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Kasseler Neueste Nachrichten

Casseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 230.

Fernsprecher 951 und 952.

Donnerstag, 5. September 1912.

Fernsprecher 951 ^nd 952.

2. Jahrgang.

8m Tempel der Thenn».

Die Juristen und die Richter ans dem Volk: Momentbiider vom Wiener Zuristenkongreß.

In der alten Donaustadt Wien sind in die­sen Tagen die deutschen und österreichischen Richter zum etrunddreißigsten Juristen-Kon- greß versammelt, und da es Brauch geworden ist, in jedem Standesgenossen-Rendezvous, dessen Jnteressenkreis über den drcisarbnen Grenzpfahl vaterländischen Sichgenügenlassens hinaus sich dehnt, völker-verbrüdernden und nationalitüten-verbindenden Zauber zu wit­tern, so hat man uns auch vom einunddreißig, sten Juristentag mit srommer Andacht und schöner Zuversicht erzählt, der Kongreß werde dazu beitragen, die organische Weiterentwick­lung der Rechts^Systeme Leider Länder zu för­dern und die Pflege der Gerechtigkeit zu ver- einheitlichen*. Man braucht diese guten und wohlgemeinten Wünsche, deren phraseologische Verschmörkelung etwas aufdringlich wirkt, nicht zu bekritteln: Sie sind meist Produkte der Ver. legenheit und entspringen fast immer dem Be­dürfnis, irgend ein zufälliges Ereignis mit einem dekorativ wirkenden Lorbeer-Reischen zu umkränzen, bevor der Morgen der Enttäu­schung heraufdämmert. Unsre Zeit ist eben die Modeperiode der Superlative und wir sind ge­wissermaßen dazu erzogen worden, die Wertung der äußern Formen in den Erscheinungen des öffentlichen Lebens vom frohen Ueber- schwang goldnen Optimismus bestimmen zu lassen. Die Enttäuschung verbergen wir dann später unter der kleidsamen Maske heroi­scher Resignation.

Der reichlich gespendete Vorschuß-Lorbeer ist auch auf dem Juristentag in der Donau­stadt früh gewelkt: Schon der als Auftakt des Kongresses arrangierte erste internationale 1 Richtertag brachte eine arge Enttäu- schung. Im Mittelpunkt der Erörterungen der Richtertags stand nämlich die Frage der Laien-Gerichte, und die Debatte dar­über darf als ein Prüfstein moderner Richter. Erkenntnis gegenüber dem Wesen und Sein des praktischen Lebens eingeschätzt werden, da die Laiengerichte ja grade «in Produkt derje­nigen Entwicklung innerhalb der Rechtspflege sind, die durch die unmittelbare Berüh­rung zwischen Justiz und Leben der Erstarrung des Rechts im toten Buchstaben- und Paragra- phen-Formalismus entgegenzuarbei. ten sucht. Aus Wien klingt nun scharfe An­klage gegen das Institut der Laienrichter zu uns -herüber: Wir hören, daßim Laiengericht der rechtsgelehrte Richter nichts andres sei als ein besfrer Schriftführers daß das Laienrichtertumdie Existenz des gesamten Berufsrichter-iStandes gefährde- und daß die Laiengerichteselten nützlich, häufig schäd­lich, im großen Ganzen aber wertlos feien-. Die Leitsätze eines angesehenen Wiener Rich^ trrs, die den Laiengerichten die Anerkennung zollten, daß siegeeignet seien, das Vertrauen zur Rechtsprechung zu Heden-, wurden infolge­dessen vom ersten internationalen Richtertag abgelehnt, und bei der Abstimmung gelangte lediglich der eine Sitz daraus zur An­nahme, in dem der Kongreß sich entschieden gegen jede Erweiterung der Laien-Be- tätigung an der Rechtspflege ausspricht.

Man weiß: Zünftler und Amateure pflegen sich nicht zu lieben, und man kann es also auch verstehen, daß im Kreis der Berufsrichter für das Laien- Element i« der Rechtspflege keine fon- derliche Sympathie besteht, da der rechtsge­lehrte Jurist stets mehr oder weniger geneigt F fein wird, im Laien-Richter einen Eindring- t ling zu erblicken, dem erst die sogenannteDe- [ mokratisierung der Rechtsprechung- (die in Wirklichkeit nur die natürliche Abwehrbewe- | gang gegenüber der Erstarrung der Justiz ist) ? den Eintritt in den Tempel der Themis ermög- S lichte. Es soll auch nicht verkannt werden, daß dem heutigen System der Schöffen« und Ge­schworenengerichte mancherlei Mängel anhaf. ten, deren Wirkungen sich in der Rechtspflege mitunter störend bemerkbar machen: Die Schuld daran trägt aber nicht das Laienrich­tertum als solches, sondern das Rechts- Pflege-System, das den Nutzen der Laien-Mtwirkung in der Rechtspflege nicht voll rur Geltung kommen läßt. Dessenungeachtet d^Len wir (und auch die Juristen selbst) allen Anlaß, jjag Laien-Element am Richter tisch als einen wesentlichen und unerläßlichen Bestand- teil unsrer Rechtspflege zu schätzen und Ver­wahrung dagegen einzulegen, wenn (wie es soeben beim Juristen-RendezvouS in Wien ge­schehen) aeaen -aS Laienrichtertum der Vor­

Wurf erhoben wird, es bedeute in der Justiz nichts weiter und nichts andres als eineEuer. gie-Verschwendung".

Der Oberlandesgerichtsrat R i ß, der am Jsarstrand im Namen des Königs von Bayern Recht spricht, charakterisierte auf dem Wiener Juristen-Kongreß das Laienrichtertum wie folgt:Die Leute (die Laien-Richter) warten immer, was der Richter sagt, und dem, was er für recht hält, stimmen sie zu. Das ist eine Energieverschwendung. Diese Leute hätten Gescheiteres zu tun, als stunden­lang im Gericht zu sitzen und Ja und Amen zu sagen . s .!* Und in dem Kongreßbeiicht, der dieses niedliche Be­kenntnis wiedergibt, ist zum Schluß ver- merkt, daß Herr Riß aus München als Echo seiner Philippika aus dem Kreise der Kollegen lebhaftesSehr Vhtig!- vernahm, woraus geschlossen werden dürf, daß das idyllische Mo­mentbildchen aus bttt bajuvarischen Tempel der blinden Göttin auch außerhalb der blau- weißen Grenz-Barriere verständnisvolle Wür­digung und stimmungsvollen Anklang findet. Daß die zünftlerisch gelehrte Justiz nicht das Ideal der Rechtspflege sein kann, beweist die Rechtsgeschichte von Jahrhunderten an den Bei­spielen erschreckender bureaukratischer Verknö­cherung, beweist die Gegenwart überzeugend und deutlich in den Irrungen und Weltfremd­heiten unsrer modernen Berufsjustiz, und wir erfahren es täglich und stündlich, daß unsre Rechtspflege grade da vom Pulsschlag des LWens am weitesten entfernt ist, wo ihr Thron auf der trocknen Weisheit turmhoch geschichteter Theorien prunkt. Unsre Justiz bedarf der Berührung mit dem Leben, sie bedarf des Einflusses natürlicher Lebens-Erkenntnis, und so lange unsre Richter in der Vorstellungs­welt ihres Münchner Kollegen Ritz nach Idea­len suchen, werden wir in dem Laien-Richter, in dem Richter aus dem Volk, immer das notwendige und nützliche Korrektiv jener Rechtspflege zu schätzen haben, deren Welt- und Lebensauffassung das corpus juris wie ein gegen den Hauch der Wirklichkeit auf­geschichteter Wall abgrenzt! F. H.

Kn Abenteuer des Schütte-Lanz.

Gerüchte über eine Ballon-Katastrophe.

In der vergangenen Nacht kurz vor ein Uhr hat das auf dem Flugplatz Johannisthal bei Berlin befindliche Luftschiff Schütte« Lanz die Rückfahrt nach Mannheim angetreten. Das Wetter war beim Aufstieg windig und regne­risch und die Fahrt gestaltete sich deshalb sehr schwierig. Heute morgen waren dann tn C g s se l und Fulda Gerüchte über eine schwere Katastrophe verbreitet, von der das Luftschiff betroffen worden sei. Es hieß, der Schütte-Lanz sei infolge einer Explosion verbrannt und gänzlich zerstört worden. Glücklicherweise haben sich diese Ge­rüchte nicht bestätigt: Das Luftschiff ist aller­dings von einem Unfall betroffen worden, der aber so geringfügiger Natur war, daß nach Ausbesserung des enfftandenen Schadens der Schütte-Lanz seine Fahrt sortsetzen konnte. Wir erhalten folgenden Bericht:

Die Notlandung bei Fulda.

(Privat-Telegramm.)

Fnlda, 4. September.

Das Lusffchiff Schütte-Lanz, das heute vor­mittag gegen einhalb neun Uhr unsere Stadt üuerflog, landete gegen zehn Uhr zwischen Tiefengruben und Dorfborn (bei Neuhof) im Kreffe Fulda, auf der Landstraße. Tie Ursache der Landung ist in einem Propellerbruch und ht Benzinmangel zu suchen. Der Benzinmangel wurde durch das Kalibergwerk Neuhof gedeckt und der Aufstieg erfolgte kurz nach elf Uhr. Um zwölf Uhr fünf Minuten überflog daS Lust, schiff Schittte-Lanz auf der Fahrt nach Gotha unsere Stadt. Die Fahrt nach Gotha ging dann glatt vonstatten inti> kurz vor zwei Uhr konnte (wie uns ein Privattelegramm aus Gotha meldet) das Luftschiff in der Hal­le untergebracht werden- Der Propellerbruch wild noch heute ausgebeffert werden. Der ent» standene Schaden ist nur gering. Die Weit er­fahrt nach Mannheim soll über Franksmt a. M. morgen früh unternommen werden.

Beuzinmangel und Propellerbruch.

(Telegramm unsres Korrespondenten.) Gotha, 4. September.

DaS LuftschiffSchütte-Lanz' wurde heut« früh gegen zehn Uhr über Hünfeld gesichtet. Der Führer warf eine Depesche an die Deutsche Luftschisfahrts-Astien-Gesellschaft (De- lag) in Frankfurt am Main aus der Gondel mit der Angabe, daß er nach Frankfurt am Main fahre und dort landen wolle. Die Lan­dung sollte kurz nach elf Uhr erfolgen. Um halb elf Uhr, als das Lufffchisf über Reu Hof bei Fulda sich befand, ging das Benzin aus, sodaß

das Luftschiff eine Rotlandung auf der Land, straße vornehmen mußte. Die alarmierte Feuerwehr der benachbarten Dörfer und zahl­reiche Neugierige leisteten dabei tatkräftige Hilfe. Das Luftschiff nahm darauf Benzin ein, das vom Kaliwerk Neuhof geliefert worden war. Es stieg um zwölf Uhr wieder auf. Da ziemlich heftiger Gegenwind herrschte und in­folge Propellerbruchs der eine Motor nicht richffg funktioniert, gab der Führer die Fahrt nach Franffurt auf und steuerte auf Gotha zu, wo derSchütte Lanz' in der Luftschiffhalle untergebracht wurde.

Der Wer in der Schweiz.

Die Kaiserfesttage in der Republik.

Gestern in den Nachmittagsstunden ist der Deutsche Kaiser auf schweizerischem Ge­biet eingetroffen, um ein paar Tage hindurch Gast der Schweizer-Republik zu sein und den Manöver» des republikanischen Milizheeres beizuwohnen. Kurz nach halb vier Uhr lief der Hoffonderzug, in dem sich der Kaiser be­fand, in den reich geschmückten Bundesbahnhof in Basel ein. Sobald der Zug eingelaufen war, verließ Kaiser Wilhelm, den Wagen und begrüßte die zu seinem Empfange erschienenen Herren, darunter den deutschen Gesandten in Bern, von Bülow. Nach einer Viettelstunde setzte sich der kaiserliche Sonderzug zur Fahrt nach Zürich wieder in Bewegung.

Die Ankunft in Zurich.

(Privat-Telegram m.) .<

Zürich, 4. September.

Der Kaiser ist gestern abend um halb sechs Uhr von Basel kommend (wohin ihm der Ge­neralstabschef, Oberst von Sprecher mit zwei anderen höheren Offizieren entgegengereist war) im Sonderzug in Zürich eingetroffen und am Bahnhöfe von einer Abordnung des Bundesrats, dem Präsidenten Forrer, dem Bundesrat Motta sowie vom Züricher Regierungspräsidenten und Stadtprästdenten empfangen worden. Nach der gegenseitigen Be­grüßung, bei der der Kaiser den schweizer Ma­gistraten herzlich die Hände schüttelte, schritt der Kaiser auf dem Bahnhof die Front der Ehrenkompagnie ab, von einer gewaltigen Volksmenge mit Hochrufen lebhaft be­grüßt. Hierauf fuhr der Kaiser mit dem Bun- despräsidenten und dem Gefolge durch die mit deuffchen und schweizerischen Farben reich geschmückte und dekorierte Stadt nach dem Ab- steigequartter, der Villa Meter. Auf dem gan­zen Wege bildete eine nach Zehntaufenden zäh­lende Volksmenge Spalier, die den Kaiser, der über den

herzliche« Empfang

sichtlich erfreut war und für die Sympathie­kundgebungen freundlich dankte, ehrerbietig be­grüßte. Die Fahrt des Kaisers nach dem Quartier verlief ohne jeden störenden Zwi­schenfall. Zürich hat gestern einen noch nie da­gewesenen Massenbesuch erhalten. Die Stta- ßen sind überfüllt, das Wetter ist vorzüglich. Um sechs Uhr traf der Kaiser in der Villa Mieter ein. Auf der Villa wurde die Kaiserstan­darte gehißt. Abends um halb acht Uhr fand Tafel zu sechsunddreißig Gedecken im Hotel Baur au Lac statt. Bei der Umfahrt um das Hotel wurde der Kaiser von der versammelten Menge mtt Hochrufen begrüßt. Bei der Tafel saß vom Kaiser rechts der Bundespräsident Forrer, links der Bundeshauptmann und Chef des Militärdepartements. Nach der Tafel trat der Kaiser auf die offene Veranda heraus, um ein Ständchen anzuhören, das ihm der Männergesangverein Zürich und die Harmonie, die als die besten Gesangvereine gelten, durch einige imposante Chöre darbrachten.

Das Scho von der Seine.

Ein Privat-Telegramm meldet uns auS Paris: Die Kommentare der hiesigen Presse über die Kaiserreise sind nicht sehr zahlreich. Die meisten Zeitungen beschränken sich darauf, die mehr oder weniger deutschfeindli­chen Eindrücke ihrer Spezialkorresponden­ten in Bern oder Zürich in langen Depeschen zu veröffentlichen. Im allgemeinen zeigt sich aber die übliche Nervosität, die Paris im­mer an den Tag legt, sobald der Deuffche Kai­ser persönlich irgendwo in Aktion tritt. Man befürchtet dieses Mal allerdings weniger it- gendwelche p olitischen Konsequenzen der Kaiserreise, sondern man glaubt eher, daß die Folgen sich auf dem Gebiete des Handels bemerkbar machen werden.

Frankreichs große Manöver.

(Privat-Telegramm.)

Paris, 4. September.

Die großen Herbstmanöver in Frank- reich werde» am elften September beginnen und werden in zwei Perioden von je drei Tagen durchgeführt, zwffchen die ein Ruhetag einge- setzt ist. Etwa hunderttausend Man» werde»

ftr diesem Jahr an den Manöver» teilnehme», von denen es heißt, daß sie eine der w ich ti g. st e n Manöver seien, die in den letzten Jahre» abgehalten wurden. An der Spitze der beiden feindlichen Armeen werden die Generale Cal-. It^ni und Marion stehen.

3m Sumps von Retvhotl.

Der Newyorker Polizeimord-Prozetz.

Gestern hat in Newyork der Prozeß gegen den Poltzeileutnant Becker wegen der Ermordung des Newyorker Spielhöllenbesitzerz Rosenthal begonnen. Zwei wichtige Bela­stungszeugen sind seit einigen Tagen plötzlich aus Newyork verschwu»den. Wahrschein­lich haben sie von der Polizei Reisegeld nach Europa erhalten und sind dorthin abgereist, um vor Gericht nicht erscheinen zu müssen. Staatsanwalt Whitman versichert jedoch, daß das Belastungsmaterial auch ohne die Aus. sagen dieser beiden Zeugen genügt, um die SchuldBeckers und der anderen Angeklag­ten iu beweisen.

Die Flucht der Zeuge«.

(Privat-Telegramm^

Newyork, 4. September.

Thomas Copp«, einer der wichtigsten Zeugen im Mordprozeß Rosenthal in New- York, ist nach hier eingegangenen Depeschen gestern nachmittag auf derLusiiania' in Li­ve r p o o l eingetroffen. Er wurde auf Veran­lassung des Newyorker Staatsanwalts Whit­man, der feine Rückkehr wünschte, von zwei Detettiven in Empfang genommen. Copper erflärt jedoch, daß die Polizei, die ihn allein schützen könne, feine erbittertste Fein, bin sei, und daß er nicht im entferntesten dar­an denke, nach Newyork zurückznrehren. Copper war Leiter eines großen Newyorker Hotels und erHärte ferner, daß in Newyork kein einziger Polizist sei, dem man trauen könne. I» der Prozeßaffäre Rosertthak selbst ließ gestern nach kurzer Verhandlung gegen den der Ermordung Rosenthals beschuldigten Polizeileutnant Becker dessen Anwalt beim Richter Goff ein Plädoyer auf Richtschul­dig antragen. Das Gericht setzte daraufhin den Beginn des Prozesses auf den zehnte» September feft

Nockefeller und die Schwarze Hand.

Ein weiteres Privat-Telegramn. aus Newyork meldet uns: DieNewyorh World- Versichert, daß dieSchwarze Hand- von dem Milliardär Rockefeller eine große Geldsumme verlangt habe. Die Summe soll bis zum zwölften September ausgezahlt fein, widrigenfalls Rockefeller, feine Söhne und seine Enkelkinder ermorbet werden würden. Rocke­feller läßt seine» Wohnsitz durch Detektive und Polizisten scharf bewachen.

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Attentat gegen eine» Minister!

(Privat-Telegramm.) V/

Petersburg, 4. September.

Gegen den Zug de« russischen Verkehrs« Ministers Buchlo w ist gestern in der Nähe der Station Smnarokow der MoSkan-Kursk- Eisenbahn ein Attentat verübt worden, das nur durch einen Zufall mißglückte. Der Kon­trolleur der betteffenden Teilstrecke entdeckte kurz vor dem Passieren des Extrazuges acht über das Gleis gelegte Schwellen, die den Zug ohne Zweifel zur Entgleisung gebracht hätte». Es gelang dem Streckenkontrollenr noch rechtzeittg, den Zug zum Stehen zu brin­gen. Bisher ist es trotz eifrigster Bemühungen der Polizei nicht gelungen, die Urheber de« Anschlags zu ermitteln. i

KuMn-GrheimMe.

Aus der Zeit derHundert Tage". *?*.

Kaiser Friedrich« LeidenStage rufe» di« Briefe Gustav Freytag« an feine Braut und Sattln", (die t» nächster Zeit al« Buch erscheine» werden), in die Srtnnenmg zurück. Wer oon unfern Lesern da« Bild jener unvergeßliche» Tage noch par im Herzen bewahrt hat, wird es sich nichtiger» trüben lassen durch die neuen Ergänzungen, die mancherlei in einem wenig freundlichen Lichte erscheinen lassen. Freytag« Auszeichnungen, aus denen wir bereit« dieser Tage einen Auszug brachten, enthalten aber historische Wahrheiten, die auch da nicht verschwiegen werden fSnnen, wo ste wehe tun. Am siebzehnten Mai 1887 erhielt Gustav Freytag aus authentischer Quelle zum ersten Male die Nachricht, daß der Kronprinz von ei­nem sehr ernsten Leiden am Kehlkopf befallen sei, das sich möglicherweise nicht durch Ausbrennen befestigen ließe. Schon vier Wo­chen vorher hatte der deutsche Kliniker Professor Gerhardt erklärt, die Hoffnung bestehe darin, daß ein zweites Ausbrennen nicht nötig würde; es war aber nötig geworden. Die deuffchen Aerzte erttörten. das Leben, nicht aber die