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Wckr Neueste Nachrichten

Nr. 221

Zweiter Jahrgang

Das Haus Breithaupt

Breii-

Dr. Richard Breithaupt.

Dreizimmerwohnung, für die er 900 Marl Mie

te zahlte, T|t von ihm nur ein Zimmer mobilen worden während die Ausstattung der beiden

Ein Rückblick auf seine Entwicklung und Geschichte; hundertfünfzig Jahre deutscher Arbeit; vom Gewehr zum Llniversal-Jnstrument.

Darmstadt zum Hessen - Casiel'schen Hofmecha- nikus vom Landgrafen Friedrich II. ernannt, eine Stellung, die ihm die Erhaltung und Meh­rung der weltberühmten physikalischen und astronomischen Jnstrumentensammlung, deren Aufteilung leider bevorsteht, anvertraute. Bis zum Tode Georg Breithaupts (1806 bis 1888s verblieb die Sammlung, die sich bis dahin eines vorzüglichen Zustandes und rei­cher Zuwendungen seitens der Firma zu er­freuen gehabt hatte, der Breithaupt'schen Für sorge: ihre getreue Verwaltung wurde stets als ein Ehrenamt von den Beteiligten angesehen. Im Jahre 1888 wurde den Breithaupts das liebgewordene Amt aus unbegreiflichen Grün­den entzogen; ein Schritt, der in einer Zeit auflösender Tendenzen umso «lehr auffallcn mußte, als man annehmen durfte, daß dem Staat an der Pflege einer seßhaften, mitBie­nenfleiß" werktätig schaffenden, nunmehr durch sechs Generationen der Wissenschaft dienenden Familie hätte gelegen sein müssen.

übrigen seiner Wirtschafterin gehörte für die er ebenfalls nur bescheidene Ausgaben gemacht hat. Klotsch macht

einen sehr verstockten Eindruck

und will mit der Sprache nicht herauskommen. Interessantes Material ergab die Vernehmung der Wirtschafterin des Mötsch, mit der er seit etwa zwei Jahren gemeinsam in der Nieburstraße zu Eharlottenburg wohnt. Nach deren Angaben hat Molsch stets von seinen an­geblich sehr reichen Eltern und der gro­ßen ihm zugesallcncn Erbschaft gesprochen. Sie war häufig mit auf den Rennplätzen, die Mötsch besuchte, und warnte ihn jedesmal da­vor, so hohe Summen ru setzen. Rach ihrer

Oberstleutnant von Rheinbabe»

war am 24. März 1858 in Küstrin geboren. Sein Vater starb am 29. Juni 1866 in der Schlacht bei Gitschin den Heldentod. Nach kurzem Be­such der Universität Berlin trat er im Jahre 1878 als Fahnenjunker in das erste Garde- Feldartillerie-Regiment ein und wurde 1890 in das Feldartillerie-Regiment Nr. 18 versetzt und später Adjutant der fünften Feldartillerie-Bri- gade. Von 1893 bis 1898 war Freiherr von Rheinbaben Batterie-Chef im Feldartillerie- Regiment Nr. 18. Bis April 1901 war er dann Lehrer an der Kriegsschule in Hannover. Von dieser Zeit an gehörte er dem vierten Garde- Feldartillerie-Reziment an. Er war ein hal­bes Jahr Abteilungskommandeur. Am 22. April dieses Jahres wurde er an die Spitze des Feldartillerie-Regiments Nr. 23 gestellt. Er war verheiratet und Vater von drei Kindern, von denen eine einundzwanzig- jährige Tochter mit dem Kapitänleutnant Holz­apfel vermählt ist.

Wohnung zu Besuch. Sie rissen ihre Schwester gewaltsam aus dem Zimmer, weil sie nichts Gutes ahnten, und retteten ihn io das Leben. Der Selbstmordversuch Klotsch' miß- lang, weil er es nicht verstand, die Patronen in die neugekaufte Drcysepistole einzufügen. Klotsch -gab gestern vor dem Untersuchungs­richter zu, 68 000 Mark im Laufe des Jahres auf Rennplätzen verwettet zu haben.

fei beginnt mit jenem vorher erwähnten Sohn des landgräflichen Försters Breithaupt. Nach einer Breithaupt'schen Familientradition er­regte er die Aufmerksamkeit Ludwigs VIII. von Darmstadt durch eine kunstvolle Jagd­gewehrarbeit, die erste Leistung des her- anwachfendcn Jünglings. Ludwig VIII. ließ den begabten jungen Mann bei dem Hofbüch­senmacher Bostler in Darmstadt und bei dem Hofbüchsenmacher Wens lar in Coblenz aus­bilden und vervollkommnen. Wenslar bekam neunzehn Stück silberne Medaillen als fürst­liches Geschenk,damit er ju einer treuen Un­terweisung seines Schülers, des Breithaupts, aufgemuntert werden möchte".

Die fürstliche Fürsorge hatte auf den Jüng­ling großen Einfluß. Bereits nach Verlauf eines Jahres konnte er seinem Herrn eine Probe seiner Geschicklichkeit in Gestalt zweier Windpistolen überreichen. Mit Bewilli­gung Ludwigs VIII. kam, von Professor Steg­mann berufen, Johann Christian Breithaupt bereits 1758 nach Cassel, nicht (tote jetzt bei der Jubelfeier an mehreren Stellen irrtümlich berichtet) erst 1762. Dieses Jahr wurde für ihn aus dem Grunde bedeutungsvoll, weil er von dieser Zeit an auch für sich auf eigene Rechnung arbeitete. Am 5. November 1768 (nach anderen am 20. November 1767) wurde der junge Breit­haupt mit Erlaubnis des Landgrafen von

mäßig kurzen Zeit gemacht hat. Bei der fort­gesetzten Durchsuchung der Wohnung fand die Kriminalpolizei einen Zettel, auf dem der De­fraudant seine Mutter um Entschuldigung wegen seines beabsichtigten Schrittes bat, und ihr mitteilt, daß er sich und seine Ge­liebte töten werde. Er könne nicht anders handeln, eine Rückkehr gebe es nicht mehr für ihn.

Die Mordpläne des Defraudanten.

fcine Prager Korruptions-Affäre.

(Privat Telegramm.)

Prag, 24. August.

In beteiligten Kreisen Prags sucht man (wie die Bohemia meldet) eine Korruptions­affäre zu vertuschen, bei der es sich um g r o, 6 e Summen handelt. Die Stadtgemeinde Prag beabsichtigt nämlich, ein neues Gaswerk aufzuführen und gleichzeitig taucht das Pro­jekt auf, die sogenannte belgische Gasan­stalt, deren Werk in einer Vorstadt Prags sich befindet, und dem städtischen Gaswerk eine bedeutende.Konkurrenz macht, der Ver­staatlichung zuzuführen. Aus Anlaß die. ses Projektes ist es nun zu verschiedenen Be­einflussungen gekommen, die dazu ge­führt haben, daß ein Herr vom französi­schen Konsulat in Prag, der sich mit der Vermittlung der Angelegenheit befaßte, vom französischen Ministerium des Aeußern in. Dis. ziplinaruntersuchung gezogen worden ist. Man spricht von einem großen Skandal, in den einflußreiche Personen verwickelt sein sollen.

Ferner Friedrich Wilhelm Ferdi­nand Ritter von Breithaupt, ein Sohn des kurfürstlichen Münzmeisters Fried­rich Wilhelm Breithaupt, der Erfinder des Ringbrenn - Zünders, der unbe­schränkten Tempierbarkeit des Rotationszün­ders, ohne die die volle Wirkung des gezogenen Krupp'fchen Hinterladergeschützes nicht denkbar ?a.r*die einen Schlußstein in der artil- lenstischen Entwicklung bedeutet. Um die Ge­nealogie der Gesamtfamilie Breithaupt, von der die Casseler Familie ein Zweig ist. machte ich der von rastlosem Eifer erfüllte, 1907 ver- torbene Senior-Chef F. W. Breithaupt (der Jüngere) in hervorragender Weise verdient. Ohne seine Mithilfe dürfte sich die Familien­chronik heute kaum ihrer fünf stattlichen Bän­de erfreuen. Die heute bestehende Katheto- meter- und Sphärometerkonstruk- tionen, sowie die Ausbildung der Fein­te r l u n g in ein Viertel und ein Fünftel Gra­de sind auf ihn zurückzuführen. Die Ver­dienste der Firma um den hohen Stand her Präzisionsmechanik sind von den verschieden- ten Federn und Rednern gewürdigt. Gewiß hat das Haus Breithaupt seinen Aufstieg und einen bescheidenen Wohlstand feinemBie­nenfleiß", wie der Vertreter der Handels­kammer bei der Hundettjahr - Feier treffend bemertte, zu verdanken. Wenn aber in diesen Ta-1 gen Lorbeeren nach verschiedenen Seiten gestreut wurden, Jo gebührt ein Reis davon auch dem Landgrafen Ludwig VIII. von Darmstadt und Friedrich II. von Cassel. Die Sonne des Hau-I es Brabant lächelte den bescheidenen Anfän­gen Johann Christtan Breithaupts zu und ver­dunkelte sich auch nicht dessen Nachkommen in den Wirrnissen des neunzehnten Jahrhunderts. Und ohne die Ausstrahlungen der Lebensar­beit des einsamen fürstlichen Gelehtten Will Helms des Weisen, die in der Pflege der ostro-1 nomischen Wissenschaft auf feinen großen Nach­kommen Karl und Friedrich II. wirkten, hätte chließlich die Präzisionsmechanik in Cassel chwerlich Eingang gefunden.

1. Beilage.

Sonntag, 25. August 1912.

. Wie die Wirtschafterin des Klotsch bei ihrer gestrigen Vernehmung aussagte, zog sie Klotsch, als er am Tage feiner Verhaftung in der Morgenfrühe heim kehrte, die Wirtschafterin mit sich in das Schlafzimmer. Zufällig

Sie Koblenzer Tragödie.

Oberstleutnant von Rheinbaben f.

Wie wir schon gestern kurz berichtet haben, ist in Koblenz der Kommandeur des zwei­ten Rheinischen Feldartillerie-Regiments Nr. 23, Oberstleutnant Freiherr von Rhein­baben, plötzlich, ob freiwillig oder infolge eines Unglücksfalls, ist noch nicht aufgeklärt, »us dem Leben geschieden! lieber den trauri- gen Vorfall, der überall aufrichtige Teilnahme erweckt, werden inzwifchen Einzelheiten be­kannt, die darauf schließen lassen, daß der all. gemein beliebte Offizier das Opfer einer star­ken Nerven.Ueberreizung geworden ist. Darauf deuten auch die Umstände hin, die dem tragischen Ende des Oberstleutnants vor- ausgingen, namentlich die Ansprache, die der Kommandeur kurz vor seinem Ende an seine Offiziere gehalten hat.

Luglück oder freiwilliges Ende?

(Telegraphische Meldungen.) Koblenz, 24. August.

Oberstleutnant Freiherr Walter von Rheinbaben, der am Donnerstag abend! in seiner hiesigen Wohnung erschossen auf- gefunden wurde, litt, wie aus Regimentskreisen mit geteilt wird, an einer schweren ner­vösen Erkrankung. Den Offizieren des Regiments fiel seine Nervosität schon seit lan­ger Zeit auf. Er setzte sich (wie aus denselben - Kreisen verlautet) in den letzten Tagen wieder­holt mit den von ihm erlassenen Regiments­befehlen in Widerspruch und wurde, als man ihn darauf aufmerksam machte, außerordentlich heftig und erregt. Am Sonntag hatte er den Appell der alten Artilleristen in Koblenz abge­nommen. Am Donnerstag versammelte der Oberstleutnant seine Offiziere und hielt eine Ansprache, die von ihnen als ein Abschied empfunden wurde. Wenige Stunden später traf die Nachricht von seinem Hinscheiden beim Re­giment ein. Nach der Darstellung der Frei- Herr von Rheinbabenschen Familie handelt es sich nicht um einen Selbstmord, sondern um einen Unglücksfall. Freiherr von Rhein-1 baden sei, so äußerte sich die Familie, für ge. ftern zur Jagd eingeladen gewesen. Er habe sein Gewehr untersucht, und beim Reinigen I soll ein Schuß losgegangen sein. Der Bruder I des Verstorbenen, der Oberpräsident der Rhein­provinz, wurde telegraphisch aus Salzig an das Totenlager gerufen. Er war über den un­erwarteten Tod seines Bruders sehr erschüttert. Die Leiche des Oberstleutnants wird nach Potsdam übergeführt und dort beerdigt. Das Feldartillerie-Regiment Nr. 23, dessen Kommandeur der Verstorbene war, rückte ge­stern zum Manöver aus. Eine Batterie des Regiments erhielt Befehl, die Ueberführung der Leiche des Kommandeurs nach dem Bahn­hof in Koblenz zu übernehmen.

Berlin, 24. August.

In der gestrigen eingehenden Ve.rnehmung des Defraudanten Klotsch ist sestgestellt wor­den, daß der Defraudant einen großen Teil der veruntreuten Summe im Renn-Wett­spiel verloren hat. Er unterhielt ständigen Verkehr mitberücbtigienBuchmachern und scheint von diesen um erhebliche Summen betrogen worden zu sein. Auch wurde feftge= stellt, daß Klotsch in den beiden Monaten Mai und Juni dieses Jahres über 3000 Mark verbraucht hat. Aber wenn man auch in Betracht zieht, daß Klotsch viel auf Rennbah­nen, und zwar in Berlin wie auch auswärts, gewettet hat, so stehen diese Ausgaben immer noch nicht mit der Höhe der unterschlagenen Summe im Einklang, und es bleibt die Frage offen, wo die -großen Summen h i n a e k o m -

Die Berliner Defraudanten.

Roch immer keine volle Aufklärung!

Die Unterschlagungsaffäre beim Schaaffhau- senschen Bankverein in Berlin ist noch im­mer nicht völlig aufgeHärt; trotzdem find die polizeilichen Ermittelungen in der Angelegen­heit vorläufig abgeschlossen worden, lieber 40 000 Mark hat Klotsch keine Auskunft gege­ben. Man glaubt, daß et das Geld irgendwo unter falschem Namen zur Aufbewahrung übergeben hat, um es nach Verbüßung der Strafe abzuheben. Klotsch ist vollkommen apa­thisch. bat trotz allen Zuredens sein Ge­ständnis nicht erweitert. Weiter wird noch be richtet:

Ein Opfer des Turfs?

(Privat-Telegramm.)

Km ihres Kindes willen...!

Man schreibt uns aus Wien: Aus Stete zu ihrem Kinde wurde die Gatttn des Bauern, gutsbesitzcrs Pollantschek aus Groß- I Zdikau im Böhmer Wald zur Heldin. Auf ihrem Guishofe brach ein gewaltiges Feuer I aus. Die Frau war auf dem Felde, als sie von dem Brande hörte. In rasender Eile stürzte sie nach Hause, denn im Wohnzimmer schlief ihr kleines Kind. Als sie im Dorfe an. kam, stand schon das ganze Haus in Flammen. In wahnsinniger Angst wollte sich die Mutter in das Feuermeer stürzen, um das Leben ihres Kindes zu retten. Einige Feuerwehrleute ver, suchten sie zurückzuhalten, aber mit übermensch­lichen Kräften riß sich die Frau los und stürzte in das Haus durch die Flammen hindurch. Nach wenigen Sekunden schon ging ein Freu- denschrei durch die zusamiyengelaufene Volks, menge, denn im Rahmen des Fensters, das von Rauch und Brand schwatz gefärbt war, er­schien die Mutter, das gerettete Kind in den Armen haltend; ihr Gesicht war schwarz und ihre Haare waren versengt. Sie hüllte das

Sechs Jahre lang tvon 1561 bis 1567) wid­mete sich der Begründer der grundlegenden Rechnungsmethode der astronomischen Wissen­schaft, Landgraf Wilhelm der Weise, noch bevor er unweit seines Schlosses, in der Gegxnd des Zwehrenturmes die Sternwarte mit einem drehbaren Dach errichtete, der Ausarbeitung von Sternverzeichnissen, mitje­ner festen Beharrlichkeit und unstörbaren Auf- merkfamkeit, welche aus der Vereinigung aller Deelenkräfte in einem einzigen Brennpunkt entspringt". (Rommel, Hessen. S. 779.) Zu sei­nen Feststellungen bedurfte er eines Hohlspie­gels ; nach solchen Hohlspiegeln hatte er lange in allen deutschen Städten geforscht, bis endlich der berühmte Pariser Optiker Ramus kurz vor der Bluthochzeit dem Fürsten versprach, ihm das Gewünschte zu verschaffen. Ramus wurde jedoch in der Bartholomäusnacht mit vielen anderen Männern von Geist und Gelehr­samkeit ermordet. Erst dem aus Hersfeld stammenden Professor Riesner, dem der Abt Ludwig von Hersfeld ein Grabmal setzte, gelang es, aus den Händen desjenigen, der bi: Bibliothek Ramus' geraubt, einen Hohlspiegel zu erwerben,den er durch Johann Breit­haupt aus Paris sandte, und dessen Eigen­schaften fein drei Jahre zuvor erschienener thesaurus opticus erkläre".

Ob dieser Johann Breithaupt in verwandt­schaftlichen Beziehungen zu dem am 23. Juli 1736 in Hof Hartenau, unweit Darmstadt, geborenen landgräflichen Försterssohn I o Hann Christian Breithaupt, dem Be­gründer des Casseler Hauses, stand und mit dem Bürgermeister von Kreuzburg (das heute verschwiegene Werrastädtchen war in den Tagen der Hansa ein Verkehrsmittelpunkt zwischen den Städten des Südens (Augsburg) und denen des Nordens (Lübeck), Johannes Br eit Haupt (1508 bis 1572), identisch ist.

steht dahin. Sicher ist jedenfalls, daß dieser Bürgermeister in finanziellen Beziehungen zum kurpfälzischen Hof in Zweibrücken stand. Vom Kaiser Maximilian II. wurde ihm durch den Statthalter von Niederösterreich, Urban Bischof zu Gurck, ein neues (auch von dem Casseler Haus stets geführtes) Löwen- Wappen verliehen, das von dem altenreden­den" mit dem bärtigen Manneskopf die germa­nische Hausmarke, der Zahl 4 ähnlich sehend, entnahm. Es steht auch fest, daß Bürgermei­ster Johannes Breithaupt Reisen in aller Her­ren Länder, auch in die kaum entdeckte Neue Welt, unternahm, und daß er auf diesen Rei­sen Frankreich öfters berührte.

Die Spuren zu diesem to eltreifenb en Bürgermeister, der aller Wahrscheinlich­keit nach derselbe Johann Breithaupt ist, der um das Jahr 1572 aus Paris Wilhelm dem Weisen den Hohlspiegel mitbrachte, sind in der großen Katastrophe des dreißigjährigen Krie­ges verwischt. Bemerkenswert aber bleibt die Tatsache, daß um das Jahr 1572 zum ersten Male ein Breithaupt austritt, der in Be­ziehungen zur Optik und Mechanik steht, nach Cassel kommt und das Kunst und Wissenschaft fördernde Haus Brabant mit einem lange gesuchten wissenschaftlichen Instrument ersreu- te, das grundlegend für die astronomische Wis­senschaft und die gesamte Optik und Präzi­sionsmechanik war. Die eigentliche Ge­nealogie des Hauses Breithaupt-Cas-

Jn diesem Zusammenhang mag noch er­wähnt werden, daß denvollgepfropften Jn- strumentenschränken" der Stadt Cassel seit zwanzig Jahren kein Breithaupt'sches Instru­ment, sondern zumeist EWugnisse solcher Werk­stätten einverleibt wurden, die erst aus der Firma F. W. Breithaupt und Sohn entstanden lind. (Ich kann diese Tatsache umso mehr fest legen, als mich keinerlei materielles Interesse mit der Firma Breithaupt verknüpft.) Das hat ben Aufstiegi des Hauses Breithaupt nicht hindern können. Heute sendet die Firma ihre Erzeugnisse: Transite, Schnellmesser, Sta­dler-Instrumente, Kippregeln, Kathetometer, astronomische und Universal-Jnstrumente und dergleichen in alle Weltteile, und viele Reichs­und Staatsbehörden, sowie die Stadtbauämter fast aller größeren Städte gehören zu ihrem Kundenkreis. Auch die Männer der Wissenschaft haben dem Hause Breithaupt ihre Anerken­nung stets in reichem Maße zuteil werden las­sen; das bewies erst vor einigen Tagen (am 17. August) die Ehrung durch die Aachener Hochschule. Es sei auch noch daran erinnert, daß zwei bedeutende Artilleristen aus dem Cas­seler Zweige des Hauses Breithaupt hervor- gegangen sind: Ludwig von Breit­haupt, Johann Christians dritter Sohn, der bereits 1822 bis 1824 als württembergischer Oberstleutnant ein Verfahren zur Herstellung von Geschützen aus dem im Hochofen umge­schmolzenen Roheisen angab und durch Fertig­stellung von Kanonen und Haubitzen auspro- vierte.

Aur aller Welt.

Der Ehemann in Frauenkleidern.

Unter dem Verdacht, der gesuchte Berit- ner Kassenbote Brumna zu fein, iit auf dem Fernbahnsteig in Charlotten, bürg eine Dame verhaftet worden, die in dem v-Zug Köln- Berlin in Begleitung einer andere» eleganten und auffallend schönen Frau die Reise von der rheinischen Hauptstadt nach Berlin zurückgelegt hatte. Auf der Fahrt war dem Oberkellner des Speisewagens in dem Zu- ge die tiefe, baritonartige 'Stimme der schönen Frau aufgefallen. Er verständigte sich mit sei. neu Kollegen und man kam zu der Ansicht, daß es sich wahrscheinlich um den flüchtigen Kassen- boten Brüning handle. Auf dem Charlotten­burger Polizeipräsidium legitimierten sich die beiden Damen zur größten Ueberrafdjung der Beamten als . . . ein Ehepaar aus Frank- furt a. M. Der als Frau gekleidete Gatte gab an, daß er ein Transvestit sei und einen Ber­liner Arzt konsultieren wolle. Die jüngere Da­me erklärte, daß sie die Frau des Transvestiten und vollkommen damit einverstanden sei, daß ihr Mann weibliche Kleidung trage. Ihre seit zwölf Fahren bestehende Ehe sei sehr glücklich. Den Verdacht, der Kassenbote Bruniuz und sei. ne etwaige Begleiterin zu sein, wiesen die Si- ftierten mit Entrüstung zurück. Die von der Kriminalpolizei angestellten Nachforschungen ergaben die Wahrheit der Angaben des seltsa­men Ehepaars, das darauf in Freiheit gesetzt wurde.

Ein Schläfchen auf den Schienen.

Ausflügler, die in einer der letzten Nächte mit dem letzten Zuge das Müglitztal pas- fierten, erlebten (wie aus Dresden berichtet wird) hinter der Station Weesenstein ein höchst amüsantes Abenteuer. Die Lokomotive des Zügle dampfte lustig darauf los, als sie auf einmal einen Schreck bekam, der ihr in alle Glieder fuhr. Vor ihr lag, quer über die Schienen hingestreckt, ein Mann. Jedenfalls wollte der Lebensmüde hier unter sein Dasein den Schlußpunkt setzen. Aber die barmherzig« Lokomotive tat ihm den Gefallen nicht, son­dern stand sofort mtt einem tüchtigen Ruck still. Die Passagiere wurden so durcheinander ge­schüttelt, daß sie sogleich mit den Köpfen zu den Fenstern hinausfuhren und zitternd frag­ten, was denn eigentlich Schreckliches passiert sei. Einige Beherzte hatten sich inzwischen an das Hindernis herangemacht und entdeck­ten da, daß der Selbstmordkandidat nicht nur nicht an allen Gliedern zitterte, sondern seiner Zufriedenheit mit allen irdischen Dingen da­durch Ausdruck gab, daß er kräftig schnarchte. Das Staunen der herbeigeeilten Passagiere er­reichte jedoch den Höhepunkt, als man beim Schein einer Laterne erkannte, daß der Sieben­schläfer der . . . Nachtwächter des benachbarten Dorfes war.

Kind in die Fetzen ihrer Verbrannten Schürze, schwang sich auf das Fensterbrett und sprang das Kind fest in den Armen haltend, herab Hunderte von Hilfsbereitei: Armen streckten sich ihr entgegen, um sie aufzufangen. Sie .'onn'en aber nicht verhindern, daß sich die Mutter beim --prung ein Lftün brach. Das Kind dagegen - . U'urde heil und unversehrt dem Feuenove ent.

aber waren ihre schwerem.n der Klotzuchen I rissen.

men sind. Es muß als wahrscheinlich gelten, Bekundung wettete der Bankbeamte oft 500 daß er noch Geld hinter sich hat, denn in seiner und2000 Markaus ein Pserd; verlor Dreizimmerwohnung, für die er 900 Mark Mie- dieses das Rennen, so verdoppelte er seine te zahlte, ist von ihm nur ein Zimmer möbliert Einsätze. Auf diese Weise erklären sich die gro- i ßen Ausgaben, die Klotsch in der verhältms-

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