Kasseler Neueste Nachrilhtkil
Casseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Nummer 226
Sonnabend, 31. August 1912
Fernsprecher 951 und 952.
2. Jahrgang
Fernsprecher 951 und 952.
Alle übrigen haben geschwiegen!
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Die übrigen „Führer der Ratton" haben geschwiegen. Das ist deutsch« Dankbarkeit, daß
Jnserttonrprett«! Die sechsgefpollen« Zeile für einheimisch« Geschäft, 15 Dfg-, für ouS. wärttg« Inserat« 25 Bf., Rellamezeile für einheimische Geschäft, 40 Pf„ für auswärtig« Geschärt« 60 Bk. Beilagen für bl, Besamtaustage werden mit 5 Mark pro Tausend beregnet. Wegen ihrer dichten Berbrettung in der Restden, unb bet Umgebung sind bl, Lafseler Neuesten Nachrichten ttn vorzügliche» Jnserttonrorgan »,schäft»st«ll«: NSlntsch« Stratze 5. Berliner Vertretung: SW., Frtebrtchstraz« 16, Telephon: Amt Morihvlah «7».
Sie Frau mit dem Solche.
Ein Anschlag ans de« Präsidenten Tast!
Aus New York kommt die Nachricht über den Attentatsversuch einer anscheinend geisteskranken Frau aus den Präsidenten Tast, der sich in dem Augenblick ereignete, als der Präsident gestern bald nach seiner Ankunft in Columbus im Staate Ohio das. Hotel Southern betreten wollte. Es gelang indeffen den in Tafts Begleitung befindlichen Detektiven, die Attentäterin rechtzeitig unschädlich zu machen. Ueber den Vorfall er- halten wir folgende Meldung:
„Ich bin Fra« Saft!"
(Privat-Telegram m.)
Rcwhork, 30. August.
Präsident Taft ist gestern im Columbus eiikgcttoffen. Als er sich in Begleitung Mehre, rer DetekttvS in das Hotel „Southern" begeben wollte, sprang eine Frau hinter der Tür des Hotels hervor und stürzte sich, zwetMesser in die Höhe haltend, mit den Worten: „Ich bin die Frau Taft" aus den Präsidenten. ES gelang den DetekttvS, die Frau bet Seite zu reißen und sie zu entwaffnen. Aus der Polizei gab sie an, Karoline BeerS zu heißen und aüS Greenville (Ohio) zu stammen. Man glaubt, daß man eS mit einer Jrrfin. nigen zu tun hat. Sie wurde zur Polizei- statton und von dort nach einer Irrenanstalt gebracht, wo ste auf ihren Geisteszustand hin untersucht werden soll. Präsident Tast, der eine« Moment der sich wie wild geberdenden Frau schutzlos gegenüberstand, befand sich in größter Aufregung und hatte noch abends stark unter den Nachwirkungen des überstandenen Schreckens zu leiden.
dem Schloß zu Wilhelmshöhe die Kaiserflagge zur Höhe steigt, kein« Sorge den hellen Sommertag im Land der Hessen dunkeln möge!
Die Abreise des Kaiserpaares.
Wilhelmshöhe, 30. August.
„Der vornehmste Gast, der bisher in die Kurliste von Cassel-Wilhelmshöhe «ingezeichnet war, ist nun wieder gestrichen worden: Der Deutsche Kaiser, der zur Erholung für einige Wochen aus Schloß Wilhelmshöhe geweilt, ist mit der Kaiserin und der Prinzessin Viktoria Luise heute morgen wieder nach Berlin abgereist. Bejubelt und begrüßt von den Casselanern, hat die kaiserliche Familie Abschied von Schloß Wilhelmshöhe genommen, das sür einige Zeit der Brennpunkt des Interesses für alle Welt war. Aller Augen waren in den letzten Wochen auf das romantische Fleckchen Erde des Hessenlandes gerichtet. Die Fä. den der Politik werden nun nicht mehr an der Fulda, sondern am grünen Sttand der Spree gesponnen werden. Der elektrische Funke, der so häufig zwischen dem Arbeits^mmer der Kaisers im Schloß Wilhelmshöhe ad dem der Minister in Berlin spielte, wird nun nicht mehr springen und die Kuriere werden nicht mehr zwischen den beiden Residenzen verkehren. Schloß Wilhelmshöhe, das in den Kaisertagen wieder frischen Glanz gewonnen, wird von nun an in den Dornröschenschlaf zurücksinken. Um einhalb elf Uhr sollte
der kaiserliche Hofz«g
Ein Ehinese«komplott auf Java?
Depeschen aus London berichten uns: Ein Kabeltelegramm aus Batavia auf Java meldet, daß in Surabaya, der vornehmsten und größten Handelsstadt auf Java ein chinesisches Komplott zur Ermordung der ganzen europäischen Kolonie der Stadt aufgedeckt worden sei. Die Anführer der Verschwömng sind bekannt, doch konn. ten sie bislang nicht festgenommen werden da sie sich verborgen halten. Die Behörden habe« die strengsten Maßregeln gegen die Chinesen ergriffen.
den dieser Kultur geblutet haben. Das ist «in betrübliches Dokument unserer Gegenwart, daß gerade ihre „Intellektuellen" hohen vaterländischer Probleme so kühl gegenüber stehen, gerade Die, die nichts sind, wenn ihnen nicht erst die Nation Resonanz gibt. ES ehrt das Volk der Denker und Dichter nicht, daß seine größten Geister völlig versagen, wenn deutsche Gewissensfragen zur Debatte stehen.
K. W.
Und Exzellenz Czerny, der berühmte Heidelberger Chirurge, der selbst erfahren hat, was dcuffcher Kriegermut geleistet hat, schrieb kurz und bündig Folgendes:
ES ist eine selbverständlkche Pflicht des deutschen Reiches, dafür z« sorgen, dass unsere Veteranen nicht verhungern. Was die amerikanische Republik fertig bringt, mutzten unsere Monarchie« auch fertig bringen. Am «ächsten läge eS, eine Wehrsteuer für die Veteranen einznführen.
Ur. Vinzenz Czerny.
Ser Abschied der Kaisers.
Abreise der Kaiserliche« Familie vo« Schloß Wilhelmshöhe; «ach de« Tage« der Sorge ««b der Anruhe; Hoffnungen «nd Wünsche.
Die Kaiserliche Familie hat heute früh vom Bahnhof Wilhelmshöhe aus die Rückreise «ach Berlin angetreten, wo der Hofzug nachmittags eintreffen wird. Die Kaiserliche Familie wird in Berlin tat Schlöffe Wohnung nehmen. Der Kaiser unternahm gestern nachmittag mit der Kaiserin einen längeren Ausflug im offenen Automobil, worin man ei« Zeichen für die völlige Wiederherstellung des KaiserSfieht. Trotzdem ist es mit Rücksicht auf die eben erst überstandene Krankheit erforderlich gewesen, das Programm für die Schweizerfahrt in entsprechender Weise einzuschränken, was in der Schweiz allgemeines Bedauern Hervorgerufe« hat.
Nach wochenlangem Sommeraufenthalt im Schloß zu Wilhelmshöhe hat heute in der Mor- genfrühe di« kaiserlich« Famili« di« Rückreise nach Berlin angetreten. Es waren Tag« de. Sorg« und Aufregungen, die in diesem Jahr den Bewohnern von Wilhelms- höhe.befchieden toaren, und selbst bis zum Tag der Abreise sind diese Sorgen noch nicht ganz gewichen. Ehe die beunruhigenden Gerüchte über ein« Erkrankung deS Kaisers (erst demen- ttett,^ dann bestätigt, und später wieder abge. schwächt) in der Oeffentlichkeit auftauchten, kam vom Langenburger Schloß di« Nachricht über ernste Sorgen, die in Ho streifen der unbefriedigend« Gesundheitszustand der Kaiserin wecke: Man vernahm, daß die Gemahlin des Kaiser- seit langer Zett von einem Leiden heimgesucht werde, über dessen Natur selbst in Arztekreisen die Meinungen geteilt seien; er- fuhr, und hinter den beunruhigenden Erklärun- gen der Hofireis« sich bange Sorge berg« und hörte (zum erstenmal, aber unwidersprochen), bei der Zustand der Kaiserin eine Nachkur In einem Heilbad erforderlich mache, da die Nau- Heimer Kur ohne nachhalttge Wirkungen geblieben. Im deuffchen Land ist diese Trauer, künde mit aufrichtiger Anteilnahme vernommen worden, und wir all« hegen mit den der Kai- settn Nahestehenden den innigen Wunsch, daß «S ärztlicher Kunst gelingen tnöge, dies« Sorge vom Kaiserhaus zu nehmen und die Gesundheit der Kaiserin vor allen Gefahren zu behüten. Die Erkrankung des Kaisers, di« zettlich fast mit dem Bekanntwerden der ersten Nachrichten über den unbefriedigenden Gesundheitszustand der Kaiserin zusammenfiel, weckte in der Oef.
" fentlichkeir
allgemeine Unruhe und wie immer bet solchen Anlässen war auch in diesem Fall die Fama geschäftig, das Dunkel der umschwtt- renden Gerüchte für die Zweck« der Sensation auszubeuten. Cassel-Wilhelmshöhe stand «ine Woche hindurch gewissermaßen im Mittelpunkt der Waltinteresses, und der Name Cassel ist i« der Press« deS In- und Auslands sett Jahr, tehmen nicht so oft genannt worden, als in diesen Tagen. „Wenn Fürsten leiden, verwirrt die Wahrheit sich zu krausen Märchen": Wir ' hörten, während man in Wilhelmshöhe sich erzählte, der Kaiser habe berettS wieder an einem Dauerskat im engsten Kreis sich beteili- Len können, noch düstre Meldungen über eine .Verschlimmerung im Befinden deS Monar- iben". über „Komplikations-Erscheinunzen" und „drohende Gefahren". Glücklicherweise hat die Wirklichkeit all diese Unheil-Phantasie rasch korrigiert, und wenn doch noch «ine peinliche Erinnerung an di« Sorgenlag« der letzten Woch« zurückbleibt, so ist es die Erkenntnis, daß ungrunde der höfische Schweige-Brauch er ist, der die Unruhe in der Oeffentlichkeit «r- erzeugt und der größer« Gefahren in sich iÜk birgt als dieMärchendichtung eilsertigerZeitung. Korrespondenten. Die amtliche Berichterstattung über den Derlauf der Krankheit des Kaisers hat auch diesmal fast alles zu wünschen s*brig gelassen, und es kann also nicht wun- m, daß dies« Schwäche des Systems zu Miß- nden führt, die sich in einer an sich durchaus rständlichen (wenn vielleicht auch unberech- en) Beunruhigung weitester Volkskieise lern. Run, da der Hofzug di« kaiserlichen rjchaften imserm Blickbereich entsühn, ge- n sie der Wunsch und die Hoffnung, daß im chsten Jab- iu; Sommerzeit, wenn aus 1
Wilhelmshöhe aus zu, während die diplo- matisch« Bestellung den Weg über Beilin nehmen mutzte. Das nunmehrige Reiseprogramm ist als definittv zu betrachten. Der Bundesrat war bemüht, wenn möglich die Aufrechterhaltung des ursprünglichen Programms zu erwirken. Auf dringenden Rat der Aerzte mutzte indessen der Kaiser darauf verzichten, dem Wunsch Folge zu geben. Da der Kaiser am Nachmittag des fünften September der Ruhe zu pflegen wünscht, ist an besondere Veranstaltungen am Donnerstag nachmittag nickt zu denken. Dagegen wird der Kaiser die Abordnung der deutschen Kolonie in Zürich statt am Mittwoch nunmehr am Donnerstag empfangen. In Interlaken, wo man bereits über vierzigtausend Francs für Dekorationen und Feuerwerk ausgegeben hat, hat man noch nicht alle Hoffnung aufgegeben. Man denkt daran, entweder dirett in Berlin oder durch Vermittelung des deuffchen Gesandten Schritte zu tun, um vielleicht doch noch einen kurzen Besuch des Kaisers in Interlaken zu erzielen.
Ist das hie Dankbarkeit...?
Die großen Geister Deutschlands schweigen!
Einer unsrer Mitarbeiter schreibt uns: Deutschland erlebt in diesen Tagen wie- der glanzvolle patriotische Schauspiele. Die Fürstentage in Sachsen, die so festlich verlaufen, sind stolze Dokumente vaterländiscken Sinnes. Gerade in solchen Tagen wird die Erinnerung an vaterländische Pflichten gegenüber der Vergangenheit, die das Deutschland der Gegenwart nicht erfüllt, doppelt schmerzlich. Hier ist der Frage der Veteranenfürsorge Erwähnung zu tun. Einige drastische Beispiele aus der jüngsten Zeit haben darauf hingewiesen, datz ein stärkeres Eintreten für unsere Veteranen, die auf den Kriegsfeldern das Deutschland von heute haben mit schaffen helfen, doppelt not tut. Datz die Norddeutsch« Allgemeine Zeitung nachgewiesen hat, datz der Veteran Dux kürzlich in Berlin nicht durch die „Schuld des Reiches" verhungert ist: Dieser Einzelfall ändert nichts an der Tatsache, datz Deutschland seine Pflichten gegen die Veteranen und Invaliden nur halb erfüllt. Man braucht ja nicht zu wiederholen, was selbst im Reichstag oft genug gesagt worden ist, ohne datz der Reichstag irgend welche Mittel dafür gefunden hätte. Ich war nun der Meinung, daß das, was der Volksvertretung nicht gelang, vielleicht dem Volke selber glücken würde. Und so wandte ich mich an die
„geistigen Führer"" der Ratto«
an die stolzesten Namen des intellektuellen Deutschlands, mit der Frage, ob sie bereit wä- ren, nach dem Versagen der „maßgebenden Stellen" auf Mittel und Wege zu einer volkstümlichen Veteranenfürsorge zu sinnen und welche Vorschläge sie für angebracht hielten. So wandte ich mich (und nicht nur einmal!) an Wilhelm W u n d t, den Philosophen, und Richard Dehmel, den Dichter, an Max Klinger, den Bildhauer, und Max 5R e» 0er, den Komponisten, an Georg Reicke, den Dichter-Bürgermeister der ReickShaupfftadt, und Olga Wohlbrück, die Schilderin unserer Gegenwart, an Wilhelm Bö Ische und an Frank Wedekind, der der Welt und den Redaktionen so ost seine eigene Not vorklagt und darum wohl auch ein Herz für die anderen haben würde, an Max Liebermann, den großen Maler, und Hermann Sudermann, den Autor von Frau Sorge, der vielleicht auch etwas für die Sorgen der Veteranen übrig haben würde. Es war eine schwere Enttäuschung: Nicht einer der Führer der Ration hat ein Wort für Die übrig gehabt, die die neue Nation erst geschaffen haben! Kein Wort und keine Antwort auf wiederholte Bitten ...! Nicht einer, bis auf zwei Ausnahmen. Die bildeten ein großer Arzt und ein großer Schauspieler. Albert Bassermann, der nach Kainz's Tode wohl der größte Menschendarsteller der Gegenwart ist, schlich, in der ihm eigentümlichen Orthographie:
unfeee Veteranen müsse« menschenwürdig fersorgt werden, woher die mittel z« nehmen find, hat die folks- verttetang zu entscheiden.
Albert Bassermann.
3m Irrikaiser-Fahr.
Gustav Frehtags Briefe ans dem deutschen Schicksaljahrachtzehnhundertachtundachtzig
Im Verlag Neuer Leben, (WUHelm Born, grftber) Berlin, erschein! demnächst eine Samm. lung unveröffentlichter Briefe vonGustao Frey, tag. Die soeben von der Berliner Wochenschrift „Pan" daraus entnommenen unb von uns hier ivtedergegebenen Auszüge enthalten manche bis. her unbekannten EinzelheUen über Krankheit und Tob Kaiser Friedrich» deS Dritten und au» der Geschichte des schtcksalschweren Jahre» 1888, da» mit dem Regierungsantritt Kaiser Wilhelms de» Zweiten da» .neue Regiment" und den Beginn einer »neuen Hera" brachte.
Nach drei Tagen.
Aus einem Briefe Frehtags, datiert Sievi leben, 18. Juni 1888 (drei Tage nach bet Thronbesteigung des neuen Kaisers): Die persönlichen Anschauungen, welche ich von de« Kaiser erhalten, stehen zum Teil in so tzar- kern Gegensatz zu dem Bilde, welches im Gemüth der Deutschen aus dem volksmäßigen Drange nach Jdealgestalten für Liebe und Verehrung entstanden ist, daß es herb und auch nicht nützlich wäre, in diesen Wochen eines großen Schmerzes das wirkliche Wesen eines lie- benswerthen aber unglücklichen Fürsten dem landläuffgen Bild gegenüber zu stellen. Sie selbst wissen sehr gut, was ich damit meine. Ferner aber ist mir durch die peffönlichen Beziehungen zu ihm und durch den Umstand, datz ich zuweilen als Vertrauter Einblick in seine Natur erhielt, auch Diskretion und Zurückhaltung geboten. Auch seine Briefe, fowett biefe Aufzeichnungen ein Interesse für Anbere haben können, eignen sich nicht zur Veröffentlichung, wenigstens nicht bnrch mich. Unb mir wjder- steht es, jotzt, wo er erst bie Augen geschlossen, mit meinem Urteil unb Namen über ihn vor bie Oeffentlichkeit zu treten. Datz ein neue« Regiment gekommen,bewies in auffallender Weise die erste Kundgebung des neue« Kaisers, sie war an bas Heer unb-bie Karine gerichtet. Es ist ein junger. grat*
den Bahnhof Wilhelmshöhe verlassen. Lange vorher schon hatte sich jedoch eine nach Tau. senden zählende Menge eingefunben, um der kaiserlichen Familie den Abschiedsgruß darzu- bringen. Die Schutzmannschaft hatte rechts unb links bet Hauptstraße in kurzen Abständen Aufstellung genommen unb im Park von Wilhelmshöhe stand bie Gendarmerie mit Helm- busch unb Karabiner. Auf der Station Wil. helrnshöhe wurde streng« Konttolle geführt unb die Straßen wurden ebenfalls scharf gemustert. Alles ist in gespanntester Erwartung. Da plötzlich geht ein Ruck durch die Menge: Sechs Automobil« führen den kaiserlichen Hof zum Bahnhof. Schon von wettern kündet die rote Kaiserstandarte, daß sich im ersten Automobil der Kaiser befindet: Er trug bieUniform der Posener Jäger zu Pferde mit Mütze. Der Kaiser sah braun unb frisch aus und schien in bester Stimmung zu seich. Ihm zur Seite saß die Kaiserin in graublauem Reiseffeid unb ebensolchem Federhut. Vor den beiden Majestäten die Prinzessin in Heller Robe. Im zweiten Automobil folgten Generaloberst von Plefsen, der Chef des MilitärkabinettS, General der Infanterie, Freiherr von Lyncker unb bet Flügeladjutant des Kaffees Oberstleutnant von M u - tiuS. Im dritten Automobil sah man die Umgebung der Kaiserin: Ehrendame Gräfin v. Rantzau, Hof- unb Palastdame Gräfin Kell er unb die Hofdame von Saldexn, Generalarzt Dr. Zuncker, der Chef des geheimen Zivilkabinetts Wirklicher Geheimrat von Valentini und Hofmaffchall von P l a te n . Hallermnnd hatten im wettern Automobil Platz genommen. In zwei toeitern Automobilen fuhr dann
daS übrige Gefolge
zum Bahnhof. Zum Abschied des Kaisers hatten sich der kommandierende General Freiherr von Scheffer-Boyadel, Oberpräst- dent Hengstenberg und Polizeipräsident von Dalwigkzu Lichtenfels am Bahnhof Wilhelmshöhe eingefunden. Kurz vor einhalb elf Uhr erreichten die kaiserlichen Automobile ben Bahnhof, wo der St aif er die erschienenen Herren begrüßte unb mit dem Oberpräsidenten ein paar Wotte wechselte. Hierauf bestiegen die Herrschaften den kaiserlichen Hofzug, der aus elf Wagen bestand unb von den Re- gierungs- unb Bauräten van Heys unb Bremer geführt wurde. Präzis zur festgesetzten Zeit verließ der Zug den Staatsbahnhof Wilhelmshöhe, und nochmals brachte das zahlreich veffammelte Publikum dem Kaiserpaar lebhafte Ovationen bar; längs der Bahnlinie hatten sich Tausende von Menschen angesam- melt, um ben allerletzten Abschiedsgruß zuzuwinken. Der Kaiser unb bie Kaiserin, die sich im fünften Wagen befanden, und bie Prinzessin, die im sechsten Wagen Platz genommen hatte, dankten auf das herzlichste. Noch ein letzter Blick folgte dem Hofzug unb dann verschwand er an der Berliner Brücke. Zehn Minuten später war es auf der Straße wieder still. Die Schutzmannsposten sowie die Militärwacken wurden eingezoaen, die Menge verlief fick und bald hatte die Straße das übliche Gepräge wieder angenommen. .
Sie Kaiserfahrt zur Schweiz.
(Privat-Telegramm.)
Zürich, 30. August.
Der deutsche Gesandte von Bülow hat dem Vizepräsidenten des Bundesrats die Bestätigung der Einschränkung des Besuckö- Programms de? Kaisers überreicht. Die . ...... _. ... ________________________
Mitteilung über die veränderten Reisedispo- die Rcpräsendanten der neudentschen Kultur Bttcnen aina den Bundesbahnen direkt von! die Nöte Derer iauorieren, die für das -Wer-