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Easseler Neueste NchrWm

Hessische Abendzeitung

Caffeler Abendzeitung

2. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

Sonntag, 1. September 1912

Nummer 227.

Fernsprecher 951 und 952.

Das Kaiserpaar wieder daheim!

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Au» Kassels alter Seit

Tine FSrstenhochzeit am Heffenhof.

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ihnen rntgegenstellenden Beamten nieder. Die von dem Vorfall benachrichtigte Polizei in Milspe stellt dort die Verbrecher, die der Polizei ein regelrechtes Feuergefecht lieferten. Ein Polizeiwachtmeister und ein Schutzmann wur­den schwer, ein anderer durch Streifschüsse leicht verletzt. Einer der Einbrecher, ein vier- zigjähriger Arbeiter aus Barmen, wurde kampfunfähig gemacht und verhaftet. Die an­dern sind entkommen und es ist bisher nicht möglich gewesen, sie zu verhaften.

ordentlich zustatten kommen würde. Die Betei­ligung von auswärtigen Zuschauern in Zürich und Bern scheint ungeheuer zu werden.

»I« Hafltln Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und »war abend«. Der «bannenientSvrei« betrügt monatlich W Pfg. bet freier Zuftelltmz Mi Hau». BeNellungen werden Iet>«r»eU oen der «UchiftSstell, oder den Boten entgegengenommen. Druckerei. Berlag und Redaktton: TchlachtboMrabe 28/30. Sprech stunden der RedaMon nur von 1 bi» S Uhr nachmittag», Sprechstunden der Surkunft. Stell«: Jeden Mittwoch und Freitag von « bi» » Uhr abend« Berllner Dertretung: SW, Friedrichs» 16, Telephon: Amt Moritzpla, 676

Neue amerikanische Sensationen.

(Prtvat-Tel«gramm.)

Depeschen aus New York berichten: Vor einigen Tagen hat der Millionär Pitman, Eigentümer mehrerer großer Webereien, Selbstmord begangen. Kurze Zeit vor seinem Tod hat nun Pitman eine sensationelle Enthüllung gemacht: Er soll ausgesagt haben, datz ein mächtiger Verband von Webern im Staate Mesachusetts vorhanden sei, der sich gebildet habe, um den Syndikalismus und die Ausstandsbewegungen ernstlich zu bekämpfen. Zu diesem Zwecke soll der Verband Bandi­ten angenommen und bezahlt haben, um Feuersbrünste anzulegen, Tynamitatten- tate zu verüben unb Schlägereien zu organi­sieren. Dies« verbrecherischen Maßnahmen ha­ben beispielsweise bei dem Ausstand in Law­rence zu großem Unheil geführt. Auf diese Angaben Pitmans hin sind bereits nrehrrrr hervorragende Personen verhaf­tet worden und weitere Verhaftungen stehe« bevor.

3m Kampf mit Verbrechern.

Fünf Beamte durch Schüsse verletzt?

Ein Privattelegramm berichtet uns aus Hagen in Westfalen: In Haspe wurden in der letzten Nacht Diebe bei einem Einbruch überrascht. Ein Polizeibeamter wurde von ihnen auf der Stelle niedergestreckt, worauf die Diebe, vier bis fünf Personen, flüch­teten. Voo-lsano schossen sie einen sich

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ihren Gemahlinnen, ferner die Prinzen Oskar und Joachim. Prinz Eitel Friedrich über­reichte der Kaiserin als Willkommengruß ein prachtvolles Rosenbukett.

3nfertton»oretfe: ®t« lechSgespalien« geil« für einheimisch« »«schüft« iMJfg., für au«. märttae Inserat« 25 Vs, Reklamezetl« für «inhetmlsch« Beschütte »0 W, für auswärtige »matt« « Pf. Beilagen für bl« Gesamtauflage werden mit » Mark pr» Tausend b«. rechnet SBeaen ihrer dichten Verbreitung in der Residenz und der Umgebung lind die löffelet Neuesten Nachrichten «tu vorzügliche» JnferttonSorgan. Geschäftsstelle: »oluifche Stratz« 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16. Telephon: Amt MorttzplaS 676.

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chi- ist eine vollständige. Auch in Djakovitza gewinnt die Aufstandsbewegung immer mehr an Ausdehnung.

Eine große Zahl Albanese«

hat gestern den Ort C ha iak, wo eine Trup- Penabteilung von hundertfünfzig Soldaten sta­tioniert ist, umzingelt. Sie beabsichtigen, in die Stadt einzudringen und die Waffendepots zu plündern. Die geringe Besatzung wird ge­gen diese Uedermacht nichts ausrichten können und kampflos die Segel streichen. Man glaubt, daß ti den Albanesen inzwischen gelungen ist, sich der Stadt zu bemächtigen und die Waffen­depots, die mehr als tausend Gewehre enthal­ten, zu plündern. Ein Teil der ausständigen Malifforen ist über den Matifluß zurückge­drängt worden und hat sich in nördlicher Rich­tung verzogen. Die geflüchtete Bevöl­kerung.beginnt wieder, in die Dörfer zurück­zukehren. Die Behörden von Kafadar melden, daß in zwei Nachbarortschaften große Mengen Sprengstoffe und Bomben entdeckt worden sind. Zwei Gendarmerieabteilungen sind dorthin entsandt worden.

An Millionen-Märchen.

Rosenthals Millionen: Ei« Traum!

Amerikanische Millionenerbscha-sten haben ost (sogar meist) das Schicksal, daß sie ... im Monde liegen. Nicht anders scheint es auch um die Millionen des ermordeten Newyorker Spielunternehmers Hermann Rosenthal gestellt zu fein, von dem bekanntlich die Rede ging, daß sie nun, nach dem gewaltsamen Ende ihres Besitzers, arme Verwandte Rosenthals, die tn Deutschland leben, beglücken wür­den. DerMillionen-Traum" ist nun zur Enttäuschung geworden, und von all dem glitzernden Märchen-Mammon ist nichts geblie­ben als die Erinnerung.

Der Onkel in Amerika.

(Privat-Telearamm.)

Köln, 31. August.

Wie seinerzeit ES Rewyork gemeldet wurde, sollte der angeblich Es der Kölner Ge. gen b stammende Spielsaalbesitzer Rosen, thal nicht weniger als vierzehn Milli­onen Matzk hinterlassen haben, und die glück­lichen Erben sollten deutsche Landsleute des Erschossenen sein. Weiter hieß es dann, daß vier Verwandte Rosenthals in Betracht kämen, von denen zwei in Bergisch-Gladbach, einer irt Köln und einer in Heckenrath wohnen. Die Kunde von dem in Aussicht stehendengolbe. neu Segen" hat nun in zahlreichen Familien der deutschen Rosenthals die schöne Hoffnung erweckt, vielleicht gleichfalls an den vielen Mil­lionen beteiligt zu sein. Einer der vermeint- lichen Erbberechtigten hat sich daraufhin an dar deuffche Generalkonsulat in New-- York und gleichzeitig an die deutsche Newyor­ker Staats-Zeitung gewEdt, mit der Bitte, um nähere Auskunft über die MiMonenerbschast Rosenthals. Das deutsche Generalkonsulat antwortete kurz und bündig:Der kürzlich er. schossen« Herr Hermann Rosenthal ist hier ge. baren. Der Generalkonsul." Und von bet Newyorker Staatszeitung traf folgender Be­scheid ein:Ob der ermordete ehemalige Spiel­leiter Hermann Rosenthal in Deutschland ge­boren wurde, kann ich Ihnen nicht sagen. Nur so viel ist gewiß: Die nach Deutschland ge­kabelte Meldung, daß er Millionen hinterlassen hat, ist e itel L ü ge. Tatsache ist, daß er als armer Mann gestorben ist. Er hätte wahrscheinlich ein Grab auf dem Armenfried- Hof gefunden, wenn nicht einer sriner früheren Freunde für ein anständiges Begräbnis ge­sorgt hätte." Die deutschen Träger des Na­mens Rosenthal werden un wohl keinen Wert mehr darauf legen, mit jenem amerikanischen Millionär" verwandt zu sein.

sondern sie ist schlechthin ein WirtschafiS- und Sozialproblem unsrer Zeit, das man nicht dadurch auS der Welt schaffen kann, indem man seine Bedeutung leugnet und seine Dringlichkett geflissentlich übersieht. Die Reichs­und Landespolttik hat der Teuerung gegenüber bisher völlig versagt, und nach den erbaulichen neuesten Randbemerkungen der Norddeuffchen Allgemeinen Zeitung zur Teuerungsfrage ist auch nicht zu hoffen, daß in absehbarer Zeit überhaupt etwas geschehen wird: Es fehlen Erkenntnis und Wille! Angesichts dieser Situ­ation, die für das Regime unsrer Zeit überaus charakteristisch ist, ergibt sich für die K ommu- nen die Pflicht, ihrerseits Dasjenige zu tun, das mit Rücksicht auf die schwere wirt­schaftliche, soziale und politische Gefahr der Teuerung geboten erscheint. Und c8 wäre auf­richtig zu begrüßen, wenn auch die Residenz­stadt Cassel sich dieser Ausgabe widmen und die Erinnerung an die Reichskanzler-Petition und den Kartoffelhandel durch wirksamere Taten vergessen machen würde! F. H.

* schwersten Not städtische Mittel bereitstellen. Im Norden und Süden, Osten und Westen des Reichs regt sich's in erfteultcher Weise, um durch kommunale Hilfsarbeit die empfindlich­sten Härten des TeuerungsjahrS zu beseitigen, und es ist bei diesem sozialen Wettbewerb der Städte die charakteristische Tatsache festzustellen, daß grade diejenigen Kommunen am t a t - kräftigsten in die Bekämpfung des Not­stands eingetreten sind, die in sozialpolitischer und sozialwirtschaftlicher Hinsicht die stärkste Entwicklung aufzuweisen haben.

In der Residenzstadt Cassel hat man int e letzten Fahr ebenfalls praktischeAnti-Teue­rungspolitik" getrieben: Der kommunale Kar­toffel-Handel wurde versucht, und der im all­gemein befriedigende Erfolg des Experiments * hat nur dadurch einige Beeinträchtigung erfah­ren, daß der wirtschaftliche Effekt hinter den Erwartungen zurückblieb. Im übrigen hat man sicher Cassel darauf beschränkt, die Teuerung auf dem längst nicht mehr ungewöhnlichen Wege der Petitionen und Resolutionen zu be­kämpfen. In der Stadtverordneten-Dersamm- lung vom einunbzwanzigsten September des Vorjahrs erklärte vor Eintritt in bie Tages­ordnung der Oberbürgermeister, daßder Ma­gistrat im Anschluß an andre Städte beschlos­sen habe, eine Eingabe an den Reichs­kanzler zu richten zwecks Oeffnung der Grenzen für die Einfuhr von Vieh und Fleisch und zwecks Aufhebung der Zölle für Futtermittel". Inzwischen ist nun be- kannt geworden, daß die Regierung selbst unterm Druck des herrschenden Notstands für eine Oeffnung der Grenzen zum Zweck der Vieh- und Fleffcheinfuhr nicht zu haben ist (was übrigens von vornherein nicht zwei­felhaft sein konnte), und «S erscheint also auch überflüssig, den Berg der Petitionen und Re­solutionen noch zu vergrößern; denn daß auf ein Entgegenkommen der Regierung in der Grenzöffnungsstage so lange nicht zu rechnen , ist, als agrarische Tendenzen den Kurs unsrer Wirtschaftspolitik bestimmen, dürste nachgerade r auch dem unverbesserlichsten Optimisten klar ge­worden sein. Man wird also hoffentlich in diesem Jahr in Cassel davon absehen, die Homogenität des Kabinetts Bethmann Holl- | weg durch eine abermaligeEingabe" zu er- l schütter».

Es ist gesagt worden, daß die Finanz- - I a g e der Stadt Cassel auf allen Gebieten kom- j munalwirtschaftlicher Betätigung weise Spar- D samkeit zur Pflicht mache, und daß schon mit Z Rücksicht darauf die Stadt sich auch in der 3 Rotstandsbekämpfung eine gewisse Beschrän- fang auferlegen müsse. Es darf dieser Argu­mentation entgegengehalten werden, daß int Reichswesten, wo die praktische kommunale Hilfsarbeit zuerst und am intensivsten einsetzte, die Städte finanziell nicht über günstigere Verhältnisse verfügen, wie sie bei uns bestehen, da der arößern Zahl starker Steuerleistunaen

Stolz lieb ich de« Römer...!

Ein Privat - Telegramm meldet «ns ans Rom: Wie in hiesigen unterrichteten Kreisen verlautet, ist Italien entschlossen, der Türkei einen Waffenstillstand, wenn auch von noch so kurzer Dauer, nicht zu bewilligen, londern auch während der Friedensverhand- lungen den Krieg mit verstärkter Kraft sortzusetzen. Italien besteht auf ftineu Friedensbedingungen, nämlich daß die Türkei ausdrücklich oder stillschweigend die ita­lienische Souveränität über Tripo- litanien und die Cvrenaika aner­kennt. Ein Einvernehmen über die von den Italienern besetzten Inseln im Aegäischen Meer sowie alle die zu leiftenben Entschädi­gungssummen würden dann leicht zu erreichen sein.

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Aufruhr, Anarchie, Revolution!

Der Bölker-Hexenkeffel am Balkan.

Die Lage am Balkan gestaltet sich von Tag zu Tag bedrohlicher, und wenn auch die Meldungen über die Vorgänge in Albanien und in den Balkan-Königreichen einander stark widersprechen, so stimmen sie doch in dem Einen überein: Daß alles zur Kata- strophe drängt und Ereignisse von weit­tragendster Bedeutung zu erwarten sind. Fast kein Tag vergeht, an dem nicht neue UeBergriffe der Albanesen gemeldet werden. Gestern ist eine starke Albanesenbande in Avlona ein- gedrnngen, hat die Gefangenen aus den Ge­fängnissen befreit und das Waffendepot voll­ständig aus geplündert. Wir verzeichnen noch folgende Meldungen über die neuesten Ereig-

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Sie Rot geht durchs Land!

Cassel und der Kampf gegen die Teuerung.

Der ehemalige ReichSschatzsekre- tär und jetzige Oberbürgermeister von Berlin, Exzellenz Wermuth, hat in einer Unterhaltung erklärt, daß er die einzig wirksame und zulässige Abhilfe gegendieFle isch» teuerung in einer Oeffnung der Grenzen für überseeisches Fleisch, insbesondere für das argentinische Gefrierfleisch, sehe. Not lehrt beten, und Teuerung zwingt zu ernster sozialer Arbeit. Seit Wochen ist der Kampf gegen die Teuerung" aktuell, liest man in der Tagespresse von achtenswerter kom­munaler Hilfstätigkeit und hört mit andächti­gem Staunen, daß sogar die Regierung sich eingehend mit Vorschlägen beschäftigt, wie der Not im Land erfolgreich entgegenzutreten sei: In Berlin ist der kommunale Teuerungs-Aus­schuß bereits bei der Arbeit, Mittel- und Wege zu finden, um die Lebensmittelversorgung der Millionenstadt ohne Schädigung des Handels- gewerbes kommunalwirtschaftlich zu organi­sieren; in Essen sollen, um der drückendsten Not zu fteuern, Mittel bereitgestellt werden, die zur Schaffung billiger Einkaussmöglichkeiten für bie ärmeren Klassen der Bevölkerung dienen U sollen und in Frankfurt a. M. soll eineAnff-Teue- rungskommisston prüfen, inwieweit die Stadt- ' Verwaltung auf bie billigere Versorgung mit r notwendigen Lebensmitteln (Kartoffeln, Mehl, Hülsenfrüchten und Fffchen) durch EngroS-Ein- kauf und Herstellung von Lagerräumen, ohne die Gewerbetreibenden zu schädigen, einzuwir- ken vermag. Ferner ist eine Förderung deS Volksküchenwesens ins Auge gefaßt, und in g »1 , Elberfeld wollen die Stadtväter sogar felhst bie Initiative ergreifen und zur Sinberuug ber

In den Märztagen des Jahres 1825 ging ez - der kurfürstlichen Residenz Cassel hoch her, galt es doch, die Verlobung otilb Vermählung bei Prinzessin Maria von Hessen, der üngsteu und LieMngstochter des Kurfürsten Wilhelms des Zweiten, mit dem Herzoa

3m Zeichen der Anarchie.

(Privat-Telegramm.) Saloniki, 31. August.

Nachdem die Albanesen die Waffendepots in I p e k vollständig ausgeraubt hatten, steckten sie gestern die Depots in Brand, ohne daß ihnen von irgend einer Seite Widerstand ent­gegengesetzt wurde. Man befürchtet auch, daß sie die türffsche Schule anzünden werden. Fer­ner versuchten die Albanesen, auch die Kä­se r n e in ihre Hände zu bringen, doch wurden st« von den dort konsignierten Soldaten, die ihrem Treiben bisher tatenlos zusahen, zurück- gewiesen. Darauf umzingelten die Ausrührer die Häuser der in der Stadt ansässigen Ser­ben, mißhandelten die Bewohner und verlang­ten die Herausgabe von Waffen. In dem ent­standenen Tumult wurden mehrere Ser­ben getötet und verwundet. Die Anar-

auch ein weit beträchtlicheres Kontingent Ar­beiterbevölkerung gegenübersteht, dessen geringe steuerliche Leistungsfähigkeit bei starker kommu­naler Ausgabenbelastung (Schullasten und Ko- ft en der Armenfürsorge) bie städtische Finanz­wirtschaft ungünstig beeinflußt. Der Hinweis auf die finanzielle Situation der Kommune kann also nicht als Hinderungsgrund einer städtischen Notstandsaktion anerkannt werden. Daß auf der andern Seite aber die Teuerung sich in Cassel fast noch empfindlicher fühlbar macht als in Städten, die näher an den großen internationalen Verkehrswegen liegen, und infolgedessen günstigere Einfuhrbedingun­gen haben, läßt sich aus den hier üblichen Marktpreisen der für die Ernährung der Mas­sen hauptsächlich infrage kommenden Lebens­mittel leicht nachweisen. Anlaß zum Eingrei­fen der Kommune ist also in Cassel sicher ge­geben, und es ist deshalb auch nicht ersichtlich, weshalb hier nicht Das möglich sein soll, was man anderwärts als natürliche Selbstver­ständlichkeit betrachtet.

Neunzehnhundertels hat man eS im Casseler Stadtparlament der Sozialdemokratie überlassen, in der Frage der Teuerungs-Be­kämpfung die Initiative zu ergreifen, und selbst als die Sache schon in Muß war, regte sich das kommunale Interesse nur sehr flüchtig, und zu einer durchgreifenden Mion ist's bekannt­lich ja auch nicht gekommen: Man beschränkte sich darauf, nach dem Rezept des Herrn von Schorlemer-Lieser einen städtischen Kartoffel- Handel zu etablieren, über den später im Kreis der Stadtväter noch mancher Seufzer zu hören war. Nun ist (ein Jahr später) die Frage Kommune und Teuerung" abermals aktuell und dringlich geworden, und matt darf wohl er­warten, daß in diesem Jahr Cassel nicht im Nachtrab zu finden sein wird. Die Teue­rung ift nicht etwa eine Massen-Frage, der das Odium agitatorischer Planmäßigkeit anhaftet;

Das Kaiserpaar ist mit her Prinzessin toria Luise gestern nachmittag kurz vor sechs Uhr im Sonderzug auf dem Potsdamer Bahn­hof in Berlin eingetroffen. Zum Empfang waren erschienen: Das Kronprinzen­paar mit den beiden ältesten Söhnen, Prinz Eitel Friedrich und Prinz August Wilhelm mit

Die Kaiserfahrt zur Schweiz.

Präsident Forrer empfängt den Kaiser!

Wie unS ein Privat-Telegramm aus Bern meldet, hat sich der erkrankte Bun­despräsident Forrer von seinem Gichtanfall soweit erholt, daß er gestern vormittag an einer Bundesratssitzung teilnehmen konnte. Voraus­sichtlich ist der Bundespräsident beim Ein­treffen des Kaisers in der Schweiz wie­der vollständig hergestellt, so daß er in der Sage sein wird, den kaiserlichen Gast persönlich be­grüßen und empfangen zu können.

Zn Erwartung des Kaisers.

(Privat-Telegramm.)

Zürich- 31. August.

In der schweizerischen Presse kommt ein­hellig die F r eu de darüber zum Ausdruck, daß der in den letzten Tagen so sehr gefährdete B e - uch des Kaisers nun doch zur Ausfüh­rung kommt. Man verhehlt nicht, daß eine vollständige Absage eine außerordentliche Ent­täuschung gewesen wäre. Es trägt zu den Sympathien, die der Kaiser in der Schweiz ohnehin genießt, nur bei, daß er entgegen den Vorstellungen der ärztlichen Ratgeber an sei­nem Vorhaben so entschieden festgehalten hat. Da und dort drückt man die Hoffnung aus, daß der Kaiser das Berner Oberland wie andere Teile des Schweizer Hochgebirges vielleicht bei einem andern Anlaß kennen lerUen werde. Die Vorbereitungen zum Empfang in Zürich nehmen ihren Fortgang. An der Spalierbil- bung werben sich aus reichsbeutsche Militär- und Kriegervereine beteiligen. Die schlechte Witterung hat aufgehört, und nach dem allge­meinen meteorologischen Dafürhalten ist für bie ersten Septembertage gutes Wetter zu er­warten, was dem gesamten Programm außer-