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Casseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Nummer 223. Fernsprecher 951 und 952. Mittwoch, 28. August 1812. Fernsprecher 951 und 952. 2. Jahrgang.

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Zer stein der Weisen?

Offiziöses zur Teuerung im Land.

Herr von Schorlemer-Lieser, der Minister des Ackerbaus, hat uns bekanntlich erzählt, cs existiere gar keine Teuerung im Land, und das Gdspenst der Not, das die Armen schrecke, sei imgrunde nur eine soziale Halluzination. Als der Herr Minister für Landwirtschaft, Do­mänen und Forsten zu den Entsandten der Dar­benden diese klugen und tröstlichen Worte sprach, war das Huhn im sonntäglichen Brat­topf noch keine Museum-Seltenheit, und die Fleischteuerung begann eben erst, empfind­licher merkbar zu werden. Der bedeutsame und auch historisch sehr beachtliche Moment der Mi­nisterrede fällt in die sonnenhellen September­tage des Jahres neunzehnhundcrtzehn: Man war grade dabei, die Abkehr von den vater­ländischen Fleischtöpfen zu predigen und ver­flieg sich im Ueberschwang des Idealismus zu der Forderung, die Regierung möge die Not im eignen Land durch die Oeffnung der Gren­zen für fremde Einfuhr bannen. Man Weitz, was dann geschah: Die Grenzen wurden zwar nicht geöffnet; auch die Zölle blieben, ragend auf der Höhe des Olymps, aber Herr von Schorlemer erfreute uns mit einer großange­legten Statistik, die denn auch richtig den Trost erbrachte, daß wir zwar Not litten, uns aber deshalb doch nicht zu grämen brauchten, denn die Kalamität sei vorübergehender Natur und von wirklicher Teuerung nirgends eine Spur zu schauen.

Die beiden Jahre, die zwischen dem Auf- dämmern dieser Erkenntnis und den Spätsom­mertagen neunzehnhundertzwölf liegen, haben dem herzerfreuenden Optimismus des Acker­bau-Ministers leider nicht Rechnung getragen, im Gegenteil: Teuerung und Not sind allge­mein, katastrophal und drohend ge­worden, und es ziemte sich also, daß nun (nach zwei Jahren) wieder einmal ein offiziöser Laut über das Verhängnis dermagern Jahre" hör­bar wurde. Die Norddeutsche Allgemeine Zei­tung hat es soeben unternommen, in amtlichem Auftrag das bleiche Gespenst der Not aus dem Land zu scheuchen, und man muß anerkennen, daß sich ihre Auffaffung vom Wesen der Dinge in manchen wichtigen Punkten ebenso grund­sätzlich wie vorteilhaft vom plaudernden Op­timismus des Herrn von Schorlemer-Lieser un­terscheidet. Das offiziöse Blatt gibt ohne wei­teres zu, daßdie Schlachtviehpreise an unsren Schlachtviehmärkten und Sie Fletschpreise ge­genwärtig eine Höhe erreicht haben, die durch die alljährlich um diese Zeit beobachtete Auf­wärtsbewegung nicht ausreichend erklärt wer­den kann und mit Recht die allgemeine Auf­merksamkeit auf die Entwicklung und die Aus­sichten unsrer Fleischversorgung hinlenkt". Das Organ des Kanzlers bestreitet also die Teue­rung an sich durchaus nicht; es wendet sich nur gegen dieUebertreibungen", die hinsicht­lich der Ursachen und Wirkungen der Teuerung hier «nd da vorgekommen sein mögen, und er­achtet es als seine Pflicht, .diesen Uebertrei- bungen entgegenzutreten".

Eine der Uebertreibungen, denen jetzt offi­ziösentgegengctretcn" wird, ist nach der Mei­nung des norddeutsch-allgemeinen Kanzler- blatts auch die Annahme, daß nur durch die Ermöglichung und Erleichterung der Vieh- Einfuhr aus viehreichern Ländern eine Mil­derung des gegenwärtig in Deutschland auf dem Fleischmarkt herrschenden Notstands her­beigeführt werden könne. Und zum Beweis dieser Auffassung wird abermals die Statistik herangezogen, mit deren freundwilliger Hilfe die Norddeutsche Allgemeine Zeitung zu de­monstrieren versucht, daß beispielsweise der Austrieb am Berliner Zentralmartt für Schweine und Schafe bis in die neueste Zeit hinein gestiegen sei, und zwar sür Schweine insgesamt so beträchtlich, datz er an Schlachtwert die Einbuße am Rinderaustrieb reichlich auszuwiegen imstande sein müßte. Das offiziöse Blatt bemertt weiter, daß die Schlacht­vieheinfuhr aus dem Ausland neuerdings Er­leichterungen erfahren habe, insbesondere (ab­gesehen von der zeitweiligen Oeffnung der Grenze für französisches Schlachtvieh, die aller­dings wegen bedrohlichen Umsichgreifens d:r Maul- unv Klauenseuche in Frankreich bald wieder geschlossen werden mußte), aus Schwe­den über die neuerbaute Quarantäne in Saß­nitz und einige andre vorhandncn Quaran­tänen. Daß die bisherigenErleichterungen" indessen die Teuerung in Deutschland nicht im geringsten zu mildern vermocht haben, zeigen die Preistabellen unsrer Schlachtvieh- märste, die ein andauerndes Steigen der Preise aufweifen. Aber auch dafür hat das oftiziöse Blatt ein? Erklärung:Wenn trotz­dem die ausländische Zufuhr an Vieh und Fleisch den deutschen Markt nickt bemerkbar zu

beeinflussen vermocht hat, so beruht dies darauf, daß die Schlachtvieh- und Fleischteue- rung eine internationale Erschei­nung ist. Deshalb kann auch von der wei­teren Zulassung ausländischen Schlachtviehs, abgesehen von ihrer veterinärpolizeilichen Be­denklichkeit, keine wesentliche Preisminde­rung erwartet werden. ..!"

Das ist also (um es kurz zu sagen) der Stein der Weisen": Die Fleischteuerung ist eineinternationale Erscheinung", und es ist infolgedessen auch völlig überflüssig, überhaupt nur den Versuch einer Beseitigung des Nebels zu wagen. Wenn diese vortreffliche Erkenntnis aus den Zahlenreihen der Statistik emporgewachscn ist, dann darf damit der Be­weis als erbracht gelten, daß die theoreti­sche Statistik sich von der auf die Erfahrun­gen der Praxis gegründeten Statistik etwa so unterscheidet, wie Tag und Nacht sich zu un­terscheiden pflegen, denn vor einigen Tagen erst hat ein praktischer Landwirt in einem schlesischen Blatt zahlenmäßig nachgewiesen, daß die augenblickliche Knappheit am deutschen Fleischmarkt zwar die natürliche Folge der Fleischteuerung der letzten Jahre und der vor­jährigen Dürre ist (die die Landwirtschaft zu starken Viehabgaben zwang), daß aber auf der andern Seite die Landwirtschaft zurzeit gar nicht in der Lage ist, den heimischen Be­darf an Schlachtvieh aus den vorhandnen Be­ständen zu decken, weil diese Bestände unter den Einwirkungen der vorjährigen Futtermit- tel-Knapphett außerordentlich dezimiert wer­den mußten und der Nachwuchs noch nicht schlachtreif ist. Das alles sind Erscheinungen, die durchaus nichtinternational" sind, denn weder in Frankreich noch in den skandinavi­schen Ländern machen sich diese Kalamitäten be­merkbar. Eine Grenzöffnung für die Vieh- und Fleischeinfuhr könnte die Teuerung in Deutschland wenn auch nicht gänzlich be­heben, so doch sicher wesentlich mildern, und alle ossiziösen Schwrchtrgrmgen vermögen nicht über die Tatsache hinwegzutäuschen, daß die ablehnende Haltung der Regierung in der Grenzöffnungsfrage eine Unterlassungs­sünde darstellt, deren Schuld leider nicht ihre Urheber, sondern Volk und Land büßen müssen! f. h.

* *

Sm Zeichen der Teuerung.

(Privat-Telegram m.)

Berlin, 27. August.

3ftt ganz Deutschland sollen im nächsten Ma­nat große sozialdemokratische Kundgebun­gen gegen die Fleischnot beginnen. Den Anfang wird Groß-Berlin machen, wo bereits am dritten September die Pvotest- versammlungen stattsinden sollen, in denen die Oeffnung der Grenzen gefordert werden wird. Frauen Versammlungen, die in Masse arrangiert werden sollen, werden folgen, und wenn die Bewegung auf den Siedepunst ge­kommen ist, sind auch, wie es heißt, Straßen­demonstrationen in Aussicht genommen. Es ist bemerkenswert, daß die sozialdemokrati­schen Protestversammlungen sich auch gegen die großen ViehkomMissionäre und gro­ßen Vieh sch lacht er richten werden. Diese solle» die großen Zwischengewinne einstreichen, und es wird behauptet, datz die Differenz zwi­schen ihrem Ein- und Verkaufspreis sehr hoch ist. Die Kleinschlächtermeister in den Arbeiter­vierteln Berlins sind in einer sehr schlimmen Lage, eine Anzahl hat die Läden schon geschlos­sen, eine Anzahl ist nahe daran. Der Direktor des städtischen Vieh- und Schlachthofes in Ber­lin, des größten Schlachtmarktes ganz Deutsch­lands, Goltz, sieht übrigens sehr pessimi­stisch wegen der Fleischpreise in die Zukunft und glaubt n i ch t an ein nahe bevorstehendes Sinken der Preise, da ein s i ch t l i ch e r V i e h- man g ei bestehe.

Pam! in der Kaserne.

3m Kampf mit einem Tobsüchtigen.

(Privat.Telegramme.)

Lemberg, £7. August.

Der Korporal L u k a w s k i vom hiesigen Infanterie-Regiment, der gestern bei einer Rau­ferei mit Arbeitern am Kopfe verletzt worden war, wurde abends in der Kaserne von Tob­sucht befallen. Er begab sich mit drei gela­denen Gewehren und zahlreichen Patro­nen in ein Mannschaftszimmer im zweiten Stockwerk und feuerte auf Jeden, der die Tür des Zimmers öffnen wollte, Schüsse ab. Es entstand eine ungeheuere Panik. Die Feuerwehr wurde herbeigerufen, die den Tob­süchtigen mit Wasserstrahlen bekämpfte. Schließ­lich wurde die Mutter des Tobsüchtigen geholt, die sich entschloß, bis zu ihrem Sohne vorzu­

dringen und ihm Branntwein in einer Flasche anbot. Lukawski griff auch nach der Flasche. Im fclben Augenblick fielen drei Sol­daten über ihn her, um ihn zu bändigen. Lu­kawski wehrte sich verzweifelt und gab sogar einen Schuß aus feine Mutter ab, ohne jedoch zu treffen. Von neuem drangen sechs Soldaten auf ihn ein, denen cs schließlich ge­lang, dem Tobenden Fesseln anzulegen und ihn ins Militärhospital zu bringen. Glück­licherweise ist bei der Schießerei niemand ver­letzt worden.

Wo Heißt das Vaterland?

Der Wehrvsrein und die Veteranen.

Wie man im Volk über die Pflichten des Staates in der Veteranenfrage und über die freiwillige Veteranenfürsorge denkt, das geht aus verschiedenen Aeutzerungen her­vor, die dem Deutschen Wehrvereiu vom Veteranendank zur Verfügung gestellt worden sind. Der Veteranen-Park hat an Fir­men und Privatpersonen Veteranenwohlfahrts­marten 'geschickt, mit der Bitte, diese zu ver­kaufen, der Erlös dieser Marken sei zugunsten notleidender Veteranen bestimmt. Ein größe­rer Teil der Sendungen ist nun zurückgelangt mit teilweise recht bezeichnenden Bemerkun­gen.

Die elementarste aller Pflichten!

In dem Brief, in dem sie die Aufforderung des Veteranen-Dank zurückweist, schreibt bei­spielsweise eine große und angesehene Berliner Firma:Der Staat hat die heilige Ver­pflichtung, selbst für seine Invaliden zu sorgen. Wir zahlen Steuern, die dazu ver­wandt werden können, anstatt zu unwichtigen Dingen." Eine andere Firma der Reichshaupt- stadt macht die Bemerkung:Zurück; das Reich kann zahlen bei 250 Millionen lieber» schuß", und eine Leipziger Firma antwortet: Die uns übersandten Veteranenwohlfahrts marken erhalten Sie inliegend zurück. Wir halten es für falsch, wenn dem Staate diese elementarste aller Anstandsp slich- t c n durch private Mildtätigkeit abgenommen wird. . Wir glauben nicht fehl zu gehen (so schreiben die Nachrichten des Deutschen Wehr- vereins), wenn wir die Behauptung ausstellen, daß man in den weitesten Streifen des deut­schen Volkes in diesem Punkte so denkt, wie die drei hier wiedergegebenen Aeutzerungen es erkennen lassen.

Zum Mitleid kein Anlaß?

Eine charakteristische Illustration des dieser Tage von der offiziösen Allgemeinen Zeitung in derKlarstellung" des Falles Dux gebrauch­ten Ausdruckes,zu besonderem Mitleid liegt kein Anlaß vor", bieten nachstehende einwand­freie Feststellungen, die zeigen mögen, w i e groß in Wirklichkeit die Veteranen-Not ist: Da lebt in Berlin ein Feldzugteilnehmer aus den Jahren 66 und 70/71. Der Mann ist sechsundsiebzig Jahre alt, infolge Alters­schwäche vollkommen erwerbsunfähig, fein Ein­kommen beträgt monatlich 21 Mark. Weiter in Leipzig ein Feldzugsteilnehmer aus den Jahren 64, 66 und 70/71. Er ist neunundsteb- zig Fahre alt und vollkommen erwerbsunfähig sein monatliches Einkommen beträgt 10 Mark. In Bremen lebt ein Träger des Eisernen Kreuzes, der infolge Sehnenzerreißuug im Knie arbeitsunfähig ist und dessen Einkommen monatlich 10 Mark beträgt. Schließlich in Lau genau ein Feldzugsteilnehmer aus den drei Einigungskriegen, der außer den üblichen Denkmünzen das Düppeler Sturm- kreuz und die silberne Medaille zum Albrechts- orden besitzt, zweiundsiebzig Jahre alt und vollkommen erwerbsunfähig ist; der Mann hat ein Einkommen von 27.05 M. monatlich. Es er­übrigt sich, diese Tatsachen zu kommentieren; sie sprechen für sich selbst als schwere Anklagen wider das Reich, das auf diese Weise für seine alten Krieger sorgt!

Ruffische Marine Revolution-

Dreihundert russische Matrosen verhaftet!

Die revolutionäre Bewegung ist in Rußland eigentlich seit einem Jahrhundert nicht mehr zur Ruhe gekommen, und auch dieNiederwerfung" bet letzten Revolution durch Stolypin hat den Brand nur einzudämmen, nicht aber zu erstik- ken vermocht. Wie gefchästig die revolutionäre Propaganda auch heute noch in Rußland ist, be­weist jetzt wieder die Aufdeckung des Verschwö­rungsplans der Matrosen der Schwarzen Meer- Flotte. Wir erbalten darüber folgende Mel­dungen:

Die Matrose» vom Schwarzen Meer.

(Privat-Telegram m.)

Petersburg, 27. August.

Tie Gründe für die Verhängung desKriegszn- standes über Sebastop'-l find nunmehr be­kannt geworden. Dreihundert Matro­sen des Schwarzen Meer-Geschwaders sind wegen revolutionärer Umtriebe ver­

haftet und an Land gebracht worden. Darans ergibt sich ein neuer grandioser Prozeß, der feststellen soll, wie weit die Gärung in der rus­sischen Marine um sich gegriffen hat. Die Ver­hängung des Kriegszustandes auch über Kron­stadt steht bevor, da die Flotte von Kronstadt gleichfalls stark infiziert ist und jetzt auf Ver­anlassung der Ockrana gesäubert werden soll. Es ist jedoch fraglich, ob eine Besserung durch etwaige Sttaf-Matzregeln zu erwarten ist.

La» Minden des Kaisers.

Die Beffernng schreitet fort!

Wie uns mitgeteilt wird, ist im Befinden des Kaisersseit gestern eine wesentliche Besserung eingetreten. Gegen elf Ahr begab sich heute früh Oberstabsarzt Dr. Riedner ins Schloß. Die Steifheit der Halsmuskulatur und die An­schwellung der rechten Halsseite des Kaisers ist geschwunden, auch ist bisher kein Schüttelfrost mehr eingetrete«. Ebenso ist die Schwel­lung der Gaumenmuskulatur «. die schmerzhafte Anschwellung der vor dem Kehlkopf gelegenen Drüse» beseitigt und dadurch die Bewe­gungshemmung behoben, sodaß der Kaiser bereits den gestrigen Nach- * mittag «. den heutigen Vormittag außerhalb des Bettes verbrachte.

Aus ärztlichen Kreisen wird zu der Erkrankung des Kaisers die Befürchtung laut, daß es bei der Eigenart der Krankheitserschei­nungen dem Kaiser kaum möglich sein werde, die für den dritten September vorgesehene Reise nach der Schweiz anzutreten. Der amtliche Krankheitsbericht spricht zwar vorerst nur davon, daß der Kaiser gezwungen sei, von den für diese Woche geplanten Reisen, Pa­raden und dergleichen Abstand zu nehmen, aber in Aerztekreifen ist man auf Grund der Berich­te von Schloß Wilhelmshöhe der Meinung, daß der Kaiser bis zum dritten September nicht so weit wieder hergestellt sein werde, daß er den schweizerischen Manövern beiwohnen könne, Das würde polttisch vielleicht zu einigen Er­örterungen in der in- und ausländischen Press« führen, aber schließlich wäre es das größte Un­glück wohl auch nicht. Man wird vielleicht die Frage aufwerfen dürfen, ob überhaupt ein fo dringendes Bedürfnis zu biefet großen Staatsvisite in der Schweiz vorlag. Es ist richtig: Der Besuch ist lange geplant und vor mehr als Jahressttst bereits inoffiziell ange­kündigt worden, aber sicherlich würde auch ein intimerer Besuch etwaigen besonderen Wün­schen gerecht geworden sein. Die innerpoliti- schen Verhältnisse in Preußen-Deutschland und in der Schweiz zeigen nun einmal so starke Gegensätze, daß die Frage nach der unbe­dingten Notwendigkeit der Schweizer Kaiser­reise wohl aufgeworfen werden darf. Die ver­schiedenen dringenden Reisen und plötzlichen Erkrankungen der schweizerischen Staatsperso­nen bieten ja schließlich auch kein allzu erfreu­liches Mld, sodaß man also (wie gesagt) kaum darüber beunruhigt zu sein braucht, wenn die Schweizerfahrt nicht stattfinden würde.

Sie Abreise des Kaisers verschöben?

Wie uns von zuverlässiger Seite mitgeteilt wird, hat Leibarzt Dr. Zunker es mit Rück­sicht auf den Zustand des Kaisers für geboten erachtet, die vorläufige Verschiebung der für den 29. August geplanten Abreise von Wilhelmshöhe zu empfehlen, und es verlautet auch, daß diesem Vorschlag stattgegeben werden so», und demzufolge eine Verschiebung in den Dispositionen bezüglich des Potsdamer Aufenthalts wahrscheinlich ist. Die Unpäßlich­keit der K a i s e r i n, die wohl mit der Erkran. kung des Kaisers in Zusammenhang zu brin­gen war, darf als gänzlich behoben gelten. Gestern nachmittag unternahm die Kaiserin einen längeren Spaziergang im Schloßpark.

Ins Ende eines Aaren.

Wahrheit über den russischen Zarenmord.

Mehr als ein Jahrhundert ist seit dem ge< realtfamen Tode des russischen Zaren Paul der Ersten perffoffen, und dennoch besitzen rott erst jetzt zum ersten Male deu zuoerlässigen Bericht eines Augenzeugen. Dieser Bericht besteht in einem Briese, den der ruMche General Bennigsen unmittelbar nach der Mordtat an einen seiner Freunde richtete. Eine Kopte des Brieses, der sich im Besitz des hannooerschen Zweiges der FamUie des Generals Bennigsen befindet, wird jetzt ton dem in Petersburg erscheinendenIstoritscheski Wjestnik per. öffentlicht. Wir geben daraus die nach, stehenden authentischen Mitteilungen wieder: Um die Gründe der Palastrevolution zu er« klaren, an der sich G-neral Beuuigs«! Einladung des. Fürsten Suboff beteiligte, füjjrt der Bnesschreiber eine lange Reihe von Missetaten des Kaisers an Schließ­lich wird Graf Vablen vom örofeSn