Einzelbild herunterladen
 

CMr Neueste Nachrichten

So vo, Ein bei das

1. Beilage.

Freitag, 30. August 1912.

Breda überschwemmte mit seinen Truppen die Schwalm; er selbst nahm Quartier bei dem Bauern Bornhansen in Riebelsdorf bei Ziegen­hain. Den Feind hoffte er leicht zu überwin­den- Ja. er war seiner Sache so sicher, daß er an die Tür seines Quartiers die Worte geschrie­ben haben soll: .Heute in Bornhansen Hauß, Morgen in Weichhauß, ist die Vorstatt vor Ziegenhain/ MU anderen Worten: .Morgen ist Ziegenhain mein." Die Ziegenhainer wa­ren von der in Aussicht stehenden Besetzung und Plünderung ihrer Stadt durch die Kaiser­lichen keineswegs erbaut. Um sich so gut als möglich davor zu bewahren, machten sie Rosen den Vorschlag, ihm mit den Bürgerschützen zu Hilfe zu kommen. Der nahm dieses Aner« bieten gerne an. Einer der Bürgerschützen nun, namens Valentin Muhly, ein Metzger von Beruf, der wegen seiner Sicherheit im Schießen großes Ansehen genoß, schlich sich am Tage vor der Schlacht nach Riebelsdorf, um Bredas Pläne auszukundschasten.

Er hörte auch mancherlei, man erzählte ihm, wie Breda sich seiner Tapferkeit gerühmt, teilte ihm mtt, was er an die Tür seines Quartiers geschrieben und daß da§ Heer des Obersten fast nur aus Panduren und derartigem rohen Ge­sindel bestehe. Mit dieser Weisheit machte sich Muhlv sofort auf den Heimweg und begab sich schnurstracks zum Rentmeister von Ziegenhain, dem er alles mitteilte, auch seine Absicht, den Obersten im Treffen aufzusuchen und ihm, wenn's irgend möglich sei, den Garaus zu machen. Er wollte nickt, daß seine Vaterstadt dasselbe Schicksal über sich ergehen lasten müsse wie das vor kurzem von den Kaiserlichen ver­brannte Treysa, und er hoffe auch, daß ihm die Erfüllung seines sehnlichsten Wunsches ge­währt werde. Der brave Rentmeister geriet ob Muhlys blutdürstiger Absichten in große Besorgnis. Er hatte kein Verständnis für große und kühne Taten und darum galt es ihm schon als ausgemacht, daß Muhlys Unternehmen fehlschlagen werde.

In beweglichen Worten schilderte er ihm nun die traurigen Folgen, die sein Vorgehen für die Stadt unzweifelhaft haben würde, wenn es nicht von Erfolg gekrönt werde. Ebenso sicher aber, wie den Rentmeister das Verderben der Stadt, dünkte Muhly der Sieg. Der Tapfere ließ sich denn auch durch die bäng­lichen Reden des Rentmeisters nicht irre ma- <6en, so schwächliche Reaunae» waren feiner :

Geisterglaube und Lebe».

Interessante Bekenntnisse eines Bischofs.

(Von unserm Korrespondenten.) Newhork, Ende August. Durch die europäische Presse ging vor eini- gen Wochen die sensattonelle Nachricht, daß der

Nr. 225.

SWeiter Sa^tgan»

Der Exsultan Muley Hafid ist jetzt vor« Vichy in das HotelTrianon" in Ver­se i l l e s übergesiedelt. Da er erklärte, sich vor den Tunnels zu fürchten, machte er die Reise im Automobil. Sei es nun, daß ihn die euro­päische Kleidung, die er zum ersten Male in seinem Leben angelegt hatte, genierte, oder einige Gewitter, die während der Fahrt nie dergingen, oder aber die Schnelligkeit bei. Vehikels, kurz, er fand es auch im Automobil unbehaglich und wollte unterwegs einen vor­beisausenden Expreßzug anhalten lasten, um einsteigen zu können. Sein europäischer Be- glefter mußte ihn erst darauf aufmerksam ma­chen, daß in Frankreich niemand das Recht habe, einem Bahnzuge Halt zu gebieten, gelangte Muley Hasid ziemlich mißlaunig dem Hotel Trtanon in Verseilles an. Journalist nahm die Szene der Ankunft Magnesiumlicht photographisch auf. lieber ____

Aufflackern der Flamme war der Exsultan nun so entsetzt, daß er das Automobil nicht verlas­sen wollte, bevor es nicht vor ein Seitentor dirigiert worden tvar. Der Exsultan verließ auch während des ganzen Abends seine Gemä­cher nicht. Gestern begab er sich nach Paris und unterzog den Eiffelturm einer genauen Besichtigung. Es scheint, daß der frühere Sultan von feinen ..Erfahrungen" auf europäischer Erde nicht sonderlich c baut ist, denn er zeigt sich sehr niedergeschlagen. Ob er woh! Heimweh hat. . .?

K. besinnungslos auf dem Boden liegen, und neben ihm lag der Revolver. Bald daraus fing der Bewußtlose an, mit Händen und Füßen um sich zu schlagen. Hausbewohner brachten ihn zur Hilfswache in der Gaudystraße, wo fest­gestellt wurde, daß K. gar nicht verletzt tootber war. Die Kugel hatte einen Westenknopf g» troffen, war daran abgeprallt und hatte sick dann in den Kleidern des Schneiders verfan­gen. Es dauerte aber lange Zeit, ehe es ge­lang, den Lebensmüden davon zu überzeugen, daß er nicht tot war. Da K. immer noch ein sonderbares Wesen zur Schau trug, wurde er von der Polizei in Schutzhaft genommen, spä­ter entließ man ihn jedoch wieder.

Muley Hafid in Versailles-

Bischof Benson öffentlich erklärt habe, daß er an Geistererscheinungen, an Gespenster und Spukhäuser glaube. Einem Berichterstatter gegenüber hat sich nun der Bischof in etwas eingehender Weise über seine Ansichten geäußett, die er in einem Vor­trag über unsere Beziehungen zur Geisterwelt kundgetan habe, und die von der Presse ent­stellt wiedergegeben worden seien. Ich glaube nicht«» Gespenster, an scharlatanartige Experi­mente und an Geisterbeschwörungen, wie das Volk sie sich vorstellt (sagte er), dagegen bin ich überzeugt, daß wir durch gewisse psychische Kundgebungen mit der Seele der Ver­storbenen in Verbindungen treten können. Es gibt keinen Widerstreit zwischen Wissenschaft und Religion; im Gegenteil, die immer mehr Vertieften psychologischen Studien werden uns, ohne daß dadurch das kirchliche Dogma berührt wird, die Harmonie, die zwi­schen dem Diesseits und dem Jenseits herrscht, immer besser begreifen lehren. Unser Geist ist ein Haus mtt zwei Swckwerken, die durch eine Falltür miteinander in Verbindung stehen. Das untere Stockwerk bewohnt das objettive Ich, das sich nur um materielle Fragen kümmert, dasbusiness _ Ich; im zweiten Stock aber haust das subjektive Ich, das das künstlerische Streben, die Träume,

das Streben nach dem Ideal

erzeugt. Das ganze Menschengeschlecht hat seit Jahrhunderten die Empfindung, als ob es von den Geistern der Verstorbenen umge­ben sei, ohne jedoch die Gegenwart der Geister genauer bestimmen zu können, ebenso wie wir die Elektrizität kennen, ohne über ihre Ursachen im klaren zu sein; es ist ganz unmög­lich, daß die ganze Menschheit sich in allen Ländern und zu allen Zeiten so getäuscht ha­ben sollte. Man hat von Geistererscheinungen gehört und von Spukhäusern gesprochen. Das Phänomen ist mit Legenden und abergläubi­schen Vorstellungen verbrämt worden, aber es steckt doch etwas durchaus Wahres da­hinter. Nach meiner Ueberzeugung haftet die Persönlichkeit der Toten an den G e g e n st ä n- ben, die sie berührt, an den Orten, die sie be­wohnt haben, an der Stätte, an der sich irgend­ein bedeutsames Ereignis ihres Lebens ab­spielte; sie haben immaterielle, von dem Unter« bewußtsein gewisser Menschen aber trotzdem wahrnehmbare Spuren hinterlässen. Daher auch die telepathischen Erscheinungen im Augen­blicke des Todes, die kein Mensch mehr zu leug­nen wagt. Ich bin der Ansicht, daß die Ge i - sterwelt fast immer um uns schwebt und ihre Macht ausübt, ohne daß wir es wis­sen und merken, daß aber manche dieser Gei­ster in Fällen, über die wir noch nicht zu vol­ler Klarheit gelangt sind, uns auch wirklich er­scheinen. . .! w. J.

Keele fremd. »Lieber alles gewagt, als unsere Vorstadt von den Wutrrchen abbrennen lasten," : ft Falles, er noch zu entgegnen hatte.

In Riebelsdorf soll Muhly sich zu Bekannten sogar dahin geäußert haben, daß ihm fein Herz Wt, er werde in dem Kampfe mit Breda der Sreger fern ... Der Tag der Schlacht kam her. an, und mtt den Rosenschen Truppen standen auch die Ziegenhainer Bürgerschützen im Feld, bereit, für ihre Vaterstadt Leib und Leben zu ft Muhly führte seinen Trupp nun au Die Anhohe Hauroth, wo nach seinen Erkuudi gungen der Feldherr zu finden sein sollte. Sie kamen zur rechten Zeit.

Auf stattlichem Rosse, das mächtige Schlacht- ichwert in der Hand, hielt Breda mit geringer Bedeckung auf der wenig geschützten Anhöhe und lenfte von dort die Schlacht Günsttg-r

*** nicht gut sein ' und

Muhly machte sich schnell daran, sie auszu- nutzen. sein scharfes Ange hat in des Feld, bbrrn.Rüstung, ba, wo der eigeniliche Panzer an Ei,enschlenen fließ, eine ungeschützte Stelle Entdeckt. Ans diese Stelle zielte er nun, schoß Rtne Waffe ab und traf rtchttg den Anführer der feindlichen Truppen so gut, daß er tot vom Pferde sank. Zu gleicher Zeit machte ein Ka­merad Muhlys einem der Bedienten Bredas durch emen ebenso gut gezielten Schuß den Garaus Die übrigen flohen und ließen alles im Stich, als die Ziegenhainer Miene machten,

Anführer ins Jenseits nachzuschicken. ^e> hotte Muhly denn schnell und ohne irgend Elchen Verlust feine Mission erfüllen kön- neu. Doch man wollte auch den Triumph voll auskosten: Der tote Anführer des feind, ttchen Heeres wurde auf fein Streitroß gelegt uuck der Stadt geführt; sein Schlacki- Ichwert trugen die Sieger vor ihm her. Als sie an der Mühle von Steina vorbeikamen, bemerkte der Müller den wunderlichen Aufzua . Schnell rief er seine Leute herbei und mit einem zelffamen Gemisch von Furcht und Be­wunderung betrachteten sie den toten Breda und ferne Ueberwinder. Schließlich langte der Zug m der Ziegenhainer Vorstadt an, wo man d:e Leiche auf einen sieben Fuß langen Stein . bettete, der vor dem damaligen Brauhause lag; 1 ®ieb» soll so groß gewesen sein, daß dieser 'Stent kaum für fein Körpermaß ausreickte. Mtt Windeseile wurde dann die frohe Mär ' von Haus tu Haus getragen und oanz Ziegen- 1

Sie Hochflut der August. Unwetter-Nachrichten aus aller Welt. Die Hochwasser . Katastrophe in SnalaBb (über die wir bereits telegraphisch ri £tCrV ft ftlt größeren Schaden ange- nchtet, als nach den ersten Mitteilungen anzu. neßmen war. ^n vielen Stadtteilen Londons steht heute noch das Wasser über fünf Fuß hoch. Gine Anzahl von Brücken sind fort at« ft- fronen. Auch der Telegraphen, verkehr hat eine neue Störung erfahren Noch war der durch das Feuer tm Haupttelegraphe^ ernt entstandene Schaden nicht ganz wieder ausgebessert, als infolge eines durch die Ueber- fckwemmnngen in Norfolk verursachten Erdrut­sches das Kabel Bacton-Borkum, eine der Hauptlinien nach Deutschland, unterbro­chen wurde. Auch die Landlinien nach der Hauptstadt sind zerstört. Sehr schlimm lauten die Unwetternachrichten aus der Provinz. N o r. wich wo es, wie schon gestern gemeldet, am geregnet hatte, war einen ganzen Tag vollständig isoliert. Erst gestern abend konnten die ersten telegraphischen Verbindungen mit der atubt wiederhergestellt werden. Der Eisen­bahn- und Telephonverkchr ist auch jetzt noch unterbrochen. Wer die Eisenbahn benutzen will, muß im Wagen nach Wymondham sah- ren. das zwanzig Kilometer entfernt ist. Die ftftften in der Umgebung stehen zweiein­halb Meter

tief unter Wasser.

Der Fluß Wensam steigt noch immer. Dir Po- ft,ei fahrt in Booten auf den Straßen und Platzen umher. Die Häuser kann man nur ans de« oberen Stockwerken verlassen. Hohe Wagen sind zu dem Zweck in den Straßen aufgestellt, von den Fenstern aus bilden Leitern eine Brücke nach den Wagen. Alle Bewohner sind in den oberen Stockwerken der Häuser zusam­mengepfercht. Die Hauptstraße in der Nähe des Bahnhofes steht einen Meter tief unter Wasser; trotzdem hofft die Great-Eastern-Cisenbahn heute die Verbindung mit der Außenwelt, we- nigstens auf der Hauptlinie, wieder Herstellen zu können. Die Nebenlinien werden jedoch noch längere Zeit unterbrochen bleiben. Auch in vielen andern Teilen des Landes ist der Bahn- Verkehr gestört, Brücken sind einge- stürzt und Uferböschungen zusammengebro- cken. Die Eifenbahndämme sind an vielen Stellen weggefchwemmt worden. Zwischen Fakenham und Falsingham stürzte ein Ei sen- 6<ifinpiabult ein, und ein Güterzug f t e l inS Wasser. Hunderte von Schien. Schweinen und Hübnern sind ertrunken. Aus einem Gute in der Nähe von Wiesbech must ein Bauer mit einem Boot über seinen Hof fahren, um die Kühe melken zu können.

Achttausend Personen obdachlos!

(P r i v a t - T e l e g r a m m. )

London, 29. August.

Die Flut in den Ueberschwemmungsdistrik- ten von Norwich ist seit heule früh im Ab­nehmen begriffen, doch steht das Wasser an den liefen Stellen von Norwich immer noch bis zu den ersten Stockwerken. Alle Ge- schäfte ruhen, da die Besitzer nicht zu ihnen gelangen können. Man fürchtet den Ein­bruch der Nacht, da die Beleuchtung nicht funktioniert und Regen in Aussicht ist. Das Trinkwasser wird bereits knapp, es reicht nur noch ein paar Tage aus. Bei der Rettung einer Frau und zweier Kinder aus einem gefährdeten Hause ertranken ein Kind und ein Retter. Die Eisenbahnverbindung zwischen London und Norwich ist inzwischen durch den

Bau einer eingleisigen Bahn, die das Ueber- sihwernmungsgebiet vermeidet, wieder herge- stellt worden. AchtzigBrückensindvom Wasser fortgeschwemmt worden. Die Lage bet- Bevölkerung in ben von dem Unwet- ter am meisten heimgesuchten Gebieten gestaltet sich äußerst schwierig. Achttausend Per- tonen sind obdachlos. Der Lordmajor von Sonbon wird eine öffentliche Sammlung emletten, um die größte Rot von ben Bebräng- ten fern zu halten.

Unwetter im Reich.

(Privat-Telegramm.)

. Köln, 29. August.

Erst letzt läßt sich der ungeheure S ch a - ..ftVber|?5en- den das Sturmwetter gestern und vorgestern am Niederrhein angerichtet Hal. In den Obstbaubezirken ist die g a n z e E r n t e jverntchtet. In einzelnen Gegenden hat der Chausseen zerstört. Bei Bocholt bedeckten entwurzelte Bäume den s° daß die Frühzüge von Werth nach Bocholt halten mußten. Das Zugpersonal taumle mit den Fahrgästen die Hindernisse aus dem Wege. Mehrere Windmühlen wurden vom Sturme weggeweht. In einzelnen Orten, wo gerade Kirchweihfesilichkeiten stattfanden, find zahlreiche Zelte vom ©turnt in die Luft 5"rfuhrt worden. Viele Personen wurden verletzt.

Vochott, 29. August.

Nachdem es hier sett einer Woche ununter­brochen geregnet hatte, entstand in der vergan­gnen Nacht ein Sturm, der von furcht- oarem Regenwettet begleitet wat und an Dächern, Fensterscheiben und Bäumen gro­ßen Schaden anrichtete. Hunderte von Bäumen, darunter auch viele Obstbäume, sind in der stonzen Umgegend entwurzelt worden. Das Obst ist allenthalben abgewebt. Die Chausseen in der Umgebung sind mit abgeschlagenen Baumzweigen übersät. An vielen Stellen be­kehr umgewehte Bäume den Fuhrwerksver-

Cleve, 29. August. ^Gestern in früher Morgenstunde brach plötz­lich tut schweres Unwetter aus, das groß en Schaden angerichtet hat. In den Waldern und Parkanlagen sind zahlreiche Bäu­me gestutzt. Der Telegraphen- und Fernfvrech- $ empfindlich gestört. An einer Wind­mühle riß der Sturm den ganzen Oberbau her­unter- sodaß nur noch das Mauerwerk steht. Die Ernte an Aepfeln und Birnen, die nach mehreren Mißernten endlich wieder gute Aus­sichten bot, ist zum größten Teil vernichtet.

Leipzig, 29. August.

Gestern früh niedergehende Wolken­bruche und der gleichzeitig herrschende Sturm haben in der ganzen Umgegend noch auf Fel­dern beftndlickes Getreide vernichtet. Die Obst­ernte ist ebenfalls stark gefährdet. Nach dem Regen setzte ein ftarf er Sturm ein, der den ganzen Tag über anhielt und großen Schaden verursacht hat. Ganze Dächer wurden abgedeckt und auf die Straße, geschleudert. In der Um- gegend hat der Sturm ebenfalls schlimm ge­haust. Ganze Baumreihen an Landstraßen sind entwurzelt worden; auch an den Gebäuden wurde großer Schaden angerichtet.

i Ham lief eiligst zusammen, um den Besiegten und die Sieger, vor allem natürlich den wacke- ren Muhly, anzustaunen. Nach der Schlacht ward die Leiche Bredas den Kaiserliches zur Bestattung überlassen, Schwert und Helm aber behielt man als Erinnerungszeichen an Diese tapfere Tat eines Ziegenhainer Bürgers, und das Schwert kann man heute noch in Ziegen­hain bewundernd betrachten. Der geschicht. lichen Forschung hat die Sage von dem tapfe- ren Muhly freilich nicht stand gehalten, sein Ruhm ist zerflossen wie der Rauch ttn Wind aber es war immerhin hübsch von den Ziegen- hameni, daß sie einen der ihren einet so top- feren Tat für würdig und fähig hielten. M. M.

Ausgrabungen in Sbrrhrffen.

Die Ausgrabungen, die auf Kosten bei oberhefsischen Geschichtsvereins in ft 'm vorigen Jahr entdeckten steinzeitlichen Niederlassung bei dem Dorfe Eberstadt in der Nahe von Münzenberg ausgeführt h«ben sehr interessante Ergebnisse ge- ftrben Zwei große zusammenhän­gende Komplexe von Wohn-, Abfall- und Vor­ratsgruben vollständig ausgehoben, die reiche stunde an Bruchstücken von Steinbeilen, Mes- fern, Mahlsteinen und Scherben ergaben. Eine fffnä-e Reihe von teilweise reich dekorierten Ge­säßen laßt sich zusammensetzen. Besonderes In­teresse beanspruchen rund geschnittene und mtk Scherben, die jedenfalls als Primitive »Perlen" zu einer Halskette gehört haben, und die einen Zusammenhang mtt den in ben letzten Jahren in der Süd wetterau aufgefunbenen Branbgräbern beweisen. Wich- an rft ft. bei dieser Gelegenheit zum ersten Male m Oberhessen die steinz-itliche Kultur, die ihren Mittelpunkt in den Pfahlbauten bet Schweiz hat, festgestelft werden konnte. Eine Kochgrube mtt der für diese Zett charakteristi- wen Keramik grenzte direkt an ben zuerst aus­gegrabenen Wohnplatz. Endlich wurde noch eine Randhütte aus der ersten Hälfte be8 er- sie» Jahrtausends vor Christo ausgedeckt bei der sich noch die Pfosten deS zeltförmigen' Da­ches Nachweisen ließen. Man fand dabei xine Anzahl von Gefäßen der älteren Eifenzeit !Bte ar&etten toerben sich jetzt hauptsächlich <mf die Untcrfu^ung beschränken, ob und in welcher ^»zeitliche Niederlassung

fW

Eine Nacht bet Milliardäre.

Aus Newyork wird uns berichtet: De? bekannte amerikanische Millionär Mr. Corne­lius Vanderdilt und Frau veranstalteten in Beaulieu, ihrem Palaste in Newport, ein orientalisches Kostümfest, das alles, was bisher in Amerika an Privatfestlickkeiten geboten wur­de, bei weitem übertraf. Die Newhorker Zei« tungen bringen drei Spalten lange Berichte darüber, was Vanderbilts Reichtum in einet einzigen Nacht an gefellschastlichen Freuden her- vorzuzaubern vermag. Vierhundert Gäste wa- ren geladen. Beaulieu war in ein orientali­sches Märchenland verwandelt worden. Die Wege, die durch den Garten führen, waten durck taufende von elektrischen Lampen erleuch­tet, die wie Sterne durch die Bäume schienen. Vor dem Haupteingange standen zwölf fünf« unddreißig Fuß hohe Triumphbogen. Um die große Festhalle waren Hunderte von lebenden Kokospalmen gepflanzt. Türkische und persische Teppiche hingen in den Bäumen. Die Gäste saßen auf Divans und Kissen nach orientalischer Sitte, alles blitzte und funkelte, und die Juwe­len, die von Frauen und Männern Bei dieser Gelegenheit getragen wurden, werden auf vierzig Millionen Mark geschätzt. Viele der Frauen hatten ihre Pantoffeln mit Juwelen bedeckt. Vanderbilt hatte sich ferner die Mit­wirkung der gesamten Frobmannschen Operet- tentruppe aus Newhork für zwanzigtausend M?rk gesichert, die die neue komische Oper Marry Counteß" aufführte.

Hessische Geschichtsbilder.

Das Riebelsdorfer Treffen.

. Im Iahte 1840 beging man in Siegen« Harn eine überaus großartige Feier mit Got­tesdienst, prächtigen Aufzügen und Belustigun­gen aller Art. Sie galt der Erinnerung an eine von den Ahnen überlieferte Episode aus dem dreißigjährigen Kriege, an das Treffen von R i e b e l s d o r f b e i Ziegenhain, in dem ein Ziegenhainer Bürger namens Valentin Muhly den Anführer des feindlichen Heeres, den Feldmarschall - Leutnant von Breda, durch einen Schuß getötet und die Leiche bann aufä Rathaus in Ziegenhain gebracht haben zollte, wo man ber staunenden Nachwelt zum Andenken an diese Heldentat Schwert und Helm des Obersten aufbewahrte. In der Ge­denkfeier des Jahres 1840 spielte auch dieses Schwert eine Rolle. Es ward in festlichem Zuge nach der erinnerungsreichen Stätte ge- ttagen, und dort tat man's nicht unter einer Darstellung des Kampfes, wie er zwischen Muhly und Breda stattgefuiiden haben sollte. Gelegentlich dieser Feier beschloß man auch, dem braven Muhlv, dem Retter von Zie­genhain, ein Denkmal zu setzen, und drei Jahre später, im Juni 1843, konnte die Denk- malßweihe feierlich begangen werden.

An dem vermeintlichen Standort Muhlys ward eine Säule aufgerichtet, der Ort aber, an dem der Kaiserliche Feldherr gefallen, ward durch einen auf einens Unterbau von Basalt- blöcken sich erhebenden Obelisk bezeichnet, an dem das ausgehauene vergoldete Abbild des Bredaffchen Schwertes zu sehen war. Die In­schrift der Denkmäler besagte, daß .dem An­denken des wackeren Bürgerschützen Valentin Muhly dies Denkmal die Bewohner der Stadt Ziegenhain weiheten", und daßam 15. No­vember 1640 hier in offener Feldschlacht bet Kaiserlich österreichische Feldherr von Bre- dg durch den Bürgerschützen Valentin Muhly fiel". Die Sage erzählt über die Tat des tap­feren Muhlv folgendes: Im dreißigjährigen Kriege um 1640 war der Oberst von Rosen Befehlshaber von Ziegenhain, das er gegen ein anrückendes Heer unter dem Obersten von Bre­da zu verteidigen hatte. (Rosen hatte nämlick ein Regiment kaiserlicher Reiter in Allendors bei Kirchhain angegriffen und vernichtet, und dafür sollte es seinem Heer auch an den Kragen gehen.

Aus aller Welf.

Der Westenknopf als... Lebensretter.

Aus Berlin wird uns berichtet: Der zwanzig Jahre alte Schneider Albert K. aus ber Marienburger Straße unterhielt seit zwei Jahren mit einer Näherin aus der Kastamenallee ein Liebesverhältnis Da aber der Brant ihr Geliebter nicht mehr zusagte, gab sie ihm vor einigen Tagen den -vufvaß- Trotzdem versuchte K. mehrmals, eine Versöhnung herbeizuführen. Gestern nach­mittag erschien er auf der Arbeitstelle seiner früheren Geliebten und verlangte sie zu IPrechen. Jedoch wurde ihm die Tür nicht ge- oftnet. Er rief daraufhin vom Flur aus, daß « ft erschießen werde. Gleich darauf krachte em schuß. Als man jetzt nachsah, sand man