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z. Jahrgang.

Casseler Neueste Nachrichten

Mittwoch, 11. September 1912.

s fäi findet

en»Nassau

(wie wir bereits

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Die Schlußszene mit dem Kernpunkt dieser Begegnung und dem Ringsherum der Aristo­kraten, die sich im Kerker bei tänzelnden Mc- uuetten und tiesen Reverenzen auf ihr letztes Stündchen vorbereiten, hebt das Niveau des Werkes bis in die Nachbarschaft jener ftech- schaungen Stimmung, die etwa in Schnitzlers Revolutionsgroteske .Der grüne Kakadu"' den Mord und das Gelächter eng benachbart. Aber auch sonst, trotz gelegentlicher psychologischer Ripe und geschichtlicher Verzerrungen, wird die ttorm literarischer Wohlanständigkeit stets ge­wahrt. Die Aufsührung, deren dekorativer Auf­wand, und derenFluß der Massen" ihrem Ucberwacher und Regisseur Victor Palst alle Ehre machten, litt unter der Ueberanstren- gung der Proben, deren letzte vom Abend vor der Premiere bis zum nächsten Morgen um neun Uhr gedauert hatte. Walter Turszinsky.

tsx Eure blutige Strastcuszene. In der Nacht zu gestern spielt sich in Düsseldorf ein blutiges Nenkontre ab. Dort war der Arbeiter Wirtz mit einigen jungen Leuten auf der S-raße in Streit geraten. Plötzlich kam eine Frau, die gerade aus dem Lustspielhause kam, dazu und traf ihren Bruder unter den Strei­tenden. Sie wollte diesen herausreißen, als der Arbeiter Wirtz unerwartet einen Revolver zog und zwei Schüsse abgab. Der eine traf die ryrau an der Halsschlagader, sodaß sie auf der Stelle getötet wurde Der andere verletzte ihren Bruder an der Hand. Wirtz und sein Vater, der der Schießerei ruhig zugesehen hatte und seinem Sohn sogar den Revolver ge­reicht haben soll, wurden verhaftet.

berichteten) am fünfzehnten September in Frankfurt a. M. in den Räumen des Kaufmännischen Vereins statt. Außer ®0lft<jnbSttiaI;Ien und Verbandsangelegen- hetten steht e n Vortrag des Rcichstagsabgcord- neten, Legationsrats Freiherrn von RiÄt- hofen überDie neuen Richtlinien des H"us"bundes auf der Tagesordnung. Freiherr von R'chthofen der bekanntlich bei der letzten Reichstagswahl an Stelle des Führers des Bundes der Landwirte, Dr. Dietrich Hahn, in ra?M,swÄ-la0 gewählt wurde, ist seit kurzem Geichaftsfuhrer des Hansabundes. Darnach dtzndikus Rudolf G o e r r i g denPreu- ßiichen Waflergesetzentwurf und die Interessen Hessen-Nassaus" behandeln. Der Reqicnmgs- ^wurf dos Wassergesetzes, der schonanimd ^stch fur Industrie und Gewerbe nicht günstig Kommission in seinen grund- legenden Bestimmungen noch zu deren Ungun- sten verändert worden. Die Verhandlungen zu der Tagesordnung dürften des- für leben.Besitzer erner wasserwirtschaft­lichen Anlage m der Provinz Hessen-Nassau von größtem Interesse sein.

Der Fall Traub.

Hochwüffer überall!

Infolge der gewaltigen Regengüsse führt der Neckar seit letzter Nacht Hochwasser. Der Schiffsverkehr wurde eingestellt. An vielen Orten herrscht Ueberschwemmung. Brücken und Stege wurden fortgeschwemmt. In Heidel­berg und den Nachbarorten richteten Damm­brüche schweren Schaden an. In Ziegel­hausen verschüttete ein Erdrutsch Straßen und Felder. Die Schwarzwaldbäche steigen mit ungewöhnlicher Schnelligkeit. Viele Bä­che drohen auszutreten. Große Ueber- sckwemmun-zen sind auch in vielen Teilen Württembergs durch fortgesetzte Regengüsse eingetreten. In der Stadt Ellwangen steht die neuerbaute Ueberlandzentrale unter Was­ser. In Gmünd wurde der Bruder des Mühlenbesitzers Meyer vom Hochwasser er­faßt und fortgerissen. Seine Leiche hat man noch nicht gefunden. In Lauffenberg wurde vom Hochwasser die Spundwand und das Stauwerk des Kraftwerkes unterspült. Dds Wasser drangt mit so großer Schnelligkeit ein, daß die Arbeiter sich nur mit knapper Not in Sicherheit bringen konnten. Nach einer Depesche aus Essen führen auch Ruhr, Lenne und Lippe starkes Hochwasser und über­fluten weite Strecken. Das Wasser steigt weiter.

besverhältnis, das die Eltern des Mädchens nicht länger duldeten. Trotzdem versuchte Leh­mann immer wieder eine Annäherung, und atz er zurückgewiesen wurde, reifte in ihm de: Plan, sich zu rächen. Vor dem Hause der El­tern des Mädchens versuchte Lehmann es zu er­würgen und stach dann auf es mit einem Mes­ser ein. Es gelang dem Mädchen, dem Bur- - scheu zu entfliehen. Herbeieilendes Publikum hielt den Täter fest, und es gelang, ihn der Polizei zu übergeben. In seiner Tasche sand man einen geladenen Revolver, den er seinem Meister gestohlen hatte. '

Launen der Witterung. Nach einem uns aus Hirschberg in Schlesien zugegangenen Privat-Telegramm trat heute Nacht im Hochgebirge heftiger Schneefall ein. Das Hochgebirge fft stellenweise mit Schnee völlig bedeckt. Eine Depesche aus Paris besagt, daß es dorr gestern etwa zehn Minuten lang schneite, doch blieb der Schnee nicht liegen.

~ Ein brennender Dampfer. Der Dampfer -Ftducia" aus Flensburg war am Sonntag auf der Fahrt von Finnland nach Holland wegen Sturmwefter in der Elbmündung vor Anker gegangen. Dort brach gestern Feuer an Bord aus. Der Spritzendampfer liegt neben dem Dampfer, da das Feuer stark weiter brennt. Man hat das Deck des brennenden Dampfers aufgebrochen, um besser an die Flammen heranzukommen.

tw Ein Raubmord im Eisenbahnwagen, Auf der Straße zwischen Krakau und Lenwerg wurde in einem Personenzug kurz vor Lemberg in einem Abteil zweiter Klasse eine Dame mit einer Schußwunde tot ausgefunden. Bei der Leiche wurden keinerlei Wertsachen gefunden. Als der Zug nach der Entdeckung des Mordes anhielt, sprang ein Mann aus dem Wagen und verschwand im nahen Walde. Der Täter konnte, obwohl die Verfolgung sofort ausgenommen wurde, nicht mehr eingeholt werden.

rw Eine Weticrkatastrophe in China. Ein englisches Blatt veröffentlicht einen Brief aus Wöntschou, wonach dort ein von Wolkenbrüchen begleiteter Taifun am 29. August ungeheure Ueberschwemmungen angerichtet hat. Die Stadt Tstngtien und andere kleine Städte sollen zer. stört sein. Die Zahl der Umgekomme. nen beläuft sich nach chinesischen Schätzungen ans 40- bis 5 0 0 0 0.

, rw Ein blutiges Kriegsspiel. Aus Paris wird telegraphiert: Bei den augenblicklich in der Umgebung von Tours stattsindenden Ma- novern ereignete sich gestern ein bedauerlicher Unglucksfall. Mehrere Abteilungen Kürassiere und Dragoner ritten eine Attacke, bei der plötz- Uch zirka 40 Reiter infolge der Unebenheit des Terrains aufeinanderstießen. Eine Anzahl Soldaten wurde verletzt, darunter zwei schwer. Ein Soldat wurde getötet.

Großfeuer in einer Ausstellung. Gestern abend brach in der Ausstellung in Dünkir. chen ein großer Brand aus, der durch den tarken Wind begünstigt wurde. Das Feuei griff von einer Baracke auf ein Cafshaus über Auch viele andere Gebäulichkeiten wurden in Mitleidenschaft gezogen. Nach längerer Arbeb gelang es den Feuerwehren, des Brandes Hen zu werden. '

Der Aufstieg wird mühsam.

Es ist sehr kalt, aber ich bin gut bedeckt und wenig Zu leiden. Viertausendsechs- hunvert. ,! ^ch habe meinen Rekord wieder: Das ist die Hauptfache. Ter Apparat beginnt auf der Luft, die nicht mehr trägt, zu treiben: der Kampf gegen das Versagen des Motors wird immer heikler. Ich hoffe jedoch, noch fünfhundert bis sechshundert Meter höher zu kommen Leider mache ich die Entdeckung, daß mein schlecht berechneter Sauerstoffvorrat vor­her erschöpft fein wird. Viertausend­achthundert Meter: Die Höhe des Mont Blauc. Ich habe auch nicht einen Schluck Lauerstoff mehr, und mein Motor lei. t>et an einer Knatterkrisis, die den Aufstieg unterbracht. Ich sehe sogar bei den Diagram­men eine absteigende Linie. Aber ich bin wie hypnotisiert von der Fünstausend-Meter-Linie die weniger als zwei Millimeter von der schreft benden Feder entfernt ist. Nur eine Panne oder die Erreichung des Zieles können mich zu einem Abstieg veranlassen. ... Endlich wieder eine schwach aufsteigende Linie: Ich gewinne wieder etwa zweihundert Meter. Die Atmung ist jetzt fehr mühsam.

Da find die fünftausend Meter.

Ich habe sie! Ich will darüber hinaus. Da ein Stoß und ein großer Krach! Ich hin ein biß. chen erstaunt, daß ich nicht von meinen Flügeln rm leeren Raum im Stich gelassen werde Mit einer fast plötzlichen Bewegung, die rascher ist als feder Gedanke, habe ich die Zündung zer­schnitten und befinde mich im Schwebeflug Jede Schraubendrehung bringt eine Erschütte­rung hervor; der ganze Apparat zittert, und ich will so langsam als möglich hinuntersteigen, um meine durch die Erschütterungen schon arg mitgenommenen Flügel zu schonen. Im Motor ist irgend ein wichtiger Teil, eine Kurbelstange wahrscheinlich, zerbrochen. Aber die Schwin- «ungen und Schwankungen lassen nach, und die Schraube bleibt endlich stehen. Es ist das Gleiten des Schwebeflugs! Ueber viertausend Meter trennen mich noch vom Boden, aber ich habe den Eindruck, daß ich der Gefahr entron. neu bin. Ich komme wieder durch die Wolken und habe die Freude, unter mir herrliche $Hc. fen zu sehen: Ich brauche mir nur die schönste auszusuchen. Es wäre ein Kinderspiel ohne das enffetzliche Brausen, das ich seit fünf Mi­nuten in den Ohren Labe. Endlich nähert sich die Erde. Rur ein paar Sekunden Aufmerk­samkeit: Ich ruhe sanft auf einer prächtigen Wiese. Ich Lin um zwanzig Kilometer vom Wege abgekommen, aber ich Labe meinen Re­kord ...!"

Sie Politik der Lager.

Der Hansa-Bund in Hessen Nassau.

®et -Dortmunder Zeitung" wird von juri- stischer Seite gefchricben: Die Veröfsentlichunq d" Akten über den Prozeß Traub hat die über­raschende Tasiache ergeben, daß der Oberkir­chenrat auf Grund seines gesetzwidrigen Vor­gehens zu dem harten.Urteilsspruch gekommen jy- tw federn Strafverfahren dürfen neue Anklagepuntte nur mit Zustimmung des Ange- Verteidigung zum Geg-m- stand der Verhandlung gemacht werden. In zweiter Instanz ist eine solche Erweiterung der Anklage überhaupt unmöglich. Trotzdem hat der Oberkirchenrat ein neues Moment in die Verhandlung gezogen; ja, sein Urteil in V st er Linie darauf aufgebaut. Auch eine Reihe anderer, minder bedeutsamer An- klagepunfte sind im Berufungsverfahren gel­tend gemacht und dem Endurteil zugrunde ge­legt worden. Es wird von der juristischen Be­ratung Traubs in den nächsten Tagen abhän­gen, in welcher Weise die Feststellungen verwen­det werden.

Politische Chronik.

Die Lebensmittelteuerung. Wie die ^Allge­meine Fleischer-Zeitung" ans zuverlässiger Quelle erfahrt, beabsichtigt die Regierung, den Zoll auf einzelne Futtermittel zu beseitigen oder zu ermäßigen, um die Aufzucht zu er­leichtern.

Kandidaten für den Landtag. Die National- liberalen in Aschersleben stellen für das Landtagsmandat des verstorbenen Grafen Douglas den Amtsgerichtsrat Reiß in Staß- furt auf. Der Bund der Handwerker und Mit­telstandler tritt für den Malermeister H e i n ß in Aschersleben ein. Ein Beschluß der Konser­vativen steht noch aus.'

köd LshLx hinter den Kulissen. In einem englischen Theater sollte jüngst eine neue Ope­rette des Komponisten der »Lustigen Witwe" gespielt werden; man war bei den ersten Pro­ben. Die Schauspielerin, die die Hauptrolle spielte, stand auf der Bühne, wo sie gerade eine der schönsten Nummern der Operette sang Zu ihrer großen Entrüstung wagte ein Mann, der hinter den Kulissen stand, ihr eine kleine Aen- derung der Melodie zu soufflieren. Sie ant- ivortete ihm streng, daß ste singe, wie eS ihr passe. Nach der Probe fragte die Sängerin: Wer ist denn eigentlich dieser Mann, der mir einen Rat zu geben wagt?" ... ,CB!" antwor­tete man ihr, »machen Sie sich nichts daraus. Es ist bloß der Mann, der die Musik geschrie­ben bat!"

Kongreß kür Geburtshilfe. Der Kongreß für Geburtshilfe und Gynäkologie wurde gestern im Herrenhause zu Berlin er- öfffnet. Der Präsident, Geheimrat B u m m, begrüßte die Teilnehmer. Namens der Reichs- leitunq und der Staatsreaierung begrüßte der Kultusminister den Kongreß, der ein weiterer Markstein des Fortschritts auf dem ungeheuer wichtigen Gebiete fein möge.

£= Was Overnausstattungen kosten. Im Dresdener Hoftheater fanb kürzlich die Pre­miere von Alfted Kaisers musikalnchem Sckau- spiel »Stella maris" statt, dessen Ausstat- Ms die Presse zu den besten der Hofoper zählt

Ls^,Errlichtting hindurch; aber ick habe den Eindruck, als ob rcy mich, statt mich ihr zu nä­hern, rückwärts von ihr entferne. Dabei macht mein Apparat über hundertuinfz-hn Kilometer in der Stunde! Viertausend! Kein Zweifel mehr: Ich bin fortgerissen von dem Winde, der infolgedessen mehr als hunderffünst Zehn Kilometer in der Stunde zurückleat (32 in ber Sekunde) ... Man glaubt jedoch, vollstän- regelmäßig ist der Wtnd. Ich sehe unter mir, von Zeit zu Zeit durch eine Lücke in den Wolken ein Stückchen von der normannischen Landschaft, dank den Lochern, mit welchen ich die Flügel meines Apparates, habe versehen lassem Der Motor wird schwader: Es knackt, als ob er versagen wollte. Erne neue Dosts Essenz macht alles wieder gut. ^ch beginne Sauerstoff einzuat- men, indem ich diePulsschläge" meines Mo­tors zahle; ihre Zahl bleibt normal.

Die Stadt der Theater.

Die nette Berliner Knrfürsten-Sper.

Die »Kurfürstenoper", die sich gestern wie Mephisto dem Faust, in frischem, »rotem, goldverbrämtem Kleide" und unter der Herr­schaft eines neuen Direttors, Victor Pal- si s, bisher am »Neuen Operetten-Theater", zeigte, hätte dieses Erröten im Grunde nicht nötig gehabt. Denn die neue Zeit des Hauses wurde mit dem Erfolge inauguriert, dessen Wurzeln mir auch dann kräftig genug erschei- n«n, wenn man aus der Tonstärke des Beifalls die Mitwirkung wohlgesinnter Hausfreunde herauShorte. Diese hätten freilich getrost ab- rusten können: denn Wilhelm Kienzls dreiakttges, musikalisches Schauspiel »Der Kuhrei gen", dessen Jnhaltslinien der Pra- ger Mustffchriftfteller Richard Batka einer grotesken NovelleDie kleine Blanchefleur" von Rudolf Hans Barffch nachgezeichnet hat, ist als Drama und als musikalische Arbett stark Senug, um für sich selbst einzustehen.

Auch Kienzl muß dieses Mal, so bald sein Librettist es will, in sich selbst nach neuen Fähigkeiten suchen. Er muß, um das Weltbild der ftanzöstschen Revolutton vorübergehend sestzuhÄten, feine empfindsame und emp- findurrgsvolle Partitur zu Richard Straußi- schen Kakophonien und den brutal wahrheits- getteuen Charafterisierimgsversuchen der ita­lienischen Veristen ausregen. Man verlangt von rhm (für die Uebermalung der ersten Szene des zweiten Aktes, in welcher die ge­spreizte Formalität eineslever" des regieren­den Königs von Frankreich auch in der Musik satyrrsch-amüsant gerahmt zu werden verdien­te) sogar Humor, mit dem Kienzl, seine OperTon Quixote" war dafür Kronzeuge, sich so gar nicht zu stellen vermag. Aber er­freulicherweise dürfen diese Abstecher nach an­deren Usern nur eben Spritztouren bleiben: und die wesentlichsten Bestandteile seines Bu­ches zwingen und treiben den Tondickter, le­diglich zwischen seinen musikalischen Lieblings­tendenzen, also zwischen einer sentimental rind einer volkstümlich betonten Lyrik die Mitte zu halten. Nun: wie srisch weiß er da die breit einführende Soldatenszene des ersten Aktes mit Krickelnden Manions, und würzigen Roman-

Was sie aber gekostet hat, dürften bei aller Be. wunderung nur wenige Besucher geahnt ha. ben, und es seien deshalb hier einige Zahlen publiziert. Die kleidsame Sonntagstracht der armen" Fischerleute aus der Bretagne, die im ersten Akt den Chor bilden, wurden nicht etwa in einem Dresdener Atelier hergestellt, sie war echt aus Patts bezogen, wo der Komponist selbst sie in Antiquitätenhandlungen ausgesucht hatte. Die Kostüme kosten 400 Francs das Stück. Das goldgestickte Brautkleid der Haupt- darsteller aber war mit diesem hübschen Preis nicht bezahlt, es stellte sich auf nahezu den fünf­fachen Betrag, auf 1800 Mark. Im letzten Akt, der am Meer spielt, erfreuten wunderschöne Muster- und Erikabüsche das Auge. Der Ge. nutz wurde mit 1200 Mark bezahlt. Wenn man nun die reinen Dekorationskosten mit nur 10000 Mark veranschlagt, so dürste man über­zeugt sein, daß die Summe von 45 000 Mark, die man in Dresden als für die Gesamtausstat­tung vonStella maris" ausgegeben nennt, nicht zu hoch gegriffen ist.

Deutsche Opern in London. Vom Ja- nuar ab sollen während zweier Monate an der Covent Garden-Oper in London deutsche Opernvorstellung stattftnden. Thomas Beech am ist zum Leiter dieser außerordentli­chen Saison ausersehen, et wird unter anderem Stidjarfc Strauß'Rosenkavalier" zum ersten Male in England zur Aufführung bringen, auchElectra",Salome" undDie Meistersin- ger" stehen auf dem Repertoire. Die besten Künstler aus aller Welt sollen zu diesen Aus- Lhrungen herangezogen werden und man will keine Kosten sparen, um die Ausstattung in jeder Weise glänzend und vollendet zu gestalten Das russische Ballett wird die Abende 'füllen, an de- nen die Oper aussetzt.

Auch ein Aberglaube! Am letzten Er­len klopft es frühmorgens beim .Fädinand", einem lockeren Junggesellen, gegen die ver- chlossene Zimmertür. Der Fädinand liegt noch in den Federn.Wer do?" ruft er schlaf­trunken. ...Ein Gläubiger," schall, »s zu­rück. ...Wat glaubst do denn?" forscht der Fädinand. ...Daß Sie mir heute endlich ben letzten Anzug bezahlen!" ...Dar Aberglaube!" schließt der Fädinand das Ge- lpräch, »domer aevven ich m'ch nit av! Fch

zen alffranzöstschen Sttls zu durchwirken. Wie breit, üppig und klar rinnt iün der Fluß der Melodik, sobald es nötig wird, aus der Ex­position das beherttchende Thema zu entwik- keln: da§ einem Volkslied entnommene und auch in einem Volkslied leitmotivisch gestaltete Heimatsgefühl des schweizettschen Soldaten auszudrücken, dem die Pastorale Abendstim- mung auf dem Kasernenhof ein Lied auf die Lippen zwingt, auch wenn er sich dabei um Leib und Leben singt.

Wie gut gelingen Kienzl endlich jene kleinen Randbemerkungen (etwa das Menuett, das dem ziveiten Akt als Intermezzo vorangesetzt ist), die ihm das historische Kolorit der Vorgänge eingibt, und deren frivole Zierlich­keit, wenn sein Held, fein biederer Schweizer und dessen Ideal, die kokette Courttsaue, die kleine Blanchefleur", gufammenfDmmen, er höchst Pikant auch in der Pattitnr mit einer Dosis Feld-, Wald- und Wiesenduftes zu über- stänben weiß. . .

Das Libretto: in Musik gesetzter Schönherr. Und zwar mehr »Heimat" alsGlaube". Pri­mus Thaller, der wackere Schweizer Sol­dat, ist zum Tode Verurteilt worden, weil er auf dem Kasernenhofe feinen Tenor nicht hal­test konnte und jenes streng verbotene Lied an stimmte, das die Kameraden fchon scharenweise zur Defettion in die Heimat anregte, und des- fen melancholische Anfangszeilen: »Zu Straß­burg auf der Schanz, da ging mein Trauern an auch uns geläufig sind. Eine hübsche Hos- kokotte, deren dunkel punftietteu guten Rus Primus einmal gegen Kameraden vetteidiate, legt beim Könige Berufung ein. Einen Jur will sie sich machen. Aber der brave, vom Tode befreite Schweizer merkt die Absicht, ist sich für den Schäfer eines Schäferstündchens zu gut und bittet:O Königin, Göttin, lass' mich ziehn!" Als er, demnächst zum Kapitän einer Jakobinerhorde ernannt, die Marquiie Bla"- 1 ckesleur inmitten der Greuel der französischen : Revolution und im Gefängnis wieder findet : und ihr den nervigen Arm abermals um den Hals legen möchte, ist dieser Hals dem Fall- 1 beil geweiht. Und auch jetzt schreitet Madame mit einer anmaßenden Geste und einem ver­blümten:fi donc" lieber zur Guillotine, als daß sie sich entschließen könnre, auf die Dauer: «Frau Thaller" zu werden. .. .....

Französische Sensationen. Ein Pariser Blatt hat gemeldet, daß die umfangreichen Sicher- hettsmaßnahmen beim Besuch Kaiser Wilhelms in Zurich auf ein Attentat zurückzuführen seien, das gegen das Leben des deutschen Kaisers ge­plant gewesen wäre. Diese Meldung ist völlig grundlos Die zum Schutze des Kaisers getrof­fenen Sicherheitsmaßnahmen sind nicht über das bei dergleichen Anlässen übliche Maß hin­ausgegangen und durch keinerlei verdächtige Umstände veranlaßt worden. Vielleicht hängt die irrige Meldung damit zusammen, daß be- reits vor einigen Wochen in Zürich ein italieni­scher Anarchist verhaftet wurde, der sich aber auch nicht durch Aeußerungen über Kaiser Wil- Helm, sondern über den König von Italien ver- dachttg gemacht hatte.

rtt Der 4.0b auf den Schienen. Nach einer Meldung aus Unna wurde gestern mittag ein leben Jahre altes Mädchen aus Altendorf bei Arnsberg von einem einlaufenden Schnellzug überfahren und lebensgefährlich verletzt. Nachmittags wurde bei der Einfahtt eines Zuges ein Monteur aus München-Gladbach überfahren und auf der Stelle getötet.

rtt Ein hoffnungsvoller Jüngling. In K ö - Venikbei Berlin versuchte der achtzehnjährige Arbeftsbuttche Paul Lehmann die sechzehnjäh­rige Berta R. zu töten, weil sie seinen Liebes­arttragen kein,Gehör mehr schenken wollte. Die beiden unterhielten seit längerer Zeit ein Lie-

Vor einer neuen Krise? Di« englische Re­gierung beschäftigt sich augenblicklich mit dem drohenden Ausstand der Werftarbeiter Letz- tere, besonders die Kesselschmiede, Scki'fskon- es^ a D« erste Delegiertentag strukteure und Mechaniker haben ein Reseren-

5ef fett. 9?« Hfl» Pro vinz bum über die Frage des Ausstandes auSgeat-

U^O-s-sast^findet (wie wir bereits beitet und darüber, ob den Arbeitgebern eine

dreißigtägige Frist vor der Mederlegung der Arbeit gestellt werden soll. Di« Arbeiter hatten eine vierproz>entige Lohnerhöhung verlangt, je- doch war ihre Forderung von den Direktoren abtehnend beschieden worden. Im Schoße des Kabinetts ist man der Ueberzeugung, daß die Abstimmung über den Streik eine große Mehr­heit zugunsten der Arbeitsniederlegung ergeben wird. Tie drei Syndikate der erwähnten Ar- beiterkategorien verfügen über ein Kapital von zusammen 15 Millionen Mark. Ein Ausstand int jetzigen Augenblick würde den Streikenden vielleicht baw zu dem erhofften Ersolge verhel­fen, da sämtliche Werke mit Aufträgen über­bürdet sind. Man glaubt, daß der Aussta"d insgesamt anderthalb Millionen Arbeiter um­fassen wird. Sollte derselbe Wittlich znm Aus­bruch kommen, so stände England wieder vor einer nationalen ffrife, die vielleicht die vorjäh­rige noch übertreffen würde.

Sos Neueste am stastel.

Warum ist der Sommer verregnet?

Auf den August, dessen DurchschnittS- temperatur in diesem Fahre nach genauen Berechnungen noch um ein Zehntel Grad nied­riger war als 1844, und der deshalb den Ruf ür sich in Anspruch nehmen kann, seit hun­dert Jahren der kälteste August ge­wesen zu sein, folgte ein September, der es bisher noch schlimmer trieb. Der diesjährige August war um mehr als sechs Grad kälter als