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Hessische Abendzeitung

Casseler Abendzeitung

2. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

Sonntag, 25. August 1912

Nummer 221

Fernsprecher 951 und 952.

D>, Haftetet Neuesten Nochrt-dken erschein en wochenMch sechlmal und ,war eben»«, »et abonnementepret« beträgt mänatttdt M Psg. bet tretet guttellung In« Hau«. Bestellungen Derben jeberjett oon bet LelchäNSttelle ober den Boten entgegengenommen, »ruäeret. Bering UN» Rebattton: Schlochthofftraße 28/80. Sprechstunden der RednMon nur von 1 bt« 3 Uhr nachmtNag». Sprechstunben der Cuetunft. Stelle: Jeden Mittwoch und grettag non « bt» 8 Udt oben»« Berliner Vertretung: SW, grtebrtchstr 18, letepbon: Amt Mort?p!n« 67«

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Zeppelin kommt nicht!

Die Fahrt derViktoria Luise" nach Cassel »««ünsttger Witterung halher aufgegeben!

Die Casseler Neuesten Nachrich­ten konnten bereits gestern abend um neun Ahr melden: Die Fahrt- leitung derDelag" gibt soeben bekannt, daß die für morgen früh / geplante Fahrt derViktoria Luise" von Gotha nach Cassel end» gültig aufgegeben worden ist. Wenn am Sonnabend noch die Fahrt unternommen wird, so kann dies nur gegen Abend geschehen.

And heute früh ging u»S aus Gotha folgende (durch Extrablatt .um sechs Ahr verbreitete) Meldung zu r DieDelag" teilt soeben mit, daß das LuftschiffViktoria Luise" die Fahrt nach Cassel auch heute nicht antreten kann. Die Wit- terungsverhältnisse seien zu ungünstig, um die Fahrt wagen »v können. Es ist deshalb anzu- nehmen, daß die Fahrt mach Cassel überhaupt nicht stattfinden wird, war Vorauszusehen: Der August meint's schlimm mit uns, und in seinen Regenschauern ist CasselZ Hoffnung nun endgültig untergegangen! Unsre Geduld war sicher noch größer als unser Pech, und unsre Hoffnung stärker, als die Ausdauer des Augustzorns; aber gegen Sturm und Regen kämpft auch der Glaube der Casselaner an di« Leistun'gfähig- nt und Wetterhärte der Zeppelinen vergebens, und nur muffen uns nun damit trösten, daß wir tapfer ausgeharret habe», bis der Regen- toauer triefende Flut das letzte Hoffnung- Fünkchen rauh zum Sterben brachte. Ob Zep­pelin nun doch noch kommen wird? Wann? Wie? Und wo? Wer weiß es! Die Witte- kungsaü-sichten sind der Hoffnung nicht günstig; für die nächsten Tage steht noch die Fortdauer des augenblicklich herrschenden Sturm- und Regenwetters in Aussicht und Anzeichen eines sich vorbereitenden Umschlags in der Witterung sind vorerst nicht zu erkennen. Unter diesen Umständen gewinnt die Casselfahrt derVik- toria Luise" immer mehr die Bedeutung eines großen Fragezeichens, und wenn dieDelag nicht die Möglichkeit schafft, vielleicht von Frankfurt aus in schöner» Septemberlagen eine Fahrt nach Cassel bewerkstelligen zu kön­nen, dann werden wir in diesem Herbst die »Viktoria Luise" in Cassel wohl nicht mehr begrüßen können. Wir haben dieser Tage erst in unsrem Leitartikel über die Verschiebung und wahrscheinliche Aufgabe der Fahrt Gotha- Cassel darauf hingewiesen, welche nützliche E r- k e n n t n i s uns aus der diesmal erlebten Ent­täuschung erblühen kann. Erfahrung macht weise, und wenn die betrübliche Erfahrung, die uns das Zeppelinfahrt-Projekt gebracht hat, nunmehr in dem Entschluß lebendig und wirksam wird, daß wir es uns abgewöhnen wollen, immerunter den Letzten" zu sein, dann sind die Regenschauer des Augustmonds doch vielleicht nicht nutzlos über Cassel nieder- gegangen, und aus der Zeppelin-Fahrt, die ein schöner Traum blieb, erwächst uns dann «ine Wirklichkeit, die wertvoller sein kann, als das imposanteste Schauspiel draußen auf dem Forst...! -an.

*

Don gestern zu heut.

Der Regen regnet jeglichen Tag!"

DieCasseler Neuesten Nachrich- i e n* konnten bereits gestern abend um neun Uhr durch Extrablatt mitteilen, daß heute früh an eine Fahrt derVittoria Luise" über Cassel »ach Frankfurt nicht zu denken sei. So kam es auch: Der Regen, der schon gestern Abend einsetzte, hielt die ganze Nacht hindurch mit unvermindetter Stärke an, und dazwischen folgte ein Sturmwind, daß die Baumwipfel sich tief neigten und alle Blätter ängstlich zit- fetten. Auch heute morgen dauerte der Regen fort und als der Tag 'graute, hinge» düstre, regcnschwere Wolkenberge über der Stadt. Um sechs Uhr konnten dieC a s s e l e r R e u e st e n Nachrichten* bereits den telephonisch An- rufenden mitteilen, daß nach Auskunft der Delag in Gotha für heut« kein Auf- stieg zu erwatten sei. Unser Gothaer Kor- r e s p o n d e n t hatte heute früh bereits i-m Schloßhotel* eine Unterredung mit dem 'Füh. rer derViktoria Luise", Kapitän Blew. Der Kapitän erklätte, daß bei der höchst ungünstigen Witterung vorläufrg

an einen Aufstieg nicht zu denke», sei. In Gotha herrscht statter Srurm und Re, gen. Der Wind hat bereits auf dem Boden <ine Stärk« von «weiundzwanzia Sekunden­

metern. In der Höhe ist die Windstätte »och bedeutend größer. Es bestand heute morgen die Absicht, im Falle das Wetter sich im Laufe des Tages bessern sollte, de» Aufstieg »och zu unternehmen, da heute früh die Wetterausstch- ten noch nicht feststanden. Da das regnerische Wetter aber andauert, ist die Absicht, heute die Fahrt noch zu unternehmen, endgültig aufgeze- 6en worden. Auf dem Landungsplatz in Go­tha waren beute früh Passagiere aus Cassel nicht anw esend, da das Luft­schiff von Gotha aus bekanntlich direkt bis nach Frankfurt am Main (allerdings mit einem Umweg über Cassel) durchfährt. Wann der Aufstieg nun erfolgt, ist bei der gegenwär­tigen Witterunzslage gar nicht abzusehen. Ka­pitän Blsw beabsichtigt, die Rückfahrt nach Frankfurt sofort anzutreten, wen» das Wetter sich aufklött.

Sturm und Regen in Gothe.

(Telegramm unsers Korrespondenten.) Gotha, 24. August.

Ein Sturm, toi« er seit gestern abend über der hiesigen Gegend wütet, ist in dieser Stärke seit langem nicht beobachtet worden. Während der Wind in de» Morgenstunden eine Stärke von zwölf bis dreizehn Sekunden­metern besaß, nahm er im Lause des Vormit­tags noch zu, erreichte bald eine Stätte von achtzehn Sekundenmetern. Gegen halb zwölf Uhr war dann der Wind zum Sturm mit zweiundzwanzig Sekundenmetern geworden! Das ist eine Windstärke, bei der ein Luftschiff auf keinen Fall aus der Halle gebracht werde» kann, noch dazu aus einer feststehende» Halle, wie wir sie hier in Gotha besitzen. Kapitän Blew ettlärte des. halb, daß er für heute vollständig dabo» ab- sehen müsse, eine Fahrt mit derViktoria Luise" zu wagen. , Die Fahrt nach Cas­sel-Frankfurt kann demnach nicht ausgeführt werden. Ob ste morgen durchgesetzt wird, ist noch mehr als zweifelhaft, da die bis zur Mittagsstunde vorliegenden Wetternachttchten noch ungünstiger lau­ten, als das Wetter jetzt schon ist. Zur Fahrt mit derViktoria Luise* haben sich acht bis zehn Passagiere gemeldet, die unter Umständen eine Sturmsahrt zu mache» haben, wenn das Luftschiff morgen oder übermorgen den Gothaer Hafen verlassen sollte.

Schlechte Aussichten für morgen!

(Telegraphische Meldung.)

Weilburg, 24. August.

Bo» der Wetterdienststelle Weil- bürg, die ig den letzten Tagen ganz präzise Wettervoraussagen gab, wird uns telegra­phisch folgende Auskunft über die m o r g e n vorherrschenden Winde gegeben: Die heute vor­handenen Winde werden im Laufe des Nach­mittags noch eine Zunahme erfahren, zumal sich der Luftdruck noch vertiefen wird. Die in Cassel um die Mittagsstunde bemerkbar ge­wordene anscheinende Neigung zur Aufklärung ist nur vorübergehend, und zwar bis zur näch­sten Tiefe. Nun liegen heute leider aus dem ganzen Westen des Reiches keine Windmessun- gcn vor, weil der Himmel ttübe und dicht be- wölkt ist. Etwa» Genaueres läßt sich deshalb vorerst nicht sagen, die Wetterlage bleibt aber fortgesetzt ungünstig. Außerdem sind für heute nachmittag und mprgen früh neue hef­tige Böen zu erwarten. Für ein Luft, schiff ist die Wetterlage jedenfalls nach wie vor außerordentlich schwierig.

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Das Wetter am Sonntag.

Der amtliche Wetterbericht sagt für den morgigen Sonntag für Hessen-Nassau fol­gende Witterung voraus: Meist trübe, Regen­fälle, kühle, südwestliche bis westliche Winde.

Bom Diner in den Tod.

Sechzig Personen beim Diner vergiftet!

(Privat-Telegramme.)

Neapel, 24. August.

In Guiliano bi Campinia bei Neapel gab der Bürgermeister gestern ein großes Diner, zu dessen Schluß Eis serviert wurde. Bald nach dem Tiner »purden alle Teilnehmer von heftigen Schmerzen befallen. Sechzig von ihnen mußten ins Hospital gebracht werden, wo sie unter Vergtftungserscheinungen verstorben. Die übrigen befinden sich zum Teil ebenfalls in Lebensgefahr. Reste des beim Tiner servierten EiseS wurden einem Chemiker zur Untersuchung übergeben, und dieser fttute fest, daß sich in dem EiS große Mengen ft a r - len Giftes befanden, das fast immer tödlich

wirkt. Es ist noch völlig unaufgeklätt, wie das Gift in das Eis gekommen ist; Gerüchte wol­len von einem politischen Racheakt wissen, der sich gegen den Bürgermeister und seine Freunde richte.

An Epeyerns KaisergrLbern.

Politische MomentSildchen aus Bayern.

Der parlamentarische Kampf in Bayern, über den wir gestern bereits berichteten, hat allerlei niedliche kleine Intimitäten ans Licht gebracht, die der bayrische» Parteipolitik als Charakteristikum anhaften und die auch allgemein-politisch nicht ohne Interesse sind. In der an Zwischenfällen so reichen Donnerstag-Sitzung der bayrischen Kammer wurde nämlich auch der Schleier über dem Wahlbündnis an den Kaisergr aber» zu Speyer, das Zentrum und Sozialdemokratie in Bayern seinerzeit mit einander schlossen, ge­lüstet. und man erftihr aus den Mftteilungen, der Nächstbeteiligien einige reizende Einzelhei­ten, die die damaligen Vorgänge außerordent­lich wirksam beleuchten.

Bajuvarische Pikanterie«»

(Privat-Telegram m.)

München, 24. August.

Wie der Abgeordnete K ö r n e r in der Don­nerstag-Sitzung der Abgeordneten-Kammer er­klärte, ist im Wahlkreis Germersheim seinerzeit mit Hilfe des Zentrums die nötige Anzahl von Wahlmännern für den sozialdemo­kratischen Kandidaten aufgebracht worden. Der Abgeordnete von Spindler ettlärte fer­ner: Das Zentrum war dabei, man hat sich damals in Mannheim köstlich amüsiert bei den Abmachungen über die Wahl in Ger­mersheim. Unter den Kompromitzwahlmännern für die Sozialdemokratte waren damals Staatsbeamte, Geistliche, Bürger­meister Kriegervereinsvorstände und ein Pen- sionietter Oberstleutnant. Man hatte sogar ein sehr schönes Mittagessen vorbereitet. (Stürmische Heiterkeft.) Damals hat man sich nicht so entttistet. Ich will nicht den Münchener Erzbischof Bettinger nennen, aber den damaligen

Speyerer Domherr« Bettinger den jetzigen Münchener Erzbischof (stür­mische Heitetteit): der war auch dabei und, alle Achtung, er hat sich deswegen auch später nicht ßcniert, wie er schon Erzbischof war; bei einer Besichtigung der Pinakothek hat er mir in der Erinnerung an diese schöne Zeit recht herz- lichdieHandgeschüttelt. Dann berich­tete der Sozialdemokrat Rollwagen noch folgende Einzelheiten zu dem Festmahl: Dir Teilnehmer waren Erzbischof Dr. von Bet­tinger (schallende Heiterkeit), Dr. Jäger vom Zentrum, Erhärt und Prosit von den Sozialdemokraten.' Bei der Gelegenheit habe Erzbischof Dr. Bettinger seiner Freude darüber Ausdruck gegeben, daß bei uns in Bayern eine solche Behandlung der So- zialdemokraten nicht möglich ist, wie in Preußen (schallende Heiterkeit links), und daß die Kreise desAdels und des Junkettums den Einfluß nicht ausübten wie in Preußen. (Stürftnsche, immer erneute Heiterkeit.)

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Kreffenstein «nb Franckenstein.

In der gestrigen Sitzung der bayerischen Abgeordneten-Kammer führte der Zentrums- abgeordnett Franckenstein aus, der Kriegsminister hahe ihm vorgestern Verdächti­gung des Offizettorps vorgeworfen, als habe er mit der Warnung vor der Simplizissi- muskultur seine Königstreue und Loyali­tät in Zweifel gezogen. Er habe nur die Kriegsverwaltung vor der Gefahr des Eindrin­gens jenes Simplizisümusgeistes in das Offi­zierkorps warnen wollen. Nickt er, sondern der Abgeordnete Casselmann habe behauptet, es fei Disziplinlosigkeit im Heere vorhanden. Kriegsminister Freiherr Kreß von Kressenstein erklätte, nach Einsichtnahme des Stenogramms müsse er zngeben, daß der Abgeordnete von Franckenstein die Disziplin der Armee nicht angezweifelt habe.

Eine Katastrophe an Bord.

Fünfzehn Unfälle in einem Jahr!

(Privat-Telegram m.)

London, 24. August.

Ein schwerer Unfall ereignete sich gestern abend an Bord des SchlachtschiffesSu­perbe^, wobei zwei Matrosen ihr Leben verloren und vierzehn in Lebensgefahr schweb, ten. Der Unfall ereignete sich in der Nähe von Portland Bill Weymuth. Nach Schluß der Tagesübungen sollte ein Boot herabgelassen werden. Die Mannschaft (sechzehn Man») hatte bereits Platz in dem Boot genommen, als ein Tau nachgab, wobei alle sechzehn in die hoben Welle» aefckleudett wurden. Fünf Offi­

ziere sprangen nach, um die Matrosen zu ret­ten. Es gelang auch, vierzehn Mann zu retten, während zwei Matrosen ertranken. Im Laufe von einem Jahr ist dies der fünf­zehnte Unfall, der sich an Bord des Schlacht­schiffesSuperbe" ereignet,ein Umstand,auf den die Londoner Morgenblätter in scharfen Ar- titeln, die sich gegen die Admiralität richten, besonders Hinweisen.

Am Tode vorbei!

Eisberg-Abenteuer auf hoher See.

Wir berichtetest dieser Tage über ein ge­fährliches Abenteuer, das dem transatlantische» DampferCor sic an" an einem der letzten Tage nachts auf hoher See begegnete: Ter Dampfer stieß mit einem riesigen Eisberg zusammen, dem er nur mit genauer Not und im Augenblick höchster Gefahr ausweichen konnte. Eine packende Erzählung von dem Zusammen­stoß des Dampfers mit einem Eisberg gibt jetzt ein Passagier, E. E. F o ot, ein Beamter der englischen Admiralität, in einem Londoner Blatt. Die furchtbare Gefahr, die durch des Kapitäns Geschicklichkeit noch glücklich abgewen- bet wurde, überfiel die Passagiere völlig ahnungslos und es ist als ein Wunder zu be­zeichnen, daß das Abenteuer ohne schlimme Folgen geblieben ist.

In Nacht und Nebel.''

(Von unferm Korrespondenten.)

London, 24. August.^

Der Beamte Foot erzählt: Ich blickte auS meiner Kajüte geradeaus durch die Luke und bemerkte, daß der Nebel vorn dichter geworden war. Plötzlich hatte ich den Eindruck, wie wenn er eine lichtere Färbung erhalte. Ein oder zwei Sekunden später war dieser lichtere Teil eine drohend emporsteigende Mauer vor uns und ich schrie auf, als mir klar wurde, daß diese Mauer Eis war und nicht Nebel. Be­vor noch der Schrei verhallt war, ftarrte ich in blaues Eis hinein, daS sich hoch empor­türmte und rechts iuü> links weithin ausbreitete, in die Dunkelheit hinein, sodaß kein Mensch sah ober sehen konnte, wo eS begann und wo es endete. Eine Sekunde später hötte ich ein schweresKrachen, das Schiff stieß in dem Halbdunkel mit dem Eis zusammen, ein paar harte Schläge, ein dumpfes Gelärm ... und der graue Nebel wuchs wieder um uns riesig empor, umhüllte das Schiff mit einer schweren Decke und ließ es allein in dem un­endlichen Raum. Dann folgte ein momentanes Schweigen und dann das Geräusch eiliger Fü­ße, die nach den Booten hindrängten. Ich stand, tote in einem Traum erstartt, bis ich die andern ttngs um mich sah. Da wachte ich auf und kam nach zwei oder drei Minuten aus meiner Kajüte im Mantel und mit einem 91 et« tungsgüttel bewaffnet, und vereinigte mich mit dem Strom der Männer und Frauen, die sich an Deck zufammenballten. Ich kann nur sagen, daß die nächsten zwanzig Minuten

zu den furchtbarsten gehöre«, die ich jemals durchlebt habe. Das Schiss hatte gestoppt und lag schwer im Wasser, wie begraben von der Dunkelheit des dichten Ne. bels; niemand wußte, inwieweit beschädigt. Die Leute ließen mit aller Energie die Boote herunter, aber es dauerte lange; lange, furchtbare Minuten. Di« Passagiere waren eilig zusamengeströmt, in alle» Atten von Kleidern, alle mit dem schreckhaften Ge. denken an die Katastrophe derTitanic", die sich nun unter uns zu wiederholen schien. Zu aller Ehre fei es gesagt, daß ich kein Schreien ober Weinen von irgend einer Frau ober einem Mann hörte, aber die grau­samste A n g st malte sich auf allen Zügen und das Schreckgespenst des nahen Todes lähmte bie Glieder. Diese entsetzliche Span, nung, während derer so mamfrer der Welt Lebewohl sagte, wurde durch die herrlichste Botschaft beendigt, die ich mich erinnere, je­mals gehört zu haben. Sie lautete ganz ein­fach:Zieht die Boote ein." Dann wurde das Signal zum Diner gegeben, und als ich in den Speisesaal kam, saßen berxitss einige andere rings um den Tisch, von dem je­mals wieder zu speisen wir kaum noch erwattet hatten. Mit frohem Herzen und leisem Schauern hörten wir dann, wie knapp wir der Gefahr entgangen waren, wie leicht der unge. heure Eisberg uns hätte zermalmen können, Und mancher sprach ein stilles Gebet ,..!

Ein Drama im Seebad.

Depesche» aus Paris melden uns: In dem ftanzösischen Seebad Onipale für mer wurden vier junge Mädchen aus Paris wähttnd des Badens von einer ungeheuren Sturzwelle ersaßt, Die hatten sich zu weit inD