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Casseler Neueste Nachrichten

^WWM

Nummer 222.

Fernsprecher 951 und 952.

Dienstag, 27. August 1912.

Fernsprecher 951 und 952.

2. Jahrgang.

Casseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Sie Erkrankung der Kaisers.

Der Kaiser leidet an Muskel-Rheumatismus; die Parade des vierten Armeekorps abge­sagt; ein Telegramm desKaisers an den König von Sachse»; der Kronprinz als Vertreter.

Als am Sonnabend früh die ersten Nachrich­ten über eine Erkrankung des Kaisers auftauchen, wurden die Angaben vom Hofmarschallami noch dementiert, aber bereits am Sonnabend spätabends wurde amt­lich bekannt gegeben, daß der Kaiser den Ma­növerfestlichkeiten in der Provinz Sachsen und am Dresdener Hofe nicht beiwohnen könne. Das ist also die offizielle B e st ä t i g u n g der Meldungen über die Erkrankung des Kaisers, über die inzwischen auch amtlicherseits Einzel­heiten mitget-ilt werden. Die widersprechende» Nachrichten in der Presse, die in der Form sehr bestimmt gehaltenen Dementis der ersten Mel­dungen und die kurz darauf erfolgte amtliche Bestätigung der Krankheitnachrichten haben na­turgemäß in der Oeffentlichkeit eine starke Beunruhigung hervorgerufen, und ma» kann den in Betracht kommenden amtlichen Stellen den Vorwurf nicht ersparen, daß sie selbst an dieser Beunruchigung teilweise mit­schuldig sind. Wäre am Sonnabend früh, als die ersten beunruhigenden Mitteilungen in der Presse erschienen, sofort vom Hofmarschallamt eine entsprechende Aufklärung erfolgt, dann würde der Legendenbildung und Beunruhigung von vornherein der Bode» entzogen gewesen sei» und die peinlichen Widersprüche in den of­fiziellen Meldungen hätten sich vermeiden lassen. Da das Hofmarschallamt indessen alle Anfragen unbeantwortet ließ und sogar auf telegraphisches Ersuche» um Aufklärung über die umlaufenden Gerüchte nicht reagierte, blieb die Oeffentlichkeit über den tatsächlichen Stand der Dinge völlig im Unklaren, und ez kann also füglich nicht überraschen, daß aus der Unge­wißheit und aus dep Flut von allerlei Gerüch­ten sich schließlich eine starke Beunruhigung der Oeffentlichkeit ergab, die ihren Niederschlag in zahlreichen phantastischen Legende» fand. Ez braucht wohl nicht erst untersucht zu werden, ob es zweckmäßiger fein würde, we»» das Hofmarschallamt sich den Anfragen der Presse gegenüber weniger unzugänglich zeigte und (tote das beispielsweise an andern Höfen ge­schieht) de» Vertretern der Presse fortlaufend Mitteilungen über das Befinden des Kaifers zukommen ließe, oder ob es sich eher empfiehlt, der Presse einfach jegliche Auskunft zu ver­weigern und durch die Beschränkung auf die sprichwörtliche Dürftigkeit der offiziösen Be­richte der Legendenbildung im In- und Aus­land Vorschub zu leisten. Bei unsrer Redaktion gingen im Laufe des heutigen Vormittags zahl­reiche telephonische Anfragen großer auswär­tiger Zeitungen ein, die Auskunft über allerlei phantastisch geformte Meldungen erbaten, die mit der plötzlichen Erkrankung des Kaisers in Zusammenhang gebracht werden. Man steht: Das Schweigen wirkt im umgekehrten Sinne auf die Phantasie der Märchendichter ein, und man braucht sich also nicht zu Wun­dern, wenn in diesen Tagen wieder in der Presse des In- und Auslands Legenden über Legenden über das Befinden des Kaisers und die mit der Erkrankung des Mo­narchen gewaltsam in Verbindung gebrachten politischen Momente" erscheinen werden. Das zwanzigste Jahrhundert ist das Säkulum des Oeffentlichkeit - Prinzips, und wenn der Oeffentlichkeit der Weg zur Wahrheit ge­sperrt wird, tritt (tote die Erfahrung auch jetzt wieder gelehrt hat) die Phantasie an ihr* Stelle: Als wenn Wahrheit eine Sünde wä­re . . .! Wo die Schuld zu suchen ist, kann nicht zweifelhaft sein, und dan» wundert man sich nachher, wenn in heimischen und auslSn- dischen Blätterspalten Nachrichten erscheinen, hie mit Wahrheit und Zuverlässigkeit nichts mehr gemein haben und um deren Berichtigung später die Norddeutsche Allgemeine sich im Schweiße des Angesichts mühen muß . . .1

F, H. *

Die Krankheit des Kaisers.

Der Kaiser leidet an Mnskel-Rheumatismus!

Wilhelmshöhe, 26. August.

Amtlich wird bekannt gegeben: Der Kai­ser ist in WilhelmShöhe an einer Erkäl­tung erkrankt, welche mit leichtem aber sehr schmerzhaftem Muskelrheumatis­mus verbunden ist. Der Kaiser mutzte infol­gedessen auf ärztlichen Rat seine Reisen nach Merseburg und Dresden aufgeben. Den gestrigen ganzen Tag über hat der Kaiser daS Schloß nicht verlassen: er blieb tagsüber in den Schlotzzimmern und eS verlautete abends, daß fei« B^ivden'sich gebessert habe. Die Ab­

reise des Kaiserz von Wilhelmshöhe, die am Montag früh erfolgen sollte, ist auf Don. n er Stag verschoben worden. Der Kaiser wird sich direkt nach Potsdam begeben. In­folge der Erkrankung ist der Kaiser gezwungen, den Manövrrfestlichkeften in der Provinz Sach­sen und am Königlich Sächsischen Hofe in Dres­den fern zu bleiben. Der Kronprinz ist mit der D ertretun g desKaisers in der Provinz Sachsen beauftragt worden.

Die Reisedispofittonen geändert!

Wie uns von anderer Seite mitgeteilt wird, hat der Kaiser den gestrigen ganzen Tag über das Bett hüten müssen. Der Kaiser hat unter starkem Fieber zu leiden, das Schonung mit unbedingter Bettruhe nötig macht. Aus diese.» Anlaß sind auf Vorschlag des Leibarz­tes die R e i s e d i s p o s i t i o n e n des Kaisers geändert worden. Der Kaiser hat nicht (wie ursprünglich geplant) sich heute vormit­tag in das Gelände des Kaisermanövers be­geben, sondern das kaiserliche Hoflager wird bis zum 29. August in Wilhelmshöhe verbleiben. Am Donnerstag mittag werden sich das Kaiservaar, Prinzessin Luise und das Gefolge von Wilhelmshöhe direkt nach P o t s. dam begeben. Dem Kaisermanöver kann der Kaiser also nicht beiwohnen; die ein­zelnen Korpsführer sind bereits davon unter­richtet, Wie aus der Umgebung des Kaisers verlautet, hat Kaiser Wilhelm sich die Erkäl­tung am vergangenen Mittwoch bei der Trup­penübung auf dem Großen Sand bei Mainz zugezogen. Da er sich bereits ob» Donnerstag vormittag nicht ganz wohl fühlte, so sollte die Fahrt nach Königstein zum Besuch der Großherzogin-Witwe von Luxemburg un­terbleiben. Zu einem Aufschub des Besuchs konnte sich der Kaiser aber dann doch nicht ent­schließen, und nun scheint er sich auf dieser Fahrt e r st r e ch t erkältet zu haben, so daß er am Donnerstag abend in Wilhelmshöhe bereits mit parken Fiebererscheinungen ein. traf, weshalb auch der Besuch im Hoftheater unterblieb.

Ein Telegramm des Kaisers.

Dresden, 26: August.

Wie das Hofmarschallamt bekanntgibt, hat der Kaiser in einem an den König von Sachsen gerichteten Telegramm seinem schmerzlichen Bedauern Ausdruck ge­geben, den Festlichkeiten Sachsens und seiner schönen Hauptstadt wegen Erkrankung fern, bleiben, auf das Wiedersehen der braven fach, sischen Truppen verzichten zu müssen und den Erfolg der großartige» Vorbereitungen, die zu seinem Empfange getroffen, nicht selbst sehen zu können. Gleichzeitig bat der Kaiser den König, die Parade in Zeithain selbst abzuhalten. Der Kronprinz und die übri­gen Fürstlichkeiten wohnen als Gäste des Kö­nigs den Festlichkeiten und der Parade bei. ... Ferner wird aus Halle a. S. berichtet: Der Oberprästdent der Provinz Sachsen, von Hegel, bat dem Provinziallandtag mitgeteilt, daß die Kaiserparade, die am Dienstag bei Roß­bach stattfinden sollte, ausfällt. Der Kaiser leide an Muskelrheumatismus infolge einer Erkältung und habe leichtes Fieber.

Berlin, 26. August. (Privät-Tele- gramm.) Das Kronprinzenpaar, das gestern abend um zehn Uhr von Danzig abze- reist war, ist heute früh hier eingetroffen. Der Kronprinz begibt sich heute vormittag nach Sach­se», wo er als Vertreter seines erkrankten Vaters an de» dort stattfindenden Festlichkeiten teilnimmt.

VSrsenmanöver... Fürstensrankheit- (Privat-Telegramme.)

München, 26. August.

An der Berliner Börse waren am Sonn­abend Gerüchte verbreitet, daß plötzlich im Be­finden des greifen Prinz-Regenten Luitpold von Bayern eine Wendung einge­treten fei, die das Schlimmste befürchten lasse. Auch wurde berichtet, daß im Foyer des bayerischen Landtages davon gesprochen wor­den sei, daß Kaiser Wilhelm mit Rück­sicht auf den Gesundheitszustand des Prinz-Re­genten seine» Besuch in der ^Schweiz aufgebe» wolle. Demgegenüber erklärt die Königliche Schloßverwaltung Hohenschwangau alle Gerüchte über ein schlechtes Befinden des Prinz-Regenten als absolut erfunden und völlig unwahr. Der Regent sei bei guter Gesundheit, habe am Sonnabend vormit­tag trotz der kühlen Witterung eine Kahnfahrt auf dem Alpsee unternommen und eine Spa­zierfahrt angetreten. Mittags um zwei Uhr fand bann im Schlosse die übliche Tafel statt.

Von irgend einer gesundheitlichen Indis­position des Prinzregenten könne keine Rede sein,

Set zemlin-Ttaum.

Viktoria-Luise noch in Gotha!

Nachdem am Sonnabend auf eine Fahrt des LuftschiffesViktoria Luis«" verzich­tet worden ist, wurde Cassel auf Sonntag früh vertröstet. Man wollte sehen (so wurde in Gotha erklärt) ob eine Fahrt nach Cassel mög­lich gemacht werden könne. Im Publikum hatte man sich nachgerade daran gewöhnt, von einem Tag zum anderen vertröstet zu werden und die Spannung, mit der man vor etwa vierzehn Tagen noch die Nachrichten vom Luftschiff ver­folgt hatte, ließ ganz beträchtlich nach. So sah man auch gestern früh verhältnismäßig wenig Menschen auf den Beinen und die An­sammlungen, die in den letzten Tagen vor dem Rathause und vor der Martinskirche (den bei. den Luftschisssignalstationen) stattgefunden hat­ten, konnten überhaupt nicht mehr bemertt wer­den. Auf den Forst ging fast niemand. Der Forst kann überdies nur noch von Denen be­treten werden, die Gummischuhe oder Wasser­stiefel tragen. Teilweise gleicht der Forst sogar einem See. In aller Frühe kam dann von Gotha der gleiche Bescheid, den Cassel nun schon feit vierzehn Tagen stereotyp erhalten hat: Das Luftschiff kann wegen der ungünsti­gen Witterung auch heute nicht aussteigen. Ge­stern früh wehte ein erheblicher Westwind, der in den höheren Luftschichten außerordentlich stark war, sodaß Kapitän Blew nicht die Ver­antwortung für einen Aufstieg übernehmen wollte. Um elf Uhr schien es, als würde die Luft ruhiger. Aber, obwohl das Wetter selbst aufklärte und einen guten Tag in Aussicht stellte, die Winde blieben doch immerhin stark und wurde» vor allem am Nachmittag sogar böig.

Das Stadt-VevkehrSamt

fragte gegen elf Uhr in Gotha an, ob sich eine Fahrt nach Cassel nicht doch noch ermöglichen lasse. Die Antwort lautete wieder verneinend mit dem bedauernden Zusatz, daß auch für dienächsten Tage wegendes anhal­tenden Westwindes ei ne Landung in Cassel ausgeschlossen sei. Das Luftschiff könne auch zu einer raschen Fahrt nach Frankfurt nicht aufsteigen. Gleichzeitig wurde der Vorbereitungsausfchuß für die Luft- fchifflandung in Cassel von der Fahrtleitung der Viktoria Luise" gebeten, von weiteren Vorkeh­rungen zunächst Abstand zu nehmen. Die Stadtverwaltung läßt aber anscheinend den Mut nicht sinken, um der Stadt Cassel wenig­stens in berr nächsten Zeit das Schauspiel einer Lufffchisflandung zu bereiten. Sie ist opti­mistischer als die Bürgerschaft, die den Glauben a» eine Luftschifflandung in Cassel verloren hat. Wie zuversichtlich die Stadtverwalttmg ist, geht daraus hervor, daß sie den Inhaber» von Zutrittskarten zum Forst den Rat gibt, von einer Zurückforderung des Ein­trittsgeldes vorläufig abzusehen, da öie Karten für die angestrebte Landung ihre Gültigkeit behalten. Für diejenigen, die trotz­dem ihr Geld wiederhaben wollen, ist eine b e - sondere Ausza h lun g sst eile geschaf­fen worden. Das Eintrittsgeld wird, wie heute angeorduet wurde, am nächsten Mittwoch, von acht bis zwölf Uhr vormittags, im Vorzimmer des Gewerbegerichts im Ratbaus (Eingang von der Wilhelmsstraße) zur Auszahlung ge­langen. Soviel ist nun sicher, daß alles War­ten aus denZeppelin" umsonst war und daß Cassel vorläufig keine Landung sehen wird,

*

Die Fahrt nach Frankfurt.

(Telegramm unsers Korrespondenten.) Gotha, 26. August.

Das LuftschiffViktoria Luise" wollte heute früh die Fahrt nach Frankfurt a. M. antreten. Die Wetterlage war aber wieder der­art, daß das Luftschiff ohne Gefährdung nicht aus der Halle gebracht werden konnte. Gegen elf Uhr wurden neue Windmeffungen vorge- nommeni die jedoch nicht besonders günstig ausfielen. Auch sonst sind die W e 11 e r n a ch - richten recht ungünstig. Das Lustsch.f" wird aller Voraussicht nach am Nachmittag zur Fahrt nach Frankfurt a. M. aussteigen. Bon einem Um weg über Gaffet kann jedoch nicht die Rede fein, da die Fahrtleitung die Absicht hat, fofort auf dem kürzesten Wege den schützenden Luftschiffhafen in Frankfurt zu erreichen. Ob sich in der nächsten Zeit von Frankfurt aus eine Landungsfahrt nach Cassel ermöglichen läßt, kann bis zur Stunde noch nicht vorausgefagt werden.

Schwarze Truppen für Marotta?

Frankreich« marokkanische Sorgen.

(Privat Telegramm.)

Paris, 26. August.

Der aktive General B r u m c a u, früherer Komandeur der dremnddreißigsten Infanterie. Division, der sich in Afrika ausgezeichnet Hatz

erflärt im Matin, daß die zurzeit für Marokko aufgebotenen v ierz igtaus«nd Mann französischer Truppen den ihnen ge­stellten Aufgaben nicht gewachsen feien. In sehr kurzer Zeit werde der französische Kriegsminister vor die Wahl gestellt werden, in die Organisation des Mutterlandes durch d:e Abkomandicrung zahlreicher Bataillo­ne nach Marokko Bresche zu legen, oder sich für die Massenaushebung s ch w ar z e r a s r i. konischer Truppen zu entschließen. Bru- meau empfiehlt den letzteren Ausweg,

Ier Berliner Theaterbrand.

Das Verbrechen eines Brandstifters?

JmTheater des Westens in der Kantstraße in Bsrlin-Thar- lottsnbnrg brach gestern früh ein Brand aus, der das Dsthnen, Hans in seinem ganzen Umfang zerstörte. Der Zuschauerraum ist nicht ergriffen worden, hat aber durch Wasser nnd Ranch grotzsn Schaden genommen. Der Betrieb des Theaters des Westens dürft« voraussichtlich in diesem Jahre nicht mehr anfgenonumen werden. Ss liegt scheinbar Brandstiftung vor.

Unser Berliner R. L.-Mitarbeiter übermittelt uns über die Brand-Kaiasirophe folgenden Bericht: Die Berliner Theaietsaison, die in diesen Tagen beginnt, ist am gestrigen Sonntag mit einem schrecklichen Banal einge­leitet worden. Das eleganteste Theater der Retchshauprstadt, das Theater des Be­st e n s, ist von einer Brand-Katastrophe heimgesucht und soweit ein Raub des Feuers geworden, baß eine Weiterführung der Vor­stellungen des Theaters auf Monate hinaus ein Ding der Unmöglichkett ist. Das Theater des Westens befindet sich in Charlottenburg in der Kantstraße und ist von dem bekannten Architekten Sehring erbaut worden, dem es auch noch heute gehört. Es ist außerordentlich prächtig nnd luxuriös eingerichtet und ist ge­genwärtig an dem Theaterdirektor Max Monti und dem bekannten Theaterverleger Sliwinski verpachtet. Sliwinski läßt in dem Theater die Hauptschlager seines Verlags aufführen. Zuletzt gelangte im Berliner Theater des Westens OffenbachsSchöne He- tena in der Reinhardtsehen Inszenierung zur Aufführung, wobei der deutsche Kronprinz mehrfach anwesend war. Bereits im vorigen Jahre ist in dem Theater schon einmal ein Brand ausgebrochen, der allerdings noch recht­zeitig unterdrückt werden konnte. Der gestrige Brand ist genau an derselben Stelle wie im vorige» Jahre ausgebrochen, und man vermu­tet darum, daß man es mit dem

/ Verbrechen eines Brandstifters zu tun hat. Es haben sich vier Brand« Herde entwickelt, und infolgedessen nahm daS Feuer eine so große Ausdehnung a», daß es bereits das ganze Bühnenhaus vernichtet hatte, ehe die Feuerwehr richttg eingreifen konnte. Ein großer Teil des wertvollen Fundus des Theaters ist ebenfalls verbrannt, vollständig vernichtet sind auch die Kulissen und Dekora­tionen. die soeben erst für die Premiere der OperetteDer goldene Leichtsinn" von Koblinskv und Alfredy angeschafst wurden, die am 13. September stattfinden sollte. Aber das Theater wird auf Monate hinaus gebrauchs­unfähig fein. Um dem Rauch einen Abzug zu schaffen, wurden Fenster und Wände einge- scblagen. Alle Mauern haben durch die große Hitze Risse bekommen. Der Eigentümer des Theaters, Herr Sehring. und Herr SliwinSki sind zurzeit nicht in Berlin anwesend. Direktor Monti, der auch noch im Neuen Theater am Schiffbauerdamm ein Operettenensemhle unter­hält, wollte sich übrigens in kürzerer Zeit von Sliwinski trennen und diesem das Theater des Westens allein überlassen. Wie ich erfahre, wird das Ensemble der Theaters des Westens vermutlich im Neuen Schaufpielhaus am Nol- lendorsplatz toeiterspielen, das sowieso infolge des Zusammenbruchs von Direktor Halm am ersten September leer steht.

An der Brandstätte.

< (Privat - Telegramm.)

Berlin, 26. August.

Ms gestern mittag die Züge der Feuerweh« ren am Theater des Westens eintrafen, dran­gen aus allen Oeffnungen des großen Gebäu­des, selbst aus den Kellerfenstern, dichte Rauchwolken, sodaß sich gar nicht feststel­len ließ, an welchen Stellen es brannte. In kurzer Zeit waren nicht weniger als fünfzehn Schlauchleitungen gelegt. Die Wand, die die Verbindung zwischen dem heruntergelaflenen eisernen Vorhang und der Saaldecke bildet, war durch eine Explosion auseinanderge­sprengt und in den Zuschauerraum geschleu­dert worden. Durch die so entstandene Oeff. nung hatten die Flammen vom Bühnenraum in den Zuschauerraum einen Weg gesunden. Der Leverwebr a<Igna es. den Brand im Zu-