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Hessische Abendzeitung

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Nummer 23S.

Fernsprecher 951 und 952.

Mittwoch, 11. September 1912

Fernsprecher 951 und 952.

2. Jahrgang.

Frankreich in Marokko.

Eroberungspolitik. ..Wirtschaftspolitik.

Die nachfolgenden Ausführungen verdanken wir einem Deutschen in Tanger, der auf wiederholten Rei­sen tn Marokko sich über die dortigen deutschen Interessen eingehend infor­mierte und der zu einem intimen Ken­ner der einschlägigen Verhältnisse ge­worden ist. Ohne Zweifel werden die Ansichten deS Verfassers auch in unserm Leserkreise lebhaftes Interesse finden. Bald jährt sich der Tag, an dem die Fanfare von Agadir zur Chamade des deutsch-französi­schen MaroKo-Älbkommens wurde. Die ge­panzerte Faust von ehedem verwandelte sich tn ein Sammetpsötchen der Entsagung. Frank­reich gewann Marokko, Deutschland erhielt außer Kongoländereien die Zusicherung unge­störten Handels in diesem Lande. Und noch etwas mehr. In dem einleitenden Texte des Abkommens wird die Notwendigkeit betont, in Marokkotat allgemeinen Interesse" das in der Algecirasakte vorgesehene Werk des ruhigen Fortschritts zu fördern", und in Artikel 1 ist von dem Vorhaben Frankreichs die Rede,die marokkanische Regierung bei der Einführung aller derjewigen administrativen, gerichtlichen, wirtschaftlichen, finanziellen und militärischen Reformen zu unterstützen, die zu einer guten Regierung des Reiches erforderlich sind". Man durfte danach erwarten, daß Frankreich vor allem di« friedliche Entwicklung Marokkos im Auge haben und dadurch dem andern vertrag­schließenden Teile, Deutschland, wirtschaftliche Vorteile bieten werde. Reformen, nicht Er­oberung ... so stellte sich das Leitmotiv der stanzöstschen Maroftopolitik dar.

Heut« sehen wir, daß Frankreich in Ma- rokko sich ausschließlich von imperialistischen Interessen l«it«n läßt. Nicht die wirtschaftliche Entwicklung des Landes, sondern die Ni«, derwersung der Bevölkerung ist sein Ziel. Der Zeitpunkt, an dem Deutschland die we­sentlichen Vorteile deS deutsch-französischen Ab­kommens spürt, rückt in immer weitere Ferne. Seit 1907, dem Jahr der Beschießung Casa­blancas, steht Marokko tat Zeichen der politi­sche» Wirren, bi« durch Frankreichs Politik hervorzerufen und genährt werden. Die Art und Weise, wie Frankreich dem Sultan Abdul AsisReform" nahelegte, führte zum Aufstand, aus dem Mulay Hastd als neuer, vom Volke erwählter Sultan hervorging. Mulay Hafid mußte, weil er nicht gefügig genug war, dem von Frankreich erwählten Sultan Mulay Jus- suf weichen. Die Folge ist wiederum eine Em­pörung in Süd-Marokko, die zur Vertreibung der Europäer aus Marakesch und zur Lahm­legung des Handels führte, an dem Deutschland in erster Reihe beteiligt ist. . . . Nach der Besetzung von Marakesch, di« Frankreich jetzt vorbereitet, wird zwar die Ruhe und Ordnung in dieser Stadt hergestellt sein, doch von einem Aufblühen deS Handels wird man vorerst so wenig spüren, wie in FeS, in dessen Umgebung noch immer unsichere Zustände herrschen. Sind die Bezirke von Fes und Marakesch befriedet, so kommt der Sus heran mit seiner besonders sanatischen Bevölkerung und seinem für euro­päisch« Soldaten recht schwierigen Klima. Schließlich haben die Franzosen, nachdem alle leicht zugänglichen Teile Marokkos besetzt sein iverden, im Kampfe gegen die gefürchteten Stämme des Atlas noch die härteste Nuß zu knacken. Diese unabsehbaren Kämpfe, während deren mit immer neuen Aufständen der bereits unterworfenen Stämme zu rechnen ist, werden sich um so länger ausdehnen, als Frankreich im Hinblick auf die Weltlage die Truppenkadres des Heimatlandes möglichst intakt erhält und mit verhältnismäßig schwachen Streitkräften die Eroberung Marokkos nur allmählich vor­nehmen kann.

Was wird inzwischen aus dem Handel? Der französische Kaufmann ist bei den Marok­kanern so verhaßt, daß er im Verkehr mit den Eingeborenen die schlechtesten Chancen unter allen Konkurrenten hat. Wie und wo der fran­zösische Handel in Marokko blüht, sagt die Han- delsstattstik deutlich. An dem Handel Casa­blancas, wo dir französisch« Herrschaft bereits alles wirtschaftliche Leben durchdringt, war Frankreich nach der französischen Statistik für 1911 mit 18 240 908 Francs beteiligt, Deutsch­land mit 4 955 563 Francs. Für Mazagan, Saffi und Mogador, wohin die französisch« Penetration pacifique erst neuerdings ihre krie­gerischen Arme ausstreckt, ist das Verhältnis ein ganz anderes. Ter Handelsanteil Frank­reichs für Maraaan beziffert sich auf 3 015181

Das Geheimnis von Buchlau

ceffsicherheit, mit aide von Buchla

nicht von Nervosität befa!

Francs (Deutschland 4719 991 Francs), für Saffi Frankreich 2984708 Francs (Deutschland 7220 906 Francs), für Mogador Frankreich 5 222 210 Francs (Deutschland 4189 502 Frcs.). Diese Ziffern sind typisch. Frankreich erobert Marokko in der Weise, daß sein Handel den der anderen Nattonen weit überflügelt. Die der Eroberung voraus gehenden Wirren leiten die. sen Prozeß ein, indem sie den Handel allgemein schwächen.

Eine derartige Entwicklung entspricht nicht dem Geist und dem Wortlaut des deutsch-fran­zösischen Abkommens. Deutschland hat das Recht und die Michi, gerade jetzt, wo Frank­reich seine militärischen Operationen nach Süd­marokko ausdehnt, die wirtschaftlichen Inter­essen dieses für uns hervorragend wichtigen Gebietes in Erinnerung zu bringen und die Vertragspflicht Frankreichs zu betonen, diese Interessen möglichst mit friedlichen Mitteln zu fördern. Mulch el Hiba ist der Volkssultan dieses Gebiets. Seine festgegründete Autorität kann Frankreich sich zu Nutze machen, Wenk es, laut Algeciras, das Werk des ruhigen Fort­schritts fördern will. Aber es hat nicht den Anschein, als ob Frankreich mit diesem Manne zu unterhandeln gedenkt. Es schickt sich an, die Kriegsfackel in die reichen Distrikte von Süd- Marokko zu tragen, dem Wohlstand der Bevöl­kerung tiefe Wunden zu schlagen, den Geschäfts­verkehr auf lange Zeit zu unterbinden. Auf diesen Stand der Dinge hinzuweisen, ist gebte- te'-ische Pflicht. Unsere Reichsregierung wird ohne Zweifel als gewissenhafte Hüterin des deutsch-ftanzöstschen Abkommens sich erweisen, und an der Seine zum Ausdruck bringen, daß Deutschlands wirtschaftliche Interessen in Ma­rokko mit der Eroberungspolitik Frankreichs nicht in Einflang zu bringen sind. . ,

feilte

Das erste praktische Ergebnis der Staats- Männerbegegnung in Buchlau darf man bereits in der durch Drahtmeldung verbreiteten ErNä- rung der türkischen Regierung erblicken, daß sie eine Reihe von Verwaltungsetnrichtungen eta- zuführen gedenke, die in den fundamentalen Ar­tikeln der oftomanischen Verfassung vorgesehen sind. Wenn die Hohe Pforte den Ausbau ver Selbstverwaltungskörper in den VilajttS, Sandschaks und Kasas auf der Grundlage »er türkischen Verfassung verspricht so deckt sich dies vollkommen mit den österreichisch-ungarischen Vorschlägen. Es ist immer tat Auge zu behal- ten, daß die Wiener Polttik eine Festigung der Türkei ohne jede fremde Einmischung anstrevt. Nur in Berücksichtigung der Ratschläge aus Wien und Berlin vermag die europäische Türket die ungeheure Krise zu überwindem m die sie durch die Schuld eigensinniger Führer ge­raten ist. , ,

Nicht ohne tiefen Sinn hatte Herr von Berch- told zum Empfange des deutschen Reichskanz­lers über dem Eingänge in das Konferenzzim­mer die Inschrift anbringen lassen: .Hier an dieser Stelle haben Graf Aehrenthal, Minister von Oesterreich-Ungarn, und Monsieur Is­wolski, Minister des Aeußern von Rußland, am 16. September 1908 ihre Konferenzen ab geh al­ten/ Es sollte dadurch zu entschiedenem Aus­druck kommen, daß der neue Tag von Buchlau mit den: alten in enger Verbindung stehen soll. Die österreichische Politik Wil die Tatsache nicht verwischen lassen, daß vor vier Jahren eine Einigung in den Hauptpunkten bezüglich der Balkandinge zwilchen den Kabinetten von Wien und Petersburg erzielt wurde. Wenn Mon­sieur Iswolski alle seine Buchlauer Zugeständ­nisse später widerrief, so vergiftete er dadurch die bis dahin freundlichen Beziehungen Ruß­lands und Oesterreich-Ungarns. Die Wiener Politik hält sich nach wie vor strenge an die Mürzsieger Vereinbarung vom Jahre 1903, daß die Reformen in der Türkei mit Schonung des Sultans und nickst gegen seinen Willen durch­gesetzt werden dürsen. Je länger sich der Sul­tan aber weiaert. nach den Ratschlägen des

Grafen Berchtold zu handeln, um so gespann­ter wird natürlich die Lage. Die bulgarischen Truppen häufen sich längs der türkischen Grenze immer dichter auf und harren nur des Befehls, das Feuer auf die Moslems zu er­öffnen. Serbien hat durch sein soeben erfolg­tes Getreideausfuhrverbot dargetan, daß es sich bereits mitten in der Mobilisierung befindet. Wenn es nicht zum Kriege aller gegen alle kom­men soll, so mutz die Türkei schleunigst in die von Wien aus dargebotene Hand einschlagen. Aus dem kleinen Konferenzzimmer zu Buchlau ist der Hohen Pforte nunmehr in zwölfter Stande ein Wink erteilt, der am Goldenen Horn auch verstanden zu sein scheint.

Das drohende Unwetter.

(Privat-Te leg ramme.)

Sofia, 10. September.

DaS mazedonische Exekutivkomitee erhielt von den mazedonisch-bulgarischen Körperschaf­ten der mazedonischen Einwanderung Nord­amerikas die Mitteilung, daß fünfzehntausend wehrfähige Mazedonier nnd Bulgaren bereit eien, auf den ersten Ruf sich einzuschiffen, falls es zum Kriege zwischen der Türkei und Bul­garien kommen sollte und Hilfe notwendig sei.

Aeskueb, 10. September.

Ein Sonderzug mit dreißig Wagen Kriegs­material für Serbien passierte, von Saloniki kontmend, Ueskucb. Die hier lebenden Bulgare» wurden verständigt, auf die erste an sie gelan­gende Aufforderung nach Bulgarien abzureisen.

Die deutschen Kaisermanöver.

Line militärische Vorschau.

Neun Jahre sind es her, seit die Sachsen zum letzten Mal Kaisermanöver hatten. Da­mals standen sich nur zwei Korps gegenüber, während sich tat diesjährigen Kaisermanöver die Zahl der Streiter auf mehr als zwei Ar­meekorps, d. h. auf annähernd 130 000 Mann beläuft. Jede der feindlichen Armeen besteht aus zwei Armeekorps zu je zwei Jnfanterie- Divistonen, aus je einem Kavalleriekorps und den notwendigen technischen Truppen. Im Gan­zen sind also in diesem Jahr auf einem ver­hältnismäßig flehten Raum zwölf Divisionen deS deutschen Heeres vereinigt, um vor ihrem obersten Kriegsherrn, dem Kaiser, der eben erst von den Schweizerischen Manöver» zurückge- kehtt ist, zu üben und ihm zu zeige», was ste gelernt haben und leisten können. Auf der einen Seite find das 3. (brandenburgische) und das 12. (1. sächsische) Armeekorps, auf der anderen stehen das 4. (magdeburgische) und das 19. (2. sächsische) Armeekorps mit den ihnen zuge­teilten Kavalleriekorps. Am gestrigen Montag begannen di« großen Aufklärungsübungen der beiderseitigen Kavalleriekorps, die wie tat Krieg die Einleitung der beiderseitigen Ope- rattonen bilden. DaS westliche Elbufer von Meißen bis Mesa hinauf war von blauen Posten besetzt, welche auf rote Kavallerie- pattouillen feuerten, die auf btn Höhen des westlichen Ufers erschienen. «

Die Luftschiffe und Flugmaschi- n«n, di« sich an den diesjährigen Kaisermanö- vern beteiligen, sind dazu Lestimmt, die Aufllä- rungSarbeit der Kavallerie zu ergänzen. Gang ersetzen werden sie di« Kavallerie nie­mals können. Auf Leiden Seiten werden so­wohl bei der Heereskavallerie wie bei den Ar­meekorps etwa je zwanzig Flieger Dienst tun. Wie die Verteilung der Lenkluftfchiffe ist, wurde noch nicht bekannt gegeben. Es nehmen an den Manövern jedenfalls drei Luft­schiffe teil, derZ. 8*. derP. 3" und der M. 3e, das heißt, ein Schiff des starren, des unstarren und des halbstarren Systems. Außer­dem finden tat Nachrichten, und Meldedienst noch hundertfünfzig Automobile des Freiwilli­gen Automobilkorps und vierunddreißig Mo- torfahrer des deuffchen Allgemeinen Automo­bilklubs Verwendung. Das Feldfernsprechge­rät, die Fernsprechabteilungen und die Fun- kentelegraphie treten vom Armeeoberkommando bis herab zur Jnfanteriekompagnie in der Schützenlinie in Tätigkeit. Am heutigen Dienstag beginnen die eigentlichen Kaiserma- növer. Es ist zu hoffen, daß das stürmische und regnerische Wetter, das in der letzten Zeit geherrscht hat, den Fliegern und den Lustschif- sern ihren gefahrenreichen Dienst nicht zu sehr erschwert, und daß der vom Regen aufgeweichte Boden den Truppen, vor allem der Infanterie, nicht zu groß« Hindernisse entgegensetzt.

Ebenso wie int Interesse der möglichst kriegs­mäßigen Durchführung des Manövers alle An­gaben über die Zusammensetzung, die Führer und die Anmarschwege der beiderseitigen Ar­meen bis zum letzten Augenblick unterlassen wurden, ist dies auch tabezug auf das Ende der Kaisermanöver geschehen. Allerdings weiß der Generalstab selbst noch nicht/ob das Manöver am 13. oder am 14. September zu Ende ist, da dies ausschließlich von den taktischen Maßnah­men der beiden Armeeführer abhängt, denensin ihrem Handeln vollständige Freiheit gelassen werden soll. Zum ersten Mal trat das Bestre­ben der Manöverleitung, den Armeeführern ein« derartig weitgehende Freiheit in ihren

Balkankrieg oder nicht?

Das diplomatische.Geheimnis deckt zwar die Verhandlungen und die Beschluss« von Buchlau. doch aus den halbamtlich und regierungsseitig taktierten nichtamtlichen Kundsebungen wird die Voraussetzung bestätigt, daß zwischen dem deuffchen Reichskanzler und dem Leiter der österreichisch-ungarischen Politik wolliges Einvernehmen über die auf der Balkan- Halbinsel zu treffenden Maßnahmen besteht Die Annahme, daß das Berliner Auswärtige Amt durch die Note des Grafen Berchtold an die Mächte peinlich überrascht worden sei, dürfte nunmehr wohl gänzlich schwinden, denn Herr von Bethmann Hollweg hat auch durch die Treffsicherheit, mit der er den Achtender im Walde von Buchlau erlegte, bewiesen, daß er nicht von Nervosität befalle» ist. Einen Politt- schon Bock hat der Kanzler sicherlich nicht ge. schossen, indem er den Absichten Oesterreich-Un­garns volles Vertrauen schenkte und den Ein­fluß der deuffchen Macht str die Friedensbestre­bungen des verbündeten Nachbarreiches ein»

Entschlüssen zu lassen, im Jahre 1909 im Kai­sermanöver in Württemberg und Baden in di« Erscheinung. Schon damals wurden hiermit im Interesse der kriegsmäßigen Ausbildung der oberen Führer so gute Erfahrungen ge. macht, daß in den folgenden Jahren die Frei, heit in den Entschlüssen in der Aufgabenstellung in erster Linie Berücksichtigung fand.

* . *

Auf der Fahrt ins Manöver.

(Telegraphische Meldung.)

Meißen, 9. September

Der Kaiser, sowie der König und der Kron« Prinz von Sachsen und das gesamte Kaiser­liche Hauptquartier trafen um 9,35 Uhr in etwa dreißig Automobilen, von Coswig kommend, hier ein, wo an der alten Elbbrücke die gesamte Manöverleitang mit dem Prinzen Waldemar von Preußen und «Ine Anzahl Herren des Mo­tor-Jacht-Klubs Aufftellung genommen hatte». Eine große Menschenmenge begrüßte die Fürst­lichkeiten aufs lebhafteste. Der Automobilzug hielt etwa zwanzig Minuten. Der Kaiser be­grüßte die Herren des Motor-Jacht-Klubs und wohnte dann von der Elbbrücke aus der Durch- fahtt der sechs stromaufwätts kommenden Mo- torboote bei. Darauf fuhr der Automobilzug in der Richtung nach Oschatz weiter.

Die fürstlichen Gäste.

Dresden, 9. September.

Der Kronprinz und Prinz Kyrill von Bulgarien sind zu den Kaisermanö- vern hier eingetroffen und haben im Residenz­schlosse Wohnung genommen. Im Laufe des heutigen TageS werden ferner erwartet: Der Grotzherzog von Baden, der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin, Prinz Friedrich Leopold von Preußen, die Pttnzen Ludwig und Leo- pold von Bayern, der Herzog von Sachsen-Ko- bürg urtb der Erbprinz von Sachsen-Metatagen.

*

Zeppelin im Manöver. (Privat-Telegramm.)

Gotha, 10. September.

DaS MilitärluftschiffZ.-3" ist gestern abend um W Uhr hier eingetroffen und vor der Halle glatt gelandet. Der Ballon war mittags gegen 12.15 Uhr aus Metz abgeflogen. Die etwa 200 Kilometer lange Strecke nach Frankfurt am Mai» legte der Ballon in verhältaismätziglang- samer Fahrt zurück, da er gegen starke südwest­liche Winde anzukämpfen hatte, die ihn nach Norden abzutreiben drohten. Hinter Frankfurt, dasZ. 3 bald nach Uhr passierte, fand «r besseres Wetter und strebte in rascher Fahrt über Hünfeld und Vacha seinem Ziel, Gotha, entgegen. Bei hereinbrechender Dunkelheit wurde das Lufffchiff in der Halle geborgen und von den aus Metz mit der Dahn voranfgefahre- nen Bedienungsmannschaften einer Revision unterzogen. Die Brennstoffvorräte, sowie Kühlwasser und Wasserballast wurden neu er­gänzt, da der Führer desZ. 3" bei seiner An­kunft den dienstlichen Auftrag vorfand, sich noch in der Nacht zu einer Aufklärungsfahrt fertig zu machen. Der Ballon wird erst am heutigen Dienstag nachmittag in Gotha zurückerwartet.

tot toMhmr Fing.

Der neue HSHenrekord.

Der ÄDtattter GarroS hat, rote wir bereits kurz an anderer Stelle gemeldet haben, einen neuen Höhenrekord aufgestellt, indem er bis zu fünftausend Meier hoch stieg. Damit ifl auch der Höhenrekord des österreichischen Leut­nants Blafchke geschlagen. Ueber sein toll­kühnes Unternehmen gibt der Pilot folgende an packenden Momenten reiche Schilderung Ich war feit acht Tagen bereit, den Rekord zu versuchen. Ich chatte den Apparat, den BlS- riot nach meinen Angaben gebaut hatte, er­probt und für den Flug bereit gemacht, aber der Himmel blieb hartnäckig bewöllt. Gestern endlich «in paar blaue Stellen. Ich fahre los, glaube aber nicht an «inen Erfolg; das Wetter ist wenig günstig, eisige Kälte, der Wind ist entfesselt, vor allem zuviel Gewölk. Um so schlimmer! Versuchen wir's! Ich fahre mit Essenz für zwei Stunden, einer oberflächlichen Dauerstoff-Ei-nrichtung und einem Kostüm, das eines Polarforschers würdig fft. Die Fahrt beginnt um 12 Uhr 45 Minuten nach meiner Uhr. Die Wolken stehen tausend und einige Meter hoch; ich erreiche sie in vier Minuten und durchfliege ste

durch ein blaues Loch.

Alles ginge gut ohne diese verdammten Wol. ken, die mir schon das Meer verbergen. Ich habe jetzt nur Aussicht auf das Land zu meiner Linken, und das auch nur von Zeit zu Zeit. Ich steige sehr rasch. Nach den Diagrammen mei­ner beiden Barometer, von denen das eine vor, das andere hinter mir ist, bin ich zweitausend Meter hoch, und ich fliege erst zehn Minuten. Dreitausend! Ich schaue immer auf die Küstr, die ich jetzt fast ständig zu meiner Linken be- merke, in de4 Rickta'LH von Oufftrebam. durch