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Caffeler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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Nummer 229

Mittwoch, 4. September 1912

Fernsprecher 951 und 952.

2. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952.

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nach dem Friedensschluß

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4>t« fielet üleueftea Stachrtchtm erscheinen wöchentlich sechsmal und yrar abenbä. Der fibannementSptel« beträgt monatlich W Bfg. bet freier Zustellung ins Hauch Bestellungen werden jederzeit «o« der Geschäftsstelle oder den Boten entgegengenommen. Druckerei Betlag und Redattimt: Schiachwofstrabe 28/80. Sprechstunden der Redaktion nur von 1 bi8 3 Uhr oach mittags. Sprech stunden bet SuSkunft Stelle: Jeden Mittwoch und Freitag von 6 biS 8 übt abends Berliner Vertretung: SW, Friedrichstr 16, Telephon: Amt MoNSPlatz 676.

zu begrüßen. Nach etwa eineinhalb Stunden Aufenthalt erhob sich dieHansa" wieder und fuhr nach Hamburg, wo sie um zwölf Ubr glatt landete.

JnsertionSpretse: Die sechSgespattene Zeile für einheimische Geschäfte « Pfg., für ans- roärttge Inserate 25 Pf., Reklamezeile für einheimische Eeschäste 40 Pf, für auswärtige Geschäfte 60 Pf. Beilagen für die Sesamtauslage werden mit 6 Mark pro Lausend be­rechnet Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Rellden, und der Umgebung sind die Lasfeler Neuesten Nachrichten ei« vorzügliches JnsertionSorgm, SeschäftSstelle: Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW Friedrichstraße 16, Telephon: Amt Morihplatz 676.

zukehren gedenkt. Gelegentlich des Besuchs Hertlings beim Kanzler wird voraussichtlich auch die Frage des Jesuiten-Erlasses zur Sprache kommen.

Stratege und Organisator.

Durch den Rücktritt des Generalfeldmar- challs wird eine militärische Laufbahn beschlos- en, die außerordentlich erfolgreich genannt werden darf, von Bock und Polach war ein vorzüglicher Organisator und wir verdan­ken ihm hauptsächlich die Modernisierung des Exerzierreglements. Auch als Stratege hat er sich hervorragend ausgezeichnet. Erellenz von Bock und Polach erfreut sich des besten Wohlseins, er hat auch die Folgen des kürzli­chen Sturzes glücklich überstanden. Es steht daher zu hoffen, daß er noch eine ganze Reihe von Jahren seine großen militärischen Rennt« niste dem Rachwuchse zur Verfügung stellen wird. w. b.

Verfahren einen schwerwiegenden Fehler ge­habt hat, sondern ich werde vor allem auch nachweisen, daß die Auffassung Les Ehrenge­richtshofes, ich hätte kein Vertrau en mehr in die Sanierung meiner Verhältnisse gehabt, eine irrige war. Die Gründe, weshalb.ich damals einen mehrmouatlicken Urlaub beim Landgerichtspräsidenten nachsuchte und Deutsch­land verließ, harten durchaus nichts mit mei­nen mißlichen Vcrmögcnsverhältnissen zu tun. Ich habe die Gründe in meinen Memoiren auch ausführlich dargelegt. Wenn der Ehrengerichts­hof die Verletzung des Anspruchs auf recht­liches Gehör als so wesentlich erachttet, daß darauf die Wiederaufnahme des Ver­fahrens gegründet werden kann, fo wird ein neuer Termin anberaumt werden. Der Ehren­gerichtshof in Leipzig hat früher auf dem Standpunkt gestanden, daß in gar keinem Falle eine Wiederaufnahme des Verfahrens möglich fei, da die Disziplinargefetze die Wie­deraufnahme des Verfahrens nicht kennen. Wegen der besonderen Härte, die dadurch ent­stehen kann, hat aber der Ehrengerichtshof be­reits in einem andreren Falle (einem Fall, der auch einen Berliner Anwalt betrifft) einen anderen Standpunkt eingenommen. Ich gebe mich der Hoffnung hin, daß der Ehrenge. richtshof auch in meinem Falle diesen Stand­punkt vertreten wird. Sollte ich eine neue Ver­handlung bei dem Ehrengerichtshof durchsetzen, fo zweifle ich nicht, daß die Beweise, die ich in diesem Verfahren erbringen werde, den Ehrengerichtshof davon überzeugen, daß der harte Spruch, durch den ich aus der Anwalt, schäft seinerzeit auKgestoßen war, in keinem Verhältnis zu meinem wirklichen Verschulden ficK

Der Kanzler und Freiherr von -erkling. (Privat-Telegram m.)

München, 3. September.

Der Reichskanzler ist gestern abend in Rei­ch e n h a l l eingetroffen, wohin sich der bayri­sche Ministerpräsident Freiherr von Hertling die nächste Woche zum Besuche des Kanzlers be­geben wird, da Herr von Bethmann Hollweg von Berchtesgaden aus nach Reichenhall zurück-

das Eiserne Kreuz. 1871 erfolgte unter & suits-Belassung zum Infanterie-Regiment __ eine Berufung zum Lehrer an der Kriegs« ch u l e in Hannover. Im gleichen Jahre wurde mn Bock und Polach auch in den General-

nannt, bezog jedoch noch in dem gleichen Jahre die Kriegsakademie in Berlin. Im Feldzug 1870/71 sehen wir den Jubilar als A d j u t a u- t e n bei der dreizehnten Jnfanteriebrigade utu ter dem Befehl des Generalleutnant von Gltb mer. von Bock und Polach nahm hauptsächlich an den Gefechten von Spichern und Gravelotte teil und avancierte im Kriegsjahre zum Hauptmann. Als Hauptmann dient« dann weiter im Kriege und erhielt

FeldmgrschaS sm Vos.

Ei» Siebzigjähriger vor dem Rücktritt.

Am fünften Septcmber wird der Generalin­spektor der dritten Armeeinspektion, Gencral- feldmarschall Max von Bockund Polach, seinen siebzigsten Geburtstag feiern, um kurz darauf und nach Schluß der Kaisermanöver in den wohlverdienten Ruhestand zu treten. Der Generalseldmarschall gehört sicher zu den akti­ven Soldaten, die in der Armee die längste Dienstdauer aufzuweisen haben, denn beinahe sechzig Jahre trägt von Bock und Polach die Uniform, da er schon 1853 elfjährig in das Ka­dettenkorps Ausnahme gesunden hatte.

Sechzig Jahre treue Dienste.

(Von unserm militärischen Mitarbeiter.) Berlin, 3. September.

Generalfeldmarsiball vonBockundPo- lach, der sich der besonderen Gunst des Kai­sers erfreut, ist am fünften September 1842 als Sohn des Ärtilleriehauptmanns Ernst von Bock und Polach geboren und verlor seinen Vater frühzeitig. Nach Absolvierung des Kadetten­korps wurde er 1860 Sekondeleutnantim Infanterieregiment 55 und nahm bei diesem an dem Feldzug 1864 teil, bei dem er sich duu'z seine Bravour den Kronen- und den Roten Ai \ ler-Orden holte. Auch den Feldzug 1866 mach» > von Bock und Polach vor dem Feinde mit, u« gleichfalls für bravouröses Verhalten dekoriert zu werden. Er wurde dann im Oktober des­selben Jahres zum Premierleutnant er-

Fritz Friedmanns Rückkehr?

Die Geschichte eines Ehrengerichts-Spruchs.

Von

Dr. Fritz Friedmann-Paris.

Tr. Fritz Friedmann, der einst weitbe­rühmte Berliner Krtminalverleidtger, der be- kanntlich seiner Zeit durch Urteil der Leipziger EhrengerichtShofeS aus dem deutschen AnwaltS- ftande auSgestohen wurde, betreibt seine Wiederaufnahme in deti deutschen AnwaltSftand. Man begegnet diesen Bemühungen überall mit grobem Interesse. Neber die tatsächlichen juristischen Punkte deS Wiederaufnahmever­fahrens vor dem Ehrengerichtshof in Leipzig schreibt unS Dr. Friedmann aus Parts Folgende?:

Ich bin im Mai 1895 von dem Ehrenge­richtshof der Anwälte in Berlin mit einem Verweis und einer Geldstrafe wegen Verfehlungen belegt worden, die ich zum Teil als Unvorsichtigkeit meinerseits anerkannt, zum Teil aber nicht als geeignet erachtet hatte, eine Rüge zu veranlassen. Ich habe gegen die­ses Urteil Berufung eingelegt. Diese Be­rufung chatte vor dem Ehrengericht in Leipzig stattzufinden. Der Staatsanwalt schloß sich der Berufung an. Da ich zahllos oft in Leipzig vor den Straffenaten zu plädieren hatte, hatte ich im weiteren Verlauf des Jah­res 1895 allmonatlich mehrmals Gelegenheit, mich in der Gerichtsschreiberei des Ehrenge. richtshofes zu erkundigen, ob der Termin in meiner Sache angesetzt sei. Ich erhielt immer wieder den Bescheid, daßvor Monaten ein solcher Termin nicht zu erwarten fei". Dieselbe Antwort wurde mir noch zuteil, als ich am zehnten Dezember gedachten Jahres, unmittel- bar bevor ich nach Frankreich ging, eine solche Anftage stellte. Ich nahm also an, daß wenn, wie damals beabsichtigt, ich in einigen Mona­ten meinen Urlaub endete, ich völlig rechtzeitig | ' vor dem Leipziger Termin zurückkehren würde.

Ein Berliner Kollege hatte meine Ge- neralsubstitution übernommen und meine dies­bezügliche Anzeige an den Landgerichtspräsi­denten gegengezeichnet. Als ich abgereist war, hat er angesichts gewisser Einschüchterungen die Mitteilung n i ch t an den Präsidenten gelangen lassen. Ich war also in Berlin unvertreten. Trotzdem hat fei» Sekretär (wie ich erst nach dem Termin vor dem Ehrengericht in Sechzig erfuhr) ganz unberechtigt die Ladung zu dem Termin angenommen. So fand der Ter­min in Sechzig gegen mich statt, o h n e daß ich eine Ahnung davon liatte.

Friedmanns Schuld und Sühne.

Ich werde in dem neuen Verfahren aber nicht nur Nachweisen, daß prozessual das

Hansa-Fahrt zum Sstseebad.

Die heutige Fahrt dergansa".

(Privat-Telegram m.)

Heiligendamm, S. September.

Heute früh hat das Ostseebad Heiligendamm den Besuch des ZeppelinkreuzersHansa" er­halten. Das Schiff kam um einhalb neun Uhr in der Richtung von Brunshauptcn in Sicht, log in einem weiten Bogen über Heiligen­damm und den Flugplatz hinweg und setzte sich dann, etwa eineinhalb Seemeilen entfernt, auf dem Wasser nieder. In einem Motor­boot fuhren der Erbgroßherzog von Mecklenburg und einige andere Herren vom Komitee zu dem Luftkreuzer, um Passagiere und Mannschaften

tab versetzt. Hauptmann von Bock und Po- ach wurde dann weiter 1876 Major, 1884 Oberstleutnant, 1887 Oberst und 1890 Generalmajor. 1884 wurde er zudem zum Chef des Generalstabes des fünfzehnten Armee­korps in Straßburg und 1891 zum Oberquar­tiermeister des Großen Generalstabes ernannt. Im Mai 1893 übernahm Generalmajor v. Bock und Polach die Führung der zwanzigsten Di­vision in Hannover und wurde im gleichen Jahre unter Beförderung zum General­leutnant Kommandeur derselben. Im De- zember 1897 ging er unter gleichzeitiger Beför­derung zum General der Infanterie als Kommandeur des GardekorPS nach Berlin. 1902 übernahm er das Kommando über das vierzehnte Armeekorps, um darauf 1907 die dritte Armeeinsvektion vom Kaiser übertragen zu erhalten. Im Jahr« 1908 wurde General von Bock und Polach zum Generalober st und am ersten Januar vorigen Jahres zum Generalseldmarschall befördert.

Zer Kaiser auf der ZchkZeizsrfchrt.

Abreise des Kaisers nach Zürich.

Gestern in der Abendstunde hat der Deut- sche Kaiser die Fahrt zur Schweiz angetre- ten, für die Wochen hindurch Vorbereitungen getroffen worden waren, die dann während der Erkrankung des Kaisers ernstlich in Frage gestellt schien und die schließlich auf be­sonderen Wunsch des Kaisers doch nicht abge­sagt wurde. Es ist in den letzten Wochen zu viel fast über diepolitische Bedeutung der Kaiserfahrt" in der Presse geredet worden, und wenn nur ein Zehntel von Dem Wirklichkeit werden würde, was in diesen Auslassungen an Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten ange­deutet war, dann müßte die Septemberfahrt Kaiser Wilhelms in die Schweizer Berge zum ragenden Markstein deutsch-schweizerischer Zu­kunftgeschichte werden. Aber alle Kombinatio­nen haben den Vorzug, daß sie sick über die reale Wirklichkeit himmelhoch hinausheben, und so werden vermutlich auch die Luftschlös. ser, die phantasiebegabte Leute bereits auf glitzernden Alpen-Firnen prunken fehen, sich später als Sennhütten des Alltags ent­puppen, die vom Märchenglanz und Ueber- schwang süßer Hoffnung fo weit entfernt sind, wie die Alpert von den Tälern.

Der Abschied von Berlin-

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 8. September.

Dom Potsdamer Bahnhof aus hat gestern abend um einhalb elf Uhr der Kaiser seine Reise nach der Schweiz angetreten. Der genaue Zeitpunkt der Abreise war nicht bekannt gegeben worden, da bei der erst kürzlich erfolg­ten Genesung des Monarchen immerhin! mit einer eventuellen Verschiebung gerechnet werden mußt«. Aber die umfangreichen Ab- sperrungsmaßregeln der Polizei, sowie das verhältnismäßig frühe Einfahren des kaiser­lichen Hofzuges auf dem im Brennpunkt des Verkehrs liegenden Potsdamer Bahnhof waren seitens des Publikums nicht unbemerkt geblie­ben. Es währte nur wenige Minuten, bis die Bürgersteige der Einfahrtstraße von einer dichten Menschenmenge umsäumt wa­ren. Der Kaiser haste sich von seiner Gemahlin, sowie den fürstlichen Gästen und dm Mitglie­dern des kaiserlichen Hauses verabschiedet und sich im Automobil mit dem Fürsten zu Fürstenberg, gefolgt vom Generaladju­tanten, Generaloberst von Plessm (der ihn auf der Reif« begleitet) und dem diensttuenden Flügeladjutantm zum Bahnhof begeben. Hier war bereits das weitere Retsegefolge des Kaisers, zu dem unter anderen auch der Ober­hof- und Hausmarschall Graf zu Eulen, bürg zählt, tm Fürstenzimmer eingetroffm, um den Monarchen zu empfangen. Begrüßt von den Zurusm der Menge, traf der Kaiser im geschlossenen Automobil wenige Minuten vyr Abgang des Zuges ein und begab sich sogleich in das Fürstenzimmer. Hier verabschiedete sich der Kaiser von den zurückbleibenden Herren : und zog einige von ihnen in ein kurzes Ge­brach. Bald darauf verließ dann der kaiser­liche Zug die Bahnhofshalle.

Friedmanns finanzielle Misere.

Das Berliner Ehrengericht haste bei der Begründung der Geldstrafe gesagt, daß es die Hoffnung in mich setze, daß die f i n a n z i e l l e Misere, in der ich durch eine verfehlte Bör- smspekulaston gekommen war, in absehbarer Zeit beseitigt würde und hat seinen Spruch damtt begründet, daß ein gewisses öffentliches Interesse für die Rechtspflege bestehe, mich in meiner Stellung zu erhaltm. Der Ehrenge­richtshof in Leipzig nahm an, daß ich dies« Eiwattungen nicht «Ellen könne, da ich ohne Bestellung eines Vertreters ins Ausland ze- gangen fei. So kam der für mich unheilvolle Spruch in Leipzig zustande. Run habe ich in langen Jahren mühevoller Arbeit mir eine sehr erhebliche und sehr bedeutsame Stellung als internationaler Anwalt in Paris geschaffen. Ich werde dem Ehrengerichtshof Nachweisen können, daß ich pekuniär völ­lig saniert bin und daß ich also sehr wohl di« Erwartungen meiner Berliner Standesge- . troffen erfüllt habe. Der Gang des Verfahrens in meiner Sache ist nun folgender: Rechtsan­walt Dr. Alsberg in Berlin, der meinen Anstag auf Wiederaufnahme des Verfahrens - bearbeitet, wird gegen End« der Gerichtsserien f beim Ehrengerichtshof in Leipzig den Antrag E stellen, das Urteil des Ehrengerichtshofes, durch ® das ich aus dem Anwaltstand ausgestoßen bin, zu kassieren. Der Antrag wird besonders damit begründet werden, daß ich in der Ver- . Handlung vor dem Ehrengerichtshof nicht gehört worden bin und daß damit eines der wesentlichsten Grundrechte jedes Angeklagten, das Recht auf Gehör, verletzt worden ist. Der Ehrengerichtshof ist von der irrigen Meinung ausgegangen, ich sei formgerecht geladen worden. Ich werd« nachweisen, daß der Ehrengerichlshos sich in einem Irrtum be- fundeu hat, da eben die Zustellung an den Schreiber des Anwalts der gar nicht mein Ge. neralsubstitut war, nicht als «ine Zustellung an einen bevollmächtigten Vertreter aufgefaßt werden kann.

Tas Buchlau-Rendervous:

Diplomatische Gäste auf Schloß Buchlau.

Der Kanzler des Reichs befindet fich be­kanntlich auf Reifen, und am kommenden Sonnabend wird er (wie das offiziöse Wiener Fremdenblatt mitteilt) sich von Wien aus zum Besuch des österreichisch-ungarischen Außen- Ministers, Grafen Berchtold, nach Schloß Buchlau begeben. Der Reichskanzler ver­läßt am achten September abends Buchlau und begibt sich nach Berchtesgaden zurück. In Buchlau werden zur selben Zeit auch der deutsche Botschafter in Wien und dex österreichisich-ungarische Botschas. ter in Berlin als Gäste eintteffen. Buch­lau, der mährisch« Herrensitz des Grafen Berch» told, den dieser durch eine pietätvolle Restau­rierung des alten BurgbauS zu einer Sehens­würdigkeit gestaltet hat, gewann schon einmal Bedeutung in der zeitgenössischen Geschichte: In Buchlau war es, wo Aehrenthal dem russischen Minister des Aeußern Iswolski die Zustimmung zur Annexion Bosniens ab­gewann, die dann, als Iswolski den verein- basten Gegenpd^ die Oefsnnng der Darda­nellen, infolge A eschen Widerstands nicht er­halten konnte, zu Liner Erkaltung der österrei- chisch-russischen Beziehungen sühste, die auch heute noch nicht behosten ist. SolcheMißver­ständnisse* sind von der

Konversation in Brrchlan zwischen Herrn von Bethmann Hollweg und dem Grafen Berchtold nicht zu befürchten. Die Staatskairzleien von Berlin und Wien stehen, getreu dem Geiste des Bündnisses, in stetiger enger Fühlung und es bestehen zwischen den beiden großen zenttaleuropäischen Mächten auch keine Interessengegensätze, die sie verleiten könnten, einander zu üstervosteilen. Die bren. nendste Frage der internationalen Politik, die auch das Hauptthema des Gesprächs in Buch­lau bilden wird, ist (wieder einmal) dastür­kische Problem": Infolge der italienischen Ueberrumpelung ist das Leiden deskranken Mannes am Bosporus" aus dem chronischen Stadium ins akute übergegangen und der Pa­ttent kommt ohne die Beihilfe europäischer Aerzte nicht aus. Aber selbst bei diesem Kon­silium am Krankenbett, wie eS Graf Berchtold angeregt hat, können die Sonderwünsche der einzelnen Mächte nicht schweigen; auch stiesmal macht sich scharf dieZweiteilung Eu­ropas" geltend. Beim Buchlauer Septem­ber-Rendezvous wird es sich nun zeigen müs­sen, ob Deutschland und OesterreichlUngarn stark genug, entschlossen und einig sind, E u r o - p a unter den Willen der Verbündeten Mächte zu beugen.

Schweizer Manöver-Begkys.

Wie uns ein Privat-Telegramm aus Zürich berichtet, haben gestern abend die chweizerischen Manöver, denen der Kaiser beiwohnen wird, ihren Anfang genommen. In Konzenttationsmärschen, deren Ziel im Hanpt- guartter geheim gehalten wird, suchten bisher di« beiden Divisionen 5 und 6 zur Ausgangs­ituation zu gelanget^ von wo sodann der Vormarsch angetreten werden soll. Der heutige Tag ist noch vorzugsweise Marschtag. Die Divisionen werden vermutlich in der Un- testoggensturg zwischen Tour und der Murg Fühlung erhalten. Graf Zeppelin nebst Familie weilt in Whl.

Nikklfenr Hmgrrfahrt.

Eine Hnngerwandernrrg in Schnee und EiS.

»einerder bishererschienenen Bericht« Sjnar MikkelsenS gibt eine so lebendige Anschauung von den furchtbaren Leiden, die er und sein : en'.ered und Neisegestihrie Fversen aus chrer Unternehmung haben durchniachen müsse«, rote die Schilderung feiner Hunger Wanderung nach Tanmark.Hafen, die er soeben in der »open- kagenerPolitiken" veröffentlicht Tie Erzählung setzt am elften September ein, die beiden Reisen­den wandern Lanmark-Hafen, tkrem vielersehnten Ziele, zu, wobei sse allen Krümmungen der Strandlinie folgen niüssen, weil an der Küste kein 615 ist und alle OrienUerungSpuufte fehlen

In ihren Rucksäcken trugen die einsamen Wanderer nur «och Petroleum für etwa fünf Kochungen, zweieinhalb Pfund Proviant, ihr«