarten. Es wäre all« Aussicht vorhanden, die mazedonische Frage friedlich zu lösen.
Die französische« Manöver.
Nach einem uns aus P a r i s zugegangenen Privattelegramm werden bei den Herbst- manövern in der Touraine deren interessante Versuche mit einem Automobilpark angestellt werden. Es soll eine leichte Automobilkompagnie gebildet werden zu dem Zwecke, eine Kavallerie-Division, bestehend aus etwa drer- tausend Mann und dreihundert Pferden, täglich zu verproviantieren. Ferner beabsichtigt man, eine schwere Automobilkompagnie zu bilden, die während eines Tages ein ganzes Armeekorps mit Proviant versehen soll. Ferner wird eine Reserve-Automobil-Kompagnie zusammengestellt, die die Ausführung etwaiger Reparaturen übernehmen soll.
Politische Chronik.
Vorlagen für den Reichstag. Die Entwürfe über di« Unfallfürsorge bei Personen, die bei freiwilligen ReftungSapbeäten Schaden erlei. den und betreffend die Haftpflicht für Sach, schäden auf Nebenbahnen und Straßenbahnen bei Betriebsunfällen werden im Oktober den Bundesrat beschäftigM und alsdann dem Reichstag« zugehen.
Das HeeresergänzungSgeschäst. Die Neu- vqgelung des HeeresergänzungsgeschästK soll bereits im Frühjahr 1913 erfolgen, nachdem der Reichstag di« notwendigen Maßnahmen ge- billigt haben wird. Durch die Neuregelung wird neben der Entlastung der Militärbehörde eine wesentliche Erleichterung für die Wehrpflichtigen ^schaffen. Sie werden nur noch einmal vorgestellt und die Entscheidung über di« Diensttanglichkett soll bei dieser Vorstellung erfolgen, wobei die bürgerlichen Verhältnisse tunlichst zu berücksichtigen sind. Die Ungewiß- heft über das militärische Schicksal des Wehr- pflichttgen, di« oft für 'das Fortkommen hinderlich ist, wird dadurch beseitigt.
Das Parzellierungsgesetz. Zu der Meldung, das das Parzellierungsgesetz ein Ausnahmegesetz für die Ostmark werden solle, wird uns mftgeteilt, daß dies nicht zutreffend sei. Das Parzellierungsgesetz wolle den Güiekschacher und die Güterschlächcher bekämpfen, gleichviel aus welchen Mo iven diese Transaktionen vor
genommen werden. Die Güterschlächteveä kommt in allen Provinzen vor und deshalb soll das Gesetz diesem Treiben in der ganzen Monarchie Einhalt gebieten. Ein Parzellierungs. gesetzt für Posen und Westpreußen hat wenig Zweck, denn die Güterzerstückelung macht sich mehr in Schlesien, Ostpreußen und West, deiutschland bemerkbar. Wie das Parzellierungsgesetz jetzt aussieht, hat es kein« anttpol- uischen Tendenzen, sondern will einen Krebs, schaden auf dem deutsche« Gütermarft be. Mi gen.
Prinz Heinrich in Japan. Rach einer De- pesche aus Tokio überreicht« Prinz Heinrich von Preußen in feierlicher Audienz di« dem Kaiser von Japan verliehen« Kette zum Schwarzen Adlerorden. Dem deutschen Gesandten Grafen Rex und dem Hofmarschall Freiherr von Seckendorf wurde der Paul. lownia^)rden, dem General von Böhm das Großkreuz des Ordens der aufgehenden Sonne verliehen.
Eine polittsche Phantasie. Di« sozialdemokratische „Münchener Post- veröffentlicht «inen sensationellen Artikel über di« gegenwärtige Anwesenheit des früheren Königs von Portugal in München, in dem das Bestehen eines portugiesisch-bayerischen Komplotts behauptet wftd. An diesem soll besonders stark ine Herzogin Karl Theodor, Maria, Herzogin von Braganza und Infantin von Potugal, beteiligt sein. Es wird behauptet, daß sie bevetts einen großen Teil ihres Vermögens für umstürzlerische Zwecke in Portugal geopfert hab«. Die Herzogin befindet sich zurz«>ft auf Schloß Ostsnhofen am Stam- bergsr See.
Reu« vom Zim.
(Depeschen der Casseler Neuesten Nachrichten.)
xx Gewalten der Tiefe. Durch Schlagwei- ter-ExPloflon auf der Zeche Westend in Duis- burg-Meiderich sind heute nacht fünf Bergleute getötet worden. Die Ursache des Unglücks steht noch nicht fest.
«r Die eigene Mutter überfahren. In Stok- kum in Westfalen überfuhr ein Radfahrer auf abschüssiger Straße in der Dunkelheit eine Frau. Als er abstieg, um der Frau behilflich zu sein, sah er zu seinem Schrecken, daß es feine eigene Mutter war. Sie ist an den Folgen der erlittenen Verletzungen gestorben.
«r Der Tod auf der Landstraße. Auf einer Automobilfahrt von Detmold nach Bielefeld verunglückte gestern abend Ingenieur Petri bei Oberlinghausen tödlich. Beim Ausweichen stieß das Automobil gegen einen Chausseestein, wobei Petri herausgeschleudert wurde und daS Genick brach. Sein Chauffeur blieb unverletzt.
rrr Hochwasser überall. Infolge der anhaltenden Regenfälle und des starken Steigens der Nebenflüsse ist der Rhein über seine Ufer ge- tieten. Der Pegelstand bei Köln betrug gestern nachmittag 4,50 Meter. Das Wasser wächst ständig. Auch die Mosel ist seit gestern um annähernd dreiviertel Meter gestiegen und überschwemmt die niedrig gelegenen Ufer fast auf der ganzen Läng« ihres Mittellaufs. Im Ahr- g e b i e t ist der Bahndamm an mehreren Stellen erheblich gesunken, so daß die Eisenbahnzüge nur mit großer Vorsicht verkehren können. Nach einer Depesche aus Karlsruhe sind im Bühler Tal mehrere Bergrutsche erfolgt, durch die der Verkehr stellenweise unterbrochen ist. Der Neckar hat einen Höchststand von 7'/t Metern erreicht.
XX Ein schweres Gruben unglück. Ein fernerer Unglücksfall ereignete sich, einer Nach, richt aus Sondershausen zufolge, gestern beim Abteufen deS Sckachtes vier bei Jecha, wobei drei Arbeittr schwer verletzt wurden, während eine Anzahl anderer leichte Verletzungen davontrug. Der Unglücksfall wurde dadurch verursacht, daß der hochgehende Förderkorb gegen eine Schwebebühn« stieß und in*
Freitag, 13. September 1912.
folgedeffen abriß. Beim Absturz zertrümmert, er die tiefer gelegenen Spannhölzer.
iS Eine Dampfer-Katastrophe. Wie dre Hamburg-Amerika-Linie mitteilt, ist der Damp< fer „Kamerun-, der im Aftrkadienst der Linu beschäftigt ist. vor Grand SB aff a, einer Hafen- stadt von Liberia, untergegangen. Das Schiff das von Kapftän Hoff geführt wurde, uni feine Ladung sind verloren. Die Passagier, und Mannschaften sind von dem Dampfe, „Anna Woermann- nach Monrovia gebrach! worden. „
xx Ein Kinotheater eingestürzt. Bei der Be- lastungSprobe eines neuerbauten großen Shno- Theaters in Debreezin stürzten das Dach und die Mauer des Eisenbetonbaues ein. Zwe, Arbeiter wurden sofort getötet, vier erlitten schwere Verletzungen. Die Menge wollte den Besitzer, den Architekten. Viscotke, lynchen, bet jedoch als Schuldtragenden den Bauunterneh. mer Scholz bezeichnete. Die Meng« juckte Scholz in der ganzen Stadt, ohne ihn zu finden. Scheinbar ist er geflüchtet. Eine Untersuchung ist eingeleitet.
xx Die Renntierpest. Im nördlichen Norwegen toütet seit einiger Zeit unter den Renn- tieren die P e st. Die Seuche hat in Saltdalen bereits mehrere tausend Tiere dahingerasft. Auch in Schweden hat feie Seuche bereits großen Schaden angerichtet.
xx Fliegers Ende. Der griechische Flieger Karamarlakis stieg gestern morgen zu einem Ueberlandflug nach Patras auf. In der Nähe von Korinth stürzte der Flieger ab und fiel ins Meer. Bevor Boote die Unglücksstelle erreichen konnten, war der Flieger ertrunken. Die Ursachen des Unfalls sind noch nickt festgestellt.
is Der Millionär als Selbstmörder. Der Leiter einer Newyorker großen Seidenfabrik, der Millionär Nesiss, hat Selbstmord begangen, indem er Gift zu sich nahm Er hatte sich kürzlich in gewagte Spekulationen eingelassen und große Verluste dabei erlitten. Sein letzter Att, bevor er aus dem Leben schied, toa, der Versuch, die Aftionäre der Seidengesellschaft vor Verlusten zu bewahren, indem er der Gesellschaft seine LebenSversicherungSpolice vermachte.
xx Amerikanische Lynchjustiz. In der amerikanischen Stadt Culling im Staate Georgia haben unerhörte Ausschreitungen von Weißen gegen Neger stattgefunden. Eine aus etwa 2000 Personen bestehende Menge stürmte das Gefängnis und bemächtigte sich eines jungen Negers, der sich unter dem Verdacht der Mitschuld an einem Lustmord, dessen Opfer eine Farmerstochter war, in Haft befand. Der Mob riß dem Neger die Kleider vom Leibe und verstümmelte seinen Körper, der, von zahllosen Kugeln durchbohrt, nackt durch die Straßen der Stadt geschleift wurde, um sodann auf dem Marftplatze als ein abschreckendes Schauspiel für Frauen und Kinder aufgehängt zu werden.
xx In einen Abgrund gestürzt. Auf der elektrischen Bahn von Mentone nach Sospel (Dev. Seealpen) stürzte ein aus einem Motorwagen und mehreren Güterwagen bestehender Zug in einen hundertfünfzig Meter tiefen Abgrund. Die beiden Zugbediensteten wurden getötet.
$as Neueste ans Gaffet
Das Barometer steigt!
Dichter Nebel deckte heut« früh Feld und Wald; feucht und kühl K«g «S von den Wesengründen und von den Rasenflächen auf, und die Kronen der Bäume hatten sich in graue duftige Schleier gehüllt. Aber daS Sato- Meter, dieser gute Freund des modernen Menschen, zeigt« beträchtlich auf schönes Wetter. Nun mußte es doch auch endlich kommen, trotzdem feie Weilburger Wetterwarte noch gestern einige Zweifel geäußert und für heute mA leichten Regenfällen gedroht hatte. Und eS kam. Schon gegen «in halb acht Uhr zeichnete sich die Sonn« hell und glänzend hin. ter dem grauen Dunst ab, bald testen sich die Nebel hier und da; ein Helles goldenes Sttah-
beachte'« Goethe-Erinnerung stellt eine ovale, an manchen Stellen schon arg riffige Holztafel dar, die an der Wand des Gasthauses „Zur schönen Aussicht- in dem kleinen, idyllisch gelegenen Dörfchen Reith in Tirol hängt und die Inschrift trägt: „Die Gegend ist un- sterblich schön, und der Sonnenduft macht sie ganz herrlich. Goethe am 8. Sept. 1786.- Der Dichter passierte das also gepriesene Oettchen auf seiner italienischen Re-ise, die ihn im Iaht« 1786 über Eger, Regensburg nach München und durch Tirol führ'«. Eine andere in Marmor ausgeführte Goethe-Gedenktafel befindet sich in Mittenwald.
Morgan und die Ausgrabungen in Her. kulanum. Wie aus Newyork berichtet wird, will Pierpont Morgan aus eigenen Mitteln die Kosten der Ausgrabungen der Ban- reite von Herkulanum bestreiten. Der Mil- lionär soll bereits in jüngster Zeit mft italienischen, deutschen und französischen Altertumsfor. schern längere Unterredungen über diesen Plan gehabt und von jenen Gelehrten auch schriftlich« Gutachten erbt’.en haben, bevor er sein« diesbezüglichen Eingaben an die italienisch« Regierung richtete. Don den zu erwartenden Ergebnissen der außerordentlich schwierigen Ausgrabungen beansprucht Morgan nichts für seine eigene Sammlung.
A Die staatsgefährlichen Hofschauspieler. Dem kaiserlichen Marinetheater in Petersburg steht eine Krise bevor, weil das Hofministe- rium plötzlich entdeckt hat, daß gegen einige jetzt dort beschäftigte Schauspieler während der Revolutionsunruhen Strafverfahren eingcbei- tet waren. Es teilte den Betreffenden mit, ihre „Dienste- seien „nicht weiter erwünscht-. Die Direktion will aber fei« ehemaligen Revolutionäre, feie sich inzwischen zu sehr tüchtigen Mitgliedern der Hofbühne entwickelt haben, nicht entbehren und hat, der Frankfurter Zeitung zufolge, dem Hofministerium ein Gesuch um Rücknahme der Verfügung eingereicht. Bis zur endgültigen Entscheidung dürfen aber di« staatsgefährlichen Schauspieler nicht einmal d«u Proben beiwohnen.